Zwischen dem 18. Juli 2012 und dem 19. Juli 2012 aufgelesen:
- Die Komiker-Nation Deutschland debattiert Beschneidungen « Jörg Lau
„Religiöser Analphabetismus wird mit erstaunlichem Stolz als Common Sense spazieren geführt. Irre, was man so alles an Vergleichen hört: Abtreibung, Ohrfeige, kosmetische Ohrenkorrektur… Das großmütige Angebot, man könne Beschneidung verbieten, aber straffrei lassen, wie eben die Abtreibung. Und dem Vorschlagenden fällt gar nicht mehr auf, dass damit eine Ritualhandlung aufgrund eines religiösen Gebots, die der Aufnahme eines neuen Lebens in die Gemeinschaft dient (und der Feier des Bundes mit Gott), auf die gleiche Stufe mit der Beendigung menschlichen Lebens gestellt wird. Und wie das wohl bei den Betroffenen ankommt, dass ihre Handlung mit einer Tötung verglichen wird.“
Ich bin nicht religiös, ich bin auch keine Atheistin. Vielleicht am ehesten noch Agnostikerin, aber hoffentlich mit genügend Respekt und Toleranz ausgestattet, die Gefühle religiöser Menschen nicht zu verletzen; schon gar nicht vorsätzlich.
Diese unverhohlene Aggression in der Debattenführung der Beschneidungsgegner, die in ihrer selbstgerechten Art ein prima Spiegelbild religiöser Fanatiker sind, die finde ich, gelinde gesagt, besorgniserregend. Jörg Lau hat das schön ausgeführt.
- Liebe Atheist_innen, wir müssen reden « Aus Liebe zur Freiheit
„Ich glaube, die Atheist_innen leben derzeit ziemlich in einer (Berliner?) Filterbubble, was dazu führt, dass sie die gesellschaftliche Relevanz ihrer Weltanschauung grandios überschätzen. Sie versuchen, einen Machtkampf gegen die „Religiösen“ zu führen und deren Befindlichkeiten aus dem öffentlichen Raum konsequent zu verdrängen, übersehen aber, dass sie bei diesem Machtkampf aller Wahrscheinlichkeit nach unterliegen werden. Denn Recht haben nutzt überhaupt nichts, wenn die anderen – und in diesem Fall sehr viele anderen, nämlich die Mehrheit – die Sache anders sieht. Eine politische Ansicht lässt sich nicht „beweisen“, man muss dafür werben. Es gibt im Bereich des Politischen nicht „wahr“ und „falsch“, sondern nur „mehrheitsfähig“ oder „nicht mehrheitsfähig“.“
Auch Antje Schrupp hat ein paar gesetzte Worte zum Absolutheitsanspruch und der Arroganz der Atheisten geschrieben, die ich durchaus so unterschreiben würde.
- Interview mit Gesine von Prittwitz
„Ich hatte neulich mit einer Frau ein längeres Gespräch, die seit 30 Jahren in einem mittelständischen Verlag arbeitet. Es war Freitagnachmittag, wir haben noch telefoniert, weil ich was wollte, und der ist so richtig das Herz übergegangen und sie sagte: “Ach, früher. Ja, früher sind ja noch die Manuskripte fertig ins Haus gekommen. Und dann haben wir sie angeguckt und irgendwas entschieden. Heute ist es so, dass wir von XY – also dieses Haus gehört einem Konzern, den nenne ich jetzt mal XY – von XY kriegen wir Vorgaben, und diese Vorgaben müssen wir erfüllen. Das sind die sogenannten Programmplätze. Und es ist nicht nur die Menge der Bücher, sondern die Erscheinungsrhythmen werden ja auch immer kürzer. Wir haben mittlerweile drei Auslieferungen, nicht mehr nur Frühjahr und Herbst, es gibt auch noch die Weihnachtsauslieferung.“
Komisch, ich bin vom Literaturbetrieb relativ weit weg, wenn man jetzt mal davon absieht, daß ich seit jeher viel und eifrig Bücher lese und mein Studium mit Aushilfstätgkeiten bei Hoffmann & Campe und Merian verdient habe. Und dennoch hat sich mir das Beschriebene seit vielen Jahren genauso dargestellt. Ein langes und sehr, sehr lesenswertes Interview von Kathrin Passig mit Gesine v. Prittwitz, die PR für die Literaturbranche macht.
