Zwei Drei Vier
“Zwei Drei Vier – Wie ich eine Familie wurde” ist das Buch von Maximilian Buddenbohm, a.k.a. Merlix. Wer regelmäßig die Herzdamengeschichten liest, wird mit dem Löwenanteil des Buchs bereits vertraut sein, aber die sorgfältige Zusammenstellung der Geschichten um den Autoren, seine Herzdame und die aus unerfindlichen Gründen durchnummerierten Söhne Römisch I und II ist mehr als gelungen und das Ganze ist auch hier wie so oft mehr als die Summe seiner Kapitel.
Wer ein Buch nach dem Umschlag beurteilt, sollte die Zähne zusammenbeißen und einfach nicht hinsehen. Was die gestaltende Agentur geritten hat, diese krude Mischung aus Strichmännchen, zerknülltem Papier und Schrifttypen zusammenzuwürfeln, die nur Leute lieben können, die wahrscheinlich auch ein inniges Verhältnis zu Comic Sans haben, wird auf ewig ihr Geheimnis bleiben. Dem im Buch versteckten Verlagsflyer entnehme ich, daß der Verlag wohl nicht ganz unschuldig an der Misere ist; zumindest sehen die darin beworbenen Titel rein optisch ähnlich gruselig aus. Aber selbst wenn man über Geschmack natürlich vortrefflich streiten kann, so darf doch die Frage gestellt werden, was der Hund? Hase? Wassolldassein? auf dem Umschlag soll. Es kann natürlich sein, daß der Autor einen Hund? Hasen? Wassolldassein? hat und nur im Buch, Blog oder auch sonst vergessen hat zu erwähnen. Sonst wären sie ja auch zu fünft im Hause Buddenbohm. Aber irgend etwas sagt mir, der Illustrator fand einfach, da gehöre noch ein Hund? Hase? Wassolldassein? mit in die Familie. Wahrscheinlich werden Sohn I und II dieses Wesen demnächst unter Verweis auf die Illustration energisch einfordern.
Der Autor beginnt seine Erzählungen damit, wie er zunächst die Herzdame kennenlernt und wenige Seiten später dann schon ihre Famile, und das vor Ort, in Nordostwestfalen. Die Beschreibungen der nordostwestfälischen Charaktereigenheiten zaubern mir jedesmal ein gequältes Lächeln aufs Gesicht, da mein ehemaliger Herzbube und vor allem seine Familie ursprünglich auch aus der Gegend stammen – was übrigens nicht unwesentlich dazu beigetragen haben dürfte, daß er heute mein Ex-Herzbube ist. Insbesondere das Kapitel “Im Krankheitsfall” fühlte sich seltsam vertraut an.
Ich habe keine eigenen Kinder, aber immerhin zwei Jungs im Alter von 5 bzw. 9 Jahren, denen ich als eine Art Patentante vorstehe. (I put the “Patent” in Patentante) Insofern hatte und habe ich ausreichend Gelegenheit, selbst die unwahrscheinlichsten der geschilderten Begebenheiten selbst zu beobachten. Jagdszenen, Milchschaum, Outdoorjacken… alles so oder ähnlich erlebt. Wer keinen Kontakt zu Kindern hat, wird sich nach der Lektüre wahrscheinlich welchen wünschen. Wer keine Kinder hat und auch keine wünscht, der wird sich von der Lektüre sehr wahrscheinlich trotzdem bestens unterhalten fühlen und weiß anschließend auch super über Tanzkurse Bescheid. Es ist also für jeden etwas dabei.
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