Category: Golf


71, 68, 71, 74

Juni 21st, 2010 — 9:25am

Gestern hat der erste Europäer seit 40 Jahren mit diesen Zahlen Geschichte geschrieben und die U.S. Open gewonnen, eines der vier jährlichen Major-Turniere im Golfkalender. Graeme McDowell kommt aus Nordirland, ist sechsfacher Gewinner auf der European Tour, erfolgreicher Rydercup-Spieler auf Seiten Europas und für die Amerikaner ist sein Sieg in Pebble Beach, einem der schwierigsten Golfplätze der Welt, offenbar geradezu ein Schlag ins Gesicht. Jedenfalls kann man diesen Eindruck bekommen, wenn man die ganze Bandbreite von Häme, Ratlosigkeit und Arroganz so liest, die die selbst ernannten Edelfedern der Szene und den Associated Press Autoren so liest:

Graeme McDowell doesn’t have the golfing pedigree of a U.S. Open champion at Pebble Beach.
All he had Sunday was the game it takes to win.

Zitat: AP

Pedigree bedeutet soviel wie „Stammbaum“, „Rassenherkunft“ oder „Ahnentafel“ und wird gemeinhin eher im Zusammenhang mit der Hundezucht erwähnt. Was der Stammbaum mit dem Erfolg oder Misserfolg eines Golfers zu tun haben und inwiefern er ein Kriterium für einen Majorsieg sein soll, das bleibt das Geheimnis des namenlosen Autoren.

Überhaupt ist man überwiegend der Auffassung, McDowell habe eigentlich die U.S. Open gar nicht gewonnen, sondern alle anderen Teilnehmer, und ganz besonders die Stars, hätten verloren. Phil Mickelson, der ewige Zweite bei diesem Turnier, hat es gestern, genau wie Tiger Woods, nur auf den geteilten vierten Platz geschafft. Der Südafrikaner Ernie Els hat sich einmal mehr als Spieler geoutet, dessen Hoffnungen auf einen vierten Major-Sieg wohl unter unrealistisch verbucht werden dürften. Der Amerikaner Dustin Johnson, der mit einem Vorsprung von drei Schlägen in die vierte und letzte Runde des Turniers gestartet war, brach in der letzte Runde völlig ein und schlich wie ein geprügelter Hund mit einer 82 und einem geteilten 8. Platz nach Hause. Ebenfalls auf Platz 8 und aus deutscher Sicht sehr erfreulich schlossen Martin Kaymer und Alex Cejka das Turnier ab. Ein Platz im europäischen Rydercup-Team im September dürfte Kaymer damit sicher sein, genau wie natürlich McDowell, der seinen guten Teamleistungen von 2008 sicher gern weitere folgen lässt.

What if they held a U.S. Open and everybody lost? That’s what happened Sunday.

Zitat: Gary Van Sickle, Sports Illustrated

Will we remember a single shot that McDowell hit this week. Or will this be an Open remembered for the misadventures of Tiger, Phil and Ernie?

Zitat: John Garrity, Sports Illustrated

I will not remember a single shot he hit, no. McDowell fits the mold of the plodder who often wins these things, and there was so much graphic calamity going on around him all day. This U.S. Open will be remembered for the hundreds of ways it was lost.

Zitat: Cameron Morfit, Senior Editor Golf Magazine

Graeme McDowell führte das Feld schon nach der zweiten Runde am Freitag an, lag am Samstag nur drei Schläge hinter Dustin Johnson auf Rang 2 und konnte dem Platz am Sonntag zwei Birdies abringen. McDowell hat die wenigsten Fehler gemacht und sich eisern an seinen Plan gehalten, sicher, beständig und cool zu spielen. Tiger hingegen beleidigte die Greenskeeper, in dem er von „awful greens“ sprach, was diese jedoch energisch zurückwiesen und, süffisant lächelnd, ganz richtig unter „saure Trauben“ verbuchten. Es ist ja nichts neues: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld.

Graeme McDowell ist verdienter Sieger der U.S Open 2010 in Pebble Beach und hat in jeder Hinsicht gewonnen.

