“Was nix kost’ is’ auch nix wert.”

Was kost’ aber manchmal auch nicht: DWDL schreibt, der Axel Springer Verlag plane, sein mobiles Angebot der Seiten Bild.de und Welt.de für iPhone User kostenpflichtig zu machen. Vorerst nur für die und nicht auch für Blackberry, Googlephone etc. User, weil es für die noch keine entsprechenden Apps gibt, bzw. die erst noch entwickelt werden müssen. Außerdem: “Die Zahlungsbereitschaft ist gerade bei Mobilfunkkunden, insbesondere bei Besitzern des iPhones groß”, wie ein Sprecher des Konzerns erklärte. Lies: iPhone User sind reicher als Onkel Dagobert und dabei dümmer als die Panzerknacker. Nunja, da mag im Einzelfall durchaus etwas dran sein, aber ob es dann sinnvoll erscheint, sie mit diesem Angebot komplett in die Verblödung zu treiben?

Der mit Abstand lustigste Spruch ist jedoch folgender: “Nachdem sich über die Jahre im stationären Internet eine Kostenloskultur durchgesetzt hat, will der Axel Springer Verlag wenigstens bei den mobilen Angeboten so früh wie möglich eine Finanzierung über Bezahlinhalte etablieren.” So früh wie möglich wäre wohl so ca. 2005/2006 gewesen, als man die ersten WAP-Portale halbwegs stabil auf den Markt brachte. Ich erinnere mich noch an einen stolzen AS-Vortragenden auf einem dieser vielen WebZwoNull-Kongresse, der vor Begeisterung fast in Ohnmacht fiel als er die mobile Seite des (ebenfalls um Springer-Konzern gehörenden) Hamburger Abendblatts vorstellte. Ich gebe zu, ich war beeindruckt – das lief alles ruckelfrei und mit sehr guter Geschwindigkeit auf meinem damaligen SE K750i. Aber “auf den Inhalt kommt es an”, wie schon die Sprengel-Schokoladen-Werbung meiner Kindheit wußte, und die mobilen Inhalte waren nicht weniger belanglos als die der Printversion dieses Blattes, bei dem mir jedes Mal die Schamesröte ins Gesicht steigt, daß dies tatsächlich die repräsentative Tageszeitung der Medien- und meiner Heimatstadt Hamburg sein soll. Schon damals hätte ich keinen Cent für das Angebot bezahlt, es tat weh genug, daß meine Handyrechnung am Ende des Monats dank des kurzen Tests auf dem Konkgreß explodiert war und ich für den dreiminütigen Abruf der mobilen Inhalte meinem Provider derart zur Kasse gebeten wurde, daß es ihm ein Quartalsplus in zweistelligen Prozentzahlen bescherte.

Man überlegt bei Springer auch, das Internetangebot mittelfristig auf Bezahlinhalte umzustellen, zumindest teilweise – man kann sich vorstellen, diejenigen Inhalte, die auch andernorts zu finden sind wie etwa Agenturmitteilungen, auch weiterhin kostenlos zu zeigen. Na, dann besteht ja keine unmittelbare Gefahr, daß die Schotten dicht gemacht werden. Denn meiner Meinung nach bestehen sowieso sämtliche Online-Portale aller Printmedien zumindest gefühlt aus 95% Agenturmeldungen.

Ob der Plan im Hause AS aufgeht, wird die Zeit zeigen. In meinem Haus (9 Parteien im gutbürgerlichen Stadtteil Hamburg-Winterhude) hält sich niemand mehr eine Tageszeitung. Einer hat die ZEIT abonniert, zwei den Spiegel und zwei weitere lesen regelmäßig Brand Eins. Dafür zeigt mir mein Rechner aktuell 12 WLAN-Namen aus der unmittelbaren Nachbarschaft an. Es wird sicher eine paar User geben, die für den “Qualitätsjournalismus” auf welt.de und bild.de gerne Geld ausgeben wollen. Ob es genügend sein werden?

Kategorie: Kommerz, Medien | Tags: , , , , Kommentare deaktiviert

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.

Zurück nach oben