Category: Privatsphäre


re:publica, dritter Tag

April 18th, 2010 — 11:55am

Ein guter Plan ist das halbe Leben.

Am Freitag früh um 10h ging es im kleinen Saal der Kalkscheune weiter mit einem sehr inspirerenden Vortrag über Open Government, den der Neuseeländer (und bald naturalisierte Brite wie er gleich stolz erzählte) Rob McKinnon hielt. Wer sich noch nicht näher mit dem Thema befasst hatte bekam einen sehr guten Überblick über die Aktivitäten und Erfolge von Bürgern aller Herren Länder, die ihren Regierungen auf die eine oder andere Art mehr Offenheit abringen, aber auch willens und fähig sind, sich selbst und ihr Können anzubieten und einzubringen. Mehr Transparenz kann ganz sicher nicht schaden, ist jedoch den meisten Regierungen ein Dorn im Auge, wie wir noch aus dem Wikileaks-Vortrag des Vortages wissen. Immerhin, es tut sich etwas und ich überlege auch schon, was ich tun kann und wofür ich mich engagieren will. Denn eines ist klar: Nur meckern geht nicht. Mitmachen und besser machen!

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Anschliessend begab ich mich rüber in den Friedrichstadtpalast, um den eigentlich für 11 Uhr angekündigten Themenblock “Netzneutralität” anzuhören. Statt dessen erzählte Götz Werner etwas übers Grundeinkommen, auch gut.

Götz Werner hat die Drogeriemarktkette dm gegründet und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Obwohl es schwer ist, sich einigen seiner Argumente zu verschliessen (natürlich hat nicht nur diejenige Arbeit einen Wert, die bezahlt wird), sind mir da noch viel zu viele Löcher in der Argumentationskette und natürlich ist mit vollen Hosen gut stinken… seine Sicht auf die Dinge dürfte wohl nicht 1:1 der seiner Angestellten entsprechen. Abgesehen davon, daß sein Vortragsstil ziemlich schnarchig und leicht von oben herab rüberkam, hielt er aber doch einen interessanten Vortrag und war kein kompletter Fehlgriff in der Themenauswahl. Die anschliessende Diskussion habe ich nur über Twitter verfolgt, da ich schon wieder zum nächsten Panel eilte.

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Das war natürlich das von MC Winkel, dem ich seine freundliche persönliche Einladung natürlich nicht abschlagen konnte. His Winkelness ist sicherlich die größte Rampensau der deutschen Bloggeria und blieb sich treu: Der winzige Blaue Salon war seit zehn Minuten gerammelt voll, ich überlegte kurz, à la Blues Brothers ein rhytmisches  “Wir-wollen-die-Show!” anzustimmen, und dann kam er auch schon: direkt aus Kiel, natürlich standesgemäß im absoluten Halteverbot geparkt, hat erst einmal die Orga verwirrt, die seinen Auftritt nicht auf dem Zettel hatte und eiligst WLAN-Kabel etc. herbeischaffte und begrüßte seine Fans. Der Einblick in das Leben eines Faulancers war kurzweilig und unterhaltsam vorgetragen, was natürlich auch niemand ernsthaft anders erwartet hätte. Wie man vom Bloggen leben kann, ohne sich ein Bein auszureißen? Das dürfte auch MC Winkel nicht wissen, denn er ist verdammt rührig, auch wenn es nach Nichtstun aussehen soll. Aber das ist ja immer so bei großen Sportlern: Die scheinbare Leichtigkeit ist nur durch hartes Training zu erreichen. „Spacken sind doch die interessanteren Menschen“ sagt er, und hat Recht damit. Reich wird man mit Bloggen nicht, aber MC Winkel hat seine Nische gefunden, tut das, was er liebt, hat offensichtlich ein Auskommen mit dem Einkommen – und wer unter uns (außer natürlich you-know-who, aber wer kann den schon ernst nehmen?) wollte es ihm nicht gönnen?

