Golf

16 1/2 : 11 1/2

  • Veröffentlicht am 28th September 2014,
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http://youtu.be/IS6x5L7TqOY

Es war ein fantastisches Wochenende! Herzlichen Glückwunsch an das Europäische Ryder Cup Team, das mal wieder spektakulär gespielt und in Gleneagles (Schottland) verdient gewonnen hat. Ich freue mich auf Hazeltine (USA) 2016.

Hundert Loch an einem Tag: Der HuLoPo im Film

  • Veröffentlicht am 23rd Juni 2014,
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Vor einigen Jahren hatte ich hier über den HuLoPo (= Hundert Loch Pokal) geschrieben; ein früherer, längerer Beitrag von 2006 ist leider einem Datenbankabsturz zum Opfer gefallen und nicht mehr aufzufinden. Nun geniesse ich den schönen Film von Sven Henig über das Event. Sven war selbst mehrfach Teilnehmer und hat im vergangenen Jahr diesen schönen und stimmungsvollen Bericht gedreht.

Die Teilnehmerzahlen waren natürlich immer sehr überschaubar bei diesem Turnier; nicht viele haben den Willen und die Kondition für einen konzentrierten Tagesmarsch über rund 40 km mit Gepäck, gerne auch mal bei stürmischem Regen oder irrwitzig hohen Temperaturen und nicht gerade rückenschonenden Bewegungen, bei dem es nicht nur ums Durchhalten und Ankommen, sondern auch und vor Allem ums Ergebnis geht. Ich war jedes Mal die einzige Frau und insgesamt traten selten mehr als ein Dutzend Verrückte an, den Wanderpokal, einen eher unscheinbaren Zinnteller, zu gewinnen. Es gibt Medallien für diejenigen, die fünfmal, zehnmal oder sogar fünfundzwanzig Mal mitgemacht haben. Ich selbst bin leider nur dreimal an einem Freitag um den Sonnwendtag herum morgens früh um halb vier bei diesem „Golfmarathon“ über 100 Loch an einem Tag angetreten; heute kann ich leider mit meinem kaputtem Rücken keine 9 Loch am Stück mehr schmerzfrei spielen, geschweige denn 100.

Interessant ist es natürlich auch für mich, einmal „meinen“ Platz von ungewohnten Perspektiven aus zu sehen. Vom Herrenabschlag spielt man als Frau ja eher selten und da lauern wirklich ganz andere Gefahren und Hindernisse. Umgekehrt natürlich ebenso … Da sind dann plötzlich Bäume, die für SpielerInnen des jeweils anderen Geschlechts überhaupt nicht ins Spiel kämen, unüberwindbare Hindernisse und Ecken, die man gar nicht wahrnehmen würde vom eigenen Abschlag, entpuppen sich für den Anderen bzw. die Andere als veritables Ballgrab.
Sven hat auch ein paar schöne Interviews mit eingebaut. Wer ein Viertelstündchen übrig hat für Golf, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Golf – Die schönsten Fairways der Welt

  • Veröffentlicht am 9th Dezember 2013,
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Golf – Die schönsten Fairways der Welt

Das Verlagshaus trat mit der Bitte um die Rezension des Bildbandes „Golf – Die schönsten Fairways der Welt“ an mich heran und dem komme ich sehr gerne nach, denn es ist Winter und wer würde da nicht lieber mit einem Tässchen Tee und Shortbread auf dem Sofa liegen und sich traumhaft schöne Golfplätze ansehen anstatt in der eisigen Hütte zu stehen und mit klammen Fingern harte Rangebälle von der gefrorenen Matte zu schlagen? Genau. Noch schöner wäre natürlich eine tatsächliche Reise zu den vorgestellten Plätzen, gerade zu denen in Gegenden, wo jetzt die Sonne scheint. Aber wer das gerade nicht im Budget hat, der kann mit diesem wunderbar fotografierten Bildband die Zeit bis zum Saisonbeginn überbrücken. (mehr …)

Golf im Regen – eine Charakterfrage

  • Veröffentlicht am 24th Mai 2013,
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Golf im Regen

Es regnet seit Tagen diesen unbarmherzigen Landregen, der die Natur und den Gärtner erfreut, den Normalbürger verdriesst und den Golfer richtig ärgert.

18 Loch Golf im Regen bedeutet, rund viereinhalb Stunden in sperrige, schwungbehindernde Regenklamotten gemummelt herumzulaufen während einem bei der Ballansprache die Tropfen vom Hutrand in den Nacken rinnen. Die Griffe flipschen in den Händen, mit Handschuh oder ohne, auch eigens entwickelte Regenhandschuhe sind reichlich sinnlos und in kürzester Zeit durchweicht, was zu eiskalten Fingern führt, mit denen man den Schläger nicht richtig festhalten kann und schon gar nicht so, daß der Ball gut getroffen wird. Den Handschuh auszuziehen um dann auf dem Grün in der Hosentasche nach dem Ballmarker, Pitchgabel oder am nächsten Abschlag den Score auf der durchweichten Pappkarte zu notieren ist auch ein mehrminütiger Akt, der einen irgendwann dazu bringt das Mistteil ganz wegzulassen und wütend ins Bag zu pfeffern, welches in der Zwischenzeit still vor sich hin suppt.

