Aktuell hat sich eine Gruppe Anwohner des Hamburger Stadtteils St. Georg dazu entschlossen, gegen die Lärm- und Staubbelästigung durch spielende Kinder in der benachbarten KiTa vor Gericht zu ziehen. Die KiTa gehört zur Kirche, und da auf dem fraglichen Hof seit rund 150 Jahren Kinder spielen, darf man wohl getrost davon ausgehen daß die fraglichen Anwohner erst später dazugestoßen sind – unabhängig davon, ob sie nun seit 50 Jahren im immer hipper werdenden und akut von den hässlichen Auswüchsen der Gentrifizierung betroffenen Bahnhofsviertels wohnen und nicht so genau wissen, ob und wie sie sich die deshalb stark gestiegene Miete im nächsten Jahr noch leisten können, oder aber zu denjenigen gehören, die St. Georg gerade erst entdeckt haben und gestern eingezogen sind, weil es eben so schön dort ist.
Insofern ist es auch völlig idiotisch, auf den Zugezogenen herumzuhacken. Wir sind ja alle irgendwann mal irgendwo hingezogen und waren „die Neuen“ und Städte verändern sich nunmal, genau wie Menschen und ihre Lebensumstände. Kann man doof finden, kann man gegen kämpfen, ist aber letztlich Unsinn. Dieser Planet kann nicht 7 Millarden Menschen beherbergen plus all das, was deren Vorfahren so gebaut und installiert haben. Ab und zu muss man mal etwas bulldozern und kärchern und Raum für Neues schaffen. Auch wenn mir das persönlich oft sehr weh tut, aber hey, think big. Das heisst natürlich nicht, daß man sich klaglos alles von den Neuen bieten lassen muss.
Kinder machen viel Schmutz und großen Lärm, kosten unfassbar viel Geld und Nerven. Kinder stören eigentlich permanent, da sie bis zur Pubertät dauernd beaufsichtigt werden müssen (und danach erst recht) und das eigene Leben, so wie man es kannte, unwiederbringlich dahin ist. Und man darf sie nicht mal schlagen. Ich kenne viele Eltern, die mir da uneingeschränkt zustimmen würden. Was kinderlose Menschen allerdings meist nicht mitkriegen, sind die Sonnenseiten. Die heben sich die kleinen Monster natürlich für ihre Eltern auf und lassen nicht jeden fremden Erwachsenen daran teilhaben. Ist das nicht ungerecht? Und wenn ich den Quatsch von „die zahlen unsere Rente später“ höre – so ein Käse! Die werden sich beizeiten aus dem System verabschieden wenn sie schlau sind (und wenn es bis dahin nicht ohnehin zusammengebrochen ist).
Ich kann mich ausgezeichnet in die Kläger hineinversetzen. Ich kann bei Lärm nicht arbeiten. Ich arbeite von zuhause aus (jedenfalls noch) und kann meinen Schreibtisch weder in ein anderes Zimmer stellen noch kann und ich will ich jetzt umziehen. Ich will im Sommer nicht die Fenster geschlossen halten müssen, wenn die Kinder im Hof oder den Gärten gegenüber spielen. Ich kann nicht konzentriert und ergebnisorientiert arbeiten, wenn Musik läuft. Ich brauche die Stille. Ich könnte die herumtrampelnden neuen Nachbarn über mir mit ihrem Technomusikfetisch und gut funktionierendem Subwoofer täglich töten, und zwar langsam. Ich habe schliesslich zuerst hier gewohnt! Ich kann doch wohl etwas Rücksichtnahme erwarten, oder? Ich stecke Nadeln in die Voodoopüppchen der blöden Kuh aus dem Nachbarhaus, die mit ihren Blagen täglich Kindergeburtstag feiert, jedenfalls dem Geräuschpegel nach zu urteilen. Ich bin kein Spießer, ich hab’ in einer Punkband gespielt, verdammt!
Ich.
Ich.
Ich.
Ich bin der Nabel der Welt. Meiner Welt. Und darum habe ich mir beizeiten einen Vorratspack Oropax gekauft und das Telefon so gedreht, daß ich das Display leuchten sehe, wenn mich jemand anruft. Das klappt hervorragend. Und wenn der Typ über mir die Bässe so fett aufdreht, daß mein Bleistift unwillkürlich zittrige Linien zeichnet, dann gehe ich rauf und sage ihm das. Inzwischen weiß ich, daß er abends gegen sieben nach Hause kommt, seine Dröhnung braucht und dann recht bald wieder runterdreht. Darauf kann ich mich einrichten und in der Stunde dann mal eben einkaufen gehen.