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Kalkscheune, re:publica 2010

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Der Vortrag von Simon Rogers über „Datajournalism and Tthe Guardian“, den ich mir als nächstes vorgenommen hatte anzuschauen, fiel leider aus: aufgrund der wohl unwahrscheinlichsten Begründung seit “der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen”, nämlich ”da ist eine Vulkanaschewolke, die den Flugverkehr in halb Europa lahmlegt“, konnte der Redner leider nicht antreten. Die Leistungsschutzrechte-Diskussion konnte mich nicht locken und so quatschte ich ein wenig mit Kixka Nebraska und ging mit ihr in den Quatsch Comedy Club, um das Panel „Vom Livestream zum Lifestream“ anzusehen. Dort wurde es mir allerdings schnell zuviel, denn einerseits bin ich Klaustrophobikerin und musste. da. raus. JETZT!, dann war die Luft war so dick, als hätte sich die Aschewolke noch mit in der proppenvollen Saal gequetscht und außerdem hielt ich’s auch sonst nicht mehr aus:

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Der so fluchtartig verlassene Raum würde sich wahrscheinlich in der nächsten Stunde noch mehr füllen, denn Felix Schwenzel (wirres.net) wollte uns erzählen “Warum das Internet scheiße ist”. Also begab ich mich lieber dahin “Wo wilde Trolle wohnen”, den Vortrag des Rechtsanwalts Joerg Heidrich, der aus dem Leben eines Forenmoderators erzählte und ein paar Schwanks zum Thema “Umgang mit Abmahnungen” und “fliegender Gerichtsstand” zum Besten gab. Da ich selbst schon Foren moderiert habe, war das alles nicht wirklich neu für mich (im Internet gibt’s aufmerksamkeitssüchtige Bekloppte? Echt? Und Wasser ist wirklich nass?), aber daß es einen echten Klagetourismus gibt zu den Gerichten, bei denen man am ehesten mit einer für die eigene Sache günstige richterliche Entscheidung rechnen kann, weil man nämlich ohne Rücksicht auf Sitz des Anbieters überall dort klagen kann, wo das Internet zu empfangen und damit die beklagte Seite zugänglich ist – das ist ein Tritt in die Magengrube für jeden Menschen mit gesundem Rechtsempfinden.

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Anschließend gab’s noch einen netten Plausch mit @littlejamie und eine wahrscheinlich ökologisch-dynamisch-politisch-korrekte schwedische Limonade, die allerdings schmeckte als hätte jemand ein paar Tütchen Ahoi-Brausepulver mit Himbeergeschmack aufgelöst. Ich machte mich auf zur großen Verabschiedung, bei der Johnny Haeusler eigentlich live auf der Bühne mit Twitter-Gründer Biz Stone skypen wollte. Der kam aber nicht, wir sollten doch bitte noch ein paar Minuten auf ihn warten wie seine Sekretärin ausrichten ließ, und so kam es zur absolut bestmöglichen Verabschiedung überhaupt: Der ganze Saal sang inbrünstig zu Queens Bohemian Rhapsody Karaoke und ließ Biz Stone einfach mal Biz Stone sein:

[youtube IJMClDvWEfE]

It really did send shivers down my spine!

Die Party danach war klasse, ich lernte u.a. endlich auch die offizielle Haus- und Hoffotografin der re:publica, Mme Creezy persönlich kennen und outete mich als fangirl und wurde @writingwoman vorgestellt, die kurz vorm Gefrierbrand stand (es war aber auch kalt in Berlin!). Ein mitternächtliches Abendessen mit @rajue und @frankkleinert beim Thai beschloß den Abend eines schönen, dritten re:publica-Tages für mich.

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re:publica, zweiter Tag

April 17th, 2010 — 7:21pm

Vorab: diesen Beitrag hatte ich ursprünglich schon einmal getippt, nämlich gestern früh mühsam ins iPhone, über die WordPress-App (Ich hatte keinen Rechner mit in Berlin). Als ich auf “save” klickte, verschwand die Arbeit von knapp 2 Stunden im Datennirvana. Sonst wäre der natürlich schon gestern früh hier erschienen, sorry.

Gute Frage.

