Das iPad ist ja für die Verleger das Goldene Kalb und sichere Ticket ins gelobte Land, in dem Umsätze fliessen und Anwender gefälligst dafür bezahen, daß man sie mit nichtssagenden, als Qualitätsjournalismus etikettierten PR- und Angstmacher-Texten traktiert. Da nimmt man als Anwender doch gerne mal unter die Lupe, was einem von den Medienhäusern so geboten wird:

Wired Magazine ist die App des gleichnamigen, monatlich erscheinenden US-Printmagazins aus dem dem Hause Condé Nast, das sich hauptsächlich technischen, populärwissenschaftlichen Geekthemen verschrieben hat, allerdings todschick aufbereitet. So etwa PM trifft GQ (ganz böse formuliert). Ich muß gestehen, ich war Abonnentin der Printausgabe von Ausgabe 2 (1993) an, für etwa drei Jahre, bevor es mir dann doch langsam zu dämlich und flach wurde. Hierzulande ist das Heft auch kaum zu bezahlen; am Bahnhofskiosk für rund 12€, im Jahresabo immerhin noch knapp 5€/Ausgabe. In den USA hingegen wird einem das Ding fast hinterhergeworfen („Zu jedem Sklaven ein zwei Hinkelsteine gratis!“), mit 10$ für ein Jahresabo ist man dabei.

Die App ist hingegen kostenlos, und es liegt eine Probeausgabe darin, mittels derer man sich einen guten Überblick verschaffen kann, was einen beim Kauf erwartet. „Moment, hat sie gerade Kauf gesagt? höre ich die Offliner unter meinen Lesern fragen. „Ich denke, die App ist kostenlos?“ Ja, die App selbst ist kostenlos, aber man muss ise natürlich mit Inhalten füllen – den monatlichen elektronischen Ausgaben des jeweiligen Printhefts. Diese schlagen mit 3,99$ bzw. 2,99€ pro Ausgabe zu Buche. Und damit wird es dann für den europäischen Leser interessant, denn der spart hier fast 40% gegenüber einem Abo der Printausgabe. Die Rezensionen im US iTunes Store sind daher auch eher negativ: Klar, wer gewohnt ist, 0,80 $/Ausgabe zu bezahlen, wird nicht einsehen, warum derselbe Inhalt nun plötzlich das Fünffache kosten soll – zumal man die iPad Ausgabe weder seinen Freunden leihen noch zum Befestigen kippelnder Esszimmertische verwenden kann, jedenfalls nicht ohne das iPad drumherum zu lassen.

OK, zum Inhalt und der Aufbereitung bzw. Navigation durch das vituelle Heft: Hier hat „Team Geekchic“ ganze Arbeit geleistet. Jede Seite wurde zweimal gestaltet und optimiert für das Hoch- und das Querformat. Das macht die einzelnen Ausgaben zwar auch recht „schwer“ in Sachen Speicherplatz. Es macht aber einfach viel Freude, sich intuitiv durch das Heft zu bewegen, die Inhalte mit zwei Fingern näher ranzuholen, Artikel nach unten, Seiten zur Seite zu scrollen bzw. blättern und kleine Videofilme sofort abzuspielen. Wired hat sich wirklich viele Gedanken gemacht, was das iPad alles kann und wie man diese Möglichkeiten im Rahmen einer interaktiven Zeitschrift ideal und ganz nutzen kann.

Ich werde die Zeitschrift wohl nicht mehr abonnieren, aber mir vielleicht öfter einmal wieder eine Ausgabe kaufen.

Zinio ist eine Art virtueller Kiosk, an dem man (überwiegend englischsprachige, soweit ich sehen kann) Zeitschrifen kaufen kann. Jede davon lässt sich vorab virtuell druchblättern und ein paar Seiten (oft die Titelgeschichte) kann man so quasi für lau lesen. Das Handling ist nicht sonderlich aufregend, es ist, als blättere man durch ein PDF. Das Spektrum reicht von Mainstream- zu Nischenpublikationen, hier findet man Rolling Stone, National Geographic oder auch OutdoorMagazine und irgendwelche Hochglanzpornos für Automobilfetischisten. Wenn man Ausgaben kaufen will, muss man bei Zinio registriert sein, das funktioniert über ihre Website. Ich verzichte dankend, da ist einfach zu wenig bei, was mich interessiert. Die App ist kostenlos erhältlich.

