Category: Befindlichkeitsbloggen


Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

Juli 21st, 2010 — 10:38am

Lacus Lemanus

Meine Begleitung war erkrankt und ich saß auf einer überzähligen Konzertkarte. Der Plan sah folgendermaßen aus: Mit dem Auto ins Dorf zum 3 km entfernten Bahnhof fahren, es dort bis zur spätabendlichen Rückkehr stehen zu lassen und mit dem Zug nach Montreux fahren, dort der Masse nachlaufen bis zur Konzerthalle, hoffentlich das überzählige Ticket noch loszuwerden und abends dann alles wieder retour.

Der Plan scheiterte an einer unerwarteten Baustelle und dazugehöriger Straßensperrung, die mich eine zehnminütige Umleitung zum Bahnhof entlanglotste, durch mir unbekanntes Terrain. Ich kenne das Layout des Dorfs zwar inzwischen grob, aber natürlich nicht die Nebenstraßen und eventuelle Abkürzungen. Als ich auf dem Bahnhof auf den Parkplatz fuhr, sah in den Zug nach Montreux abfahren. Also fuhr ich in nicht besonders gesittetem Tempo zum nächsten Halt, um den Zug vielleicht dort noch zu erwischen. Die Seestraße war verstopf mit Feierabendfahrern, und ich sah zu meiner Linken den Zug gleichauf liegen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten wir uns bis Nyon, dann mußte ich mir eingestehen, daß ich es nicht mehr schaffen würde. Das Spielchen bis Lausanne zu wiederholen wäre Quatsch gewesen, da ich um das noch zu schaffen auf die Autobahn hätte wechseln müssen, was mich ebenfalls wertvolle Zeit gekostet hätte. Außerdem hätte ich in Lausanne binnen einer Minute den Bahnhof und einen passenden, legalen Parkplatz finden müssen – eher unrealistisch. Der nächste Zug wäre jedoch zu spät gewesen um es noch rechtzeitig zu Konzertbeginn zu schaffen.
Ich könnte mich in den Allerwertesten beißen, hatte ich mich schließlich nicht an meine übliche Maxime „wer nicht fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin da ist, ist zu spät“ gehalten, die mir als Kind einer Fliegerfamilie („geb. Lufthansa“) eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Na gut, dann eben nächstes Jahr.

Now playing: „You’ll know when you get there“ (Herbie Hancock)

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Keine Ahnung!

Juli 16th, 2010 — 12:35pm

Lieber @timosen, Du hast recht. Es gibt leider viel zu viele Anlässe, bei denen Spenden und Hilfe dringend nötig sind bzw. ist. Sauberes Trinkwasser für einen Großteil der Welt ist einer davon. Ein weiterer wäre Schulbildung für Kinder in Ländern der Dritten Welt. Unterstützung für Menschen, die politisch verfolgt oder aufgrund ihrer Rasse oder sexuellen Orientierung mit dem Tode bedroht werden. Erdbebenopfer in Haiti. Flutopfer in Polen. Obdachlose Drogensüchtige. Abmahnopfer aus Bloggershausen. Versuchskaninchen aus Pharma- oder Kosmetiklabors. Landminenopfer. Orang-Utangs. Man kann leider kaum einen Meter gehen, ohne einen Grund zu finden, für den sich Engagement und Spendensammeln lohnt. Amnesty, Rotes Kreuz, Sternenbrücke, Hinz und Kunst, Brot für die Welt, Live Aid, Oxfam, Hamburg-Leuchtfeuer, Viva con Agua, SOS Kinderdörfer, WWF — die Liste ist grauenhaft lang, fast endlos.

Warum habe ich mich also entschlossen, meine flattr-Einnahmen einer einzelnen Familie zu spenden, der gerade das Dach über dem Kopf abgebrannt ist und die knapp mit dem Leben davongekommen ist? Einer Familie, die ich genauso wenig persönlich kenne wie ein Kriegswaisenkind aus Ruanda? Einer Familie aus einem erste Welt Land, mit (noch) halbwegs funktionierendem Sozialstaat, zumindest im Vergleich zu anderen Ländern? Einer Familie, bei der beide Elternteile einen Job haben und Geld verdienen, soweit ich das mitbekommen habe? Und die mir nicht einmal eine Spendenbescheinigung fürs Finanzamt ausstellen kann? Mein Steuerberater kotzt eh schon im Strahl mit diesem flattr-Kram, nun spende ich diese dubiosen Beträge auch noch, wo nicht einmal klar ist, ob das Spenden oder Einnahmen für mich sind? Argh!

Ich spende seit Beginn der 90er regelmäßig für die Surfrider Foundation und die Electronic Frontier Foundation (EFF), bei denen ich seit damals auch jeweils Mitglied bin. Auch diese Spenden sind für mich übrigens nicht steuerlich absetzbar, da in den USA ansässig. Sauberes Wasser, saubere Strände und Ozeane liegen mir als Surfer am Herzen, ja. Sauberes Trinkwasser natürlich auch, genau wie die meisten anderen der eingangs erwähnten Themen. Ich spende nicht an Vereinigungen mit gigantischem Verwaltungswasserkopf oder mit religiösem Hintergrund, egal welchem. Ich spende nicht für Themen, die aus aktuellem Anlass gerade in aller Munde sind, warum, das habe ich hier im Blog schon einmal erwähnt. Dieser Fall ist zwar aktuell, aber nicht gerade in aller Munde, jedenfalls habe ich noch keinen Tagesschau-Brennpunkt dazu gesehen, no pun intended. („Weltberühmt in Klein Bloggersdorf“ zählt nicht.) Warum spende ich also für diese Familie?

