Anne hat auch schon wieder welche.
Anne hat auch schon wieder welche.
Teil I findet sich hier, die Lieblinge der Lieblinge wie immer bei Liebling Anne.
Damit das hier nicht wieder am Ende des Monats so in Hektik ausartet, kommt hier mal wieder die Halbzeitzusammenfassung:
Und Anne hat auch schon wieder welche.
Und die Lieblinge der Anderen gibt’s wie immer bei Anne.

… und die Lieblinge der anderen sammelt wie immer Anne.
Ein Pirat springt ab: Twitter ist für mich gestorben
„Warum soll ich als Empfänger auf einmal eine Filterleistung vollbringen, die ich mir eigentlich vom Absender wünsche? Ist es zu viel verlangt, dass sich alle, egal, in welcher Kommunikationsform, vorher folgende drei Fragen stellen: Muss es gesagt werden? Muss es jetzt gesagt werden? Muss es jetzt von mir gesagt werden? Und: Welcher Mehrwert entsteht denn durch diese permanente Nabelschau auf Twitter konkret und für wen?“
Das sind natürlich Fragen, die man auch angesichts Lauers eigener Tweets durchaus stellen kann, wie die Popcornpiraten süffisant feststellen. Aber während ich die Popcornpiraten durch die Bank weg verachte – eine Seite, die nur dazu im Netz steht, hämisch über die Probleme anderer zu lachen – hege ich Bewunderung für Lauer. Zugegeben, ich halte ihn auch für den einzigen mir bekannten Piraten, den ich gern im Bundestag sehen würde. Ich wurde zum Lauer-Sympathisanten (Fan wäre dann doch zuviel gesagt), als er den unsäglich aufgeblasenen Kurt Beck anlässlich der Schlecker-Frauen/Nürbergring Fragestunde in irgend einer Talkshow so fantastisch auf die Palme brachte, daß der kurz vorm Platzen stand. Es war mir ein Fest, diesen Widerling Beck so vorgeführt zu sehen, ich gebe es zu. Es war ein Popcornmoment erster Güteklasse, womit ich mich als kein Gramm besser als die Popcornpiraten oute. Oder vielleicht ein Gramm – es war unerwartet, ich hatte nicht danach gesucht, ich war beim Zappen hängengeblieben, ich kannte Christopher Lauer nicht, nie gehört, und Becks eitle Selbstgefälligkeit kotzte mich an. Talkshows sind ohnehin immer Fremdscham pur, weshalb ich auch keine gucke, ich ertrage das alles nicht. Und dieser Knilch mit Bart und Kassenbrille hob die Augenbraue und grunzte skeptisch-ironisch, während sein Gegenüber sich mühsam im Zaum halten musste, ihn nicht am Kragen über den Tisch zu ziehen und zu Brei zu schlagen.
Egal, wo war ich? Ja, Lauer. Gut gemacht. Fehler erkannt, zugegeben, weiter, der Nächste, hier gibt es nichts zu sehen, jetzt bitte wieder Inhalte. So geht Medienumgang professionell. In Anlehnung an das Cluetrain-Manifesto frage ich daher leise: Versteckt Ihr noch mehr davon? Können sie rauskommen und mit uns spielen?
Der Januar war sehr ergiebig; Teil 1 findet Ihr hier und die Lieblingtweets der anderen wie immer gesammelt bei Anne.
Und natürlich die Best Of der #aufschrei Debatte:
Update: Ich habe die Kommentare nach einigen widerlichen Beiträgen geschlossen. Und ein rundes Dutzend widerlicher anonymer bzw. fake-Absender emails gelöscht.
Aktuell geht ein Aufschrei durch Twitter und Blogs. Wir haben die Nase voll von Sexismus. Wer sich die Tweets mit dem Hashtag #Aufschrei durchliest, bekommt eine ungefähre Ahnung davon, wie es um unsere Gesellschaft hier und heute im 21. Jahrhundert bestellt ist. Little Jamie hat das hier mal sehr schön zusammengefasst. Frauen und Mädchen gelten nach wie vor nichts. Sie werden täglich angegriffen, wenn sie Glück haben nur verbal – von Kollegen, Vorgesetzten, Bekannten, Nachbarn, Familienangehörigen, Wildfremden. Auf der Straße, am Telefon, im Büro, zuhause, im Internet. Ich habe ein Forum, in dem ich jahrelang sehr gerne aktiv war, hauptsächlich deswegen verlassen weil die sexistischen Beiträge dort in der Frequenz drastisch zunahmen. Die Betreiber hielten sich wie immer desinteressiert raus und die Moderatoren hatten keine Machtbefugnisse bzw. kein Interesse. Schöne Grüße, einige meiner Leser wissen, welches Forum gemeint ist, und natürlich werden sie ungläubig lachend abwinken, meinen, daß ich mich anstelle, vermutlich meine Tage hätte, daß ja alles halb so wild sei, alles nur Spaß. Well, fuck you too. Mädchen wird beigebracht, daß Jungs eben so sind und man besser den Kopf senkt, sich wegduckt, dem Stress aus dem Weg geht, drüber lacht, es abperlen lässt, sich keine aufreizenden Klamotten anzieht, keine kurzen Röcke, keine tiefen Ausschnitte, denn die suggerieren den Männern, dass Frauen es doch wollen, daß sie alle Schlampen sind, daß sie selber Schuld haben „wenn etwas passiert“. Dabei ist es da schon längst passiert: Frauen werden misstrauisch, manche ängstlich, manche machen sich unsichtbar. Manche tragen einen Ehering, obwohl sie gar nicht verheiratet sind, damit sie weniger belästigt werden. Wenn sie sich wehren, müssen sie sich mit Glück nur Beleidigungen anhören, mit etwas weniger Glück Drohungen und mit richtig Pech endet es tragisch, in einer Vergewaltigung oder gar tödlich. Frauen, die laut und deutlich „nein!“ sagen, müssen sich fragen lassen ob sie frigide sind, ob sie lesbisch sind, ob sie verheiratet sind oder gerade ihre Tage haben – das eigene Ego des Angreifers ist so riesig aufgeblasen, daß kein Platz ist für den Gedanken, er selbst sei vielleicht einfach nur ein jämmerliches Stück Scheiße und wenig attraktiv für 99,2% aller Frauen, die er auf diese Weise anmacht. Vor Gericht landen die wenigsten Fälle, da Frau sich nicht traut, nichts beweisen kann, das Trauma nicht noch einmal durchleben will, das alles nur ganz schnell vergessen will, sie ja vielleicht doch ein zu aufreizendes Kleid, einen zu kecken Gang gehabt hat, zu spät abends im falschen Viertel unterwegs war, alleine U-Bahn gefahren ist. Was sollen die Nachbarn oder Familie sagen? Lieber schweigen. War es ein Täter mit Migrationshintergrund, gar ein Schwarzer oder Moslem, darf Frau sich schon gar nicht wundern, die sind ja alle so erzogen, wie die Tiere, die können gar nicht anders, das gehört zu deren Kultur, weissmanja.„You shoot off a guy’s head with his pants down, believe me, Texas ain’t the place you want to get caught.“ – Louise Sawyer
„Ein Mann schaut auf den Busen einer Frau neben ihm. […] Dazu ist er da. Muss ich Frauen ihre Anatomie erklären?“ – Timo Rieg, Spiegelkritik.de
Wenn sie sich irgendwann psychisch so stark fühlen, oder nach der – in aller Regel geheim gehaltenen – Therapie soweit sind, daß sie sich zitternd trauen, Anzeige zu erstellen oder die Öffentlichkeit zu informieren, dann müssen sie sich fragen lassen, warum sie nicht eher etwas gesagt hätten. Kann ja dann wohl kaum so schlimm gewesen sein, oder?
