Hamburg

Fischbrötchen und Sonnenfinsternis.

Fischbrötchen und Sonnenfinsternis.

Seit Februar zeichne ich ja gelegentlich etwas für den Hamburg-Führer, die gedruckte Maiausgabe ist noch in Produktion, aber mein aktueller Comic ist schon auf der Website zu sehen. Es geht um den Hunger auf Fischbrötchen und um eine örtliche Sonnenfinsternis (huch?) und das alles findet sich hier und darf bei Gefallen auch gern über die üblichen Kanäle geteilt werden.

Völlig unabhängig davon gibt es für Hamburgfans und Geniesser dieser norddeutschen Spezialität nach wie vor mein beliebtes Fischbrötchenmotiv für Jungs und Deerns in meinem Spreadshirtshop oder als Postkarte bei mir zu bestellen. (Ende der schamlosen Eigenwerbung)

Mein Besuch auf der TED X Hamburg 2013

Gestern fand die TED X Hamburg 2013 in der Laeiszhalle statt, das Thema war „City 2.0“ – wie wollen wir leben, wie sehen unsere Städte der Zukunft aus und was sollten wir tun bzw. was geschieht, damit wir dort ankommen?

TED steht für Technology – Entertainment – Design und diese Konferenz gibt es seit den 80ern in New York. Das X dahinter für die Open Source Variante und die local events weltweit („the x marks the spot“ wie das im Krimi heissen würde).

Ich hatte sehr spät erst von dem Event vor meiner Haustür erfahren; netterweise bekam ich über den akkreditierten Blogger Maximilian noch eine Karte. Angeblich gab es sogar Plakate in der Stadt; der Moderator sprach jedenfalls später davon, daß ein Museum bereits angefragt habe, ob es das Plakat in die Sammlung aufnehmen dürfe. Ich hatte kein Plakat gesehen und auch sonst scheint mir die Kommunikation dieser Konferenz sehr sparsam verlaufen zu sein. Das Feedback der Leute vor Ort bestätigte meinen Eindruck und ein befreundeter Blogger meinte, es sei schon seltsam – in anderen Städten käme man für Geld und gute Worte nicht auf TED Events und bei uns konnte man sogar Tickets kaufen. Diese wurde sicherlich nicht alle verkauft (obzwar der kleine Saal der Musikhalle gut gefüllt war), was bei 119€/Stück auch nicht verwunderlich ist. Doch dazu später mehr.
Maximilian stand schon vor der Tür, zusammen mit dem Eimerchen und bald stiess auch Isabel zu uns, die sich trotz der gemeinsamen Autorenlesung mit Maximilian am Vorabend zu nachtschlafender Stunde aus dem Bett gequält hatte und tapfer in die Hamburger SommerSonne blinzelte.

Robert Neuwirth: „D.I.Y. City“

Der erste Sprecher war der New Yorker Autor und Aktivist Robert Neuwirth, und sein Thema war „D.I.Y. City“, also die do-it-yourself Stadt. Da ging es weniger ums Bäume umstricken und Graffitos als um die weltweite (Zurück)Eroberung der Städte durch die Menschen, und zwar die Menschen ganz unten. Menschen, die sich selbst ihre Häuser und Städte bauen, z.B. in Afrika und Asien (aber nicht nur!) und ihre Märkte selbst finden und bedienen, z.B. mit piratierten Handys und Markenkleidung.
Piraten zapfen Stromleitungen an und versorgen so ihre Slums z.B. mit der Möglichkeit, Wasser zu pumpen – das bedeutet, weniger potentiell tödliche Epidemien und Krankheiten durch Keime und Fäkalien. „Wenn Sie einen Besitz in Form von Bargeld, Immobilie, Auto oder anderen Dingen in Höhe von 2.138 US $ bzw. 1.652 € oder mehr sind, herzlichen Glückwunsch: Sie gehören zu den reichsten 50% der Menschen auf diesem Planeten.“ Puh.

Neuwirth fuhr fort und plauderte aus dem Nähkästchen, warum (Marken)piraterie eine gute Sache sei, z.B. bei Handys – es werden mit gefälschten Nokia Handys Menschen miteinander verbunden, die sich andernfalls kein solches Kommunikationsmittel leisten könnten. Gleichzeitig verbessern die Piraten (aus China) die Originale, so wurden beispielsweise „Nokia“ Handys verkauft, die zwei oder drei SIM-Karten aufnehmen können, weil in Afrika alle paar Kilometer ein anderes Netz existiert und man so nicht länger drei Handys mit sich herumschleppen musste. Nokia sah dies und hat reagiert: inzwischen bieten sie selbst solche Handys and (und haben den Preis auf wettbewerbsfähige 19 Dollar pro Teil reduziert).

Er erzählte auch, daß beispielsweise ein Manager eines großen, internationalen Sportswearunternehmens sagte, die Piraten seien grundsätzlich sehr wichtig für die Branche, und zwar als Marktforscher – was nicht piratiert wird, kann schon als Flop angesehen werden. (Aus meinen Erfahrungen in Film- und Musikindustrie kann ich die ähnliche Denkweise bestätigen – ein Film, der nicht vor Start in einer Tauschbörse in großen Stückzahlen heruntergeladen wurde, wird vermutlich ein Flop. Studios setzen auf diese Art von MaFo inzwischen mehr als auf klassische Screenings.)

Mehr dazu in Neuwirths Blog Squattercity und seinen Büchern „Shadow Cities: A Billion Squatters, A New Urban World“ und „Stealth of Nations: The Global Rise of the Informal Economy“. Er twittert unter @RobertNeuwirth. Das Video seines Vortrags werde ich hier einbinden, sobald es verfügbar ist.

Ein Redner fiel krankheitsbedingt aus, dafür wurde nun ein Talk aus der Konserve gezeigt; Kent Larson sprach auf der TED X Boston 2012 über Responsive Cities und das war definitiv sehenswert. Das Video findet sich hier.

Raul Krauthausen: „The Accessible City – How to Increase the Usability of Our Cities for EVERYONE“

Der nächste Redner war Raul Krauthausen, den ich schon im letzten Jahr auf der re:publica kennenlernen durfte und der erst vor kurzer Zeit u.a. für sein Projekt Wheelmap.org mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde (Anm. d. Red.: endlich mal einer, der es auch verdient hat). Raul stellte nicht nur die „Bundesligatabelle der barrierefreien Städte“ sondern auch Projekte vor, bei denen u.a. Schüler sich in den Rollstuhl setzen um ihre Stadt aus einer anderen Perspektive im wahrsten Sinne zu erfahren und wies darauf hin, daß Architekten und Architekturstudenten von heute entsprechend in Sachen Barrierefreiheit geschult werden müssen, wenn ihre Werke nicht noch in Jahrhunderten so behindernd sein wollen wie die schöne Laeiszhalle, in der wir uns gerade befanden (von Haller/Meerwein zwischen 1904 und 1908 im neobarocken Stil erbaut).

Was mich jedoch am meisten erschütterte: Sein zu Wheelmap gehörendes Projekt Tausendundeine Rampe hat bislang zu nur 50 gespendeten Rampen geführt und das nächste bescheidene Ziel sind 1000 gespendete Rampen. Mit einer solchen Rampe kann ein ansonsten barrierfreies Restaurant oder Geschäft dann wirklich für alle betret- bzw. befahrbahr werden und eine solche Rampe kostet 100 €. Es ist mir völlig schleierhaft, warum sich für solch einen Portokassenbetrag noch kein Unternehmen gefunden hat, Deutschland mal eben flächendeckend mit diesen steuerlich absetzbaren Rampen auszustatten und dabei etwas fürs Unternehmenskarma zu tun. Die meisten Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern jeder Versicherung kosten doch schon mehr als dafür benötigt würde! Und mir kamen wieder die 119,- € in den Sinn, den diese Veranstaltung für Besucher regulär kosten sollte.

Raul bloggt unter raul.de, twittert als RAULde und wer eine Rampe spenden möchte, kann das hier tun: Tausendundeine Rampe (I’m looking at you, Daimler, Lufthansa, Audi, Deutsche Bahn, Vodafone, Telekom etc. – Konzerne, die sich das Thema Mobilität auf die eine oder andere Art auf die Fahnen geschrieben haben.)

Thomas Hohenacker: „Clevercityparking“

Thomas Hohenacker war der nächste Redner, und bei ihm ging es um cleveres Parken in den Städten. Er stellte einige Zahlen vor, nach denen ein Drittel des täglichen Stadtverkehr für die Suche nach einem Parkplatz draufgehen und zwanzig Minuten pro Suche veranschlagt werden dürfen – das ist eine Menge Lebenszeit, die so sinnlos verplempert wird, von Sprit mal ganz zu schweigen. Seine Firma will den Faktor Glück aus der Gleichung nehmen und mittels technischer Hilfsmittel wie Kameras und Big Data die verfügbaren Parkplätze jederzeit sichtbar machen. Eine App zeigt den Suchenden an, wo freie Parkplätze sind bzw. wo planmässig welche frei werden und das sogar massgeschneidert für die Autogröße – von Smarts bis SUV. Da allerdings die meisten Menschen (in Hamburg angeblich 50-80%) nicht ordentlich für ihre Parkplätze bezahlen, ist das mit der Planung so eine Sache. Mit ihrem Tool käme die Stadt den „Parkdieben“ auf die Schliche.

Ich bin nicht so ganz überzeugt von dem Konzept; zum einen auch deshalb, weil ich nicht finde, daß Parken doppelt bezahlt werden sollte. Als Autofahrer zahlt man ohnehin sehr viel mehr Steuern und die komplett überhöhten Parkgebühren sind legalisierter Straßenraub der Kommunen – umgekehrt wird jedoch so gut wie nichts mehr zum Erhalt oder zur Pflege der Strassen getan. Aber das ist natürlich eine Philosophie, mit der ich allein auf weiter Flur stehe, schon klar. (Nur als Randnotiz: ich habe kein eigenes Auto mehr, nutze Rad, ÖPNV und habe mich gestern am Sponsorenstand auf der TED X Hamburg für Car2Go angemeldet, danke. Kein Bashing erforderlich.)
Zum Anderen hasse ich diese Kameraüberwachung des öfentlichen Raums und es war mir schon bei den Fotos auf seinen Präsentationsfolien unbehaglich.

Hohenacker hat noch keine Website für das Projekt, er selbst ist über XING erreichbar.

Die musikalische Unterbrechung kam vom Improvisationskünstler Roland Satterwhite und hat mir gut gefallen. Bluesklänge auf einer Geige? Ungewohnt. Muss ich nicht dauernd haben, aber das war definitiv keine verschenkte Zeit.

Es folgte die erste Pause, und die war auch dringend nötig, denn der Sauerstoff im Saal war fast zur Neige gegangen. Wir sassen etwas weiter hinten, unter dem Balkon des ersten Rangs und dort war es extrem stickig. Leider wurde das im Laufe des Tages immer schlimmer; später nickte Markus neben mir mehrfach kurz weg und ich hatte erstmals das Gefühl, bald ohnmächtig zu werden. Als die Pause kam, rannten wir folgerichtig hinaus und stürzten an die offenen Fenster im Treppenhaus bzw. gingen hinaus vor die Tür. Dort traf ich – long time no see! – Benjamin, der fleissig fotografierte und dessen Team von viergleicheins.de für die fantastische Live Visualisierung der Veranstaltung per bis kurz vor Konferenzbeginn programmierten Tools flyp.tv verantwortlich zeichnete (wenn ich das richtig verstanden habe).

Nach den TED Richtlinien soll kein Vortrag länger als 18 Minuten dauern und wir hatten nun drei Live- und einen Konservenvortrag hinter uns. (Die Konservenvorträge sind Pflichtvorgabe von TED an die TED X Local Teams.) Alle Vorträge waren zwischen ganz interessant bis sehr inspirierend und verlangten einen hohen Konzentrationsgrad vom Publikum. Alle Vorträge bei TED sind in englischer Sprache und das war für einige sicherlich noch eine weitere Hürde (vor und auf der Bühne). Die Schlagzahl war sehr hoch, das war hier definitiv nicht die re:publica oder die NEXT (ohne diese beiden Konferenzen damit abwerten zu wollen).

