Das iPad: (M)ein Erfahrungsbericht

  • Veröffentlicht am 28th September 2010,
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Das iPad: (M)ein Erfahrungsbericht

Das iPad ist leider kein Ersatz für ein Notebook. Was auf den ersten Blick wie eine absolute Binsenweisheit klingt und geradezu nach einem saftigen  „hab’ ich ja gleich gesagt!“ verlangt, war gar nicht so naheliegend. Es kommt natürlich wie immer darauf an, was man unterwegs mit einem Computer so machen möchte bzw. muss.

Was ich mit einem iPad so alles machen wollte:

  • mobil ins Internet gehen um dort
  • Mails abrufen und versenden zu können
  • mein Blog administrieren können (Artikel schreiben, Spamkommentare löschen, Kleinigkeiten im Backend ändern)
  • Officedokumente erstellen, bearbeiten, versenden und empfangen können
  • To-Dos verwalten
  • via Skype telefonieren

und außerdem zu twittern, meine abonnierten RSS feeds und gelegentlich mal ein Buch zu lesen oder vielleicht mal einen Film zu gucken.

All das geht, und dann auch wieder nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das erwünscht oder vorgestellt hatte.

Ja, ich kann Mails empfangen und versenden, aber wenn Dateianhänge im Spiel sind, wird es schwierig (je nach Dateiformat natürlich). Ein .jpg oder .pdf ist natürlich kein Problem, und auch ein .doc lässt sich in der Regel öffnen. Aber schon bei komprimierten Dateien hört’ s auf. Wohin damit?

Ja, die Apple-eigenen Officeanwendungen Pages, Keynote und Numbers funktionieren wunderbar. Die Zusammenarbeit mit den Microsoft Officeprodukten auf dem Mac läuft gut bis problemlos. Man muss sich teilweise sehr umstellen, aber es ist durchaus möglich, Officedateien zu erstellen bzw. zu bearbeiten und anschließend zu versenden.

Aber: das Hauptproblem ist, daß das iPad kein Dateiverzeichnis bzw. kein Ablagesystem hat, wie man es kennt oder erwarten würde. Es gibt keine Ordnerstrukturen, jedenfalls keine ersichtlich nutzbaren. Ich kann nicht einfach eine Datei auf den Schreibtisch ziehen oder in einen anderen Ordner bewegen. Ich kann nicht einfach ein Foto ins Fotoalbum bewegen oder ein Exceldokument in die DropBox schieben. Aber mit ein paar Apps von Drittanbietern kann man das simulieren, insbesondere mit Quickoffice und GoodReader, die teilweise ein echtes Dateiverzeichnissystem ersetzen.

Das WordPress Backend ist vom iPad aus hingegen nicht voll nutzbar. Bestimmte Dinge, wie z.B. die Menüstruktur zu ändern, oder Widgets zu nutzen gehen nicht via Safari. Man kommt einfach nicht dran, da sind offenbar irgendwelche Scripte im Einsatz, die das iPad nicht versteht. Und die WordPress App ist komplett nutzlos bis gefährlich und extrem ärgerlich: Das Backend findet de facto nicht statt, man kann nur Beiträge schreiben und hochladen, fertig. Und nicht selten stürzt die App beim Speichern ab, so wie schon auf dem iPhone damals, als ich von der re:publica bloggen wollte und zwei Stunden Arbeit im Datennirvana verschwanden. Da hat sich in Sachen Stabilität nichts getan seither. Fotos ins richtige Format zu bekommen und korrekt an gewünschter Stelle im Artikel einzubinden ist eine Qual: ohne fliessende HTML Sprachkenntnisse ist man dabei aufgeschmissen, denn der visual editor ist nicht mit an Bord.  Auch hier kann man sich mit Apps von Drittanbietern teilweise behelfen (z.B. BlogPress (aus unerfindlichen Gründen nicht im deutschen App Store erhältlich), Photogene oder FTP on the Go u.a.), aber „einfach“ geht anders.