Jungs lernen, daß sie mit so ziemlich jeder Verhaltensweise ungestraft davonkommen. Manchen ist es tatsächlich unangenehm, so unter Generalverdacht zu stehen. Andere sind froh, wenn es mal gerade nicht sie selbst trifft, z.B. weil sie schwul sind. Oder haben Angst, für schwul gehalten zu werden, wenn sie den Mund aufmachen und sich für die blöden Weiber einsetzen. Lieber drüber lustig machen, den Charme spielen lassen. Nicht wenige jammern beim Thema dann herum, Männer hätten’s auch nicht leicht und es gäbe genügend Frauen, die Männern auch nur auf den Hintern starren würden, das sei ja wohl dasselbe. Mir kommen die Tränen, Ihr Arschlöcher.Huch, was ist denn mit mir los, ich rege mich doch sonst nicht so künstlich auf, bin doch sonst so ein vernünftiges Mädchen, mache doch sonst nicht so ein Theater? Warum stelle ich mich denn heute so an?
Nun, nennen wir es eine Neujahrsresolution. 2013 wird das Jahr, in dem ich keinen Bock mehr habe, die sexistische Verhaltensweise meiner Mitmenschen großzügig und um des lieben Friedens Willen zu ignorieren. 2013 ist das Jahr, in dem ich eskaliere.
Seid gewarnt: Hört auf damit!
Und die @giardino Extraausgabe: Da der gute Mann leider protected twittert, kann man die Tweets nicht so einbinden, daß die Links klickbar sind. Aber ich habe den Mordor-Tweet mal mit dem Foto verlinkt … klick macht pruuust! :D




Angeregt durch Maximilians Buchempfehlung hier, überlegte ich letztens, warum ich – bei allem Verständnis für ihre Belange und den historischen Kontext – so ein Problem mit der 68er Generation habe. Die meisten meiner Lehrer waren aus dieser Generation der zwischen 1940 und 1950 geborenen. Und im Gegensatz zu denen, die uns in den Naturwissenschaften oder in Sport unterrichteten, waren die Köpfe der „Schwafelfächer“ Sozialkunde, Gemeinschaftskunde, Erdkunde, Geschichte, Deutsch, Kunst, Politik oder Philosophie sehr darauf aus, uns politisch zu bilden. Und politisch hiess: uns das Thema Nationalsozialismus nahe zu bringen.
In den (damals üblichen) dreizehn Jahren bis zum Abitur habe ich nichts über die Römer, die Ägypter, die Griechen, die Germanen gelernt. Auch nichts über das Mittelalter, die spanischen Eroberer Lateinamerikas, Christoph Columbus oder die Entdeckung Australiens und Ozeaniens. Ich erfuhr nichts über Scott und Amundsen, nichts über Dschingis Khan, nichts über Marco Polo. Dafür standen Bismarck, die Weimarer Republik, die Machtergreifung, die Kriegsjahre 39-45 auf den Lehrplänen der Klassen 6-10. Der Marshall-Plan irgendwann im Vorsemester. Ein Häppchen Kubakrise in der Oberstufe, die hektisch dazwischengeschobene Französische Revolution im 3. Semester –wahrscheinlich, weil man im Abitur sein Thema aus mindestens zwei verschiedenen Epochen wählen können musste. (Ich wählte dann folgerichtig für meine schriftliche Prüfung in Geschichte die Französische Revolution, mehr aus Protest denn aus echtem Interesse.) (weiterlesen …)
Kommt gut rüber!
Letztes Jahr um diese Zeit schrieb ich
Aber dieses Panama ist sehr schön und sehr verwildert und es gehört mir, ich muss es nur wieder in Besitz nehmen, mit all den gewonnenen Erfahrungen, die ich seither gemacht habe. Darauf freue ich mich in 2012.
Und ich bin immer noch dabei, mir Panama zurückzuerobern. Musikalisch war dieses Jahr eine verlorene Zeit; ich habe kaum mal ein Instrument in die Hand genommen. Gebloggt habe ich wieder etwas mehr, glaube ich. Irgendwann im Sommer habe ich damit aufgehört, täglich meine Tweets zu löschen. Gleichzeitig twittere ich weniger als früher; ich werde das in 2013 noch weiter zurückdrehen, genau wie meine Facebook-Aktivitäten (die im Januar bis auf Hinweise zu Blogeinträgen komplett eingefroren werden). Das Blog wird noch mehr zum Dreh- und Angelpunkt meiner Webaktivitäten. Ein neues Theme ist in Arbeit und ich werde diese Seite mit meiner anderen verbinden und umwandeln und auch ein Shop steht am Horizont, für … aber lasst Euch überraschen. (weiterlesen …)
2012 ist das Jahr, in dem ich mich wieder mehr dem Blog gewidmet und das Social Networking etwas heruntergefahren bzw. komprimiert habe. Und in 2013 werde ich meine Präsenz auf anderen Seiten noch drastischer und noch weiter reduzieren. (weiterlesen …)
Teil 1 findet man hier.
Huch, schon wieder ist der halbe Monat um und es haben sich so viele tolle Tweets angesammelt!
Die Fortsetzung von Teil 1:
Woanders wird auch geliebt:
Sven (with a twist)
Menschen, die radikale Positionen vertreten, sind mir suspekt. Zum einen glaube ich nicht, daß es zu irgend einem Thema nur schwarz oder weiss gibt, auch wenn sich diese beiden mit Nichtfarben bezeichneten Positionen meist ideal weil müheloser darstellen lassen. Das ist in Zeiten, in denen man von endlosen 15 Minuten Ruhm bzw. Aufmerksamkeit für die eigenen Ergüsse nur noch träumen kann, sehr wichtig: Sag’s plakativ, erklär’s mir als ob ich drei Jahre alt sei und verpacke es in einen Satz, der nicht mehr als 140 Zeichen umfasst. Für Grauschattierungen und Zwischentöne bleibt keine Zeit; zuviel Nachdenken ist nicht gefragt. (weiterlesen …)
Damit das nicht so ein Gedrängel wird wie im September, hier den ersten Schwung Lieblingstweets des Monats. Enjoy!
Und, zum gestrigen Spektakel, der Dialog des Tages:
Es war ein ergiebiger Monat. Memo to self: Künftig am 15. einen Halbzeitbericht veröffentlichen.