Tag 2 beginnt mit einem Vortrag Matthias Kröners, seines Zeichens Vorstand der FIDOR AG. Ein Banker, der über „Banking mit Freunden“ spricht. Ich traue Bankern ja nicht ganz so weit über den Weg, wie ich ein Klavier werfen kann, aber sein Vortrag ist kurz, knackig, mitreissend und regt zum Nachdenken an. Ich werde mich jedenfalls näher mit diesem Projekt beschäftigen, das steht mal fest. Eine Bank, die ihren Usern Geld für ihre Mitarbeit gibt?

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Unmittelbar im Anschluß sprach Alvar Freude, Netzaktivist, Mediendesigner und u.a. auch Mitbegründer des AK Zensur über die möglichen Auswirkungen der Änderungen am Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf das Web 2.0. Leider beschränkte er sich darauf, bekannte Allgemeinplätze polemisiert zu wiederholen. Jegliche Form von Zugangskontrolle für Kinder und Jugendliche zu verteufeln, statt Lösungswege aufzuzeigen oder konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Nachwuchs vor dem dunklen Teil des Netzes schützt, den es ja leider auch gibt – das kann es ja nun auch nicht sein. Nur weil das der Teil ist, auf den sich die Holzmedien stürzen und den sie wichtiger und größer schreiben als er ist, heißt es ja nicht, daß man ihm nicht wachsam und misstrauisch gegenüberstehen sollte. Ziemlich genau das sagte ihm dann auch ein sichtlich genervter Zuhörer sehr deutlich in den Frage- und Antwort Minuten. Freudes einziger Vorschlag der dann kam, und für den es auch verdienten Applaus gab, lautete: Medienkompetenz zu vermitteln, und zwar den Eltern (fast noch wichtiger) und den Kindern.

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Sehr nettes und unterhaltsames Mittagessen mit @rajue, dem Macher von (u.a.) photoappar.at (geniale URL, oder?), der den wohl schönsten Schnappschuss von Jeff Jarvis gemacht haben dürfte.

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Weiter ging es mit dem Vortrag der Wikileaks Macher, bzw. Daniel Schmitt, einem der Mitgründer – Julian Assange war (für mich nicht wirklich überraschend) nicht am Start. Schmitt gab einen kurzen aber intensiven Abriss über die Arbeit und die daraus resultierenden Skandale und Erfolge von Wikileaks. Frisch im Gedächtnis ist natürlich das letzte Woche unter dem Schlagwort „Collateral Murder“ bekannt gewordene Video der US Armee, aufgnommen mit einer Bordkamera eines Apache-Helikopters, auf dem zu sehen ist wie die Besatzung lachend und als ob es sich um ein Videospiel handelte, mittels ihrer Bordkanone auf unbewaffnete Journalisten schießt und anschließend noch einen Kleintransporter voller Zivilisten und Kinder unter Beschuss nimmt, dessen Fahrer den sterbenden Journalisten zu Hilfe eilen wollte.
Schmitt betonte, daß Wikileaks sich nicht als Konkurrenz zu Journalisten und kommerziellen Medien verstehe sondern ihnen im Gegenteil als Partner helfen wolle, investigativen Journalismus zu betreiben. (Wie ich die Journallie so einschätze, dürfte das allerdings wohl ein frommer Wunsch bleiben – denen geht es doch meist nur um Neid und Eifersüchteleien und ums Pimmelfechten, wer den dicksten Scoop zuerst findet. Eine unabhängige, spendenfinanzierte Seite da als Quelle zu nutzen, geht ihnen wohl gegen das, was sie für ihre Berufsehre halten.)

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Jérémie Zimmermann

Anschliessend sah ich Monica Horten von der University of Westminster in London, die einen Überblick über die Planungen der EU zum Telekommunikationspaket und der sog. „Three Strikes-Regelung“ gab (wie sie das franz. Verfassungsgericht bereits abgeschmettert und das britische Parlament gerade durchgewunken hat). Ihr folgte auf dem Fuße Jérémie Zimmermann, ein kleiner, quirliger Franzose, der uns über die Auswirkungen dieser Pläne aufklärte und uns alle beschwor, unsere Abgeordneten zu beleuchten und dazu zu bewegen, gegen die teilweise absurden Massnahmen zu stimmen, die unmittelbar aus dem Wunschkatalog der Lobbyisten der Unterhaltungsindustie stammen und das Ende der persönlichen Informations- und Redefreiheit und damit schlussendlich das Ende der Demokratie bedeuten.