Die To-Do Verwaltung hingegen funktioniert einwandfrei und reibungslos, ich nutze dafür eine App namens Things, auch in Zusammenarbeit mit der Desktop-Version auf dem Mac. Things baut auf dem bekannten „getting things done“-Schema auf und ist für meine Zwecke außerordentlich hilfreich. Ich will nicht sagen, daß die Prokrastination damit komplett der Vergangenheit angehört, aber sie hat’ s nicht mehr ganz so leicht. ;-)

Skype läuft (unter WiFi natürlich) einwandfrei auf dem iPhone und auch auf dem iPad. Da ich beruflich häufiger im Ausland bin und die Roaminggebühren einfach zu unverschämt, habe ich mir ein Skype Guthaben zugelegt, mittels dessen ich für vergleichsweise geringes Entgelt auch mit Leuten telefonieren kann, die kein Skype, sondern nur ein Telefon oder Handy haben. Die Kopfhörer des iPhone (mit Mikrophon) lassen sich natürlich auch ins iPad einstöpseln, das funktioniert tadellos und WiFi bzw. WLAN hat man ja eigentlich überall auf der Welt in Reichweite. (Wenn nicht, hilft einem sicher Free Wi-Fi weiter).

Die oft gescholtene Tastatur finde ich prima, ich komme gut damit zurecht, auch bei längeren Texten (wie diesem hier). Das rasche nach-oben-wischen um Umlaute oder ein ß zu produzieren finde ich inzwischen so unverzichtbar, daß mich das Fehlen dieser Funktion auf dem iPhone wirklich kirre macht.

Die Sache mit den eBooks hatte ich hier schon einmal kurz angerissen; der hauseigene iBook Store ist in der U.S. Version recht interessant, wenngleich in der Menüführung nicht sonderlich hilfreich. Man bekommt zwar die Kategorien angeboten, aber echtes Stöbern, so wie bei Amazon, das ist nicht drin: Nach wenigen „featured“ Seiten ist Schluss, obwohl es tatsächlich weitaus mehr Inhalte im Angebot gibt, als promoted werden. Im deutschen iBook Store war ich noch nicht wieder, insofern kann ich nicht sagen, ob das Angebot dort inzwischen umfangreicher geworden ist. Aber der Shopaufbau ist natürlich derselbe wie im U.S. Store. Was mir allerdings super gefällt ist, daß es für jeden Titel einen Leseauszug gibt. Man kauft wirklich nicht die Katze im Sack.

Der Preisvergleich zwischen bei Kindle (Amazon) und iBook angebotenen Büchern lohnt sich: Da die Amerikaner keine Buchpreisbindung kennen, kann man hier von teils deutlichen Preisunterschieden von mehreren US Dollar je Titel profitieren. Die Kindle App ist kostenlos und funktioniert einwandfrei; der Shop ist, wie von Amazon gewohnt, ausgezeichnet sortiert und bedienbar. Die App selbst finde ich nicht ganz so lesefreundlich bzw. augenfreundlich und so komfortabel wie die iBook App und ein „Probelesen“ vor derm vollständigen Herunterladen  ist auch nicht möglich. Aber die Auswahl ist natürlich bombastisch.

Für RSS feeds gibt es, genau wie für Twitter, eine Unzahl an Apps. Ich nutze Reeder für den Löwenanteil der Feeds, außerdem Pulse für einige, optisch besonders gelungene Blogs bei denen mir der reine Feed nicht reichen würde.

Das hoch gelobte Flipboard habe ich wieder runtergeschmissen, da ich Facebook nicht nutze und nicht aus der Anwendung entfernen konnte; Twitter einfach endlos lange lud und ich das virtuelle Umblättern hier insgesamt einfach zu verspielt fand. Die ganze App war für mich schlicht zu viel Show und zu wenig Nutzen. (Daß so etwas den Verlegern hierzulande ein Dorn im Auge ist und als echte Konkurrenz zu ihren eigenen aufgeblasenen und nutzlosen Angeboten verstanden und daher bekämpft wird, leuchtet mir ein.) Überhaupt: das Verlagswesen macht mir mir nicht viel Umsatz – ich lese gern das liebevoll und umsichtig gestaltete und inhaltlich immer interessante Wired Magazine auf dem iPad und teste seit heute die brandneue The New Yorker App, aber finde Brand Eins gedruckt doch deutlich attraktiver, die Spiegel App vom Aufbau wie auch inhaltlich natürlich völlig indiskutabel und ansonsten wüßte ich kein weiteres interessantes Verlagsprodukt, das auf dem iPad mein Geld oder meine Aufmerksamkeit wert wäre. Höchstens noch die sehr aufwendig gestalteten Themenhefte der Edition 29.