Ich habe ehrlich keine Ahnung. Ich kann nicht einmal die vielbeschworene Bloggersolidarität ins Feld führen, denn ich habe keines der Blogs dieser Familie je vorher gelesen. Ich lese sie auch jetzt noch nicht, da sie mich thematisch nicht so interessieren, sorry. Ich hatte einfach das Gefühl, ich muß hier etwas tun, sofort, und sei es nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Und das war und ist mir Grund genug.

Ich habe keine Ahnung, und deshalb halte ich dazu jetzt einfach die Klappe.

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We all came down to Montreux…

Juli 14th, 2010 — 1:07pm

Montreux…on the lake Geneva shoreline

Ich werde keine Aufnahmen mit dem Mobile machen, ich werde nicht einmal Deep Purple sehen, aber ein mindestens so interessantes Lineup: Quincy Jones and the Global Gumbo All Stars (feat. Richard Bona, Lionel Loueke, Paulinho da Costa, Alfredo Rodriguez, Francisco Mela) sowie Herbie Hancock – The Imagine Project (mit Vinnie Colaiuta, Tal Wilkenfeld, Lionel Loueke, Greg Phillinganes). Und ich werden natürlich berichten – nächste Woche.

Hach!

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Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt

Juli 13th, 2010 — 10:31am

Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute:

Tag 18 – Das Buch, mit dem schönsten Cover, das du besitzt
Das ist schwierig. So auf Anhieb fallen mir da eine ganze Menge ein, natürlich besonders aus der Abteilung Kinderbücher, Graphic Novels/Comics oder den Kunstbänden. Hier meine drei Lieblinge, ich mag mich nicht für einen entscheiden:

The Illusion of Life

The Illusion of Life (Frank Thomas & Ollie Johnston), das Quasi-Standardwerk über Disney Animation

Dieses Buch ist nicht nur optisch sondern auch und vor allem inhaltlich unglaublich interessant, lehrreich und eine wahre Fundgrube für jeden, der sich mit Animationstechniken beschäftigt. Natürlich wird alles aus der Disneyperspektive erzählt, und nicht jeder kann so auf das quietschsaubere, familienkompatible Mausimperium. Aber hey: die haben das Thema schließlich miterfunden und vor allem perfektioniert.

Hans Bacher: Dream Worlds

Dream Worlds (Hans Bacher), ein wunderschöner und sehr informativer und lehrreicher kleiner Bildband über die Produktion von  bei Animationsfilmen

Wie entsteht ein Animationsfilm, wenn man mal vom reinen Zeichnen der Hauptfiguren absieht? Was gehört alles zum Produktionsdesign? Welche Hintergrundmotive werden wie angelegt und erfüllen welchen Zweck? Wie spielen Komposition, Perspektive, Farben, Tiefe zusammen? Auch dieser Band stützt sich hauptsächlich auf Disneyproduktionen, allerdings die neueren, bei denen beispielsweise auch teilweise schon der Computer eingesetzt wurde. Für Gestalter, Filmschaffende oder Animationsinteressierte ein absolutes Muss.

Art of The Matrix

Art of The Matrix (Larry Wachowski), ein aufwendig gestalteter Storyboardband des ersten Matrix Films.

Ich habe ein etwas zwiespältiges Verhältnis zu den Matrix Filmen, da ich sie beruflich jahrelang vermarktet habe (besonders die beiden Fortsetzungen). Ich mag die Filme allerdings nicht besonders, auch wenn ich den ersten Teil als visuelles Meisterwerk und neben Kubricks 2001 als den wichtigsten Science Fiction Film überhaupt ansehe. Dieser große und verdammt schwere Bildband ist ein Kompendium von Produktionsnotizen, Storyboards, Drehbuchskizzen der Macher, allen voran Larry Wachowskis und behandelt ausschließich den ersten Teil der Trilogie.

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Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen

Juli 8th, 2010 — 11:30am

Jeden Tag eine Frage zu einem Buch, das ist das Bücherstöckchen. Heute:

Tag 17 – Augen zu und irgendein Buch aus dem Regal nehmen

Oriana Fallaci: Wir, Engel und Bestien. Ein Bericht aus dem Vietnamkrieg.Oriana Fallaci: Wir, Engel und Bestien.

Wie jedes andere Buch der einzigartigen Journalistin Fallaci ist auch dieses provokativ, schockierend, Augen öffnend, unbequem und sehr wichtig. Und vor allem sehr gut geschrieben. Aus dem Italienischen übersetzt hat es Heinz Riedt. Ich habe diesen 1970 erschienenen Bericht aus dem Vietnamkrieg bestimmt fünfzehn Jahre nicht mehr gelesen und möchte das Buch im Moment eigentlich auch nicht noch einmal lesen. Zu schmerzhaft wird mir bewusst, daß sich nichts verändert hat, ein Krieg wie der nächste ist, es offensichtlich keinerlei Hoffnung auf positive Lerneffekte bei Menschen gibt. Nur wie man den Gegner noch effizienter quält und tötet, das wurde und wird überall auf der Welt perfektioniert.

Nein, ich möchte das nicht mehr lesen. Aber es gibt wenig bessere Bücher über das Thema.

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