Aktuell gibt es zwei (relativ) neue soziale Netzwerke, die der heisse Scheiss sind und die man wahrscheinlich am ehesten unter der Kategorie Bookmarkingdienste ablegen kann: Pinterest.com und Quote.fm.

Während Pinterest sehr bildorientert ist, man kann und soll tolle Bilder an seine virtuelle Pinnwand haften, die auf die entsprechende Quellenwebsite linken und von vielen Freunden und Bekannten idealerweise gesehen, geherzt und erneut „gepinnt“ werden, konzentriert sich Qute.fm auf Texte: Hier soll man seinen Freunden einen interessanten Link mit einem möglichst passenden Zitat aus dem verlinkten Text vorstellen.

Beide sind also sehr minimalistisch und haben ihre Pros und Cons, oder besser gesagt Fans, die gelegentlich mit dem jeweils anderen Service nicht viel anfangen können. Herr @Buddenbohm z.B. empfindet Pinterest als Klickibunti-Dienst, der in der Kategorie „überflüssige Dienste“ kaum zu überbieten ist. Andererseits lobt er Quote.fm über den grünen Klee, eben weil sich hier auf den puren Text fokussiert wird.

Ich mag beide sehr gerne, aber natürlich sind beide auch total überflüssig. Ich habe noch nicht rausgefunden, warum man diese Links und Zitate, egal ob Text oder Bild, nicht gleich via Facebook oder Twitter etc. weiterverbreiten kann oder sollte. Zumal man anschliessend ja doch wieder auf Facebook oder Twitter querverweist: „schaut, was ich tolles auf pinterest / Quote.fm gefunden habe!“  – damit a) überhaupt jemand bemerkt, daß es diese Dienste gibt, b) jeder bemerkt, daß man selber zu den ersten gehört hat, die den heissen Scheiß kennen und nutzen und c) weil anders gar keine Reichweite generiert wird. Das kommt mir ja doch irgendwie komplett sinnbefreit vor.

Bei beiden Services steht man außerdem natürlich besonders als deutscher Nutzer wieder mit einem Bein im Abmahngrab: Fremde Inhalte weiterzuverbreiten, gar zu empfehlen in Bild und Text, das kann u.U. teuer werden. Auch wenn es eigentlich das ist, was die meisten der Anbieter sich sehnlichst wünschen und ansonsten teuer bezahlen müssten. Das fällt gerade bei Pinterest auf, das den Urhebern der Grafiken und Fotos Traffic in oft nie zuvor gekannten Ausmassen beschert (Eine testhalber gepinnte eigene Zeichnung, die auf meine eigene Seite verweist, bescherte mir in den ersten Tagen etwa 15% meiner Besucher. Bei großen Seiten mag das etwas ander aussehen, aber merkbar ist es wohl auch – „Pinterest Drives More Traffic Than Google Plus, YouTube And LinkedIn Combined“). Ich pinne grundsätzlich nur Bilder aus US- und UK Shops oder von Seiten, von denen – aufgrund der angebotenen social media „verlink mich!“-Buttons – angenommen werden kann, daß ihnen meine Begeisterung recht ist.

Aber ich pinne nicht sehr viel, denn letztlich sehe ich halt diesen Umweg nicht als Mehrwert für mich. Ich kann den Link auch schneller direkt twittern oder bei facebook posten. Und die interessanten Artikel, die ich bei Quote.fm vorstellen soll, habe ich zehnmal schneller und für mich wertvoller hier im Blog via pinboard.it als „Link(s) des Tages“ aggregiert. Doppelt gemoppelt mag besser halten, macht aber auch mehr Arbeit. Wozu?

Dieser Artikel hat 13 Kommentare

  1. Disclaimer: Ich bin mit Buddenbohm, was Pinterest angeht – erschließt sich mir nicht, zudem ertrage ich diese windschiefen Grids schon rein optisch nicht.

    Inhaltsdopplung in sozialen Netzwerken ist die Pest, aber sie ist kaum zu vermeiden; wenn überhaupt, wäre sie server-, nicht clientseitig zu lösen, und dazu wird es nie kommen. (Also eine Art globales “Mark as read”, was dem Nutzer etwa Inhalte, die er bereits auf Facebook gesehen hat, anderswo unterdrückt.)