Reinier de Graaf: „Foresight in Hindsight“

Nach der Pause ging es weiter mit Reinier de Graafs mir etwas zu hektischen Vortrag „Foresight in Hindsight“ über das Thema Zukunftsprognosen und es gab spannende Einblicke: Natürlich sind viele Prophezeiungen blanker Unfug und haben sich als haltlos herausgestellt; ich habe irgendwann nicht mehr mitbekommen, wie häufig die Welt untergehen oder Christus zurückkommen sollte. Die größte Treffsicherheit haben offenbar noch „(Science) Fiction“-Autoren – Politiker hingegen liegen fast immer daneben. Es mag daran liegen, daß Prophezeiungen ja letztlich auch etwas wie „Fiction“ sind. Auch aufschlussreich: das Verhältnis zwischen Utopien und Dystopien über die letzten Jahrzehnte und zwischen den USA und China.

De Graaf ist Architekt und Partner bei OMA. Ich werde seinen Vortrag inkl. sexistischer Sprüche hier einbinden (wie die anderen auch) wenn das Video verfügbar ist.

David Satterthwaite: „How to Ensure that Aid Really Does Empower Urban Poor Groups“

Es folgte Prof. David Satterthwaite, der sanft aber nachdrücklich und durchaus unterhaltsam davon erzählte, wie man sicherstellt, daß das gespendete Geld auch bei den Bedürftige ankommt und tatsächlich die Empfänger ermächtigt, damit das zu tun, was sie für erforderlich halten. Er erzählte von obdachlosen Frauen in Afrika, die schmale 18.000 US $ für eine Siedlung benötigten, die sie selbst zu bauen gedachten und daß es keine Organisation gab, die ihnen helfen konnte – weil die Organisationen in der Regel vor Ort mit den Regierungen sprechen und den Rest kann man sich denken. Diese Frauen hatte einfach niemand auf dem Schirm. Letztlich konnte das Problem auch aufgrund der Arbeit des IIED gelöst werden und Satterthwaite wurde entsprechend belohnt:

Picki brachte ansonsten auch mein Gefühl zu diesem Vortrag auf den Punkt:

Auftritt der ersten Frau auf der Bühne, die das E für Entertainment mit Leben füllte: Cäthe. Tolle Stimme, gute Performance, es ist halt mühsam so am Vormittag, zumal dank des Sauerstoffmangels alle halbkomatös auf ihren Sitzen hingen.

Genau.

Sam Hill: „Experiencing Cities“

Als nächstes sprach Sam Hill über „Experiencing Cities“ und das war nun der erste Vortrag, bei dem ich wirklich nur dachte ‚och, ja, next please.‘ Hill erzählte von Erfahrungen, die in den Städten für die Besucher der Nachwelt erhalten bleiben sollen, daß Städte große Tagebücher seien und das war vielleicht ganz interessant, aber nicht besonders kohäsiv vorgetragen. Oder aber ich litt schon zu sehr unter Sauerstoffmangel, das kann auch sein. Es endete mit einer gescheiterten Einkaufspassage in ReEading (UK), die sich die Anwohner als Zombiemassaker-Paintballspielplatz zurückerobert haben. Ja gut, äh. Wer’s braucht.

Tusch!

Fabienne Hoelzl: „Upgrade Your Slum“

Die Schweizer Architektin Fabienne Hoelzl erzählte über Slums und daß jeder vierte von uns in der Zukunft (so ab ca. 2030) in einer sog. „informellen Siedlung“ leben wird. Nunja, wie wir ja gerade gelernt hatten, sind Prognosen immer sehr unsicher, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Aber inhaltlich flanschte das natürlich prima an den ersten Vortrag vom Vormittag an und an den von David Satterthwaite. Auch wenn sie leider etwas aufgeregt, leise und schnell sprach, so lohnte es sich sehr, ihr zuzuhören. In „Upgrade your slum“ berichtete sie aus allen schmutzigen Ecken der Erde und besonders aus Afrika und leise aber nicht zu überhören rief sie dazu auf, den Frauen mehr (konkrete) Macht zur Selbsthilfe zu geben, denn: „The Women run Africa“.

Mehr über Fabienne Hoelzl gibt es hier.

Ja, diese Quote ist beschämend, ohne Frage.

Wer noch nicht in Ohnmacht gefallen war, ging nun raus, raus, raus! Und ab zum Lunch. Ich musste mich leider rausziehen, da die Arbeit rief, fuhr nach Hause, arbeitete fleissig und hatte im Hintergrund den Livestream laufen. Darüber bekam ich immerhin noch die letzten Vorträge mit, für deren Beschreibung ich jetzt und hier leider keine Zeit mehr habe, aber ich bin sicher, die Bloggerkolleginnen und -kollegen werden das auffangen.

Ein Fazit:

Mein Fazit: Weniger wäre mehr gewesen. Einige Vorträge hätten gerne länger dauern dürfen und wenn ich die vergleichsweise popelig geringen Beträge gehört habe, mit denen man Menschenleben retten, Lebensumstände verbessern kann und dann die unfassbare Liste von Sponsoren, die bitte beklatscht werden wollten in Zusammenhang mit dem Ticketpreis von 119,- € und besagten nötigen Geldern für die genannten Projekte bringe, wird mir schwindelig.

Wie kann es angehen, daß eine solche Veranstaltung ohne großen Bühnenaufwand in einem relativ kleinen Saal für ein paar hundert Leute ein solches Vermögen kostet, daß es dafür sechsundzwanzig (!) Partner bzw. Sponsoren braucht? Was ist denn daran bitte so teuer gewesen? Strom, Licht und Audiotechnik, Miete, Catering – das kann doch nicht angehen! Das WLAN hat auch nicht funktioniert (was ich nicht weiter schlimm fand), aber wofür ist bitte das ganze Geld bei der TED X Hamburg draufgegangen? Ein paar Dutzend Frauen bauen sich in Afrika eine Siedlung für 18.000 Dollar und … Irgendwie fehlt mir da ein Baustein im Gebäude.

Aha.


[social-bio]

Die Norddeutsche Gartenschau im Arboretum Ellerhoop

Hier geht es zur Norddeutschen Gartenschau im Arboretum Ellerhoop

Hier geht es zur Norddeutschen Gartenschau im Arboretum Ellerhoop

Die weltbeste Mutter wünschte sich einen Pfingstausflug in die Norddeutsche Gartenschau im Arboretum in Ellerhoop. Wie könnte ich da nein sagen?

Für die weltbeste aller Mütter sind Gärten und Parks, Blumenschauen oder allerwenigstens Pflanzencenter das, was für mich Ausflüge in Buch- oder Musikalienhandlungen oder Künstlerbedarfsläden sind: magische Reisen in den siebten Himmel, Balsam für die Seele, das pure Glück. Und obwohl ich bei diesen zum Pfingstfest doch recht unchristlich anmutenden Witterungsbedingungen nicht ganz so dringend Blumen gucken muss, so erfreue ich mich natürlich auch grundsätzlich an schönen Gärten. Also begaben wir uns auf die ziemlich leere A23 gen Norden, fuhren in Tornesch ab und parkten wenige Minuten später hinter dem schönen, großen Bauernhaus, in dem u.a. das zum Park gehörende Café beherbergt wird.

Der Eintritt von 7€ pro Nase darf, gemessen an den Kursen der aktuell im Süden stattfindenden Internationalen Gartenschau, nachgerade als Schnäppchen durchgehen. Schüler/Azubis/Studenten, Schwerbehinderte, ALG II-Empfänger etc. kommen für 6€ in den Genuss, Kinder bis 7 Jahre dürfen gratis hinein, Kinder zwischen 8 und 16 Jahren zahlen moderate 2€ und seinen Hund darf man auch (angeleint) mitbringen.
Der ca. 7,5 ha grosse Park ist barrierefrei für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator und beides kann man übrigens vor Ort auch bei Bedarf ausleihen.

Das Arboretum liegt im Baumschulland, wie ich die Gegend zwischen Pinneberg und Itzehoe im Geiste immer nenne. Es wurde aus einer Baumschule heraus gegründet und der Schwerpunkt der Arbeit des e.V. lag lange Jahre auf der überwiegenden Präsentation von Gehölzen und der Schulung und Bildung der Besucher. In den letzten dreissig Jahren hat sich das Angebot jedoch sehr ausgedehnt und es gibt z.B. farblich sortierte Minigärten, einen geologischen Erlebnispfad, dessen Höhepunkt für mich ein Sumpfzypressenwald aus dem Tertiär war, oder auch eine Nutzpflanzenschau. Es gibt unglaubliche Rosen- und Päonienbüsche, einen Bambuspfad, einen Bereich zum Thema Bernsteingewächse, fleischfressende Pflanzen, Lotos- und Seerosenpflanzen, Kräutergärten (sehr schön dort die in Braille beschrifteten Pflanzenschilder, wo Sehbehinderte ermutigt werden, die Pflanzen zu betasten) und vieles mehr.

Chilenischer Riesenrharbarber im Arboretum Ellerhoop

Chilenischer Riesenrharbarber im Arboretum Ellerhoop

Man kann überall stundenlang stehen und staunen, fühlen, riechen, lernen oder einfach nur hindurchschlendern und geniessen. Das Kamelienhaus ist ganz toll und übrigens gibt es immer wieder versteckte Nischen und Pfade, die besonders den Kindern gut gefallen, wie ich sah. A propos: einen Kinderspielplatz gibt es natürlich auch; er ist nicht sehr riesig, aber Kinder werden überall im Park extra angesprochen aktiv zu sein und z.B. nach Bernstein zu buddeln, durch in Kinderhöhe aufgestellte Guckis über den See zu schauen oder ein Insektenhotel zu bewundern.

Sumpfzypressenwald im Arboretum Ellerhoop

Sumpfzypressenwald im Arboretum Ellerhoop

Wenn man müde wird, kann man im ehrenamtlich betriebenen Café zu sehr moderaten Preisen den selbstgebackenen Kuchen essen. Auch Würstchen gibt’s, und natürlich die passenden Getränke. Neben dem Eingang gibt es noch einen Pflanzenverkauf einer Gärtnerei (vornehmlich Stauden), dort haben wir sicher noch einmal eine gute halbe Stunde verbracht, so toll war das.

Die IGS werden wir uns wohl aufgrund der saftigen Eintrittspreise dort schenken und lieber in den nächsten zwei oder drei Wochen noch einmal ins Arboretum Ellerhoop fahren, schon weil wir uns sehr auf die Päonienblüte freuen und das Wetter dann hoffentlich auch etwas freundlicher ist.

Förderkreis Arboretum
Baumpark Ellerhoop-Thiensen e.V.
25373 Ellerhoop, Thiensen 4

Homepage Norddeutsche Gartenschau
Homepage des Arboretums Ellerhoop
Wikipedia-Eintrag


Größere Kartenansicht

[social-bio]

Schönes Wochenende!

Läuft.

Der Frühling ist da, der Schnee ist weitgehend geschmolzen und nur noch gelegentliche Matschflecken auf den Hundebesitzern deuten an, daß man beim Elbspaziergang besser nicht den feinsten Zwirn und das beste Schuhwerk herzeigt. Bald blühen die Kirschbäume an Teufelsbrück und andernorts — das Team hier im Bild wartet auf den 36er Bus, den Luxusliner, der Hamburgs schönste Strecke fährt.

Rückblicke und Ausblicke 2012

Rückblicke und Ausblicke 2012

Letztes Jahr um diese Zeit schrieb ich

Aber dieses Panama ist sehr schön und sehr verwildert und es gehört mir, ich muss es nur wieder in Besitz nehmen, mit all den gewonnenen Erfahrungen, die ich seither gemacht habe. Darauf freue ich mich in 2012.