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Charity Golfturnier für Strassenkids

Mai 10th, 2010 — 12:24pm

Via Twitter erreichte mich letzte Woche  folgender Hinweis auf ein Charity-Golfturnier. Ich selbst werde aus terminlichen Gründen nicht dabei sein und kenne auch die Organisation nicht persönlich, aber ich wollte zumindest einen Hinweis auf die Aktion bloggen:

Am 6. Juni 2010 findet auf der Golfanlage Schloss Lüdersburg, dem Lakes Course, ein Benefiz-Turnier statt. Es handelt sich um ein Privatturnier ohne eigenen finanziellen Profit der Veranstalter und findet zugunsten der “Paten für Straßenkids e.V.” statt, einem Sozialprojekt in Hamburg, welches sich um obdachlose Kinder und Jugendliche in Hamburg kümmert.

Hier die Details zu dem Turnier:

Spielform:
Einzel-Stableford über 18 Löcher, vorgabewirksam

Startinformation:
Start von Tee 1, ab 9 Uhr

Teilnahmeberechtigung:
Mitglieder d. Golfanlage Schloss Lüdersburg und Gäste, Stv. 0 -36,0 / CV 37 -54

Max. Teilnehmerzahl:
insg. 120 Personen

Spielbedingungen:
Gespielt wird nach den offiziellen Golfregeln (einschließlich des Amateurstatut) des Deutschen Golfverbandes e.V. , dem DGV-Vorgabensystem sowie den Platz- und Sonderplatzregeln der Golfanlage Schloss Lüdersburg

Nenngeld/Person:
35 EUR + 20 EUR Spende (Clubmitglieder d. Golfanlage Schloss Lüdersburg)
75 EUR + 20 EUR Spende (für Gäste)
Das Nenngeld beinhaltet:
- kleine Abschlagsverpflegung
- Leckeres Buffet im Anschluss an das Turnier
- Spende an die Straßenkids (20 EUR pro Teilnehmer)
- Preise
- Greenfee für Gäste

Zahlung am Turniertag bei Scorekartenausgabe oder vorab per Überweisung an Sabine Siehl auf Konto-Nr. 1241430279, BLZ 200 505 50, bei der Hamburger Sparkasse mit dem Betreff “Benefizturnier Lüdersburg Juni 2010“ plus Teilnehmername(n). Bei Abmeldung nach Meldeschluss oder bei Nichterscheinen ist das volle Nenngeld zu entrichten.

Halfway (entgeltlich):
Köstliches Barbecue von “Green Delicious” (Teilerlös geht an die Straßenkids)

Preise:
1. Brutto Damen, 1. Brutto Herren, 1. – 3. Netto (jeweils i. d. Klassen A, B und C)
Sonderwertungen: Longest Drive Damen, Longest Drive Herren
Nearest to the Pin Damen, Nearest to the Pin Herren

Stechen:
Bei Gleichstand erfolgt ein Stechen nach den besten 9-6-3-1 Löchern gemäß der Vorgabenverteilung nach dem Schwierigkeitsgrad (1-18-3-16-5-14-7-12-9)

Ende des Wettspiels:
Das Wettspiel ist mit Ende der Siegerehrung beendet

Meldungen:
Ab sofort per Mail an mail@sabinesiehl.de bzw. telefonisch an 0173/195 99 42 oder Eintragung in den Aushang der Golfanlage Schloss Lüdersburg. Xing-Mitglieder können sich auch über XING anmelden: http://bit.ly/cNBxAN.

Meldeschluss: 4. Juni 12:00 Uhr
Startzeiten können ab 5. Juni 12h im Clubsekretariat (Tel. 04139-69700) erfragt werden

Spielleitung und Änderungen:
F. Schrader, G. Herold
Die Spielleitung hat in begründeten Fällen das Recht, die Platzregeln abzuändern, die Startzeiten neu festzusetzen oder abzuändern oder zusätzliche Bedingungen festzusetzen.

