Kulinarische Mutproben

23. Juli 2010 — 18:43

Es gibt Dinge, die esse ich einfach nicht. Die können noch so gesund sein, noch so in, noch so edel und teuer, noch so kulturell wertvoll, da schnürt es mir einfach die Kehle zu. Gekochter Karpfen, Schnecken, Austern, vietnamesische Knusperspinnen, Heuschrecken, 5-Minuten-Terrinen, Nieren, Kutteln, Hirn a.k.a. (Kalbs)bries, Zunge… you get the picture. Das geht einfach nicht. Bei Tintenfisch halte ich es mit Col. Potter: Ich esse nichts, was sich am Teller festhält (Ankes Bericht mitsamt Foto hat mir die Haare zu Berge stehen lassen). Die Mezcal-Raupe habe ich mit Todesverachtung hinuntergestürzt und war sehr dankbar für den dazugehörigen Schluck Tequila. Besagten Regenwurm habe ich im zarten Alter von etwa sieben Jahren anläßlich einer Mutprobe gegessen und mich immerhin so lange nicht übergeben, bis meine Spielgefährten außer Sichtweite waren. Der McRib fiel mir allerdings schneller wieder rückwärts aus dem Gesicht.

Und Ihr so? Wo hört’s bei Euch kulinarisch auf?

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Bücherstöckchen, Sonderausgabe II: Gedruckt oder als Pixel?

23. Juli 2010 — 15:46

Ich bin lesesüchtig. Ich liebe Buchstaben, kann mich an Worten berauschen, kann keinen Tag verbringen ohne zu lesen, werde nervös, wenn ich kein Buch in der Tasche habe. Das war schon immer so. Wenn alle Stricke reißen, lese ich eben die Inhaltsangabe auf der Cornflakespackung, ich kann nicht anders. Ich kann Tage und Wochen zubringen, ohne einen Menschen zu sehen oder mit jemandem zu telefonieren, ohne daß es mir auch nur auffallen würde. Aber zu wissen, ich habe nichts zu lesen dabei – das treibt mir den Angstschweiß auf die Stirn. Ich bin ein Lesejunkie. Die schlimmste Strafe als Kind war, wenn Mama das Leseverbot verhängte. Falls ich jemals in den Knast kommen sollte, käme ich vermutlich problemlos und auf gefühlt halber Arschbacke über ein zweifaches Lebenslänglich hinweg, so lange die Gefängnisbibliothek ergiebig genug wäre. Und ich liebe Bücher. Eines der geflügelten Worte meiner Kindheit war „Bücher sind Freunde“, zum ersten Mal von meiner Mutter vernommen, als ich als sehr kleines Kind wutentbrannt ein Buch vom Tisch fegte (vermutlich weil es zu Ende war). „Und Freunde behandelt man mit Respekt.“ Ich bin nicht auf Facebook, aber ich habe ziemlich viele Freunde.

Das erste Buch, das ich auf dem Computer las, war Douglas Adams’ The Hitchhikers Guide To The Galaxy, ca. 1990. Es kam auf einer über 30 DM teuren Floppy Disc. Ich hatte das Buch bis dato noch nicht gelesen und war insgesamt eher unterwältigt, sowohl was das Leseerlebnis am Bildschirm, als auch was den Inhalt betraf. Ich konnte das Buch nicht in der Badewanne lesen, nicht im Bett, nicht im Bus, nicht am Strand, nicht in der Mittagspause. Es lag fest auf meinem Mac zuhause. ‘Was für eine Schnapsidee’, dachte ich bei mir. Und das bei diesem Titel! Nie wieder e-Books, das war mal klar. Auch die Haptik des gedruckten Buches fehlte mir zu sehr. Ein e-Book, das war weder Fisch noch Fleisch.

