on the road

25 Crowdfundingkampagnen, bei denen man für 60€ oder weniger dabei sein kann

  • Veröffentlicht am 6th Juni 2014,
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Der eine oder die andere hier wird ja vielleicht schon etwas davon gehört haben: Crowdfunding ist gerade ein beliebtes Thema. Was ist Crowdfunding? Dabei bildet die Menge (engl. the crowd) das Investorenteam, um ein innovatives Produkt an den Produktionsstart zu bringen, also vorzufinanzieren (engl: to fund) und das in einem definierten Zeitrahmen, meist etwa 30 Tagen. Da es viele tolle Menschen auf diesem Planeten gibt, die auf vielen tollen Crowdfundingplattformen um die Finanzierung vieler toller Projektideen buhlen, die Summe pro Person aber überschaubar bleiben soll, gibt es häufig bei klugen Projektinitiatorinnen und -initiatoren gestaffelte Beteiligungsoptionen. Nicht selten ist man schon mit 1 $ oder € dabei. Die entsprechenden Belohnungen bzw. der entsprechende Gegenwert ist dann natürlich entsprechend ebenfalls gestaffelt. Wer nur 1 $ investiert, bekommt dann auch nur ein herzliches Dankeschön und eine namentliche Nennung auf der Projektwebsite, wohingegen diejenigen, die begsietert 1.000 $ in die Hand genommen haben, am Ende das Produkt mit persönlicher Widmung, ein Meet & Greet mit dem Team und andere Goodies bekommen – sozusagen die grosse Hafenrundfahrt.
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Kurze Pause

  • Veröffentlicht am 8th Februar 2014,
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Hier ist die Auftragslage gerade etwas heftig und damit bleibt leider sehr wenig Zeit fürs Bloggen und andere Kapriolen. Aber einen kurzen, verspäteten Gruss aus der schönen Schweiz will ich Euch nicht vorenthalten:

Muh!

Inzwischen sitze ich aber wieder am Zeichentisch, habe nur letztes Wochenende noch rasch an der Elbe vorbeigeschaut:

Eiselbe

Selbst die Elbe ist inzwischen aber wieder eisfrei … man kommt zu nix hier. Zu nix kommt man!

Der Winter ist da!

  • Veröffentlicht am 6th Dezember 2013,
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Hier ist es gerade etwas ruhig im Blog, aber ich war unterwegs und Weihnachten kommt mit Riesenschritten und so weiter und so uninteressant, jedenfalls:

Schweizer Schneelandschaft mit Baum und Jack Russell

Ich hatte mich auf den Baum konzentriert, ehrlich! Genaugenommen konnte ich gerade gar nicht viel sehen, weil es so hell war, und das Handydisplay ist jetzt auch nicht der Brüller. Und dann lief Biscuit einfach durchs Bild. Der Schlingel.

Jedenfalls: Einen schönen zweiten Advent wünsche ich Euch.

Neu: Mein Zweitblog auf svbtle.com

  • Veröffentlicht am 20th September 2013,
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Vor einiger Zeit flatterte mir eine Einladung zu svbtle.com in den Kasten, und nachdem ich mich schlau gemacht habe, was das sein soll (ein Blognetzwerk ähnlich Medium, angeblich ziemlich elitär und definitiv mit einem sehr guten Backend versehen) überlegte ich, was ich da als angemessenen Jungferneintrag schreiben sollte. Der Artikel ist jetzt lang und live zu sehen unter dem Titel On drawing first. Kommentieren kann man drüben nicht, nur gerne „Kudos“ verteilen, aber ich freue mich auf feedback über die üblichen Kanäle.

Auf der Flucht

  • Veröffentlicht am 31st Oktober 2012,
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Ich bin Kind eines Flüchtlingskinds. Meine Großmutter wurde in Essen ausgebombt und begab sich mit ihren drei kleinen Kindern (6, 5 und 4 Jahre) auf die Flucht; mein Großvater war gefallen. Zunächst ging es nach Bayern, später in die Lüneburger Heide. Sie hatten das Glück und das Pech, eine Familie von vielen zu sein, die im eigenen Land, der Not gehorchend, von jetzt auf sofort bei Fremden Unterkunft finden mussten und sich mit dem Versorgungsamt herumschlagen durften.

Vier Köpfe von rund 12 Millionen; später kamen noch einmal rund 12 Million „Displaced Persons“ aus KZ und Zwangsarbeitslagern dazu. Daß meine Omi, die schon hungernd den ersten Weltkrieg überlebt hat und heute im 100. Lebensjahr steht, nach wie vor topfit im Kopf und in der Zeit damals nicht wahnsinnig geworden ist, das finde ich bemerkenswert. An Tagen, an denen ich glaube gestresst zu sein, denke ich kurz an die junge, hübsche Frau Mitte zwanzig, die frisch verwitwet war, drei kleine Kinder an den Händen hielt und keinerlei Aussicht auf eine nennenswerte Zukunft hatte und lache herzlich.  (mehr …)

Re:publica 2012 von A-Z

  • Veröffentlicht am 8th Mai 2012,
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Re:publica 2012 von A-Z

A wie Act!on

Das Motto zog sich gut durch die Veranstaltung: Kriegt Eure Ärsche hoch! Bloggt, was das Zeug hält! Nehmt Eure Stühle mit, seid in Bewegung! Bewegt etwas! Verändert etwas! Denkt quer! Hornbach hat das prima gesponsort mit der Offline Twitterwall und dem eigenen Motto „Es gibt immer was zu tun“ verknüpft. Ein Beispiel für einen gelungenen Markenauftritt auf einer Veranstaltung voller Leute, die zwar gern ihre Blogs monetarisieren aber ansonsten von Werbung im Netz doch lieber nichts wissen möchten.

Die Beobachtung habe ich auch gemacht, wie in meinem Instagram-Stream erkennbar …

B wie Barrierefreiheit

Ich zähle zu den noch-nicht-Behinderten, wie der fabelhafte Raul Krauthausen das so schön formuliert hat. Und insofern sind mir sicherlich viele Punkte noch nicht aufgefallen, an denen es hakte. Aber insgesamt kam mir diese re:publica sehr viel barrierefreier vor, als die vorangegangenen, was nicht nur am sicherlich für Rollstuhlfahrer_innen weitaus zugänglicheren Veranstaltungsort lag. Ähnliche Beobachtungen hat auch Christiane Link gemacht.

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Die Sprecher der Panels auf Stage 1 (und einige andere?) wurden live mitgetippt und auf Bildschirmen übertragen, was naturgemäß mit einigen Tippfehlern und teils auch Verständnisfehlern verbunden war, aber das bleibt wahrscheinlich nicht aus, wenn der Sprecher nuschelt, lispelt, zu schnell spricht oder Begriffe benutzt, die dem Mitschreibenden nicht geläufig sind. Und „echte“ Dolmetscherinnen gab es auch vor Ort, aber natürlich zu wenige. Das wäre vielleicht auch mal etwas fürs Crowdsourcing …

C wie Catering

Die neulich von mir vermissten vegetarischen Gerichte gab es im re:staurant, also Entwarnung. Das lag zwar in der hintersten Ecke des Saals und ist mir bei dem super Wetter und dem schönen, sonnigen Innenhof mit seinen Grillständen nicht weiter aufgefallen, hatte aber diverse Pastagerichte und Salate und angeblich sogar Spargel.
Ansonsten war das Catering super, man mußte nirgends lange anstehen, die Leute hinterm Tresen waren unfassbar freundlich und bezahlbar war es auch. Toll!

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(Die Kostenloskultur macht auch vor dem Kohlestoffleben nicht halt: Aber @Einstueckkaese bekam seinen Willen.)

D wie Dukummsthiernetrein!

Das Brandschutzteam hat seine Arbeit sehr ernst genommen und gelegentlich die Schotten dicht gemacht, wenn ein Panel zu voll wurde. Das war gelegentlich lästig, aber wat mutt dat mutt und Pünktlichkeit kann man ja auch planen. ;-)

E wie Ersatzbefriedigung

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F wie Foursquare

Hihi, ich war im Zoo!

Ts, da habe ich nun den Begriff „Affenfelsen“ erfunden geprägt zuerst benutzt und bin nicht mal Mayor von dem Ding geworden!  Auf unfassbare 1000 Punkte, wie @svenonsan vom Hamburg vs. Berlin Blog Pop64 werde ich im Leben nicht kommen (die Punkte gibt’s nur binnen 7 Tagen, dann fängt man wieder von vorne an, oder?), aber immerhin habe ich den Super Swarm Badge (gleichzeitiges check-in mit 250 anderen Leuten in einer Location) dazugewonnen. Ta-daa!

 

G wie Grillschwaden

Ich will nicht sagen, daß ich nach Thüringer stank, aber im Zug schnupperte ein Hund sehr erwartungsvoll und freundlich wedelnd an mir herum.

 

H wie Helfer

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Unsichtbar, allgegenwärtig, freundlich, witzig, geduldig – die Helfer_innen der #rp12 waren der Leim, der das ganze Gefüge zusammenhielt. Habt tausend Dank, Ihr wart großartig!!11

 

I wie Instagram

Die Daheimgebliebenen wurden dank Instagram umgehend mit Erinnerungsfotos zugeballert. Meine findet Ihr rechts in der Seitenleiste.
Das Blöde an Instagram ist, daß man nicht ohne Weiteres eine URL findet, über die man das Bild z.B. jetzt hier im Artikel einbinden kann. Das war bei flickr besser gelöst. Dachte, das nutzt niemand mehr außer Herrn Sixtus, der seine Leica spazierentrug, aber hier ist der flickr-Stream der #rp12: Klick!

 

J wie Johnny

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Er ist der eigentliche Rockstar der Veranstaltung, und die Medien wissen es. Ich glaube nicht, daß ich ihn länger als eine halbe Minute irgendwo allein gesehen habe, bevor sich ein Kamerateam auf ihn stürzte. Heldenhaft behielt er seine gute Laune (soweit ich sehen konnte) und ich kann ihm und den anderen Erfindern, Organisatoren und Zauberern der re:publica nicht genug danken für diese tolle Veranstaltung.

 

K wie klöternde Flaschen

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Echtjetzmal.

 

L wie Latte Macchiato

Gab’s nicht, oder wenn, dann habe ich niemanden damit gesehen. Es gab Kaffee – heiss, schwarz, gut. Erfrischend.

 

M wie Mate

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N wie Netzgemeinde

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O wie Orr

[blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/marcusengert/status/198396986532171776″] [blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/PickiHH/status/198400218859970560″]

 

P wie Plastikstuhl

Diese Plastikstühle waren eine gute Idee: man schnappt sich einen, wenn man ihn braucht. Überall bildeten sich Stuhlkreise mit Gesprächsrunden, wenn die Bestuhlung im Saal nicht ausreichte, bildete man flugs neue Reihen (jedenfalls so lange, bis der Brandschutz dazwischenging) und am Ende konnte man sie sogar kaufen und sich nach Hause schicken lassen, für vergleichsweise okaye 25€ (inkl. Porto).

Lizensiert unter CC-BY-2.0 von re:publica 2012

 

Q wie Qualität der Vorträge

Die war durchwachsen, wenn ich mal nur von denen sprechen darf, die ich besucht habe. Aber den Tweets und der Nachberichterstattung der anderen nach zu urteilen, gab es ein recht großes Gefälle.
Ich muß sagen, daß mir einige Vorträge der „großen Namen“ eher so mittelprächtig gefallen haben und einige der (mir) unbekannteren Referent_innen wirklich super waren.
So oder so hätten es jedenfalls einige Vorträge verdient gehabt, daß ihnen eine größere Bühne bzw. ein größeres Publikum und eine längere Vortragszeit beschieden worden wäre.

 

R wie Re:publicaner

Das dürfte der einzige Kontext sein, in dem man mich (und wohl die Mehrzahl der Anwesenden) ungestraft so nennen darf. Klingt aber immer noch besser als „liebe Netzgemeinde“.

 

S wie Steckdosen

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Auf den Affenfelsen gab es Steckdosen, aber die reichten natürlich bei weitem nicht aus. Energielieferant Yello Strom verteilte nicht nur Schokolade, die süßer war als ein mit Käse überbackenes Igelbaby und mir die Zahnplomben aufwimmerte, sondern auch Mehrfachsteckdosenleisten. Und Simyo schoß den Vogel ab mit seinen mobilen Energiepacks, in die man über USB-Kabel sein Handy bzw. Smartphone steckte und den Tag über aufladen konnte. Das alles für lau, nur gegen Pfand. Toller Service, vielen Dank!

 

T wie Twitter

[blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/svensonsan/status/196997873844494336″]

Wer ohne Twitteraccount auf der re:publica ist, ist nur halb dort. Im Ernst – Verabredungen mit den Leuten aus der Timeline, Kommentare zu den Vorträgen, egal was: es findet über Twitter statt. Großartig.

 

U wie U-Bahn

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Die U-Bahnstation Gleisdreieck liegt direkt neben dem Veranstaltungsort, was nicht nur äußerst praktisch war sondern gelegentlich auch zu hören (Donnergrollen in Saal 1). Als Auswärtiger hört man ja das ganze Jahr über die aberwitzigsten Dinge über die Berliner Verkehrsbetriebe, aber die U-Bahn fuhr zügig und regelmäßig und der Bahnhof verfügte auch über einen Fahrstuhl (vgl. B wie Barrierefreiheit).

 

V wie VPN

Ich bekam eine ganze Reihe von dubiosen Direktnachrichten auf Twitter – von Freunden, deren Accounts offensichtlich gehackt wurden. Ernsthaft, Kinder, habt Ihr noch nie etwas von Safer Surfen gehört? In öffentlichen und offenen WLANs nur mit VPN-Zugang schwimmen, das lernt man doch im Kindergarten, hoffe ich!!!11

 

W wie WLAN

Hahaha!

 

Z wie Zeit

Mit 15 Minuten Luft zwischen den einzelnen Vorträgen hatte dieses Jahr wirklich jeder genügend Zeit für Saalwechsel, Cub Mate trinken und noch mal Pipi machen gehen. Das war eine deutliche Verbesserung gegenüber den Vorjahren, wo das Zusammenspiel aus langen Wegen zwischen überfüllten Räumen und Veranstaltungen, die unmittelbar aufeinander folgten oft dazu führte, daß man einen Vortrag 5 Minuten vor dem Ende verließ, um es gerade noch zum nachsten zu schaffen.
Manche Themen kann man in den veranschlagten 60 oder weniger Minuten nicht einmal anreissen, andere Panels dauerten hingegen selbst bei tatsächlichen 30 Minuten Vortragszeit ein gefühltes Jahr. Klar, das kann man manchmal im Vorhinein nicht wissen, aber fürs nächste Jahr wünsche ich mir von den Vortragenden noch etwas mehr Spielraum für den oft wichtigen und interessanten Open Mic Teil eines Panels.

Ausführliche Review Tag 1, Tag 2, Tag 3.

Re:publica 2012, dritter Tag

  • Veröffentlicht am 5th Mai 2012,
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Re:publica 2012, dritter Tag

Der dritte Tag begann für mich mit einem Vortrag des Niederländers Baas van Abel, der über den Einfluss von do-it-yourself, Fablabs und Open Design auf das Verhältnis zwischen dem Selbst und dem Rest der Welt sprach. Das klingt jetzt erst einmal eher trocken, aber war doch ziemlich spannend. Ich hatte z.B. schon von dem Phänomen des 3D-Druckens gehört (und daß solche Torrents wohl auch auf Pirate Bay immer beliebter werden), aber eher am Rande. Und wie wir alle hatte auch ich mir erlaubt, zu verdrängen unter welchen unmenschlichen Bedingungen unser aller mobilen Spielzeuge hergestellt werden. Nein, ich rede nicht von Foxconn (die ja für alle großen Anbieter von Unterhaltungselektronik produzieren, nicht nur für Apple), sondern von den Vorgängen im Kongo, wo in den Kobaltminen die Minerale gefördert werden, ohne die mobile Kommunikationsgeräte nicht gebaut werden können. Van Abel ist Mitbegründer von Fairphone, einer Gesellschaft, die, vereinfacht gesagt, für die Minenarbeiter dort das tut, was Fair Trade Kaffee andernorts für Kaffeeplantagenarbeiter erreicht: faire Bezahlung und Arbeitsbedingungen.

In der nächsten Session diskutierten Johnny Haeusler (Musiker, Autor, Mitbegründer der re:publica), Roxanne De Bastion (Musikerin), Conrad Fritzsch (Macher von tape.tv), Hans Hafner (Filmmusikkomponist), Konrad v. Löhneysen (Ministry of Sound und im Vorstand Bundesverband Musikindustrie) über „Copyriots“, also das inzwischen glücklicherweise Mainstrreamthema gewordene Urheberrechtsgesetz. Mit auf dem Podium sitzen sollte ein Vertreter der GEMA, der aber in letztere Minute abgesagt hat, aus Gründen. Vermutlich nicht ganz ohne Trotzköpfchenschadenfreude hat Johnny dann Michael Seemann, a.k.a. Mspr0 gebeten, einzuspringen. Der ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen und quakte „Bedingungsloses Grundeinkommen!1elf!“. Okay, das klingt jetzt böser, als es gemeint ist, aber ich mag seine Theorien und Vorschläge nicht, selbst wenn ich ihm attestieren muss, daß er sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat und seine Meinung, das UrhG sei abzuschaffen, konsequent vertritt.
Natürlich kann man das aufgeheizte Thema nicht binnen einer Stunde auch nur annähernd abhandeln. Ich war genervt von Conrad Fritzschs Drang zur Selbstdarstellung bei gleichzeitigem Ausweichen von Johnnys interessanten Fragen. Ich war beeindruckt und überzeugt von den Argumenten Hafners und de Bastions, die ohne die Gelder aus GEMA bzw. dem UK Pendant nicht von ihrer Musik leben könnten. Und ich war sehr überzeugt von v. Löhneysens Argumentation, sowie seinem trockenen Humor. Er war das klare Feindbild dort oben, Lobbyist, Industrieschwein, Abmahner, der Endgegner. Aber am Ende hat seine ruhige, selbstironische Art sicherlich zur sachlichen, weiterführenden Debatte beigetragen.

Dieekt im Anschluss kam dann Felix Schwenzels Vortrag, „Soylent Green, äh, the internet is people!“, den ich zwar recht unterhaltsam fand, aber letztlich nicht lange durchhielt, zumal er auch keine Neuigkeiten enthielt. Bald wurde es für mich langweilig (wahrscheinlich lag es an der etwas leiernd-monotonen Vortragsart, die mir beim Versuch, ein Gähnen zu unterdrücken, fast das Trommelfell zerrissen hätte) und ich bin raus, ab in die Sonne.

Mittagessentechnisch hielt ich mich am dritten Tag an die Bananen (die Nudeln im re:staurant sahen nicht wirklich al dente aus) und Club Mate. Letzteres versuche ich nun schon im dritten Jahr in Folge mir schönzusaufen, wenn ich das so sagen darf. Ich mag das Zeug immer noch nicht, aber das angebotene alternative Radlergetränk war noch weniger mein Fall.

Das Nachmittagsprogramm hielt für mich Katie Stanton bereit, ihres Zeichens Head of Strategy bei Twitter. Sie warf mit Zahlen, Daten, Fakten um sich und versuchte, mit Referenzen zu Tatort, Borussia Dortmund oder dem Versuch, uns zu bewegen, Merkel zum twittern zu bewegen und uns den Bauch zu pinseln, was aber zumindest bei mir nicht verfing. Ich fand sie einfach unsympathisch und ihren Vortrag doch reichlich langweilig.