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Weiter ging es mit einem Panel über Sexismus im Netz, bei dem Susanne Klingner Anna Berg, Anne Roth und Klaus Schöneberger auf dem Podium saßen und sehr akademisch, schnarchlangweilig und meiner Meinung nach teilweise wirklich ärgerlichen Stuss über die Diskriminierung der Frau im Netz sprachen. Ich hätte ja gern nach wenigen Minuten genauso fluchtartig den Saal verlassen wie @DonDahlmann, aber ich hatte endlich eine freie Steckdose für mein durstiges iPhone gefunden und einen schönen Platz auf einem gemütlichen Sofa, das nach zwei Tagen auf unbequemen Holzstühlen eine echte Wohltat für meinen Rücken war. Solchermassen quasi festgebunden erduldete ich  das Gesülze. Nicht, daß es keinen Sexismus im Netz gäbe. Aber wenn es schon damit los geht, daß es ein untrügliches Anzeichen für die Diskriminierung weiblicher Blogger sein soll, daß die erste Frau in den (komplett irrelevanten) deutschen Blogcharts auf Rang 35 erscheint, dann kann man sich vorstellen, wieviel beknackter die Diskussion noch wurde. Das iPhone mußte schließlich mit 3/4 Ladekapazität auskommen; ich hab’s dann doch nicht länger als eine Viertelstunde durchgestanden und bin gegangen.

Allerdings habe ich erst später am Abend davon gehört, daß offenbar ein paar Trolle den Livechat gekapert hatten und wirklich widerwärtige Kommentare abgelassen haben. Mehr darüber gibt es bei Antje Schrupp und beim Piratenweib im Blog. Das ist eklig und ich kann die Wut und Empörung der Betroffenen verstehen. Ich bin eine Frau und fühle mich nicht betroffen, weil ich solchen Dreck nach all den in diversen Foren und Communities verbrachten Jahren in- und auswendig kenne und inzwischen eigentlich „nedamol mehr ignorier“, wie der Bayer so schön sagt. Aber ich kann auch verstehen, daß nicht jede Frau so ein dickes Fell hat oder zulegen will. Ich würde es lieber so machen wie es Sascha Lobo ja schon am Vorabend in seinem “How To Survive A Shitstorm”-Vortrag zeigte. But that’s just me – to each her own.

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Die folgende Stunde verbrachte ich im angeregten Gespräch mit Frau Serotonic, die sich live und in Person als genauso super herausgestellt hat, wie ich mir das schon damals™ dachte, als ich ihr Blog entdeckte. Zum Abschluß gingen wir zum Laberflashmob, einer spontanen Veranstaltung mit dadaistischen Zügen, die mich dann auch zum Aufbruch reizte (DaDa war noch nie meins). Alles in allem war es aber ein schöner und streckenweise sehr lehrreicher und unterhaltsamer zweiter Tag.

19.04.10 Update: Bei der Nennung der Namen der “Sexismus im Internet” Diskussionsteilnehmer ist mir bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen. Auf dem Podium saß nicht Susanne Klingner, wie im gedruckten Programm und auch noch auf der offiziellen re:publica-Seite zu lesen steht. Statt ihrer war Anna Berg von der Mädchenmannschaft dabei. Ich bitte um Entschuldigung.