Das Magazin ist eine gemeinsame virtuelle Ausgabe der wöchentlichen Magazinbeilagen der deutschsprachigen schweizer Tageszeitungen Tagesanzeiger, Baseler- und Berner Zeitung. Das Magazin ist meist lesefreundlich aufbereitet und mit interessanten Themen, wie ich finde. Die App ist kostenlos, man kauft wie bei Wired bei Interesse einzelne Ausgaben, von denen man sich vorab die Inhalte kurz anschauen kann. Für Nicht-Schweizer sicherlich die einfachste Möglichkeit, regelmäßig an diese Hefte zu kommen.

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Demonstrationsclip für Das Magazin

Flipboard ist kein eigenständiges Medienangebot, sondern eher eine Art gut gemachte Verpackung oder ein Rahmen für die Inhalte, mit denen man es füllen möchte. Eine sehr gefeierte pp, die es z.B. ermöglicht, seine Facebook-, Twitter- und einzelne RSS-Streams in Magazinform durchzublättern. Flipboard ist kostenlos erhältlich und wird von Kritikern und Nutzern gleichermassen gefeiert, ist mir aber für den täglichen Einsatz zu verspielt und aufwendig.

TED ist eigentlich keine klassische Medien-App, liegt bei mir aber dennoch in diesem Ordner, weil man nur konsumieren kann damit. TED steht für Technology, Entertainment und Design und ist eine regelmäßig stattfindene Konferenz von interessanten und klugen Leuten, die mitreissende und intelligente Reden zu geo- und gesellschaftspolitisch relevanten Themen halten. Die Reden kann man sich dann per Video ansehen. Unter den TED-Rednern findet man u.a. James Nachtwey, Arianna Huffington oder Hans Rosling; hier im Blog hatte ich im letzten Frühjahr auch schon einmal Jamie Olivers Beitrag verlinkt. TED ist kostenlos, aber nicht umsonst. Ich empfehle einen dringenden Besuch der Website, die App allein ist doch recht wenig, aber natürlich praktisch für unterwegs.

Edition 29 ist ein Magazin, das sich mit jeder Ausgabe vorrangig einem einzigen Thema widmet. Architektur, Sport, Kino etc. Diese Ausgaben sind wirkliches Augenfutter. Ein hübsches Tool, um die Möglichkeiten zu demonstrieren, die ein Magazin so auf dem iPad anbieten kann, jedoch nicht sonderlich gehaltvoll und mehr so als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Jede Ausgabe hat eine eigene App und kostet jeweils 2,39 €, was mir definitiv zuviel ist; ich werde kein drittes Mal kaufen.

The New Yorker ist die iPad Variante des gleichnamigen bekannten Stadtmagazins, das hierzulande, ähnlich wie Wired, in gedruckter Form ein Vermögen kostet, in den USA für ein Taschengeld erhältlich ist und wöchentlich erscheint.  Auch The New Yorker erscheint bei Condé Nast. Die meisten haben zumindest schon einmal die berühmten Cartoons gesehen oder von ihnen gehört. Die gibt es natürlich auch in der iPad App, die selbst wieder kostenlos ist, aber mit 3,99 € pro Ausgabe (wohlgemerkt: wöchentlich!) wird das Angebot doch reichlich teuer. Es gibt kein Abo-Angebot, und die Abonnenten der Printausgabe werden auch doppelt zur Kasse gebeten. Die Inhalte wiederum sind – wenn man denn nicht nur New York Fan sondern auch ein Freund guter zeitgenössischer Schriftsteller ist – über jeden Zweifel erhaben und sehr schön präsentiert. Texte werden teils vorgelesen, kurze Videos sind mit drin, auch hier wurde, ähnlich wie bei Wired, aus dem Vollen geschöpft.