An Twitterapps herrscht kein Mangel; ich habe alle kurz angetestet und mich für Osfoora HD entschieden, das es irgendwann mal kurzfristig für lau gab und mich vom ersten Moment an ziemlich begeistert hat. Klar, übersichtlich, stürzt fast nie ab und das Killerfeature schlechthin: „Nearby“ – wenn man die Geotaggingfunktion des iPads aktiviert hat und seinen Standort preisgeben will, kann man sich in Kombination mit Google Maps anzeigen lassen, wer so alles in der Nachbarschaft und im Stadtteil twittert und worüber.

Filme sind auf dem iPad nicht ganz so eine Qual wie auf dem iPhone (wo hoffentlich wirklich niemand ernsthaft diese Möglichkeit nutzt), und Lawrence of Arabia und andere 70mm- oder Cinemascope Filme würde ich auch nicht darauf abspielen wollen, aber für TV Serien ist es prima. Ich sehe ja zuhause kein fern und gucke Serien nur via DVD bzw. neuerdings als Download aus dem (U.S.) iTunes Store. Mad Men, Friday Night Lights, House, M.D. sind mehr oder weniger abonniert und ein Häppchen (45 Min) gucken ist prima für Leerlaufzeiten.

Soweit zum Thema Erwartungshaltungen und Nutzungspläne. Lohnt sich ein iPad nur dafür? Meiner Ansicht nach nein. Ich werde über kurz oder lang um den Kauf eine neuen MacBooks nicht herumkommen, das steht inzwischen fest. Aber warum verkaufe ich das iPad dann nicht sofort?

Tja…

Was ich zum Thema iPad niemals auf meinem Radarschirm hatte und plötzlich unverzichtbar finde:

Computerspiele sind nicht so ganz mein Ding, und ich muss gestehen, auch meine PS3 liegt völlig brach; ich habe noch kein Spiel darauf zu Ende gespielt. Auf dem iPad habe ich mein heiss geliebtes Prince of Persia in der Retrofassung, die es so nicht mehr für den Mac gibt (jedenfalls nicht für neuere Betriebssysteme), allerdings is die Steuerung superhart zu lernen. Ich bin fasziniert von Osmos HD (und dem ähnlichen, wenn auch nicht ganz so hypnotischen Ozone HD), staune über das sinnfreie aber hübsch anzusehende Epic Citadel und kann die Finger nicht von Flight Control HD lassen… wenn es mein Lieblingsspiel Myst nun noch in der HD Fassung fürs iPad gäbe, ich wäre rundherum glücklich. (Die iPhone Fassung sieht auf iPad Format hochgeblasen einfach doof aus.)

Ich kann mal eben unterwegs meine Fotos über das Camera Connection Kit von der SD-Speicherkarte aufs iPad bringen, dort verwalten, angucken und bearbeiten. Dafür gibt es eine Reihe von teils nützlichen, teils einfach nur unterhaltsamen Apps, z.B. Mill Colour, TiltShiftGen, Auto Adjust, Filterstorm, CameraBag, Photogene, PS Express.

Ich kann mal eben mit Adobe Ideas oder SketchBook fix was zeichnen und per Mail versenden oder als Ausgangbasis für die weitere Bearbeitung am heimischen Mac nutzen. Und die Bedienung ist intuitiver als am heimischen Wacom Tablett. Ich zeichne am liebsten mit Bleistift, aber hier habe ich so interessante Möglichkeiten, mit Farben zu experimentieren, daß ich die Qual der Wahl habe. Das iPad ist ein wunderbares Grafiktablett. Ich fand Brushes auf dem iPhone schon super, aber das iPad ist wie geschaffen fürs Zeichnen.

Ich habe jetzt einen Drumcomputer! Genaugenommen mehrere: Am liebsten habe und am nützlichsten finde ich bleep!BOX, aber auch die virtuelle Version des klassischen KORG Electribe ist klasse (trifft allerdings nicht so ganz meine Musikrichtung und ist auch nicht ganz billig). Ich fabriziere damit Loops, die ich dann in GarageBand importieren und weiterverarbeiten kann (ich spiele hauptsächlich Gitarre und Klavier, die ich auch über den Mac aufnehme). Natürlich gäbe es so etwas auch für den großen Mac zuhause, aber ich finde dieses kleine Gerät besser und komfortabler; es lädt mehr zum herumspielen ein. Ich sitze mit der Gitarre ja auch lieber im Sessel oder auf dem Sofa als am Rechner. Und man hat einfach schneller eine gute Keyboard-App auf dem iPad gestartet (z.B. MusicStudio), als das dicke Yamaha Stage-Piano aus dem Nachbarzimmer rübergeschleppt, neu aufgebaut und via MIDI an den großen Mac angeschlossen. Das Ding wandert wohl demnächst in die Elektrobucht, da es nunmehr für meine bescheidenen Zwecke – nämlich Musik in den Mac zu bekommen – völlig überdimensioniert ist.

