Die Spieler auf den Touren verfügen fast alle ueber einen Caddie, nur auf den kleineren Einstiegstouren ziehen einige selbst einen Trolley hinter sich her. Ein Caddie ist für seinen Spieler mehr als nur Träger der rund 35 Kilo schweren Tasche. Er hilft bei der Berechnung der Distanz und der Ausrichtung zum Ziel, kennt den Platz und seine Tücken, reicht den richtigen Schläger zur rechten Zeit, reinigt den Schläger nach dem Schlag, bedient die Fahne und ist dem Spieler eine wertvolle psychologische Stütze, die im Zweifel das Richtige sagt bzw. zu schweigen weiss. Die Topspieler der PGA- und European Tour haben oft seit Jahren ihren Bagman und einige wenige sind inzwischen selbst berühmt und – dank ihrer erfolgreichen Spieler – auch reich. Tiger Woods und Steve Williams gehören genauso zusammen wie Phil Mickelson und Jim „Bones“ McKay oder früher Nick Faldo und Fanny Sunesson, eine der ganz wenigen Frauen in diesem Knochenjob, die heute bei Tour-Rookies sehr gefragt ist als Beraterin in Sachen Course Management.

Oft ist es auch ein Familienjob – Seve Ballesteros trug früher die Tasche seine älteren Bruders bevor seine eigene Karriere ihren steilen Aufstieg begann. Luke Donalds Tasche trägt sein Bruder Chris, der auf den schönen Spitznamen Asbestos hört, “because he‘s fireproof”, wie Donald mal gegenüber einem Journalisten witzelte. Ja, Caddies sind auch Blitzableiter.

Romeo: You don’t need to be thinking immortality — you need to be thinking hit the 7 iron!

Caddies kennt man heute meist nur noch aus dem Profigolf, in den Clubs sind sie in vielen Ländern de facto ausgestorben. In der Türkei und nordafrikanischen Ländern findet man noch welche, und in Asien sind sie auch noch sehr präsent. In den USA wurden sie durch Elektrocarts ersetzt, nicht selten mit GPS ausgestattet, damit die Runde schneller und angenehmer für den Golfer verläuft und vor allem der Club einen guten Schnitt macht. Laufen kostet Zeit und Zeit ist Geld. Weshalb auch in nicht wenigen Clubs der USA für die Spieler schon Cartpflicht besteht.

Der Club in dem ich als Kind spielte hatte noch bis in die Achtziger Jahre einen Caddiemaster. Der wachte über eine Anzahl schwer pubertierender Bengels, die für die Runde acht Mark bekamen – plus Trinkgeld, wenn der Spieler eine gute Runde hinter sich hatte. Der Caddiemaster bekam natürlich auch seinen Teil ab. Ihn bei Laune zu halten war für die Jungens essentiell, denn er teilte die Runden zu. War einer auf der shitlist dieses alten Rauhbeins gelandet, konnte er froh sein, überhaupt einen Spieler zu bekommen – und dann war es garantiert ein alter Knauser, der nicht nur kein Trinkgeld gab sondern anschliessend polterte, der verdammte Kerl hätte keinen Ball gefunden und ihm die Runde ruiniert. Trotzdem war die lange Holzbank vor dem Caddiehaus vor allem am Wochenende immer gut besetzt und in den Pausen übten viele der Jungens mit den Schlägern aus dem Lost and Found Bag hinter dem Haus das Spiel.

Caddies gibt es in besagtem Club heute immerhin noch “auf Anfrage” (ich wette, sie ist sehr überschaubar). Einen Caddiemaster gibt es hingegen nicht mehr. Das alte Rauhbein sieht sich längst das Fairway von unten an und einen Nachfolger gab es nie.

Louis: „If you guys want to get fired, if you want to be replaced by golf carts, just keep it up!”

Die meisten Freizeitgolfer heute nutzen einen Trolley. So ein Wägelchen kostet so zwischen 50 und 300 Euro, ist klein zusammenlegbar und versieht klaglos seinen Dienst. Es findet natürlich keine Bälle und hilft einem auch nicht bei der Platzkenntnis oder der Entscheidung „vorlegen oder drüberdonnern“. In der zunehmend beliebter werdenden Elektro-Variante faehrt es fast von allein und kostet zwischen 250 Euro und knapp 5.000 Euro. Ja, richtig gelesen, gefühlte 10.000 DM. Manch einer, der früher zähneknirschend genau 8 DM für vier Stunden Arbeit in eine verschwitzte Kinderpfote gezaehlt hätte, schubst nun lässig seinen leise schnurrenden Titan-Trolley im Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens über den Platz.

Ich bin dann jetzt mal Caddyshack gucken.