Category: Kommerz


„Ich war als Kind schon scheiße.“

Juli 12th, 2010 — 10:21pm

Sollte man Kunst für sich betrachten und vom Künstler trennen können? Geht das überhaupt? Oder sind beide untrennbar miteinander verwoben? Neulich noch schrieb ich „mir doch egal, wenn der Autor ein Nazi war. “ Und das meine ich auch so. Es gibt Millionen Bücher, die einfach umwerfend gut sind und von absoluten menschlichen Nullnummern geschrieben wurden. Es gibt Millionen Musikstücke, die von Arschlöchern erster Güteklasse fabriziert wurden, nicht selten unter Drogen. Wie jemand mal sagte: „Heroin ist scheiße, okay. Aber ohne wäre mein Plattenschrank ziemlich öde und leer.“ In der Rapmusik brüsten sich nicht wenige Künstler mit echten oder fürs Image erfundenen Schießereien und Bad Boys Atttüden; bei einigen Rappern scheinen Frauenverachtung oder ein Knastaufenthalt die Einstiegsbedingung für einen Hit in den Charts zu sein. Wer sich ein bisschen durch die Geschichte und Gegenwart Hollywoods liest, kriegt Würgereflexe, wenn er Näheres über das Privatleben so manchen oscarprämierten Filmemachers lernt und darüber, wie nicht wenige Filme unter absurdesten Bedingungen entstanden sind. Die meisten Regisseure sind unerträglich aufgeblasene Egomanen, und bei Schauspielern ist das wahrscheinlich eine Grundvorausetzung, um überhaupt auch nur eine Rolle in einem Werbespot zu bekommen. David Lean hat angeblich seine Crew und Besetzung grundsätzlich zur Verzweiflug und an den Rand der Meuterei gebracht. Über den Wahnsinn von Coppolas Dreharbeiten zu Apocalypse Now hat seine Frau eine ausgezeichnete Dokumentation gedreht. Hitchcock verglich seine Schauspieler mit Vieh und überraschte seine Gattin schon mal mit einer lebensechten Nachbildung seines Kopfes, drapiert auf einem Silbertablett im Kühlschrank. Woody Allen hatte ein Verhältnis mit seiner Stieftochter und hat sie schließlich geehelicht, da war sie immerhin schon volljährig.

Musiker, Maler, Regisseure, Schauspieler aller Couleur und in jedem Zeitalter waren fast durchgängig auch Alkoholiker, drogensüchtig, promisk, psychisch krank oder schlicht ganz normale Charakterschweine. Roman Polanski ist ein großartiger Künstler, wenngleich menschlich ganz offensichtlich nicht wirklich aus der obersten Schublade. Lindsay Lohan kenne ich nur aus dem Ensembledrama Bobby, wo sie mir sehr gut gefiel. Ansonsten säuft sie sich gerade ins Koma oder tut zumindest so als ob. Tom Cruise ist Scientologe und dreht nicht nur fabelhaftes Actionkino sondern läßt auch die Ausscheidungen seiner Tocher vergolden. Vielleicht braucht es Leute mit einem satten Sprung in der Schüssel um Kunst zu produzieren. Vielleicht bekommt man den Sprung auch erst dann, wenn man Kunst produziert. Und wo und wie und warum zieht man die Grenze? Verhaltensweisen, die vor Jahrzehnten kaum ein Augenbrauenzucken hervorgerufen hätten und als völlig akzeptabel und normal galten, kommen heute gesellschaftlichem Selbstmord gleich. Aber mir ist das immer noch schnurz. Jeder von uns ist mehr als nur jeder von uns. Wie kann ich Empathie und Bewunderung für Dr. House empfinden, auf dessen charakterlichen Macken und politisch inkorrekten Verhaltensweisen die ganze Serie beruht – und dann gleichzeitig mit Abscheu einen Film von Mel Gibson boykottieren, weil der das nicht geringe Kunststück fertig gebracht hat, Juden, Schwarze, Frauen und Schwule in ihrer Empörung zu einen indem er sie alle gleich übel beleidigt hat? Sollte ich das nicht trennen bzw. trennen können?

5 comments » | Kommerz, Kultur

Must-have iPad apps: Weather HD

Juli 12th, 2010 — 9:25pm

Die absolut wunderschönste App zum Thema Wetter und wahrscheinlich meditativste App überhaupt ist Weather HD für das iPad. Gut angelegte 0.79 Cent.

Hamburg Wetter

Sylt Wetter

Kyoto Wetter

Shanghai Wetter

Founex Wetter

Was sich hier leider in den Screenshots nicht richtig darstellt: Die Bilder sind animiert, bewegen sich wie eine leicht, kühle Brise, nehmen die Schwüle mit fort und lassen einen merklich cooler zurück. Hier gibt es einen kleinen Videoteaser:

[youtube OZYMpudRSdk]

Wer gerne in tausend kleinen wichtigen und unwichtigen Informationen zum Wetter schwelgt, wird enttäuscht sein und mit anderen Apps besser bedient. Alle anderen kommen nicht wirklich um diese Perle herum.