Manchmal braucht es gar nicht viel, damit du plötzlich einiges änderst, womit du bis gestern noch total zufrieden warst. Eine kleine Bewegung reicht. Du rutschst mit dem dicken Daumen ab auf dem Touchscreen und öffnest ungewollt das Profil eines Followers, statt auf seinen tweet zu antworten. Und während du ‚ts!‘ mit der Zunge schnalzt und das Fenster wieder zumachen willst, fällt dein Blick auf den Satz „XY is not following you.“
Es dauert eine ganze Weile, bis dieser Satz sich über die Netzhaut in die richtigen Gehirnwindungen fräst und dein erster Gedanke ist lustigerweise die Ergänzung ‚anymore‘. „It should read ‚XY is not following you anymore.‘“ Denn XY ist dir klaglos jahrelang gefolgt. Ihr seid Euch gegenseitig klaglos gegenseitig jahrelang gefolgt, habt Euch gelegentlich retweetet und habt Euch bestens unterhalten. Dachtest du jedenfalls.
Fortan gehst du Punkt für Punkt die Kübler-Ross’sche Liste der Trauerbewältigung durch:
Leugnen – „Twitter spinnt mal wieder. Weiß ja jeder, die schrauben sicher wieder an der API rum und jetzt hat’s halt deinen Lieblingsclient erwischt. #seufz“ Diese Phase hält genau so lange an, bis dir die Twitterwebsite, der Mac client und der client auf dem iPhone dasselbe sagen: ‚XY is not following you‘. Ganz harte Fälle reden sich nun noch ein, XY sei bestimmt nur mit dem Daumen abgerutscht, haha, it happens to the best of us, alles nur ein Missverständnis. Aber irgendwann landen auch sie in der nächsten Phase:
Wut – „WHAT THE FUCK!? WAS GLAUBT ER/SIE WER ER/SIE IST? DER/DIE KANN MICH DOCH NICHT EINFACH SO ENTFOLGEN NACH ALL DEN JAHREN! ICH ENTFOLGE SOFORT ZURÜCK, DANN WIRD ER/SIE SCHON SEHEN, WAS ER/SIE DAVON HAT!!eins11!“ Diese Phase dauert, je nach Grad des Erwachsenseins, ebenfalls nicht sehr lange. (Es ist Twitter, um Himmels Willen. Get a life.)
Schuldgefühle – „Vielleicht habe ich in letzter Zeit wirklich etwas zu viel/etwas zu selten (nichtzutreffendes bitte streichen) getwittert“. Du überlegst, welcher deiner Tweets wohl den Ausschlag bei XY gab, auf ‚entfolgen‘ zu klicken; eine Überlegung, die nicht eben erleichtert wird durch die Tatsache, daß du nicht weisst, wann genau er/sie dich entfolgt hat. Vielleicht ist es ja schon Monate her? Es gibt Tools, die dir das sagen könnten, aber du hast sie natürlich nicht installiert, weil du diese Information ja komplett albern und irrelevant und höchstens für Firmenaccounts interessant findest. Fandest.
Diese Phase dauert etwas länger als die ersten beiden, da sie den Betrachter zwingt, sich selbstkritisch mit den eigenen Verhaltensmustern zu beschäftigen und die eine oder andere nicht von der Hand zu weisende unangenehme Wahrheit ans Licht fördert und geht manchmal fliessend über in die nächste Phase:
Feilschen und betteln – „Ich twittere künftig weniger/mehr/anders/besser (zutreffendes bitte unterstreichen), wenn du mir wieder folgst, ja?“ Diese Phase kenne ich nur aus Erzählungen; mein Selbstwertgefühl ist intakt und ich twittere wie ich bin. Ich werde mich definitiv nicht für jemand anderen ändern; schon gar nicht für jemanden, den ich nur online ‚kenne‘. „Wer nicht will, der hat schon und bye-bye, war schön mit dir“ ist meine Einstellung dazu. Daher kann ich auch nicht viel zur nächsten Phase sagen, der
Depression und Angst – „Das ist das Ende“, „Niemand Neues wird mir je mehr folgen wollen“, „Mein Klout-Score wird in den Keller rauschen“ (das natürlich nur dann, wenn der abgesprungene Follower einen eigenen, höheren Klout-Score als man selbst hat). Es soll tatsächlich Menschen geben, die das denken. Aber am Ende steht auch bei ihnen irgendwann die
Akzeptanz – „Sie ist weg“, „Et is wie et is“, je nun. War schön mit uns, aber nun ist es halt vorbei.
Das Spannende ist, nach Erreichen der Akzeptanzphase kommt die unmittelbare Aufwachphase, jedenfalls kam sie bei mir. Hier manifestieren sich die Erkenntnisse aus der Schuldgefühle-Phase, aber in positiver Hinsicht: „Stimmt, eigentlich sind unsere Interessen in den letzten Jahren ganz schön auseinandergegangen; er/sie/ich twittert/bloggt bzw. twittere/blogge nach wie vor dasselbe bzw. neuerdings über Sachen, die mich/ihn/sie eigentlich (wahrscheinlich) gar nicht interessieren (unzutreffendes bitte streichen). Und darum interessiert bzw. interessiere er/sie/ich sich/mich auch nicht länger für seine/ihre/meine Veröffentlichungen. Ist ja nicht schlimm, wer hat schon jahrelang 1:1 dieselben Interessen?“ Und plötzlich gehst du deinen Feedreader durch und kickst alle Blogs, deren Beiträge dich eigentlich seit Monaten nur noch nerven, obwohl du die Leute dahinter immer noch gut leiden magst. Und du entfolgst Leute, die irgendwie auch nichts mehr twittern, was dich selbst interessiert.
Parallel dazu gehst du erstmals seit langer Zeit aktiv auf die Suche nach neuen Leuten, denen du folgen möchtest. Scheißegal, ob sie dir zurück folgen, darum geht’s gar nicht. Du saugst gierig die neuen Tweets von ungewohnten Avataren auf. Du surfst die Blogrollen deiner Lieblingsblogs ab und dann deren Blogrollen. Ganz schön viele tote Links. Und du öffnest morgens wieder gespannt statt genervt den Feedreader. Erstmals seit Jahren, wie dir scheint. Die Botschaft ‚39 ungelesene Einträge‘ erfüllt dich mit Vorfreude statt dem Gedanken ‚oh Gott, das muss ich jetzt auch noch abarbeiten, ach, was soll’s, einfach alle als gelesen markieren und ich hab’ meine Ruhe‘.
Plötzlich hast du wieder mehr Spaß an diesem social Gedöns. Du willst wieder mehr relevante Sachen bloggen, also, für dich relevante Sachen. Dein Leben hat sich nämlich in den letzten Jahren ganz schön verändert, und das spiegelt dein Blog eigentlich gar nicht wider. Du formulierst im Geiste einige Einträge und fängst an zu schreiben. Du kopierst die Texte aus den angefangenen Blogeinträgen in ein Notizbuch, weil das dann doch irgendwie nicht so recht passen will im Blog. Aus ein paar Notizen werden viele Seiten. Zu lange Texte für ein Blog. Aber nicht zu lang für ein Buch. Du strukturierst Kapitel, denkst über Illustrationen nach, scribbelst Layouts, liest Freunden erste Kapitel vor. Erntest nützliches Feedback und machst weiter. Legst alles erst einmal wieder in die Schublade, weil du plötzlich einen neuen Job anfängst. Und so weiter, und so fort – beständiger Wandel, die einzige Konstante im Leben.