Und ich bin immer noch dabei, mir Panama zurückzuerobern. Musikalisch war dieses Jahr eine verlorene Zeit; ich habe kaum mal ein Instrument in die Hand genommen. Gebloggt habe ich wieder etwas mehr, glaube ich. Irgendwann im Sommer habe ich damit aufgehört, täglich meine Tweets zu löschen. Gleichzeitig twittere ich weniger als früher; ich werde das in 2013 noch weiter zurückdrehen, genau wie meine Facebook-Aktivitäten (die im Januar bis auf Hinweise zu Blogeinträgen komplett eingefroren werden). Das Blog wird noch mehr zum Dreh- und Angelpunkt meiner Webaktivitäten. Ein neues Theme ist in Arbeit und ich werde diese Seite mit meiner anderen verbinden und umwandeln und auch ein Shop steht am Horizont, für … aber lasst Euch überraschen. (mehr…)

Link(s) vom 21. Dezember 2012

Link(s) vom 21. Dezember 2012

Zuletzt aufgelesen:

  • „Den’ geht es dann hier besser wie uns“
    „Ein Moorfleeter wollte in aller Ruhe besprechen, wie man nun das Problem des Zauns lösen solle – welcher ohne Frage um die Unterbringung zu ziehen sei. Er könne sich ja nun wirklich nicht vorstellen, daß die Flüchtlinge frei im Dorf herumlaufen sollen. Außerdem solle das Gelände Tag und Nacht ausgeleuchtet werden, damit man deren Machenschaften auch 24 Stunden lang beobachten könne. Natürlich bräuchten die Flüchtlingskinder auch einen Spielplatz. Denn auf dem vorhandenen Spielplatz würden ja schon die Moorfleeter Kinder spielen. Applaus in der Halle.“

Kinder als Lärmbelästigung

Kinder als Lärmbelästigung

Aktuell hat sich eine Gruppe Anwohner des Hamburger Stadtteils St. Georg dazu entschlossen, gegen die Lärm- und Staubbelästigung durch spielende Kinder in der benachbarten KiTa vor Gericht zu ziehen. Die KiTa gehört zur Kirche, und da auf dem fraglichen Hof seit rund 150 Jahren Kinder spielen, darf man wohl getrost davon ausgehen daß die fraglichen Anwohner erst später dazugestoßen sind – unabhängig davon, ob sie nun seit 50 Jahren im immer hipper werdenden und akut von den hässlichen Auswüchsen der Gentrifizierung betroffenen Bahnhofsviertels wohnen und nicht so genau wissen, ob und wie sie sich die deshalb stark gestiegene Miete im nächsten Jahr noch leisten können, oder aber zu denjenigen gehören, die St. Georg gerade erst entdeckt haben und gestern eingezogen sind, weil es eben so schön dort ist. (mehr…)

Winterhude

Winterhude

Mein erste Begegnung mit Winterhude hatte ich zu Schulzeiten, als man gelegentlich ins „Magazin“ Programmkino ging, das immer mal die Highlights abnudelte: Hair, Harold & Maude, Blues Brothers, Rocky Horror Picture Show etc. Das war (und ist) mit Bus und Bahn eine kleine Weltreise für ein Hamburger West End Girl im Teeniealter und ohne Führerschein: Mit der S 1 bis Altona, umsteigen bis Sternschanze, dort umsteigen in die U3 bis Kellinghusenstraße a.k.a. „Kelle“, dort schliesslich in die U1 bis Lattenkamp. Dabei gefiel mir das Stück ab Sternschanze immer ganz besonders gut; man bekam von der Hochbahnstrecke aus einen guten Einblick in das Leben in Eppendorf und Hoheluft, wo noch viele schöne Altbauvillen stehen. Später, in Winterhude, ist dann fast alles nur noch Rotklinker, Schumacherland, aber es hat seinen ganz eigenen Charme. Die letzten Meter zu Fuss zum Kino waren dann nicht mehr ganz so spannend; Winterhude hat seinen Anteil öder Mietskasernen. Vielleicht sind die aber auch gar nicht so öde, ich war Jahrzehnte nicht mehr im Magazin und habe den Weg auch nur noch verschwommen in Erinnerung.  (mehr…)

Nienstedten

Nienstedten

Nachdem ich im Zuge der Stadtteilberichterstattung neulich schon bei Maximilian über Blankenese berichten durfte, kommt heute mein Lieblingsstadtteil dran: Hamburg-Nienstedten.

Nienstedten ist der Stadtteil, in dem ich in Hamburg meine Jugend verbracht habe und den ich noch heute fast jedes Wochenende besuche, denn meine Familie lebt dort und auf dem Weg zum Golfplatz komme ich dran vorbei. Das kleine Dorf an der Elbe, tief im Hamburger Westen, das zwischen Blankenese und Flottbek liegt und im Hinterland von Osdorf und Othmarschen begrenzt wird, hat einen nach wie vor sehr dörflichen Charakter. Jeder der rund 7.000 Einwohner kennt jeden, so scheint es, und das ist auch gewollt so, denn dies ist der reichste Stadtteil Hamburgs. (mehr…)

Über Blankenese

  • Veröffentlicht am 15th November 2012,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar

Maximilian sucht für sich, die Herzdame, Sohn I und II eine neue Wohnung, natürlich  möglichst in seinem angestammten Stadtteil, den er, wie jeder Hamburger, nur ungern verlassen würde. Da das Gelingen dieses Vorhabens aber ob des generellen Mietendramas in der Stadt und in St. Georg im Besonderen  immer mehr ins Schwanken gerät, schaut er nun notgedrungen auch übern Tellerrand und bat Hamburger Blogger um Mithilfe bei der Auswahl: Wir mögen doch unsere eigenen Stadtteile vorstellen. Ich habe etwas zu Blankenese beigesteuert,  an dessen Grenze ich die ersten 15 meiner nunmehr 38 Jahre in dieser schönen Stadt verbrachte und das mich vermutlich beim nächsten Besuch teeren und federn wird.

Bitte hier entlang.

 

Feierabend

  • Veröffentlicht am 24th Mai 2012,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar
Feierabend

Auf dem Nachhauseweg vom Einkaufen kommt mir ein junger Mann entgegen, vielleicht achtzehn, höchstens zwanzig Jahre alt. Er trägt eine bekleckerte weisse Malerhose, ein dünnes T-Shirt ohne Aufdruck und einen Ohrring, sein Arbeitstag scheint zu Ende zu sein. Sein Gang ist der eines sehr jungen Hundes einer sehr großen Rasse, der noch durch sein zu großes Fell rutscht und mit seinen großen Pfoten nicht umzugehen weiß. Irgendwie hat er schon mitgekriegt, daß er wild und gefährlich sein soll, aber eigentlich ist er viel zu verspielt und niedlich und imitiert daher den rollenden, drohenden Gang der anderen, älteren Rudelmitglieder mehr schlecht als recht. Wenn er alleine ist, vergisst er das auch gelegentlich. So wie jetzt. (mehr…)

Kickstart für eine coole Hamburger Band namens SCHMITTEN!

Heute mach’ ich mal etwas Werbung für eine spannende Hamburger Band, die ihr neues Album zu einem Drittel crowdfunden will und deshalb auf Nordstarter ziemlich coole Dinge anbietet. Für 15 € gibt es eine von allen Bandmitglieder signierte CD und für vergleichsweise schlanke 100 € erscheint die Truppe sogar auf Eurem Balkon und spielt Euch eins!
Musikalisch ist das alles natürlich wie immer schwer zu beschreiben und genau deshalb einfach umwerfend. Los, los!

Zwischendurch: Herbstlesung

  • Veröffentlicht am 13th November 2011,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar
Zwischendurch: Herbstlesung

Der goldene Herbst geht jetzt in einen knackig-kalten Winter über. Es ist wieder DOM, und endlich kann man wieder Mutzenmandeln essen und sich an der heissen Papiertüte die Finger wärmen.

Die Herbstlesung gestern im Le Kaschemme war ein schönes Highlight dieser Woche. Isabel Bogdan las ihr Wacken-Erlebnis vor, und live ist das fast noch mal so gut wie selbst gelesen, und dabei habe ich mich damals vor Lachen schon fast eingenässt. Kid37 las skurrile Vignetten und lässt mich das Thema Fliesenverlegung mit ganz neuem Blick sehen. Eine Singer-Songwriterin namens Dragana spielte ein paar ihrer Stücke. Und Maximilian Buddenbohm gab ein Häppchen aus seinem im März erscheinenden Buch „Marmelade im Zonenrandgebiet“ – eine Fortsetzung von „Es fehlt mir nicht, am Meer zu sein“ – zum Besten und wir bewunderten seine sensiblen Knie. Dazwischen traf ich gerne einmal wieder ein paar liebgewonnene Nasen aus meiner Twittertimeline, darunter z.B. Little Jamie, Binnewies, die Herzdame, Jawl (mit sehr netter Begleitung) und das Bronchitisgeröchel und die Hexenschussschmerzen hielten sich auch angenehm zurück, so daß der Abend als voller Erfolg verbucht werden kann.

Vor und nach dem Mittagsschlaf

  • Veröffentlicht am 10th September 2011,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar
Vor und nach dem Mittagsschlaf

Es ist morgens etwa halb sieben, als ich im strömenden Regen in den dämmerigen Morgen hinaustrete. Ich drücke den Knopf der Fußgängerampel vor meinem Haus und renne kurz darauf bei rot über die Straße durch die Lücke im Verkehr, die sich unerwartet aufgetan hat. Im Geiste entschuldige ich mich bei den gleich fluchenden Autofahrern, die nun unnötigerweise vor einer Ampel anhalten müssen. Aber ich habe keinen Schirm und meine Schuhe sind nicht für stundenlanges Warten in Pfützen gedacht sondern für das Leben im Büro. Ich sprinte den Schleichweg über den Hinterhof der Nachbarn, vorbei an den Mülltonnen und ducke mich unter den nassen Zweigen der Magnolie durch, bis ich in der winzigen, kopfsteingepflasterten Gasse bin, in der ich am Vorabend spät mein Auto abgestellt habe. Ich stehe gern hier, hinter der Kirche, auch wenn ich weder religiös noch sonderlich gläubig bin. Ich denke, mein kleiner Smart steht hier wohlbehütet, so nahe an Gottes Haus. Wahrscheinlich ist das Aberglauben der allerschönsten Sorte. (mehr…)

Die Golf Lounge Hamburg

Es gibt sie jetzt schon ein paar Jahre, die Golf Lounge Hamburg. Hinter dem selten dämlichen Namen (Golf ist Sport und Lounge steht für ausruhen, danke, genau das braucht dieser Sport: noch mehr Leute, die denken da gehen nur reiche Rentner spazieren, die anschließend in tiefen Ledersesseln Whisky-Sour süppeln!) steckt ein gar nicht mal so blödes Konzept. Wer schon in Japan oder US-Großstädten war, oder das remake von The Italian Job gesehen hat, kennt das vielleicht: In Abschlagskäfigen auf mehrere Stockwerke übereinander verteilt stehen Golfer wie Hühner in der Legebatterie, um ein Ei einen Rangeball nach dem anderen auf einen schmalen, flutlichtbeleuchteten Streifen Kunstrasen zu schlagen. Hinter ihnen stehen Sessel und Tische für die mitgebrachten Freunde oder anderen Wartenden, wo gechillt und  gelounged werden darf, was man auch unschwer an der Fahrstuhlmusikauswahl erkennen kann. Man kann Bierchen bestellen, Sandwiches etc. und darf rauchen. (mehr…)

Always Ultra

Wir freuen uns über alle St.PaulianerInnen, die unseren Stil leben wollen, egal ob ihr aus der Nordkurve, von Sitzplätzen oder aus der Gegengerade kommt. Und wenn irgendwann 3.000 Ultras Arm in Arm mit dem Rücken zum Spielfeld hüpfen, sich und vor allem diesen großartigen Verein mit heißem Herzen feiern, und die Mannschaft sich bei entsprechendem Einsatz auch in schlechten Zeiten auf die Unterstützung der Kurve verlassen kann, dann werden wir uns an diese Monate zurückerinnern, als der Grundstein für dieses Kapitel der braun-weißen Fangeschichte gelegt wurde. Lebt St.Pauli! Lebt ultrà!