Comment » | Kommerz

Immer dieselbe Leier

Juli 8th, 2010 — 6:54pm

Aber die wirtschaftliche Realität sieht so aus, dass der Verkauf einer digitalen, autonomen Einheit (unabhängig des Inhalts) in der Regel schlicht kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr ist.

Das ist eine Realität, die die Industrie noch erkennen muss, um entsprechende Strukturen zu schaffen. Dann wird es auch zukünftig schöne neue Musik geben.

(Quelle: neunetz.com)

Wie diese Strukturen aussehen sollen, weiß offensichtlich niemand, weder die Musikindustrie noch der Autor, in seiner Replik auf Sascha Lobos schönen Eintrag hier. Aber er ist sich sicher, daß es durch diese geheimnisvollen Strukturen zukünftig schöne neue Musik geben wird. Aha.

Sorry, aber das ist Quark. Man kann es reißerisch Diebstahl nennen oder beschönigend Umverteilung, aber Fakt ist: Durch filesharing werden Künstler und Rechteverwerter um den Lohn ihrer Arbeit gebracht. Wobei die Künstler in der Regel den Löwenanteil der Arbeit haben und die Rechteverwerter den Löwenanteil der weggebrochenen Gewinne, klar. Für viele Künstler macht es kaum einen Unterschied, sie haben auch vorher meist nur einen Hungerlohn gesehen. Aber 100% von Null ist immer noch weniger als 1% von einem Euro oder sogar einem Cent.

Das Mitleid mit den Labels hält sich bei mir in Grenzen, auch wenn ihre Arbeit dann doch nicht nur aus Handaufhalten besteht, wie ja gerne und oft von Menschen propagiert wird, die selbst ausschließlich filesharing betreiben und somit die Könige im Handaufhalten sind. Und komisch, es läuft ja nur noch Chartscheiße und in den Kinos gibt es nur noch seelenlosen 3D Müll für den man natürlich kein Geld ausgeben darf. Aber genau dieser verwerfliche Mainstreamdreck ist immer auch in den Filesharingcharts ganz oben, wie kommt das? Wenn ich etwas schlecht finde und boykottiere, dann wird es doch nicht plötzlich interessanter, nur weil es für lau zu haben ist? Ich sehe eine Parallele zu den berüchtigten Tütenabgreifern auf jeder beliebigen Messe: Man sackt Tüten, Kulis, Werbegummibärchensamples und Hochglanzbroschüren von Firmen ein, die  bzw. deren Produkte einen Null interessieren. Nur weil das Zeug eben da so herumliegt und verteilt wird. Zuhause fliegt der ganze Schmadder dann unmittelbar ins Altpapier. War ja kostenlos. Und die Firma soll sich doch freuen, sind sie ihre Prospekte doch losgeworden! Der Künstler soll doch froh sein, wenigstens wird seine Musik gehört. Hey, ich helfe ihm dabei, berühmt zu werden!

„Talking Semantics“ sagt man dazu, wenn Haare über Begrifflichkeiten gespalten werden. Natürlich sind die Worte „Raubkopie“ oder „Diebstahl“ für das illegale weil unautorisierte Herunterladen und Weiterverbreiten von Musik, Software, Büchern oder Filmen rein logisch betrachtet Quatsch, genau wie „Piraterie“ null mit Romantik zu tun hat sondern schnödes „du hast’s, ich will’s haben, und gibst du’s nicht freiwillig, so nehm’ ich’s mir eben so bzw. mit Gewalt“ umschreibt.

9 comments » | Kommerz, Kultur

Meine flattr Einnahmen im Juni

Juli 1st, 2010 — 6:05pm

Wow, wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Natürlich sind das keine Reichtümer, wie sie im Lawblog oder gar bei der taz angefallen sind. Mehr so Richtung Pottblog. Aber ich habe natürlich auch nicht mit deren Schlagzahl gebloggt bzw. veröffentlicht und noch nicht ganz deren Besucherzahlen. Ich war ja auch die ersten beiden Wochen des Monats im Urlaub. € 10,17 deckt die Hostingkosten und reicht dann noch für ein Eis.

Ich danke allen, die meine Beiträge flatternswert fanden und mit einem Obolus bedacht haben. Am beliebtesten war meine Sonderausgabe des Bücherstöckchens. Aber es gab tatsächlich auch jemanden, der mein Impressum geflattrt hat. #flippstevölligaus #allebekloppt

Trotzdem bin ich noch nicht ganz sicher, ob ich dieses Experiment weiterlaufen lassen soll. Es fühlt sich nicht rundherum richtig an, vor Allem die Sache mit dem Datenschutz macht mir Kopfzerbrechen. Und die Buttons sind so häßlich… Es ist schön, wenn meine Gedanken hier eine Anerkennung erfahren. Aber am liebsten werde ich immer noch in Kommentaren bezahlt, und ich würde hier auch schreiben wenn es niemand lesen würde. Ich blogge, weil es mir Freude macht. Aber ich danke Euch trotzdem.

