71, 68, 71, 74
Gestern hat der erste Europäer seit 40 Jahren mit diesen Zahlen Geschichte geschrieben und die U.S. Open gewonnen, eines der vier jährlichen Major-Turniere im Golfkalender. Graeme McDowell kommt aus Nordirland, ist sechsfacher Gewinner auf der European Tour, erfolgreicher Rydercup-Spieler auf Seiten Europas und für die Amerikaner ist sein Sieg in Pebble Beach, einem der schwierigsten Golfplätze der Welt, offenbar geradezu ein Schlag ins Gesicht. Jedenfalls kann man diesen Eindruck bekommen, wenn man die ganze Bandbreite von Häme, Ratlosigkeit und Arroganz so liest, die die selbst ernannten Edelfedern der Szene und den Associated Press Autoren so liest:
Graeme McDowell doesn’t have the golfing pedigree of a U.S. Open champion at Pebble Beach.
All he had Sunday was the game it takes to win.
Pedigree bedeutet soviel wie „Stammbaum“, „Rassenherkunft“ oder „Ahnentafel“ und wird gemeinhin eher im Zusammenhang mit der Hundezucht erwähnt. Was der Stammbaum mit dem Erfolg oder Misserfolg eines Golfers zu tun haben und inwiefern er ein Kriterium für einen Majorsieg sein soll, das bleibt das Geheimnis des namenlosen Autoren.
Überhaupt ist man überwiegend der Auffassung, McDowell habe eigentlich die U.S. Open gar nicht gewonnen, sondern alle anderen Teilnehmer, und ganz besonders die Stars, hätten verloren. Phil Mickelson, der ewige Zweite bei diesem Turnier, hat es gestern, genau wie Tiger Woods, nur auf den geteilten vierten Platz geschafft. Der Südafrikaner Ernie Els hat sich einmal mehr als Spieler geoutet, dessen Hoffnungen auf einen vierten Major-Sieg wohl unter unrealistisch verbucht werden dürften. Der Amerikaner Dustin Johnson, der mit einem Vorsprung von drei Schlägen in die vierte und letzte Runde des Turniers gestartet war, brach in der letzte Runde völlig ein und schlich wie ein geprügelter Hund mit einer 82 und einem geteilten 8. Platz nach Hause. Ebenfalls auf Platz 8 und aus deutscher Sicht sehr erfreulich schlossen Martin Kaymer und Alex Cejka das Turnier ab. Ein Platz im europäischen Rydercup-Team im September dürfte Kaymer damit sicher sein, genau wie natürlich McDowell, der seinen guten Teamleistungen von 2008 sicher gern weitere folgen lässt.
What if they held a U.S. Open and everybody lost? That’s what happened Sunday.
Will we remember a single shot that McDowell hit this week. Or will this be an Open remembered for the misadventures of Tiger, Phil and Ernie?
I will not remember a single shot he hit, no. McDowell fits the mold of the plodder who often wins these things, and there was so much graphic calamity going on around him all day. This U.S. Open will be remembered for the hundreds of ways it was lost.
Graeme McDowell führte das Feld schon nach der zweiten Runde am Freitag an, lag am Samstag nur drei Schläge hinter Dustin Johnson auf Rang 2 und konnte dem Platz am Sonntag zwei Birdies abringen. McDowell hat die wenigsten Fehler gemacht und sich eisern an seinen Plan gehalten, sicher, beständig und cool zu spielen. Tiger hingegen beleidigte die Greenskeeper, in dem er von „awful greens“ sprach, was diese jedoch energisch zurückwiesen und, süffisant lächelnd, ganz richtig unter „saure Trauben“ verbuchten. Es ist ja nichts neues: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld.
Graeme McDowell ist verdienter Sieger der U.S Open 2010 in Pebble Beach und hat in jeder Hinsicht gewonnen.
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