Und das alles nur, weil dein dicker Daumen das falsche Fenster geöffnet hat und enthüllte, daß dir XY nicht mehr folgt. Ein Dominostein nach dem anderen fiel um.
Cool. Und danke, XY.

Die Twitter-Frühschicht, von unten nach oben zu lesen: 05:15 Uhr geht’s los; der Michel markiert die erste Viertelstunde.
Ich kriege das ja alles nur unmittelbar durch Blogeinträge etc.mit, was da wieder für eine Sau durchs Sommerloch getrieben wird. Ich habe, wie ich schon bei Johnny schrieb, vier Anläufe (via Mediathek) unternommen, mir die ZDF Info Sendung mit ihm und Spitzer anzusehen. Ich hab’s nicht geschafft, mir das Elend zu Ende anzuschauen. Und die Jauch(e)-Sendung habe ich auch nur via Twitter mitgekriegt.
Mir wird übel bei so einer Mischung aus Inkompetenz (zunächst einmal der Moderatorin, die es nicht schafft, diesen blökenden Unsympathen kalt zu stellen, was aber natürlich auch ihr Sendekonzept ad adsurdum führen würde) und aggressiver Selbstdarstellung der Teilnehmer; in diesem Falle Spitzer, der unhöflich jeden anderen Teilnehmer unterbrochen hat bzw. über ihre Einwände hinweggerollt ist. Von seinen Thesen habe ich nichts mitbekommen, weil ich mich nicht anschreien lasse und daher den Stream weggeklickt habe. „Wer schreit, hat keine Argumente, wer schreit, hat unrecht“ haben meine Eltern mir als Kind beigebracht. Das mag nicht in jedem Fall zutreffen, aber hier bin ich mir sehr, sehr sicher, daß dem so ist. Und sollte der Mann tatsächlich valide Argumente haben, dann ist er dennoch dumm (im Sinne von ungeschickt), weil er sich selbst durch sein schlechtes Benehmen disqualifiziert hat, sie mir nahezubringen.
Vielleicht ist der Mensch von Natur aus unzufrieden mit dem, was er hat und neidisch oder wenigstens neugierig auf das, was andere haben. Und wie in der Fabel vom Fuchs und den sauren Trauben macht er das nieder, was er gerne hätte aber nicht haben kann, oder was er einfach nicht versteht. Weniger, um andere davon zu überzeugen, als um sich selbst davon zu überzeugen, daß er das Ding ja gar nicht braucht. Und natürlich braucht er es in den meisten Fällen nicht; wir brauchen bekanntlich überhaupt nur sehr wenig zum Leben. Aber hätten es halt gerne.
Mir geht es inzwischen wie vielen anderen, oft jüngeren FreundInnen, KollegInnen, Followern etc. aus diesem Internet: ich habe keine große Lust mehr, mich anzustrengen den aus-Prinzip-Offline-lebenden zu erklären was sie verpassen, welche Chancen sie sich verbauen, was eigentlich so großartig ist an all dem. Ich bin langsam müde, ein Feuer der Begeisterung entfachen zu wollen wo alle in Asbestklamotten mit verschränkten Armen neben ihren Feuerlöschern stehen. Es ist keine Frage des Alters, der Bildung oder der Herkunft. Es ist eine Frage der Neugierde auf das Leben, wie offen der geistige Horizont ist und die Bereitschaft, sich auf ein Abenteuer einzulassen. Ja, man kann sich im Internet furchtbar weh tun, man kann beraubt, verleumdet, verarscht werden. Newsflash: all das passiert auch täglich in der Offlinewelt, wie man in Zeitungen lesen und im TV sehen kann. Man kann sich im Internet ausschliesslich in sog. walled gardens wie einstmals AOL und CompuServe und heute Facebook aufhalten und trotzdem ein tolles Leben haben, genau wie man einen fantastischen Cluburlaub in einem all-inclusive-Hotel mit Kinderbetreuung, all-you-can-eat Buffet und Animation haben kann. Vielen Menschen reicht das und sie erleben jedenfalls schon mal deutlich mehr als diejenigen, die gar nicht erst vom Sofa aufstehen. Aber sie verpassen so viel. Es gibt so viel mehr!
Andererseits: wir verpassen alle etwas, jeden Tag. Es gibt einfach zuviel. Wir können niemals alles machen, alles lesen, alles sehen, alles lernen. Selbst die aktivsten, belesensten und am weitesten gereisten unter uns werden, im Ganzen betrachtet, am Ende ihres Lebens nicht sehr viel mehr als an der Oberfläche dessen gekratzt haben, was möglich gewesen wäre. Ich möchte gern segeln lernen, und programmieren, mit dem Motorrad durch Indien fahren und eine eigene Schriftart entwerfen, ich will richtig gut kochen können und herausfinden, wie man World of Warcraft spielt, ich will noch mehr Fremdsprachen lernen und mein Buch endlich veröffentlichen und besser Golf spielen und eine neue Band gründen und noch viel mehr. Ich will mir keine künstlichen Grenzen aufbauen und mir keine bauen lassen. Schon gar nicht von Leuten, die mich anschreien und für dumm verkaufen wollen.
Zum selben Thema: Wenn die Kinder das Internet nicht hätten
Ich sag’ dann auch noch mal was zum Thema #609060, denn es wurde ja schon alles gesagt, nur von mir noch nicht.
Einige haben im Zusammenhang mit diesem Mem ein Problem mit dem Begriff „normal“. Äh, ja, das sind normale Leute, die da mitmachen, jedenfalls mal rein von der Optik her. Wer jemals den Fuß vor die Tür gesetzt hat und sich in eine U-Bahn oder Fußgängerzone oder sonst in die Öffentlichkeit begeben hat, der müsste das eigentlich festgestellt haben: Menschen sehen nun mal so aus. Es gibt kleine, große, dürre, fette und die irgendwo dazwischen. Es sind nicht die „irgendwo dazwischen“, die normal sind. Es sind alle. Ihr auch. Ich habe viele von Euch bei den letzten re:publicas gesehen. Ihr seid kein Stück dicker oder dünner oder anders. Ihr seid nix besonderes. Oh, natürlich seid Ihr alle etwas besonderes, schon klar. You’re so fucking special. Aber if everyone’s special, nobody is. Denkt mal drüber nach. Get over it. Ihr seid normal. Ja, einige sind deutlich kleiner als ich, deutlich größer, unfassbar viel dünner oder auch unglaublich viel dicker als ich. Haben Schuhgröße 48, einen Riesenbusen oder keinen erkennbaren, eine gigantische Hakennase oder ein grünes und ein braunes Auge. Kombinationen sind möglich. Aber alle zusammen bildet Ihr, bilden wir die Norm.