Die App der New York Times ist ebenfalls kostenlos, und auch die Inhalte sind es – jedenfalls noch. Genau wie auf ihrer Website bietet die „Graue alte Dame“ bestimmte Inhalte nur noch für registrierte Mitglieder an; demnächst soll der Zugang gerüchtehalber komplett kostenpflichtig werden. Die Registrierung ist allerdings noch kostenlos. Seit dem letzten Update hat sich das Layout der App etwas geändert, die Benutzerführung ist jetzt nicht mehr so ganz intuitiv wie vorher, oder kommt es mir nur so vor, weil ich mich daran gewöhnt hatte? Es irritiert mich, daß die Startseite für einen kleinen Moment immer noch dieselbe ist wie beim letzten Aufruf; erst wenn sich die App übers Netz synchronisiert hat bekommt man neue Artikel angezeigt. Die Artikel selbst bekommt man nur im Anriss gezeigt, die Seitenleiste mit der Navigation scheint nach dem Zufallsprinzip aufzugehen, oft finde ich sie nicht auf Anhieb und schliesse genervt. Das lese ich dann doch lieber auf dem heimischen Mac am großen Schirm.

BBC News hat ein wie ich finde nervendes „Breaking News“ Laufband direkt über der Navigation. Aber ansonsten ist diese kostenlose Nachrichten-App wirklich gut gestaltet und nicht überfrachtet, wie das ja schnell passieren kann. Die Navigation bietet die Auswahl zwischen den Top Stories, Neues aus den USA und Kanada, Technologie, Kommentare und Analysen, Wirtschaft sowie Wissenschaft und Umwelt. Außerdem kann man in der Kopfzeile mit einem Klick den Live Radiostream der BBC einschalten; der läuft dann im Hintergrund, während man in der App blättert und liest, und selbst dann noch, wenn man inzwischen zu einer anderen App gewechselt hat.
Für Leute die „nicht ADS sondern ADSL“ haben, mag das interessant sein. Ich bin da nicht ganz so multitaskingfähig und kann nicht gut Radio hören, während ich gleichzeitig etwas Interessantes lesen und verstehen möchte – eines von beidem bleibt dann auf der Strecke. Dennoch: eine empfehlenswerte iPad App der Engländer und wie erwähnt kostenlos erhältlich. In den Einstellungen des iPad kann man übrigens die Schriftgröße einstellen und wie häufig sich der NAchrichtenticker selbst aktualiseren soll, aber auch, ob man mit der guten alten Tante BBC die Statistiken teilen möchte, also die App „nach Hause telefonieren“ lassen will. Hier gibt es zwei Punkte Abzug: das sollte standardmässig auf „aus“ stehen, ist aber eingeschaltet und wenn man nicht jeden Tag durch seine Einstellungen blättert, kommt man eventuell nie dahinter.

Fotopedia Heritage ist insofern keine klassische Medien-App, als sie nicht aus einem Verlagshaus stammt. Dennoch liegt sie bei mir in diesem Ordner, da man auch nur die Inhalte Anderer konsumieren kann. Das Projekt der Fotopedia Community ist es, die von der UNESCO als Weltkulturerbe bestimmten Stätten zu fotografieren und einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. So ist diese App naturgemäß sehr bildlastig. Man kann gezielt einzelne Kontinente anschauen, oder einfach einer Diashow zusehen. Social Media Sharing ist integriert und wer möchte, kann sich einzelne Motiva auch gleich als Hintergrundbild einrichten. Die Fotos sind sehr gut und oft wirklich atemberaubend. Mit einem Klick ist man auf Google Maps oder erfährt im Wikipedia-Stil mehr über die betreffende Stätte (alles in englischer Sprache). Sehr lehrreich und einfach superschön aufgemacht. Fotopedia Heritage ist kostenlos erhältlich und zieht auch keine weiteren Kosten nach sich – wenn man von der eigenen nächsten Reise absieht, zu der man sich hat inspirieren lassen.