Etwa zehn Jahre später besaß ich einen Palm Vx und war einer der vermutlich drei zahlenden Abonnenten von Stephen Kings The Plant. Ich las gerne Stephen King (kaum jemand schreibt farbenfroher über Kindheiten), und er hatte dieses Shareware-Experiment gestartet: Er würde in festgelegtem Rhythmus die Kapitel eines neuen Buches veröffentlichen und zum kostenlosen Download anbieten, aber nur so lange es genügend Leute gab, die freiwillig einen kleinen Obolus entrichteten. Nach vier oder fünf Folgen war klar: Niemand fühlte sich fürs Bezahlen zuständig, aber Tausende hatten regelmäßig die Kapitel heruntergeladen. Die Geschichte war auch wirklich gut, aber offenbar nicht soooo gut, daß man dafür zwei Dollar bezahlen wollte. Das Leseerlebnis selbst war auf dem Palm natürlich ebenfalls grottig. Der Bildschirm war winzig, die Auflösung förderte Kopfschmerzen, in die Badewanne habe ich mich damit auch nicht getraut (obwohl mir in den letzten 42 Jahren noch nie ein Buch ins Wasser gefallen ist!), aber wenigstens konnte man das Teil jetzt mitnehmen und unterwegs benutzen. Andererseits las ich einfach zu schnell, und die Kapitel waren zu kurz. Der Zwischenstand lautete: Gedrucktes Buch: 2, e-Books: Null. (Mit Hörbüchern kann ich mich einfach nicht anfreunden. Ich lese gern selbst.)

Auf dem iPhone lese ich seit über zwei Jahren regelmäßig meinen Feedreader leer und blättere in den mobilen Versionen der Websites von SpOn, FAZ, sz, FTD, Guardian, NYT u.a. Ich möchte das nicht mehr missen, immer unterwegs ein Häppchen lesen zu können und gleichzeitig informiert zu sein. Obwohl die Lesebrille inzwischen nicht mehr optional ist… das iPhone ist einfach zu klein für gesundes Lesen. Aber Bücher? Bücher gab es bislang nicht auf dem iPhone.

Jetzt habe ich ein iPad, und das kommt mit diversen Möglichkeiten, richtige Bücher in einem augenfreundlichen Format zu lesen. Zum einen gibt es den Apple iBook Store, mit kostenloser App. Das Leseerlebnis damit ist ziemlich gut, auch wenn es nicht an den des gedruckten Buches herankommt, aber auf jeden Fall das bislang beste, was ich an e-Readern gesehen habe. Leider gibt es kaum Titel dort drin (im US Store sind es ein paar mehr), was sich aber wahrscheinlich in absehbarer Zeit ändern wird.
Dem gegenüber steht Amazons Kindle Store, mitsamt der kostenlosen App. Dort bekommt man im US Store allerdings fast jedes englischsprachige Buch. Einen deutschen Store gibt es noch nicht, soweit ich sehen konnte. Kommt sicher bald. Amazon ist bei einigen Titeln etwas teurer und das Leseerlebnis ist nicht so schön wie mit der iBook App von Apple. Da ich jedoch in erster Linie auf den Inhalt achte, hat Amazons Angebot an e-Books bei mir noch die Nase vorn. Bei beiden gibt es übrigens die Angebote des Projekts Gutenberg zum kostenlosen Download. Das sind ein paar Tausend Titel von Klassikern und obskuren Werken, für die das Copyright abgelaufen ist und die sich nunmehr in der Public Domain befinden, wie z.B. Mark Twains Tom Sawyer und Huckleberry Finn oder die kompletten Werke von William Shakespeare. Man kann damit ausgezeichnet über die Runden kommen und etwas für Spaß und Bildung tun, ohne ein Vermögen für Bücher loszuwerden.

Und sonst? Es gilt immer, die Vor- und Nachteile abzuwägen: Positiv vermerke ich, daß ich nun eine ganze Bibliothek mit in den Urlaub nehmen kann, ohne mich kaputtzuschleppen. Ich erinnere mich an die heißen Tränen vor jeder Urlaubsreise früher, auf die ich jeweils nur ein Buch mitnehmen durfte – welches bei meinem Lesehunger und meiner Lesegschwindigkeit meist schon ausgelesen war, bevor das Flugzeug vom heimatlichen Boden abgehoben hatte. Die Entscheidungen immer! Als ob man wählen mußte, welches seiner Kinder man am liebsten hat! Diese Zeiten sind glücklicherweise endgültig vorbei. Allerdings konnte mein Sitznachbar letzte Woche seine Zeitschrift noch bis zur Landung lesen, lange nachdem die „Bitte anschnallen, Rückenlehnen senkrecht stellen, Tischchen hochklappen und alle elektronischen Geräte ausschalten“-Durchsage gelaufen war. Und auch  am Strand oder in der Badewanne greife ich immer noch lieber auf das gedruckte Buch zurück. Auch zum Mücken klatschen eignet sich eine dicke Bestsellerschwarte besser, jedenfalls solange keine gerollte Zeitschrift zur Hand ist. Das iPad ist eine tolle Ergänzung, wird für mich aber niemals ein Ersatz für das gedruckte Buch werden.