Einige wollen also statt von normalen lieber von „echten“ Menschen sprechen. Das wiederum finde ich komplett krank. Denn wer sind denn die anderen, die unechten? Etwa die Models? Sind die weniger Mensch als Ihr, nur weil sie meist dünner sind? Sind die unecht? Das hat für mich einen ganz, ganz fiesen, menschenverachtenden Beigeschmack, sorry. Ist ja eine Sache, wenn Ihr denkt, alle Leute in Konfektionsgröße 42 seien verhältnismässig schlank aus Eurer Perspektive. Klar, schlank ist immer relativ. Aber sind sie deswegen nicht echt? Da sind wir dann gefährlich nahe am Sinn und Zweck der Propagandaposter aus Kriegszeiten, wo dem Feind jede Menschlichkeit abgesprochen wurde, damit man sich nicht so den Kopf macht, wenn man ihn tötet. Da waren Japaner plötzlich Ratten oder Affen und Russen plötzlich geifernde Bestien. Nicht echt? Das heisst, man darf sich drüber lustig machen, drauf rumtrampeln, zur Seite wischen.
Ach, und die abgeschnittenen Köpfe auf den Fotos sind jetzt auch nicht ok und ein Zeichen von Diskriminierung? Was für ein, ’tschuldigung, gequirlter Scheiß. Es will halt nicht jeder sein Gesicht im Internet sehen, egal in welchem Zusammenhang. Es ist kein Zufall, daß die meisten Avatare kein Foto des Nutzers zeigen sondern eine Comicfigur, ein Logo, oder das Gesicht höchstens angeschnitten, mit Sonnenbrille verfremdet oder durch eine Mütze unkenntlich genug gemacht. Das ist sicherlich nicht der Fall, weil sich jeder so hässlich findet oder weil diskriminiert werden soll — wo ist denn da bitte die Logik, ich diskriminiere mich selbst und reduziere mich selbst auf meinen Körper, den ich so hässlich finde, daß ich ihn online präsentiere? Es kann auch tausend andere Gründe dafür geben. Sie müssen nicht unbedingt rational sein, und für manchen Selbstdarsteller mag es sicher unbegreiflich erscheinen, aber: nicht jede(r) will das eigene Gesicht in der Zeitung, im TV oder im Web sehen.
Oh, und es ist alles eine riesige rassistische Diskriminierungskampagne, weil nur weisse, dünne, hübsche Frauen unter 50 mitmachen? Yeah, well, dann nehmt Eure Kameras, Ihr dicken, hässlichen Männer über 50, die Ihr „people of color“ seid. (Das ist übrigens mit Abstand der allerdämlichste Neusprech-Ausdruck. Als ob wir nicht alle eine Hautfarbe hätten, oder sind Weiße etwa durchsichtig?) Es ist ein Mem, Jede(r) darf mitmachen, keiner muss. Wenn Ihr Euch bei dieser Kiste unterrepräsentiert fühlt, dann deshalb, weil Ihr es wollt. Niemand hindert Euch daran, mitzumachen.
Ihr seid normal. Get over it. Was Ihr noch seid: #allebekloppt.
Nachtrag: Nachdem einige Kommentatoren offenbar nicht so ganz wissen, worum es hier geht, verlinke ich hier noch mal auf Journelle, die Initiatorin der Aktion. Hier der Ursprungsbeitrag und hier ein Nachklapp mit einer umfangreichen Linksammlung zum Thema. Eine Twittersuche mit dem Hashtag #609060 findet eine Vielzahl von Bildern von normalen Menschen in Oberbekleidung.
Teil 1 hatte ich ja neulich schon gepostet; hier kommt der Rest meiner Favoriten des vergangenen Monats:
Die Highlights der Anderen:
Damit das hier am Monatsende nicht wieder in Streß ausartet, gibt es heute schon mal die schönsten Tweets der ersten Monatshälfte:
Sozusagen zur Ergänzung des vorherigen Beitrags geht es los mit dieser Perle:
Ich hab’s ja auch nie verstanden (und ja, ich saß natürlich in der letzten Reihe des Physiksaals):
Großstadtrevier hin oder her, aber niemand kommt an gegen Sven Rambo:
Wenn es doch so einfach ginge … #seufz:
Awwww:
Das komische ist:das geht mir genauso. Sind wir bekloppt?
Ouch. Ich empfehle für sowas ja #irgendwasmitWhisky:
Die Parallelen sind unverkennbar. (Vielleicht liegt hierin der Schlüssel zum Premiumwetter?)
FFFFFUMPPPPP!
Wie die Karnick… nee, Moment:
Wer kennt das nicht?
Ich möchte jetzt wirklich bitte dringend dieses Premiumwetter!
Erst Physik, dann Mathe – hoffentlich nicht auch noch Bio!
Das geht mir ja eher bei Barbra so, muss ich zugeben („Lohohohove … ageless and evergreeeeen …“ – die schönste Version davon gibt’s hier, leider nur mit Proxy, aber lohnt sich):
Aber es ist ja Wochenende und wir sind alle offline und ausgeruht:
Über verschlungene Pfade (Pinterest, Facebook, tumblr, blogs) bin ich auf diese nette Herausforderung gestoßen, die das Sommerloch vielleicht ein wenig spannender macht:
1. Yourself or your persona.
2. Someone you like (celebrity, significant other, or crush)
3. One, some, or all of your friends.
4. An animal you think is really cute.
5. Your favourite outfit.
6. Something you’ve never drawn before.
7. Your family or a family member.
8. Something with your favourite colour.
9. Your favourite cartoon/anime character.
10. Something you couldn’t live without.
11. Your favourite food.
12. An inanimate object.
13. A group picture.
14. Your favourite book character.
15. Someone from your favourite board or video game.
16. Something that represents your favourite song.
17. Your favourite holiday.
18. A couple (any two people).
19. Something you’re afraid of.
20. A comic.
21. Something you don’t like.
22. Your favourite season.
23. Something that makes you happy.
24. Something that represents your favourite culture/country/language.
25. Someone or something from mythology.
26. Your favourite sweet food/candy/etc.
27. Your favourite scene from a movie.
28. A room.
29. Your favourite weather.
30. Something you’d like to share with your followers or friends.
Ich zeichne zwar jeden Tag (d’oh!), aber habe aktuell gerade ein kleines Motivationstief … da kommt so eine strenge Themenvorgabe gerade recht.
Mal schauen, Tag 1 ist ja eigentlich schon fertig (siehe oben rechts), da mache ich dann morgen gleich mal mit Tag 2 weiter. Macht jemand mit?
Mit etwas Verspätung kommt hier die „Best of EM 2012“-Edition meiner Lieblingstweets.
