Category: Küche


Kulinarische Mutproben

Juli 23rd, 2010 — 6:43pm

Es gibt Dinge, die esse ich einfach nicht. Die können noch so gesund sein, noch so in, noch so edel und teuer, noch so kulturell wertvoll, da schnürt es mir einfach die Kehle zu. Gekochter Karpfen, Schnecken, Austern, vietnamesische Knusperspinnen, Heuschrecken, 5-Minuten-Terrinen, Nieren, Kutteln, Hirn a.k.a. (Kalbs)bries, Zunge… you get the picture. Das geht einfach nicht. Bei Tintenfisch halte ich es mit Col. Potter: Ich esse nichts, was sich am Teller festhält (Ankes Bericht mitsamt Foto hat mir die Haare zu Berge stehen lassen). Die Mezcal-Raupe habe ich mit Todesverachtung hinuntergestürzt und war sehr dankbar für den dazugehörigen Schluck Tequila. Besagten Regenwurm habe ich im zarten Alter von etwa sieben Jahren anläßlich einer Mutprobe gegessen und mich immerhin so lange nicht übergeben, bis meine Spielgefährten außer Sichtweite waren. Der McRib fiel mir allerdings schneller wieder rückwärts aus dem Gesicht.

Und Ihr so? Wo hört’s bei Euch kulinarisch auf?

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Das Grosse Fressen

März 25th, 2010 — 4:43pm

Ich bin ja großer Jamie Oliver Fan, ich geb’s zu. Der Junge hat nicht nur unverschämten Charme sondern auch einen Meter Kochbücher veröffentlicht, mit wirklich leckeren, gesunden, guten, bezahlbaren und todsimplen Rezepten darin (vielleicht ein bisschen zu fleischlastig manchmal), die jeder Depp mit drei Daumen an zwei linken Händen mit verbundenen Augen in durchschnittlich zwanzig Minuten nachkochen kann. (Seine iPhone app ist ohne Flachs meine allerliebste app und sein kostenloser Videopodcast auf iTunes sehr lohnenswert.)

Insofern wurde ich sehr hellhörig, als ich im letzten Herbst in der New York Times von seinem neuen Projekt las, bei dem er Amerika zu gesünderem Leben bekehren will und damit in der Stadt anfängt, die die meiste ernährungsbedingten Krankheits- und Todesfälle verzeichnet: Huntington, West Virginia. Seine Bekehrungsversuche werden in einer TV-Serie ausgestrahlt, die diese Woche auf ABC startet (offizielle Website, die erste Folge ist online, aber nur für US-Bewohner bzw. über Umwege abzurufen). Und wenn man den Trailer gesehen hat, bleibt man schon reichlich sprachlos zurück:

[youtube f8CF15HJJ-0]

Es geht nicht darum, mit den Fingern auf stark übergewichtige Leute zu zeigen und ihnen mangelnde Disziplin zu unterstellen. Es geht auch nicht nur um Amerika, das Problem ist ein globales. Es geht darum, daß das gesamte System so dermaßen krank ist, daß man gar nicht laut genug schreien kann. Jamie Oliver schreit sehr laut, und er wird gehört: Die nonprofit Organisation TED (Technology, Entertainment, Design) die sich um “ideas worth spreading” dreht, hat ihn dieses Jahr mit dem 100.000 US $ dotierten TED Prize ausgezeichnet. Hier seine Rede – Zwanzig Minuten, die sich wirklich lohnen:

[youtube jIwrV5e6fMY]

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Freitag Mittag, kurz vorm Frühling

Februar 5th, 2010 — 11:20am

Für 2 Personen

250 g Riesengarnelen (frisch oder komplett aufgetaut)
400 g möglichst kleine rosa Kartoffeln
200 g tiefgefrorener Mais
3-4 reife Strauchtomaten
1 kl. Bund Frühlingszwiebeln
1 Chilischote
1 Limette
Crème Fraîche
Rotweinessig
gutes, fruchtiges Olivenöl
Meersalz, frisch gemahlener Pfeffer
Cachaça (alternativ einen Schuß Weißwein)

Dauert: ca. 20 Minuten

Die Teller im Ofen auf 50° vorheizen. Die Riesengarnelen abspülen und  trockentupfen. Einen großen Topf Wasser zum kochen bringen, salzen und die Kartoffeln dazugeben. Die Kartoffeln ca. 10 Minuten kochen, bis sie fast gar sind, dann den Mais dazugeben und alles noch ca. 2 Minuten weiterkochen lassen. Während die Kartoffeln und der Mais kochen, die Tomaten achteln, die Frühlingszwiebeln in gleichmäßige kleine Ringe schneiden und die Chilischote entkernen und in möglichst winzige Stücke schneiden. Tomaten, Frühlingszwiebeln, einen halbe ausgepresste Limette und etwa die Hälfte der Chilischote in einer Schüssel mit Olivenöl, Rotweinessig, Salz und Pfeffer anmachen und beiseite stellen.