Aus: Ab in den Süden

 


Hamburg 1971

Diesen wunderbaren Werbefilm für die schönste Stadt der Welt habe ich bei Markus gefunden, der ihn bei Spreeblick fand, wo es auch noch ein paar Hintergrundinformationen gibt.

Ich bin im Winter 1978/1979 (ja, genau, dem Winter aller Winter) nach Hamburg gezogen und kann mich zwar nicht mehr an die ARAL Tanke am Eingang zur Reeperbahn erinnern, anstelle derer dort anschließend ein Bowlingcenter mit Chinamann und Musikalienhandlung errichtet wurde, siehe auch mein Artikel „Aftermath“. Aber an viele weitere Gebäude, die schon lange nicht mehr stehen. Mümmelmann’s Berg und den Osdorfer Born, oder auch die City Nord habe ich jedoch nie als architektonische Meisterleistungen gesehen …

Frage zur Wahl

Mal unabhängig von den nicht vorhandenen Inhalten, die über schlechte Plakate transportiert werden sollen – Warum plakatieren die Parteien hauptsächlich in den Stadtteilen, in denen sie sich ohnehin ziemlich sicher sein können, daß ihre Stammwählerschaft dort wohnt? Wer bei CDU und (mehr noch) FDP glaubt, daß es jemanden in Hamburg-Nienstedten, Rissen oder Blankenese gibt, der sie nicht wählt und, schlimmer noch, der sich von einem nichtssagenden Plakat beeinflussen lassen wird, sein Kreuz an der entsprechenden Stelle zu machen? Für wie lobotomiert halten die Linke und die Grünen die Leute in Ottensen, Altona, St. Pauli etc., daß sie ihre Plakate dort aufhängen, wo sie sowieso die meisten Stimmen einfahren? Wäre es nicht schlauer, in der gegnerischen Hälfte aufs Tor zu schießen, wenn man punkten will? So werden doch rundherum Eulen nach Athen getragen, oder?

Immerhin erfährt man auf diese Weise, daß die Gartenzwergnazis Schrebergartenbesitzer zwischen Stellingen und Lurup offenbar ein gutes Verhältnis zu den Werten der NPD haben, daß sich die Freien Wähler an der Elbchaussee gute Chancen ausrechnen und daß die Piraten offenbar glauben, vorm Tennisstadion Rotherbaum versammele sich ihre Wählerschaft.

Winterwunderland

Winterwunderland

Ich mag diesen Winter. Die knackige, aber trockene Kälte. Den Schnee auf den Ästen und Zweigen der Bäume. Die Stille. Das Winterwunderland. Ich liebe jede Minute davon, bis zum Neujahrstag. Ab dem 2. Januar darf es dann gerne wieder heller und wärmer werden, wenn’s nach mir geht. Geht es aber vermutlich auch dieses Jahr wieder nicht. Egal – so wie es jetzt ist, so kann’s gern bleiben!

Hamburgs Blogger

Hamburgs Blogger

Den Hamburger Fotografen Stefan Groenveld hatte ich ja neulich schon mal verlinkt; er hatte Isabel anlässlich seines Winterprojekts „Hamburger Blogger“ unterwegs im alten Elbtunnel portraitiert. Ich lese sein Blog schon sehr lange und bewundere vor allem seine spannungsgeladenen Sportfotos vom magischen FC oder den Hamburg Freezers. Insofern fühle ich mich sehr geehrt und war hoch erfreut, daß er mich in meiner natürlichen Umgebung, nämlich auf dem Golfplatz, portraitieren würde. (Also, meiner anderen natürlichen Umgebung … jenseits des Schreibtischs. (mehr…)

Winterdom

Winterdom

In dem bösen Text über Hamburg neulich fand sich, wie in den meisten bösen Texten, auch ein Körnchen Wahrheit: Es braucht schon einen besonderen Schlag Menschen, der bei Nieselregen, Eis und Schnee einen Jahrmarkt- bzw. Rummelplatz ansteuert und daran Vergnügen findet, in der Kälte, umwabert von Gyros-, Glühwein-, Fischbrötchen- und gebrannte-Mandeln-Duft, auszuharren bis das Riesenrad anhält und man einsteigen und die schönste Stadt der Welt bei Nieselregen, Eis und Schnee von oben geniessen kann. (mehr…)

Kulturtipp, neuer Anlauf

Beim letzten Mal musste ich dringend weg und konnte nicht hingehen. Heute muss es klappen, obwohl ich gerade so schön im flow bin… das Zeichnen geht gut von der Hand, ich will gar nicht weg vom Schreibtisch, aber wat mutt dat mutt und bei solch einer Spitzenbesetzung gibt es jetzt keine Ausreden mehr:

Isabel Bogdan (soeben wunderbar fotografiert vom „Hamburger Blogger“-Fotograf Stefan Groenveld), Martina Kink (bada-bing!), Andreas Udluft und Maximilian Buddenbohm (z.Zt. noch leidgeprüfter als ohnehin) sind die fantastischen Vier, die uns heute Abend im (in der?) Le Kaschemme die Ehre geben aus ihren Werken vorzutragen. Also runter vom Sofa und ab auf den Kiez mit Euch!

Für Individualisten

Nun ist es also auch bei uns live, dieses Streetview. Meine Straße wurde nicht erfasst; sie ist wohl zu klein, oder zu uninteressant gewesen. Vielleicht hatte der Googlemobilfahrer auch einfach keine Lust, stundenlang hinter einem Umzugswagen zu stehen, nur um ein paar hübsche, aber unspektakuläre Backsteinfassaden und Schrebergartenhecken abzulichten. Vielleicht wohnt er auch in meiner Straße und hatte seine subversiven fünf Minuten, anders als die Kollegen an der ABC-Strasse, die ihm begeistert zuwinkten. „Sieh her, Welt, sieh’ her, Jeff Jarvis – es gibt hier nicht nur Verweigerer des  Kool-Aid Drinks!“ Ich weiß es nicht.

Vor dem Google Hauptquartier, Hamburg.  Bild © 2010 Google

Ich habe hier vor Monaten schon recht ausführlich dargelegt, warum ich gegen StreetView bin. Leider ist u.a. auch dieser Eintrag, mitsamt den vielen interessanten Kommentaren dazu, bei den Blogumbaumassnahmen verschütt gegangen. Aber Enno Park fasst den Kern drüben bei Carta sehr viel besser und präziser zusammen, als ich es wohl könnte:

Die Streetview-Verteidiger behaupten, Streetview sei eine Form von Öffentlichkeit. Ist es nicht. Streetview ist Google, nicht mehr und nicht weniger. Google kann jederzeit den Dienst manipulieren, kostenpflichtig machen, abschalten. […] Der öffentliche Raum bleibt vollkommen unangetastet – niemand sperrt Straßen und Plätze und verweigert uns den Zutritt.

Genau so ist es. Und ich will hier gar nicht groß auf den Terror des digitalen Mobs („Wir sind alle Individuen!“) eingehen, für den jeder, der nicht ihrer Meinung ist, bestenfalls ein kleingeistiger Spießer ist. Daß sich jemand ganz alleine seine Meinung bilden kann gilt offenbar als ausgeschlossen, solange sie der eigenen zuwiderläuft. Nein, da muss man natürlich ein Opfer des Lobbyismus, der Politiker und der Medienschranzen sein.

Das Gejammer der Vermieter war auch vorherzusehen. Da hatten sie sich nun schon die Hände gerieben, keine teuren Kleinanzeigen mit vielen Fotos mehr in den Immobilienportalen, und nun das: Ein Mietling hat doch tatsächlich ihr Haus verpixeln lassen! Und Google twittert schadenfroh:

Was nun, was tun? Verklagen? Ermorden? Wie soll man mit diesem Drama weiterleben?
Wie bisher, würde ich vorschlagen. Die positiven Dinge hervorstellen, wie man das als Verkäufer und Vermieter eben so macht: „Eine Objekt für Individualisten, das müssen Sie einfach selbst gesehen haben!“

Das Banlieue an der Alster

Das Banlieue an der Alster

Ende der 90er Jahre wurde im Hamburger Stadtteil Rotherbaum am verschlafenen kleinen Turmweg diese Wohnsiedlung gebaut. Entworfen von einem namhaften schweizer Architekturbüro das sich der Philosophie von LeCorbusier verpflichtet sieht, preisgekrönt, gefeiert. Am Hamburger Tag der Architektur Anno ‘99 oder 2000 hatte die Öffentlichkeit dann Gelegenheit, die fertiggestellten Wohnungen und Häuser im Rahmen einer Führung auch von innen zu besichtigen. (mehr…)

Aftermath

Aftermath

Music City war eine riesige Musikalienhandlung am Eingang zur Reeperbahn. Gegenüber war das Millerntor-Hochhaus, das 1995 gesprengt werden sollte, nebenan war ein Chinarestaurant (bei dem angeblich die Ratten sowohl unter den Tischen als auch in den Töpfen Platz fanden), obendrüber ein Bowlingcenter. Music City bestand fast ausschließlich aus Schaufenstern, die bis zum Boden reichten und den Blick auf Legionen von Gitarren feilbot. In den Schaukästen vor dem Eingang drehten sich stolz Gretsch Schlagzeuge und Selmer Saxofone. Wenn meine Mutter mit mir in die Stadt fuhr und wir an der Kreuzung anhalten mussten, verdrehte ich mir jedes Mal den Hals um einen Blick auf dieses Paradies zu erhaschen. Aber ich betrat niemals den Laden. Ich hatte zwar schon seit einem Jahr eine Gitarre, eine klassische Alhambra, auf der meine angestrengten Bemühungen, Get Off Of My Cloud zu spielen irgendwie nicht so recht fruchten wollten, aber ich hatte noch keinen Führerschein zu jener Zeit. Und fünfzehnjährig mit dem 36er allein in die Stadt zu fahren und auf dem Kiez auszusteigen, einfach so ins Paradies hineinzuspazieren erschien mir doch zu gewagt als artiges Hamburger West End Girl. Das war 1983. (mehr…)

Buchstöckchen, Sonderausgabe IV

  • Veröffentlicht am 21st Oktober 2010,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar

Loki Schmidt ist heute im Alter von 91 Jahren gestorben. Das macht mich persönlich sehr traurig, denn damit starb eine Frau, die ich sehr bewundert habe. Eine Hanseatin, Mutter, Lehrerin, Atheistin, Naturforscherin, Vorreiterin der ökologischen Bewegung. Sie war außerdem die Ehefrau des Mannes, der, wenn ich das hier mal etwas kitschig-überspitzt ausdrücken darf, das Schiff „Bundesrepublik Deutschland“ in seinen dunkelsten Stunden durch schwere See sicher auf Kiel hielt und den nicht wenige, ich eingeschlossen, für den besten Bundeskanzler in der Geschichte dieses Landes halten. (mehr…)

Noch ein paar Worte zur Schulreform

Das Volk hat gesprochen, die Schulreform in Hamburg ist geplatzt. Ich für meinen Teil bin sehr froh darüber, aus verschiedenen Gründen. Andere sprechen von Klassenkampf, noch wieder andere entblöden sich nicht zu behaupten, „der elitäre Rassismus hat heute in Deutschland gesiegt” oder faseln von deutschem Blut. So viel hasserfüllte Verblendung ist schwer zu ertragen, finde ich. Eine Elite ist per Definition eine kleine Minderheit. Wie eine kleine Minderheit eine deutliche Mehrheit bei einer Volksabstimmung gewinnen kann? Äh, ja. Genau. Das geht natürlich nicht, aber wozu mit Fakten verwirren? Die breite Mitte hat gegen die Schulreform gestimmt, anders wäre eine Mehrheit nicht zustande gekommen. (mehr…)

Frühling!


