Lieblingsdrinks

Ein paar Fragen zum Thema Lieblingsdrinks gehen gerade durch die Blogs zum Thema Essen und Trinken. Obwohl ich gerne esse und trinke, blogge ich eher selten Rezepte o.ä., aber die Fragen (und Antworten der Beteiligten) fand ich interessant, darum greife ich das hier mal auf. Los geht’s:

Was ist dein liebster Drink?

Wasser. Aber das zählt hier wohl nicht. Bier trinke ich kaum einmal, lieber Wein, aber das zählt wohl auch nicht, gemeint sind Mixgetränke: Cocktails, Longdrinks. Das Zeug aus Chandler-Romanen, Film Noir oder wenigstens James Bond. Unter diesen Umständen sage ich mal: Gin & Tonic, jedenfalls im Sommer. Generell trinke ich nicht gerne gemixtes Zeug, ich mag’s lieber pur.

Wann hast du das erste Mal Alkohol getrunken?

Mit sieben oder acht Jahren. Es war ein heisser Sommertag und ich flitzte beim Spielen durch den Garten, sah meinen Vater auf der Terrasse sitzen, ein grosses Glas mit einer goldgelben Flüssigkeit vor sich, eiskalt und verlockend. Ich hielt an und fragte, ob ich davon etwas trinken dürfe, ich hätte soooo einen Durst. Mein Vater schob mir lächelnd das Glas hin, ich trank gierig einen Riesenschluck und spuckte schnell alles wieder aus: BÄH! Wie widerlich war das denn? Bitter! Igitt! Wie konnte man so etwas freiwillig trinken? Ich glaube, mein nächstes Bier habe ich dann so etwa mit Ende Dreissig getrunken. Ich mache mir heute noch nicht viel daraus und trinke es vornehmlich zu einem dazu passenden Essen.

Welchen Drink hast du am meisten bereut?

Bols Grüne Banane war das In-Getränk Mitte der 80er, jedenfalls auf einer Klassenfahrt nach Mölln. Ich habe keine guten Erinnerungen an das Zeug (und Mölln muss ich seitdem auch nicht mehr haben).

Wermut (Cinzano, Martini Bianco etc.) kann ich auch seit Abi-Zeiten nicht riechen, ohne dass mir übel wird, „aus Gründen“, wie man so schön sagt. Der klassische Martini (Gin + Wermut) verbietet sich daher auch für mich – ich halte es da mit Hawkeye Pierce: „Ich möchte einen trockenen, ausgedörrten, kargen Martini. Einen Martini, der zum Katastrophengebiet erklärt werden könnte. Einen Martini, bei dem Staub auf der Olive liegt.“ Mit anderen Worten: Es reicht völlig, wenn man beim Martini mixen einmal kurz an Wermut gedacht hat. Im Martini selbst hat er nichts zu suchen, was mich betrifft.

Bar oder Kneipe?

Weder noch. Ich gehe ungern aus und alleine schon gar nicht. Als Frau verbietet sich das sowieso von selbst, wenn man nicht auf blöde Sprüche und Schlimmeres steht. Mit Freunden ist es mir aber egal, wo wir feiern.

Champagner oder Schaumwein?

Mag ich beides nicht sonderlich, aber wenn, dann wohl eher Champagner. Ich hab’s gern schlicht und trocken, nicht so süß.

Mit wem würdest du gerne trinken?

Mit meinen Freunden. Ich habe keine Liste von Promis, die ich bewundere oder gerne kennenlernen würde, und ich finde Alkohol jetzt auch nicht so legendär spannend, dass ich da irgend welche Rituale oder Entschuldigungen bräuchte, welchen zu trinken.

Bei wem würdest du gerne trinken?

Das meint vermutlich, bei welchem Barmann, Mixologen, Getränkegott. Da ich mich mit der Szene nicht auskenne, kann ich da nicht wirklich etwas zu sagen. Charles Schumann ist mir natürlich ein Begriff, aber der wirkt auf mich eher unsympathisch und sein Laden ist wohl auch in München, das ist etwas weit weg für einen Drink.
Die Bar Lion hier in Hamburg soll ziemlich super sein, ich war noch nicht da, aber das könnte ich mir mal vornehmen. Falls hier Hamburger mitlesen, die mit mir gerne dort was trinken würden: meldet Euch. 🙂

Wie sieht deine Home Bar aus?

