Archive for März 2010


Ich kann den Sommer schon ahnen, zwei Kurven hinter dem Frühling liegt er.

März 31st, 2010 — 9:03pm

[youtube kkviQ41u0eQ]

(Für die Longboarder hier. Und alle, die die Nase voll von 5° und Regen haben. Der Sommer wird groß!)

6 comments » | Ohne Worte

Freitagstextersiegerpokalvergabe

März 31st, 2010 — 12:12pm

Freitagstextersiegerpokal

Vorab zum Bild: Ich habe wirklich keine Ahnung, woher das stammt und wüßte selbst gern, was da passiert sein könnte. Das Bild lag in den Untiefen meiner Festplatte vergraben, irgendwann mal irgendwo in den Weiten des Internetzes gefunden und abgespeichert für einen potentiellen späteren Einsatz. Nun, das Hamstern hat sich gelohnt, würde ich sagen.

Die Anzahl der Einsendungen war phänomenabelst, den Geistesblitzen merkte man gelegentliche Zündunterbrecher an, aber die Auswahl des Siegers fiel mir dennoch nicht leicht. Schon sehr schmunzeln mußte ich über TinCups Beobachtung:

„Jeff war überglücklich: die Bullen hatten ihm die bei einer Routinekontrolle beschlagnahmte Nähmaschine wieder ausgehändigt. Das Hanfgarn war allerdings weg. Stolz hielt er sein Baby in die Kamera, nicht ahnend, daß der UPS Geistertruck des Todes sich hinter ihm aus den Fluten erhob und wütend Kurs auf ihn nahm.“

Tatsächlich, wenn man genügend getrun genauer hinsieht, erhebt sich der Truck rachsüchtig aus den Fluten und fährt wütend die Böschung hinauf.

Das erste Mal wirklich laut gelacht habe ich bei Broca-Areals Vorschlag:

„Zufriedener Ebay-Kunde: Thomas W. (29) nach dem ersten Test seiner neuen Strahlenkanone“

Aber den Vogel abgeschossen hat meiner Meinug nach Dermachtdieworte mit:

„Nun dürfte der Unfallhergang einfacher zu klären sein: Nach zweitägiger Suche konnte endich die Black Box geborgen werden.“

Allen vielen Dank fürs Mitmachen und herzlichen Glückwunsch dem Sieger, der die nächste Runde bei sich im Blog ausrichten darf.

8 comments » | Bidde?, gespielt, im Netz

Der Freitagstexter

März 26th, 2010 — 12:00am

In der letzte Woche fand das Spiel um die beste Bildunterschrift beim Abspannsitzenbleiber statt. Da ich unerwartet aber natürlich hochverdient gewonnen habe, darf ich die dieswöchige Runde bei mir im Blog präsentieren. Die Regel ist supereinfach: Ihr schreibt Euren treffendsten Text hier in die Kommentare (Mehrfachvorschläge möglich und erwünscht), “Einsendeschluss” ist Mittwoch um 12h00, die Jury (ich) zieht sich anschließend zur Beratung zurück und verkündet abends ihr Urteil hier im Blog und per Tweet, und der Sieger bzw. die Siegerin darf dann nächsten Freitag bei sich im Blog ran. (Mitmachen kann man natürlich auch ohne Blog.) Eine nicht ganz vollständige Liste der historischen Freitagstextersieger findet sich hier.

Auf die Plätze… seid Ihr fertig? LOS!

39 comments » | Bidde?

Das Grosse Fressen

März 25th, 2010 — 4:43pm

Ich bin ja großer Jamie Oliver Fan, ich geb’s zu. Der Junge hat nicht nur unverschämten Charme sondern auch einen Meter Kochbücher veröffentlicht, mit wirklich leckeren, gesunden, guten, bezahlbaren und todsimplen Rezepten darin (vielleicht ein bisschen zu fleischlastig manchmal), die jeder Depp mit drei Daumen an zwei linken Händen mit verbundenen Augen in durchschnittlich zwanzig Minuten nachkochen kann. (Seine iPhone app ist ohne Flachs meine allerliebste app und sein kostenloser Videopodcast auf iTunes sehr lohnenswert.)

