Ich habe in den letzten Monaten u.a. Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs aussortiert, die ich nicht mehr benötige. Es hatte sich über die Jahre so einiges angesammelt, was mir folgende Optionen offen ließ: 1. den ganzen Krempel in die Elektrobucht oder bei Amazon einstellen oder 2. ab ins Altpapier bzw. zum Recyclinghof damit. Ein Flohmarkt, sozusagen die “oldschool-Lösung”, kommt aus verschiedenen Gründen nicht infrage. Option 2 habe ich, nicht ohne Bedauern, zumindest für die Zeitschriftenstapel wahrgenommen. Wer einen oder mehrere Jahrgänge WIRED Magazine, American Cinematographer, Communication Arts, Graphis, Surfer Magazine etc. kaufen will, wird dafür erfahrungsgemäß meist höchstens 20 Euro ausgeben wollen und wenn 18 davon Portokosten sind, schleppe ich den Kram lieber 150 Meter die Straße rauf zum Altpapiercontainer als zur Post, wo ich dann noch meine Zeit mit Schlangestehen verplempern darf. Einige Bücher (“Das große Photoshop 2.5.1 Handbuch”) gingen ebenfalls diesen Weg, auch wenn ich ein Unbehagen, Bücher einfach so wegzuwerfen, nicht unterdrücken kann. Bei ähnlichen Aufräumationen früher habe ich die Bücher der Stadtteilbibliothek angeboten. Inzwischen gibt es in Hamburg dank absurder Sparmaßnahmen davon nicht mehr sehr viele, und schon damals stöhnten die unterbezahlten und überarbeiteten Mitarbeiter, das sei alles ganz nett, aber ich würde ihnen nur noch mehr Arbeit bereiten. Ein ähnlicher Versuch in einer Oxfam-Filiale stieß auf entschlossene Ablehnung der Mitarbeiter dort. Es gibt wohl nicht sehr viele Interessenten für antike Reiseführer oder Marketingfachbücher. Die meiner Ansicht nach noch “wertvolleren” Bücher wanderten zu Amazon, was mir summa summarum insgesamt rund 30 Euro eingebracht hat.
Wie sieht’s aus bei CDs? Gebrauchte Tonträger anzubieten ist ein Unterfangen, das eiserner Nerven bedarf. Entweder freundet man sich mit dem Gedanken an, einem Plattendealer auf Knieen rutschend den Soundtrack des eigenen Lebens anzubieten. Die Bezahlung besteht in hochgezogenen Augenbrauen des Typen hinterm Tresen, der einem gar nicht mal so subtil mitteilt, daß er dir geradezu einen Gefallen tut den Rotz für einen Euro das Stück anzunehmen (um ihn dann für 7-15 Euro das Stück weiterzuverkaufen). Bosch hat diese Spezies Mensch mal sehr schön beschrieben.
Oder man riskiert es, die Scheiben bei einer Internetauktionsplattform anzubieten und sich eine Abmahnung einzufangen. Die Musikindustrie nagt bekanntlich am Hungertuch und kann es daher nicht widerspruchslos hinnehmen, daß man mit ihren Produkten Kasse macht. Offenbar gehört mir nicht die ganze CD wenn ich eine kaufe, nur der Datenträger. Ich könnte natürlich vor dem Verkauf die Musik vom Datenträger kratzen, aber irgend etwas sagt mir, daß sich der Verkauf dann aus anderen Gründen schwierig gestalten könnte.
Richtig kompliziert wird es allerdings beim Verkauf von DVDs. Ich sammle Filme auf DVD, und zwar jeweils in der Fassung, die zum Zeitpunkt des Kaufs die weltweit bestmögliche ist. Soll heißen: Wenn ein Film in Australien mit einer besseren Tonspur, interessantem Bonusmaterial jenseits des EPK und einer ansprechenderen Verpackung erscheint, dann kaufe ich mir eben den, und nicht die gleich teure oder teurere deutsche abgespeckte Version. Die australische DVD hat dann den Regionalcode 4, was bedeutet, daß man sie hierzulande nur über einen codefree DVD Player abspielen kann. Das wäre für viele Interessenten kein Kaufhindernis (die meisten Filmaficionados haben einen codefree Player), aber es handelt sich auch oft um Filme, die hierzulande entweder gar nicht erschienen sind (und vermutlich auch nie hier veröffentlicht werden), nur in einer geschnittenen Fassung, oder aber deshalb in einer abgespeckten Version, weil der deutsche Vertrieb kein Geld für bz.B. den Audiokommentar ausgeben wollte. Den hören sich ja erfahrungsgemäß ohnehin nur die Nerds an.
Stelle ich eine solche Scheibe z.B. bei E-Bay ein, dann riskiere ich eine Abmahnung und schlimmeres, weil ich ein Produkt anbiete, für dessen Vertrieb ich in unserem Land keine Rechte besitze. Daß ich die DVD im Ausland legal gekauft habe, ggf. auch Zoll und Einfuhrumsatzsteuer dafür berappt, es sich um ein Einzelstück und privaten Verkauf handelt und ich höchstwahrscheinlich den ursprünglichen Preis ohnehin niemals erzielen werde, das interessiert nicht.
Hinzu kommt, daß jeder Film auf DVD der keine FSK-Freigabe besitzt, hierzulande automatisch als “Keine Jugendfreigabe” (früher: FSK 18) eingestuft wird. Die in der Regel vorhandenen ausländischen Altersfreigaben haben keine Relevanz in unserem Land. (Was manchmal auch ganz gut so ist, wenn man die unterschiedlichen kulturellen Gewichtungen zum Thema Filmzensur so vergleicht…) Ich müßte im Zweifelsfall also beweisen können, daß mein Käufer 18 Jahre oder älter ist und sich mir gegenüber (z.B. über das umständliche Postident-Verfahren) vor dem Kauf entsprechend ausgewiesen hat. Somit kann ich nicht einmal eine Liste der Filme mit Preisangaben hier auf mein Blog stellen und “first come, first served!” rufen.
Es sind Catch-22s wie diese, die den Kampf der Piratenpartei gegen das Urheberrecht und seine Auswüchse teilweise sinnvoll erscheinen lassen. Daß dort andererseits das Kind gleich mit dem Bade ausgeschüttet werden soll ist natürlich nicht akzeptabel. Aber ich bin gespannt auf tragfähige Konzepte einer Urheber- und Nutzungsrechtsreform, bei der die Künstler nicht betteln geschickt werden und gleichzeitig der Verbraucher nicht länger der Dumme ist.