Unerwartete Handicaps

Nach der Schlacht

@ankegroener twitterte heute ein schönes Scones-Rezept und ich dachte bei mir, och, haste fast alles da außer Rosinen und clotted cream, aber Rosinen magste eh nicht und du hast ja Mascarpone, mach’ man. Und dann wurschtelte ich mich so durch Mehl und Salz und Zucker und Backpulver und Butterklümpchen und Milch mit dem Zauberstab (Küchenmaschine hab’ ich keine, wüßte allerdings auch nicht wo ich die noch unterbringen sollte) und kam an den Punkt, an dem ich den ganzen Schmadder mit der gut bemehlten Hand auf gut bemehltem Backbrett zu Klump formen sollte und scheiterte kläglich an mir selbst. Der Teig klebte wie Sau, und ich ekelte mich vor Matsch an den Fingern, wie ich mich schon immer vor Matsch an den Fingern geekelt habe, ich hasste es schon als Kleinkind,  Löcher am Strand zu buddeln und mit Fingerfarben zu malen und in Watt und Schlick herumzustochern, das ist einfach ein Urinstinkt, “nur weg damit, mach’ das ab, Hilfe! Mama! Waaaaaaah!”. Ich habe mir in der 6. Klasse im Kunstunterricht einen fetten Rüffel von der blöden, unsensiblen Schlampe Lehrerin eingefangen, weil ich es nicht über mich brachte, mittels Tapentenkleister Pappmaché zu machen und daraus einen Kopf für die Marionettenfigur zu formen, die wir basteln sollten. Dieses Gefühl von matschig-verklebten Händen ist ein absoluter Horror für mich, weshalb ich in der Regel auch selten Hackfleisch mache oder Kuchen backe, und wenn, dann Teige, die ich nicht mehr mit der Hand kneten muß. Es ist schon schräg, ich kann Gänse rupfen, Wildschweine, Hasen und Rehe schießen, ausnehmen und lecker zubereiten und scheitere an einem blöden Teig. Und nein, Gummihandschuhe ändern nichts daran. (Und auf Sylt gehe ich am Watt spazieren aber im Leben nicht hinein.)

Und so landete der blöde Teig im Müll, ich habe mir heulend die Hände geschrubt wie gestört, die Küche geputzt und das Ei in die Pfanne gehauen, das ich eigentlich fürs Scones-bepinseln nehmen wollte. Das Leben kann manchmal ein Arschloch sein.

Was soll’s, geh’ ich halt morgen zu Lühmann’s.

Kategorie: Befindlichkeitsbloggen | Tags: 7 Kommentare »

7 Reaktionen zu “Unerwartete Handicaps”

  1. Tin Cup

    Zwei Worte: 1. Küchenmaschine 2. Nudelholz. ;-)

  2. birgit

    achje, die marionetten – die hatte ich längst vergessen …

    bei wem haben wir die machen müssen? ich kann mich an diverse kunsterzieher/innen erinnern (sehr unterschiedlich gern), aber ich weiß nicht mehr, wer dafür verantwortlich war. den raum seh ich vor mir, meine marionette sogar auch – aber mehr auch nicht.

  3. Björn

    Matsch find ich gut, ich mags nur nicht wenn er an den Händen festtrocknet, das ist so ein ekliges Gefühl (Sand, Schlamm, Teig, alles). Hab im Kunstunterricht aber liebend gern meine ganzen Hände in Farbe getunkt um damit meiner expressionistischen Ader freien Lauf zu lassen, hauptsache man konnte es danach wieder abwaschen. So hat wohl jeder seine Eigenheiten.

  4. Ralf

    Ein Scone ohne clotted creme ist auch irgendwie nur halbherzig. Ich vermeide den ausserhalb Südenglands zu mir zu nehmen, das motiviert ungemein zu Urlauben in Devon oder Cornwall und fördert die Produktion von cream tea!

  5. Kiki

    @ TinCup: Ich habe keinen Platz für eine Küchenmaschine.

    @ birgit: Frau Bock oder sowas in der Art? Irgend was mit “B”, so ‘ne jüngere, mit langen Spaghettihaaren. Keine Ahnung, ich hab’s verdrängt.

    @ Björn: Stimmt, das ist auch ein fieses Gefühl. Ich werde nie verstehen, wie Menschen Schlammpackungen oder Moorbäder durchstehen.

    @ Ralf: Stimmt natürlich, ohne clotted cream geht es eigentlich nicht. Aber ich kann ja nicht jedesmal extra nach Südengland fahren, wenn mir nach Scone ist!

  6. birgit

    frau boljahn? die hatte lange haare – kam aber eigentlich erst später glaube ich. der name bock läßt ganz dumpf etwas anklingen, komme aber nicht drauf was.

    egal. schnell wieder vergessen.

  7. Kiki

    Ja, genau, die war es. – Ich glaube, Fr. Bock war eine spätere Deutschlehrerin von mir, die uns in der 8. Kl mit Kafka, Borchert und Brecht pestete.

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