Und die allerschönsten Tweets der EM kommen aus gänzlich unvermuteter Ecke:
Der Entwurf zum geplanten Leistungsschutzrecht liegt jetzt vor und es ist so schlimm wie bzw. schlimmer als befürchtet. Das Zitatrecht wird de facto außer Kraft gesetzt, man wird nicht einmal mehr Überschriften der Artikel verlinken und zitieren dürfen, wer kommerziell agiert bestimmen die Verlage und der Blogger, Twitter- oder Facebooknutzer hat im Zweifel die Beweispflicht, daß er es nicht tut. Dem grassierenden Abmahnwahnsinn wird eine weitere Tür aufgestoßen und entsprechend spezialisierte Kanzleien müssen glauben, Weihnachten sei in diesem Jahr vorverlegt worden.
Die erste, vielleicht instinktive Reaktion vieler Blogger und „always online“ Social Media Nutzer, also denjenigen, die von Politik und Medien gerne als „Netzgemeinde“ subsumiert werden, ist eine Mischung aus Gehässigkeit und Schadenfreude: Ja gut, dann verlinken wir halt alle nicht mehr auf diese Presseangebote, zitieren nicht mehr, beten, daß Google und Bing ihre Seiten aus dem Index werfen und beobachten genüsslich, wie die Verleger spätestens zu Weihnachten heulend auf Knien angerutscht kommen und alles wieder rückgängig machen wollen, weil ihnen Traffic und Einnahmen weggebrochen sind und sie ihre Läden de facto zumachen können. Auch die Meinung von Ralf Schwartz geht in diese Richtung:
Der deutschen Blogosphäre kann nichts Besseres passieren als das neue Leistungsschutzrecht. Hut ab vor den Verlagen und der Politik, die uns endlich zwingen, wenn wir es schon nicht freiwillig tun, innovativ, relevant, distinktiv und einzigartig zu werden.
Ich gestehe, dies ist auch meine erste Reaktion gewesen: Leistungsschutzrecht? Cool, wir schützen das Netz vor den „Leistungen“ der Verleger und ignorieren ihre Ergüsse. Das denke ich ja jedes Mal, wenn wieder mal automatisiert irgendwelche Falschmeldungen von dpa & Co. in drölftausend redaktioneller Content Management Systeme einlaufen und dann strahlend die Blödheit und Inkompetenz der Redakteure demonstrieren, die sich nicht entblöden im Zusammenhang mit ihren Erzeugnissen immer noch von Qualitätsjournalismus zu faseln. Aber das ist zu kurz gedacht.
Die staksigen und hilflosen Gehversuche der etablierten Medien im Social Web lassen uns entweder mitleidig grinsen oder hämisch lachen. Erst Mittwoch Abend gab es wieder Grund zum fremdschämen, als im ZDF Oliver Kahn unter großem Tanderadei seinen ersten Tweet abließ:
„Wie platt ist das denn?“ entfuhr es unwillkürlich der Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die damit wohl nicht nur meinen ersten Gedanken dazu laut aussprach. Aber das gefühlte gleichzeitige vor-die Stirn-patschen tausender Twitternutzer vor dem Fernseher konnte nicht übertönen, daß wir unsere Hausaufgaben nach wie vor nicht gemacht haben. Wir müssen die Offliner zu uns ins Boot holen, dürfen sie nicht auf dem Trockenen zurücklassen. Und das klappt besser, wenn man sich nicht über sie lustig macht sondern ihnen hilft und die Hand reicht. Sascha Lobo sprach es auf der re:publica an: Es ist unsere verdammte Pflicht, den rund 30% offline lebender Menschen unserer Gesellschaft die nötige Medienkompetenz zu vermitteln. Und daß man mit Honig mehr Fliegen fängt als mit Essig, das sollte eigentlich auch bekannt sein.
Bei wem habt Ihr in der Schule mehr gelernt: bei dem Lehrer, der Euch ob Eures Unwissens ausgelacht und vor der Klasse bloßgestellt hat? Oder bei dem, der Euch gezeigt hat, wie spannend der zu vermittelnde Stoff sein kann, was man für tolle Tricks mit dieser mathematischen Formel oder diesem Chemieexperiment machen kann und wie Ihr das Gelernte gewinnbringend auf Euer Leben übertragen könnt?
Eine „wir gegen die“-Haltung ist menschlich verständlich, aber dumm und kontraproduktiv. Das Problem ist, daß wir keine Lobby haben: weil wir in unserer Arroganz davon ausgehen, daß jeder denkende Mensch mit einem IQ oberhalb der Raumtemperatur unsere Sichtweise teilen muss. Wer das nicht tut, den lassen wir eben achselzuckend im Staube zurück. Dabei übersehen wir, daß wir es sind die zurückgedrängt werden, denn die „dunkle Seite der Macht“ hat eine ganz reale Macht: Geld und Einfluss, in Form von medialer Reichweite und mehr oder weniger eindeutig gekauften Politikern.
Politiker wiederum haben genau zwei Interessen: erstens, ihre Schäfchen in der ersten Legislaturperiode ins Trockene zu bringen und zweitens, eine zweite Legislaturperiode zu erreichen (und die Schäfchenherde zu vergrößern). Dabei ist ihnen das Netz mitsamt seinem Bürgerjournalismus naturgemäß ein Dorn im Auge, denn anders als die Zeitung von gestern, in die der Fisch von heute eingewickelt wird, vergisst das Netz nicht. Print is temporary, digital is forever.
Das deckt sich weitgehend mit den Interessen der Verleger, die Inhalte verkaufen wollen und kein Interesse an kostenloser Konkurrenz haben, auch wenn diese auf den ersten Blick nur eine Nischenreichweite hat: ein Blog mit wenigen hundert Besuchern am Tag spielt hierzulande schon in der Regionalliga und an der Grenze zur zweiten Bundesliga, um es mal sportlich zu formulieren. Aber es ist theoretisch weltweit jederzeit sichtbar und das Archiv kann jederzeit durchsucht werden.
Ich weiß nicht, ob z.B. Burda ein wirklich großes Interesse daran hat, wenn z.B. ein gern belächeltes Strickblog kostenlos Häkelanleitungen und Schnittmusterbögen erstellt und verbloggt, eventuell gar mit Videotutorials garniert, die kostenfrei auf YouTube gehostet werden und vielleicht sogar über Googles AdSense ein paar Einnahmen in die Haushaltskasse spülen. Jeder Leser dieses Strickblogs ist im Zweifel ein Käufer weniger für das eigene Nischenprodukt, das unter teuren Herstellungs- und Vertriebskosten einmal im Monat erscheint, während die Strickbloggerin mehrmals täglich oder wöchentlich neuen Content bloggt und in ihren Kommentaren das Leben tobt.
Das Leistungsschutzrecht wird inhaltlich auf den ersten Blick wenig Einfluss auf diese Blogs haben, da sie in aller Regel nicht viel aus den kommerziellen gedruckten Pendants übernehmen oder zitieren werden. Meist ist es ja eher umgekehrt – da wird dann ungefragt einfach der Content übernommen und bestenfalls mit „Quelle: Internet“ gekennzeichnet. Wenn es auffällt, gibt es ein Minishitstürmchen der Nischenblogs und ihrer Fans, eine lauwarme Entschuldigung und ein Angebot für ein Gratisabo des Verlags, das war’s dann.