Das Turnier wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit Sprenger-Consulting GmbH

Das Turnier findet statt mit freundlicher Unterstützung von: Renoir
fotografie Gunnar Meyer www.fotograf-hamburg.org
Green Delicious www.green-delicious.com

fotografie gunnar meyer

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The Masters 2010

April 7th, 2010 — 9:51am

Morgen beginnt in Augusta, GA, U.S.A.  das Masters Turnier 2010. Für meine nichtgolfenden Leserinnen und Leser: Das ist das erste von vier jährlich stattfindenden Major-Turnieren im Profigolf der Herren, vergleichbar mit einem der Grand Slam Turniere im Tennis. Es ist außerdem ein Einladungsturnier, für das man sich zwar über eine Reihe von Wegen qualifizieren kann, aber das letzte Wort hat der ausrichtende Club. Am Start sind traditionell auch die Sieger der wichtigsten Amateurturniere dieses Sports, von denen nicht wenige in der Vergangenheit unmittelbar im Anschluss an das Masters ihren Wechsel ins Profilager bekanntgegeben haben. Der Masters Champion hat lebenslanges Spielrecht bei künftigen Masters, was zu im Profigolf ansonsten eher ungewöhnlichen deutlich dreistelligen Ergebnissen nach der ersten Runde führen kann, gespielt von Golfern, deren Alter nicht sehr weit von der Dreistelligkeit entfernt liegt. Allerdings verzichten doch die meisten der früheren Champions auf das Vergnügen und beschränken sich auf die Rolle der passiven Dekoration.

Die meisten Masters Siege hält der größte Golfer aller Zeiten, Jack Nicklaus. Er hat das Turnier sechsmal gewonnen, bei seinem letzten Sieg 1986 war er 46 Jahre alt, womit er auch der älteste Sieger war. Tiger Woods hat erst viermal in Augusta gewonnen und braucht auch noch vier Major-Trophäen, um mit Nicklaus’ Rekord (18 Major-Siege) gleichzuziehen. Der jüngste aller Teilnehmer geht morgen an den Start: Es ist der 16jährige Italiener Matteo Manassero, ein Amateur. Er wird, wie traditionell jeder Amteur, die Möglichkeit bekommen im „Krähennest“ des Clubhauses zu übernachten. Auf der offiziellen Masters-Website, die übrigens sehr schön gestaltet ist und einen Besuch lohnt, findet sich auch ein kleines Video über das Krähennest.

Der Club hat schon im vergangenen Jahr eine gut gemachte iPhone App herausgebracht und überträgt live darüber und auf seiner Website von einigen Schlüsselstellen des Platzes, sogar in 3D. Allerdings muss man trickreich über eine amerikanische IP Adresse surfen, das Angebot gilt leider nicht international. Bei uns überträgt natürlich Bezahlsender Sky, wer eine Satellitenschüssel hat, bekommt vielleicht einen Kanal der Briten rein.

Für mich ist das Masters das unwirklichste aller vier Majors im Golf. Der Platz ist zwar wunderschön und perfekt , aber wirkt wie eine Szene aus einem Disneyfilm. Sie färben sogar das Wasser blau, damit es natürlicher aussieht – ein Sinnbild für alles, was in meinen Augen an den U.S.A. einfach nur komplett und bis zum Kern hin krank und verrottet ist. Dieses gerade einmal 76 Jahre altes Turnier tut so, als ob es Golf erfunden hätte und zelebriert sich mit vielen kleinen Marotten und Regelungen hauptsächlich selbst, aber nicht den Sport an sich. Aus europäischen Augen ist der ganze Zirkus dort einfach nur lächerlich zu nennen. Aber hübsch anzusehen, keine Frage.

Tiger Woods ist natürlich wieder dabei, es ist sein erster sportlicher Auftritt nach der Sexpause. Ob er eiche echte Chance auf den Sieg hat? Natürlich, der Mann hat auch auf einem Bein die U.S. Open gewonnen und ihrem Gestammel bei Interviewfragen nach zu urteilen, haben seine Kollegen nach wie vor die Hosen voll vor ihm. Aber ich hätte auch nichts gegen einen Sieg des jungen Martin Kaymer, der sich ja für einen Platz im europäischen Team für den Ryder Cup im September qualifizeiren will. Überhaupt: ein Sieg eines Europäers wär’s doch mal wieder. Der letzte war 1996 1999, Sir Nick Faldo José-María Olazábal holte sich sein drittes zweites grünes Jackett. Doch würde ich um Geld wetten, setzte ich ein paar Euro auf  den Südafrikaner Ernie Els, der sein lange anhaltendes Tief endlich überwunden zu haben scheint. Am Sonntag wissen wir’s.