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Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

21. Juli 2010 — 10:38

Lacus Lemanus

Meine Begleitung war erkrankt und ich saß auf einer überzähligen Konzertkarte. Der Plan sah folgendermaßen aus: Mit dem Auto ins Dorf zum 3 km entfernten Bahnhof fahren, es dort bis zur spätabendlichen Rückkehr stehen zu lassen und mit dem Zug nach Montreux fahren, dort der Masse nachlaufen bis zur Konzerthalle, hoffentlich das überzählige Ticket noch loszuwerden und abends dann alles wieder retour.

Der Plan scheiterte an einer unerwarteten Baustelle und dazugehöriger Straßensperrung, die mich eine zehnminütige Umleitung zum Bahnhof entlanglotste, durch mir unbekanntes Terrain. Ich kenne das Layout des Dorfs zwar inzwischen grob, aber natürlich nicht die Nebenstraßen und eventuelle Abkürzungen. Als ich auf dem Bahnhof auf den Parkplatz fuhr, sah in den Zug nach Montreux abfahren. Also fuhr ich in nicht besonders gesittetem Tempo zum nächsten Halt, um den Zug vielleicht dort noch zu erwischen. Die Seestraße war verstopf mit Feierabendfahrern, und ich sah zu meiner Linken den Zug gleichauf liegen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten wir uns bis Nyon, dann mußte ich mir eingestehen, daß ich es nicht mehr schaffen würde. Das Spielchen bis Lausanne zu wiederholen wäre Quatsch gewesen, da ich um das noch zu schaffen auf die Autobahn hätte wechseln müssen, was mich ebenfalls wertvolle Zeit gekostet hätte. Außerdem hätte ich in Lausanne binnen einer Minute den Bahnhof und einen passenden, legalen Parkplatz finden müssen – eher unrealistisch. Der nächste Zug wäre jedoch zu spät gewesen um es noch rechtzeitig zu Konzertbeginn zu schaffen.
Ich könnte mich in den Allerwertesten beißen, hatte ich mich schließlich nicht an meine übliche Maxime „wer nicht fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin da ist, ist zu spät“ gehalten, die mir als Kind einer Fliegerfamilie („geb. Lufthansa“) eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Na gut, dann eben nächstes Jahr.

Now playing: „You’ll know when you get there“ (Herbie Hancock)

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Noch ein paar Worte zur Schulreform

20. Juli 2010 — 09:31

Das Volk hat gesprochen, die Schulreform in Hamburg ist geplatzt. Ich für meinen Teil bin sehr froh darüber, aus verschiedenen Gründen. Andere sprechen von Klassenkampf, noch wieder andere entblöden sich nicht zu behaupten, „der elitäre Rassismus hat heute in Deutschland gesiegt” oder faseln von deutschem Blut. So viel hasserfüllte Verblendung ist schwer zu ertragen, finde ich. Eine Elite ist per Definition eine kleine Minderheit. Wie eine kleine Minderheit eine deutliche Mehrheit bei einer Volksabstimmung gewinnen kann? Äh, ja. Genau. Das geht natürlich nicht, aber wozu mit Fakten verwirren? Die breite Mitte hat gegen die Schulreform gestimmt, anders wäre eine Mehrheit nicht zustande gekommen.

Daß es viele Nationen aber keine verschiedenen Rassen unter den Menschen gibt, sollte sich eigentlich inzwischen herumgesprochen haben. Aber mit Reizworten wird man wahrscheinlich seinen Frust besser los; auch ich bin nicht völlig frei davon und gönne mir gelegentlich meine polemischen fünf Minuten im Provo-Modus (Stichwort: Primatenschultweet). Schwarz-Weiß-Malerei geht ja so viel schneller und einfacher als ein differenziertes Bild in vielen Schattierungen zu zeichnen. Der Frust sitzt tief, teils sogar zurecht.