Welcher Blogger hat schon das Geld, die Nerven und die Ahnung, sich juristisch gegen solche Wegelagerei zur Wehr zu setzen? Spendenaktionen ergeben dann ein paar hundert, vielleicht zweitausend Euro und dafür steigt auch kein Anwalt aus dem Bett, der sein Geld wert ist. Umgekehrt wird natürlich mit aller Härte die Abmahnkeule geschwungen, sollte der Nischenblogger so unvorsichtig gewesen sein, ein Foto von der Verlagsseite verwendet zu haben. Da hat man dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: die lästige Konkurrenz ist man los, denn die ist dann in der Privatinsolvenz oder zumindest so verängstigt, daß sie nie wieder was ins Internet schreiben wird und man hat ein wenig Taschengeld eingenommen. OK, hauptsächlich der Anwalt hat kassiert, aber man hatte ja auch selbst Spaß.
Aber der zweite Blick entlarvt: Künftig reicht es schon, wenn der Blogger auf ein Verlagsangebot verlinkt und dazu die Überschrift des Artikels zitiert. Diese Wortkombinationen werden dann geschützt sein und natürlich kostenpflichtig. Dies wäre eine massive Behinderung und Einschränkung der Kommunikationsfreiheit. Man dürfte nur noch konsumieren bzw. lesen, aber sich nicht mehr öffentlich dazu äußern oder gar kommentieren, was man gelesen hat. Die Schere im Kopf und die Angst vor dem finanziellen Ruin des normalen Internetnutzers würde der Debatte im Netz zu egal welchem Thema den garaus machen. Niemand wird sich mehr trauen, etwas ins Netz zu schreiben.
Wenn wir aber von den Strick- und anderen Nischenblogs mal absehen und uns den großen politischen, gesellschafts- und medienkritischen Blogs wie dem von professionellen Journalisten wie Stefan Niggemeier, Thomas Knüwer oder den Machern des Bildblogs zudrehen, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Die sind gut verdrahtet, nicht so leicht mundtot zu machen und ein steter Stachel im Fleisch von Politikern und Verlegern. Als Journalisten geniessen sie zudem Schutz in presserechtlichen Fragen. Abmahnungen schockieren oder überraschen hier keinen mehr. Damit wird gerechnet und mit Spenden für die gebotene Zurwehrsetzung darf gerechnet werden.
Es wird die BILD kaum Leser kosten, wenn im Bildblog mal wieder – Überraschung! – krasse Fehlberichterstattung, fragwürdige Recherchemethoden („Witwenschütteln“) und fortlaufende Verstöße gegen den Pressekodex mitsamt der dazugehörigen Rüge des Presserats dokumentiert werden. Aber es nervt. Was wird aus dem Bildblog, wenn es künftig de facto keine solche Berichterstattung mehr möglich sein wird, weil keine Zeitungssausschnitte mehr abgebildet, keine Zitate mehr gebracht werden dürfen, keine Links mehr erlaubt sein werden? Was wird aus Rivva, Quote.fm, dem Perlentaucher, der Wikipedia?
Google hat keinerlei journalistischen Anspruch sondern ist ein börsennotiertes US-Unternehmen. Google verdient kein Geld mit Google News, dem beanstandeten Angebot, bzw. höchstens indirekt, wie mit allen kostenlosen Google Angeboten. Es wird dort keine Werbung neben den Snippets, den Textauszügen aus den Verlagsveröffentlichungen angezeigt. Wenn die paar deutschen Presseerzeugnisse jetzt rumstänkern, dann werden sie halt achtkantig aus dem Google Index fliegen. Google tut das nicht weh, im Gegenteil. Das geforderte Leistungsschutzgeld zu bezahlen rechnet sich nicht für sie. Wenn aber niemand mehr die Verlagsangebote findet, weil sie weder in Blogs, noch social media Angeboten noch Suchmaschinen verlinkt sind, dann werden sie eingestampft, klar. Sie rechnen sich ebenfalls nicht mehr, bzw. noch weniger als jetzt schon.
Die Nutzer wiederum werden auf ausländische Angebote ausweichen und sich noch häufiger als bisher ihre Nachrichten vom Guardian, dem Economist oder der Neuen Zürcher Zeitung holen statt von der Süddeutschen, der Welt oder dem Handelsblatt. Aber kann das im deutschen Interesse sein, nur noch den Blick von außen zu haben? Ich lese gern z.B. auf BusinessInsider und Le Monde über Merkel und die deutsche Fiskalpolitik und habe viele ausländische Blogs im Feedreader. Aber zum einen bin ich privilegiert weil ich verhältnismässig gut Englisch und Französisch spreche und zum anderen, weil ich überhaupt von solchen Angeboten weiß. Da wären wir dann wieder beim Thema ‚Medienkompetenz vermitteln‘.
Wir brauchen eine starke Presse, die unsere Regierenden beobachtet und ihren Job als vierte Macht im Staate ernst nimmt, oder wenigstens ernster als im Moment. Aber wir brauchen auch eine alternative Medienlandschaft, die u.a. ein wachsames Auge auf die kommerzielle Presselandschaft hat. Sozusagen jemanden, der auf die Aufpasser aufpasst. Das Leistungsschutzrecht schadet beiden Seiten und eliminiert endgültig das „sozial“ aus „soziale Marktwirtschaft“. Es ist der Anfang vom Ende einer funktionierenden Demokratie.
Links zum Thema:
Da ich die nächsten zwei Tage offline sein werde und der Monat fast rum ist, kommen hier schon mal etwas verfrüht meine Lieblingstweets desWonnemonats:
Gerade las ich diesen interessanten Artikel über Kindergartenkinder und durchgeknallte Eltern und versuche, mich an meine eigene Kindergartenzeit zurückzuerinnern. Die Welt ist doch deutlich anders heute.
Ich habe nur noch verschwommene Bilder aus meiner Kindergartenzeit. Kunststück: die liegt über vierzig Jahre zurück und ich war auch nur sporadisch dort und auch nur im Jahr vor meiner Einschulung, so etwa zwei Vormittage in der Woche. Meine Mutter fand wohl, ich müßte als Einzelkind auch mal langsam mit anderen Kindern in Kontakt kommen, damit die Schule nicht so ein Kulturschock sein würde. Ich habe es damals nicht verstanden und auch heute noch tue ich mich damit eher schwer. Jetzt hatte ich den Kulturschock halt ein Jahr früher. Ich war gerne allein. Ich habe nie andere Kinder vermisst. Ich habe gemalt, gelesen, mit meinen Spielsachen gespielt und mich ruhig für mich beschäftigt. Langeweile hatte ich nie. Aber da der Mensch ja ein Rudeltier sein soll und es „nicht normal sein kann“, wenn ein Kind so gar kein Interesse an anderen Rudelmitgliedern hat, ist es heute wohl noch ungewöhnlich, wenn es keinen Kindergarten oder keine KiTa besucht. Wobei das sicherlich auch daran liegen mag, daß das klassische Familienmodell meiner Eltern, das in den 60ern und mindestens bis Mitte der 70er Jahre noch vorherrschte – Papa arbeitete, Mama war hauptberuflich Mama und schmiß Kind(er) und Haushalt – heutzutage in unseren Breitengraden fast so exotisch anmutet wie eine Kindheit mit Kindermädchen, Privatlehrer, Butler und Chauffeur.
