You can check out any time you want, but you can never leave
Um meinen DSL-Vertrag bei Null & Null zu kündigen, muss ich
- mich auf einer extra dafür eingerichteten Seite mit Login und Passwort ausweisen, um überhaupt Zugriff auf meine Vertragsdaten zu erhalten.
- dann zunächst die Frage beantworten, ob ich wirklich das Mutterschiff verlassen will und nicht doch lieber in einen dieser tollen neuen anderen Verträge wechseln, die vielleicht günstiger für mich wären.
- dann angeben, warum ich kündigen will. Oder zumindest angeben, daß ich dazu keine Angaben machen will.
- mitteilen, welche meiner Domains ich auslaufen lassen oder aber mit zu einem neuen Provider umziehen möchte und falls letzteres, ob sofort oder erst zum Ende der Vertragslaufzeit. Ich entscheide mich für Ende der Vertragslaufzeit (wozu einem neuen Provider ein halbes Jahr lag Geld für nix in den Rachen werfen?).
- mir einen daraufhin zugeteilten Code merken oder ausdrucken, mit dem ich meine .net Adresse beim neuen Provider authentifizieren muss. Dieser Code ist nur 30 Tage nach Erstellung gültig. Vertragsende ist jedoch im Januar 2011.
- einen Warnhinweis lesen, daß die Kündigung erst und nur dann wirksam ist, wenn sie schriftlich über das auf im nächsten Schritt auszudruckende Formular erfolgt und im Servicecenter eingegangen ist.
- auf der nächsten Seite dann lesen, daß ich das Kündigungsformular „aus Sicherheitsgründen“ erst dann zu sehen bekomme und ausdrucken darf, wenn ich einen Authentifikationscode von einem Servicemitarbeiter genannt bekommen habe. Einen solchen Menschen kann ich über eine (immerhin kostenfreie) Hotline erreichen: Montags-bis Freitags ab 08:00 bis 22.00 Uhr und am Wochenende zwischen 09:00 und 21:00 Uhr. Jetzt ist es Montag früh 06:00 Uhr, aber okay, warte ich eben noch etwas. Dann kann ich den ja auch gleich fragen, was ich mit einem 30 Tage lang gültigen Authentifikationscode für meine .net-Domain anfangen soll, wenn ich noch ein halbes Jahr lang an den alten Provider gekettet bin.
08:00 Uhr. Ich hangele mich durch ein Callcenter Voicemenu und bekomme schliesslich einen missgelaunten Hessen ans Rohr. Der will mir eine Vertragsänderung aufschwatzen. Meine DSL 6000 zu magischen 16000 aufblasen, für nur 5 Oironen mehr im Monat. Auf meine Frage, warum ich eigentlich nicht mal die 6000 regelmäßig kriege, sondern meist mehr so 3000-3500 an guten Tagen und in Monaten, die nicht auf ‘r’ enden, hat er eine kluge Antwort: Weil ich ja noch die Telekom mit in der Leitung hätte. Die würden mich bremsen. Die müßte ich erst über Bord werfen und ganz auf die dunkle Seite zu Null&Null wechseln, schon würde es nur so flupschen mit der Geschwindigkeit. Auf meine skeptische Frage, ob ich dabei meine Festnetznummer behalten könne und vor allem, ob mein analoges Wählscheibentelefon dann noch funktionieren würde, meint er in selbstgefälligem Tonfall: „Na klar Puppe, gar kein Problem.“ Ich frage, ob er mir das garantieren könne, ich hätte keine Lust, dann in einem weiteren Zweijahresvertrag festzuhängen, der nicht das hielte, was er mir gerade verspreche. Er gibt sich empört: „Ich hab’s gar nicht nötig, Ihnen etwas zu versprechen. Ich wollte Ihnen nur ein freundliches Angebot machen, billiger zu surfen und zu telefonieren! Was hätte ich denn davon, Ihnen etwas zu versprechen, das ich nicht halten kann?“ Meine Antwort „eine leckere Provision?“ findet er nachgerade unverschämt und ich bitte dann auch langsam mal um die Freischaltung des Kündigungsformulars. Das muß ich nur noch ausfüllen und ausdrucken und zurückfaxen, dann bin ich frei.
„Geht das auch per Post? Ich habe kein Fax“ frage ich.
„Wieso haben Sie kein Fax? Sie haben doch auch ein Wählscheibentelefon!“ fragt er irritiert. OK, der Punkt geht an ihn, aber meine Frage hat er noch immer noch nicht beantwortet.
„Ja, das geht auch per Post. Am besten per Einschreiben dann.“
„Klar, Kündigungen gehen sonst grundsätzlich verloren oder wandern in den Reißwolf, ich weiß.“
Klack. Er hat aufgelegt. Hihi!