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Sprung in der Schüssel

Januar 22nd, 2010 — 9:38am

Vor ca. sechs bis acht Wochen machte ein neues Spielzeug die Runde auf Twitter: formspring.me. Auf der Seite kann man Fragen beantworten, die einem von anonymen oder registrierten Usern gestellt wurden, und man kann das Spielzeug auch als Widget im Blog, bei Facebook und noch ein paar anderen Social Web Seiten einbinden. Ich habe es zu Beginn hauptsächlich aus beruflichen Gründen gleich ausprobiert  (allerdings auch weil “Ich gestehe, daß mir wie den meisten Menschen Neugier nicht fremd ist”) und für irgendwo zwischen überflüssig und fishy befunden. Aus der Seitenleiste des Blogs habe ich das Teil ebenfalls schon nach wenigen Tagen wieder rausgeworfen. Mir war der Laden irgendwie extrem suspekt. Die Nutzungsbedingungen waren derselbe knebelnde “wir dürfen alles, Ihr dürft gar nix”-Dreck wie bei fast allen anderen Services des Social Web auch, und daß man seinen Account nur stilllegen aber nicht löschen kann, fand und finde ich auch hochgradig widerwärtig. Google sagt, ihr Motto sei “don’t be evil” und ich glaube und vertraue Google nicht weiter als ich ein Klavier werfen kann. Twitter transportiert in Image, Aufbau und Funktionalität “don’t be evil” und ich vertraue ihnen keinen Zentimeter weiter als Google (deshalb lösche ich auch täglich meine Tweets wieder). Aber formspring stinkt für meine Nase zehn Meilen gegen den Wind nach “let’s be fucking evil!” (genau wie Facebook übrigens) und deshalb war ich froh, daß ich nur 24 Fragen zu löschen hatte, als ich meinen Account damals stilllegte.

Jetzt hat Kixka Nebraska bei ihren Recherchen noch ein schmutziges Detail ausgebaggert:

Im Gegensatz zu der Behauptung von Formspring.me verschwinden die Antworten damit allerdings nicht von der Bildfläche. Zumindest bei denjenigen, die den Account abonniert haben, erscheinen sämtliche Posts zurückverfolgbar bis zur ersten Frage in der Timeline.

Also, liebe Kinder: 1. Accountnamen ändern in irgend einen Bullshitnamen wie “qwertzui”, 2. alle Fragen und Antworten löschen, ggf. Hintergrund- und Profilbild entfernen, 3. Account stillegen (disable), 4. gehen und sich nicht mehr umschauen.

Und ab und zu mal wieder das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein lesen. Ihr wißt schon: Kreide, Stimme, Pfote. Happy End, immerhin.

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Durch den Nacktscanner: Ein Bestellvorgang in einem deutschen Onlineshop

Januar 4th, 2010 — 7:03pm

Ich suche schon längere Zeit einen Diascanner, um, quasi als Teil meiner persönlichen Argenda 2010, dutzende Kartons im Schrank modernder Familiengeschichte nach und nach ins 21. Jahrhundert zu befördern und auf dem Mac zu bearbeiten. Ich stieß bei meinen Recherchen auf die Seite eines bekannten Elektronikversands, der ein solches Gerät im Angebot hatte. Um es zu bestellen, sollte ich ein Kundenkonto anlegen. Es ist bei dem Laden nicht möglich etwas zu bestellen, ohne sich virtuell zu entblättern. Das hätte eigentlich normalerweise schon das Ende des Bestellvorgangs bedeutet, aber wahrscheinlich war ich noch nicht wieder ganz im Alltagsmodus und mein “smells like bullshit”-Detektor schlug nicht an.

Die Daten, die auf dieser Seite mit Sternchen als zwingend auszufüllen gekennzeichnet sind waren

  • Vorname/Name
  • Geburtsdatum
  • Straße, PLZ, Wohnort
  • eMail
  • eMail (wiederholen)
  • Passwort

Außerdem mußte man ankreuzen, daß man mit den AGB und den Datenschutzbestimmungen einverstanden sei. Optional war eigentlich nur das Feld für die Newsletterbestellung, aber immerhin war es nicht vorangekreuzt (opt-in).

Okay, Name und Adresse und eMail – das brauchen sie wirklich zur Erfüllung des Auftrags, das sehe ich ein. Aber warum kann ich nicht bestellen ohne ein Konto anzulegen? Und was um Himmels Willen wollen sie in diesem Stadium mit meinem Geburtsdatum?

Denn weiter ging es auf der nächsten Seite mit den Zahlungsmöglichkeiten. Bankeinzug war möglich (und, da als erstes angegeben, wahrscheinlich präferiert), und da stand dann auch explizit, daß das Geburtsdatum dafür benötig werde. OK, aber was, wenn ich nicht per Bankeinzug bezahlen will? Warum mußte ich dann doch schon eine Seite vorher mein Geburtsdatum angeben? Weitere angebotene Zahlungsmöglichkeiten waren Vorkasse, Sofortüberweisung, Nachname, Kreditkarte und Finanzierungsservice. Ich wählte Kreditkarte, weil ich damit im Netz relativ sicher bezahle.

