Tag zwei begann für mich mit einem Panel über den digitalen Dorfplatz. Sascha Lobo, Christoph Kappes, Martina Pickhardt (@Picki_HH), ein Herr Lesser und ein Herr Möller diskutierten unter Moderation von Falk Lücke über die Unterschiede zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, bzw. die verschiedenen Arten der Öffentlichkeit und wie wir gesellschaftlich damit umgehen wollen. Unsere Gespräche finden auf Plattformen statt, die uns nicht gehören und morgen geschlossen werden können oder von denen wir aufgrund vonn Nutzerbedingungen willkürlich ausgeschlossen werden können. Facebooks AGB vs. das Grundgesetz – was ist mächtiger und was gilt tatsächlich?
Das wäre spannender gewesen, wenn der Moderator sich selbst nicht so wichtig in den Vordergrund gespielt sondern mehr zurückgenommen hätte, und ausserdem hätte es viel mehr Zeit gebraucht. Aber gut war’s dennoch.
Anschliessend sah ich ein paar der re:health Panels auf Stage 7. Was bedeutet Social Media im Gesundheitsbereich? Wie kann es eingesetzt werden, wozu ist es gut? Ich hatte mir allerdings mehr davon versprochen („Alles böse!“); und auch die Akustik war in den Räumlichkeiten eher unterirdisch. Das war mehr Social Müdia. So sass ich mit Claudine und Frau Mutti zusammen und sinnierte über Katzenzungenpiercings. (Fragt nicht.)
Also runter zum Affenfelsen und ein bisschen mit alten und neuen Bekannten gequatscht und auf dem Hof eine Grillwurst eingeatmet. Dies ist übrigens das einzig wirklich ärgerliche Ding bei dieser ansonsten so hervorragend organisierten Veranstaltung: Das Essen bzw. Catering ist eher mau. Okay, das war noch nie anders und wahrscheinich müßte man Jesus heissen, um über viertausend Leute so abzufüttern, daß sie anschliessend glücklich sind. Aber es gibt z.B. keine vegetarischen oder gar veganen Gerichte, soweit ich sehen konnte — von den Bananen und Äpfeln an den Ständen in der Halle mal abgesehen. Ich bin weder Vegetariern noch Veganerin, aber ich ernähre mich ganz gerne gut und gesund. Nichts gegen die gelegentliche Thüringer vom Grill, aber über drei Tage!?
Während ich noch auf dem Affenfelsen meine Mails checke, drückt mir ein freundlicher Mensch ein Microfasertuch und einen Eingabestift für mein iPad in die Hand und verschwindet wieder. Ich freue mich sehr darüber, denn ich habe heute meinen sensu brush im Hotel gelassen, aus Angst, ihn zu verlieren. Nun zeichne ich direkt mal unauffällig einen der Besucher.
Anschliessend gehe ich zum Stand der ARD Mediathek, um mich für das Geschenk zu bedanken und führe eine sehr gute Unterhaltung mit einem der Mitarbeiter dort über Sinn und Unsinn von Depublizieren, GEZ und Urheberrechtsbrandbriefen von Tatortautoren.
Weiter geht’s mit dem Panel über Foodblogs. Dort moderiert die Kaltmamsell eine sehr harmonische Runde von Foodbloggern und -journalisten bzw. Kochbuchautoren über Verfall und Rettung der Esskultur. Soweit jedenfalls die Agenda – de facto geht es mehr über die Vorurteile der Gastro-Journalille und -Verleger über die Amateure, die ihnen angeblich das Wasser abgraben, außerdem darüber, ob man vom Foodbloggen leben kann. Kann man – Überraschung! – nicht, jedenfalls nicht hierzulande und nicht ausschliesslich. Nicole Stich führt die auchvon mir gern gelesene Ree Drummond a.k.a. The Pioneerwoman an, die sich binnen weniger Jahre ein Imperium ähnlich Martha Stewarts aufgebaut hat. Aber die Drummonds sind seit Generationen extrem reiche Rancher der oberen 1%; da fallen zum einen die geschätzt paar hunderttausend Dollar, die Ree mit ihrere Bloggerei und daraus resultierenden Kochbuchdeals, TV-Auftritten etc. reinholt, nicht wirklich ins Gewicht. Zum anderen lässt sich so ein Unterfangen mit dem nötigen Startkapital natürlich leichter anschieben.
Aber unabhängig davon war das ein sehr entspanntes Panel, das Stevan Paul mit dem Fazit schloß, die Verquickung zwischen Nahrung und Werbung doch bitte nicht nur auf Blogs etwas genauer und kritischer unter die Lupe zu nehmen.
Danach blieb Zeit für einen kleinen Schwatz mit meinem Freund Max, seines Zeichens u.a. Saxophonist der Hamburger Band Schmitten, für die ich gerade ihr neues Plakat gestalten darf und dann ging es weiter zu einem Panel darüber, wie Musik, Künstler, Labels und das Netz Freundschaft schliessen. Auch hier hatte ich mir inhaltlich etwas mehr versprochen, da kam für mich nichts Neues, aber vielleicht war das auch in diesem Rahmen nicht zu erwarten. (NB: ich bin nebenbei Partnerin in einer Agentur, die sich das Thema Direct-to-Fan auf die Fahnen geschrieben hat und Künstler, Manager und Labels hinsichtlich ihrer Darstellung und Marketing- u. Vertriebsaktivitäten im Netz berät.)
Noch kurz bei den Goldenen Himbeeren der Webviseos reingeschaut, was dem Vernehmen nach sehr lustig gefunden wurde aber mein Humorzentrum nicht wirklich traf und dann kurz geschwankt, ob lieber die Abschiedsshow von Nilzenburger und Herm oder doch die Mädels mit Poetry Spam gucken. Letztlich zu alle für beides gewesen. Tag 3 wird anstrengend und ich habe nicht zuletzt dank der Klimaanlage im Hotel ein Schlafdefizit und Halsweh.



Es gibt auch Essen im Re:staurant, bei den verschiedenen Pastagerichten dort sind auch fleischlose Varianten enthalten, glaube ich. Und die Salate erschienen mir auch ohne Fleisch zu sein. Aber da ich überzeugter Carnivore bin, ist mir das ja egal.
Ah, okay, das hatte ich vergessen, stimmt. Aber das re:staurant liegt so im Dunklen drinnen, während draußen auf deHof Frühling, fast Sommer ist, wer will da schon reingehen?
Ich war gestern tatsächlich sehr begeistert von Spaghetti Bolo. Das war nah dran an “hat Mutti mit Liebe gekocht”. Nach fleischlosen Gerichten halte ich meist gar nicht Ausschau, muss ich gestehen.
Ich esse meist fleischlos, ich mache mir einfach nicht viel aus Fleisch. Aber dann werde ich heute mal dem re:staurant eine Chance geben.
Und? Fündig geworden?
Nee, die Nudeln sahen nicht so wirklich al dente aus ;-). Hab’s dann bei Bananen, Maltesern und Club Mate belassen.