März 12th, 2010 — 2:12pm
Der Kommentar des Tages, wenn nicht der Woche ist für mich diese Reaktion auf Stefan Winterbauers Artikel über die fragwürdige Art und Weise, wie die Zeitschrift Merian in ihrem aktuellen Sonderheft zur Formel 1 zwischen Anzeigen und Redaktion trennt:
“Als ich 16 war, und bei Burger King diese komische Zeitung gelesen habe, die da immer ausliegt, da ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass da nie Verrisse drinstehen. Immer nur Lobhudeleien. Das war der Moment an dem mir klar wurde, dass es keinen Journalismus-Nicolausosterhasen gibt.
Seither gehe ich bei allem Gedruckten, bei allen Medien, die in der Herstellung viel, viel Geld kosten, immer, immer immer zuerst davon aus, dass es selbstverständlich einen Zusammenhang und einen Einfluss von Werbenden auf Redaktionen gibt. Vom Gegenteil lasse ich mich nur mühsam überzeugen.
Und erst jetzt wird mir klar, dass ich deswegen vielleicht inzwischen lieber die Blogs meiner Freunde lese, als publizistische Produkte.”
Gleichzeitig verlangt auf einer anderen Bühne der Cheflobbyist eines Verlages, daß künftig u.a. nicht nur Google, sondern auch jeder den PC gewerblich nutzende Leser der journalistischen Angebote im Netz eine Abgabe an eine neu zu gründende Verwertungsgesellschaft leisten solle. Die selbstbewußt lautende Begründung:
“Das Netz quillt über mit Informationen – wir organisieren die Rangreihenfolge. Das ist die Leistung, die wir bringen. […] Wir sehen, dass die Abonnements von Zeitungen und Zeitschriften in den meisten Unternehmen zurückgehen – das hängt natürlich auch damit zusammen, dass wir so gute Webseiten machen.”
Die beste Replik auf diese Chuzpah kommt von Thomas Knüwer:
“Nun, dann schauen wir uns die Rangreihenfolge doch einmal an, in diesen Sekunden, da ich dies tippe. Da meint Welt Online, die wichtigste Meldung der Welt sei, dass die FDP Kritik an Guido Westerwelle “Diffamierung” nennt. Derzeit also, in diesen Sekunden, gibt es auf der Welt nichts Wichtigeres als PR einer Partei. Es muss ein ruhiger Tag sein. Daneben bekomme ich mitgeteilt, dass ein Aldi-Bruder laut “Forbes”-Liste nicht mehr so reich ist wie zuvor – eine Meldung von gestern. Oder ich darf mir das Auslaufen eines Kreuzfahrtschiffes anschauen – inszenierte Unternehmens-PR.
Meine persönliche Rangreihenfolge der Nachrichten sieht anders aus.”
Meine auch.
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Februar 16th, 2010 — 5:18pm
Als ich gestern früh den Müll runterbrachte, traute ich meinen Augen kaum: Alle Container waren verschwunden. Verwundert stapfte ich mit der Tüte in der Hand zurück die Straße hinauf, als ich unseren Hausmeister traf. Der erklärte, daß die Stadtreinigung unsere Straße nicht mehr durchfahren wolle, weil diese zu vereist sei, das sei ihnen zu gefährlich. Wenn er die Straße freilegen würde, also die Buckelpiste voller Eisplatten zerschlagen und entfernen, oder anders gesagt: ihren ureigenen Job machen würde, dann kämen sie wieder. Sie hätten auch schon vergangene Woche keine Mülltonnen geleert und wollten ihm für diese Woche wieder einen Korb geben, also hat dieser einzelne Mann im gestandenen Alter von über 50 Jahren insgesamt sechs große, volle, überquellende Müllcontainer olympiareif jeweils gut 100 Meter über verschneite und vereiste Wege, vorsichtig vorbei an all den parkenden Autos an die obere und untere Einmündung der Straße bis zur Hauptstraße gewuchtet, in der Hoffnung daß die Müllabfuhr sich ihrer erbarmen würde.