Regierungssprecher Steffen Seibert twittert unter @regsprecher und stellte sich den harmlosen Fragen der netten, angesichts dieses PRofis völlig überfordert wirkenden Interviewerin. Seibert hat es geschafft, in knapp über einer Stunde mit seinem professionellen Kai Pflaume Charme nicht nur seine Gesprächspartnerin, sondern auch einen Saal voller Digerati einzulullen und mehr Sympathiepunkte für die Regierung zu landen, als diese es in den letzten sieben, gefühlt hundert Jahren jenseits der CDU Stammtische und Hotelierskonferenzen vermocht hat. Faszinierend. Nebenbei hat er noch den Spruch der #rp12 gebracht: Angesprochen auf die Frage, warum er sich für Twitter entschied und nicht z.B. für Facebook, zählte er all die Regierungen auf, die twitterten — USA, UK, Frankreich, Russland und auch der Vatikan. „Man sollte in Sachen Aktualität nicht unbedingt dem Vatikan hinterherhinken“. Solchermaßen zugeflauscht mußte ich erst einmal ein Bier trinken.

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Eigentlich hatte ich mir dann den Vortrag der bloggenden Lehrerinnen vorgenommen, aber da sich immer alle so von Kathrin Passig totschwärmen, bin ich doch wieder in Saal 1 gegangen, um mir ihren Vortrag über Standardsituationen der Technologiebegeisterung anzusehen. Das war jedoch ein Fehler, denn obwohl ich Passig genauso gerne lese wie Schwenzel, und sie auch genauso sympathisch finde, schläfert mich leider ihre meditative Vortragsweise auch auf ähnliche Art ein. Eine Stunde war außerdem definitiv viel zuviel Sendezeit für diesen Vortrag, da hätte auch eine halbe Stunde gereicht. Aber ich ahne, daß ich mit dieser Meinung in der Minderheit sein werde, und inhaltlich war’s ja auch teils echt interessant.

Dann war Tag 3 um, die Macher und Helfer der siebten re:publica (die meine vierte war) enterten die Bühne und ich war etwas ängstlich: würde es zum Abschied wieder Bohemian Rhapsody Karaoke geben, wie spontan vor zwei Jahren, und leider im letzten Jahr lauwarm wiederholt? Aber Johnny enttäuschte nicht: Man kann Spontanität nicht wiederholen. Keine Bohemian Rhapsody. Dafür eine Ansammlung von Musikeren mit analogen Instrumenten, die uns dann musizierend durch den Saal und nach draussen in den sonnigen Innenhof führten. Die re:publica 2012 war vorbei.

Ich lasse das jetzt noch ein bisschen sacken und poste dann, wie in jedem Jahr, die Marginalien und Beobachtungen am Rande. Für heute bin ich leergeschrieben.

Re:publica 2012, zweiter Tag

  • Veröffentlicht am 4th Mai 2012,
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Re:publica 2012, zweiter Tag

Tag zwei begann für mich mit einem Panel über den digitalen Dorfplatz. Sascha Lobo, Christoph Kappes, Martina Pickhardt (@Picki_HH), ein Herr Lesser und ein Herr Möller diskutierten unter Moderation von Falk Lücke über die Unterschiede zwischen Privatheit und Öffentlichkeit, bzw. die verschiedenen Arten der Öffentlichkeit und wie wir gesellschaftlich damit umgehen wollen. Unsere Gespräche finden auf Plattformen statt, die uns nicht gehören und morgen geschlossen werden können oder von denen wir aufgrund vonn Nutzerbedingungen willkürlich ausgeschlossen werden können. Facebooks AGB vs. das Grundgesetz – was ist mächtiger und was gilt tatsächlich?
Das wäre spannender gewesen, wenn der Moderator sich selbst nicht so wichtig in den Vordergrund gespielt sondern mehr zurückgenommen hätte, und ausserdem hätte es viel mehr Zeit gebraucht. Aber gut war’s dennoch.

Anschliessend sah ich ein paar der re:health Panels auf Stage 7. Was bedeutet Social Media im Gesundheitsbereich? Wie kann es eingesetzt werden, wozu ist es gut? Ich hatte mir allerdings mehr davon versprochen („Alles böse!“); und auch die Akustik war in den Räumlichkeiten eher unterirdisch. Das war mehr Social Müdia. So sass ich mit Claudine und Frau Mutti zusammen und sinnierte über Katzenzungenpiercings. (Fragt nicht.)

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Also runter zum Affenfelsen und ein bisschen mit alten und neuen Bekannten gequatscht und auf dem Hof eine Grillwurst eingeatmet. Dies ist übrigens das einzig wirklich ärgerliche Ding bei dieser ansonsten so hervorragend organisierten Veranstaltung: Das Essen bzw. Catering ist eher mau. Okay, das war noch nie anders und wahrscheinich müßte man Jesus heissen, um über viertausend Leute so abzufüttern, daß sie anschliessend glücklich sind. Aber es gibt z.B. keine vegetarischen oder gar veganen Gerichte, soweit ich sehen konnte — von den Bananen und Äpfeln an den Ständen in der Halle mal abgesehen. Ich bin weder Vegetariern noch Veganerin, aber ich ernähre mich ganz gerne gut und gesund. Nichts gegen die gelegentliche Thüringer vom Grill, aber über drei Tage!?

Während ich noch auf dem Affenfelsen meine Mails checke, drückt mir ein freundlicher Mensch ein Microfasertuch und einen Eingabestift für mein iPad in die Hand und verschwindet wieder. Ich freue mich sehr darüber, denn ich habe heute meinen sensu brush im Hotel gelassen, aus Angst, ihn zu verlieren. Nun zeichne ich direkt mal unauffällig einen der Besucher.

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Anschliessend gehe ich zum Stand der ARD Mediathek, um mich für das Geschenk zu bedanken und führe eine sehr gute Unterhaltung mit einem der Mitarbeiter dort über Sinn und Unsinn von Depublizieren, GEZ und Urheberrechtsbrandbriefen von Tatortautoren.

Weiter geht’s mit dem Panel über Foodblogs. Dort moderiert die Kaltmamsell eine sehr harmonische Runde von Foodbloggern und -journalisten bzw. Kochbuchautoren über Verfall und Rettung der Esskultur. Soweit jedenfalls die Agenda – de facto geht es mehr über die Vorurteile der Gastro-Journalille und -Verleger über die Amateure, die ihnen angeblich das Wasser abgraben, außerdem darüber, ob man vom Foodbloggen leben kann. Kann man – Überraschung! – nicht, jedenfalls nicht hierzulande und nicht ausschliesslich. Nicole Stich führt die auchvon mir gern gelesene Ree Drummond a.k.a. The Pioneerwoman an, die sich binnen weniger Jahre ein Imperium ähnlich Martha Stewarts aufgebaut hat. Aber die Drummonds sind seit Generationen extrem reiche Rancher der oberen 1%; da fallen zum einen die geschätzt paar hunderttausend Dollar, die Ree mit ihrere Bloggerei und daraus resultierenden Kochbuchdeals, TV-Auftritten etc. reinholt, nicht wirklich ins Gewicht. Zum anderen lässt sich so ein Unterfangen mit dem nötigen Startkapital natürlich leichter anschieben.
Aber unabhängig davon war das ein sehr entspanntes Panel, das Stevan Paul mit dem Fazit schloß, die Verquickung zwischen Nahrung und Werbung doch bitte nicht nur auf Blogs etwas genauer und kritischer unter die Lupe zu nehmen.

Danach blieb Zeit für einen kleinen Schwatz mit meinem Freund Max, seines Zeichens u.a. Saxophonist der Hamburger Band Schmitten, für die ich gerade ihr neues Plakat gestalten darf und dann ging es weiter zu einem Panel darüber, wie Musik, Künstler, Labels und das Netz Freundschaft schliessen. Auch hier hatte ich mir inhaltlich etwas mehr versprochen, da kam für mich nichts Neues, aber vielleicht war das auch in diesem Rahmen nicht zu erwarten. (NB: ich bin nebenbei Partnerin in einer Agentur, die sich das Thema Direct-to-Fan auf die Fahnen geschrieben hat und Künstler, Manager und Labels hinsichtlich ihrer Darstellung und Marketing- u. Vertriebsaktivitäten im Netz berät.)

Noch kurz bei den Goldenen Himbeeren der Webviseos reingeschaut, was dem Vernehmen nach sehr lustig gefunden wurde aber mein Humorzentrum nicht wirklich traf und dann kurz geschwankt, ob lieber die Abschiedsshow von Nilzenburger und Herm oder doch die Mädels mit Poetry Spam gucken. Letztlich zu alle für beides gewesen. Tag 3 wird anstrengend und ich habe nicht zuletzt dank der Klimaanlage im Hotel ein Schlafdefizit und Halsweh.

Re:publica 2012, erster Tag

  • Veröffentlicht am 3rd Mai 2012,
  • veröffentlicht von
Re:publica 2012, erster Tag

Die neue Location ist toll, und ich habe nicht den Eindruck, daß sie zu groß ist, wie zunächst befürchtet. Die Stimmung ist wie in jedem Jahr super. Man kommt überall schnell und gut hin, der „Affenfelsen“ in der Mitte ist mit Steckdosen ausgerüstet und alle sind freundlich, gut gelaunt und freuen sich. Man sucht und findet die Mitglieder seiner Timeline, fällt sich um den Hals, verklönt sich und verpasst darüber fast das nächste tolle Panel. Aber nicht so schlimm, das guckt man sich dann halt nächste Woche zuhause als Videoaufzeichnung an.

Die Eröffnung ist fröhlich, der große Saal randvoll, die Organisatoren sind aufgeregt, hibbelig, voller Energie. Den Partnern wird ausführlich gedankt, und mit Recht, denn so eine gigantische Konferenz muss finanziert werden. Spiegel Online hat jetzt sogar einen Livestream, so hören wir. Danach schwallert irgend ein wichtiger Mensch aus Politik und/oder Wirtschaft vor sich hin, bis der erste im Saal sein Bullshitbingo-Kärtchen voll hat und laut Bingo! ruft. Schallendes Gelächter, nur der Redner hat’s nicht gerallt und dröhnt weiter vom Silicon Valley Berlin. Herr @Schaarsen und ich stimmen mit den Füßen ab und ich schaue mich draußen um.

Die Comdirect Bank hat einen Stand. Ich gehe hin, wirklich neugierig, um zu erfahren was genau sie denn hier machen, anbieten, erzählen wollen. Die armen Mitarbeiter stehen an einem brütend heissen Tag in ihren dunklen Anzügen und Kostümen da, verteilen lauwarme Energydrinks mit der Aufschrift Performancebooster, haha, und erzählen mir, daß sie mit ihrer Onlinebank jetzt auch eine Facebookseite haben. Ah ja. Außerdem küren sie heute hier das Finanzblog des Jahres. Mhmhm. Und daß sie kostenlose Konten anbieten. Ich frage nach: auch für Freiberufler? Äh, nein, nur für Privatleute. Ich blicke nachdenklich auf die Leute um uns herum, die gefühlt zu 90% freelancer sein dürften, „wir nennen es Arbeit“, lehne höflich den lauwarmen Energydrink ab und wandere leicht ratlos zur offline-Twitterwall.

Oflline Twitterwall

Hier druckt Hornbach, der Baumarkt, alle mit einem #rp12 getaggten Tweets aus und tapeziert sie an die Wand, die bis zum Abend voll sein wird. Nette Idee, aber irgendwie auch … hm.

Auf zu meinem ersten richtigen Vortrag des Tages. Ich höre Raul Krauthausen zu, der u.a. über barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Bahnhöfen spricht und nach seinem Erfolg mit wheelmap.org jetzt ein neues Crowdsourcing-Projekt stemmen will, wo man defekte Fahrstühle sammelt. Er spricht locker und mit schön schwarzem Humor und ich hoffe, das Projekt hebt ab. Verdient hätte es das.

Anschliessend höre ich Alexander a.k.a. Not Quite Like Beethoven aus meiner Timeline und zwei weiteren hörbehinderten Redner_Innen bei ihrer Diskussion auf einem Panel über barrierefreies Internet zu. Das Netz hat viel dazu beigetragen, daß behinderte Menschen besser am gesamtgesellschaftlichen Leben teilhaben können, und die technischen Möglichkeiten sind großartig. Aber das muss auch offline mehr, viel mehr unterstützt werden. Das Panel hier ist barrierefrei, d.h., daß eine Gebärdendolmetscherin dabei ist, und daß jemand live die gesprochenen Worte abtippt, die dann über einen Monitor flimmern. Aber die Panels zur Barrierefreiheit sind noch die einzigen, die so begleitet werden. Das ist sicherlich auch eine Ressourcenfrage – finanzieller und personeller Art. Dennoch schade, daß nicht alle Besucher der #rp12 die Qual der Wahl haben, welche der vielen fantastischen Angebote sie denn wahrnehmen wollen.

Ich treffe Johnny und habe endlich mal die Gelegenheit, mich persönlich für die tolle Veranstaltung zu bedanken. Er wird von Kamerateams verfolgt und als das nächste anrückt, gehe ich auf den sonnigen Innenhof, etwas essen. Die nächste Veranstaltung auf meinem Plan ist das Panel von Profilagentin @Kixka, die unterhaltsam und kurzweilig über die digitale Selbstinszenierung spricht, gefolgt von einem Panel übers Selfpublishing, in das ich mit @Claudine und @Writingwoman gehe, aber schnell verlasse, als ich endlich @Frau_Elise treffe. Muss ich mir den Vortrag halt nächste Woche auf Youtube ansehen. Wir brauchen eigentlich alle dringend ein Eis, aber es gibt leider keins. Next stop: Der Vortrag „Your information: Whose is it?“ von Ali Ravi.

Unterbrechung: ich merke gerade, daß dieser Eintrag länger wird als geplant und ich schon jetzt noch nicht einmal die Hälfte der Erlebnisse aufgeachrieben habe. Allerdings muss ich jetzt los zum ersten Vortrag von Tag 2. Habt also bitte Nachsicht, wenn ich hier abbreche und heute Abend oder morgen früh weiterschreibe.

Update, 4. Mai (Star Wars Day), Sternzeit 05:30 Uhr:

Das ursprünglich eingeplante Panel über Leetspeak und Ragefaces von Nerd-Zeichner Johannes Ketzschmar a.k.a. Beetlebum, den ich sehr schätze, habe ich mir geschenkt und statt dessen Cindy Gallops «Make Love Not Porn» auf Stage 1 gesehen. Das war wohl in jeder Hinsicht eine gute Entscheidung, denn zum einen soll Jojos Vortrag doch eher, nunja, dröge gewesen sein (wie Frau Gröner schreibt, was natürlich eine wunderbare Klatsche zur Antwort hatte) und andererseits war das Thema und die Vortragsweise von Cindy Gallop einfach nur unterhaltsam und wichtig. Aber seht selbst: http://spon.de/vfaK6.

Ich blieb auf Stage 1 und sah echte Astronauten auf der Bühne, die mit Verve, Witz und Leidenschaft über ihre Social Media Aktivitäten aus dem All(tag) erzählten, leider vor meist leeren Stühlen. Voller wurde es im Publikum erst wieder, als der anschliessende Überraschungsvortrag von Sascha näherrückte. Vielleicht bin ich ja hoffnungslos altmodisch, aber um die Worte des Außenministers mal sinnvoll abzuwandeln: Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem eine Frisur mehr Leute anlockt als eine Runde Astronauten das kann. Und das ist nichts gegen Sascha, ich liebe Sascha, und sein Vortrag war wie immer prima und wahr, aber Leute, das geht so nicht! Ich habe mich geschämt für Euch.

Am Ende ging es dann endlich hinaus auf den Innenhof, netzwerken, Bierchen trinken, alte und neue Freunde treffen und sich auf morgen freuen.

Der Plan zur #rp12 steht:

  • Veröffentlicht am 27th April 2012,
  • veröffentlicht von
Der Plan zur #rp12 steht:

Lange alles durchgelesen, Termine gecheckt, Inhalte verglichen, Sprecher angesehen. Die für den Job bzw. den Kunden interessanten Panels rausgeschrieben, die vielversprechenden Panels von Bekannten und den üblichen Verdächtigen. Neugierde, ob die neue Location der #rp12 gerecht wird. Sorge, ob genügend Lücken für den Lunch mit Daniel Craig und die vielen Bierchen mit den vielen, lieben Freunden bleiben. Wissend, das am Ende alle Pläne wie jedes Jahr Makulatur sind und die spannendsten Unterhaltungen jenseits der Konferenzen stattfinden. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn was man verpasst, kann man fast immer hinterher noch einmal in Ruhe ansehen. Hier sind z.B. die Videomitschnitte der wichtigsten Vorträge und Sessions von 2011.

Ich freu’ mich so!

Und wie sehen Eure Pläne aus? Was hab’ ich übersehen, was kann ich ignorieren? Hier ist das Programm: re:publica 2012.

Cabriowetter

  • Veröffentlicht am 28th März 2012,
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Cabriowetter

Cabriowetter

Gestern war ein rabenschwarzer Tag für mich: mein elf Jahre altes Smart Cabrio hat keine TüV-Plakette mehr bekommen. Reparaturen im Wert von rund 1.000€ stehen an, und da dies vermutlich erst die Spitze des Eisbergs wäre (der Motor hat jetzt knapp 135.000 km drauf) wäre es wirtschaftlich nicht vertretbar, in dieses Fass ohne Boden zu investieren. Somit heisst es Abschied nehmen von meinem heiss geliebten Auto.

Ich habe hier schon einmal erwähnt, wie glücklich und fröhlich ich dieses Auto damals im Sommer 2001 aus dem Showroom gefahren habe. Meinen ersten – und vermutlich letzten – Neuwagen, denn natürlich brauche ich kein Auto zum Leben. Kein Auto zu haben, schränkt meine Lebensqualität nur unwesentlich ein; ja, es wird jetzt höllisch umständlich und anstrengend, zum Golfplatz zu kommen, der mir seit Jahren jede Woche die Energie gibt, die andere Leute in mehrwöchigen Urlaubsfernreisen tanken (meine letzte Urlaubsreise über mehr als zehn Tage am Stück war im Jahre 2000). Meine geliebten Wochenendausflüge ins Hamburger Umland werden ausfallen. So manchen Freund zu besuchen wird zur logistischen Qual. Aber natürlich brauche ich kein Auto zum Leben. Ich wohne ziemlich zentral, nur einen Steinwurf von einer U-Bahn Station entfernt; eine Metrobusstation in 150 Metern Entfernung. Ich habe ein gutes Fahrrad, aber ich gehe gern und oft zu Fuß, viel lieber als mit dem Fahrrad zu fahren (sehr zum Unverständnis meiner Freunde, die lieber alles mit dem Rad erledigen und keinen unnötigen Schritt zuviel machen). Ich bin mit Bus oder Bahn oder Rad binnen einer Viertelstunde am Jungfernstieg, wenn ich denn will. Es gibt Car2Go in Hamburg. Aber ich trauere um dieses Auto und daß den vielen, vielen glücklichen Momenten darin nun keine mehr folgen werden.

Der Sommer auf Sylt, Dach auf und zum Ellenbogenstrand. Die genießerischen Momente im Stau, wenn die Sonne mir auf die Nase schien. Die Fahrt ins Blaue, einfach Richtung Frankreich, mal sehen wie weit wir kommen und wo es uns hinverschlägt – nur um in St. Tropez zu landen, das sich auf die Saison vorbereitete und uns mit verschlafenen Augen bewunderte. Die Rosenbäumchen, von der Gärtnerei geholt und – *pieks* – AUA!  – *pieks* – AUA! – *pieks* – AUA! – nach Hause gefahren. Die Fahrt nach Italien. Captain Jack in der Babyschale, verträumt in die Wolken schauend. Sein kleiner, autoverrückter Bruder, der lange dachte, die Marke hiesse KIKISMART und bei jedem anderen Smart auf der Straße rief: „ein KIKISMART!“. Der nur damit zu überzeugen war, jetzt vom Kindergeburtstag bei seinem Kumpel abgeholt zu werden, daß er im KIKISMART fahren durfte. Ungezählte Ausflüge zu ungezählten Golfplätzen, wo ich jedes Mal den staunenden Mitspielern zeigen mußte, daß tatsächlich ein großes Golfbag, ein großer Trolley und noch anderes in den Kofferraum passt und der Beifahrersitz freibleiben kann. Familienmops Pontus, der so gerne mitfuhr und die Sonne auf seinem Rücken so genoss. Und tausend andere Momente.