Außerdem habe ich festgestellt, daß ich das iPhone inzwischen nur noch zum Telefonieren und gelegentlichen Twittern nutze. Das iPad hat meinen Bedarf an Unterwegs-Anwendungen ziemlich vollständig abgedeckt. Und wenn man erst einmal in meinem Alter ist, freut man sich auch sehr über den zum iPhone vergleichsweise großen Bildschirm des iPad… Ob die Google Maps Anwendung oder Safari – das flupscht alles irgendwie mehr und ist deutlich augenfreundlicher.

Ich hatte große Befürchtungen, daß das iPad, wie so oft gesagt, wirklich zum reinen Konsum verführen würde und die Kreation dabei auf der Strecke bliebe. Aber das Gegenteil ist der Fall: Ich konsumiere eher wenig und kreiere vergleichsweise viel mithilfe des iPads. Es ist kein Ersatz für das als nächstes anzuschaffende MacBook Pro, aber ich möchte es definitiv nicht mehr missen.

Was ist mit Euch? Wofür nutzt Ihr das iPad? Gibt es auch bei Euch Diskrepanzen zwischen „geplanter Nutzung“ und „tatsächlicher Nutzung“? Welches sind Eure must-have Apps?

Go, Team Europe!

  • Veröffentlicht am 27th September 2010,
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Am Freitag beginnt der Ryder Cup in Wales. Für die Nichtgolfer unter meinen Lesern: Das ist der Team-Vergleich zwischen den besten Golfern aus Europa und den U.S.A. Er findet seit 1927 alle zwei Jahre Ende September/Anfang Oktober immer abwechselnd in den USA oder auf einem europäischen Platz statt (das Ereignis wurde aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001 kurzfristig ins darauffolgende Jahr verschoben) und ist ein Matchplay-Wettbewerb (Lochspiel). Das heisst, es geht nicht gegen den Platz, wie beim sonst im Profigolf üblichen Zählspielwettbewerb, sondern gegen den Gegner bzw. das gegnerische Team.

Golf ist eigentlich ein Einzelsport. Man kann sehr gut im Team spielen, und das wird ja auch auf Amateurebene eifrig betrieben – es gibt auch eine Bundesliga im Golf. Aber in erster Linie spielt jeder Golfer für und gegen sich selbst und den Rest der Welt, den Platz, die Elemente. Ich durfte ein paar Jahre für die Mannschaft meines früheren Clubs antreten und habe mich immer besonders zusammengerissen, meine Konzentration und meine Motivation in schwächeren Phasen  nicht davongleiten zu lassen, sondern für das Team noch um jeden halben Punkt zu kämpfen. Und natürlich war ich doppelt stolz auf jedes gewonnene Match. Ich gebe zu, dieses Gefühl fehlt mir etwas in meinem jetzigen Club, der sportlich so herausragend besetzt ist, daß ich dort selbst mit einem niedrigen einstelligen Handicap höchstens auf der Bank säße.

Aber für Profigolfer zählen eigentlich nur gewonnene Turniere: Möglichst viele sollten es schon sein, und natürlich möglichst viele Major-Turniere. Der Ryder Cup ist ein nettes Zubrot auf dem Kaminsims (im übertragenen Sinne, denn der Pokal ist ein Wanderpokal und rein ideologisch motiviert: Geld gibt es weder für den Spielantritt noch für den Sieg, allerdings verdient der jeweils austragende Platz ein Vermögen). Ich vermute mal im Tennis ist es ähnlich, wenn es um den Davis Cup geht.