Die Magnolie im Hirschpark, aufgenommen vor zwei oder drei Wochen.

Das zweite Maiwochenende in Hamburg wird dieses Jahr mal wieder sensationell: Hafengeburtstag (a.k.a. Wurstbudenvollversammlung), japanisches Kirschblütenfest und Feuerwerk an der Alster, Aufstiegspaady des magischen FC St. Pauli am Sonntag, mit public viewing des letzten Heimspiels der Saison auf dem Heiligengeistfeld… alles bei gefühlten drei Grad Celsius und im Dauerregen. Macht nix, Ölzeug an und runter vom Sofa, raus in die Stadt!

Seh-Fahrt tut Not!


Anlässlich einer Veranstaltung des Hamburg Macht Kinder Gesund e.V. war ich heute in das Internationale Maritime Museum (Sammlung Peter Tamm) geladen, wo Mitarbeiter und Ehrenamtliche des Museums und der TU Hamburg-Harburg angetreten waren, den Gästen und vor allem den anwesenden Kindern einen unterhaltsamen und aufregenden Tag zu bescheren. Es wurde anschaulich, kurzweilig und liebevoll erklärt, warum Schiffe schwimmen, wie sich der Schiffbau entwickelt hat, wie man einen Achterknoten, Schotstek und Palstek macht und einen Origami-Katamaran baut.

Und natürlich konnte man das Museum begucken; eine Gelegenheit, die ich vier Stunden lang ausführlich genutzt habe – und ich wette, ich habe noch nicht einmal die Hälfte wirklich gesehen! Dieses Museum hat es aus dem Stand auf die Liste meiner liebsten Hamburger Museen geschafft und ich kann es jedem Hamburger und Besucher , der sich auch nur ein Bisschen für Maritimes interessiert, nur wärmstens empfehlen. Mein nächster regnerischer Sonntag ist jedenfalls verplant.

Der Kulturtipp

  • Veröffentlicht am 18th März 2010,
  • veröffentlicht von
  • mit 1 Kommentar

Da habe ich doch endlich mal Gelegenheit, mich bei Frau Percanta für ihre wunderbaren Argentinienberichte zu bedanken, die mir seit Wochen täglich ein paar Minuten Bildungsurlaub bescheren. Und außerdem wartet ja mein Exemplar der Herzdamengeschichten noch auf seine Signatur. Als Fangirl hab’ ich’s wirklich gut getroffen: ich muß dafür nur ein paar Stadtteile weiter reisen!

Wer unverständlicherweise die betreffenden Autoren noch nicht kennt, sollte diese Bildungslücke ratzfatz schließen:

Percanta

Isa

Bov

Maximilian Buddenbohm a.k.a. Merlix

Alle bekloppt am Millerntor

Ich bin seit vielen Jahren Fan und seit sechs oder sieben Jahren Mitglied des FC St. Pauli, “dem einzig wahren” oder “dem anderen” Fussballverein in Hamburg – je nach dem, wie man das sehen will. Ich bin nicht sehr oft da, weil ich an den Wochenenden offengestanden lieber auf dem Golfplatz bin statt in der Kurve oder der Gegengeraden, aber zum Freundschaftsspiel gegen Celtic Glasgow im Mai, anläßlich der 100-Jahr-Feier des Vereine, das möchte ich schon gern. Ich bin also kein Schönwetter-Fan, denn bei schönem Wetter bin ich natürlich erst recht zum Golfspielen. Und  mir ist es auch recht schnurz, in welcher Liga die Jungs gerade kicken, denn der Fußball interessiert mich auch nur sekundär. Ich mag einfach den Verein, den Stadtteil, die Leute und die Atmosphäre, fertig.

Als Mitglied und/oder als Dauerkartenbesitzer hat man seit dieser Woche Mittwoch ein Vorkaufsrecht auf die Celtic-Tickets, die sicher nicht in allzugroßen Mengen in den freien Verkauf gehen werden. Als ich am Dienstag in meiner Twitter-Timeline also die üblichen Verdächtigen wie @ring2, @Jeky, @sparschaeler, @textundblog oder @Curi0us tweeten sah, die sich für “ab 10h in der Schlange” verabredeten, dachte ich, es gehe um die Schlange für die Celtic-Tickets und zwitscherte fröhlich, ich sei dabei. Nach einer Weile jedoch stellte sich heraus, daß es um die Dauerkarte und um den Sonnabend ging. Und zwar um die Dauerkarte für die Südkurve, deren Ausgabe von den Ultra-Fans des Vereins quasi in Selbstverwaltung reglementiert wird. Die Kurzfassung: Es gibt mehr Interessenten als Dauerkarten, daher kriegen nur Dauerkarteninhaber jedes Jahr garantiert eine neue. Mitglieder oder Normalsterbliche kommen erst danach an den Topf (also nie im Leben). Aber wer bereit ist, ein absurdes Prozedere auf sich zu nehmen um eine Dauerkarte für einen Stehplatz in der Südkurve zu ergattern, der hat eine kleine Chance auf das begehrte Stück. Das ist also nichts für mich, denn obwohl ich schon ein echter Fan bin würde ich ja nur jedes zweite Wochenende einem Menschen,für den der Verein wirklich alles bedeutet den Platz wegnehmen, und das hätte ja wohl nichts mit Fairness zu tun.

Zu dem absurden Prozedere gehört, sich im Winter in die Schlange zu stellen und hoffentlich eine Wunschzettel gegen eine Quittung zu tauschen, die man dann im Sommer gegen die eigentliche Dauerkarte für die Südkurve tauschen kann. Als ich heute früh dann gegen halb neun in St. Pauli aus de U-Bahn stieg und auf den Anschlußbus wartete, sah ich schon eine ziemlich lange Schlange von ca. 1.000 Fans um den Block des Telekomgebäudes herumstehen. Ich dachte kurz an meine Twitterfreunde, die erst in eineinhalb Stunden hier aufschlagen wollten und kratzte mich am Kopf. Ob das reichen würde? Ich fuhr nach Blankenese zum frühstücken und schaute immer mal wieder auf den Stand der Dinge bei Twitter. Wie es aussah, hatte man schon Spaß:

Angrillen im Bollerwagen? WTF? Only in St. Pauli…

Aber am Ende hat es dann doch nicht gereicht; es waren nicht genügend Tickets für alle da. Bitter, vor allem nach über fünf Stunden vergeblichen Wartens und Anstehens. Ein echtes Debakel, keine Frage. Aber ich wette, es hat sich dennoch auf eine Art gelohnt. Und wir sehen uns spätestens im Mai am Millerntor, okay?

Der Müll, die Stadt und das Wetter

Als ich gestern früh den Müll runterbrachte, traute ich meinen Augen kaum: Alle Container waren verschwunden. Verwundert stapfte ich mit der Tüte in der Hand zurück die Straße hinauf, als ich unseren Hausmeister traf. Der erklärte, daß die Stadtreinigung unsere Straße nicht mehr durchfahren wolle, weil diese zu vereist sei, das sei ihnen zu gefährlich. Wenn er die Straße freilegen würde, also die Buckelpiste voller Eisplatten zerschlagen und entfernen, oder anders gesagt: ihren ureigenen Job machen würde, dann kämen sie wieder. Sie hätten auch schon vergangene Woche keine Mülltonnen geleert und wollten ihm für diese Woche wieder einen Korb geben, also hat dieser einzelne Mann im gestandenen Alter von über 50 Jahren insgesamt sechs große, volle, überquellende Müllcontainer olympiareif jeweils gut 100 Meter über verschneite und vereiste Wege, vorsichtig vorbei an all den parkenden Autos an die obere und untere Einmündung der Straße bis zur Hauptstraße gewuchtet, in der Hoffnung daß die Müllabfuhr sich ihrer erbarmen würde.

Das Problem hat nicht nur unsere Straße, wie man auf der offiziellen Seite der Stadtreinigung Hamburg nachlesen kann. Als Anwohner, der täglich Heizöltankwagen und Umzugslaster problemlos und höchstens etwas umsichtiger als sonst durch die Straße rumpeln sieht, kommt man sich da schon etwas verschaukelt vor. Sie sollen ja schließlich hier nicht einparken. Aber in der nächsten Trinkgeldsaison steht mein Favorit jetzt schon fest.

Van Nistelrooy kommt zum HSV

Bitte alle Leser mal melden, die für 100.000 € einen zehn Jahre alten Sportwagen kaufen würden, der zwar noch toll aussieht und ordentlich “brumm-brumm” macht wenn man das Gas aufdreht, aber bereits mehrere heftige Unfallschäden auf dem Buckel und auch ein paar hässliche Kratzer im Lack hat.

Keiner?

Aber der Wagen ist legendär, hat sogar mal einige Rennen gewonnen in jüngeren Jahren und gehörte einer Reihe von wichtigen und prominenten Leuten! Das ist ein Schnäppchen!

Echt nicht? Och kommt, Leute, seid nicht so geizig! Überlegt doch mal, was das hergibt, wenn Ihr damit zum Baumarkt fahrt, oder zum Pokerabend mit den Jungs! Alle werden Euch beneiden und Respekt vor Euch haben!

Was? Verbrauch? Unfallschäden? Werkstattkosten? Wiederverkaufswert? Je nun, ein bisschen Patina ist natürlich dran, aber ohne wär’s ja auch keine Legende, oder? Und ein kleines bisschen Risiko darf schon sein, sonst könnt Ihr auch gleich einen Volvo Kombi fahren, oder?

Also der Wagen macht sich echt schick vor Eurem Haus, man nimmt auch die Mülltonnen gar nicht mehr so wahr!

OK? Echt? Super! Topp!

Viel Spaß damit!

Nachtrag: Der Herr vom Kiez hat sich ganz ähnliche Gedanken gemacht. Aber es gibt natürlich auch andere Meinungen dazu.

Die Bilder in unseren Taschen und Köpfen

Die Bilder in unseren Taschen und Köpfen

Ich steige St. Pauli aus der U-Bahn und ziehe mir rasch eine Ergänzungskarte zu meiner CC-Karte, bevor ich die mal wieder still stehende Rolltreppe ins dichte Schneegestöber hinaufschnaufe: hoffentlich ist mein Anschlußbus noch nicht weg, der fährt nur alle Viertelstunde. Die will ich nicht wartend einschneien. Aber ich habe Glück, er kommt gerade und ich steige ein und grüße die Fahrerin. “Moin!”

“Fahrausweis!” herrscht sie mich an. Ihr Blick ist die pure Verachtung. Ich begebe mich im Geiste in ihren Sitz und schaue mich prüfend an. Eine nasse, verschneite Gestalt mit viel zu langem, verstrubbeltem Haar, in einen tropfenden und nicht mehr ganz neuen Parka mit kaputtem Reissverschluss gehüllt, die St. Pauli einsteigt und einen grauen Rucksack trägt: Vermutlich würde ich mich auch nach der Fahrkarte fragen.

Ich lächele sie an, stelle den Rucksack auf den Sitz und nestele mein Portemonnaie aus der Jackentasche. Sie schnaubt ungeduldig, klar, sie hat einen Fahrplan zu befolgen, aber es ist Sonntag früh neun Uhr und der Bus ist so leer wie die dick verschneiten Straßen. Ich zeige ihr meine CC-Karte und die gerade für die zusätzlichen Zonen gekaufte Ergänzungskarte. Sie starrt auf das Foto und dann auf mich.

“Das ist ein Scherz, oder?”

Ich sehe mir das Foto an. Darauf bin ich fünf Jahre jünger und trage kurz geschnittenes, weißblond gefärbtes Haar. Momentan sehe ich eher aus wie ein dunkelbrauner Bobtail: Nur die Nase schaut noch raus. Ich muß lachen:

“Doch doch, das bin ich, wirklich!”

Sie schnaubt, schütelt den Kopf grunzt etwas und fährt an. Ich setze mich, betrachte mir das Foto und stelle fest, daß die Karte darunter noch die vom letzten Jahr ist, gültig bis 12/09. Die neue liegt zuhause irgendwo in einem Stapel Papiere, die ich auch mal sortieren könnte. Das mache ich dann nächste Woche, gleich nach dem Friseurtermin.