Insofern wurde ich sehr hellhörig, als ich im letzten Herbst in der New York Times von seinem neuen Projekt las, bei dem er Amerika zu gesünderem Leben bekehren will und damit in der Stadt anfängt, die die meiste ernährungsbedingten Krankheits- und Todesfälle verzeichnet: Huntington, West Virginia. Seine Bekehrungsversuche werden in einer TV-Serie ausgestrahlt, die diese Woche auf ABC startet (offizielle Website, die erste Folge ist online, aber nur für US-Bewohner bzw. über Umwege abzurufen). Und wenn man den Trailer gesehen hat, bleibt man schon reichlich sprachlos zurück:

[youtube f8CF15HJJ-0]

Es geht nicht darum, mit den Fingern auf stark übergewichtige Leute zu zeigen und ihnen mangelnde Disziplin zu unterstellen. Es geht auch nicht nur um Amerika, das Problem ist ein globales. Es geht darum, daß das gesamte System so dermaßen krank ist, daß man gar nicht laut genug schreien kann. Jamie Oliver schreit sehr laut, und er wird gehört: Die nonprofit Organisation TED (Technology, Entertainment, Design) die sich um “ideas worth spreading” dreht, hat ihn dieses Jahr mit dem 100.000 US $ dotierten TED Prize ausgezeichnet. Hier seine Rede – Zwanzig Minuten, die sich wirklich lohnen:

[youtube jIwrV5e6fMY]

4 comments » | Kultur, Küche

Der Bewusstseinswandel, der nicht stattfinden wird.

März 23rd, 2010 — 6:03pm

Der einzig wirklich wahre Satz in Frank Patalongs jammernd vorgetragenen Pamphlet über die Notwendigkeit von Onlinewerbung und seinem Wehklagen über die bösen Nutzer von Adblockern lautet: “Notwendig ist ein Bewusstseinswandel.” Allerdings darf bezweifelt werden, daß die Werbebranche und Verlage diesen Bewußtseinswandel hinkriegen. Sie schnallen ja nicht einmal, daß er bei ihnen liegen muß.

Ich habe nichts gegen Werbung. Ich habe auf die eine oder andere Art, direkt oder indirekt, mit Werbung und Marketing mein Geld verdient seit ich die Schule verlassen habe. Aber ich halte nichts davon, die Leute aufs Glatteis zu führen. Werbung kann durchaus informieren und unterhalten. Ich sehe gerne gut gemachte Werbung, die mich nicht für dumm verkaufen will. Ich lache über witzige TV-Spots und blättere gern in gut gemachten Katalogen und Broschüren. Werbung ist ein Handwerk, und wie bei jedem Handwerk ist es ein Genuss, den Meistern ihres Faches bei der Arbeit zuzuschauen. Und ich lasse mich gern von Werbung verführen – jedenfalls, solange ich mir bewußt bin, daß es sich um Werbung handelt. Leider besteht fast jedes kommerzielle Verlags-/Medienangebot offline wie online, gedruckt wie im TV nur noch aus Werbung, davon nur etwas 50% als solche deklariert. Der Rest ist Product Placement, Vettern-/Günstlingswirtschaft, PR, Schleichwerbung. Journalismus? Fehlanzeige. Die Medien betrügen und belügen ihre Kundschaft schon lange und werden von Jahr zu Jahr unverschämter. Eine Selbstregulierung greift nicht, die Politik ist zwar nicht machtlos, die für beide Seiten notwendige und gesunde Abtrennung zur selbsternanten vierten Macht im Staate findet jedoch schon lange nicht mehr statt, wie das Beispiel Koch/Brender/ZDF zuletzt gezeigt hat.

