Category: Film


The Drifter

Juli 5th, 2010 — 5:58pm

The Drifter
R: Taylor Steele
D: Rob Machado, Kelly Slater
Auf DVD und im iTunes (US Store)
IMDB Eintrag | Offizielle Website

Vor 17 Jahren, als unmittelbare Reaktion auf meinen ersten Burnout in meinem ersten Job, schmiss ich alles hin und begab mich ans andere Ende der Welt um zu surfen. Meine Version des Endless Summer dauerte zwar nur zwei Monate, aber ich bin nie so ganz wieder hier angekommen. Gestern fand ich beim Stöbern im US iTunes Store diesen Film. Inzwischen habe ich ihn schon dreimal gesehen und dazwischen läuft der Soundtrack in der Endlosschleife. Und die Planungen für den nächsten Trip nehmen auch schon konkrete Formen an.

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Up In The Air

Juni 17th, 2010 — 12:17pm

Up In The Air
R: Jason Reitman
D: George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick

seit 4. Juni auf DVD
IMDB Eintrag | Offizielle Website
Bilder © und mit freundlicher Genehmigung von Paramount Home Entertainment

Up In The Air„Please, for the love of God, can I fire the next one?

Dieser Film funktioniert für mich nicht. Er hätte vor ein paar Jahrzehnten vielleicht theoretisch funktionieren können, als man über den mitspielenden Star als Otto Normalzuschauer nur das wußte, was das Publicity Department des Studios und sein Agent bereit waren, an die Öffentlichkeit zu kommunizieren. Allerdings hätte er inhaltlich nicht funktioniert, weil es damals eben noch kein Internet gab. Heutzutage gibt es täglich mehr Menschen, die irgendwann im Leben mindestens einmal aus Budgetgründen à la américaine per Videokonferenz entlassen wurden. (Yours truly übrigens auch vor ein paar Jahren, und ja, es ist in der Tat ein traumatisches Erlebnis.) Und dank des Internets, schmerzfreier Klatschpresse und schamlosen Paparazzi wissen wir quasi per Osmose, daß Mr. Clooney auch mit fast fünfzig Jahren ein Baskebabll-Jock und Womanizer ist, der gar nicht ans Heiraten denken will. Die Parallelen zu seiner Filmfigur sind so aufdringlich, daß man diese Fakten nicht aus dem Kopf bekommt während man den Film sieht. Abschalten ist also nicht wirklich gut möglich und darum funktioniert der Film für mich nicht.

Was mich erstaunt hat ist, daß nach Ende des Films die Frauenrollen für mich sehr viel stärker nachgewirkt haben als die männliche Hauptrolle. Der Film ist ein Starvehikel, komplett auf George Clooney zugeschnitten. Das geht soweit, daß die Namen der Schauspielerinnen tatsächlich nicht einmal auf dem DVD-Cover erwähnt werden. Auch nicht auf der Rückseite. Ich mag Clooney, und natürlich habe ich mir den Film ursprünglich seinetwegen angesehen, wie wohl die allermeisten der Zuschauer. Die Kamera liebt ihn und leckt ihn förmlich ab. Aber inhaltlich hat er nichts weiter beizusteuern, ganz im Gegenteil zu Vera Farmiga und insbesondere Anna Kendrick, die ich beide noch nicht bewußt in einem anderen Film wahrgenommen hatte (inzwischen habe ich die imdb angeworfen und kann sagen, daß ich zumindest Vera Farmiga schon in The Departed gesehen hatte. Anna Kendrick war mir hingegen völlig unbekannt.). Die Szenen, die ans Herz gehen, drehen sich um die beiden Frauen.

Der Film funktioniert aber auch deshalb nicht so richtig, weil er sich nicht entscheiden kann, was er nun sein will. Eine Komödie? Ein Drama? Eine Sozialkritk? Eine Liebesgeschichte? Er bedient sich aus allen Schubladen und formt daraus nichts eigenständiges. Das Ende ist so nichtssagend, das man es schon wieder vergessen hat noch bevor der Abspann durchgelaufen ist. Insofern wird Up In The Air seinem Titel gerecht und hängt völlig in der Luft. Vielleicht sollte man ihn im Flugzeug sehen.

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“The moment of a lifetime” – Die Oscars 2010

März 9th, 2010 — 9:46am

This really is… There’s no other way to describe it, it’s the moment of a lifetime. First of all, this is so extraordinary to be in the company of such powerful, my fellow nominees, such powerful filmmakers who have inspired me and I have admired for, some of whom, for decades. And thank you to every member of the Academy. This is, again, the moment of a lifetime.

– Kathryn Bigelow in ihrer Dankesrede

“Well – the time has come” sagte Barbra Streisand, als sie den Umschlag mit dem Namen des Gewinners für die Beste Regie öffnete. Es war eine Gewinnerin: Zum ersten Mal in der Geschichte der AMPAS (Academy of Motion Pictures, Arts and Sciences) wurde eine Frau für ihre Arbeit als Regisseurin ausgezeichnet. Alten Filmbusinesshasen und Awards-Nerds wie mir war das in dem Moment klar als Barbra die Bühne betrat, denn immerhin war sie wiederum die erste Frau, die den Golden Globe für die beste Regie mit nach Hause nehmen durfte (1983 für Yentl).