Eine wirkliche Bar habe ich nicht zuhause, aber noch ein Dutzend verschiedener Single Malt Whiskeys aus der Zeit, als ich die noch sehr gerne trank. Das hat sich in den letzten Jahren aber ziemlich geändert. Ansonsten habe ich nur eine Flasche Gin da. Ich mag die harten Sachen nicht mehr, oder sie mögen mich nicht mehr. Es soll mir recht sein.

Update 2018: Ich habe – Blasphemie! – die restliche Flaschen mit Single Malts schon letztes oder vorletztes Jahr in den Ausguss gekippt. Zum einen, weil ich Whisky einfach nicht mehr mag und die Flaschen sicher sechs, sieben Jahre angebrochen aber ungenutzt herumstanden. Das macht das Zeug ja nicht unbedingt leckerer, so viel share brauchen auch die angels nicht*. Und außerdem brauchte ich den Platz im Regal.

Beschreib deine Eiswürfel.

Ähm … sie sind kalt und viereckig? (Was ist denn das für eine dämliche Frage?)

Was ist deine Gin & Tonic-Empfehlung?

Nachdem ich mich in den letzten zwei Sommern einmal ausführlich durch alle Sorten probiert habe, bleibe ich bei der Kombination Beefeater + Fentiman’s hängen. Ein knochentrockener London Dry Gin mit einem ebenso trockenen Tonic auf viel Eis, dazu eine Limettenscheibe, fertig. Der Beefeater ist übrigens einer der letzten echten Londoner Dry Gins, also in London distilliert und abgefüllt.

Die klassische Kombination Gordon’s und Schweppes funktioniert nicht mehr wie noch in den 80ern, denn im Schweppes ist heutzutage zuviel Zucker für meinen Geschmack (wahrscheinlich, seit sie zu Coca-Cola gehören) und der Gordon’s hat auch nur noch 37 %vol Alkohol, dem Zucker aus dem Tonic also wenig entgegenzusetzen. Früher war der Gordon’s sehr viel stärker, da war das Verhältnis ausgewogener. Aber es ist immer noch eine schöne, klassische Kombination und wer etwas anderes behauptet, ist vermutlich ein Marketingopfer. Protipp: Wer den eigentlichen Gordon’s probieren möchte, sollte sich im Duty Free Store des Flughafens seines Vertrauens umschauen: Dort gibt es die 47,3 %vol.-Version noch zu kaufen, für die Quartalssäufer Partypeople sogar im 2-Liter-Gebinde.

Gordon’s

Nicht mehr hip, nix für Snobs, nicht mehr so stark wie früher – aber immer noch sehr gut: Der Gordon’s.

Monkey 47, Hendricks, Gin Suul etc. … alle prima Gins, aber für meinen Gaumen die teilweise unverschämte Preisgestaltung nicht wert, zumal die guten Tonics dazu preislich fast in Druckertintennähe liegen. Den Hipster-Quatsch mit der Gurke im Gin brauche ich auch nicht, wenn ich Gemüsesaft trinken will, trinke ich Gemüsesaft, aber das ist natürlich Geschmackssache.

Ein paar Male habe ich auch selbst Tonicsirup angesetzt, das macht Spaß und schmeckt völlig anders als mit den gekauften Versionen, aber ich trinke nicht genügend und häufig genug Gin & Tonic um das zu rechtfertigen und der selbstgemachte Sirup hält natürlich auch nur eine verhältnismässig kurze Zeit. Man kann ihn natürlich auch ohne Gin trinken, einfach als bittere Limo, aber insgesamt lohnte sich die Arbeit für mich nicht so wirklich.

Statt Gin & Tonic trinke ich übrigens auch sehr gerne einen Gimlet, dessen Zubereitung Chandler in The Long Goodbye beschreibt: “A real gimlet is half gin and half Rose’s Lime Juice and nothing else.” Das ist mir viel zu süß und nicht annähernd das Rezept, das ich nutze – drei Teile Gin, einen Teil Rose’s Lime Juice, schütteln, über Eis und auffüllen mit Soda, garniert mit einer Scheibe Limette – aber der Gimlet fristet meiner Ansicht nach zu Unrecht ein Nischendasein neben dem Gin & Tonic.