Pontus geniesst die Sonne

Die hat jeder, in jedem anderen Auto auch, so oder so ähnlich. Ja nun, so ist der Lauf der Welt. Erste-Welt-Probleme. Wie kann man ein Auto lieben? Wie armselig ist das denn bitte? Ich höre Euch, und Ihr habt Recht, aber so ist das mit den Emotionen: sie haben halt nicht viel mit dem Verstand zu tun.

Schläfrig Holstein

  • Veröffentlicht am 5th Februar 2012,
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Die Landschaft ist gepuderzuckert, Wölkchen bummeln über den Deich, Wolle hängt am Stacheldraht, Schafe lungern herum, am Horizont schieben sich wie von Geisterhand Container ins Bild. Ich liebe dieses Land.

Der Sommer kommt bestimmt!

  • Veröffentlicht am 19th Januar 2012,
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Aktuell ist alles grau und fies hier, aber der Sommer kommt, ganz sicher!

Ein Werbeclip, ja, aber ein wunderschöner, wie ich finde. Und Persol hat sowieso seit jeher die stylishsten Sonnenbrillen, dafür kann man ruhig werben.

re:publica 12, ich komme!

  • Veröffentlicht am 2nd November 2011,
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Gestern noch twitterte ich quengelig, wann denn nun endlich der Vorverkauf losgehe, der November habe schließlich endlich angefangen. Und heute saß ich im dicksten Stau im Auto und chekcte meine Mails, als ich auf eine stieß, in der ich gefragt wurde, ob ich schon einen Hoteltipp für die neue Location hätte? Das konnte nur eines bedeuten … der Vorverkauf hatte angefangen, und ich saß nur mit einem phlegmatischen iPhone 3G bewaffnet im Hamburger Feierabendverkehr und brauchte doch dringend ein Ticket, verdammt!

Also tippte ich mit zitternden Fingern die URL ein und beobachtete, wie sich in Zeitlupe die Seite lud. Das E in der Menüleiste avisierte mir, daß ich mich in der EDGE-Hölle befand, nicht mal 3G stand mir zur Verfügung. Schliesslich hatte ich mich durch die Seite gearbeitet und war auf dem Bestellformular angekommen. Es war noch genau ein (1) Early Bird Bloggerticket zu haben. Aber wäre ich – bzw. EDGE – schnell genug, um es auch zu bestellen? Quälend langsam ging es voran, und meine Ungeduld wurde auch nicht dadurch besänftigt, daß ich zwischendurch tatsächlich auch im Verkehr ein paar Meter vorankam und zu meinem Vordermann aufschliessen mußte. Verdammte Axt! Ich kann so nicht arbeiten!

Am Ende dann wurde alles gut – ich habe das letzte der 300 Early-Bird-Bloggertickets bekommen, die binnen vierzig Minuten (!) ausverkauft waren, wie Johnny schreibt. Und jetzt kann ich mich auch ganz gemütlich um ein Hotelzimmer kümmern. Ach ja – und wie ich das Banner hier ins Blog einbinde. Muss ich mir wohl doch wieder eine Seitenleiste basteln, hm?

Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!

Fahrradfahren (1972-1977)

  • Veröffentlicht am 21st September 2011,
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Meine Begeisterung für Fahrräder hielt sich vom ersten Tag an in sehr engen Grenzen. Ich erinnere mich an äußerst gelegentliche Fahrradausflüge mit Mama und Papa in die umliegenden Wälder. Dabei saß ich auf dem nackten Gepäckträger des Peugeot Klapprads, das mein Vater steuerte. Auf welchem Rad meine Mutter fuhr weiß ich nicht mehr. Eigentlich war es ihr Klapprad. Wahrscheinlich ging sie lieber zu Fuß und sammelte solange Pilze. Ich hielt mich abwechselnd an seinem flannellbehosten Hintern und der schwarz verschmierten Sattelstange fest und kriegte anschließend eine entsprechende Ansage, als er die Bescherung feststellte. Meinen Hintern mußte er nicht versohlen, ich konnte auch so ein paar Tage nicht richtig sitzen.

Die nächsten Male fuhr ich daher auch lieber auf meinem Tretroller mit; schon im zarten Alter von vier oder fünf Jahren hatte ich mehr Spaß daran, auf einer Planke quer zur Fahrbahn zu rollen als hoch auf einem Rad zu sitzen. Dennoch bekam ich so um die Zeit der Einschulung mein erstes Fahrrad. Es war grün, hatte weiße Reifen und – Stützräder. Ich setzte mich aufs Rad, rollte zögerlich unsere Einfahrt hinunter und bremste klassisch mit der  Nase am Gartentor. Unmittelbar im Anschluss trat ich wütend gegen die Stützräder und schwor mir, nie wieder Rad zu fahren.

Da mein Schulweg bequem zu Fuß zu erledigen war, hielt ich diesen Schwur recht lange durch, jedenfalls bis zur Verkehrserziehung in der zweiten Klasse, wo man unter Aufsicht des Dorfpolizisten eine unfallfreie Runde auf dem Schulhof drehen mußte. Wer es schaffte, links und rechts nicht zu verwechseln und schön laut klingeln konnte, bekam einen Aufkleber und einen Fahrradwimpel zur Belohnung. Ich kam mit Aufkleber und Wimpel nach Hause, schmiss beides in den Müll und würdigte das Fahrrad nie wieder eines Blickes.

Ein paar Jahre später las meine Mutter etwas von einer Auktion des Fundbüros der Bahn und wir gingen hin, ein neues, altes Fahrrad für mich zu ersteigern. Mehr aus Neugierde und Spaß an der Auktion als aus finanzieller oder logistischer Notwendigkeit; ich lief immer noch klaglos zur Schule (zumindest was den Schulweg anging) und sah keinen unmittelbaren Bedarf für ein neues Fahrrad. Das kleine grüne Rad wäre zwar inzwischen ohnehin viel zu klein für mich gewesen, aber es war auch schon lange an Freunde meiner Eltern und deren Nachwuchs weiterverschenkt worden. Mama und ich ersteigerten für um die zehn DM ein diarrhoegrünbraunes Klapprad. Es war so speihässlich und mir auch viel zu groß, daß ich es unmittelbar und unerwartet ins Herz schloss. Okay, benutzen tat ich es ähnlich oft wie mein erstes Fahrrad, aber gelegentlich gurkte ich doch darauf um den Block und in den Wald, mit meinen Freunden spielen. Von denen hatten auch nicht alle ein Fahrrad und daß einer von uns alleine auf dem Rad saß, kam so gut wie nie vor. Irgend einen Spielgefährten hatte man immer auf dem Gepäckträger. Und ja, natürlich ist es gelegentlich zusammengeklappt, wenn man es am wenigsten gebrauchen konnte.

Ein paar Jahre später war die Grundschulzeit vorbei und der Weg zu meiner neuen Schule war nun zu weit, um ihn zu Fuß zu erledigen. Das hässliche Klapprad wurde für nicht schultauglich befunden und ich bekam zum Geburtstag ein nagelneues, rotes Herculesrad, mit gelb reflektierenden Seitenwänden auf den Reifen, einem Rückspiegel und einem Korb auf dem Gepäckträger, in den ich meinen gelben Scout Ranzen stellen konnte. Es hatte die legendäre, unkaputtbare Fichtel & Sachs 3-Gang-Schaltung, die ich in nullkommanix kaputtkriegte, weil ich den Schalthebel am Lenker auch im Stand dauerbetätigte.

Mein Schulweg führte über einen Bahnübergang, der beiderseits der Schienen durch ein so genanntes weiss-rot lackiertes „Drängelgitter“ gesichert wurde. Ein Schild „Radfahrer absteigen“ war deutlich und weithin lesbar darauf angebracht. Jeden Morgen stand ich allein vor diesem Gitter, guckte nach links und rechts und schob mein Fahrrad über die Schienen. Nie sah ich je einen Zug dort. So kam es, daß ich, inzwischen mutiger geworden, nicht mehr erst groß abstieg um umständlich zu schieben, sondern mich fahrend durch die Absperrung schlängelte. Eines Morgens jedoch standen Leute vor dem Gitter und warteten. Ich war (wie meist) völlig in Gedanken, nur ein flüchtiges „was stehen die hier so blöd rum?“ schwebte durch meine Synapsen, als ich an allen vorbei auf die Schienen radelte. Was mich bewog, nach links zu sehen? Ich werde es nie wissen. Jedenfalls war die Lok noch etwa 100 Meter entfernt, als ich den Satz meines Lebens  machte und ans rettende Ufer sprang – das Fahrrad hinter mir zurück lassend. Ein paar Sekunden darauf hatte ich wieder ein Klapprad.

(Fortsetzung folgt)

Schnee in Neuseeland

  • Veröffentlicht am 17th August 2011,
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In Wellington, Neuseeland hat es seit vielen Jahrzehnten das erste Mal geschneit. Jemand hat ein zauberhaftes Video von Menschen geschnitten, die sich an diesem Phänomen erfreuen:

Snow on Cuba Mall in central Wellington (HD) from Ro Tierney on Vimeo.

Times Square, ca. 1963

  • Veröffentlicht am 16th August 2011,
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Als ich irgendwann die Familienschatztruhen an Dias und Fotos durchstöberte, fand ich dieses Bild, das meine Mutter aus einem Taxi heraus geknipst hat. Es stammt, wie man unschwer erkennen kann, aus New York City und zeigt das berühmte Camel Billboard, das ein Vierteljahrhundert am ebenso berühmten (und ca. 1970 abgerissenen) Claridge Hotel in der 44. Straße hing und echte Rauchringe produzierte.

Das Bild muss nach 1962 aufgenommen worden sein, als Hector’s Cafeteria eröffnete (einer Geburtsstätte der Beat Generation) und vor 1966, als das Billboard abmontiert wurde. Etwas mehr über die Geschichte dieser Werbefläche findet sich hier; die Idee mit dem rauchenden Plakat wurde aus der Not geboren – bei der Installation 1941  herrschte kriegsbedingtes Verdunkelungsgebot – und der Raucher darauf war mal Soldat, mal Matrose und mal Flieger. Eine ursprüngliche Headline lautete „I’d walk a mile for a Camel“.

Arrowshirts waren zu jener Zeit die Hemden für den Gentleman von Welt und wer gesehen hat, wie Don Draper in der Pilotfolge von Mad Men im Büro ein blütenweißes Hemd von einem Stapel in seiner Schreibtischschublade nahm und anzog, der weiß nun auch um welche Marke es sich sehr wahrscheinlich handelte.

A valid question

  • Veröffentlicht am 21st April 2011,
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A Congressman was seated next to a little girl on an airplane so he
turned to her and said, “Do you want to talk? Flights go quicker if
you strike up a conversation with your fellow passenger.”

The little girl, who had just started to read her book, replied to the
total stranger, “What would you want to talk about?”

“Oh, I don’t know,” said the congressman. “How about global warming,
universal health care, or stimulus packages?” as he smiled smugly.

“OK,” she said. “Those could be interesting topics but let me ask you
a question first. A horse, a cow, and a deer all eat the same stuff –
grass. Yet a deer excretes little pellets, while a cow turns out a
flat patty, but a horse produces clumps. Why do you suppose that is?”

The legislator, visibly surprised by the little girl’s intelligence,
thinks about it and says, “Hmmm, I have no idea.”

To which the little girl replies, “Do you really feel qualified to
discuss global warming, universal health care, or the economy, when
you don’t know shit?” and then she went back to reading her book.

Re:publica 11, Review 3. Tag

  • Veröffentlicht am 19th April 2011,
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Tag 3 begann mit einem Panel über „Fünf Jahre Informationsfreiheit“ im Friedrichstadtpalast. Über die sture Verweigerung der allermeisten Behörden, das 2006 inkraft getretene Informationsfreiheitsgesetz zu akzeptieren und zu unterstützen diskutierten der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, dem GF der Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland, Christian Humborg, dem Leiter der Rechercheabteilung von Greenpeace in Deutschland, Manfred Redelfs und dem Gründungsredakteur und Projektleiter von irights.info, Matthias Spielkamp. Das war ganz, ganz gruselig, was dabei herauskam und leider nicht im Mindesten überraschend: Die jahrzehnte- wenn nicht jahrhundertelang gelernte Ablehnung von Anfragen der Bürger oder der Presse bei Behörden unter der Berufung auf ein etwaiges „Amtsgheimnis“ wird heutzutage schlicht weiter angewendet – jetzt i.A. müssen „Datenschutzgründe“ für das Mauern herhalten. Man möchte schreien ob der Dummheit, Ignoranz und Bösartigkeit, mit der hier geltendes Recht mit Füßen getreten wird. Das Video ist noch nicht online, soweit ich sehen kann, aber wenn es kommt, werde ich es hier einfügen.

Im Anschluß sprach ich mit dem Blogger und Twitterer @Bicyclist und habe mich einmal mehr gefreut, daß mir diese Veranstaltung die Gelegenheit gibt, so spannende und nette Menschen kennenzulernen.

Dann rief mich kurz die Arbeit an und dann kam Das Mittagessen… ja, Das Mittagessen. The One And Only. Ich fasse das am besten mal in Tweets zusammen:

[blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/DonDahlmann/status/58845856354410496″]

Diesen Tweet hatte ich zu spät gelesen; ich hatte schon bestellt und gegessen. Aber unmittelbar darauf kam dann folgende Aussage (offenbar folgt @LittleJamie Don Dahlmann nicht):

[blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/littlejamie/status/58855093772099584″]

Ich konnte sie nicht sehenden Auge ins Elend laufen lassen:

Auch Jörn sprang mir zu Hilfe:

Unsere Mission hatte Erfolg:

Puh, das war Rettung in letzter Minute! Aber unsere Hilfsaktion hatte noch einen netten Nebeneffekt:

Denn endlich, am dritten Tag der Veranstaltung, trafen wir uns endlich. Und es war superlustig, wir knurrten die Leute aus dem Weg und kicherten wie Schulmädchen. Meine Omi hätte vermutlich gefragt, obe wir „Gibbelwasser getrunken“ hätten. Hachja, das war ein wunderbarer Nachmittag. Wir saßen übrigens in der Kalkscheune im großen Saal, ließen das eher uninspirierte, ernste BlaBla der Datenfresser über uns ergehen, freuten uns riesig auf und über den Dinosauriervortrag von Mme Gröner, Don Dahlmann, Felix Schwenzel und dem Schockwellenreiter (sorry, hab’ vergessen wie der im RL heißt, das ist auch sowas, ich kann mir ohnehin schon keine Namen merken und dann noch Nicks dazu? Ich bitte Euch!). Der ging viel zu schnell vorbei (wieso sind die tollen Panels immer so schnell um und die langweiligen ziehen sich wie Sirup?) und ging fließend über in den zumindest von mir mit Freude erwarteten Vortrag von @Profilagentin @Kixka über „ICONS“ – unsere mini-Briefmarkenbildchen, mit denen wir auf unseren Avataren und Profilbildern im Netz unterwegs sind. Nach einem technisch bedingten stotternden Anlauf kam Kixka in Fahrt und unterhielt uns alle prächtig. Also mich jedenfalls, und dem Applaus nach zu urteilen auch den überwiegenden Teil des Saals.

„Wie geht’n das jetzt?“

Und dann kam Johnny. Und offenbar sangen diesmal alle geplant „Bohemian Rhapsody“. Und ich mußte gehen, mein Zug fuhr um sieben. Naja, die besten Momente im Leben kann man eben nicht wiederholen, ich denke, ich war beim Original-Queen-Karaoke in 2010 dabei und Momentaufnahmen sind zu schön, um sie auf ewig zu konservieren und zu wiederholen, das nimmt ihnen die Magie.

Ich kann den Machern dieser einmaligen Konferenz nicht genug danken. War es zu voll? Ja. War das WLAN wackelig? Ja. Waren blöde, langweilige und zu werbliche Panels dabei? Ja. Sollten die Teilnehmerzahlen heruntergefahren oder aber das Event in eine andere Location verlegt werden? Unbedingt! Sollte die re:publica 12besser unter einem Motto stehen statt in viele kleine Subkonferenzen zu zerfasern? Auf jedsten! Aber ich bin wie im vergangenen Jahr mit einer Fülle von Eindrücken zurückgekommen, die mich bewegen, inspirieren, mir neue Energie geben und kreative Impulse freisetzen. Ich habe Menschen getroffen, die ich nur gelegentlich, täglich oder noch nie „gelesen“ hatte und alte Bekannte umarmt. Ich habe viel gelernt. Ich mußte mich, meine Interessen, was ich mache nicht erklären. Oder, wie @Graphorama es auf den Punkt brachte:

[blackbirdpie url=”https://twitter.com/#!/Graphorama/status/58986184294137857″]

Re:publica 11, Abschluss 1. Tag und Review 2. Tag

  • Veröffentlicht am 18th April 2011,
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Vorbemerkung: Ich weiß, ich bin etwas spät dran mit meiner Nachbesprechung, aber ich habe mir erlaubt, ein Offline-Wochenende einzuschieben und mich erst einmal zu sortieren. Habt Nachsicht, ich komme gerade aus einem Paralleluniversum.

Der erste Tag endete für mich mit Sascha Lobos Quasi-Fortsetzung seines Vortrags vom vergangenen Jahr, nämlich mit den jüngsten Erkenntnissen aus der Trollforschung. Das Beste daran war sein Eingangs-„Rant“, wo er die Anwesenden erst einmal zu Recht ordentlich frisch machte: Warum ist er eigentlich der einzige Internetnutzer, der den Journalisten einfällt wenn sie etwas zum Thema Internet – egal was – schreiben oder senden wollen? Wo bleibt die Relevanz, die Sichtbarkeit, die Autorität des Rests der Gemeinde, die je bei näherem Hinsehen gar keine ist? Wieso muss er immer seinen roten Hahnenkamm in jede Kamera halten? Darauf mit „weil Du es doch so haben willst, Du eitle Rampensau!“ zu antworten heißt, es sich zu einfach zu machen. Natürlich braucht Sascha Lobo die Medien wie sie ihn. Aber obwohl er tatsächlich auf vielen Gebieten „mit einem http:// davor“ genügend Expertise hat um vernünftig mitzudebattieren ist er natürlich nicht omnikompetent und erhebt auch keinen Anspruch darauf.
Nachdem das geklärt war, stellte er uns seine Theorien und Erkenntnisse zur Trollforschung vor, die zwar nicht neu waren für Menschen, die schon länger als sechs Monate online unterwegs sind, aber deswegen nicht völlig jeder Grundlage entbehrten. Trolle erfüllen als Destruktivisten und Reinigungsmechansimen des Internets einen wichtigen Zweck? Mag sein, aber sie nerven trotzdem.
Saschas Vortrag war der bei weitem unterhaltsamste des ersten Tages, zumindest von denen, die ich gesehen habe – auch wenn ich ihn (wie im vergangenen Jahr) mindestens eine Viertelstunde zu lang fand. Aber urteilt selbst; er ist natürlich inzwischen online verfügbar.

