Zwischen dem 10. April 2012 und dem 12. April 2012 aufgelesen:

So habe ich das auch immer empfunden, und ich bin eigentlich von Hause aus nicht besonders zynisch veranlagt. Ich war eine von Millionen, die die Geburt von Band Aid, Live Aid, USA for Africa am TV miterlebt und wirklich gedacht hat, da ginge was. Da ging auch was – nur grauenhaft falsch, und es geht immer weiter.

  • cronenburg: Hilfe, ich habe mein Buch verschenkt!
    «Verlage und Buchhandel werden meinen Beitrag nicht mögen. Aber vielleicht lernen sie auch etwas daraus, bevor es zu spät ist? Vielleicht pflegen sie ihre AutorInnen wieder mehr? Wir wollen ja gar nicht alles selbst machen müssen. Aber wenn wir ohnehin alles in Eigenarbeit erledigen, warum dann nicht ganz?»

Ich mach’ das jetzt mal mit den Fähnchen.

  • Die magische soziale Alchemie meiner Timeline
    «Kulturpessimisten sprechen von der „Filterblase“, wenn sie bedauern, dass nicht mehr alle Bürger preußisch pünktlich gleichzeitig um acht vor der Tagesschau sitzen, ich lieber davon, dass, wie keine Schneeflocke einer zweiten gleicht, auch jede Timeline unverwechselbar ist.»

Ja, das finde ich ja auch skurril: es ist ungeschriebenes Gesetz unserer Väter und Vorväter, daß die Tagesschau heilig ist, man da weder anrufen darf noch sich unterhalten, während Herr Köpke (bzw. seine Nachfolger) uns in 15 Minuten die Welt erklärt. Und beim Frühstück, in der U-Bahn, zum Kaffee, in der Mittagspause in die Zeitung zu schauen, das ist auch vollkommen legitim und gar nicht unhöflich gegenüber den anderen am Tisch. In manchen Familien gibt es eine richtige Hackordnung, wer die Zeitung entjungfern darf (Papa natürlich), und wirklich geschafft hat’s der Bildungsbürger, wenn sein Leserbrief abgedruckt wurde. Ich erinnere mich auch noch an extra Kinderseiten in den Zeitungen oder Zeitschriften, wo man zehn Mark für einen eingereichten und abgedruckten „Witz der Woche“ bekam. – Jetzt stelle man sich das auf Online und die Timeline übertragen vor: ich sitze mit dem Smartphone am Tisch und lese, was es für mich relevantes Neues gibt. Wenn ich meine, ich muß mich mit dem Redakteuer über seinen Beitrag unterhalten, kann ich das inzwischen in aller Regel relativ problemlos tun; per mail, an der Facebook Pinnwand oder schnell via Twitter. Ich kann seinen Videobeitrag unmittelbar kommentieren und natürlich wird der Kommentar veröffentlicht (so lange ich mich an die gängigen Regeln des höflichen Miteinander halte). Nur die zehn Mark für den Witz der Woche gibt es nicht mehr; dafür wird ungefragt der Lieblingstweet der Redaktion honorarfrei abgedruckt. Es ist alles so irre.

  • Tiger joins the Lost Boys – Sports – Salon.com
    «Of the three Lost Boys of SportsWorld – Tiger Woods, O.J. Simpson and Mike Tyson – I’ve always found Tiger the least appealing or interesting, yet the most poignant. He grew up before our eyes. At 2, he swung his cut-down club for Bob Hope on TV as his Zeus-ish Dad, Earl, beamed over him. By 5, Tiger was giving tips in Golf Digest. The real question he needed to answer, I came to think, was whether he truly loved golf or just wanted Earl to love him.»

Ich bin und war nie ein Fan von Tiger; in der Zeit, als er seinen kometenhaften Aufstieg hatte, war ich in einer längeren Pause vom Golf und hatte den Kopf mit anderen Dingen voll Die besten Golfer aus der Zeit in der ich spielte, bevor ebendiese Pause begann, hießen Faldo, Seve, Langer, Norman, Watson,  Nicklaus, Couples. – Als ich 2003 wieder einstieg, hatte Tiger diese Generation fast im Alleingang abgelöst und dominierte das Profigolf so stark, daß ich eine ganze Weile brauchte um herauszufinden, wer inzwischen eigentlich noch mitspielte. Dennoch hatte ich seine absolute Hochphase verpasst. Vielleicht erklärt das meinen Mangel an Begeisterung für sein Spiel, das natürlich phänomenal war und immer noch ist. Aber vermutlich hat es auch etwas mit seinem Verhalten auf dem Platz zu tun. Er flucht, spuckt, wirft mit den Schlägern um sich und das ist alles für mich kein Grund, ihn zu bewundern, ganz im Gegenteil, das macht ihn für mich extrem unsympathisch. Ich habe immer gesagt und glaube nach wie vor, daß er nie wieder so spielen wird wie früher, denn er hat den Kopf nicht mehr frei und seine Konkurrenz fürchtet ihn nicht mehr. Inzwischen gibt es viele neue, jüngere Spieler, die ihn in Grund und Boden spielen und außerdem trotz oder gerade wegen ihrer Einhaltung der Etikette cool sind und das finde ich super. Ich werde Tiger keine Träne nachweinen.

Dieser Artikel hat 4 Kommentare

  1. Ziemlich OT aber weil du grade über Golf schreibst.

    Infoscreen berichtete heute (und ich dachte an dich;)): Untersuchungen haben ergeben, dass Golfer besser treffen, wenn sie glauben es handle sich um ein größeres Loch.

    Ich enthalte mich jeden Kommentars:). Nee, doch nicht: Im Grunde heißt das also auch beim Golfen hilft positives Denken! Unglaublich.

    • Das geht so weit, daß z.B. auch bei uns auf dem Übungsgrün in einer Ecke ein paar Löcher mit kleinerem Durchmesser gestochen wurden. Wenn man die regelmäßig trifft und dann auf die Runde geht, kommen einem die richtigen Löcher wie Krater vor. Alles Püschologie.

      • … funktioniert aber. Einst kam jemand auf die Idee, einen Ausflug in Verbindung mit einem firmeninternen Tennisturnier zu veranstalten. Ich hatte zuletzt mit 14 einen Schläger in der Hand gehalten, also mehr als zehn Jahre nicht. Auf dem Hinweg schaffte ich es immerhin, meinen ururalten Holzschläger gegen den alten besseren meines Vaters auszutauschen. Ansonsten nutze ich die Fahrt, im Kopf Roscoe-Tanner-mäßig Aufschläge zu üben. Und die kamen dann mit einer Härte und Präzision, die ich im Traum nicht erwartet hätte. Keinen Satz, kein Match verloren…