Wie bekämpfst du deinen Hangover?

Indem ich am Abend vorher rechtzeitig aufhöre zu trinken, also in meinem Fall allerspätestens nach dem zweiten Glas. 😉

Ohne Flachs:

Ich nehme das Thema Alkohol sehr ernst, ich habe einige Leute im Bekanntenkreis, die das sind, was ich mal wohlwollend formuliert „kontrollierte Alkoholiker“ nennen würde und ich möchte mich gar nicht erst in Gefahr begeben, mich dort einreihen zu müssen  – Mein generelles Lebensmotto „Keine halben Sachen“ ist beim Thema Alkohol nämlich eher kein so guter Plan.

Drinks sind was Feines, in Maßen, nicht in Massen. Faustregel: Wenn du dich fragst ob du vielleicht zu viel trinkst, dann wird es wahrscheinlich so sein.

 

Update 2018: Ich trinke heutzutage vielleicht noch eine Flasche Wein über die ganze Woche verteilt, und das nicht einmal jede Woche. Bier trinke ich nur als Alsterwasser (Radler für unsere süddeutschen Leserinnen) oder im Winter zum Grünkohl oder anderen Eintopfgerichten, ich mag es einfach nicht solo. Whisky trinke ich gar nicht mehr (s.o., er schmeckt mir nicht mehr), Gin & Tonics in diesem Jahr und trotz des schönen Sommers nicht genügend, um auch nur eine ganze Flasche Gin zu leeren: Hier steht immer noch die Flasche ein Drittel voll, die ich letztes Jahr zu Weihnachten bekommen habe. Ich habe nie viel getrunken, aber heute, mit Anfang 50, bekommt mir der Alkohol einfach nicht mehr gut. Einen langen Abend mit drei Gläsern Wein zum Menü bezahle ich inzwischen mit einer Nacht voller Wadenkrämpfe. Klar, ich könnte vorm Schlafengehen dagegen prophylaktisch Magnesium nehmen, aber … „merkste selbst, ne?“, wie man auf Twitter so sagt. Ich bin nicht blöd, ich bin gern gesund und ich war noch nie eines von den coolen Kindern. Ich hatte und habe kein Problem damit zu sagen: „Schmeckt mir nicht, bekommt mir nicht, nein danke“ – weder bei den Joints, die zu Teenagerzeiten herumkreisten, noch bei Alkohol. Und, soweit ich mich entsinnen kann, hat mich deshalb nie jemand ausgelacht oder dumm angemacht, jedenfalls nicht ins Gesicht. Und was sie hinter meinem Rücken über mich reden, das geht mir ebendort vorbei.

Der Staat nimmt jährlich Milliarden mit der Branntwein- und Schaumweinsteuer ein, ganz zu schweigen von der Mehrwertsteuer für alkoholische Getränke und den Gewinnen durch Exporte berühmter Deutscher Weine; dieser Wirtschaftszweig ist mächtig.  Alkohol ist cool in unserer Gesellschaft, wer viel verträgt ist „ein ganzer Kerl“, keine „Spaßbremse“, vertrauenswürdig. Es ist die letzte verbliebene harte Droge mit gesellschaftlich anerkanntem Image; wer nicht trinkt gilt den anderen als unkultiviert und irgendwie suspekt, die gesellschaftlichen Folgekosten sind immens.

Ich spiele gelegentlich mit diesem coolen Image des Alkohols, wenn ich oder Bär auf Twitter „Gin o’ clock!“ ausrufen. Der Bär ist ein eigener Charakter und hat sein eigenes Leben, ich bin nur seine Chronistin. Gelegentlich frage ich mich, ob er mit zunehmender Popularität ein Problem mit der Verantwortung als Vorbild bekommt. Aber er ist kein Kinderbär à la Pu oder Paddington oder Balou. Er ist ein Bär Anfang 50, mit all den Macken, die man in unserem Alter eben so hat, und er taugt ebenso wenig zum Vorbild wie ich.

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Gefunden habe ich das Stöckchen bei Claudio und Viva Culinaria und ich lasse es mal hier liegen, es bediene sich, wer mag.

 

*  Mit “the angels’ share” bezeichnet man den Teil des Whiskys, der nach und nach durch den Korken verdunstet.