Im vergangenen Jahr habe ich das erste Mal wieder mehr Bücher als DVDs gekauft und wieder mehr gelesen als Filme gesehen. Auch einiges an Musik wurde angeschafft. Und das erste Mal seit 2001 kann ich die Anzahl der gekauften DVDs wieder an den Fingern einer Hand abzählen, und die Anzahl der im Kino gesehenen Filme ebenfalls.
Im Kino gab’s vier Filme, von denen mich nur Gran Torino überzeugte. Wenn auch mit einem Eastwood’schen Augenzwinkern, das die Kritiker wie üblich nicht wahrgenommen haben, weil sie sich zu sehr auf “Dirty Harry ist zurück” und ähnlichen Quatsch gestürzt haben. Man muß wohl wirklich nach Frankreich auswandern, um dämlichen Eastwood-Rezensionen aus dem Weg zu gehen.
Der Baader Meinhof Komplex war starbesetzt, toll ausgestattet und rundherum nichtssagend, weil hier alles, was in den 60ern und 70ern politisch relevantes passiert ist, und das ist bekanntlich einiges, in einem Film verwurstet wurde. Ich hatte das Glück, das Buch vor rund 20 Jahren gelesen zu haben und alt genug zu sein um mich noch an viele Zusammenhänge selbst zu erinnern. Ob die 18ährigen im Publikum sonderlich viel verstanden haben, darf bezweifelt werden.
Mullewapp war einfach nur ärgerlich. Dieser Kinderfilm hatte null Charme und ist keiner Erwähnung wert. Es sollte der erste Kinofilm meines Patensohns Nr.2 (Captain Jacks kleinem Bruder) werden, wenige Tage vor dessen 5. Geburtstag. Mir schwante ja schon etwas, aber er wollte unbedingt da rein. “Da rein” war eine Schuhschachtel des Westerländer Kinocenters, in dem die Leinwand nur unwesentlich größer ist als ein Fernsehbildschirm. Wenn ich so bedenke, was ich bei meinem ersten Kinofilm damals™ für ein Glück hatte: Susi und Strolch, ein echtes Disney Meisterwerk, und auch in einem tollen Kino. Captain Jack hatte zwar nur Lauras Stern als ersten Film, aber wenigstens bei der Premiere, komplett mit rotem Teppich, Blitzlichtgewitter, kostenlosem Popcorn und einer Geschenketüte für jedes Kind. (Das hat ihn natürlich auch fürs Leben geprägt; sein Vater war dem Vernehmen nach sehr irritiert, als er ein paar Wochen später bei einem anderen Kinobesuch von seinem Ältesten gefragt wurde, wo denn jetzt die Geschenke und der rote Teppich abgeblieben seien.)
Willkommen bei den Schti’s war teilweise recht witzig, aber letztlich auch reichlich banal und mehr so ein TV-Film der Woche, nur halt im Kino. Ich hoffe ja nach wie vor darauf, daß ich irgendwann im Leben noch einmal eine französische Komödie sehen werde, die mein Humorzentrum trifft. Es gibt so viele tolle französische Filme, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Solange halte ich mich an die Briten.
Auf DVD habe ich mich hauptsächlich auf TV-Serien gestürzt, nicht zuletzt dank der Finanzkrise und dem dadurch sehr geschwächtem Britischen Pfund Sterling. House, MD (Season 5) hat mir entgegen aller Unkenrufe sehr gut gefallen, da sich die Serie entwickelt und experimentiert. Nicht immer in eine plausible Richtung oder erfolgreich, aber wenigstens wird hier nicht nur Schema F gefahren und Hugh Laurie ist einfach klasse, fertig.
Die Sopranos hatte ich schon immer im Visier, aber trotz meiner knapp fünf bei Warner Bros. verbrachten Jahre (WB als Schwesternfirma von HBO unter dem TIME/Warner Dach veröffentlicht die Serie hierzulande) habe ich es nie geschafft, mehr als zwei Folgen oder einige Ausschnitte zu sehen. Diesmal bin ich immerhin bis zur vorletzten Staffel gekommen, bevor mich die Langeweile packte und ich die schweren Jungs erst einmal wieder ins Regal verbannte. Ein paar Wochen später habe ich dann den Rest gesehen und war insgesamt doch recht angetan. Aber in die Top 5 meiner liebsten TV-Serien wird sie es nicht schaffen.
Anders The Wire, die sich aus dem Stand auf Platz 3 meiner Lieblingsserien katapultiert hat. Ob die Serie so realistisch ist wie die Presse schreibt, kann ich nicht beurteilen. Aber hart, schonungslos und trotzdem warmherzig, nie unglaubwürdig und sie wirkte noch lange, lange nach. HBO ist offenbar nach wie vor ein Garant für Qualitätsfernsehen. Die US-Version der Box ist übrigens codefree, auch wenn das nirgends vermerkt ist.
Der einzige Kinofilm auf DVD der es dieses Jahr in meine Sammlung geschafft hat, war Michael Manns Public Enemies. Dies dürfte dann auch mein letzter Michael Mann DVDkauf gewesen sein, denn obwohl er immer wieder eine fesselnde Atmosphäre in seinen Filmen zustandebringt, er meist eine erstklassige Besetzung zusammentrommelt und Ausstattung, Musik, Beleuchtung, Kamera etc. makellos sind, bleibt man oft gelangweilt und ratlos zurück: Was wollte er uns diesmal sagen, und warum hat er’s nicht einfach getan? Miami Vice, Collateral, Ali – Mann dreht Hochglanzfilme ohne nennenswerte oder sonderlich glaubwürdige Geschichte, seelenlos und blutarm, mit Ausnahme vielleicht von Heat. Es gibt schlechtere Filme, sicherlich, aber auch viele weitaus bessere.
Meine neuen Bücher werde ich dann demnächst sukzessive vorstellen. Soviel vorab: hier gab es keine Enttäuschungen.