Der Ryder Cup  ist dennoch, nach allem was man so hört und liest, für alle beteiligten Spieler etwas ganz Besonderes. Und es ist vielleicht auch keine echte Überraschung, daß die sonst erfolgreichsten Golfer dann  plötzlich im Team oft nicht ihre besten Leistungen abrufen können. Wahrscheinlich ist es auch nicht einfach, 51 Wochen im Jahr zähnefletschend bei jedem Turnier mit dem Rest des Feldes um den Sieg zu kämpfen und dann plötzlich mit einigen der wöchentlichen Konkurrenten einen Team Spirit aufzubauen. Was auf dem Papier nach guten Kombinationen aussehen mag, erweist sich in der Praxis dann als Fiasko: Unvergessen die Entscheidung des U.S. Kapitäns Hal Sutton 2004, die beiden führenden Golfer der Weltrangliste, Tiger Woods und Phil Mickelson, als Team rauszuschicken um den Europäern gleich mal klar zu machen, wer hier der Chef ist. Die beiden können sich jedoch absolut nicht riechen und sind geradezu implodiert gegen ihre Gegner Colin Montgomerie (dem diesjährigen Kapitän der Europäer) und Padraig Harrington. Aber auch sonst hat Tiger im Ryder Cup keine besonders tolle Bilanz: Fünfmal war er dabei, hat insgesamt 24 Matches absolviert, von denen er 9 gewonnen, 13 verloren und 2 halbiert, also unentschieden gespielt hat. In diesem Jahr konnte er sich nicht qualifizieren und war auf eine Wild Card des U.S. Captains Corey Pavin angewiesen. Wir werden sehen, ob er tatsächlich ein Gewinn für die Amerikaner sein kann. Sein Nimbus als unbesiegbarer „Ausserirdischer“ ist nach seinen außerehelichen Eskapaden und in diesem Jahr eher durchschnittlichen Leistungen auf dem Platz jedenfalls hüben wie drüben komplett dahin.

Es gibt Spieler, die haben trotz ihres herausragenden Talents noch kein Major Turnier gewinnen können, aber im Ryder Cup das nötige Feuer, um den Sieg davonzutragen. Sergio Garcia, Colin Montgomerie, Ian Poulter – man fragt sich immer, wie diese Spieler so begnadet den Cup holen bzw. verteidigen können und dann bei den Majors regelmässig nur unter „ferner spielten“ rangieren. Besonders bei Colin Montgomerie, der den Titel „bester Golfer, der nie ein Majorturnier gewinnen konnte“ seit Jahren trägt, fasst man sich an den Kopf: Sensationelle acht Male war er erster auf der europäischen Rangliste. Im entscheideneden Moment fehlten ihm immer die Nerven zum Abschluss – und da er auch nicht sonderlich beliebt ist (unbeliebter ist im Kollegenkreis wohl nur noch Phil Mickelson), durfte er sich von Fans, Spielern und Pressevertretern schon so einiges anhören. „Nice tits!“ rief ein Zuschauer mal, und meinte damit Montys nicht eben männlichen Oberkörper. Aber, Titten hin oder her, beim Rydercup hatte „Fieldmarshal Montgomery“ stets absolut eiserne Nerven und mehrmals den Putt zum Sieg für Team Europe im Loch versenkt.

Freitag und Sonnabend werden die Vierer-Paarungen ausgetragen und Sonntag dann die Einzel. Nach den herausragenden Siegen der europäischen Teams 2002, 2004 und 2006 haben sich die Amerikaner den Cup 2008 dank ihres wirklich inspirierten Teamgeistes zurückerobert und werden alles versuchen, die Trophäe am Sonntagabend wieder mit nach Hause zu nehmen. Und natürlich werden die Europäer ihnen alles entgegensetzen, was sie haben. Und dazu zählt in diesem Jahr auch der junge Deutsche Martin Kaymer, der erst vor ein paar Wochen sein erstes Majorturnier gewonnen hat, die PGA Championships. Ein weiterer Majorsieger von 2010 ist Graeme McDowell, der im Juni die U.S. Open gewann. Und auch der Rest der Europäer ist nicht von schlechten Eltern und wird den Amerikanern hoffentlich die Trophäe abringen können. 14 1/2 Punkte sind dafür notwendig.

Für mich ist der Ryder Cup das sportliche und golferische Highlight, noch vor den Majors, irgend welchen Fussball Bundesligen, WMs oder Olympiaden. Insofern werde ich auch dieses Jahr wieder den Telefonstecker ziehen, das Mailprogramm geschlossen lassen und mir drei Tage lang ganztags live die Spiele ansehen. Im TV überträgt leider nur Sky (ehemals Premiere), im Netz gibt es ja, dank VPN, nun auch in unserem Land genügend Alternativen.

Go, Team Europe!

The New York Times’ Critics’ Picks: „Charade“

  • Veröffentlicht am 25th September 2010,
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Eine Vielzahl wunderbarer Videorezensionen von klassischen Filmen gibt es hier auf den Seiten der New York Times. Dieser Beitrag über Stanley Donens „Charade“ macht direkt Lust, die DVD mal wieder einzulegen und Audrey und Cary beim Apfelsinentanzen zuzuschauen.