Allerdings auf beiden Seiten des Grabens, denn wer jetzt glaubt, die Befürworter ließen die Champagnerkorken knallen, hat nicht richtig hingesehen. Niemand ist glücklich mit dem Status Quo. Eine Reform des Schulsystems muß her, das ist klar. Ich befürworte die Stadtteilschulen. Ich wäre auch sehr für das gemeinsame Lernen, allerdings bis zur 9. bzw. 10. Klasse und nicht nur bis zur siebten. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, daß es die Schüler weniger traumatisiert, mitten in der Pubertät, wenn sich der heranwachsende Mensch ohnehin permanent im körperlichen und seelischen Ausnahmezustand befindet, aus ihrem Freundeskreis gerissen und sozusagen umgetopft zu werden.

Die Schulreform, so, wie sie zur Abstimmung stand, war nicht Fisch und nicht Fleisch. Es war ein fauler Kompromiss, bei dem niemand etwas gewonnen, der allerdings viel Geld für Showeffekte verblasen hätte. Den Eltern die Mitbestimmung über die Zukunft ihrer Kinder komplett zu verweigern und ausschließlich den Lehrern an die Hand zu geben war natürlich ein Schuß in den eigenen Fuß. Und es gibt keinerlei empirischen wissenschaftlichen Belege für den Erfolg der Primarschule. Es gab und gibt vor allem keinerlei gesundes Finanzierungsmodell für das Projekt, und das war der Hauptgrund dafür, daß ich gegen diese Reform gestimmt habe. Es gab allerdings eine seitens des Senats mit 200.000 € finanzierte, nichtssagende Plakatkampagne, wobei sich offengestanden die Kampagnen aller Beteiligten völlig idiotisch fand: „Wir wollen lernen“ der Reformgegner (das gilt ja wohl für alle) vs. „Geben wir unseren Kindern mehr mit als gute Worte – zum Beispiel guten Unterricht“ der Bürgerschaft (ein Schlag ins Gesicht aller Lehrer und Schulen, die sich seit Jahren genau darum bemühen und denen meist zuerst die Mittel zusammengestrichen werden, wenn mal wieder „über unsere Verhältnisse“ gelebt wurde). Die LINKE schickte „ Deine Stimme für meine Zukunft“ ins Rennen und die FDP forderte „besserer Unterricht für alle Kinder“ – lauter austauschbare, nichtssagende Slogans. Die Plakatkampagnen waren auf allen Seiten einfach unterirdisch schlecht.

Dieses Projekt war nicht nur meiner Meinung nach offensichtlich integraler Bestandteil des Koalitionsvertrags zwischen Schwarz und Grün. Die Grünen schlucken die bittere Pille namens Kohlekraftwerk Moorburg, die Schwarzen segnen im Gegenzug das Lieblingsprojekt der Grünen, die Schulreform ab. Die Wähler beider Parteien sind natürlich die Verlierer bei dieser Kungelei, aber hey, das ist Demokratie; trotz aller Macken immer noch das beste politische System das wir haben. Und dank des Demokratiewerkzeugs Volksabstimmung haben sich die Wähler dann ja auch am Sonntag laut und deutlich geäußert. Wie teuer dem Senat die Kinder in Hamburg sind, hat er ja gerade erst mit der saftigen Erhöhung der KiTa Gebühren um 100€ demonstriert. Nicht wenige Eltern werden auch aus Unmut über diese Erhöhung gegen die Schulreform gestimmt haben.

Ein meiner Ansicht nach sehr trauriger Fakt ist, daß viele Betroffene (ca. 15% aller Hamburger, über 200.000 Menschen) gestern leider nicht mit abstimmen durften, weil sie keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Natürlich ist nicht gesagt, daß das Abstimmungsergebnis sehr viel anders verlaufen wäre (ich für meinen Teil glaube es nicht), aber gesünder wäre es schon für die Demokratie, wenn Menschen, die in unserem Land Steuern zahlen, arbeiten und wohnen und ihre Kinder auf unsere Schulen schicken auch ihre Stimme in Wahlen und Volksentscheiden abgeben dürften. Es ist nämlich auch ihr Land. Wir sind glücklicherweise inzwischen ein Einwanderungsland, ob es den Neocons und Ewiggestrigen nun passt oder nicht.