Die Kartoffeln und den Mais abgießen und warm stellen. Eine Pfanne erhitzen, einen Schuß Öl hineingeben und die Riesengarnelen ca. 2-4 Minuten (je nach Größe) braten.  Die andere Hälfte der kleingeschnittenen Chilischote dazugeben, außerdem eine Prise Meersalz und ggf. noch etwas Pfeffer. Mit einem Schuß Cachaça und dem Saft der anderen Limettenhälfte ablöschen, dann einen ordentlichen Löffel  Crème Fraîche darunterrühren, die Hitze abdrehen und die Sauce mit der Restwärme etwas runterblubbern lassen. Währenddessen rasch die Kartoffeln und den Mais zu Mus zerstampfen.

Die vorgewärmten Teller aus dem Ofen holen, das Kartoffel-Mais-Mus, die Shrimps in der Sauce und einen Klecks Tomatenrelish darüber hübsch darauf anrichten und mit einem guten Glas trockenen Weißweins genießen. Bon appétit!

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10

Dezember 18th, 2009 — 12:00am

Zehn Dinge, die ich immer im Küchen- oder Kühlschrank habe:

1. Milch. Für den Porridge, für den Kaffee, zu Keksen oder Schokolade, für den gelegentlichen abendlichen Pudding, oder einfach so zwischendurch ein Glas: Ich liebe und brauche Milch. Am liebsten natürlich Bio und Vollmilch, keine “längerfrische”, keine “fettarme”, keine H-Milch oder andere geklonte Plörre aus der Hölle, kein anderes Bier.

2. Frische Butter, optimalerweise Süßrahm, aber auch Sauerrahm geht. Margarine geht hingegen gar nicht, pfuibäh.

3. Senf in vielerlei Sorten. Höllisch scharfen Dijonsenf oder Düsseldorfer Senf, süßen bayrischen Senf, grobkörnigen Pommerysenf, mittelscharfen englischen Senf. Nur so auf Brot, um Soßen zu verfeinern, für die Vinaigrette zum Salat, für Marinaden: Senf ist wunderbar vielseitig und paßt in jede Küche, von mediterran bis asiatisch.

4. Verschiedene Pastasorten, für die Tage, an denen ich mal keine Zeit oder Lust habe zum selbermachen. Capellini oder Rigatoni sind eigentlich immer vorrätig.

5. Haferflocken. Für den morgendlichen Porridge (mit Milch und Haferflocken kommt man seeehr, sehr weit am Tag!), die leckeren selbstgemachten Haferplätzchen (die muß man nicht zwingend bei Prince Charles kaufen), oder kurz in der Pfanne geröstet zu Himbeeren über eine Kugel Vanilleeis gestreut.

6. Kaffee. Frische Bohnen, die selbst gemahlen werden und dann mit meiner ersten Spielkonsole, der Raniclio Miss Silvia, weiterverarbeitet. Oder alternativ (da das Gerät leider gerade reparaturbedürftig und außer Dienst ist) die Fertigvariante von Nespresso. Etwas gröber gemahlen für die French Press geht natürlich auch, wenn man prinzipiell gegen Fertiglösungen ist.

7. verschiedene Salze. Jodsalz, fürs Nudel- bzw. Kartoffelwasser oder zum gurgeln, wenn ich mal Halsweh habe. Grobes Meersalz, mit dem z.B die Gans innen und außen eingerieben wird, bevor sie im Backofen verschwindet (natürlich nicht ausschließlich mit Salz…). Fleur de Sel, zu frischem Brot, frischer Butter oder leckerem Ö; für Salate und Pellkartoffeln, zu frischem Fisch und vielem mehr. Einen wunderschönen Artikel über ein mallorcinisches Fleur de Sel, bzw. Flor de Sal (wie es in Spanien genannt wird) findet Ihr bei Mme. Creezy im Blog.