Tag 2 begann für mich mit einem Vortrag Till Kreutzers über den Dauerbrenner Urheberrecht. „Wir sind der Urheber“ meint er, und hat damit natürlich teilweise Recht, aber ich fand seine Schlussfolgerungen schon arg vereinfacht und auch irreführend dargestellt. Ja, die Remix- und Sampling-Kultur ist durch das Urheberrecht de facto gekillt worden, aber man darf schon unterscheiden zwischen Adaptionen, Plagiaten, internationalem und deutschem Recht. Ich habe das selbst von Piraten schon differenzierter gehört, und die sind ja bekanntlich dafür, sich künftig anstelle der Verwertungsgesellschaften selbst mit der Ausbeutung der Künstler zu befassen.

v.l.n.r. Carolin Buchheim, Jens Scholz, Bov Bjerg, Maike Hank

„Das Ende der Welt!!! Eins!ELF!!!“ klang vielversprechend, zumal mit der doch recht illustren Besetzung Jens Scholz, Maike Hank, Konstantin Klein, Carolin Buchheim und Bov Bjerg. Mal die Panikbremse ziehen, kurz die Luft anhalten und ein „ist doch alles halb so schlimm, kommt mal wieder runter“ in die Runde zu werfen ist sicher nicht verkehrt. Aber dann wurde gefühlte drölf Stunden über die Armseligkeit der Shitstorms der vergangenen Jahre geredet (Jack Wolfskin/DaWanda-Hausfrau, KitKat/Greenpeace, Nerdcore/Euroweb) und überhaupt kam das für mich so rüber, als sei man schlicht zu cool für diese Welt. Das war in meinen Augen das Paradebeispiel für „selbstreferentielle und -lobende Wichtigtuerei“ und ich hab’s dann nicht länger ertragen und bin raus.

Dort traf ich auf @DirkSteins und @Ramses101, mit denen ich direkt zum Lunch ging, etwas abseits der ausgetretenen Pfade, in ein chinesisches Restaurant (update: gerade, die Visitenkarte widergefunden: das war das „Toca Rouge“, Torstr. 195), das so dunkel war, daß man sich zum Tisch tasten mußte (schwarz gestrichene Wände???), aber das Essen war prima und günstig und die Unterhaltung auch anregend – überhaupt; bislang hatte sich die Reise schon allein wegen der vielen guten Gespräche mit den unzählligen spannenden Menschen gelohnt. Viele, die man nicht kannte oder las bzw. denen man nicht auf Twitter folgte, waren eine echte Entdeckung für mich, und außerdem war es sehr schön, alte Bekannte einmal wiederzutreffen.

Prof. Dr. Gunter Duecks a.k.a. @wilddueck

Nach dem Essen kam er dann, der „Wow!-Moment“ auf den wohl nicht nur ich gewartet hatte, wenn ich mich so umhörte. Prof. Dr. Gunter Duecks hielt seinen mit Spannung erwarteten und inzwischen allenthalben gefeierten Vortrag über das Internet als Gesellschaftsbetriebssystem. Da waren einige harte Wahrheiten drin und auch wenn die Sache mit Humor vorgetragen wurde: Es sieht ziemlich düster aus für uns. Aber seht selbst – hier ist der Vortrag auf YouTube.

Gleich anschließend wollte ich eigentlich die in der Kalkscheune geplante Diskussion u.a. mit Prof. Dueck ansehen, aber daran war nicht zu denken, das war dermaßen überfüllt, daß man nicht einmal in die Kalkscheune kam. Sehr schade.

Immerhin traf ich den heimlich von mir angehimmelten @bosch und sülzte irgend etwas im Stil von „Ich habe eine Wassermelone getragen“, aber ich glaube, er hat nichts gemerkt. Zumindest ließ er sich nichts anmerken. – Warum man die Podiumsdiskussion nicht direkt im Anschluß im Friedrichstadtpalast geplant hat, wird wohl nie geklärt. Ersatzweise bin ich dann zum Vortrag über Diaspora, um herauszufinden, wofür ich mich da eigentlich vor Monaten angemeldet hatte, aber traf auf @RaJue42 und trank erst einmal ein Bier mit ihm. Inzwischen war mir auch eingefallen, an wen er mich erinnert:

Weiter ging es mit Markus Beckedahls Vortrag zu dem neuesten heißen Scheiß, der Digitalen Gesellschaft. Grundsätzlich sehe ich das Ding als komplett unnötig an, ich werde dort garantiert nichts spenden und ich fühle mich auch nicht vertreten von diesen Leuten, auch wenn die Holzmedien schon jubeln, daß es endlich einen Ansprechpartner gäbe. Aber ansonsten finde ich: Props an jeden, der sich gerne engagieren will und das auch tut. Und ob da ein paar Ex-Grüne in diesem geheimen Zirkel sitzen? Wayne interessiert’s? Muss jeder mit sich selbst abmachen. Ich fände es beunruhigender, wenn die NPD oder Piraten ihre Finger da massiv im Spiel hätten.

Die nachfolgenden Feminismus-Panels habe ich mir mal geschenkt. Nicht, weil ich meine daß Feminismus unwichtig oder überhyped sei (ist es nicht), sondern weil ich einfach zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufnahmefähig war und meine Batterien im Hotel wieder aufladen wollte. Außerdem mußte ich mal ein paar Meter raus, mir die Beine vertreten. Es war sehr voll und obwohl ich in fast jedes Panel kam außer dem, bei dem Prof. Dueck auftrat, brauchte ich jetzt dringend frische Luft.

Um 20 Uhr hatte ich dann die Wahl zwischen der Twitterlesung und der Nilzenburger Show und entschied mich für Erstere. Leider, muß ich sagen. Das war jetzt insgesamt meine vierte oder fünfte Twitterlesung, und seit dem vorletzten Mal ist irgendwie die Luft raus, finde ich. Und zwar deshalb, weil ich fast alle vorgelesenen Tweets schon kannte – Favstar killed the Twitterlesung. Füher hat jeder seine persönlichen Favoriten zusammengestellt und vorgetragen, und das Publikum kannte vielleicht mal den einen oder anderen Tweet, aber wurde doch generell eher überrascht und erfreut mit Neuentdeckungen. Inzwischen hat sich da so eine Art Favstarmafia entwickelt und man kann eigentlich schon vorher sagen, wer mit welchem Tweet dabeisein wird.

Im Anschluss traf ich mich mit Mme @Pleitegeiger aus meiner Blogroll bzw. Timeline, die zwar leider dem falschen Fussballverein anhängt, aber ansonsten ganz vernünftig und total klasse ist und nachdem wir dann endlich zwischen den ganzen Modebloggerinnen Bordsteinschwalben an der Oranienburger ein passendes Wasserloch gefunden hatten, stießen wir glücklich miteinander an und hatten einen sehr schönen Abend.

Mehr über Tag 3 und dann mein persönliches Fazit folgt morgen und übermorgen, für heute ist’s genug.

Update v. 19.06.2012: Ich hatte versehentlich in der Bildunterschrift Carolin Neumann statt Buchheim geschrieben. Das ist jetzt korrigiert und ich bitte beide Carolins um Entschuldigung … das soll nicht wieder vorkommen. :-)

Re:publica 11, erste Eindrücke, erster Tag

  • Veröffentlicht am 13th April 2011,
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Berlin ist zu groß für mich. Und es ist kalt hier, sehr kalt. Und regnerisch. Aber es sind alle da, und die Atmosphäre ist wunderbar. Nerdy, aufgeregt, scheu, überschäumend, nicht die Vorträge sondern wir alle sind wichtig, und auch deutlich interessanter: Bislang hatte ich Pech bei der Panelauswahl. Dafür schon im Zug @Svenonsan und @Jovelstefan getroffen und Käsekuchen mit @RaJue42 gefrühstückt, Herrn @schaarsen die Hand gedrückt.

Die Keynote war eine einzige öde Werbeveranstaltung. Und was passiert, wenn Linke Linke verlinken wurde nicht geklärt, jedenfalls nicht in den ersten 25 Minuten, da wurde nur berichtet, daß wir alle irgendwie nebeneinander her twittern und bloggen und nicht übern Tellerrand gucken wollen. Und daß jeder jeden um sechs Ecken herum kennt, jedenfalls jeden mit ein, zwei Retweets erreichen kann. Oder so. Weißnichtmehr. Zuviel Langeweile macht ADS, ich verlasse den Saal, bei weitem nicht als Einzige. Mit den Füßen abstimmen nennt man das wohl.

Das WLAN geht meistens, dafür versagt O2 a.k.a fonic kläglich. Glücklicherweise nicht nur bei mir. Aber das ist okay, es gibt so viele tolle Leute hier, mit denen man sich unterhalten kann und möchte! Mittags fallen @RaJue42 und ich wieder in der Pizzeria gegenüber des Friedrichstadtpalasts ein. 

Der Beetlebum a.k.a. Johannes Kretzschmar hält einen Vortrag über die Geschichte der Comics von den Katzenjammerkids bis zu den heutigen Webcomics, was für mich persönlich eine totale Zeitverschwendung darstellt. Er ist charmant linkisch und aufgeregt und spricht leider ausschliesslich das Publikum zu seiner Linken an, so daß wir auf der rechten Seite nur seinen Rücken zu sehen bekommen. Vermutlich ist er Rechtshänder. Sein Fanclub dankt es mit Daumen hoch! Plakaten und auf die Bühne geworfenen rote Rosen. 

Das Panel über Medienkompetenz ist so überfüllt, daß ich mit meiner Klaustrophobie leider flüchten muss. Überhaupt scheinen jetzt einige Leute erst so richtig wach geworden zu sein, es ist allenthalben merklich voller geworden.

Ausser dem Berliner Red Bull-Ersatzgesöff Club Mate gibt es in diesem Jahr tatsächlich Flens Gold. Oh, Mann! What’s next, Holsten Export?

Ich checke fix im Hotel ein, das dieses Jahr deutlich besser und komfortabler ist, dafür aber nicht mehr direkt neben der re:publica. Dank lastminute-Reservierung über expedia schlafe ich zwei Nächte zum Preis von einer in einer Junior Suite im Home Suite Home, ca zehn Minuten Fußweg entfernt. Nice!

Schnell das Handy aufgeladen und dann wieder ins Getümmel. Mehr gibt’s morgen.

Die Daheimgebliebenen können sich übrigens über die offizielle Website der Konferenz auf dem Laufenden halten und es gibt gerüchtehalber Livestreams von einigen Panels.

Die re:publica 11 kann kommen

  • Veröffentlicht am 11th April 2011,
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Nur eine Woche nach dem avisierten Liefertermin kamen meine neuen moo Visitenkarten endlich an. Und was bei den Minis (siehe Impressum) zu einem prima Ergebnis hat, nämlich der Digitaldruck, überzeugt mich in der größeren Variante überhaupt nicht. Sämtliche Spationierung ist wundersamerweise verlorengegangen, das cropping ist crappy, die Farbe ist auch nicht das, was mein Pantonefächer so sagt und überhaupt: The Digital Gap is a Giant Chasm. Allerdings erinnere ich mich an einen Grafiker vom Feinschmecker, der Mitte der 80er wutschnaubend mit jeder, aber auch jeder zur Abnahme gelieferten Druckvorlage von Typo Bach ins Atelier stürmte und dem wartenden, zitternden Fahrradkurier ins Ohr schrie „ICH KANN SO NICHT ARBEITEN!!11!“. Insofern nehme ich das gelieferte Ergebnis hier philosophisch: „Shit happens“.

Wer also trotzdem oder gerade deshalb eines von einhundert Exemplaren (streng limitierte Auflage) ergattern möchte, oder einfach so mal mit mir schnacken und etwas trinken will, der hat dazu zwischen Mittwoch und Freitag in Berlin die Gelegenheit.

 

Man muss sich nur zu helfen wissen

  • Veröffentlicht am 25th Februar 2011,
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Wer gern (mit Blitz) fotografiert, hat vielleicht schon einmal von diesen Gels gehört, mit denen man die Farbkorrektur beeinflussen kann. Ich selbst kannte sie nur vom Hörensagen bzw. aus den Berichten in diversen Fotografenblogs und habe selbst noch nicht damit gearbeitet. Gel ist wohl etwas irreführend, gemeint sind transparente, bunte Folien, die über den Blitz geklebt werden und so die Farbgebung ändern. Ein Risiko dabei ist, daß die Folien anschmelzen (so ein Blitz wird ganz schön heiss) und man die Sauerei anschliessend nicht wieder abkriegt. Und bei Preisen zwischen 150-400 Euro für ein gutes Blitzgerät überlegt man sich das wohl lieber zweimal. Aber wer gern handwerklich arbeitet und nicht alles mit Photoshop machen möchte oder kann, oder auch einfach nur neugierig ist und gern experimentiert, der wird um die Arbeit mit Farbfiltern nicht herumkommen.

In den USA hat das nun ein Fotograf auf die Spitze getrieben: Er war in Colorado zu einer Wanderung eingeladen und nahm natürlich nur das Nötigste seiner Ausrüstung mit. In einer Eishöhle stieß er auf tolle Motive, aber – oh Schreck! – der Weißabgleich zeigte, daß alle Liebesmüh’ wohl nicht zum gewünschten Erfolg führen würde. Seine Filter hatte er natürlich nicht dabei, und schließlich kam ein Begleiter auf die Idee, es mit Fruchtgummis zu versuchen, die sie als Proviant eingesteckt hatten. Und so legte er verschiedenfarbige Gummis über seinen Blitz und drückte ab.

Das Experiment hat sich gelohnt, würde ich sagen!

Andy Irons, 1978-2010

  • Veröffentlicht am 28th Dezember 2010,
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ARVE Error: no video ID set

Anfang der 90er des letzten Jahrhunderts wurde die professionelle Surfszene von einigen jungen Hotshots dominiert, die die alten Hasen Tom Curren und Tom Carrol langsam ablösten. Kelly Slater war gerade mal 19 Jahre alt, hierzulande als „der süße Typ aus Baywatch“ bekannt und hatte als jüngster Surfer aller Zeiten seinen ersten von bislang ingsgesamt unfassbaren zehn Weltmeistertitel errungen. Der Teenager Joel Tudor wirbelte die ASP Tour gehörig durcheinander. Brad Gerlach verließ den Pro-Zirkus auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, um sich mehr der künstlerischen Seite des Surfens zu widmen. Rob Machado schor sich aus einer Laune heraus erstmals den Kopf und stellte erstaunt fest, daß ihm anschließend in dichten Locken ein Afro wuchs – heute sein Markenzeichen. Und die beiden Brüder Andy und Bruce Irons aus Kaua’i, vierzehn und dreizehn Jahre alt, gewannen ihre ersten Amateurtitel im Surfen und träumten von einem Leben als Surfpro.

In der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts erfülte sich der Traum für beide Brüder. Sie wurden zu Superstars des Sports, und besonders Andy war bald der einzige echte Rivale, der dem schier unüberwindlichen Kelly Slater überhaupt noch etwas entgegenzusetzen hatte. Die Sportgeräte- und Bekleidugsfirma Billabong nahm ihn unter Vertrag und so wie Tiger Woods Nike de facto im Alleingang salonfähig und zu einem ernst zu nehmenden Ausrüster im Golfsport machte, schob Andy Irons das obskure kleine Label aus Australien ins Rampenlicht und machte es zum Szenelabel. 2002, 2003 und 2004 war Andy Irons die unangefochtene Numer eins der Weltrangliste und ASP World Champion. Jeder wollte Andys Signature Shorts, sein Hoodie, sein Lycrashirt um im geborgten Abglanz seines Idols am Strand für die bewundernden Blicke der Damen posieren. Andy und Bruce Irons, Rob Machado und Kelly Slater machten für eine Weile die meisten Toursiege unter sich aus. Dann gab es den einen oder anderen sportlichen Rückschlag und Andy nahm sich 2009 eine Auszeit von der Tour, surfte nur noch zum Spaß, machte hauptsächlich wilde Parties, trank jeden unter den Tisch und verschwand mehr oder weniger von der Bildfläche. Billabong notiert seit 2000 an der Australischen Wertpapierbörse und hat sich in der Zwischenzeit zum de facto Alleinherrscher in der Funsportbranche gemausert – nach und nach wurden die kleinen Kultmarken DaKine, VonZipper, Nixon, Element, Kustom, Xcel aufgekauft.

ARVE Error: no video ID set

Für die Saison 2010 erbat und bekam er eine Wildcard von der ASP Tour und gewann prompt die Billabong Pro Tahiti im September. Er schien wieder in der Spur zu liegen, seine wilden Zeiten hinter sich gelassen zu haben und freute sich mit seiner Frau auf ihr erstes Kind. Anfang November sagte er krankheitsbedingt seine Teilnahme an einem Event in Puerto Rico ab. Er war auf dem Heimweg nach Hawai’i, legte aber einen Zwischenstop in Dallas ein, da er sich zu fiebrig und schwach für die Weiterreise fühlte. Hotelangestellte fanden ihn leblos in seinem Bett liegend; die Todesursache ist noch unklar. Einerseits litt Irons bekanntermassen am Denguefieber und am Schlafapnoe-Syndrom, andererseits ist zumindest ersteres nur sehr selten tödlich und man fand starke Schmerz- und Schlafmittel in seinem Gepäck. Das Ergebnis der Autopsie wird auf Wunsch der Witwe nicht vor Mai 2011 veröffentlicht werden, da sie befürchtet, „die Marke Andy Irons könne Schaden nehmen und damit ihr und ihrem neu geborenen Sohn die Lebensgrundlage entziehen.“ (Quelle).

SlowBoarding

  • Veröffentlicht am 20th Dezember 2010,
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ARVE Error: no video ID set

Beim MC Winkel gefunden und für unwiderstehlich befunden: Das Slow Motion Longboarding Video. Longboarding ist auch eins von den Dingen, die in meinem Leben in diesem Jahr zu kurz gekommen sind; mein Board steht auf dem Flur und guckt mich klagend an. Und so sehr ich den Winter auch mag: aufs Frühjahr und die neue Saison freue ich mich schon sehr!

Im siebten Gastrohimmel: Auberge de Dully

  • Veröffentlicht am 10th Oktober 2010,
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In der Schweiz, zumindest dem französischen Teil,  schlecht essen zu gehen ist nicht leicht, wie mir scheint. Ob Frühstück, Mittagessen oder Nachtmahl, die Auswahl an gastronomischen Kleinoden ist riesig. Nicht nur in der Großstadt (wenn man Genf mit seinen 190.000 Einwohnern denn so nennen möchte), sondern auch und besonders auf dem Lande. Nur ein paar Autominuten aus Genf heraus und am See entlang kann man nachgerade mit verbundenen Augen auf die Karte tippen und wird garantiert mit dem Finger auf oder direkt neben einem kleinen Familienrestaurant, -café oder -Weingut mit Verkostungsangebot landen. (mehr …)

Das iPad: (M)ein Erfahrungsbericht

  • Veröffentlicht am 28th September 2010,
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Das iPad: (M)ein Erfahrungsbericht

Das iPad ist leider kein Ersatz für ein Notebook. Was auf den ersten Blick wie eine absolute Binsenweisheit klingt und geradezu nach einem saftigen  „hab’ ich ja gleich gesagt!“ verlangt, war gar nicht so naheliegend. Es kommt natürlich wie immer darauf an, was man unterwegs mit einem Computer so machen möchte bzw. muss.

Was ich mit einem iPad so alles machen wollte:

  • mobil ins Internet gehen um dort
  • Mails abrufen und versenden zu können
  • mein Blog administrieren können (Artikel schreiben, Spamkommentare löschen, Kleinigkeiten im Backend ändern)
  • Officedokumente erstellen, bearbeiten, versenden und empfangen können
  • To-Dos verwalten
  • via Skype telefonieren

und außerdem zu twittern, meine abonnierten RSS feeds und gelegentlich mal ein Buch zu lesen oder vielleicht mal einen Film zu gucken.

All das geht, und dann auch wieder nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich mir das erwünscht oder vorgestellt hatte.

Ja, ich kann Mails empfangen und versenden, aber wenn Dateianhänge im Spiel sind, wird es schwierig (je nach Dateiformat natürlich). Ein .jpg oder .pdf ist natürlich kein Problem, und auch ein .doc lässt sich in der Regel öffnen. Aber schon bei komprimierten Dateien hört’ s auf. Wohin damit?

Ja, die Apple-eigenen Officeanwendungen Pages, Keynote und Numbers funktionieren wunderbar. Die Zusammenarbeit mit den Microsoft Officeprodukten auf dem Mac läuft gut bis problemlos. Man muss sich teilweise sehr umstellen, aber es ist durchaus möglich, Officedateien zu erstellen bzw. zu bearbeiten und anschließend zu versenden.

