Sprung in der Schüssel
Vor ca. sechs bis acht Wochen machte ein neues Spielzeug die Runde auf Twitter: formspring.me. Auf der Seite kann man Fragen beantworten, die einem von anonymen oder registrierten Usern gestellt wurden, und man kann das Spielzeug auch als Widget im Blog, bei Facebook und noch ein paar anderen Social Web Seiten einbinden. Ich habe es zu Beginn hauptsächlich aus beruflichen Gründen gleich ausprobiert (allerdings auch weil “Ich gestehe, daß mir wie den meisten Menschen Neugier nicht fremd ist”) und für irgendwo zwischen überflüssig und fishy befunden. Aus der Seitenleiste des Blogs habe ich das Teil ebenfalls schon nach wenigen Tagen wieder rausgeworfen. Mir war der Laden irgendwie extrem suspekt. Die Nutzungsbedingungen waren derselbe knebelnde “wir dürfen alles, Ihr dürft gar nix”-Dreck wie bei fast allen anderen Services des Social Web auch, und daß man seinen Account nur stilllegen aber nicht löschen kann, fand und finde ich auch hochgradig widerwärtig. Google sagt, ihr Motto sei “don’t be evil” und ich glaube und vertraue Google nicht weiter als ich ein Klavier werfen kann. Twitter transportiert in Image, Aufbau und Funktionalität “don’t be evil” und ich vertraue ihnen keinen Zentimeter weiter als Google (deshalb lösche ich auch täglich meine Tweets wieder). Aber formspring stinkt für meine Nase zehn Meilen gegen den Wind nach “let’s be fucking evil!” (genau wie Facebook übrigens) und deshalb war ich froh, daß ich nur 24 Fragen zu löschen hatte, als ich meinen Account damals stilllegte.
Jetzt hat Kixka Nebraska bei ihren Recherchen noch ein schmutziges Detail ausgebaggert:
Im Gegensatz zu der Behauptung von Formspring.me verschwinden die Antworten damit allerdings nicht von der Bildfläche. Zumindest bei denjenigen, die den Account abonniert haben, erscheinen sämtliche Posts zurückverfolgbar bis zur ersten Frage in der Timeline.
Also, liebe Kinder: 1. Accountnamen ändern in irgend einen Bullshitnamen wie “qwertzui”, 2. alle Fragen und Antworten löschen, ggf. Hintergrund- und Profilbild entfernen, 3. Account stillegen (disable), 4. gehen und sich nicht mehr umschauen.
Und ab und zu mal wieder das Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein lesen. Ihr wißt schon: Kreide, Stimme, Pfote. Happy End, immerhin.