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Zeitweiliges Wasser

März 15th, 2010 — 6:04am

Ostern auf Gut Kaden

Immerhin: Der Schnee scheint zumindest in Hamburg auf dem Rückzug zu sein. Aber wetten, der kommt spätestens Ostermontag zurück, wenn auf Gut Kaden die Saison eröffnet wird? Dieses Jahr ohne mich. Ich habe beschlossen, wie schon im vergangenen, so auch in diesem Jahr nur ein paar Vierer und den gelegentlichen Monatsknopf in meinem Club mitzuspielen und mich ansonsten brav dem Üben des kurzen Spiels zu widmen.

Ab April. Frühestens.

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Golfkrieg ohne eingebetteten Journalismus

Februar 19th, 2010 — 9:40am

Tiger Woods wird heute eine Erklärung zur Lage der Nation zu seinem Major Fuckup abgeben. Dazu hält er eine Pressekonferenz im Clubhaus der TPC Sawgrass ab, die keine ist: Wie sein Agent Mark Steinberg von IMG verlauten ließ, dürfen einige ausgewählte Freunde und Kollegen live dabei sein. Fragen werden nicht zugelassen. Die Presse ist nicht zugelassen, nur Vertreter der Agenturen AP, reuters  und Bloomberg (was bedeutet, daß wir anschließend denselben, unredigierten und garantiert nichtssagenden Text auf allen Kanälen zu lesen bekommen werden). So faszinierend und unglaublich seine Errungenschaften und Taten auf dem Platz sein mögen – Tiger hat vor einem Mikro noch nie etwas wirklich Interessantes oder Berichtenswertes gesagt; er ist ein aalglatter Medienprofi, totaler Kontrolletti und strahlt jenseits des Golfplatzes etwa so viel Charisma wie eine Playmobilfigur aus.

Eingeladen war auch Vartan Kupelian in seiner Funktion als Vorsitzender der Golf Writers Association of America, also des 950 Mitglieder starkenVerbands der US-Golfjournalisten. Er hat nicht nur abgesagt, sondern der Verband hat eine Erklärung abgegeben, daß die Pressekonferenz für die Presse zugänglich sein sollte und daß Journalisten Fragen stellen dürfen sollten, in anderen Worten: ihrer Arbeit nachgehen dürfen sollten.

“The position, simply put, is all or none. This is a major story of international scope. To limit the ability of journalists to attend, listen, see and question Woods goes against the grain of everything we believe.
The GWAA also believes strongly that its presence, without the ability to ask question, gives credibility to an event that isn’t worthy of it.”

(Wieso haben eigentlich ausgerechnet US-Golfberichterstatter die cojones um journalistische Prinzipien zu vertreten, und unsere Politjournallie legt sich umgehend auf den Rücken wenn’s ums Rückgrat zeigen geht? Aber ich schweife ab…)

Tiger bläst nicht nur von der Golfpresse, die ihn mehrheitlich seine gesamte Karriere lang und auch während seines Skandals mit Samthandschuhen angefasst hat, ein schärferer Wind ins Gesicht. Auch seine Kollegen sind recht angefressen ob des Timings der Verlautbarung. Ernie Els nannte Tigers Entscheidung, die Erklärung am heutigen Freitag statt am Montag abzugeben “egoistisch”. Heute beginnt Am Donnerstag begann das WGC Matchplay Turnier, gesponsored von Accenture, einem der Sponsoren, die Tiger jüngst wie eine heiße Kartoffel fallenließen. Wer glaubt, daß Tigers Timing Zufall ist, glaubt auch an die elf Asse, die der geliebte Führer Nordkoreas, Kim-Jong Il, auf einer Runde erzielt haben will. Aber die Zeiten, da Tiger für Spieler und Presse unantastbar war, dürften vorbei sein. Die Aura des Unbesiegbaren ist dahin. Ob er unter diesen Umständen tatsächlich noch eine echte Chance hat, zum größten Golfer aller Zeiten zu werden und Jack Nicklaus’ Rekord von 18 gewonnen Majorturnieren brechen kann? (Zum Vergleich: Tiger hat jetzt 14 Majors gewonnen; Roger Federer 16 GrandSlam Turniere.) Golf wird nicht auf den Kilometern zwischen dem 1. Abschlag und dem 18. Grün entschieden sonden auf den Zentimetern zwischen den Ohren.

Eigentlich wird es ab jetzt erstmals wirklich spannend, Tiger bei der Arbeit zuzuschauen.

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