Eat Pray Love

  • Veröffentlicht am 23rd September 2010,
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Eat Pray Love | ab 23. September im Kino

D: Julia Roberts, James Franco, Javier Bardem
R: Ryan Murphy
Offizielle dt. Website zum Film | IMDB Eintrag | Trailer
Bild mit freundlicher Genehmigung und © 2010 Sony Pictures Releasing GmbH

Hmja. Wer die letzten Wochen mal die Nase in eine Bahnhofsbuchhandlung gesteckt hat, kam an diesem wohl autobiografisch angehauchten Bestseller von Elizabeth Gilbert nicht vorbei. Ich umschiffe Bestseller weiträumig wenn es eben geht, noch dazu in deutscher Übersetzung, und mit Julia Roberts Filmen hab ich’s auch nicht so sehr, aber ich brauchte mal wieder etwas Herz-Schmerz und begab mich daher ins Kino, die Verfilmung des Buches anzusehen.

Inhalt: Frau Roberts Figur ist in der Midlife Crisis und will ein Jahr aussteigen und die Welt sehen. Oder zumindest Italien, Indien und Bali. Und natürlich findet sie den Typen den sie nicht gesucht hat, aber natürlich gesucht hat. Alles sehr vorhersehbar, aber schön fotografiert.

Je älter die Roberts wird, desto mehr verzichtet sie auf die albernen Manierismen und wirft einfach ihren Charme und ihr 1000 Watt Lächeln an. Das reicht schon, eine Streep war sie nie und wird sie nie, aber die ist hier auch nicht gebraucht (die hat sich in sinnfreien feelgood-Rollen ja unlängst gleich zweimal hintereinander in Mamma Mia! und diesem langweiligen Kochfilm ausgetobt, dessen Name mir gerade nicht einfallen will und der selbst zum googeln zu öde war.) Was an James Franco so toll sein soll, wird sich mir in diesem Leben nicht mehr erschließen, aber Javier Bardem gibt eine passable Mischung aus Gérard Depardieu und Mario Adorf ab und hält die Fahne für die Charme-Bären hoch.

Eat Pray Love ist ein bisschen wie ZDF-Traumschiff gucken. Muss manchmal auch mal sein. Reicht aber auch noch im Fernsehen.

Theorie und Praxis: Wie man via T-Mobile den SIMlock des iPhone 3G los wird.

  • Veröffentlicht am 23rd September 2010,
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Theorie und Praxis: Wie man via T-Mobile den SIMlock des iPhone 3G los wird.

Theorie:

1. Nach Ablauf der Zweijahresfrist die rosa Hotline anrufen und den Entsperrvorgang beantragen
2. maximal 72 Stunden warten und dann
3. ganz einfach via iTunes und einen Synchvorgang die SIMkarte des neuen Anbieters registrieren, fertig.

Praxis:

1. Ich habe den Vertrag fristgerecht und per Einschreiben/Rückschein gekündigt (meine Mama hat schliesslich keinen Dummbatz großgezogen) und in meinem Kündigungsschreiben nach den Modalitäten der Aufhebung des SIMlocks gefragt. Im Schema-F-Antwortschreiben wird mir der Erhalt der Kündigung bestätigt, aber kein Wort zum Thema SIMlockentsperrvorgang verloren. Bei Licht betrachtet hatte ich auch nichts anderes erwartet, aber Versuch macht kluch.

2. Ich rufe einen Tag vor Ablauf der Vertragslaufzeit die für Vertragskunden kostenfreie Hotline an und weise darauf hin, daß der Vertrag morgen ausläuft und ich anschliessend gern mein iPhone mit einem anderen Anbieter nutzen möchte. Hierfür möge man doch bitte alles in die Wege leiten und die SIMlockentsperrung beauftragen. Die Mitarbeiterin bedauert, aber das ginge erst nach Ende der Vertragslaufzeit am nächsten Tag. Ich möge doch bitte dann noch einmal anrufen. Auf meinen Einwand, daß ich am nächsten Tag ja die kostenfreie Kunden-Hotline nicht mehr nutzen dürfe, meint sie, ich könne auch in den den nächst gelegenen T-Shop gehen und das dort beantragen.