14 comments » | Befindlichkeitsbloggen, Kommerz

iPhone 3G: Downgrade von iOS4 zurück zu Firmware 3.1.3

Juni 30th, 2010 — 12:03pm

„Never touch a running System“, „Nie ein x.0 Update mitmachen, immer auf x.1 warten“… jaja, geschekt – im Nachinein ist man natürlich immer schlauer und der Blick zurück hat immer 100% Sehschärfe.

Natürlich habe ich ziemlich umgehend nach Erscheinen der neuen Apple Software iOS4 für mein 3G ein Update gemacht. Und natürlich war das eine Schnapsidee – das vorher tadellos und schön schnell funktionierende Gerät lief nach ein oder zwei trügerischen Tagen plötzlich nur noch mit dem Tempo einer in Wut geratenen Weinbergschnecke auf Valium. Zuckerrübensirup fliesst schneller als ein 3G iPhone mit iOS4. Abstürze so ziemlich jeder App waren plötzlich die Norm statt die Ausnahme, und ich habe nicht besonders viele Apps drauf. Ganz abgesehen davon, daß mir die neuartige Verwaltunng der Mailaccounts mit nur einer inbox (ich habe fünf aktive Accounts parallel laufen) überhaupt nicht gefiel und auch die neuen Ordner blöd sind. Also mußte ich das Ganze wieder rückgängig machen, was sich ja üblicherweise nach Murphy’s Gesetz proportional komplizierter gestaltet, je dringender man eine Sache durchführen will.

Wie das Downgrade trotzdem geht, verriet mir nach meinem Hilferuf auf Twitter freundlicherweise @slidetone. Er verwies mich nämlich auf diese Seite bei lifehackr, wo die Anleitung steht. Eigentlich sind es nur ein paar wenige Schritte:

1. Man sollte sich vergewissern, daß man noch ein Backup der alten Firmware hat. Die letzte ofizielle Firmware für das G3 von Apple vor iOS 4 war 3.1.3. Wer kein Backup mehr hat (ich habe meine TimeMachine durchforstet, aber vergeblich – das wäre übrigens auch mal einen Eintrag wert: Wie sinnlos ist bitte diese TimeMachine Software?) findet die alten Versionen hier. Das G3S hat eigene Firmware-Versionen. Natürlich fehlen einem dann die persönlichen Daten und Einstellungen, aber die hat man hoffentlich noch auf dem Mac, über MobileMe oder sonstwo gespeichert.

2. Das iPhone an den Rechner anschließen und ausschalten.

3. Zehn Sekunden lang den Einschaltknopf und die Home-Taste des iPhones gedrückt halten.

4. Den Einschaltknopf loslassen, die Home-Taste weiterhin gedrückt halten. iTunes faselt jetzt etwas von Wiederherstellungsmodus.

5. Mit gedrückter Optionstaste auf Wiederherstellen klicken und das Backup der alten Firmware auswählen.

6. Bei manchen Leuten soll es damit getan sein. Bei den anderen, und bei mir auch, kommt dann irgendwann die Fehlermeldung 1015. Das bedeutet, das iPhone ist in einer Schleife gefangen. Dann kommt der Auftritt dieses Programms: RecBoot. Kostenlos erhältlich auf dieser Seite. Es kickt das Gerät aus dem Recovery Loop und alles wird gut.

7. Bei mir kam dann auf dem Gerät die übliche Anzeige der SIM Sperre. Ich gab meinen PIN ein und der Rest lief wie sonst auch. Das iPhone wurde erkannt und iTunes fragte, ob ich es neu anlegen oder aus einem Backup wiederherstellen wolle. Ich habe mich für neu anlegen entschieden.

8. Das war’s!

Natürlich wird das Unvermeidliche damit nur verzögert, aber nicht abgewendet. Über kurz oder lang werden das G3 und insbesondere die alten  Firmwareversionen nicht mehr von Apple unterstützt werden und die gekauften Apps werden nicht mehr auf alten Systemen lauffähig sein. Das 2G ist ja jetzt schon offiziell antik. It’s upgrade or die. Aber so lange das neue 4G noch Kinderkrankheiten in Sachen Empfangsqualität hat, preislich gesehen völlig indiskutabel ist und die Software noch nicht bei Version 4.1 oder 4.2, werde ich mir kein neues iPhone kaufen. Mein jetziges tut’s ja glücklicherweise wieder.

14 comments » | Kommerz

Back to top