Ich weiß nicht, was die besagten Kläger so beruflich machen. Aber ich käme mir nämlich reichlich blöd dabei vor, z.B. ein Kinderbuch zu illustrieren und gleichzeitig Kinder scheiße zu finden und ihnen das Lebensrecht abzusprechen bzw. sie nach dem St. Florians Prinzip irgendwohin abschieben zu wollen, wo sie mich nicht stören. Und zu einem Kinderleben gehören nun einmal Spiel und Spaß und herumbrüllen und schreien und jauchzen und weinen und die Nachbarn mit Klingelstreichen ärgern und – viel zu selten – ein fettes, glucksendes Lachen, so aus dem Bauch heraus. In der Hoffnung, das mal häufiger zu hören lasse ich die Ohrstöpsel gerne auch mal weg und gehe in den Park, am Spielplatz vorbei. Oder ich treffe mich mit meinen Patenjungs. Von denen kriege ich dann auch gelegentlich die Inspiration für eine neue Geschichte oder Zeichnung. Cool, oder?
Klage mit geringer Aussicht auf Erfolg: mehrere 1.000 €.
10er Packung Ohrstöpsel: 4,77 €
Kein Arschloch sein: Unbezahlbar.

Gerde heut früh hatte ich mit meinem vom Pubertier befallenen Sohn wieder mal richtig schön Ärger. Laut war er auch. Ich hätt die Wände hochgehen können. Macht aber nix. Will ich so. Danke, Kiki.
Bemerkenswert ist dazu noch, dass sich eine der Bewohnerinnen noch vor kurzem als großer Kämpfer gegen Gentrifizierung und Befürworterin von Gewalt dargestellt hat: http://www.taz.de/!94901/
Traumhafte Selbstmontage.
[...] … sind dann doch schöner, ergiebiger und ausgefeilter wütend als ich. Sehen Sie mal hier. Oder hier. [...]
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[...] kiki hat recht, wenn sie sagt: Kein Arschloch sein: Unbezahlbar. [...]
Ich bin deiner Meinung. Es ist klug, das Geld in Ohropax anzulecken statt in einen Rechtsstreit. Das wird dann eher noch alles lauter, als denen lieb ist. Ich bin mir sicher, dass die Klage keinen Erfolg haben wird. Ich bin vor der Geburt unserer Kinder mit der Liebsten in eine Kleinstadt gezogen – himmlische Ruhe. Mir fällt nicht ein, gegen den Hahn, das Glockengeläut oder den Güterzug in der Entfernung zu klagen, nur weil ich den gerade höre weil der Wind so gut steht und ich sonst nichts höre. Liebe Anwohner von Kitas, geht doch mal in die Stadt oder in ein ruhiges Café, wenn euch der Kinderlärm so stört. Es ist eure Zukunft, die da ganz naturgemäß Lärm macht.
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Ich möchte nur kurz auf das 10. BImSchGÄndG hinweisen. Extra eingeführt, damit Kinder”lärm” nicht mehr zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führt.
Ich habe schon neben einer Schule, sowie neben einem Froschteich gewohnt. Ich bin Anghänger einer gepflegten Siesta und ich konnte immer gut schlafen (wobei die Frösche eher nachts “auffällig” waren). Auch bei der Arbeit, bei der ich mich gewöhnlich sehr stark konzentrieren muss, stört mich weder das eine noch das andere, nicht Musik und auch sonst nichts. Ich habe die Gabe, das alles völlig auszublenden.
Was mir allerdings den Schlaf rauben kann, sind Arschlöcher die gegen Kindergärten klagen. Kann man dagegen auch klagen?
Wenn man Ruhe will (oder zum Arbeiten braucht) zieht man nicht mitten in eine Großstadt und dann noch einen der hippsten Stadtteile. Dann zieht man aufs Land oder zumindest an den beschaulichen Stadtrand. Basta!
Seltsam, ländliche sieht hier so aus: katholische Kirche mit sehr gründlichem Wecken um sechs Uhr früh. Ich habe mich daran gewohnt (und schlafe auf der abgewandten Seite des Kirchturms), Besucher laufen fast Amok. Weil es einfach nicht aufzuhören scheint.
Die Glocken wecken die Leute aber nur, damit das nicht durch folgende Alternativen geschieht: Rasenmäher, fahrender Traktor, Holzspalter, Rasentrimmer, Kreissäge, Flex, Kettensäge, Laubbläser, Schneefräse, Kehrmaschine. Es gibt noch mehr Geräte, deren Namen und Funktion ich aber nicht kenne. Ein Kindergarten ist dagegen so harmlos wie der einzige Mensch, der hier sein Holz noch von Hand hackt. Den hört man nur ab und zu fluchen.
In der Stadt ist es so ruhig, dass man der Sonne beim Scheinen zuhören kann.
Schlaf: unbezahlbar
Gutes Verhältnis zur Schule: Gold wert
Lärmschutzfenster einbauen: 1100,- €
Bilanz: Gewinner auf allen Seiten :)
[...] es mal mit Kikis Worten zu sagen: “Klage mit geringer Aussicht auf Erfolg: mehrere 1.000 €. 10er Packung [...]
[...] klagen.« Herzdamengeschichten: Immer fröhlich losgeklagt Mit weiteren Texten dazu bei Journelle, E13 und Pop [...]
ich finde das ist wieder so ein typisch deutsches ding. kleinkariert und völlig daneben.
[...] Kinder als Lärmbelästigung | e13.de – [...]