8. verschiedene Öle. Sonnenblumenöl (um schnell etwas anzubraten, was Butter wegen großer Hitze nicht schafft oder wo Olivenöl nicht wirklich passen würde), Olivenöl (aktuell ein sehr feines und leckeres, von lieben Freunden aus Griechenland mitgebracht), Trüffelöl (ein paar Tropfen ins Kartoffelpü ab und an bringen Abwechslung), steirisches Kürbiskernöl (nomnomnom), Sesamöl (für gelegentlichen Wokeinsatz und einige asiaitsche Gerichte).

9. Erdnussbutter (creamy) für Captain Jacks Besuche, und wenn mal eine Satay-Soße gebastelt werden muß für frittierte Shrimps.

10. Gut eineinhalb Dutzend Single Malts unterschiedlicher Intensität, von smoooooth bis zur Geschmacksrichtung “nasser Hund frißt Seetang am Novemberstrand von Islay”.

Und Ihr so?

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Essigchips

Dezember 13th, 2009 — 12:00am

Die Kartoffelchipsszene blieb mir lange verschlossen. In unserem Haushalt gab es früher nur Tafelschokolade (Sprengel Vollmilch oder Mokka-Sahne). Papa inhalierte alles, was nach Schokolade aussah und nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnte, weshalb es auch eher selten welche gab. Zu meinen Kindergeburtstagen gab es in der Regel Mamas fantastorgasmisches Mousse au Chocolat, von dem sich jedes Kind sabbernd einen Berg auf den Teller häufte, bevor es nach drei Teelöffelchen von der gehaltvollen und äußerst fluffigen Traumspeise anfing, nach Luft zu japsen. (Zutaten u.a. 1 Dutzend Eier, jede Menge Schlagsahne und Créme Double in rauhen Mengen, natürlich Schokolade… you get the idea.) Es bestand anschließend, wenn man sich mit glasigem Blick die komplizierten Regeln des Topfschlagens in Erinnerung zu rufen versuchte, schlichtweg kein Bedarf mehr nach Gummibärchen, Kartoffelschips, Erdnußflips etc. Dieses Zeug lernte ich nur auf anderen Kindergeburtstagen kennen und war meist angeekelt von den Paprikachips, gelangweilt von Salzchips und relativ emotionslos gegenüber Salzstangen. Einzig Erdnußflips waren eine Zeit lang ganz lustig, aber wurden nach längerem daraufherumlutschens doch eher unter ‘naja’ abgelegt.

Mein Interesse an Kartoffelchips wurde erst sehr viel später, so Anfang der 90er geweckt. Mein damaliger Herzbube studierte in Glasgow, und bei meinen Besuchen lernte ich nicht nur schottisches Bier und schottischen Whisky sondern auch die Inselspezialität “gesalzene Kartoffelchips mit Malzessig” sehr zu schätzen. Chips heißen übrigens auf der Insel crisps; “chips” ist hingegen die englische Bezeichnung für Pommes Frites.
Warum in Deutschland noch niemand auf die Idee gekommen war, eine solche Köstlichkeit anzubieten, war mir schleierhaft. Inzwischen ist man aber auch hierzulande auf den Geschmack gekommen und die Auswahl an Essigchips ist zwar nicht riesig, aber doch vorhanden. Man kann wählen zwischen Walker’s Malt Vinegar Chips (klassische Pub-Chipssorte), den beiden überteuerten Posersorten Kettle Sea Salt and Balsamic Vinegar (geschmacklich sehr weit vorne) und Tyrell’s Cider Vinegar & Sea Salt (todlangweilig), Chio’s Salt’ Vinegar (schon sehr sauer und ziemlich billig, aber manchmal genau richtig), Lorenz Naturals mit Balsamico (mein Favorit) und neuerdings auch Chipsfrisch Premium ‘Aceto Balsamico’. Die habe ich nun gestern mal testhalber mitgenommen und erwartungsvoll die Tüte aufgerissen. Darin befand sich eine recht überschaubare Anzahl an Kartoffelchips im Farbton Pantone 122. Einen Balsamessiggeschmack konnte ich beim besten Willen nicht feststellen, höchstens eine Senfnote. Dafür waren sie recht stark gepfeffert. Insgesamt also ein ziemlicher Reinfall, was mich betrifft.

Es kann doch nicht so schwer sein, ein paar anständige Essigchips herzustellen. Hat jemand ein Rezept?

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