Category: Politik


Tweet des Tages

Januar 25th, 2010 — 9:12am

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Warum ich nicht für Haiti spende.

Januar 17th, 2010 — 4:42pm

Vor etwa fünfzehn Jahren arbeitete ich in einer kleinen Agentur, die pro bono für Ärzte ohne Grenzen Informationsbroschüren, Flyer etc. entwarf. Nicht offiziell, sondern mehr so auf Bitten eines in dieser Hilfsorganisation aktiven Arztes, der mit dem Geschäftsführer befreundet war. Er kam gerade aus einem Tagesschauland, also einem dieser Länder die man nur deshalb kennt, weil sie dank Putsch, Krieg, Hungersnot oder sonstigen Katastrophen dauernd in den Nachrichten präsent sind und die nur von Verrückten, Journalisten oder Waffendealern bereist werden. Dieser Arzt zählte sich ganz offen selbst zu den Verrückten. Er erzählte mir ein wenig über die Spendenwirtschaft und die aberwitzigen Probleme, die durch falsch oder gar nicht informierte Spendenwillige entstünden. Daß sich viele gemeinnützige Organisationen irrwitzige Werbekampagnen (natürlich steuerlich absetzbar) leisteten und nicht wüßten wohin mit dem Geld, während kleinere, unbekanntere Organisationen vielleicht flexibler und unter Umständen in einer bestimmten Region sogar kompetenter seien aber von Glück sagen konnten, wenn sie am Ende eines Jahres einen vierstelligen DM-Betrag an Spendengeldern eingenommen hätten. Er erzählte von den Omis, die ihr Geld unter der Matratze horteten und es testamentarisch “dem Tierschutzverein” vermachten, der sich damit dann ein neues Verwaltungsgebäude bauen würde, komplett mit Chefparkplatz. Er erzählte von dem Kaufmann, der ihm einen fünfstelligen Betrag in Aussicht stellte, aber nur unter der Bedingung, “daß wir diesem verdammte Schwulenpack nicht die dreckigen Ärsche retten würden, denn AIDS ist vom Herrgott persönlich als Geißel für dieses Gesocks gekommen, und wenn mein Geld dafür benutzt wird einen von denen zu retten, das wäre furchtbar, damit könnte ich nicht leben.”

Er erzählte von den Erdbeben, Hungersnöten, Flutkatastrophen, die die Weltbevölkerung spontan zu Spendenmarathons bewegen würde und von der Verzweiflung über diese zweckgebundenen Spenden bei allen Helfern in allen Organisationen: “Das weiß ja kaum einer: wenn da “für Komlumbiens Erdbebenopfer” draufsteht, dann darf das Geld auch nirgends sonst eingesetzt werden, so will es das Gesetz. Nur: wenn hunderttausende jetzt an alle Organisationen “für Kolumbien” spenden und Kolumbiens Bedarf ist vorerst mal gedeckt, dann darf dieses Geld nicht für Erdbebenopfer in Algerien oder Flutopfer in Bangladesh verwendet werden, wo es plötzlich an allem fehlt, eben weil sich gerade alles auf die Kolumbienhilfe konzentriert. Zweckgebundene Spenden sind gut gemeint, aber das Gegenteil von ‘gut gemacht’ ist eben ‘gut gemeint’!”

Also: Spendet gerne, jeder soviel er kann oder mag, an die Einrichtung, die Euch am vertrauenswürdigsten, erfahrensten, sinnvollsten erscheint. Aber bitte nicht “für Haiti” draufschreiben.

Ein paar weitere do’s and don’ts zum Thema Katastrophen-Spenden finden sich hier (in englischer Srache).

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