Früher gab es eine gesunde Mischung diverser Printmedien in überschaubarer Vielfalt in Deutschland. Dazu drei öffentlich-rechtliche Fernsehsender und ein paar öffentlich-rechtliche Radiosender. Unter Rudolf Augstein zeichnete kein Redakteur des SPIEGEL mit Namen seine Artikel. Das wäre als Eitelkeit angesehen worden: Der gesamte SPIEGEL stand für aufrechten und wahren Journalismus. Es ging nicht um Selbstreferenzalität sondern um Nachrichten. (Dies nur als Erklärung für diejenigen, die sich bei Fefe mal über seine wiederkehrende Formulierung “Das ehemalige Nachrichtenmagazin” gewundert haben sollten.) Natürlich gab es früher auch Werbung in den Medien, aber a) als solche gekennzeichnet und b) teilten sich sehr viel weniger Kunden einen sehr viel kleineren Kuchen. Die irriwtzigen Gewinnmargen der 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts werden in der Werbung wohl niemals wieder erreicht werden. Woran erinnert mich das nur? Ach ja: Tim Renners Zitat zum Niedergang der Musikindustrie:

Meiner Meinung nach begann der Untergang der Musikindustrie mit der CD. Das liegt nicht nur daran, dass die Langspielplatte, die sie ablösen sollte, so viel sinnlicher war als das kleine Stück Plastik/Aluminium Gemisch. Das eigentliche Problem der CD war ihre hohe Profitabilität. Die Herstellung einer CD kostet weniger als die von Vinyl, die Preise wurden bei der Einführung aber verdoppelt. Verkauft wurde Anfangs hauptsächlich Katalog, also Aufnahmen welche die Plattenfirmen schon lange bezahlt und verbucht hatten. In der Konsequenz schossen die Margen durch die Decke. Musikwirtschaft wurde ein hoch profitables Geschäft und zog deshalb statt Freaks und Fans Betriebswirte und Banker an.

Klingt irgendwie bekannt, oder?

Heute gibt es ungezählte Blätter im Printdschungel und irgendwo zwischen 50 und 300 in Deutschand über Kabel oder Satellitenschüssel empfangbare TV-Sender. Und alle wollen bzw. müssen sich irgendwie refinanzieren. Und dann gibt’s natürlich noch das Internet: vergleichsweise geringen Herstellungs- und Distributionskosten stehen potentiell Millionen an Lesern/Zuschauern/Konsumenten gegenüber. Die müssen sich doch irgendwie einfangen lassen! Zur Not per Gesetz – es würde mich wirklich nicht im Mindesten überraschen, sollten Werbeblocker bald illegal sein. Die Werbeblocker, die von verzweifelten Nutzern programmiert wurden, die sich nicht länger von teils virenverseuchten Popups, Bannern, Superbannern, Layer-Ads und sonstigen Informationsverhinderern fesseln lassen wollten. Oder Cookies und schlimmere Schnüffelsoftware auf ihren Rechnern installiert bekommen wollten.

Tweet zum Thema

Das Internet ist nicht erschaffen worden um Verlagsgeschäftsmodellen, die offline schon gescheitert sind und sich ohnehin nur noch dank Tricksereien und Milchmädchenrechnungen tragen, einen dritten Frühling zu bescheren. Es wurde zum internationalen Austausch von Wissen und Informationen geschaffen. Zunächst militärischer und wissenschaftlicher Natur, erst später auch für “normalsterbliche” Nutzer. Der ganze Witz am Netz ist, daß es immer die kürzeste Verbindung zwischen den zwei Punkten “Nutzer” und “Information” sucht und anbietet. Hürden wie Werbung werden schlicht umgangen oder übersprungen. Jan Schejbal hat das in seiner Antwort an Patalong wunderbar zusammengefasst:

Ihr könnt natürlich auch in den Krieg gegen das Netz ziehen, anfangen, Adblocker zu erkennen und die Leute aussperren. Ihr werdet verlieren. Das Netz kann die Tarnung schneller anpassen als ihr die Erkennung. Wenn es sein muss, innerhalb von Minuten. Ihr könnt euren Inhalt auch hinter Paywalls verstecken. Vielleicht werden euch die wenigen, die ihn trotzdem lesen, sogar so viel einbringen wie die Werbung euch eingebraucht hat. Aber viel wahrscheinlicher werdet ihr in der Bedeutungslosigkeit versinken. Niemand wird euch mehr verlinken, wenn seine Leser eure Artikel nicht abrufen können. Der böse raubkopierende Feind Google wird euch nicht mehr finden, und mit ihm 50% eurer Besucher.

So sieht’s aus. Und niemand wird Euch eine Träne mehr nachweinen, denn Ihr habt keinen echten Wert geboten sondern immer nur genommen, genommen, genommen.

10 comments » | Kommerz, Medien

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