Aber: das Hauptproblem ist, daß das iPad kein Dateiverzeichnis bzw. kein Ablagesystem hat, wie man es kennt oder erwarten würde. Es gibt keine Ordnerstrukturen, jedenfalls keine ersichtlich nutzbaren. Ich kann nicht einfach eine Datei auf den Schreibtisch ziehen oder in einen anderen Ordner bewegen. Ich kann nicht einfach ein Foto ins Fotoalbum bewegen oder ein Exceldokument in die DropBox schieben. Aber mit ein paar Apps von Drittanbietern kann man das simulieren, insbesondere mit Quickoffice und GoodReader, die teilweise ein echtes Dateiverzeichnissystem ersetzen.

Das WordPress Backend ist vom iPad aus hingegen nicht voll nutzbar. Bestimmte Dinge, wie z.B. die Menüstruktur zu ändern, oder Widgets zu nutzen gehen nicht via Safari. Man kommt einfach nicht dran, da sind offenbar irgendwelche Scripte im Einsatz, die das iPad nicht versteht. Und die WordPress App ist komplett nutzlos bis gefährlich und extrem ärgerlich: Das Backend findet de facto nicht statt, man kann nur Beiträge schreiben und hochladen, fertig. Und nicht selten stürzt die App beim Speichern ab, so wie schon auf dem iPhone damals, als ich von der re:publica bloggen wollte und zwei Stunden Arbeit im Datennirvana verschwanden. Da hat sich in Sachen Stabilität nichts getan seither. Fotos ins richtige Format zu bekommen und korrekt an gewünschter Stelle im Artikel einzubinden ist eine Qual: ohne fliessende HTML Sprachkenntnisse ist man dabei aufgeschmissen, denn der visual editor ist nicht mit an Bord.  Auch hier kann man sich mit Apps von Drittanbietern teilweise behelfen (z.B. BlogPress (aus unerfindlichen Gründen nicht im deutschen App Store erhältlich), Photogene oder FTP on the Go u.a.), aber „einfach“ geht anders.

Die To-Do Verwaltung hingegen funktioniert einwandfrei und reibungslos, ich nutze dafür eine App namens Things, auch in Zusammenarbeit mit der Desktop-Version auf dem Mac. Things baut auf dem bekannten „getting things done“-Schema auf und ist für meine Zwecke außerordentlich hilfreich. Ich will nicht sagen, daß die Prokrastination damit komplett der Vergangenheit angehört, aber sie hat’ s nicht mehr ganz so leicht. ;-)

Skype läuft (unter WiFi natürlich) einwandfrei auf dem iPhone und auch auf dem iPad. Da ich beruflich häufiger im Ausland bin und die Roaminggebühren einfach zu unverschämt, habe ich mir ein Skype Guthaben zugelegt, mittels dessen ich für vergleichsweise geringes Entgelt auch mit Leuten telefonieren kann, die kein Skype, sondern nur ein Telefon oder Handy haben. Die Kopfhörer des iPhone (mit Mikrophon) lassen sich natürlich auch ins iPad einstöpseln, das funktioniert tadellos und WiFi bzw. WLAN hat man ja eigentlich überall auf der Welt in Reichweite. (Wenn nicht, hilft einem sicher Free Wi-Fi weiter).

Die oft gescholtene Tastatur finde ich prima, ich komme gut damit zurecht, auch bei längeren Texten (wie diesem hier). Das rasche nach-oben-wischen um Umlaute oder ein ß zu produzieren finde ich inzwischen so unverzichtbar, daß mich das Fehlen dieser Funktion auf dem iPhone wirklich kirre macht.

Die Sache mit den eBooks hatte ich hier schon einmal kurz angerissen; der hauseigene iBook Store ist in der U.S. Version recht interessant, wenngleich in der Menüführung nicht sonderlich hilfreich. Man bekommt zwar die Kategorien angeboten, aber echtes Stöbern, so wie bei Amazon, das ist nicht drin: Nach wenigen „featured“ Seiten ist Schluss, obwohl es tatsächlich weitaus mehr Inhalte im Angebot gibt, als promoted werden. Im deutschen iBook Store war ich noch nicht wieder, insofern kann ich nicht sagen, ob das Angebot dort inzwischen umfangreicher geworden ist. Aber der Shopaufbau ist natürlich derselbe wie im U.S. Store. Was mir allerdings super gefällt ist, daß es für jeden Titel einen Leseauszug gibt. Man kauft wirklich nicht die Katze im Sack.

Der Preisvergleich zwischen bei Kindle (Amazon) und iBook angebotenen Büchern lohnt sich: Da die Amerikaner keine Buchpreisbindung kennen, kann man hier von teils deutlichen Preisunterschieden von mehreren US Dollar je Titel profitieren. Die Kindle App ist kostenlos und funktioniert einwandfrei; der Shop ist, wie von Amazon gewohnt, ausgezeichnet sortiert und bedienbar. Die App selbst finde ich nicht ganz so lesefreundlich bzw. augenfreundlich und so komfortabel wie die iBook App und ein „Probelesen“ vor derm vollständigen Herunterladen  ist auch nicht möglich. Aber die Auswahl ist natürlich bombastisch.

Für RSS feeds gibt es, genau wie für Twitter, eine Unzahl an Apps. Ich nutze Reeder für den Löwenanteil der Feeds, außerdem Pulse für einige, optisch besonders gelungene Blogs bei denen mir der reine Feed nicht reichen würde.

Das hoch gelobte Flipboard habe ich wieder runtergeschmissen, da ich Facebook nicht nutze und nicht aus der Anwendung entfernen konnte; Twitter einfach endlos lange lud und ich das virtuelle Umblättern hier insgesamt einfach zu verspielt fand. Die ganze App war für mich schlicht zu viel Show und zu wenig Nutzen. (Daß so etwas den Verlegern hierzulande ein Dorn im Auge ist und als echte Konkurrenz zu ihren eigenen aufgeblasenen und nutzlosen Angeboten verstanden und daher bekämpft wird, leuchtet mir ein.) Überhaupt: das Verlagswesen macht mir mir nicht viel Umsatz – ich lese gern das liebevoll und umsichtig gestaltete und inhaltlich immer interessante Wired Magazine auf dem iPad und teste seit heute die brandneue The New Yorker App, aber finde Brand Eins gedruckt doch deutlich attraktiver, die Spiegel App vom Aufbau wie auch inhaltlich natürlich völlig indiskutabel und ansonsten wüßte ich kein weiteres interessantes Verlagsprodukt, das auf dem iPad mein Geld oder meine Aufmerksamkeit wert wäre. Höchstens noch die sehr aufwendig gestalteten Themenhefte der Edition 29.

An Twitterapps herrscht kein Mangel; ich habe alle kurz angetestet und mich für Osfoora HD entschieden, das es irgendwann mal kurzfristig für lau gab und mich vom ersten Moment an ziemlich begeistert hat. Klar, übersichtlich, stürzt fast nie ab und das Killerfeature schlechthin: „Nearby“ – wenn man die Geotaggingfunktion des iPads aktiviert hat und seinen Standort preisgeben will, kann man sich in Kombination mit Google Maps anzeigen lassen, wer so alles in der Nachbarschaft und im Stadtteil twittert und worüber.

Filme sind auf dem iPad nicht ganz so eine Qual wie auf dem iPhone (wo hoffentlich wirklich niemand ernsthaft diese Möglichkeit nutzt), und Lawrence of Arabia und andere 70mm- oder Cinemascope Filme würde ich auch nicht darauf abspielen wollen, aber für TV Serien ist es prima. Ich sehe ja zuhause kein fern und gucke Serien nur via DVD bzw. neuerdings als Download aus dem (U.S.) iTunes Store. Mad Men, Friday Night Lights, House, M.D. sind mehr oder weniger abonniert und ein Häppchen (45 Min) gucken ist prima für Leerlaufzeiten.

Soweit zum Thema Erwartungshaltungen und Nutzungspläne. Lohnt sich ein iPad nur dafür? Meiner Ansicht nach nein. Ich werde über kurz oder lang um den Kauf eine neuen MacBooks nicht herumkommen, das steht inzwischen fest. Aber warum verkaufe ich das iPad dann nicht sofort?

Tja…

Was ich zum Thema iPad niemals auf meinem Radarschirm hatte und plötzlich unverzichtbar finde:

Computerspiele sind nicht so ganz mein Ding, und ich muss gestehen, auch meine PS3 liegt völlig brach; ich habe noch kein Spiel darauf zu Ende gespielt. Auf dem iPad habe ich mein heiss geliebtes Prince of Persia in der Retrofassung, die es so nicht mehr für den Mac gibt (jedenfalls nicht für neuere Betriebssysteme), allerdings is die Steuerung superhart zu lernen. Ich bin fasziniert von Osmos HD (und dem ähnlichen, wenn auch nicht ganz so hypnotischen Ozone HD), staune über das sinnfreie aber hübsch anzusehende Epic Citadel und kann die Finger nicht von Flight Control HD lassen… wenn es mein Lieblingsspiel Myst nun noch in der HD Fassung fürs iPad gäbe, ich wäre rundherum glücklich. (Die iPhone Fassung sieht auf iPad Format hochgeblasen einfach doof aus.)

Ich kann mal eben unterwegs meine Fotos über das Camera Connection Kit von der SD-Speicherkarte aufs iPad bringen, dort verwalten, angucken und bearbeiten. Dafür gibt es eine Reihe von teils nützlichen, teils einfach nur unterhaltsamen Apps, z.B. Mill Colour, TiltShiftGen, Auto Adjust, Filterstorm, CameraBag, Photogene, PS Express.

Ich kann mal eben mit Adobe Ideas oder SketchBook fix was zeichnen und per Mail versenden oder als Ausgangbasis für die weitere Bearbeitung am heimischen Mac nutzen. Und die Bedienung ist intuitiver als am heimischen Wacom Tablett. Ich zeichne am liebsten mit Bleistift, aber hier habe ich so interessante Möglichkeiten, mit Farben zu experimentieren, daß ich die Qual der Wahl habe. Das iPad ist ein wunderbares Grafiktablett. Ich fand Brushes auf dem iPhone schon super, aber das iPad ist wie geschaffen fürs Zeichnen.

Ich habe jetzt einen Drumcomputer! Genaugenommen mehrere: Am liebsten habe und am nützlichsten finde ich bleep!BOX, aber auch die virtuelle Version des klassischen KORG Electribe ist klasse (trifft allerdings nicht so ganz meine Musikrichtung und ist auch nicht ganz billig). Ich fabriziere damit Loops, die ich dann in GarageBand importieren und weiterverarbeiten kann (ich spiele hauptsächlich Gitarre und Klavier, die ich auch über den Mac aufnehme). Natürlich gäbe es so etwas auch für den großen Mac zuhause, aber ich finde dieses kleine Gerät besser und komfortabler; es lädt mehr zum herumspielen ein. Ich sitze mit der Gitarre ja auch lieber im Sessel oder auf dem Sofa als am Rechner. Und man hat einfach schneller eine gute Keyboard-App auf dem iPad gestartet (z.B. MusicStudio), als das dicke Yamaha Stage-Piano aus dem Nachbarzimmer rübergeschleppt, neu aufgebaut und via MIDI an den großen Mac angeschlossen. Das Ding wandert wohl demnächst in die Elektrobucht, da es nunmehr für meine bescheidenen Zwecke – nämlich Musik in den Mac zu bekommen – völlig überdimensioniert ist.

Außerdem habe ich festgestellt, daß ich das iPhone inzwischen nur noch zum Telefonieren und gelegentlichen Twittern nutze. Das iPad hat meinen Bedarf an Unterwegs-Anwendungen ziemlich vollständig abgedeckt. Und wenn man erst einmal in meinem Alter ist, freut man sich auch sehr über den zum iPhone vergleichsweise großen Bildschirm des iPad… Ob die Google Maps Anwendung oder Safari – das flupscht alles irgendwie mehr und ist deutlich augenfreundlicher.

Ich hatte große Befürchtungen, daß das iPad, wie so oft gesagt, wirklich zum reinen Konsum verführen würde und die Kreation dabei auf der Strecke bliebe. Aber das Gegenteil ist der Fall: Ich konsumiere eher wenig und kreiere vergleichsweise viel mithilfe des iPads. Es ist kein Ersatz für das als nächstes anzuschaffende MacBook Pro, aber ich möchte es definitiv nicht mehr missen.

Was ist mit Euch? Wofür nutzt Ihr das iPad? Gibt es auch bei Euch Diskrepanzen zwischen „geplanter Nutzung“ und „tatsächlicher Nutzung“? Welches sind Eure must-have Apps?

Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

  • Veröffentlicht am 21st Juli 2010,
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Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen

Meine Begleitung war erkrankt und ich saß auf einer überzähligen Konzertkarte. Der Plan sah folgendermaßen aus: Mit dem Auto ins Dorf zum 3 km entfernten Bahnhof fahren, es dort bis zur spätabendlichen Rückkehr stehen zu lassen und mit dem Zug nach Montreux fahren, dort der Masse nachlaufen bis zur Konzerthalle, hoffentlich das überzählige Ticket noch loszuwerden und abends dann alles wieder retour.

Der Plan scheiterte an einer unerwarteten Baustelle und dazugehöriger Straßensperrung, die mich eine zehnminütige Umleitung zum Bahnhof entlanglotste, durch mir unbekanntes Terrain. Ich kenne das Layout des Dorfs zwar inzwischen grob, aber natürlich nicht die Nebenstraßen und eventuelle Abkürzungen. Als ich auf dem Bahnhof auf den Parkplatz fuhr, sah in den Zug nach Montreux abfahren. Also fuhr ich in nicht besonders gesittetem Tempo zum nächsten Halt, um den Zug vielleicht dort noch zu erwischen. Die Seestraße war verstopf mit Feierabendfahrern, und ich sah zu meiner Linken den Zug gleichauf liegen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten wir uns bis Nyon, dann mußte ich mir eingestehen, daß ich es nicht mehr schaffen würde. Das Spielchen bis Lausanne zu wiederholen wäre Quatsch gewesen, da ich um das noch zu schaffen auf die Autobahn hätte wechseln müssen, was mich ebenfalls wertvolle Zeit gekostet hätte. Außerdem hätte ich in Lausanne binnen einer Minute den Bahnhof und einen passenden, legalen Parkplatz finden müssen – eher unrealistisch. Der nächste Zug wäre jedoch zu spät gewesen um es noch rechtzeitig zu Konzertbeginn zu schaffen.

Ich könnte mich in den Allerwertesten beißen, hatte ich mich schließlich nicht an meine übliche Maxime „wer nicht fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin da ist, ist zu spät“ gehalten, die mir als Kind einer Fliegerfamilie („geb. Lufthansa“) eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen ist.

Na gut, dann eben nächstes Jahr.

Now playing: „You’ll know when you get there“ (Herbie Hancock)

We all came down to Montreux…

  • Veröffentlicht am 14th Juli 2010,
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Ich werde keine Aufnahmen mit dem Mobile machen, ich werde nicht einmal Deep Purple sehen, aber ein mindestens so interessantes Lineup: Quincy Jones and the Global Gumbo All Stars (feat. Richard Bona, Lionel Loueke, Paulinho da Costa, Alfredo Rodriguez, Francisco Mela) sowie Herbie Hancock – The Imagine Project (mit Vinnie Colaiuta, Tal Wilkenfeld, Lionel Loueke, Greg Phillinganes). Und ich werden natürlich berichten – nächste Woche.

…on the lake Geneva shoreline

Hach!

The Drifter

  • Veröffentlicht am 5th Juli 2010,
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The Drifter
R: Taylor Steele
D: Rob Machado, Kelly Slater
Auf DVD und im iTunes (US Store)
IMDB Eintrag | Offizielle Website

ARVE Error: no video ID set

Vor 17 Jahren, als unmittelbare Reaktion auf meinen ersten Burnout in meinem ersten Job, schmiss ich alles hin und begab mich ans andere Ende der Welt um zu surfen. Meine Version des Endless Summer dauerte zwar nur zwei Monate, aber ich bin nie so ganz wieder hier angekommen. Gestern fand ich beim Stöbern im US iTunes Store diesen Film. Inzwischen habe ich ihn schon dreimal gesehen und dazwischen läuft der Soundtrack in der Endlosschleife. Und die Planungen für den nächsten Trip nehmen auch schon konkrete Formen an.

Sommerschwalben

  • Veröffentlicht am 5th Juli 2010,
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Schwalben

Man sieht sie nicht mehr ganz so häufig. Das ist schade, denn man kann kaum einen Sommertag besser vertrödeln als damit,  ihren Flugkapriolen zuzuschauen. Wie Sechzehntelnoten tanzen sie über die Linien der Stromleitung. Doch die Haken die sie schlagen könnte höchstens Mozart adäquat umsetzen.

Ah! ça ira

  • Veröffentlicht am 8th Juni 2010,
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Ich bin ja nun gerade in den Ferien und überwiegend offline. Den Grand Prix Eurovision Song Contest und den Hype um die Gewinnerin habe ich geflissentlich ignoriert. Ich sage nichts zu der Bundeskaspernummer zwischen Köhler, Wulff, Merkel und dem Rest der Leyenspieltruppe. Ich äußere mich nicht zu den beiden vorgeschlagenen Kandidaten, die alle beide in meinen Augen indiskutabel sind und zu dem depperten „not my president“/„my president“ Trallala in Bloggershausen. Ich verkneife mir auch einen Kommentar zu den Linken, die einmal mehr eindrucksvoll bewiesen haben (als ob es dessen noch bedurft hätte…) warum sie absolut unwählbar und zutiefst undemokratisch sind.

Das Sparpaket der Bundesregierung überrascht mich null, schließlich fährt Schwarz-GeldGelb nur ja konsequent weiter auf seiner menschenverachtenden Schiene. Die ärmsten der Armen werden’s schon richten. Tun sie ja seit jeher, und dank des neuen Ermächtigungsgesetzes schützt man sich so gut es geht gegen Rufe wie „A la lanterne!“.

Selbst die Ölpest und das KriegsKrisengewinnlertum von Google & Co. ringen mir nur einen müden Tweet ab. Ich bin ja im Urlaub. Ich sag’ da nix zu. Ich habe kein Bedürfnis zu weinen, auch wenn ich wette, daß die Bilder hinter dem Link dort nicht schlimmer sein könnten als die in meinem Kopf, denn auch ich erlebe nicht meine erste Ölpest. Ich erlaube mir einfach, den Kopf noch eine Woche lang in den Sand zu stecken.

Auch daß die Verleger sich nun nicht entblöden, nach Google auch noch Facebook abkochen zu wollen, weil sie schlicht gierig, geldgeil und zu blind, blöd, unfähig, und rundherum zu dumm sind um aus dem Bus zu gucken ein eigenes, funktionierendes, tragfähiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen lässt mich nur „what else is new“ ausrufen und denken „geht endlich sterben, Ihr Spinner“. ZEIT wird’s ja.

Das neue iPhone kann mich nicht locken, weil ich und mit HD-Video nix anfangen kann und im September mit meinem 3G endlich, endlich !!!11! den Ketten des rosa Riesen entkommen sein werde und auf fonic prepaid oder so umsteigen werde. Das iPad kann einfach zu wenig, um mein alterschwach vor sich hin röchelndes iBook G4 vollumfänglich abzulösen, dafür liebäugele ich mit dem MacBook Air und hätte mich gefreut, wenn es nach den Gerüchten gestern auch eine Update-Ankündigung auf der Keynote gegeben hätte. Aber hey, ich bin im Urlaub. Das kann alles warten. Die Fussball WM fängt ja auch erst richtig an, wenn ich wieder daheim bin.

Nur daß man in der Schweiz für zwei Croissants, ein halbes Pfund Butter und einen Liter Milch 12 21 CHF (ca. 15 EUR) los wird, das lässt mich für einen Moment milde irritiert zurück – bis ich in das himmlische Croissant beisse und der Kuh im Nachbarort über den Zaun hinweg dankbar die Locken hinter den Ohren kraule.