Die Washington Post ist vergleichsweise spät mit ihrem Angebot für den iPad gestartet, sie wirkt im Vergleich allerdings auch etwas ausgereifter als das Angebot der New York Times. Auch diese App ist kostenlos, allerdings mit Folgekosten verbunden. Man muss sich registrieren lassen und bekommt einen Gratiszugang für einige Monate. Danach wird der Preis für Abonnenten der Printausgabe 0,99 $/Monat kosten, was hierzulande wohl kaum jemand in Anspruch nehmen wird, und für alle anderen Interessenten kostet jeder Monat 3,99$. Die App ist übersichtlicher in der Navigation als die der New York Times, die einzelnen Sektionen sind oben rechts klar im Menü verlinkt und entsprechen der Aufteilung der Printausgabe. Innerhalb eines Bereichs scrollt man nach unten, zum nächsten Bereich scrollt man zur Seite. Das Schöne an dieser App: Man kann problemlos Beiträge für später markieren, die „read later“ Funktion funktioniert dann auch offline.

Huff Post steht für Huffington Post, dem wohl berühmtesten US-Politblog, gegründet von der politischen Journalistin Arianna Huffington. Manch einer sagt, es sei neben der New York Times so ziemlich die einzige lesenswerte Tageszeitung der USA, was ich wiederum für etwas übertrieben halte. Aber die Huffington Post ist Pflichtlektüre für jeden, der sich über das aktuelle Geschehen in den USA ein umfassendes Bild machen möchte. Zu den Autoren zählen viele Prominente Autoren aus völlig unterschiedlichen Bereichen wie Wirtschaft, Poitik, Kunst, Wissenschaft oder Unterhaltung.
Die App ist der iPad Ableger der Website und auf den ersten Blick sehr übersichtlich und bunt gestaltet. Die Navigation links führt einen schnell in den Bereich, der einen interessiert, die einzelnen Anrisse rechts werden im Slider dargeboten, dh. man wischt mit dem Finger durch die Artikel. Per Klick hat man die Option, einen Artikel ganzformatig zu lesen. Social Media Integration ist selbstverständlich, ebenso die Möglichkeit, Artikel an Instapaper zu schicken um sie später zu lesen. Natürlich gibt es eine Kommentarfunktion, wie bei Blogs meist üblich. Dafür muss man allerdings registriert sein. Die Huffington Post App ist mit keinerlei Kosten für den Nutzer verbunden.

Über die Tagesschau App hatte ich ja neulich hier schon etwas geschrieben. Die wohl beste deutsche Nachrichten App auf dem iPad ist kostenlos erhältlich – wenn man das so sehen will. Natürlich ist sie gebührenfinanziert und somit alles andere als kostenlos, und spätestens im kommenden Jahr, wenn die Haushaltsabgabe für Rundfunkgebühren kommt, wird jeder dafür zahlen, ob er sie nun nutzt oder nicht. Aber unabhängig davon ist sie erstklassig gestaltet und setzt Maßstäbe für nachfolgende Konkurrenten.

Schliesslich liegt noch die arte App in meiner Medienschublade. Die app des gebührenfinanzierten Kanals der deutsch-französischen Freundschaft zeigt einem nicht nur das aktuelle TV-Programm des Senders an, sondern bietet auch Zugriff auf die Medathek: bis zu 7 Tage nach der AUsstrahlung , kann man sich viele Inhalte im Stream ansehen. Das funktioniert ganz wunderbar. Wo diese App dreisprachig sein soll (deutsch, französisch und englisch), wie es im Appstore angegeben ist, kann ich nicht entdecken, ich bekomme nur deutsche Menüs und Beschreibungen angezeigt. Es gibt keine weiteren Einstellungen, die man vornehmen könnte, also vielleicht arbeitet arte mit Standortbestimmung, schwer zu sagen. Die App ist kostenlos, bzw. es gilt dasselbe wie für die Tagesschau-App.

Das war’s zum Thema Medienapps auf dem iPad, demnächst geht es weiter mit Teil 3 und der Kategorie Musik, das wird etwas kürzer.