Zu diesem Zeitpunkt erwartet man üblicherweise den Eingang einer Bestätigungsmail, daß man sich auf ihrer Seite angemeldet hat und in der man gebeten wird, auf den Bestätigungslink zu klicken oder aber Bescheid zu geben, daß sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Es kam zwar eine Mail (die in meinem Spamordner landete), aber dort wurden nur im Klartext meine persönlichen Daten (immerhin ohne das Passwort) noch einmal aufgezählt. Außer dem Deppendisclaimer am Ende (“Der Inhalt dieser E-Mail ist vertraulich und oder rechtlich geschützt” etc. blafasel auf deutsch und englisch) stand sonst nicht weiter darin.

Auf der nächsten Seite wurde ich belehrt, daß ich aufgrund “hausinterner Anweisungen” nur per Vorkasse, Bankeinzug oder Nachname bezahlen könne. Da mein Schufa-Eintrag weiß wie frisch gefallener Schnee ist und ich nicht unbedingt im Ghetto wohne schloß ich die Antwort “Scoring-Opfer” für mich aus. Ich vermute eher, daß sie Erstbesteller nur gegen Vorkasse beliefern wollen oder Plastikgeld als Zahlungsmittel inzwischen abgeschafft, aber das noch nicht dem Webmaster erzählt hatten, auf daß er diese Zahlungsmöglichkeit entferne. Eine kurze Recherche der FAQ-Seite bestätigte das; dort war die Kreditkarte als Zahlungsmittel nicht aufgezählt. Allerdings war mir der Laden inzwischen dermaßen unsympathisch und kam so unprofesionell rüber, daß ich von einer Bestellung Abstand nahm. Ich wollte mein frisch angelegtes Konto löschen und stieß auf die nächste Hürde auf dem Weg zu einer glücklichen Kunden-Händlerbeziehung: Das ging nicht. Ich konnte wohl meine Adresse ändern, aber nicht das ganze Konto löschen. Also schrieb ich eine entsprechend Nachricht mit Bitte um Löschung meiner Daten und Bestätigung der Löschung an eine (Wegwerf-)mailadresse. Und natürlich konnte ich auch nicht einfach eine Mail schreiben, ich mußte ein Kontaktformular ausfüllen. Die Pflichtfelder in diesem Formular waren

  • Vorname/Name
  • Adresse, PLZ, Wohnort (alternativ Kundennummer)
  • eMail
  • Telefon

Das Telefonfeld durfte tatsächlich nicht leer bleiben, aber dank “Frank geht ran” hatte ich eine passende Nummer zur Hand. Ich bekam auch unmittelbar eine Bestätigungsmail mit Vorgangsnummer. Mal sehen, was noch so kommt bis sie mich endlich gehen lassen. Ach ja: Als ich bei dem Versuch mein Konto selbst zu löschen in die Einstellungen ging, war der Newsletterbezug (HTML) jetzt plötzlich doch angekreuzt.

Der Shop hat vorne auf seiner Startseite eine Reihe bunter Logos und Medallien prangen, was für ein super-duper-Onlineshop das doch ist, und ich habe über Angebot und Service des Ladens bislang nichts schlechtes gehört. Mir ist auch klar, daß es Betrüger im Web gibt und man sich als Kaufmann hingehend absichern muß. Genauso, wie ich mich als Kunde ja auch absichere und auf Impressum, verschlüsselte Datenübermittlung und eben Kreditkartenzahlung achte. Garantieen gibt’s nirgends und ein Restrisiko bleibt immer, auf beiden Seiten. Aber es gibt inzwischen so viele positive Beispiele für den streßfreien und vor allem kundenorientierten Onlineeinkauf, daß ich ehrlich gesagt keine Lust habe, nach Entschuldigungen für solch einen Laden zu suchen. Ich kaufe ja auch nicht in der Innenstadt in einem Geschäft, wo ich noch vor der Anprobe eines Kleidungsstücks Name, Adresse, Geburtsdatum angeben soll und am besten noch mein Portemonnaie öffnen und zeigen, ob ich auch genügend Geld dabei habe.