Das Problem hat nicht nur unsere Straße, wie man auf der offiziellen Seite der Stadtreinigung Hamburg nachlesen kann. Als Anwohner, der täglich Heizöltankwagen und Umzugslaster problemlos und höchstens etwas umsichtiger als sonst durch die Straße rumpeln sieht, kommt man sich da schon etwas verschaukelt vor. Sie sollen ja schließlich hier nicht einparken. Aber in der nächsten Trinkgeldsaison steht mein Favorit jetzt schon fest.
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Februar 14th, 2010 — 2:09pm
Beim Ausmisten meines Bücherschranks habe ich mich in alten Reiseführern festgelesen. Ein paar schöne Zitate aus dem dtv MERIAN Reiseführer Berlin (4. aktualisierte und überarbeitete Ausgabe Juni 1989) möchte ich Euch nicht vorenthalten:
Reisezeit und Klima: Es scheint manchmal, als sei es in Ost-Berlin kälter als in West-Berlin, besonders auf dem riesigen Alexanderplatz oder in den großen Straßen der Neubaugebiete. Das kommt daher, daß der Wind heftiger weht, es sind keine Ecken und verwinkelten Straßen da, um ihn aufzuhalten. Wettervorhersage: Tel.: 162
Sprache: Was bei uns ein “Supermarkt” ist, nennt sich in Ost-Berlin “Kaufhalle”. Jugendliche benutzen häufig Ausdrücke wie “einwandfrei” oder “das fetzt”.
Treffpunkte: Wenn Sie Ostberliner treffen wollen, können Sie zu den Fußballspielen des FC Union gehen, dessen Fans Sie an ihrem ziemlich gammeligen Aussehen und den rot-weiß-gestreiften Hemden und Schals erkennen.
Junge Leute: In Ost-Berlin werden Sie vergeblich Folklore-Schuppen und Diskotheken suchen. In der DDR geht der Jugendliche zum “Jugendtanz”. […] Die Ausstattung der Räumlichkeiten ist weniger poppig, die Licht- und Phontechnik ist mit der westlicher Beatschupppen nicht vergleichbar.
Kinder: [Im Pionierpark Ernst Thälmann] kommen Kinder vor allem in Arbeitsgemeinschaften zusammen. Wenn sie zehn Jahre alt sind, können sie auf der Eisenbahn eine halbjährige Ausbildung zum Schrankenwärter, Streckenläufer oder Zugschaffner absolvieren.
Nachtleben: Ost-Berlin hat kein nervenzerfetzendes Nachtleben. Harten Porno, schummrige Sex-Klubs, Peep-Show und Striptease werden Sie hier vergeblich suchen.
Ich sehe meinem Besuch auf der re:publica mit banger Vorfreude entgegen.
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Januar 25th, 2010 — 9:12am
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Januar 25th, 2010 — 8:47am
Bitte alle Leser mal melden, die für 100.000 € einen zehn Jahre alten Sportwagen kaufen würden, der zwar noch toll aussieht und ordentlich “brumm-brumm” macht wenn man das Gas aufdreht, aber bereits mehrere heftige Unfallschäden auf dem Buckel und auch ein paar hässliche Kratzer im Lack hat.
Keiner?
Aber der Wagen ist legendär, hat sogar mal einige Rennen gewonnen in jüngeren Jahren und gehörte einer Reihe von wichtigen und prominenten Leuten! Das ist ein Schnäppchen!
Echt nicht? Och kommt, Leute, seid nicht so geizig! Überlegt doch mal, was das hergibt, wenn Ihr damit zum Baumarkt fahrt, oder zum Pokerabend mit den Jungs! Alle werden Euch beneiden und Respekt vor Euch haben!
Was? Verbrauch? Unfallschäden? Werkstattkosten? Wiederverkaufswert? Je nun, ein bisschen Patina ist natürlich dran, aber ohne wär’s ja auch keine Legende, oder? Und ein kleines bisschen Risiko darf schon sein, sonst könnt Ihr auch gleich einen Volvo Kombi fahren, oder?
Also der Wagen macht sich echt schick vor Eurem Haus, man nimmt auch die Mülltonnen gar nicht mehr so wahr!
OK? Echt? Super! Topp!
Viel Spaß damit!
Nachtrag: Der Herr vom Kiez hat sich ganz ähnliche Gedanken gemacht. Aber es gibt natürlich auch andere Meinungen dazu.
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