Erwachsen in Ottensen

  • Veröffentlicht am 14th September 2009,
  • veröffentlicht von

Als ich Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts nach Ottensen zog, fragten mich manche, was ich in so einem Arme-Leute-Viertel wolle, noch dazu mit dem Kiez/St. Pauli in so gefährlicher Nähe. “Mottenbewohner” waren Arbeiter, Punks und Alternative, ein paar Chaoten, gelegentlich Lehrer und andere Leute mit viel Freizeit und eher wenig Geld. Ich fand Ottensen einfach schön, war alles andere als ein Besserverdiener (oder ist das schon jeder oberhalb der hast-mal-ne-Mark-Grenze?) und genoß die Vielfalt des Viertels und daß die alte Heimat am anderen Ende der Elbchaussee nur 15 Minuten weit weg war – nur wenig weiter als mein neuer Job am Rödingsmarkt. (mehr…)

Warum mit HVV fahren, wenn man mit LSD fliegen kann?

  • Veröffentlicht am 7th Juli 2009,
  • veröffentlicht von

Das hier ist kein abstraktes Gemälde sondern ein Foto der Sitzbezüge in einem Bus der Linie 22 des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV).

“Na und? Beschmierte Sitzbezüge im öffentlichen Personennahverkehr, erzähl’ uns was Neues” höre ich Euch gähnen.

Das Neue ist: Diese Sitzbezüge wurden nicht von früh bis spät pubertierenden Graffito”künstlern” beschmiert sondern sind brandneu und mit diesem, äh, “Design” bedruckt. Das soll ganz offensichtlich so aussehen, als wäre da schon ein Rudel Schwachmaten mit ihren Eddings drüber hergefallen und hätte die Polster mit ihren Tags verunziert. Der Bus begibt sich sozusagen mit diesen Sitzen schon auf die Jungfernfahrt.

Der Erfolg den ich beobachten konnte war, daß sich die meisten Leute beim Betreten des Busses sehr mißtrauisch die Sitze ansahen, angewidert die Köpfe schüttelten und zwei ältere Herrschaften mit nachlassender Sehkraft sich weigerten, sich mit ihrem Sonntagsstaat auf den “besudelten” Sitzen niederzulassen.

Aber vielleicht ist das ja Sinn und Zweck der Sache, wer weiß? Nicht benutzte Sitze halten schließlich länger!

Radlos

  • Veröffentlicht am 2nd Mai 2009,
  • veröffentlicht von

Angenommen, nur mal angenommen, also rein theoretisch und mal so ins Blaue gesprochen: Angenommen, ich spielte mit dem Gedanken mir ein neues Fahrrad zuzulegen, z.B. weil mein altes nach schlappen 25+ Jahren irreparabel bzw. “nicht wirtschaftlich reparabel” kaputt sei. Worauf müsste ich dann beim Kauf achten?

Die Voraussetzungen – rein theoretisch, wie gesagt – sähen folgendermaßen aus:

  • Einsatzort wäre primär die Stadt, also hätte ich hauptsächlich Asphalt, Schlaglöcher, Bürgersteige, Kantsteine, Radwege, Kleinkinder und Inlineskater unter den Reifen. Einkaufen, raus zum Golfplatz (ca.25 km), so in der Art. Strecken, für die man nicht wirklich das Auto braucht, die für das Skateboard zu lang sind oder wo ich mit Bus und Bahn -zigmal umsteigen müßte.
  • Als Hamburger darf man mit gelegentlichem Regen rechnen. Da ich kein Bedürfnis habe nach jeder Fahrt im Regen meine Klamotten in die Reinigung zu bringen bzw. mit “Ralleystreifen” auf dem Rücken und Schlammpackung im Gesicht herumzulaufen, hätte dieses Fahrrad also idealerweise Schutzbleche. (Keine dieser Plastik-Aufsteckdinger, die werden vermutlich sofort geklaut, wenn sie nicht nach 2 km von selbst abfallen.)
  • Ich will auch nicht mit nackten Beinen radeln müssen (Shorts sind was für Caddies) oder nach jeder Fahrt eine neue Hose kaufen, weil die Kette ihre öligen Spuren hinterlassen hat. Ein Kettenschutz wäre daher Pflicht.
  • Die Farbe wäre mir relativ egal, solange nicht Rosa, Lila, Lindgrün etc. Je unauffälliger, desto besser. Schwarz, British Green, Anthrazit etc. Meinetwegen auch mattfarben, das wäre mir so hoch wie breit.
  • Das Gewicht wäre eher Nebensache. Klar, je leichter desto besser, aber ich werde nicht bei den Cyclassics starten.
  • Gangschaltung wäre nett, aber mehr als 5 Gänge braucht wohl kein Mensch in dieser Stadt. Mehr wären also kein Kaufkriterium. Eine Nabenschaltung wäre klasse, da gerüchtehalber sauberer und nicht so anfällig, richtig?
  • Ich mag Rücktrittbremsen. Gibt’s sowas noch, wenn man nicht gerade ein Hollandrad oder Cruiserbike fährt? Aber das wäre zweitrangig, ich könnte auch mit zwei Handbremsen leben.
  • Bitte nicht so einen peinlichen Teletubbie-Lenker.
  • Ein Gepäckträger hätte was, muß aber nicht sein. Meine Golfschläger und Longboards (Skateboards) könnte ich auch auf dem Carver Surfrack transportieren. Für den Rest reichte mir mein Rucksack.
  • Eine gescheite Beleuchtungsanlage würde ich mal voraussetzen. Keine Lust auf Stress mit der Rennleitung.
  • Das Budget läge irgendwo zwischen 400-600 EUR max. (Hey, ich arbeite für mein Geld!)
  • Und schließlich wüßte ich gern noch einen kompetenten Händler, bei dem ich den ganzen Kram bekäme und der wirklich etwas von der Materie versteht, auch wenn eine Inspektion oder Reparatur anstehen sollte. (Also kein B.O.C., Aldi, LIDL, real etc.)

Hätte da jemand vielleicht einen Tip für mich? Rein theoretisch?

Update: Ich habe mich jetzt nach ausführlicher und hoffentlich kompetenter Beratung (letzteres lässt sich wohl erst nach ein paar Wochen auf dem neuen Rad abschließend beurteilen) durch einen von Hacht-Mitarbeiter sowie eine Probefahrt für das Stevens Galant in der Damenausführung entschieden. Das erscheint mir als qualitativ und preislich (obwohl etwas über meinem Limit liegend) als gute Wahl. Geliefert wird es leider erst in zwei Wochen, einen ausführlichen Fahrbericht gibt es also Anfang Juni.

Update 2: von Hacht war dann doch zu unkoordiniert und unfreundlich, also habe ich dort storniert und dort gekauft, wo man seine Kunden noch schätzt und berät und nicht für dumm verkauft: Bei Frau Meincke in Fulsbüttel/Langenhorn. Nicht gerade um die Ecke, aber der Weg war es mir wert.

Update 3: inzwischen ist die erste, selbstverständlich im Kaufpreis inbegriffene Inspektion vorbei und alles ist wunderbar. Fahrradhaus Meincke FTW!

Mittagspause

Früher™ war es ein echtes Ereignis, in die Stadt zu fahren. “In die Stadt” heisst in diesem Falle “in die Hamburger Innenstadt”. Als Elbvorortler fuhr man in die Stadt, in Barmbek fuhr man nache Stadt. Barmbeker Schwatzbacken fuhren nache Stadt hin. Ältere Damen fuhren auch schon mal im 36er (“einmal Zuschlag, bitte”) nach Karstadt, mit dem bekannten Hamburger ‘st’ in der Mitte.

Inzwischen gibt es in den Elbvororten wie auch überall sonst Filialen vieler Geschäfte, derentwegen man früher™ in die Stadt gefahren ist. In der Vorweihnachtszeit gönnt man sich vielleicht noch mal die zugegeben schöne Lichterorgie allenthalben, aber meistens geht einem recht bald auf, daß es in der Stadt zu voll und zu teuer ist, man keinen Parkplatz findet für dessen zweistündige Miete man nicht mindestens eine Niere verkaufen muß und daß der so romantische Weihnachtsmarkt einen unnachahmlichen Duftmix aus Glühwein, Schmalzgebäck, Bratwurst und Käseschleim Raclette auf Haar und Kleidung hinterläßt. Muß man mögen, sowas.

Seit einiger Zeit arbeite ich in der Stadt, nur ein kurzes Par 3 einen Steinwurf von Karstadt entfernt. Heute schlenderte ich mittags über die Mönckebergstraße und fühlte mich seltsam desorientiert: Ich überlegte, welches die Highlights dieser Gegend gewesen waren, als ich noch zur Schule ging. Da gab es Sonnenberg, einen Plattenladen, der vom Keller bis zum Dachboden eine irre Auswahl hatte und bei denen ich häufiger als ich es mir eigentlich leisten konnte mit dem schwarzen Gold unter dem Arm herauskam. Was es dort nicht gab, gab’s dann eben bei Michelle Records ein paar Meter weiter (den gibt\’s immer noch, Halleluja). Sonnenberg hat Ende der 80er das Handtuch geworfen und nun sitzt der Modeladen Thomas-i-Punkt in dem hübschen Haus mit der goldenen Kogge auf dem Dach (das Hulbe-Haus); heutzutage leider ohne die Skateboardabteilung im Keller, aber andererseits hatten die dort eh nur Apothekenpreise und arrogante Grünschnäbel hinterm Tresen.

I-Punkt hatte früher™ seinen Hauptsitz in den Colonnaden, dort wo heute der Raumausstatter KA residiert. In dem Laden ha\’ ich mir Mitte der 80er eine safrangelbe Leinenhose des hauseigenen Omen-Labels geleistet (sagen Sie jetzt nichts, Frau Hildegard) und später mein Sofa dort gekauft (letzteres allerdings bei KA und in weiß). Witzig, was einem so beim Staubwischen im Gedächtnis alles einfällt. Der Jugendableger von Thomas-I-Punkt war „Jun – Guys and Dolls“, ebenfalls in den Colonnaden, ein paar Meter weiter rein. Den Laden gibt\’s heute noch, allerdings hat er die Passagenseite gewechselt und residiert jetzt nach vorne raus, zum Gänsemarkt, neben Schlemmermeyer (den gab’s wiederum schon immer da) und dem UFA-Palast, den sie auch irgendwann abgerissen haben. Am Montag betont lässig mit dem Sportzeug in einer dieser schwarzen “Guys and Dolls” Plastiktüten und dem Motiv des wild tanzenden 50er-Jahre-Pärchens darauf in der Schule aufzukreuzen galt als Gipfel des Elblettendaseins. Der Laden war schon immer schweineteuer, aber hatte die angesagten Marken – Chevignon, Fiorucci, Smith Latzhosen etc. Der Gänsemarkt ist übrigens vollständig von I-Punkt-Läden umzingelt; zwei weitere seiner Läden residieren dort (einer als TATE verkleidet).

Zurück zur Mönckebergstraße. Am unteren Ende, Ecke Rathausmarkt, hatte das lokale Käseblatt Hamburger Abendblatt im Commeter-Haus seine Geschäftsstelle. Als ich letztens Karten für das Weihnachtsoratorium im Michel holen wollte, stand ich fassungslos vor einer Starbucks-Filiale. (Wenn ich mir etwas wünsche, dann, daß sich die Erde auftut und alle Kaffeeketten der Welt auf einmal verschlingt. Vielleicht klappt ‘s ja noch, ich muß einfach das nächste Mal daran denken, wenn ich die Geburtstagskerzen auspuste.)