Die Gewinnerin heißt Kathryn Bigelow und bei jedem ihrer meist sehr actionlastigen Filme wird betont, daß er von einer Frau gedreht wurde. Als ob Frauen nichts über Gewalt wüßten! The Loveless (1982) dreht sich um eine Motorradgang, die eine Kleinstadt heimsucht. Blue Steel (1989) zeigt eine Polizistin, die sich gegen einen sie stalkenden Psychokiller zur Wehr setzt. Point Break (1991) hat Banküberfälle, Big Wave Surfing und Fallschirmspringen. Strange Days (1995) galt vor fünfzehn Jahren als einer der gewalttätigsten Filme seiner Zeit. Der Oscarprämierte The Hurt Locker nun ist ein Thriller über einen Bombenräumtrupp im Irak.

Kathryn Bigelow hat viele gute Filme gemacht. Und ob The Hurt Locker besser oder schlechter war als seine neun (!) Konkurrenten um den Thron des Besten Films, das vermag ich nicht zu beurteilen. Aber ich freue mich für sie und hoffe, daß wir nicht wieder 81 Jahre auf eine Gewinnerin warten müssen. Susanne Bier, Rebecca Miller, Kimberly Peirce und viele mehr scharren schon mit den Hufen.

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Die Oscars sind weiblich

Februar 4th, 2010 — 9:00pm

Die Oscarnominierungen sind raus und wie’s aussieht, ist die Saison 2009/2010 die Saison der Frauen:

In der Kategorie Best Director hat Kathryn Bigelow für ihr Irak-Kriegsdrama The Hurt Locker die erst vierte Oscar-Nominierung einer weiblichen Regisseurin überhaupt eingefahren. Ob das gegen ihren Ex-Ehemann James Cameron und sein “Pocahontas trifft Die Schlümpfe trifft Der mit dem Wolf tanzt”-CGI-Spektakel Avatar die Trumpfkarte sein wird? Den inhaltlich in meinen Augen wertvolleren Preis ihrer Regisseurskollegen der Director’s Guild Awards hat sie letzte Woche, ebenfalls als erste Frau, bereits entgegennehmen dürfen. Mit neun Nominierungen liegt The Hurt Locker übrigens gleichauf mit Avatar. Ebenfalls für die beste Regie nominiert ist die Dänin Lone Scherfig, für die Verfilmung eines Nick Horny Drehbuchs, An Education.

Bei den Nominierungen für die besten Hauptdarstellerinnen hat Meryl Streep ihre 16. Oscarnominierung eingefahren (was wohl der neue Rekord sein dürfte), dieses Mal für Julie & Julia. Zweimal hat sie schon gewonnen, zuletzt allerdings for einem Vierteljahrhundert. Auch Dame Helen Mirren ist erneut nominiert; insgesamt zum vierten Mal, gewonnen hat sie 2007 für ihre Rolle als Die Queen. Beide sind über vierzig Jahre alt, genau wie die zum ersten Mal nominerte Sandra Bullock, die mit der true story-Verfilmung The Blind Side zwar einen Publikumliebling hingelegt hat, aber in meinen Augen dennoch kaum echte Chancen haben dürfte. Die Newcomerin Gabourey Sidibe ist für ihre Darstellung in Precious nominiert und für denselben Film, allerdings in der besten Nebenrolle, Mo’Nique (ebenfalls über 40).

Inhaltlich drehen sich sowohl An Education, als auch Precious, The Blind Side und Julie & Julia um Frauen, also es gibt kein Entrinnen: May the best women win! :-)

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Kleine Medienrückschau

Januar 16th, 2010 — 6:26pm

Im vergangenen Jahr habe ich das erste Mal wieder mehr Bücher als DVDs gekauft und wieder mehr gelesen als Filme gesehen. Auch einiges an Musik wurde angeschafft. Und das erste Mal seit 2001 kann ich die Anzahl der gekauften DVDs wieder an den Fingern einer Hand abzählen, und die Anzahl der im Kino gesehenen Filme ebenfalls.

Im Kino gab’s vier Filme, von denen mich nur Gran Torino überzeugte. Wenn auch mit einem Eastwood’schen Augenzwinkern, das die Kritiker wie üblich nicht wahrgenommen haben, weil sie sich zu sehr auf “Dirty Harry ist zurück” und ähnlichen Quatsch gestürzt haben. Man muß wohl wirklich nach Frankreich auswandern, um dämlichen Eastwood-Rezensionen aus dem Weg zu gehen.