Meinen Diascanner kaufe ich jedenfalls woanders.

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“iPhone User leiden unter dem Stockholm-Syndrom”

Dezember 15th, 2009 — 12:00am

Zu diesem abenteuerlichen Schluß kommt eine Studie einer dänischen Consulting Firma, wie Heise berichtet. Vom Stockholm-Syndrom wird gesprochen, wenn sich Geiseln mit ihren Entführern solidarisieren und damit eine erstaunliche Wahrnehmungsverzerrung an den Tag legen. Also ein Verhalten, das man eher den Blackberrynutzern oder Google-Android-Benutzern zurechnen würde – vor allem letztere begeben sich ja höchst freiwillig in die Arme des Kraken, der sie virtuell nackt auszieht und unters Mikroskop legt, um dann anschließend die gefunden Daten wirtschaftlich zu verwerten.

Ich habe ein iPhone und seine Mängel sind mir wohl bekannt und hier im Blog auch schon öfter deutlich angeprangert worden. Aber es ist wie bei allen Dingen eine Frage der Prioritäten und des Abwägens – womit kann ich leben, was bin ich gewillt zu tolerieren weil der Benefit schwerer wiegt als die Summe der Nachteile? Ich hatte beruflich einen Blackberry und habe ihn gehasst. OK, ich habe auch den damit verbundenen Job gehasst (“alle bekloppt hier”), aber das Gerät selbst war zu sehr das komplette Gegenteil von meinem privaten iPhone. Die Knöpfe waren zu winzig, die Funktionsbelegung zu undurchschaubar, die Menüführung völlig abstrus und natürlich der streichholzschachtelgroße Bildschirm viel zu sehr Mäusekino um ernst genommen zu werden. Gerade deshalb liebe ich Apple, weil mir deren Geräte erlauben produktiv zu sein, statt mich mit den Geräten selbst auseinandersetzen zu müssen. Ich habe keine Lust und auch nicht nötig, der Welt ständig meine MacGyver-Fähigkeiten zu beweisen. Als digital native und seit den frühen 80ern online (z.B. über einen TRS-80 m100 mittels Akustikkoppler, als das Klickibunti-Web 0.9 noch über ein Jahrzehnt entfernt lag), kann ich auch diesen ganzen Mist zusammenschrauben, konfigurieren und programmieren, selbst wenn ich inzwischen wahrscheinlich nicht zuletzt dank der Benutzerfreundlichkeit der Apple Produkte etwas aus der übung bin. Nur: ich will das nicht, dafür ist mir schlicht meine Zeit zu schade. Das iPhone tut was ich will, fertig. Außerdem gefällt mir das Design – genau wie allen anderen Smartphoneanbietern, die mehr oder weniger schamlos bei Apple abgekupfert haben, ohne dabei nennenswerte Verbesserungen mitgebracht zu haben. Natürlich hat diese Form von Usability und Benutzerfreundlichkeit ihren Preis, und der heißt u.a. proprietäre Software/Betreiber (Apple) oder Datenschutz adé (Android). Wer das nicht wahrhaben will, belügt sich tatsächlich selbst. Aber das Angebot an den von Apple abgesegneten Apps übersteigt schon jetzt bei weitem meine persönliche Nachfrage. Und die Bewegungsprofile, die die Provider anlegen und vermutlich widerrechtlich sammeln machen mir da sehr viel mehr Sorgen. Und wer unbedingt will, kann sich das iPhone ja jailbreaken (aber dann anschließend bitte nicht rumjammern, wenn er sich irgendwelche Trojaner oder Viren eingefangen hat).
In Geiselhaft, als Apple-Nutzer? Nicht mehr oder weniger als jeder Autofahrer, der sich halt für ein bestimmtes Modell entschieden hat und nun eben damit leider nicht die tollen Felgen des Konkurrenten nutzen kann. Oder ein Gamer, der bestimmte Spiele eben nur auf seiner Lieblingskonsole spielen kann.

Get a life, nerds.

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