Sonntag

  • Veröffentlicht am 6th Juni 2010,
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Ein Sonntag auf dem Lande

Ich habe die Provence verlasssen und bin in Richtung Genf gefahren um das Angenehme (Ferien) mit dem Nützlichen zu verbinden (Kundengespräche). Das Wetter ist hier nicht mehr ganz so heiß wie in den Bergen Südfrankreichs und das Französisch ist etwas leichter verständlich für meine durch Schulfranzösisch und höchst gelegentlichen Paris-Besuche geschulten Ohren.

In beiden Ländern ist man übrigens hoch erfreut über meine Versuche, mich auf Französisch zu verständigen und registriert wohlwollend, daß hier nicht unmittelbar und reflexartig ins Deutsche oder Englische ausgewichen wird. Es kostet mich als alte Perfektionistin eine Menge Überwindung und viel Überlegung, aber nach einer Weile geht es schon recht flott und ich beteilige mich schon mit größerem Selbstbewußtsein an der Konversation. Noch eine Woche und ich bin wieder drin.

Die quietschsaubere, wunderbar spießige Schweiz ist außerdem ein echtes Kontrastprogramm zum eher dem laissez-faire zugeneigten Frankreich, wo schon einmal ein vom Frühstückstisch gefallener Löffel umstandslos an der Schürze abgerieben, kurz begutachtet und mit einem zufrieden gebrummten „voilà Madame!“ wieder neben den Teller gelegt wird, begleitet von diesem unnachahmlichen gallischen Schulterzucken.

Aber ob es an der schönen und eleganten Sprache liegt oder an der Sonne, an der natürlich auch hier am Genfer See kein Mangel herrscht: die Menschen sind hüben wie drüben durch die Bank sehr viel höflicher im täglichen Umgang miteinander als in Deutschland. Man grüsst sich gegenseitig laut und deutlich und mit Anrede (namentlich oder wenigstens mit ‘Monsieur’ oder ‘Madame’ nach dem Gruß). Man macht grundsätzlich smalltalk bevor man seine Croissants oder Zeitung bezahlt und wünscht sich gegenseitig einen schönen restlichen après-midi oder une bonne soirée und natürlich ein bon week-end.

Das wünsche ich Euch jetzt auch, geniesst das schöne Wetter, das ja nun endlich auch nördlich der Alpen Einzug gehalten hat, und macht Euch einen schönen Sonntag!

Encore Provence

  • Veröffentlicht am 2nd Juni 2010,
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Schöne Grüße aus dem sonnigen Seillans, wo nicht nur Max Ernst seinen Lebensabend verbrachte, sondern auch bereits Ginster, Klatschmohn und sogar ein wenig der Lavendel blühen! Leider funktioniert der Fotoupload gerade nicht, die Bilder werden natürlich nachgereicht.

Das Bücherstöckchen pausiert, wie Ihr seht – trotz des Titels dieses Beitrags, der einem der Bücher des Engländers Peter Mayle entliehen ist. Mayle hat sich dem Vernehmen nach übrigens bei den Eingeborenen des Louberon recht unbeliebt gemacht, weil er sämtliche Insidertipps in einer Millionenauflage breitgetreten hat und nun die Grundstückspreise für die Ureinwohner nicht mehr zu bezahlen sind.
Ich lese lieber Pagnol als Mayle, aber in Sachen Kommerzialisierung tun sich beide nichts. Das heisst: Pagnol wird kommerzialisiert; der gute Mann ist ja schon ein paar Jahre tot und begraben. Das nach einem seiner Bücher benannte Restaurant „La Gloire de mon Père“ hier im Ort serviert allerdings durchaus Essen, das gerühmt werden darf.

P.S.: Die ewige Frage „Rollen oder werfen?“ wird von den hiesigen Pétanquespielern zumeist mit einem verächtlich geschnaubten „Na, werfen natürlich!“ beantwortet.

P.P.S.: Vielen Dank all denen, die mich im ersten Monat des Experiments geflattrt haben! Es sind 2,42 € dabei herausgesprungen, also bin ich hauchdünn im Plus.
Ich habe drei Einladungscodes zu vergeben, wer möchte, erwähne dies bitte in den Kommentaren und sobald ich wieder online bin (auf jeden Fall diese Woche noch), werden sie verschickt.

Empfehlung für einen französischen prepaid SIMcard Anbieter gesucht

  • Veröffentlicht am 26th Mai 2010,
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Früher™ war das Leben ja wunderbar einfach. Man fuhr in den Urlaub und hatte dort entweder ein Telefon im Hotel, das man tunlichst höchstens zehn Sekunden für den obligatorischen „Hallo Mama, ich bin gut angekommen, alles Weitere per Postkarte, ich muß Schluß machen, Gruß und Kuß!“ – Anruf benutzte, wollte man nicht schon am ersten Urlaubstag seine Reisekasse dramatisch plündern. Oder es gab eine einsame Telefonzelle im Ort, für die man oft besondere Münzen brauchte, die es nur im einzigen Café des Dorfes gab, das natürlich zwischen 13 und 17 Uhr Siesta hatte und wo ein bedeutender Geschäftsabschluß wie der Kauf von drei Telefonmünzen erst einmal einen kleinen Pastis und einen Schwatz mit dem Wirt erforderte.

Wie es einem in X gefalle? Wunderbar, ganz wunderbar, und wenn man jetzt vielleicht die getoni… Und das Essen? Sei das nicht herrlich? Ganz fabelhaft, ja, aber man müßte jetzt wirklich mal… So ein Traumwetter hätte es schon lange nicht mehr gegeben, im vergangenen Jahr habe es die Lese verhagelt und die Hühner vom alten P. seien erfroren, puh! Noch einen kleinen Schluck, vielleicht von dem Hauswein? – Ja gerne, aber dann…
Am Ende schrieb man seine Nachricht einfach direkt auf die Postkarte, die nur einen Tag nach der eigenen Rückkehr in die Heimat auch schon beim Empfänger eintraf, komplett mit Rotweinringen darauf.

Heutzutage® nimmt man sein Handy Smartphone mit und ist natürlich erreichbar: per mail, telefonisch, via Twitter, Facebook, Skype. Die Postkarte erwartet auch kein Mensch mehr, denn dank Foursquare weiß ja ohnehin die ganze Timeline, daß man jetzt Bürgermeister von dem kleinen Café ist, in dem man gerade beim Pastis in der Sonne sitzt. Außerdem ist man schon Bürgermeister des Rathauses am Ort, haha, wenn der Bürgermeister da drin hinter seinem Schreibtisch wüßte, daß man ihn gerade sang- und klanglos ersetzt, bzw. ge-ousted hat! Das gäbe Stoff für eine internationale Verwicklungskomödie, vor allem, wenn das so ein Louis de Funès-Choleriker wäre… gleich mal ein treatment schreiben, wäre das nicht was fürs ZDF, oder doch lieber SAT 1?
Die Reisekasse ist dann dank verzögerter Rechnungsstellung erst vier bis sechs Wochen später in den roten Zahlen, denn Datenroaming summiert sich ganz schön. Wie jetzt, für eine popelige Statusmeldung gleich zwei Euro? Puh!

Und weil ich leider, leider nicht unabhängig genug für einen Urlaub wie früher™ bin, und andererseits zu erholungsbedürftig und zu geizig für die heutzutage®-Version, suche ich jetzt den Kompromiss: eine billige französische prepaid-SIMcard für ein altes Handy, mit der ich auch mal zehn Minuten nach Hause telefonieren kann ohne gleich völlig zu verarmen. Welcher Anbieter ist da der Beste? Die ergoogelten Lösungen und Tarife  sind alle mehrere Jahre alt, also geradezu prähstorisch für das Gebiet der drahtlosen Telekommunikation. Über Eure persönlichen Empfehlungen würde ich mich daher sehr freuen. Wer mag, kriegt dann auch eine echte Postkarte.

Stamina

  • Veröffentlicht am 21st Mai 2010,
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Ich bin offline. Im Urlaub. Gucke zu, wie Captain Jack erfolgreich sein bronzenes Schwimmabzeichen macht und sein kleiner Bruder das Seepferdchen.

Für das silberne Schwimmabzeichen muss man u. a. Streckentauchen. 10m. Captain Jack hat zu diesem Zeitpunkt schon 300m Brustschwimmen und 100m Rückenschwimmen hinter sich. Auch den Ring hat er schon aus 2 Meter Tiefe wierder heraufgeholt, zweimal. Er ist erkennbar alle, aber holt tief Luft und taucht ab. Nach wenigen Metern ploppt er an die Oberfläche. Luftholen. Und wieder runter.

Plopp.

Luftholen, runter.

Plopp.

Luftholen, runter.

Plopp.

Luftholen.

Runter.

Plopp.

Luftholen.

Er weint. Ist wütend auf sich. Mama nimmt ihn in den Arm, kuschelt ihn ins Handtuch, gibt ihm einen Kuß. Ihrem Großen, der gerade ihr Kleiner ist.

Morgen will er es noch einmal versuchen. Immerhin geht es um zehn Paninitütchen!

Manchmal muss man einfach mal den Abflug machen.

  • Veröffentlicht am 26th April 2010,
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Manchmal muss man einfach mal den Abflug machen.

Keinesfalls verpassen wollte ich sie, die gestrige Frühlingslesung mit Percanta, Isabo, Merlix und Bov. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir, daß ich trotzdem nicht vor Ort war: ich mußte einfach dringend durchatmen und meine Batterien aufladen, die waren schon nicht mal mehr im roten Bereich. So fuhr ich auf meine Insel, vergaß alle anderen Termine und jetzt geht es mir wieder besser. Manchmal muss man eben einfach mal den Abflug machen.

Die re:publica Marginalien

  • Veröffentlicht am 19th April 2010,
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“Ein’ hab’ ich noch, ein’ hab’ ich noch!” und dann ist auch Ruhe zum Thema, versprochen.

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Ich habe anlässlich der re:publica meinen Twitteraccount geöffnet (also von protected auf öffentlich umgeschaltet) und auch auf die tägliche Löschung meiner Tweets verzichtet. Ich werde es auch vorerst dabei belassen. Ich habe nicht besonders viel getwittert in den drei Tagen, ca. 80 Tweets nur (wir hatten ja nix damals kaum Netz). Hochgerechnet auf die Zeit die ich schon twittere (seit Mai 2007), sind das etwa 22.000 Tweets, die ich bislang geschrieben und abends jeweils wieder gelöscht habe. Ich habe auf der re:publica ca. 30 neue Follower gewonnen, davon ca. ein Drittel Spammer, die ich gleich wieder geblockt habe, und folge nun auch einigen neuen Bekannten.

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Nächstes Jahr nehme ich mein Longboard mit. Die Bürgersteige und Straßen in der Gegend sind ja wohl der Hammer!

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Allen Frotzeleien zum Trotz: einen stabilen Internetzugang für ca. 2.500 Leute, die mit ihren Notebooks und Smartphones oder gar beidem alle gleichzeitig ins Netz wollen – das kann es wahrscheinlich (noch) nicht geben. Es ist also eher ein Wunder, daß wir überhaupt online gehen konnten und ich verstehe viel zu wenig von der Technik, um diese Leistung der hinter den Kulissen eifrig werkelnden Heinzelmännchen angemessen würdigen zu können. Aber ich danke ihnen sehr, genau wie den Organisatoren Johnny und Tanja Haeusler von Spreeblick und Markus Beckedahl von netzpolitik.org und allen anderen, die dieses wunderbare Event auf die Beine gestellt haben.

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Ich habe einmal mehr festgestellt: Die meisten Menschen sind freundlich und hilfsbereit.

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Das Hotel war gewöhnungsbedürftig. Nur daß ich mich daran niemals gewöhnen werde. Ein Einzelzmmer ist ja auch in jedem Hotel auf der Welt nur eine umgebaute Wäschekammer mit Blick auf den Schornstein, und für 50€/Nacht kann man nicht viel erwarten, schon klar. Aber das Bett war viel zu weich und irgendwie auch zu kurz, das Teil erinnerte an ein 70er-Jahre klappbares Campingbett. Das warme Wasser funktionierte am ersten Morgen nicht und kam auch anschliessend nicht richtig in die Gänge. Die Handtücher waren nicht viel dicker als Kleenex, nicht viel größer als Waschlappen und bretthart. Grundsätzlich liebe ich brettharte Handtücher, aber im Hotel, und noch dazu einem, das sich als tolles Day-Spa anpreist, erwarte ich irgendwie mehr Flausch, ich weiß auch nicht. Auf dem Flur roch es heftig nach Chlor. Der Getränkeautomat auf dem Flur war defekt, die Minibar komplett leer, man sollte sich unten im Foyer für 2,50 €/Getränk eindecken. Alles war irgendwie ein wenig sehr angeranzt, aber das soll wohl in Berlin so üblich sein, habe ich mir sagen lassen. Der Fernseher ging auch nicht, oder trägt Niki Lauda neuerdings eine grün-lila gestreifte Gesichtsfarbe? (Da will man einmal im Leben fernsehen und dann…) Der Fahrstuhl ging nur sporadisch (na gut, ich nehme sowieso immer die Treppe, aber ich wollte es der Vollständigkeit halber erwähnt haben). OK, es lag quasi neben der Veranstaltung, das war praktisch. Und die Leute am Empfang waren superfreundlich (alle in Berlin waren superfreundlich, ausnahmslos!), obzwar sie das Tempo von in Wut geratenen Weinbergschnecken drauf hatten.

Naja, Schwamm drüber. Nächstes Jahr ziehe ich drei Meter weiter ins Mélià. Ich bin halt verwöhnt, ich geb’s ja zu.

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Club Mate schmeckt wie… also ich weiß auch nicht, aber mir schmeckt’s jedenfalls nicht.

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Eine Twitterwall jeweils im Foyer hätte ich gut gefunden. Aber schön, daß während der Vorträge keine lief.

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Nächstes Jahr sollte die Golfer unter uns dann am Samstag eine re:publica Open hinkriegen, finde ich. Zwei, drei flights kriegen wir mindestens allein aus meiner kleinen Timeline zusammen.

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Meine Lieblingstweets aus drei Tagen re:publica:

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Die beste Currywurst gibt’s fraglos in Hamburg, tut mir ja leid für Euch.

Die re:publica, dritter Tag

  • Veröffentlicht am 18th April 2010,
  • veröffentlicht von

Ein guter Plan ist das halbe Leben.

Am Freitag früh um 10h ging es im kleinen Saal der Kalkscheune weiter mit einem sehr inspirerenden Vortrag über Open Government, den der Neuseeländer (und bald naturalisierte Brite wie er gleich stolz erzählte) Rob McKinnon hielt. Wer sich noch nicht näher mit dem Thema befasst hatte bekam einen sehr guten Überblick über die Aktivitäten und Erfolge von Bürgern aller Herren Länder, die ihren Regierungen auf die eine oder andere Art mehr Offenheit abringen, aber auch willens und fähig sind, sich selbst und ihr Können anzubieten und einzubringen. Mehr Transparenz kann ganz sicher nicht schaden, ist jedoch den meisten Regierungen ein Dorn im Auge, wie wir noch aus dem Wikileaks-Vortrag des Vortages wissen. Immerhin, es tut sich etwas und ich überlege auch schon, was ich tun kann und wofür ich mich engagieren will. Denn eines ist klar: Nur meckern geht nicht. Mitmachen und besser machen!

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Anschliessend begab ich mich rüber in den Friedrichstadtpalast, um den eigentlich für 11 Uhr angekündigten Themenblock “Netzneutralität” anzuhören. Statt dessen erzählte Götz Werner etwas übers Grundeinkommen, auch gut.

Götz Werner hat die Drogeriemarktkette dm gegründet und tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Obwohl es schwer ist, sich einigen seiner Argumente zu verschliessen (natürlich hat nicht nur diejenige Arbeit einen Wert, die bezahlt wird), sind mir da noch viel zu viele Löcher in der Argumentationskette und natürlich ist mit vollen Hosen gut stinken… seine Sicht auf die Dinge dürfte wohl nicht 1:1 der seiner Angestellten entsprechen. Abgesehen davon, daß sein Vortragsstil ziemlich schnarchig und leicht von oben herab rüberkam, hielt er aber doch einen interessanten Vortrag und war kein kompletter Fehlgriff in der Themenauswahl. Die anschliessende Diskussion habe ich nur über Twitter verfolgt, da ich schon wieder zum nächsten Panel eilte.

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Das war natürlich das von MC Winkel, dem ich seine freundliche persönliche Einladung natürlich nicht abschlagen konnte. His Winkelness ist sicherlich die größte Rampensau der deutschen Bloggeria und blieb sich treu: Der winzige Blaue Salon war seit zehn Minuten gerammelt voll, ich überlegte kurz, à la Blues Brothers ein rhytmisches  “Wir-wollen-die-Show!” anzustimmen, und dann kam er auch schon: direkt aus Kiel, natürlich standesgemäß im absoluten Halteverbot geparkt, hat erst einmal die Orga verwirrt, die seinen Auftritt nicht auf dem Zettel hatte und eiligst WLAN-Kabel etc. herbeischaffte und begrüßte seine Fans. Der Einblick in das Leben eines Faulancers war kurzweilig und unterhaltsam vorgetragen, was natürlich auch niemand ernsthaft anders erwartet hätte. Wie man vom Bloggen leben kann, ohne sich ein Bein auszureißen? Das dürfte auch MC Winkel nicht wissen, denn er ist verdammt rührig, auch wenn es nach Nichtstun aussehen soll. Aber das ist ja immer so bei großen Sportlern: Die scheinbare Leichtigkeit ist nur durch hartes Training zu erreichen. „Spacken sind doch die interessanteren Menschen“ sagt er, und hat Recht damit. Reich wird man mit Bloggen nicht, aber MC Winkel hat seine Nische gefunden, tut das, was er liebt, hat offensichtlich ein Auskommen mit dem Einkommen – und wer unter uns (außer natürlich you-know-who, aber wer kann den schon ernst nehmen?) wollte es ihm nicht gönnen?

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Der Vortrag von Simon Rogers über „Datajournalism and Tthe Guardian“, den ich mir als nächstes vorgenommen hatte anzuschauen, fiel leider aus: aufgrund der wohl unwahrscheinlichsten Begründung seit “der Hund hat meine Hausaufgaben gefressen”, nämlich ”da ist eine Vulkanaschewolke, die den Flugverkehr in halb Europa lahmlegt“, konnte der Redner leider nicht antreten. Die Leistungsschutzrechte-Diskussion konnte mich nicht locken und so quatschte ich ein wenig mit Kixka Nebraska und ging mit ihr in den Quatsch Comedy Club, um das Panel „Vom Livestream zum Lifestream“ anzusehen. Dort wurde es mir allerdings schnell zuviel, denn einerseits bin ich Klaustrophobikerin und musste. da. raus. JETZT!, dann war die Luft war so dick, als hätte sich die Aschewolke noch mit in der proppenvollen Saal gequetscht und außerdem hielt ich’s auch sonst nicht mehr aus:

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Der so fluchtartig verlassene Raum würde sich wahrscheinlich in der nächsten Stunde noch mehr füllen, denn Felix Schwenzel (wirres.net) wollte uns erzählen “Warum das Internet scheiße ist”. Also begab ich mich lieber dahin “Wo wilde Trolle wohnen”, den Vortrag des Rechtsanwalts Joerg Heidrich, der aus dem Leben eines Forenmoderators erzählte und ein paar Schwanks zum Thema “Umgang mit Abmahnungen” und “fliegender Gerichtsstand” zum Besten gab. Da ich selbst schon Foren moderiert habe, war das alles nicht wirklich neu für mich (im Internet gibt’s aufmerksamkeitssüchtige Bekloppte? Echt? Und Wasser ist wirklich nass?), aber daß es einen echten Klagetourismus gibt zu den Gerichten, bei denen man am ehesten mit einer für die eigene Sache günstige richterliche Entscheidung rechnen kann, weil man nämlich ohne Rücksicht auf Sitz des Anbieters überall dort klagen kann, wo das Internet zu empfangen und damit die beklagte Seite zugänglich ist – das ist ein Tritt in die Magengrube für jeden Menschen mit gesundem Rechtsempfinden.

