Zwischen dem 14. Juli 2012 und dem 15. Juli 2012 aufgelesen:

  • Binge Viewing: TV’s Lost Weekends – WSJ.com
    „Bingeing breaks habits that have long supported the TV business, built on advertising and syndicated reruns. TV executives are torn by the development: gratified that people are gorging on their product, frustrated because it’s a TV party that all-important advertisers aren’t invited to. For middlemen like Amazon Instant Video, Hulu Plus and Netflix, it’s a godsend, boosting their quest to attract and retain subscribers. Writers and producers are just starting to confront the challenges of creating TV for an audience that may digest an entire season in one sitting.“

Das Wall Street Journal über den Trend, TV Serien nicht mehr live sondern zunehmend in Marathonsitzungen über ein Wochenende verteilt auf DVD oder über einen Streamingdienst zu sehen. – Das hängt natürlich vom Inhalt ab, aber in den letzten ca. 10 Jahren hat sich die Qualität der TV Serien besonders in den USA so unglaublich verbessert, daß TV das neue Kino ist. Bei einigen Serien wie The Wire oder den Miniserien wie Band of Brothers oder The Pacific (alle HBO) könnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, eine Woche oder länger Abstand zwischen dem Ansehen von zwei Folgen zu lassen. Da sind einfach zu viele Charaktere und Momente drin, die komplett untergehen oder schlicht nicht mehr erinnerbar sind, wenn man das nicht am Stück schaut. Bei anderen ist das inhaltlich sicherlich machbar, aber man möchte gern in der Stimmung verweilen und noch etwas länger als die vorgesehene Dreiviertelstunde pro Woche die Atmosphäre geniessen, wie  z.B. bei Mad Men. Der heißeste Renner aktuell ist Breaking Bad, eine Serie, bei der demnächst die fünfte und wohl letzte Staffel beginnt und bei der sich die Fans und Kritiker überschlagen vor Lob.
Das Irre ist, daß diese veränderten Sehgewohnheiten des Publikums die Autoren vor die Herausforderung stellt, die Geschichte anders zu erzählen, bzw. die Spannungsbögen und Cliffhanger zu verlagern.

  • The Inadequacy of Berlin’s “Memorial to the Murdered Jews of Europe” : The New Yorker
    „The title doesn’t say “Holocaust” or “Shoah”; in other words, it doesn’t say anything about who did the murdering or why—there’s nothing along the lines of “by Germany under Hitler’s regime,” and the vagueness is disturbing. Of course, the information is familiar, and few visitors would be unaware of it, but the assumption of this familiarity—the failure to mention it at the country’s main memorial for the Jews killed in the Holocaust—separates the victims from their killers and leaches the moral element from the historical event, shunting it to the category of a natural catastrophe. The reduction of responsibility to an embarrassing, tacit fact that “everybody knows” is the first step on the road to forgetting.“

Der Autor beschreibt seine Eindrücke vom Holocaustmahnmal in Berlin. Bei einigen Punkten kann ich zumindest verstehen, daß man darüber debattieren kann, z.B. den hier zitierten. Aber insgesamt ist der Artikel doch sehr negativ und rachdurstig geschrieben, das zum Monument gehörende, darunterliegende Museum hat er sich offenbar geschenkt und einige Vorschläge oder Forderungen sind rundweg bizarr. Das Mahnmal ist natürlich nicht geeignet, adäquat den Leidensweg der Opfer der Shoa abzubilden, aber es regt in so vielförmiger Weise und auf so vielen verschiedenen Ebenen zum Nachdenken an – die der Autor auch teils beschreibt – daß es insofern sicherlich seinen Zweck erfüllt.

  • Springsteen and McCartney cut off by London curfew – CNN.com
    „London’s Westminster Council later confirmed that concert organizers Hard Rock Calling had cut the power, saying they “were sticking to their license for the event.” According to the Hard Rock Calling website, Springsteen had been due to finish his set at 10:15 p.m.“

Unglaublich: Springsteen und McCartney spielen in London und weil sie überziehen, dreht man ihnen den Saft ab. Was für ein Bauernkaff!

  • Evil Brain Jono’s Natural Log
    „Software companies would do well to learn this lesson: anything with the phrase “users love our product” in it isn’t a strategy, it’s wishful thinking. Your users do not “love” your software. Your users are temporarily tolerating your software because it’s the least horrible option they have — for now — to meet some need. Developers have an emotional connection to the project; users don’t.“

So ist es. Und, NEWSFLASH: dasselbe gilt übrigens auch für Werbung und Werber. Der genialste, witzigste, umwerfendste Spot, der in Cannes zu Recht mit goldenem Löwen ausgezeichnet wude, ist nichts weiter als störende Reklame, Mittel zum Zweck und extremst nervig, wenn er -zig Male pro Tag im TV, Kino oder Radio das unterbricht oder verzögert, was man eigentlich sehen oder hören will. Man toleriert es zähneknirschend, aber mehr auch nicht. Leute lieben keine Werbung. Es gibt Werbung, die sie weniger hassen als andere, aber damit hat es sich. Werber lieben Werbung.