Der Baader Meinhof Komplex war starbesetzt, toll ausgestattet und rundherum nichtssagend, weil hier alles, was in den 60ern und 70ern politisch relevantes passiert ist, und das ist bekanntlich einiges, in einem Film verwurstet wurde. Ich hatte das Glück, das Buch vor rund 20 Jahren gelesen zu haben und alt genug zu sein um mich noch an viele Zusammenhänge selbst zu erinnern. Ob die 18ährigen im Publikum sonderlich viel verstanden haben, darf bezweifelt werden.

Mullewapp war einfach nur ärgerlich. Dieser Kinderfilm hatte null Charme und ist keiner Erwähnung wert. Es sollte der erste Kinofilm meines Patensohns Nr.2 (Captain Jacks kleinem Bruder) werden, wenige Tage vor dessen 5. Geburtstag. Mir schwante ja schon etwas, aber er wollte unbedingt da rein. “Da rein” war eine Schuhschachtel des Westerländer Kinocenters, in dem die Leinwand nur unwesentlich größer ist als ein Fernsehbildschirm. Wenn ich so bedenke, was ich bei meinem ersten Kinofilm damals™ für ein Glück hatte: Susi und Strolch, ein echtes Disney Meisterwerk, und auch in einem tollen Kino. Captain Jack hatte zwar nur Lauras Stern als ersten Film, aber wenigstens bei der Premiere, komplett mit rotem Teppich, Blitzlichtgewitter, kostenlosem Popcorn und einer Geschenketüte für jedes Kind. (Das hat ihn natürlich auch fürs Leben geprägt; sein Vater war dem Vernehmen nach sehr irritiert, als er ein paar Wochen später bei einem anderen Kinobesuch von seinem Ältesten gefragt wurde, wo denn jetzt die Geschenke und der rote Teppich abgeblieben seien.)

Willkommen bei den Schti’s war teilweise recht witzig, aber letztlich auch reichlich banal und mehr so ein TV-Film der Woche, nur halt im Kino. Ich hoffe ja nach wie vor darauf, daß ich irgendwann im Leben noch einmal eine französische Komödie sehen werde, die mein Humorzentrum trifft. Es gibt so viele tolle französische Filme, ich gebe die Hoffnung nicht auf. Solange halte ich mich an die Briten.

Auf DVD habe ich mich hauptsächlich auf TV-Serien gestürzt, nicht zuletzt dank der Finanzkrise und dem dadurch sehr geschwächtem Britischen Pfund Sterling. House, MD (Season 5) hat mir entgegen aller Unkenrufe sehr gut gefallen, da sich die Serie entwickelt und experimentiert. Nicht immer in eine plausible Richtung oder erfolgreich, aber wenigstens wird hier nicht nur Schema F gefahren und Hugh Laurie ist einfach klasse, fertig.

Die Sopranos hatte ich schon immer im Visier, aber trotz meiner knapp fünf bei Warner Bros. verbrachten Jahre (WB als Schwesternfirma von HBO unter dem TIME/Warner Dach veröffentlicht die Serie hierzulande) habe ich es nie geschafft, mehr als zwei Folgen oder einige Ausschnitte zu sehen. Diesmal bin ich immerhin bis zur vorletzten Staffel gekommen, bevor mich die Langeweile packte und ich die schweren Jungs erst einmal wieder ins Regal verbannte. Ein paar Wochen später habe ich dann den Rest gesehen und war insgesamt doch recht angetan. Aber in die Top 5 meiner liebsten TV-Serien wird sie es nicht schaffen.

Anders The Wire, die sich aus dem Stand auf Platz 3 meiner Lieblingsserien katapultiert hat. Ob die Serie so realistisch ist wie die Presse schreibt, kann ich nicht beurteilen. Aber hart, schonungslos und trotzdem warmherzig, nie unglaubwürdig und sie wirkte noch lange, lange nach. HBO ist offenbar nach wie vor ein Garant für Qualitätsfernsehen. Die US-Version der Box ist übrigens codefree, auch wenn das nirgends vermerkt ist.

Der einzige Kinofilm auf DVD der es dieses Jahr in meine Sammlung geschafft hat, war Michael Manns Public Enemies. Dies dürfte dann auch mein letzter Michael Mann DVDkauf gewesen sein, denn obwohl er immer wieder eine fesselnde Atmosphäre in seinen Filmen zustandebringt, er meist eine erstklassige Besetzung zusammentrommelt und Ausstattung, Musik, Beleuchtung, Kamera etc. makellos sind, bleibt man oft gelangweilt und ratlos zurück: Was wollte er uns diesmal sagen, und warum hat er’s nicht einfach getan? Miami Vice, Collateral, Ali – Mann dreht Hochglanzfilme ohne nennenswerte oder sonderlich glaubwürdige Geschichte, seelenlos und blutarm, mit Ausnahme vielleicht von Heat. Es gibt schlechtere Filme, sicherlich, aber auch viele weitaus bessere.

Meine neuen Bücher werde ich dann demnächst sukzessive vorstellen. Soviel vorab: hier gab es keine Enttäuschungen.

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