Rund um den Mönckebergbrunnen hat sich nicht viel verändert. Burger King hat sicher schon bessere Zeiten erlebt, residiert aber seit Ewigkeiten in der ehemaligen Bücherhalle. Die Wurstbude „Mö-Griller“ gibt ‘s auch schon lange. Wohlsdorff-Zigarren am Eingang zur Spitalerstraße auch. Danach ist allerdings nichts mehr, wie es mal war. Und besonders furchtbar ist, daß Brinkmann weg ist – Hamburgs legendäres technisches Kaufhaus. Das Fachpersonal dort war perfekt geschult, was die technischen Fragen der eigenen und der benachbarten Abteilungen betraf. Ein Service, der natürlich seinen Preis hatte. Anfang der 90er habe ich noch als Grafikerin in einer Handelsmarketingagentur „Brinkmanntapeten“ layoutet – die ganzseitigen Anzeigen im Abendblatt, bei denen der Fokus mal auf weißer, mal auf brauner Ware lag und die mich lehrten, Quark XPress zu hassen. Tja, das eherne Gesetz des Handelsmarketing: Schweinebauch ist Pflicht, Chrom ist Kür. Ein paar Jahre später mußte Brinkmann Insolvenz anmelden. Nicht aufgrund meiner gestalterischen Künste, möchte ich eiligst anmerken. Nein, die Ursache war viel banaler: Da Geiz bekanntlich so geil und ‘man ja nicht blöd’ ist, ließen sich die Leute natürlich bei Brinkmann beraten und wanderten dann zum Elektroniksupermarkt.

„Die Schallplatte am Mönckebergbrunnen“ am Eingang zu dem, was sich heute „HSH Nordbank Passage“ nennt, war ein weiteres Fachgeschäft in der Gegend das Apothekenpreise aufrief aber mit bestens geschultem Personal aufwarten konnte. Meine heiss geliebte West Side Story Soundtrack LP stammt von dort; sie kostete 1981 unverschämte 22 DM, aber stand im Regal. Bei meinem Vinyl-Dealer in Blankenese (Radio Oesterlin, die Älteren unter uns werden sich erinnern) war sie nur auf Bestellung zu haben, und drei Wochen wollte ich nicht warten. Heute teilen sich eine Kamps-Filiale und ein E-Plus-Laden die Räumlichkeiten.

In der Ladenpassage dahinter (die unlängst in den Schlagzeilen war, weil irgend so ein Laden mit kackbraunen Klamotten dort auf- und ratzfatz wieder zugemacht hat) gab es unten, hinter der Rolltreppe einen Laden mit Comics und Comix aus aller Welt. Marissal residierte auf einer Ladenfläche die der einer Litfaßsäule von innen glich, aber meine Herren, was hatten die für ein Angebot! Man konnte stundenlang unbehelligt schmökern und ich ließ auch dort einen guten Teil meines Geldes. Auch diesen Laden gibt es nicht mehr; ich habe schon wieder vergessen wer dort jetzt sitzt.

Dann bin ich rasch ins Büro zurückgekehrt. Meine Mittagspause war vorbei, mir war kalt und ich hatte Heimweh. Aber demnächst schaue ich mir die Gegend zwischen Spitalerstraße, Ballindamm und Hauptbahnhof mal näher an.

One More Year

Captain Jack Sparrow will mit mir auf den Dom. Es regnet in Strömen, aber das ficht ihn nicht an, er möchte die Geisterbahn sehen und in dem Dingsda fahren, das sich so schnell dreht.

Wir fahren in dem Dingsda, das sich so schnell dreht und wärmen unsere Hände an Tüten mit heißem Schmalzgebäck (nicht so viel Puderzucker, bitte). Riesenrad fahren wir auch. „Guck’ mal, das Millerntor“ Wir bedauern, St. Paulis Sieg über Ingolstadt nicht gesehen zu haben und beschließen, die Fahrt mit der Achterbahn noch einmal aufs Frühjahr zu verschieben. Wir kommen am „Jura-Park“ vorbei, der vorgibt, einen echten Dinosaurier hinter den hohen Mauern zu beherbergen.

Schließlich stehen wir vor der Geisterbahn. Captain Jack zeigt aufgeregt auf einen großen Plastikbaum mit Gesicht: „Schau mal, gleich macht er die Augen auf!“ Das zieht sich jedoch ziemlich hin, der Baum scheint auf Valium. Captain Jack tritt unsicher von einem Bein aufs andere, während ich mich innerlich gegen eine Runde Geisterbahn wappne. Doch plötzlich fällt sein Blick nach rechts: „Entchenangeln! Komm’ wir gehen Entchenangeln, ja? Bitte! Entchenangeln ist soo cool!“

Ganz schön kalt und windig, mir laufen die Tränen nur so runter.

Parkmanagement

Ein Blockwart Nachbar sprach mich vorhin an, ob ich mein Auto mal etwas weniger asozial parken könne.

Ich so: „???“

Er so: „Na schauen Sie doch mal, wie Sie da stehen! Da passt doch weder vor noch hinter Ihnen jemand in die Lücken. Können Sie nicht zum Vordermann aufschließen?“

Ich schaue auf meinen Smart, der brav am Bordstein steht und vor und hinter sich genügend Platz für einen weiteren Smart oder sogar einen Polo lässt.

Ich so: „Da ist doch genügend Platz, wenn auch nicht für einen Kombi.“

Er so: „Wie soll man denn da reinkommen? Mit einem Schuhanzieher?“

Ich: „Äh, ich habe mein Auto am Sonnntag Abend perfekt in die passende Lücke manövriert. Wenn sich die benachbarten Autos inzwischen bewegt haben, ist das ja nun nicht meine Schuld.“ ‘Genauso wenig wie wenn du so ein Riesenauto fährst und nicht einparken kannst’, füge ich im Geiste hinzu.

Er: „Dann müssen Sie das kontrollieren und eben umparken! Das nennt man Parkmanagement!“

Ich kann mir das Lachen nicht verkneifen: „Bidde? Soll ich jetzt jeden Tag alle paar Minuten checken ob mein Vorder- oder Hintermann ausgeparkt hat,  um dann erneut aufzuschliessen – oder wie dachten Sie? Vielleicht noch per Webcam?“

Er wird lauter: „Sie können hier nicht dauerparken! Dann mieten Sie sich eben eine Garage, wenn Sie so selten fahren! Oder fahren Sie Bahn!“

Ich so: „Die bräuchte aber sicher mehr Platz.“

Er so: „???“

Ich hab’ den Parkmanager dann mal stehen gelassen. Aber ich fürchte, das wird ‘ne Soap Opera werden. Stay tuned.

Notruf

Ein offensichtlich angeheiterter Typ im dunkelblauen Blazer, geringeltem T-Shirt darunter und einer Dose Holsten in der Hand stinkt im morgendlichen Berufsverkehr leise aber bestimmt die U1 voll. Während ich noch denke ‘hoffentlich zündet jetzt niemand ein Streichholz an‘, quäken die ach so lustigen Kinderstimmen Next Stop Jungfernstieg, please change here for Town Hall etc. blablabla und einige Glückliche machen sich bereit, dem olfaktorischen Inferno zu entkommen. Unter den Aussteigenden sind garantiert auch ein paar, die noch gar nicht aussteigen müssten, aber lieber zu Fuss gehen, oder einen Waggon weiter wieder einsteigen. Unser Spezi hingegen lehnt sich nonchalant mit dem Daumen auf den Notrufknopf. Über den Lautsprecher ertönt die erstaunte Stimme des Fahrers.

„Hallo? Sie haben den Notruf bedient?“

„Jo, können Sie mal bitte diese Lautsprecherdurchsagen leiser stellen? Da platzt einem ja der Schädel! Und wenn Sie schon dabei sind, hören Sie mit den Scheiss Kinderansagen auf! Das nervt, echt jetzt!“

Gesagt ist gesagt, darauf einen Schluck aus der Goldplombe. Der Fahrer glaubt, genau wie der Rest der Insassen, nicht was er gerade gehört hat, bleibt aber höflich:

„Ja, äh, danke für die Anregung, das kann ich von hier aus leider nicht steuern, aber ich gebe das mal so weiter, man wird sich darum kümmern.“

Der Zug hält, die Türen öffnen sich und der geräuschempfindliche Kinderhasser steigt aus. Wir im Zug Zurückgebliebenen schauen uns fassungslos an, grinsend und kopschüttelnd. Nach einer Weile knistert der Lautsprecher und der Fahrer meldet sich zurück.

„Äh, ja also, mal an den Fahrgast, der sich über die Lautstärke der Durchsagen beschwert hat….?“ Wir lauschen alle gebannt. Die neu eingestiegenen Fahrgäste schauen verwirrt auf den Lautsprecher. „….also, das habe ich der Leitstelle gemeldet, die bringen das in Ordnung.“ Erwartungsvolles Schweigen allerseits. Wir starren alle auf den Lautsprecher. „Ja, also, danke für den Hinweis und noch eine gute Weiterfahrt.“

Wir grinsen uns an, denken wohl alle dasselbe. Was ist mit den Scheiss Kinderstimmen?

Sehen lernen

  • Veröffentlicht am 9th Oktober 2007,
  • veröffentlicht von

In den ersten Wochen unseres Studiums an der Kunstschule Alsterdamm Hamburg sassen wir Erstsemestler leicht verschüchtert nachmittags in einem lichtdurchfluteten Raum in der Ferdinandstraße und blickten ehrfürchtig auf die Wände, an denen klassische Plakate der besten Vertreter der Gebrauchsgrafik – teils Alumni der Schule – hingen. Der Gründer und Direktor der Schule, Gerd F. Setzke, berüchtigt fuer seine nichtvorhandene Geduld mit unaufmerksamen Schülern (die er gerne mal mit Kreide oder Schlüsselbund bewarf) kam eines Nachmittags herein und wies uns an, mit den Studenten des Semesters im Raum über uns umgehend die Plätze zu tauschen. Verwundert klemmten wir uns unsere Reissbretter und Stifte unter die Arme und gingen klopfenden Herzens die Treppe hinauf. Die ratlosen Blicke der uns entgegenkommenden Zweitsemestler spendeten auch nur wenig Trost.

„Ihr habt nun zwei Wochen lang jeden Tag auf Plakate geschaut. Zeichnet aus dem Gedächtnis und so detailgenau wie möglich in der korrekten Reihenfolge von links nach rechts, was im Stockwerk unter uns in Eurem Raum an den Wänden hängt. Ihr habt eine Stunde Zeit.“

Um es kurz zu machen: Nicht einer unter uns hatte mehr als drei Richtige vorzuweisen. Setzkes verächtliches „Und Ihr wollt Grafikdesigner werden? Wie denn, ohne aufmerksamen Blick für Eure Umgebung?!” hallt noch heute, knapp achtzehn Jahre später, in meinen Ohren.

You see these logos almost every day, right? – Let’ s see how well you remember them.

Mein Score beim ersten Mal: 00:49:25. Cnet.com und Netflix waren mir nicht so geläufig und haben mich Punktabzüge gekostet. Aber ich bin recht zufrieden, die Lektion wurde gut gelernt.

Zuletzt geklaut

  • Veröffentlicht am 13th September 2007,
  • veröffentlicht von

Gleich zwei meiner Lieblingswortschmiede haben denselben Fragebogen auf der Startseite heute. Dann will ich mal nicht so sein und mich rotzfrech selbst bedienen:

Letzte Zigarette: hab’ nicht auf die Uhr gesehen.

Letzte Autofahrt: Sonntag, vom Golfplatz. (Ein dusseliger Chapmanvierer, aber wir haben das erste Brutto gewonnen, ich bitte um Szenenapplaus!)

Letzter Kuss: Sonntag, vom Familienmops, der rein narrisch war als er mich endlich mal wiedersah.

Letzter Weinkrampf: im Februar, als meine Tante starb.

Letztes Buch: The Life And Times Of The Thunderbolt Kid von Bill Bryson. Wie alle Brysons zum verschlingen und zum gesundlachen.

Letzter Film: Im Kino The Bourne Ultimatum, auf DVD Kenneth Branaghs Hamlet.

Letztes benutztes Schimpfwort: The f-bomb.