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Anschließend gab’s noch einen netten Plausch mit @littlejamie und eine wahrscheinlich ökologisch-dynamisch-politisch-korrekte schwedische Limonade, die allerdings schmeckte als hätte jemand ein paar Tütchen Ahoi-Brausepulver mit Himbeergeschmack aufgelöst. Ich machte mich auf zur großen Verabschiedung, bei der Johnny Haeusler eigentlich live auf der Bühne mit Twitter-Gründer Biz Stone skypen wollte. Der kam aber nicht, wir sollten doch bitte noch ein paar Minuten auf ihn warten wie seine Sekretärin ausrichten ließ, und so kam es zur absolut bestmöglichen Verabschiedung überhaupt: Der ganze Saal sang inbrünstig zu Queens Bohemian Rhapsody Karaoke und ließ Biz Stone einfach mal Biz Stone sein:

ARVE Error: no video ID set

It really did send shivers down my spine!

Die Party danach war klasse, ich lernte u.a. endlich auch die offizielle Haus- und Hoffotografin der re:publica, Mme Creezy persönlich kennen und outete mich als fangirl und wurde @writingwoman vorgestellt, die kurz vorm Gefrierbrand stand (es war aber auch kalt in Berlin!). Ein mitternächtliches Abendessen mit @rajue und @frankkleinert beim Thai beschloß den Abend eines schönen, dritten re:publica-Tages für mich.

Die re:publica, zweiter Tag

  • Veröffentlicht am 17th April 2010,
  • veröffentlicht von

Vorab: diesen Beitrag hatte ich ursprünglich schon einmal getippt, nämlich gestern früh mühsam ins iPhone, über die WordPress-App (Ich hatte keinen Rechner mit in Berlin). Als ich auf “save” klickte, verschwand die Arbeit von knapp 2 Stunden im Datennirvana. Sonst wäre der natürlich schon gestern früh hier erschienen, sorry.

Gute Frage.

Tag 2 beginnt mit einem Vortrag Matthias Kröners, seines Zeichens Vorstand der FIDOR AG. Ein Banker, der über „Banking mit Freunden“ spricht. Ich traue Bankern ja nicht ganz so weit über den Weg, wie ich ein Klavier werfen kann, aber sein Vortrag ist kurz, knackig, mitreissend und regt zum Nachdenken an. Ich werde mich jedenfalls näher mit diesem Projekt beschäftigen, das steht mal fest. Eine Bank, die ihren Usern Geld für ihre Mitarbeit gibt?

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Unmittelbar im Anschluß sprach Alvar Freude, Netzaktivist, Mediendesigner und u.a. auch Mitbegründer des AK Zensur über die möglichen Auswirkungen der Änderungen am Jugendmedienschutz-Staatsvertrag auf das Web 2.0. Leider beschränkte er sich darauf, bekannte Allgemeinplätze polemisiert zu wiederholen. Jegliche Form von Zugangskontrolle für Kinder und Jugendliche zu verteufeln, statt Lösungswege aufzuzeigen oder konkrete Vorschläge zu unterbreiten, wie man den Nachwuchs vor dem dunklen Teil des Netzes schützt, den es ja leider auch gibt – das kann es ja nun auch nicht sein. Nur weil das der Teil ist, auf den sich die Holzmedien stürzen und den sie wichtiger und größer schreiben als er ist, heißt es ja nicht, daß man ihm nicht wachsam und misstrauisch gegenüberstehen sollte. Ziemlich genau das sagte ihm dann auch ein sichtlich genervter Zuhörer sehr deutlich in den Frage- und Antwort Minuten. Freudes einziger Vorschlag der dann kam, und für den es auch verdienten Applaus gab, lautete: Medienkompetenz zu vermitteln, und zwar den Eltern (fast noch wichtiger) und den Kindern.

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Sehr nettes und unterhaltsames Mittagessen mit @rajue, dem Macher von (u.a.) photoappar.at (geniale URL, oder?), der den wohl schönsten Schnappschuss von Jeff Jarvis gemacht haben dürfte.

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Weiter ging es mit dem Vortrag der Wikileaks Macher, bzw. Daniel Schmitt, einem der Mitgründer – Julian Assange war (für mich nicht wirklich überraschend) nicht am Start. Schmitt gab einen kurzen aber intensiven Abriss über die Arbeit und die daraus resultierenden Skandale und Erfolge von Wikileaks. Frisch im Gedächtnis ist natürlich das letzte Woche unter dem Schlagwort „Collateral Murder“ bekannt gewordene Video der US Armee, aufgnommen mit einer Bordkamera eines Apache-Helikopters, auf dem zu sehen ist wie die Besatzung lachend und als ob es sich um ein Videospiel handelte, mittels ihrer Bordkanone auf unbewaffnete Journalisten schießt und anschließend noch einen Kleintransporter voller Zivilisten und Kinder unter Beschuss nimmt, dessen Fahrer den sterbenden Journalisten zu Hilfe eilen wollte.
Schmitt betonte, daß Wikileaks sich nicht als Konkurrenz zu Journalisten und kommerziellen Medien verstehe sondern ihnen im Gegenteil als Partner helfen wolle, investigativen Journalismus zu betreiben. (Wie ich die Journallie so einschätze, dürfte das allerdings wohl ein frommer Wunsch bleiben – denen geht es doch meist nur um Neid und Eifersüchteleien und ums Pimmelfechten, wer den dicksten Scoop zuerst findet. Eine unabhängige, spendenfinanzierte Seite da als Quelle zu nutzen, geht ihnen wohl gegen das, was sie für ihre Berufsehre halten.)

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Jérémie Zimmermann

Anschliessend sah ich Monica Horten von der University of Westminster in London, die einen Überblick über die Planungen der EU zum Telekommunikationspaket und der sog. „Three Strikes-Regelung“ gab (wie sie das franz. Verfassungsgericht bereits abgeschmettert und das britische Parlament gerade durchgewunken hat). Ihr folgte auf dem Fuße Jérémie Zimmermann, ein kleiner, quirliger Franzose, der uns über die Auswirkungen dieser Pläne aufklärte und uns alle beschwor, unsere Abgeordneten zu beleuchten und dazu zu bewegen, gegen die teilweise absurden Massnahmen zu stimmen, die unmittelbar aus dem Wunschkatalog der Lobbyisten der Unterhaltungsindustie stammen und das Ende der persönlichen Informations- und Redefreiheit und damit schlussendlich das Ende der Demokratie bedeuten.

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Weiter ging es mit einem Panel über Sexismus im Netz, bei dem Susanne Klingner Anna Berg, Anne Roth und Klaus Schöneberger auf dem Podium saßen und sehr akademisch, schnarchlangweilig und meiner Meinung nach teilweise wirklich ärgerlichen Stuss über die Diskriminierung der Frau im Netz sprachen. Ich hätte ja gern nach wenigen Minuten genauso fluchtartig den Saal verlassen wie @DonDahlmann, aber ich hatte endlich eine freie Steckdose für mein durstiges iPhone gefunden und einen schönen Platz auf einem gemütlichen Sofa, das nach zwei Tagen auf unbequemen Holzstühlen eine echte Wohltat für meinen Rücken war. Solchermassen quasi festgebunden erduldete ich  das Gesülze. Nicht, daß es keinen Sexismus im Netz gäbe. Aber wenn es schon damit los geht, daß es ein untrügliches Anzeichen für die Diskriminierung weiblicher Blogger sein soll, daß die erste Frau in den (komplett irrelevanten) deutschen Blogcharts auf Rang 35 erscheint, dann kann man sich vorstellen, wieviel beknackter die Diskussion noch wurde. Das iPhone mußte schließlich mit 3/4 Ladekapazität auskommen; ich hab’s dann doch nicht länger als eine Viertelstunde durchgestanden und bin gegangen.

Allerdings habe ich erst später am Abend davon gehört, daß offenbar ein paar Trolle den Livechat gekapert hatten und wirklich widerwärtige Kommentare abgelassen haben. Mehr darüber gibt es bei Antje Schrupp und beim Piratenweib im Blog. Das ist eklig und ich kann die Wut und Empörung der Betroffenen verstehen. Ich bin eine Frau und fühle mich nicht betroffen, weil ich solchen Dreck nach all den in diversen Foren und Communities verbrachten Jahren in- und auswendig kenne und inzwischen eigentlich „nedamol mehr ignorier“, wie der Bayer so schön sagt. Aber ich kann auch verstehen, daß nicht jede Frau so ein dickes Fell hat oder zulegen will. Ich würde es lieber so machen wie es Sascha Lobo ja schon am Vorabend in seinem “How To Survive A Shitstorm”-Vortrag zeigte. But that’s just me – to each her own.

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Die folgende Stunde verbrachte ich im angeregten Gespräch mit Frau Serotonic, die sich live und in Person als genauso super herausgestellt hat, wie ich mir das schon damals™ dachte, als ich ihr Blog entdeckte. Zum Abschluß gingen wir zum Laberflashmob, einer spontanen Veranstaltung mit dadaistischen Zügen, die mich dann auch zum Aufbruch reizte (DaDa war noch nie meins). Alles in allem war es aber ein schöner und streckenweise sehr lehrreicher und unterhaltsamer zweiter Tag.

19.04.10 Update: Bei der Nennung der Namen der “Sexismus im Internet” Diskussionsteilnehmer ist mir bedauerlicherweise ein Fehler unterlaufen. Auf dem Podium saß nicht Susanne Klingner, wie im gedruckten Programm und auch noch auf der offiziellen re:publica-Seite zu lesen steht. Statt ihrer war Anna Berg von der Mädchenmannschaft dabei. Ich bitte um Entschuldigung.

Die re:publica, erster Tag

  • Veröffentlicht am 15th April 2010,
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Irgend jemand twitterte „es ist ein bisschen wie Klassentreffen“ und genauso fühlt sich das an. Nur eben genau umgekehrt: ich treffe nicht Menschen, die ich zwanzig Jahre weder gesehen noch vermisst habe und mit denen ich mich über die gemeinsame Vergangenheit unterhalte, sondern solche, die ich größtenteils noch nie gesehen habe, aber mit denen ich durch das Netz auf Twitter oder in Blogs und Kommentaren täglich in direktem oder wenigstens indirektem Kontakt stehe. Und wir sprechen über die Gegenwart und die Zukunft, wie die alten Vertrauten die wir irgendwie ja auch sind, und ganz gemäß des Konferenzmottos: „Now.Here.“

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Der Eröffnungsvortrag von Peter Glaser hat mir gut gefallen. Aber den „Ausknopf als menschliches Grundrecht“ zu fordern ist dann schon irgendwie albern: Es gibt auch keinen Ausknopf für den Fluss vor meinem Hotelfenster. Man schaltet sich selbst ein oder aus, nicht das Netz. Das ist immer da, wie der Rest der Welt. „Now.Here.“

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Eine Konferenz zum Thema Internet, bei der weder WLAN noch Handyempfang sonderlich funktioniert; auch das ist das Netz. Es ist spannend, weil die Menschen, aus denen es besteht, so spannend sind. Es geht hier nicht um Technik. Die meisten Leute in den Vorträgen hören aufmerksam („Now.Here.“) zu statt zu twittern oder auf dem MacBook per Videostream zu verfolgen, was sie vielleicht im anderen Saaal gerade verpassen und nicht wenige schreiben tatsächlich in Notizbücher statt auf Notebooks.

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Prof. Dr. Peter Kruse

Der Vortrag Peter Kruses über unsere unterschiedlichen Wahrnehmungen, Perspektiven („Now.Here“) und Bewertungen derselben Ereignisse ist fraglos inhaltlich wie formell das Highlight des ersten Tages. Hier ein Link zum Video des Vortrags.

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Udo Vetter vom Lawblog hält einen gut besuchten Vortrag über das, was man früher einfach „gute Kinderstube“ genannt hätte, wahlweise „gesunden Menschenverstand“: Schreibe nichts über andere, was du ihnen nicht auch ins Gesicht sagen würdest. Benutze keine Fotos oder Filme von anderen, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Traurig, daß man das hier und heute („Now.Here.“) noch sagen muss.

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Sascha Lobo

Sascha Lobos Vortrag „How to survive a Shitstorm“ fängt stark an und läßt dann doch stark nach. Bei aller persönlichen Betroffenheit, die hier offensichtlich unter einer dicken Schicht Sarkasmus verborgen werden soll (und ja, es gibt schon kranke Leute da draussen): So zu überziehen riecht nach Thomas Gottschalk und krampfhaften Festhaltens an den 15 Minuten Ruhm. („Now.Here.“)

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Die Twitterlesung war lustig, aber auch dieses Konzept wirkt inzwischen nicht zuletzt auch dank der Darbietung etwas abgelutscht und Gottschalkesk. Dieselben Leute lesen Tweets von immer denselben Leuten vor, die dasselbe Publikum sowieso schon längst selbst gefaved hat. Das führt ja auch nirgendwo hin („Now.Here.“).

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Schade, daß die (allerdings stets höflichen) Gorillas am Eingang zur Kalkscheune auch nach Ende des ersten Konferenztages nur die Teilnehmer zum Feierabendbier zulassen. Wer kein schwarzes Armband hat, kommt nicht rein — blöd, wenn man als Berliner den Tag über im Büro saß und abends extra herkam, um sich mal die Nasen hinter den Twitteraccounts persönlich anzuschauen und ein gemeinsames Bier zu trinken. Das ist dann wohl die Offline-Variante einer Netzsperre („Now.Here.“) und wird mit einem fetten #FAIL belohnt.

Ab nach Berlin!

  • Veröffentlicht am 13th April 2010,
  • veröffentlicht von

Ab morgen bin ich in Berlin auf der re:publica. Das Programm liest sich sehr vielversprechend und das eine oder andere Bier mit dem einen oder anderen Blogger, Leser, Follower, Twitteraturprofessor passt sicherlich auch noch dazwischen.

Ich werde für die Dauer der Veranstaltung meinen Twitteraccount öffentlich machen und auch auf die tägliche Löschung meiner Tweets verzichten. Wer mag, folge mir gerne auf twitter.com/e13kiki. Und wer mich vor Ort sieht, darf mich gerne ansprechen :-)

Ein schönes Twitter-Visualisierungs-Tool findet sich hier: http://re.twittermap.de/

Tipps für Reisen nach Ost-Berlin

  • Veröffentlicht am 14th Februar 2010,
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Beim Ausmisten meines Bücherschranks habe ich mich in alten Reiseführern festgelesen. Ein paar schöne Zitate aus dem dtv MERIAN Reiseführer Berlin (4. aktualisierte und überarbeitete Ausgabe Juni 1989) möchte ich Euch nicht vorenthalten:

Reisezeit und Klima: Es scheint manchmal, als sei es in Ost-Berlin kälter als in West-Berlin, besonders auf dem riesigen Alexanderplatz oder in den großen Straßen der Neubaugebiete. Das kommt daher, daß der Wind heftiger weht, es sind keine Ecken und verwinkelten Straßen da, um ihn aufzuhalten. Wettervorhersage: Tel.: 162

Sprache: Was bei uns ein “Supermarkt” ist, nennt sich in Ost-Berlin “Kaufhalle”. Jugendliche benutzen häufig Ausdrücke wie “einwandfrei” oder “das fetzt”.

Treffpunkte: Wenn Sie Ostberliner treffen wollen, können Sie zu den Fußballspielen des FC Union gehen, dessen Fans Sie an ihrem ziemlich gammeligen Aussehen und den rot-weiß-gestreiften Hemden und Schals erkennen.

Junge Leute: In Ost-Berlin werden Sie vergeblich Folklore-Schuppen und Diskotheken suchen. In der DDR geht der Jugendliche zum “Jugendtanz”. […] Die Ausstattung der Räumlichkeiten ist weniger poppig, die Licht- und Phontechnik ist mit der westlicher Beatschupppen nicht vergleichbar.

Kinder: [Im Pionierpark Ernst Thälmann] kommen Kinder vor allem in Arbeitsgemeinschaften zusammen. Wenn sie zehn Jahre alt sind, können sie auf der Eisenbahn eine halbjährige Ausbildung zum Schrankenwärter, Streckenläufer oder Zugschaffner absolvieren.

Nachtleben: Ost-Berlin hat kein nervenzerfetzendes Nachtleben. Harten Porno, schummrige Sex-Klubs, Peep-Show und Striptease werden Sie hier vergeblich suchen.

Ich sehe meinem Besuch auf der re:publica mit banger Vorfreude entgegen.

Herbstferien

  • Veröffentlicht am 11th Oktober 2009,
  • veröffentlicht von

Draußen spielen. Herbstferienzeug und Gummistiefel. Windstärke 10. Im Strandkorb kuscheln. Friesentee mit Klöntjes und friesischen Butterwaffeln dazu. In der Heide in einer Sandkuhle liegen und den vorbeirasenden Wolken nachsehen. Bernstein suchen. Stremellachsbrötchenreste an die Möwen verfüttern. Den Kachelofen anmachen und ins Feuer gucken. Inseldasein.

Läuft doch!

  • Veröffentlicht am 9th September 2009,
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Seitdem feststeht daß 42 die Antwort ist, beschäftige ich mich mit der Suche nach der dazugehörigen Frage. Die Kandidaten “Wieviele Lakritzschnecken kann ich wohl an einem Tag essen bevor mir schlecht wird?”, “Wieviele Schläge brauche ich im Schnitt auf unseren zweiten neun Loch?” und “Wie oft muß man in Ottensen Abends um den Block fahren, bevor man einen Parkplatz direkt vor der Haustür findet?” habe ich schon erfolgreich abgehakt.

Neu auf meinem Zettel: “Wie lange kann ich am Stück rennen, ohne daß mich der Rettungswagen abholen muß?” Ja, richtig gelesen: Trotz  aller innerer Widerstände, jahrzehntelanger Abwehr und obwohl ich mich nach wie vor wie ein Volltrottel fühle, habe ich begonnen zu dauerlaufen. Joggen. Rennen. Und mir fallen auch spontan mindestens drei Leute ein, die nicht ganz zu Unrecht vor Lachen vom Stuhl fallen wenn sie das hier lesen. Aber was soll’s?

Da mit Musik ja bekanntlich alles besser geht, laufe ich verkabelt und im Takt. Den richtigen Mix zusammenzustellen war gar nicht so einfach und hat einige Zeit gedauert. Nach ein paar Fehlversuchen bin ich jetzt bei folgendem hängengeblieben:

Gorillaz – Feel Good, Inc
Wie ich mittlerweile gehört habe, ein Klassiker des modernen Läufersoundtracks. Egal, das Stück funktioniert, und auch wenn mich solche “Musik” normalerweise verrückt macht und zu Tode nervt: fürs Laufen ist sie aus unerfindlichen Gründen genau richtig.

Medeski, Martin & Wood – Shine It
“Was auf dem Longboard funktioniert, kann zu Fuß nicht soo falsch sein” dachte ich mir. Richtig.

Atjazz – The Messup
Easy listening bei hartem Geschnaufe. Passt.

Beastie Boys – In 3’s
Hier nicht aus dem Takt zu kommen ist gar nicht so einfach, die Stolperfallen sind eingebaut. Aber das Stück pusht schön nach vorne.

Depeche Mode – It’s No Good
Dies ist in meinen Ohren ihr bestes Stück (ich nutze allerdings die Studiofassung) und es passt perfekt für eine etwas ruhigere Laufphase.

Stevie Ray Vaughn – Superstition
Ein echter 80’s Track (ursprünglich natürlich ein echter 70’s Track von Stevie Wonder), bei dem ich mich gleich wieder wie 20 fühle, auch wenn meine Knochen mir spätestens jetzt etwas anderes erzählen.