Ich hatte keine Lust auf den Kindergarten. Das fing schon damit an, daß ich mir morgens beim Frühstück darüber Gedanken machen sollte, was ich denn auf mein Pausenbrot haben wolle, das dann drei Stunden später aus dem roten Kindergartentäschchen geholt werden und zeitgleich mit den anderen Kindern gegessen werden sollte. Ich fand das Kindergartentäschchen toll und praktisch, aber für Stifte und Papier und den Piccoloteddy und die Mundharmonika. Ich hatte weder Platz für noch Bedarf an einem Äpfelchen oder in Butterbrotpapier gewickelten Salamischnittchen mit Radieschen. Ich hatte gerade gefrühstückt und würde doch Mittags wieder zuhause sein! Aber das Ritual war wichtig, fand man im Kindergarten. Gemeinsam singen, gemeinsam essen, vorher und nachher gemeinsam Händewaschen und dann gemeinsam etwas spielen oder Sport machen. Ich fand das doof, plöd, unlogisch. Ich wollte gerne die Bücher angucken oder lesen, die in der Kiste lagen, egal wie das Wetter draußen war – warum sollte ich jetzt mit den anderen etwas singen? Wieso wollten die, daß ich rauskomme und Ball spiele? Die sind doch genug, wozu brauchen die mich unbedingt? Ich bleibe hier einfach sitzen und male noch etwas, okay? Nein, das sei nicht okay, wurde mir beschieden. Die anderen Kinder würden doch so gerne mit mir spielen und seien jetzt ganz, ganz traurig, sagte mir die Kindergärtnerin. Ich weiß nicht mehr, was ich geantwortet habe, wahrscheinlich gar nichts. Das Wort „Bullshit!“ kannte ich noch nicht, außerdem war ich ein höfliches Kind und ohnehin – was soll man auf so einen Käse schon groß antworten? Ich ging also raus, trat einmal gegen den Ball, drehte mich um und ging wieder hinein, fertig malen. Seufz.
Der Einschulungstest, der gemacht wurde um festzustellen ob ein Kind schon schulreif wäre oder gar verfrüht eingeschult werden könnte bestand aus der klassischen den-Arm-über-den-Kopf-legen-und-das-Ohr-berühren Aufgabe, dem korrekten Zeichnen und Benennen von Quadraten, Kreisen und Dreiecken und außerdem sollte man die Farben des berühmten Pelikan Tuschkastens (noch aus Metall) richtig zuordnen können. Das war nicht wirklich schwierig, immerhin verbrauchte ich rund einen von diesen Tuschkästen pro Monat, zusammen mit einem Zehnerpack von diesen Zeichenblöcken, die oben und unten perforiert waren, nur lächerliche zehn Blatt enthielten und auf dem Cover mit viel Glück Winnetou und Old Shatterhand, mit Pech ein Paar Goldhamster abbildeten.
Der Schulpsychologe (oder was das war) zeigte auf den ockerfarbenen Napf und fragte mich, was für eine Farbe das denn sei. „Ocker“ antwortete ich. Er runzelte die Stirn. „das hat die Mami mit dir aber fein geübt! Aber wie würdest du denn die Farbe nennen?“ Ich wurde ungeduldig. „Ocker, steht doch drunter.“ Ich zeigte auf die entsprechende Beschriftung unter dem Napf. Er murmelte empört etwas von „dressiertes Äffchen“ in seinen Bart und beschied mir und meinen Eltern knurrend, für eine frühzeitige Einschulung geeignet zu sein.
Im Familienfotoalbum des Jahres 1972 fand ich letztens ein s/w-Gruppenfoto mit etwa zwei Dutzend Kindergartenkindern, einer Kindergartentante und dem Schild „zur Erinnerung an meine Kindergartenzeit“. Ich bin nicht mit drauf, ich hatte gerade die Windpocken, als das Bild gemacht wurde. Warum es in unserem Album klebt, ich weiß es nicht.
Das Motto zog sich gut durch die Veranstaltung: Kriegt Eure Ärsche hoch! Bloggt, was das Zeug hält! Nehmt Eure Stühle mit, seid in Bewegung! Bewegt etwas! Verändert etwas! Denkt quer! Hornbach hat das prima gesponsort mit der Offline Twitterwall und dem eigenen Motto „Es gibt immer was zu tun“ verknüpft. Ein Beispiel für einen gelungenen Markenauftritt auf einer Veranstaltung voller Leute, die zwar gern ihre Blogs monetarisieren aber ansonsten von Werbung im Netz doch lieber nichts wissen möchten.

Die Beobachtung habe ich auch gemacht, wie in meinem Instagram-Stream erkennbar …
Ich zähle zu den noch-nicht-Behinderten, wie der fabelhafte Raul Krauthausen das so schön formuliert hat. Und insofern sind mir sicherlich viele Punkte noch nicht aufgefallen, an denen es hakte. Aber insgesamt kam mir diese re:publica sehr viel barrierefreier vor, als die vorangegangenen, was nicht nur am sicherlich für Rollstuhlfahrer_innen weitaus zugänglicheren Veranstaltungsort lag. Ähnliche Beobachtungen hat auch Christiane Link gemacht.
Die Sprecher der Panels auf Stage 1 (und einige andere?) wurden live mitgetippt und auf Bildschirmen übertragen, was naturgemäß mit einigen Tippfehlern und teils auch Verständnisfehlern verbunden war, aber das bleibt wahrscheinlich nicht aus, wenn der Sprecher nuschelt, lispelt, zu schnell spricht oder Begriffe benutzt, die dem Mitschreibenden nicht geläufig sind. Und „echte“ Dolmetscherinnen gab es auch vor Ort, aber natürlich zu wenige. Das wäre vielleicht auch mal etwas fürs Crowdsourcing …
Die neulich von mir vermissten vegetarischen Gerichte gab es im re:staurant, also Entwarnung. Das lag zwar in der hintersten Ecke des Saals und ist mir bei dem super Wetter und dem schönen, sonnigen Innenhof mit seinen Grillständen nicht weiter aufgefallen, hatte aber diverse Pastagerichte und Salate und angeblich sogar Spargel.
Ansonsten war das Catering super, man mußte nirgends lange anstehen, die Leute hinterm Tresen waren unfassbar freundlich und bezahlbar war es auch. Toll!
(Die Kostenloskultur macht auch vor dem Kohlestoffleben nicht halt: Aber @Einstueckkaese bekam seinen Willen.)
Das Brandschutzteam hat seine Arbeit sehr ernst genommen und gelegentlich die Schotten dicht gemacht, wenn ein Panel zu voll wurde. Das war gelegentlich lästig, aber wat mutt dat mutt und Pünktlichkeit kann man ja auch planen. ;-)