Letztes Getränk: Milch. (wegen des letzten Essens…)

Letztes Essen: Spaghetti aglio e olio mit Shrimps und etwas zu viel Chili (mir ist beim kochen die Flasche ausgerutscht).

Letzter Anruf: Von einer Freundin.

Letzte Sendung im TV: Das müßte die Fussball WM im letzten Jahr gewesen sein. Ich guck‘ seit ca. fünfzehn Jahren kein TV mehr, nur DVDs (bzw. davor halt Videos).

Letzte Dusche: heute früh.

Letzte CD: Weed von Chris Whitley.

Letzter gekaufter Gegenstand: ein Brot.

Letztes Mal aufgeregt wegen: keine Ahnung. Lange her.

Letzte Enttäuschung: Der zweite Platz bei den Clubmeisterschaften.

Letzte Worte: „Danke.“

Letzte sexuelle Fantasie: I’m taking the 5th here.

Letzte merkwürdige Begegnung: eine alte Schulfreundin.

Letztes Mal amüsiert: Als mein Patensohn mir am Telefon aufgeregt etwas über Vulkane erzählte, ins Stocken kam und dann ins off schrie “Mama, wie heisst noch mal das Land wo die Nudeln herkommen?“

Letztes Mal verliebt: da war Reagan noch Präsident.

Letztes Mal umarmt: Das wiederum ist noch nicht so lange her.

Letztes Mal getanzt: Ich tanze nicht.

Letztes Konzert: Jamie Cullum im letzten Sommer, glaube ich. Falls noch eins danach kam, hat es keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber als Stadtparkanrainer ist man ja immer live dabei, ob man will oder nicht.

Letzte Website besucht: Barmblog Nord. Lesebefehl!

Vorsicht, Touristenattraktion!

  • Veröffentlicht am 19th April 2007,
  • veröffentlicht von

Direkt neben den Deichtorhallen befindet sich die Touristenattraktion (?) High Flyer. Wer 15 Euro zuviel hat, kann bei Windstille in einem Fesselballon Hamburg aus rund 150 Meter Hoehe bestaunen.

Jeden Tag auf dem Weg zum bzw. vom Buero sehe ich den Ballon da muessig herumstehen, ohne dass auch nur ein schwindelfreier Tourist um den Container mit der Kasse und den Souvenirs von dieser atemberaubenden Attraktion schleicht. Vielleicht liegt es auch daran, dass bislang jeden Tag “aufgrund des starken Windes leider keine Fahrten moeglich sind”, wie es am Eingang heisst. In stiller Verzweiflung wird auch darauf hingewiesen, dass der Souvenirshop geoeffnet ist.

Der Ballon steht also in einer ziemlich toten Gegend auf einem rundherum zwei Meter hoch eingezaeunten Stueck Rasen und ist an sich schon ein ziemlich absurder Anblick, aber gekroent wird die Chose durch folgendes Schild, das mehrfach am Zaun rund um den High Flyer angebracht ist:

Was fuer ein Hund soll das sein, der nur nachts beisst? Die Rasse kann ich auf dem Bild nicht so recht erkennen, zunaechst dachte ich es handele sich um ein etwas ungluecklich getroffenes Maultier. Hat jemand eine Idee?’

Der Zirkus war in der Stadt

Alle Jahre wieder kommt die European Tour für eine Woche nach Hamburg, genauer gesagt nach Gut Kaden, für die Deutsche Bank Players Championship of Europe. Das Turnier ist eines der bestdotiertesten (insgesamt knapp 3,6 Mio Euros an Preisgeldern) und eine der letzten Chancen, noch dringend benötigte Punkte für die Qualifikation zum Ryder-Cup einzufahren. Ausserdem hat der Sieger für die nächsten 5 Jahre die Startberechtigung auf der Tour, kann also ruhig schlafen.

Dieses Jahr bin ich als freiwillige Helferin dabei. Am Freitag vergangener Woche gab es eine Einführung fuer die Ersttäter, die nur etwa ein Drittel der rund 370 Helfer ausmachen. Offenbar macht der Zirkus süchtig. Bei der Einführungsveranstaltung bekamen wir unser Helferoutfit: Käppi, zwei Nike-Shirts und Windjacke mit dem Logo “Deutsche Bank Players Championship” bestickt, ausserdem die nötigen Ausweise und Essensbons sowie sechs Freikarten für Freunde und Verwandte (im Wert von je rund 30 Euro). Wie ich hörte, hört man dann von gar nicht mal wenigen der Freiwilligen nichts weiter mehr: die haben abgetankt was abzutanken war und erscheinen einfach nicht zum Dienst. Auch eine Art, sich unmöglich zu machen.

Die Klamotten passen wenn überhaupt meiner Barbiepuppe (wenn ich denn (je) eine (gehabt) hätte), auch das soll angeblich Tradition sein. Ich würd’ s ja ertragen und zähneknirschend eine Woche lang wie die Wurst in der Pelle rumlaufen und mich zum Affen machen, aber von dem Synthetikdreck in den Shirts kriege ich Ausschlag. Und aus naheliegenden Gründen kommt es nicht so gut, wenn man sich andauernd wie irre kratzen, aber doch komplett stillhalten muß bis der letzte Aspirant seinen Putt versenkt hat. Also laufe ich in unbesticktem weissen Polohemd auf und mein Blick lässt jedem das Blut in den Adern gerinnen, der es wagen sollte mich nach dem offiziellen Helfershirt zu fragen. Es traut sich niemand, gut so.

Am Donnerstag und Freitag war ich eingeteilt, an einem Grün zu sitzen und den Score aufzuschreiben und per PDA ins Scorerzelt rueberzubeamen. Das klingt zunächst einmal ganz einfach und stressfrei. Wie schwer kann es sein, auf einem Klappstuhl zu hocken und jeden Spieler nach seinem Score zu fragen, bevor er zum nächsten Abschlag geht?
Ich sitze also auf dem Klappstuhl und warte, bis sich die erste Gruppe nähert. Und warte. Und warte. Und springe auf und schlage wild nach den Bremsen, die mich stechen wollen. Und wische mir angeekelt die Rapskäfer von meinem leuchtend weissen Hemd, das die Mistviecher magisch anzieht. Und warte. Und sehe schliesslich den ersten Spieler. Aha! Ein Blick auf meine Startliste verrät mir, dass es sich um die Gruppe Ormsby, Havret und Kjeldsen handelt. Ähm, ja. Keinen der Herren habe ich je vorher gesehen. Die Namen sagen mir nichts. Also Detektivarbeit: Die Caddies tragen nicht nur die schweren Taschen der Spieler, sondern ausserdem Leibchen mit dem Spielernamen auf dem Rücken. Der Typ im roten Hemd gehört zu dem kleinen dicken Caddie, zumindest wirft er ihm seinen Ball zum säubern zu. Ich hypnotisiere den Caddie: Du drehst dich jetzt um, los, dreh’ dich um! Und es funktioniert tatsächlich, er dreht sich um und ich lese “Havret”. Der Typ im roten Hemd ist also schon mal identifiziert. Die anderen beiden habe ich auch bald raus und führe im Geiste meine Strichliste. Alle liegen mit dem zweiten Schlag auf dem Grün. Havret locht seinen Putt zum Birdie. Klasse. Ormsby spielt ebenfalls eine 3. Der Däne, Kjeldsen, schafft nur das Par. Jetzt kommt mein grosser Auftritt: „May I take your score, please?“ Jeder Spieler ist verpflichtet, mir unaufgefordert seinen Namen und seinen score mitzuteilen. Da diese drei Jungs gut gespielt haben und entsprechend gut gelaunt sind, tun sie mir den Gefallen. Havret nennt mir alle drei Scores. Doch im Laufe des Tages merke ich rasch, dass meine detektivischen Fähigkeiten unabdingbar sind. Wenn einer schlecht liegt für den Tag, gibt er keine Antwort und ich kann dann hinterherrasen und es weiter versuchen. Verständlich, aber das sorgt fuer eine unentspannte Atmosphäre. Aber mein detektivischer Spürsinn stand dem der drei ??? in nichts nach und am Ende waren alle scores erfasst und ich konnte mir ein hochverdientes Eis holen gehen und ein paar Schnäppchen an den vielen Verkaufsstaenden zu machen.

Gestern und heute dann war ich mobiler scorer, wurde also einer bestimmten Gruppe zugeteilt, die ich die gesamte Runde begleiten durfte. Da ich zumindest gestern beide Spieler kannte (Jarmo Sandelin (SWE) und Tom Whitehouse (ENG)), entfiel die Detektivarbeit. Ausserdem konnte ich schön im Schatten gehen, nicht zu unterschätzen bei den schwülheissen Temperaturen. Ansonsten wie gehabt: Score notieren, rüberbeamen, nächstes Loch. Dazwischen bekam ich eine Lehrstunde (genaugenommen viereinhalb), wie man richtig gutes Golf spielt. Beängstigend, dass die zwei unter “ferner spielten” rangierten – die Jungs auf den vorderen Plaetzen müssen wirklich Golf vom anderen Stern gespielt haben, denn ich wüsste nicht, was man an z.B. Sandelins Spiel noch verbessern koennte. Leider hatte er sehr viel Pech auf den Grüns, viele Putts sind ausgelippt oder haben die Lochkante rasiert ohne letztlich zu fallen. Heute hat er es besser gemacht und eine 65 gespielt, sieben Schläge unter Par. Damit verbesserte er sich vom geteilten 50. Platz auf den geteilten 18. Platz, keine kleine Leistung.

Leider hatte ich heute zwei andere Spieler zu begleiten, deren Namen an dieser Stelle unerwähnt bleiben sollen, da sie unglaublich unfreundlich gegenüber ihren Caddies, den Zuschauern und den freiwilligen Helfern waren. Nur zur Erinnerung: Die Zuschauer sind der Grund dafür, dass Ihr Euren Lebensunterhalt damit verdienen dürft, einen kleinen weissen Ball in ein Loch zu schubsen. Dafür zahlen sie z.B. auf Gut Kaden bis zu 35 Euronen Eintritt am Tag. Die Caddies schleppen Euch nicht nur den Allerwertesten sondern auch Eure 35 Kilo schwere Tasche hinterher, putzen Eure Schlaeger und Bälle, holen Euch Wasser, harken die Bunker durch die Ihr so achtlos kreuz und quer stapft und machen auch noch den Gute-Laune-Baer und Blitzableiter für Euch. Dafür kriegen sie im maximal 10% von Euren Preisgeldern (nämlich nur der Siegercaddie) oder ein Trinkgeld. Nur zu Erinnerung: 10% von null sind null. Und die freiwilligen Helfer nehmen sich eine kostbare Woche Urlaub um Euch das Spiel so angenehm wie möglich zu gestalten, stehen mitten in der Nacht auf und kämpfen sich durch den Reiseverkehr auf der A7 nach Quickborn, um vor Euch tw. ab sechs Uhr auf der Anlage zu sein, kämpfen mit der ständig schwächelnden Technik der museumsreifen PDAs und Walkie-Talkies und ihrem follow-me Englisch, schleppen das langstielige Brett mit dem Spielstand auch bei Windböen tapfer über den Platz und halten für Euch die Zuschauer in Schach. Ich für meinen Teil wüsste auch andere Dinge mit meinem Urlaub anzufangen, z.B. selber Golf spielen.

Es war dennoch eine tolle Woche, ich habe viele Clubmannschaftskollegen getroffen, alte Golfbekanntschaften erneuert und neue geschlossen, eine Einladung eines Referees bekommen mit ihm in Schottland eine Runde zu spielen, mit dem netten Typen aus dem Scoring-Zelt geflirtet, mit ein paar Caddies über Schlaeger gefachsimpelt und mir von Roey den Tiger-Trick mit dem Wedge-Bounce zeigen lassen (der Trick heisst ‘üben’. wer hätte das gedacht?). Der Zirkus zieht weiter nach Malmö, zur Scandinavian Masters. Nächstes Jahr kommt er vielleicht wieder nach Gut Kaden. Ich bin bestimmt wieder dabei.