    Was quote.fm für mich auszeichnet ist der Digest-Charakter. Ich finde darüber Lesenswertes, was sonst (speziell auf Twitter) an mir vorbeigerauscht wäre. Ich lese es, obwohl ich nie danach gesucht habe.

    Was ich aber nicht nachvollziehen kann: Wie sollte man über quote.fm abmahnbar werden? Pinterest – okay, klar. Aber durch eine reine Verlinkung eines Textes?

    • Ja, das pinterest Layout ist grauenhaft, aber wenn man in Bildern handelt (z.B. als Designer / Illustrator), dann erscheint das Pinboard natürlich sinnvoller für die Weiterverbreitungals ein Eintrag bei quote.fm.

      Die „mark as read“ Idee ist hübsch, das fehlt.

      Abmahnbar kann man schnell werden, wenn das Zitat einen Großteil des verlinkten Artikels ausmacht, z.B. ein ganzer Absatz einer 3-Absätze-Story. Und Idee und Ziel der Verlage ist es ja auch, jegliche Form von Zitat kostenpflichtig zu machen. Lies’ Dir nur mal die Bedingungen unter jedem faz.net Artikel durch, zu denen man den Inhalt nutzen darf: *Auszug: Bis zu 1/3 des Textes als zusammenhängendes Textstück

      • Natürlich macht es da Sinn, aber durch die unterschiedlichen Höhen ist es unruhig und nicht sehr harmonisch. Da wird auch mein Gestalterauge böse. ;-)

        Gut, ganz Absätze als Zitat entspricht nicht meinem Verständnis von quote.fm, aber das wäre in der Tat potenziell haarig. Müsste sich aber systemseitig mit einer einfachen „Oh, verdammt langes Zitat, bist Du sicher?“-Funktion recht einfach abdichten lassen.

  2. Matthias, Texte sind genauso urheberrechtlich geschützt wie Bilder. Bei Quote.fm ist es halt die Frage, inwieweit die zitierten Texte/Ausschnitte dem Zitatrecht zuzuordnen sind – oder als “Contentklau” gelten und somit abmahnfähig. Die Jungs haben sich (hoffentlich) gut juristisch beraten lassen.

  3. Die maximale Zitatlänge bei Quote.fm ist begrenzt. Das ist so schon okay, auch rechtlich.

  4. Bin kein Anwalt und habe keine Ahnung, darum haben wir uns von einem echten ein Gutachten erstellen lassen. Juristisch alles so machbar, wie wir es gerade tun. :)

    • Sowohl für Euch als Betreiber als auch für Eure Nutzer?

      • Wie sollten wir ein Gutachten erstellen lassen können, das sich um Dinge außerhalb unseres Einflussbereiches dreht? Wenn User Nazischeiße posten, geht das vermutlich nicht glimpflich für ihn aus. Etc. Wie gesagt, bin kein Anwalt und werde hier keine Diskussion über juristische Fragen vom Zaun brechen, die niemandem irgendwas anderes bringt, als mit seinem Halbwissen glänzen zu können.

        • Rein über die technisch mögliche Zitatlänge vs übliche Grenzen für Auszüge wie oben von Kiki verlinkt, darum geht’s ja hier. Dass Ihr die verlinkten Inhalte nicht kontrollieren könnt und User dafür selbst verantwortlich sind, ist ohnehin klar.

          Abgesehen davon hast Du Recht: Keiner von uns ist Anwalt, insofern ist die Debatte letztlich müßig.

  5. @Marcel: Das hört sich gut an.

    Ich nutze beide Services und finde beide auch schön, keine Frage. Inwiefern sie sich für mich durchsetzen werden, werden wir sehen. So oder so kann es nur belebend wirken, wenn facebook & Co. etwas einheimische Konkurrenz bekommen. Insofern werde ich mich mal auf Quote.fm werfen.

  6. Was Quote.fm angeht, sehe ich das exakt so wie Matthias.

    Der Vorteil gegenüber direktes Posten bei Facebook/Twitter ist, dass nichts an mir vorbeirauscht – Textempfehlungen gehen nicht zwischen Kalendersprüchen und Futterfotos unter.

    Wenn ich eine klare Unterscheidung zu all dem anderen Social-Media-Gedöns formulieren müsste, würde ich wohl sagen, dass Quote.fm wohl der einzige Dienst ist, den ich wirklich ernst nehme.

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