3. Am nächsten Morgen fahre ich in die Stadt zu dem T-Shop, der damals meine Garantiefälle bearbeitet hatte. Der Laden ist inzwischen kein T-Shop mehr sondern nur noch normaler Telekom Vertragspartner und hat wohl auch den Besitzer gewechselt. Jedenfalls verweist mich ein mürrischer Mitarbeiter an einen T-Shop in unmittelbarer Nähe. Dort werde man mir sicher weiterhelfen können.

4. Ich gehe in den echten T-Shop in unmittelbarer Nähe und frage das Kind hinterm Tresen (das sich garantiert frühestens unmittelbar nach meinem Vertragsabschluss vor zweieinhalb Jahren das erste Mal rasiert hat), ob es sich auch um einen echten und reinen T-Shop handele und er mir zum Thema „SIMlocksperre des iPhone aufheben” weiterhelfen könne. Ich habe noch nicht ganz zu Ende gefragt, da schüttelt es schon heftig den Kopf. Ich solle die Hotline anrufen, das ginge nur über die Hotline. Ich unterdrücke einen Schreianfall und frage nach einer kostenfreien Hotline. Die gibt es nur für Kunden. Nein, ich könne nicht von seinem Telefon aus anrufen.

5. Ich erinnere mich daran, daß es mindestens noch einen weiteren T-Shop in der Stadt gibt und stürme wutentbrannt in dessen Richtung. Der Laden ist ebenso leer wie die beiden davor, dieses Mal steht eine junge Frau hinter dem Tresen. Sie ist extrem freundlich und hilfsbereit und mein Blutdruck senkt sich langsam wieder in den vierstelligen Bereich. Sie checkt die IMEI Nummer des Geräts und ruft eine Hotline an. Nach gefühlten zwanzig Minuten geht dort auch jemand dran und sie trägt mein Anliegen vor. Ich bin gerade dabei mich zu entspannen, als sie die Augenbrauen zusammenzieht und „Hm!“ sagt. Nachdem sie aufgelegt hat, fragt sie mich, ob das Gerät vielleicht schon einmal getauscht worden sein. Ich erzähle ihr von den beiden Tauschvorgängen vor ca. eineinhalb Jahren. Ob ich die Auftragsbelege noch hätte? Die IMEI des jetzigen Geräts werde vom System als zu neu für eine Aufhebung der SIMlocksperre klassifiziert. Ohne die Belege könne man nichts machen.

6. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich die Belege nicht mehr habe, aber weiß ganz definitiv, daß ich sie jedenfalls hier und heute nicht dabei habe, daß ich am nächsten Tag mit meinem prähistorischen Sony Ericsson Handy in den Urlaub fahren werde und mich der Sache frühestens in drei Wochen wieder widmen kann. Sie fragt ihre Kollegin um Rat, die inzwischen zu uns gestoßen ist. Die probiert es mit dem internen Computersystem namens Handycheck. Und natürlich sind meine Austauschaktionen dort drin vermerkt. Die Kollegin druckt die relevanten Kopien aus und der Papierkram wird an eine Hotline gefaxt. Binnen 72 Stunden sollte alles erledigt sein und ich könne das Gerät via iTunes Synch dann neu nutzen. Ich bin erleichtert, alles wird gut.

7. Meinen Urlaub muss ich bedauerlicherweise nach fünf Tagen abbrechen, die Pflicht ruft. Während ich seufzend den Rechner wieder hochfahre den ich eigentlich die kommenden Wochen nicht anfassen wollte, fällt mein Blick auf mein iPhone, das traurig und tot auf dem Schreibtisch liegt und Briefbeschwerer spielt. Ich schliesse es spasseshalber mal an und starte iTunes, kann ja sein, daß da schon etwas geht. iTunes schüttelt den Kopf; das Gerät ist noch nicht entsperrt worden. Ich rufe die teure rosa Hotline an. Nach ca. 20 Minuten Bandansagen und Fahrstuhlmusik habe ich endlich einen Menschen an der Strippe. Der fragt intern nach, während ich weiter für 0,19 cent/ Minute vom einer Computerstimme höre, daß mein Gespräch gehalten wird. Schliesslich kommt der Berater wieder an die Strippe. „Da kriege ich heute niemanden mehr ran, und ich habe auch gleich Feierabend.“ (Es ist kurz vor 16 Uhr.) „Aber ich leg’s mir auf Wiedervorlage und kümmere mich gleich morgen früh als erstes darum, versprochen. Ich rufe Sie an.“

Ist klar. Und die Zahnfee kommt sicher auch später noch vorbei.