Pink Floyd – Another Brick In The Wall (Pt. 2) (hier eine andere Liveversion; meine ist vom Delicate Sound Of Thunder Album)
Zähne zusammenbeißen, Augen zu und durch, und zur Belohnung gibt’s Gilmours grandioses Gitarrensolo. Und während ich so um den Stadtpark keuche, erinnere ich mich an diesen Sommertag vor ziemlich genau zwanzig Jahren, als Pink Floyd an eben dieser Stelle das Haus rockten und mir eines der besten Konzerterlebnisse meines Lebens bescherten.

Genesis – Home By The Sea und Second Home By The Sea
Ich weiß nicht – ist Genesis jetzt schon wieder ok, oder noch immer peinlich? Mir egal, diese zwei ineinander übergehenden Stücke von ihrem 1983er Album bringen mich im lockeren Trab nach Hause und kühlen schön ab.

Und alles zusammen dauert ca. 42 Minuten. :-)

Wer weitere gute Tips für Laufmusik hat, immer her damit!

Faster, Pussycat! Kill! Kill!

  • Veröffentlicht am 13th Juni 2009,
  • veröffentlicht von

Liebe lila-metallic-Ford-Fiasko-Fahrerin Anfang 50, die mich heute früh an der kombinierten Auffahrt Stellingen/Abfahrt Volksdorf auf der A7 in südliche Richtung in den Wahnsinn zu treiben versucht hat: Ich hab’ ja gar nix dagegen, daß Du Schafsfelle über Deine Sitze und Dein Lenkrad ziehst, auch für Tiere bremst, Katzen über alles liebst, Dich vegan ernährst und im Heidepark Soltau warst und es so toll fandest, daß Du es einfach der Welt per Aufkleber auf Deinem Auto mitteilen mußt. Auch den Spruch “Katzen würden Whisky saufen” habe ich bestimmt dreißig Jahre nicht mehr gehört, danke für die Erinnerung an dieses originelle Wortspiel.

Aber wenn Du auf die Autobahn auffahren möchtest, hilft es den nachfolgenden Verkehrsteilnehmern ungeheuer, wenn Du a) blinkst und ankündigst, ob Du tatsächlich in Stellingen auffahren willst oder vielleicht in Volksdorf gleich wieder abfahren und falls ersteres dann b) den Beschleunigungsstreifen auch als solchen nutzst UND NICHT MIT 40 SACHEN OHNE ZU BLINKEN SPONTAN RüBER AUF DIE RECHTE SPUR WECHSELST UND DANN IMMER NOCH NICHT HOCHZIEHST SONDERN VOR MIR HERSCHLEICHST UND MICH VOLL AUSBREMST, DU LUFTPUMPE!

Print-Biotop Flugzeug?

  • Veröffentlicht am 6th Februar 2008,
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Komisch, ich käme nie auf die Idee, im Flugzeug eine Zeitung zu lesen. Erstens hat man dann die Finger voller Druckerschwärze. Nicht auf allen Strecken oder bei allen Airlines gibt es noch heisse Handtücher vor dem Essen und vor der Landung. (Das hat aber wohl weniger mit 9/11 als mit 08/15 zu tun.) Und selbst wenn man das Glück hat, mit Cathay, Singapore oder Thai zu fliegen und einen entsprechenden Service zu genießen, so möchte man ja anschliessend auch nicht mit betretenem Blick der Stewardess einen vormals blütenweißen, nun kohleschwarzen Waschlappen reichen müssen, den man auch irgendwo im Pott unter Tage gefunden haben könnte.

Zweitens finde ich es reichlich asozial, den Sitznachbarn in das Grabtuch des deutschen Journalismus einzuwickeln bzw. solchermaßen in seinen persönlichen Luftraum einzudringen. Hinzu kommt, daß die gesamte nähere Umgebung quasi gezwungen wird, mitzulesen. Das kann man natürlich spielerisch sehen und sozusagen als kostenlosen Sehtest nutzen. Aber mit lauten Zeitungen ist es wie mit lauter Musik, die am Strand aus dem Kofferradio des benachbarten Strandkorbs klingt: nicht jedermanns Geschmack.

Nein, Zeitungen sind etwas für den Frühstückstisch. Der dort sitzende Nachbar (soweit überhaupt vorhanden) wird sich meist nicht daran stören, sondern eher selbst hinter einem eigenen Mauervorsprung dieses Schutzwalls der vierten Gewalt im Staate verschanzen. Die Druckerschwärze haftet schlechter an Butterfingern und der persönliche Bewegungsraum ist höchstens durch Fragen wie “bist du schon durch mit dem Sport?” in Gefahr.

Wenn das Flugzeug überhaupt ein Biotop für Druckerzeugnisse darstellt, dann doch eher für Bücher. Diese sind verhältnismässig klein und kompakt und man hat endlich mal richtig Zeit, ungestört zu lesen. Allerdings haben Bücher natürlich den Nachteil, viel über ihre Leser zu verraten. Die von den mitfliegenden Zeitungslesern üblicherweise angebrachten Schutzbehauptungen („sie hatten keine FAZ mehr, nur noch die Bild“) greifen hier nicht: ein Buch kauft man sich selbst. Mit dieser Art von Selbstdarstellung können die wenigsten umgehen, weshalb man meist im Flugzeug – und ganz besonders in der Business Class – auch selten jemanden ein Buch lesen sieht (oder nur solch völlig schmerzfreie Zeitgenossen mit einer Dan Brown-Schwarte in den Händen).

Das wäre natürlich eine Erklärung für die Beliebtheit der Hörbücher, die man sich höchst privat in die Ohren stopfen kann. Aber auch diese Erfindung wird die Macher der Tagespresse kaum trösten. Sie müssen sich etwas anderes ausdenken, um verlorenen Boden gutzumachen. Z.B. gute Arbeit abliefern und dann Vertrauen in ihre Leser haben. „If you build it, they will come.“ Ich fürchte nur, dieses Konzept ist zu altmodisch, um sich heute noch durchzusetzen.

Pry, boy, pooch?

  • Veröffentlicht am 5th Dezember 2007,
  • veröffentlicht von

Ich hatte vor einigen Jahren einmal einen sehr kompetenten und liebenswürdigen indischen Arbeitskollegen, mit dem die unfallfreie Verständigung nur per mail oder Instant Messenger möglich war. Wehe, ich musste etwas telefonisch oder persönlich mit ihm besprechen, dann war ich echt gekniffen. Am Telefon konnte ich mich noch auf eine schlechte Verbindung rausreden und um Klärung per mail bitten, aber im direkten Dialog liess ihm mein verzweifelter Gesichtsausdruck ob des völligen Unverständnisses wahrscheinlich nur sehr wenig Spielraum für Interpretationen.

Die folgende Story, die wahrscheinlich schon jeder Fernost-Reisende selbst so oder ähnlich erlebt hat, macht immer wieder in diversen Variationen die Runde, aber ich schmeiss’ mich jedes Mal wieder neu weg wenn ich sie lese. Besonders, wenn ich sie laut vorlese, was ich Euch für den vollen Genuss auch empfehle.

The July 1981 newsletter of the Tasek Utara Golf Club in Johor Baru, Malaysia, contained the following linguistically intriguing dialog between a hotel guest and the room service at a certain Bangkok hotel. (Quoted from Far Eastern Economic Review September 4, 1981.)

Room Service: Morny, rune sore-bees.

Hotel Guest: Oh sorry, I thought I dialled room service.

RS: Rye, rune sore-bees. Morny. Jewish to odor sunteen?

HG: I’d like some bacon and eggs.

RS: Ow July then?

HG: What?

RS: Aches. Ow July then? Pry, boy, pooch … .?

HG: Oh, the eggs! How do I like them? Sorry. Scrambled please.

RS: Ow July thee baycome? Crease?

HG: Crisp will be fine.

RS: Okay. An Santos?

HG: What?

RS: Santos, July Santos?

HG: Ugh … I don’t know … I don’t think so.

RS: No? Judo one toes?

HG: Look, I really feel bad about this, but I just don’’t know what judo-one-toes means. I’m sorry.

RS: Toes! Toes! Why Jew Don Juan, toes? Ow bow eenglish mopping we bother?

HG: English muffin! I’ve got it! Toast! You were saying toast! Fine. An English muffin will be fine.

RS: We bother?

HG: No. Just put the bother on the side.

RS: Wad?

HG: I’m sorry. I meant butter. Butter on the side.

RS: Copy?

HG: I feel terrible about this but …

RS: Copy. Copy, tea, mill.

HG: Coffee! Yes, coffee please. And that’s all.

RS: One Minnie. Ass rune torino-fie, strangle aches, crease baycome, tossy eenglish mopping we bother honey sigh, and copy. Rye?

HG: Whatever you say.

RS: Okay. Tenjewberrymud.

HG: You’re welcome.

In der Bahn

  • Veröffentlicht am 27th November 2007,
  • veröffentlicht von

Der Typ mit den blitzblanken schwarzen Budapestern, der Jack Wolfskin Funktionsjacke und der NY Yankees Baseballmütze vertieft sich in das Büchlein den Thriller Alles über die Sony Weltempfänger. Ich wette, er kennt nicht einen Yankee-Spieler.

Der Penner schlurft rein und fragt „’schuldigung, haste mal zehn oder zwanzig cent?“ Während ich mich über die neue Bescheidenheit wundere und überlege, ob ich mir ein paar Karmapunkte erkaufen soll, drückt ihm jemand einen Euro in die Hand. Der Penner fragt ihn, ob er auch das Zwei-Euro-Stück haben könne, das er im Portemonnaie des Spenders erspäht hat. Ich beschließe, auf Karmapunkte zu verzichten.

Neben mir lehnt ein Typ mit fetten DJ-Kopfhörern auf den Ohren, aus denen irgend ein Technobrei lärmt, den ich bis durch meine in-ear-speaker höre. Eine Mittfünfzigerin dreht sich empört um und bedeutet mir, gefälligst leiser zu stellen. Ich ziehe vor ihren Augen den Klinkenstecker aus meinem iPod, aber lasse die Stöpsel in den Ohren. Der Lärm hält an. Sie ist völlig verwirrt. Ich deute auf die Micky-Maus-Ohren meines Nachbarn. Ihr Blick ist Gold wert.

Wie auf Schienen

  • Veröffentlicht am 27th September 2007,
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Berlin, Hauptbahnhof

Die Deutsche BundesBahn und ich, wir haben ein etwas, sagen wir, angespanntes Verhältnis zueinander. Ich fahre nicht sehr häufig mit der Bahn, was zum einen daran liegt, dass ich sehr gerne fliege (auch wenn die Paranoia-Spackos aller Länder und Parteien gerade ihr bestes tun, es mir mit hirnrissigen „Sicherheits“-Stripteaseshows verleiden zu wollen). Und zweitens daran, dass ich die ereignislosen und im besten Sinne des Wortes fahrplanmässigen Reisen mit diesem Fortbewegungsmittel an einer Hand abzählen könnte. Schreinerhand. Alter Schreiner.

Ich habe es in vollen Zügen genossen, auf freier Strecke ohne jegliche Durchsage oder Informationen seitens des Zugpersonals rund drei Stunden einfach so stehen gelassen zu werden. Ich habe zwei Wochenenden hintereinander am selben Bahnhof den Zug wechseln müssen, weil, „wir bitten um Entschuldigung“, die Lok gebrannt hat. Ich habe an einem glühend heissen Hochsommertag in einem Regionalexpress gesessen, bei dem die Heizung nicht auszustellen ging und die Fenster grösstenteils nicht zu öffnen waren. Ich habe am Tag nach Neujahr bei zweistelligen Minusgraden in einem Zug gesessen, in dem die Heizung nicht ging. Ich habe eine Februarnacht auf dem Münchner Hauptbahnhof verbringen dürfen, weil durch diverse Verspätungen mein Anschluss-ICE schon weg war und der nächste erst morgens früh um fünf ging. Ich bin nach all den Jahren zu dem Schluss gekommen: ich hasse die Bahn und die Bahn hasst mich.
Die einzigen positiven Erinnerungen, die ich mit dem Thema Bahnfahren verknüpfe, stammen aus dem Jahre 2000 und drehen sich sämtlichst um den Metropolitan Express, der zwischen Hamburg und Düsseldorf im Einsatz war. Der Zug war so klasse, so wenig Bahn, und hatte so einen guten Service, dass sie ihn prompt von der Speisekarte genommen haben. Nun heisst es wieder umsteigen in Dortmund.

Da ich jedoch leider in den kommenden Monaten einige beruflich bedingte Bahnreisen auf meinem Zettel habe, kämpfte ich mich durch die Website meines Feindes, um wenigstens Schadensersatz Ermässigung dabei rauszuhauen. Ich bestellte mir also eine Bahncard 25 – aus weiser Voraussicht zweieinhalb Wochen vor dem ersten geplanten Einsatz. Vorgestern wurde ich dann doch nervös und rief die Hotline an.

„Guten Tag, meine vor zehn Tagen bestellte Bahncard ist noch nicht da. Wann darf ich damit rechnen?“

„Ähm, moment… (Tastaturgeräusche)… also die ist schon raus und müsste allerspätestens am Freitag bei Ihnen sein.“ (Ich nehme diese Aussage als das, was sie ist: Eine recht offensichtliche Umschreibung für „Oh shit, voll verpennt, wir schicken sie heute noch raus.“)

„Und falls nicht? Ich wollte jetzt mein Ticket buchen für Montag, sagen Sie mir doch bitte schon mal die Nummer meiner Bahncard, damit die Ermässigung in Anspruch nehmen kann.“

„Das darf ich leider nicht. Sehen Sie, der Schaffner kontrolliert ja Ihr Ticket, und wenn Sie dann Ihre Bahncard nicht dabeihaben, dann ist das wie schwarzfahren. Jetzt stellen Sie sich mal vor, die geht in der Post verloren und wir müssen Ihnen eine andere ausstellen, dann stimmen die Nummern nicht überein. Dann müssten Sie Strafe zahlen.“

Bidde was? Laut jedoch sage ich: „OK. Also dann buche ich jetzt zum vollen Preis und bekomme die Differenz aber nachher erstattet? Meine Bahncard ist ja bereits fertig und gültig und nur eben noch nicht bei mir angekommen.‚“

„Nein, das ist etwas komplizierter: Sie müssten sich jetzt dann zwei Tickets kaufen, ein normales und ein Bahncard-ermässigtes. Falls Ihre Karte bis Montag noch nicht angekommen sein sollte, dann habe Sie jedenfalls ein gültiges Ticket und lassen das vom Schaffner abzeichnen. Das ermässigte stornieren Sie dann einfach und bekommen eine Gutschrift. Falls Ihre Bahncard bis Montag ankommt, dann benutzen Sie eben das ermässigte Ticket und stornieren das zum Vollpreis.“

„Aha. Und wie bestelle ich online ein Bahncard-ermässigtes Ticket ohne die Nummer der Bahncard zu kennen?“ Schweigen am anderen Ende der Leitung.

„Hallo?“

„Äh ja. Die kommt schon. Ganz bestimmt.“

Kam sie dann auch gestern. Und ich konnte damit unfallfrei mein ermässigtes Ticket heute buchen. Und heute abend gleich wieder stornieren, weil der Termin geplatzt ist. Es geschehen Zeichen und Wunder. Ist ja auch Saison dafür.

„To Protect And To Surf“

  • Veröffentlicht am 14th Juni 2007,
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Seit fünfzehn Jahren bin ich Mitglied der Surfrider Foundation, einer non-profit Organisation von Surfern und Ozeanliebhabern, die sich aktiv fuer den Schutz der sieben Weltmeere und der Kuesten stark machen. Aus einer kleinen Gruppe US-amerikanischer Surfer, die taeglich unmittelbar feststellten wann es vor Ort im Wasser wirklich uebel wird, wurde ueber die Jahre eine weltweit ernstzunehmende Organisation mit Dependencen in Japan, Australien, Brasilien und Europa. In oertlichen Gruppen (chapters) sorgen sie seither durch Aufklaerung und gezielte Aktionen fuer mehr Aufmerksamkeit gegenueber der Verschmutzung der See und der Straende und machen sich u.a. auch fuer den allgemein freien Zugang zum Strand und zum Meer stark. Surfrider fuehrt Wassertests durch, organisiert Strandsaeuberungs- bzw. aufraeumaktionen, betreibt Aufklaerungsarbeit in Schulen und an Unis und mischt sich aktiv in die Lokalpolitik der oertlichen Kommunen ein – getreu ihrem Motto To Protect And To Surf. Unterstuetzt werden sie dabei z.B. von Pros wie Kelly Slater, Rob Machado, Laird Hamilton, Joel Tudor und surfenden Stars wie Pearl Jams Eddie Vedder, Incubus’ Ben Kenney und Brandon Boyd oder Pennywise-Saenger Jim Lindberg.

Es hat mich immer etwas traurig gemacht, dass es in Deutschland keine local chapter gibt. Das europaeische Hauptquartier sitzt in Biarritz, Frankreich und hat inzwischen seine Website gelauncht – sie besteht hauptsaechlich aus einem under construction Teil und einem brandneuen Blog.
Als surfverrueckte Hamburgerin bin ich kein unmittelbarer Anrainer der Nord- oder Ostsee und surfe mit meinem Longboard auch meist mehr auf Asphalt als auf tatsaechlichen Wellen. Ich beobachte erfreut, dass z.B. auf Sylt das Wellenreiten, insbesondere das longboarding, mehr und mehr Zulauf bekommt, aber ein oertliches oder wenigstens norddeutsches Chapter scheint es noch nicht zu geben. Die Muenchner sind uns da voraus und haben offenbar im November letzten Jahres losgelegt. Falls es unter meinen Lesern Surfer oder wasserverrueckte Idealisten gibt, die sich mit mir fuer ein norddeutsches Chapter stark machen wollen, wuerde ich mich freuen.

Fahrradfahren

  • Veröffentlicht am 17th Juni 2006,
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Schon wieder Sonnabend mittag und ich hab’ das Brot vergessen. Kamps ist zwar nur zwei Minuten zu Fuss, kann aber bekanntlich nicht backen und daher muss ich ein Backhus aufstöbern, oder besser noch mal eben zum Markt. Obwohl ich ja erklärter Autofahrer aus Überzeugung bin, kommt es mir doch etwas blöd vor, für die paar Meter das Auto zu nehmen (und ausserdem bekäme ich dort eh keinen Parkplatz und mein jetziger hier vor der Haustür wäre anschliessend auch weg). Also in den Keller klettern, zwischen all den Golfbags das Rad rauszerren und die Kellertreppe hochwuchten, dabei fällt mir das Handy runter und die Nase läuft auch wie Sau. Scheisserkältung. Da das Mistrad keinen Kettenschutz hat, habe ich mir unlängst schon eine meiner Lieblingshosen für immer versaut, also sitze ich wie der Affe auf dem Schleifstein und halte mein rechtes Hosenbein so weit wie möglich von den ölig lächelnden Zahnkränzen weg. Die wissen genau: Es ist nur eine Frage der Zeit bis meine Wachsamkeit nachlässt und sie ihre Chance auf eine frische Jeans kriegen.

Hinten ist mal wieder die Luft raus, ist ja klar, wenn man nur alle Jubeljahre mal fährt. Also eingeschwenkt zu Richter, deren Luftpumpe kurz akquiriert und mit den Rennpneus gekämpft. Meine Hände sehen schon nach wenigen Minuten aus als hätte ich die letzte Woche bei Ford am Fliessband gestanden. Irgendwo ist die versteckte Kamera, ich finde sie schon noch.

Der Markt packt sich gerade ein, rückt aber gnädig noch ein Brot raus. Ich fahre nach Hause, wenn’’s läuft ist’s ja ganz schön, das Wetter ist auch OK, nicht so heiss. Schwups, schon bin ich wieder zuhause. Alles retour und oben angekommen sehe ich es: Das breite Grinsen des Zahnradabdrucks auf meiner Jeans. Gotcha!