4 Kommentare » | Momentaufnahmen, Politik

Keine Ahnung!

16. Juli 2010 — 12:35

Lieber @timosen, Du hast recht. Es gibt leider viel zu viele Anlässe, bei denen Spenden und Hilfe dringend nötig sind bzw. ist. Sauberes Trinkwasser für einen Großteil der Welt ist einer davon. Ein weiterer wäre Schulbildung für Kinder in Ländern der Dritten Welt. Unterstützung für Menschen, die politisch verfolgt oder aufgrund ihrer Rasse oder sexuellen Orientierung mit dem Tode bedroht werden. Erdbebenopfer in Haiti. Flutopfer in Polen. Obdachlose Drogensüchtige. Abmahnopfer aus Bloggershausen. Versuchskaninchen aus Pharma- oder Kosmetiklabors. Landminenopfer. Orang-Utangs. Man kann leider kaum einen Meter gehen, ohne einen Grund zu finden, für den sich Engagement und Spendensammeln lohnt. Amnesty, Rotes Kreuz, Sternenbrücke, Hinz und Kunst, Brot für die Welt, Live Aid, Oxfam, Hamburg-Leuchtfeuer, Viva con Agua, SOS Kinderdörfer, WWF — die Liste ist grauenhaft lang, fast endlos.

Warum habe ich mich also entschlossen, meine flattr-Einnahmen einer einzelnen Familie zu spenden, der gerade das Dach über dem Kopf abgebrannt ist und die knapp mit dem Leben davongekommen ist? Einer Familie, die ich genauso wenig persönlich kenne wie ein Kriegswaisenkind aus Ruanda? Einer Familie aus einem erste Welt Land, mit (noch) halbwegs funktionierendem Sozialstaat, zumindest im Vergleich zu anderen Ländern? Einer Familie, bei der beide Elternteile einen Job haben und Geld verdienen, soweit ich das mitbekommen habe? Und die mir nicht einmal eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt ausstellen kann? Mein Steuerberater kotzt eh schon im Strahl mit diesem flattr-Kram, nun spende ich diese dubiosen Beträge auch noch, wo nicht einmal klar ist, ob das Spenden oder Einnahmen für mich sind? Argh!

Ich spende seit Beginn der 90er regelmäßig für die Surfrider Foundation und die Electronic Frontier Foundation (EFF), bei denen ich seit damals auch jeweils Mitglied bin. Auch diese Spenden sind für mich übrigens nicht steuerlich absetzbar, da in den USA ansässig. Sauberes Wasser, saubere Strände und Ozeane liegen mir als Surfer am Herzen, ja. Sauberes Trinkwasser natürlich auch, genau wie die meisten anderen der eingangs erwähnten Themen. Ich spende nicht an Vereinigungen mit gigantischem Verwaltungswasserkopf oder mit religiösem Hintergrund, egal welchem. Ich spende nicht für Themen, die aus aktuellem Anlass gerade in aller Munde sind, warum, das habe ich hier im Blog schon einmal erwähnt. Dieser Fall ist zwar aktuell, aber nicht gerade in aller Munde, jedenfalls habe ich noch keinen Tagesschau-Brennpunkt dazu gesehen, no pun intended. („Weltberühmt in Klein Bloggersdorf“ zählt nicht.) Warum spende ich also für diese Familie?

Ich habe ehrlich keine Ahnung. Ich kann nicht einmal die vielbeschworene Bloggersolidarität ins Feld führen, denn ich habe keines der Blogs dieser Familie je vorher gelesen. Ich lese sie auch jetzt noch nicht, da sie mich thematisch nicht so interessieren, sorry. Ich hatte einfach das Gefühl, ich muß hier etwas tun, sofort, und sei es nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und das war und ist mir Grund genug.

Ich habe keine Ahnung, und deshalb halte ich dazu jetzt einfach die Klappe.

8 Kommentare » | Befindlichkeitsbloggen

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