8. Am nächsten Morgen ruft natürlich niemand zurück, auch den Rest des Tages schweigt mein Telefon. Am frühen Nachmittag rufe ich zähneknirschend die Hotline an, warte wieder für teures Geld und bekomme einen anderen Mitarbeiter dran. „Puh, die Wartezeit für diese Entsperrvorgänge liegt momentan bei drei Wochen. Ich frage mal, wie weit vorne Sie in der Schlange stehen.“ Ich warte. Nach weiteren 1,90 EUR kommt er wieder zurück. „Also am Donnerstag sollte das jetzt klappen. So lange müssten Sie sich bitte noch gedulden.“

9. Heute ist Donnerstag. Neun Tage nach Vertragsende. Ich habe bislang ca. fünf Stunden meiner Freizeit in teuren Hotlines bzw. T-Stores verbracht. Das Telefon, das ich vollumfänglich bezahlt habe und das zweifelsfrei mir gehört, ist für mich weiterhin so nutzlos wie ein Ziegelstein.

10. Donnerstag Nachmittag. Ein Mitarbeiter der Telekom-Kundenberatung ruft mich an. Ich hätte unlängst meinen Vertrag gekündigt, das sei ja sehr schade und sie würden mich gern wieder im Kreise ihrer Kunden begrüßen. Ob ich für ein neues iPhone 4 zu interessanten Konditionen zu begeistern wäre?

Ich bin mir nicht sicher. Können die Konditionen wirklich noch interessanter werden?

Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

  • Veröffentlicht am 22nd September 2010,
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Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute:

Tag 21 – Das blödeste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

Mit Remarques Im Westen Nichts Neues hatte ich so meine Schwierigkeiten; das fand und finde ich für die 8. Klasse nicht wirklich angemessen, genauso wenig wie Wolfgang Borchert oder Franz Kafka. Aber das Buch ist natürlich alles andere als blöd. (mehr …)

Kostenloser Download: The Social Network Soundtrack

  • Veröffentlicht am 21st September 2010,
  • veröffentlicht von

Der Film The Social Network basiert recht unverhohlen auf der Geschichte von Mark Zuckerberg und der Entstehung von Facebook. Den Soundtrack dazu hat Trent Reznor (Nine Inch Nails) in Zusammenarbeit mit seinem alten Kollaborateur Atticus Ross auf die Beine gestellt. Fünf Tracks davon gibt es es jetzt im Austausch gegen eine valide E-Mailadresse zum kostenlosen Download: Klick!

NIN macht nicht die Art Musik auf die ich kann, wie man so sagt. Das eine oder andere Stück hat sich zwar über die Jahre in meiner digitalen Musikbibliothek gehalten (z.B. sieben verschiedene Versionen von Closer), aber generell ist mir das meist zu wenig Musik und zuviel Klang. Das wiederum klingt natürlich prädestiniert für einen Soundtrack bzw. Score, und so habe ich mich erwartungsvoll hingesetzt und die Lauscher aufgemacht, obwohl ich den Film noch nicht gesehen habe.

Daß es düster werden würde, war mir schon klar: Trent Reznor steht nicht gerade für Shiny Happy People Musik und ist meiner Meinung nach so etwas wie David Fincher (Se7en, The Game, Zodiac) für die Ohren. Aber das passt natürlich wie Faust aufs Gretchen, denn Fincher ist der Regisseur von The Social Network. Die Tracks sind dann auch ruhig-hypnotisch, leicht unheimlich und eher von der beunruhigenden Art. Am gefälligsten ist da noch On We March, das mir als ideale Untermalung eines unfreiwilligen Zahnarztbesuchs nachts um drei bei einem unbekannten Menschen vorkam, der einen Bohrer in der Hand hält. Und das wiederum beruhigt mich sehr im Hinblick auf den Film, dessen drei Teaser/Trailer ja bislang eher von der belanglosen Art waren.

Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast

  • Veröffentlicht am 12th September 2010,
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Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute: Tag 20 – Das beste Buch, das du während der Schulzeit als Lektüre gelesen hast Da mir so ziemlich jedes Buch nach Absolvierung des Fleischwolfs „Schulpflichtlektüre“ verleidet wurde, egal wie gut es ist, weigerte ich mich, mir mein Lieblingsbuch im Englischunterricht auch noch fürs Leben ruinieren zu lassen. (mehr …)