Ein alter Pro sagte mir mal, wer Golf im Regen spiele, müsse nicht besonders leidensfähig sein sondern nur das richtige Regenmanagement betreiben. Das Handtuch z.B., das normalerweise am Bag hängt, wird dann eben unter den Schirm gehängt bzw. oben in dessen Speichen verstaut um trocken zu bleiben. Man nimmt mindestens ein weiteres Handtuch und so viele Handschuhe mit wie man hat und zwei Plastiktüten: in der einen befinden sich die trockenen Exemplare, in der anderen landen die nassen. Das sei schon mal die halbe Miete. Recht hatte er – und das war lange vor den Zeiten von DryFit und GoreTex Wunderstoffen.

Golf im Regen heisst, der Ball fliegt nicht richtig, ist ja klar. Und wenn er aufkommt bleibt er wie ein Stein liegen, egal ob die 25-cent-Pille vom Discounter oder der sechs Euro teure Signature Ball eines Tourpros: keine Spur von sanftem Ausrollen. Golf im Regen heisst, sich mit seinen tatsächlichen Schlaglängen, den Carry-Längen vertraut zu machen. Da wird aus einem in trockenen Zeiten erzielten guten rund 220 Meter langen Abschlag sehr schnell ein mickriger 180 Meter Drive. Golf im Regen ist sehr ehrliches Golf.

Golf im Regen bedeutet Streit mit den Mitspielern darüber, ob die Pfütze auf dem Fairway jetzt als zeitweiliges Wasser anzusehen ist und Regel 25 zur Anwendung kommt oder ob es sich dabei um einen Teil des Wasserhindernisses handelt und nach Regel 26 zu verfahren ist. (Spoiler: es gibt – natürlich – eine Decision 25/2 aus St. Andrews dazu: „Any overflow of water from a water hazard which is outside the margin of the hazard is casual water.“).

Golf im Regen zeigt anschaulich, daß dieses Spiel nicht auf den 80 ha des Platzes sondern den zehn Zentimetern zwischen den Ohren gespielt wird. Wer sich von den erwähnten Kleinigkeiten aus dem Tritt bringen lässt und sich nicht vor Beginn der Runde eine zum Platz passende Spielstrategie zurechtgelegt hat an die er sich eisern hält, der wird wirklich nicht viel Freude da draussen haben – oder bereiten.

Golf im Regen ist nämlich auch eine Charakterfrage: Es gibt die Sorte Leute, die ihre Mitspieler zutexten, daß es letzte Woche so viel besser ging, stöhnen, daß sie trotz GoreTex-Socken nasse Füsse haben, fluchen, daß der Ball weg ist und „vergessen“, den einen oder anderen Schlag zu notieren.

Und es gibt Golfer.

Masters Action

  • Veröffentlicht am 13th April 2013,
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Masters Action

Tiger beim 2013 Masters

Das war ein spannender zweiter Tag beim Masters gestern. Dem 14jährigen chinesischen Amateur Tianlang Guan wird wegen zu langsamen Spiels ein Strafschlag aufgebrummt, der ihn um ein Haar den Cut gekostet hätte. Glücklicherweise hat der in Führung liegende Jason Day die beiden letzten Löcher Par gespielt, sonst hätte es «goin’, goin’, Guan» für Tianlang Guan gehiessen, der nunmehr genau zehn Schläge hinter dem Führenden liegt.

Die Pros sind über das harte Vorgehen gespalten: die einen bedauern die Entscheidung und weisen darauf hin, daß die Platzverhältnisse beim Masters gestern sehr widrig waren und jeder Spieler mehr Zeit benötigte für seine Schlägerwahl. Außerdem fehlt Guan die Erfahrung der alten Hasen, oder besser gesagt: der alten Schnecken — den berüchtigten Langsamspielern wie Langer, Crane oder Furyk, die wissen, daß sie in Sichtweite der Regeloffiziellen nur etwas Hektik simulieren müssen um einer Strafe zu entgehen.

Die Bemerkung von Tourspieler Bob Estes, daß Pros auch regelmässig Strafen aufgebrummt bekämen, ist zwar richtig, aber auch scheinheilig: Die verteilten Geldstrafen greifen ganz offensichtlich nicht, denn die werden von den Millionären aus der Portokasse gezahlt. Würden die Offiziellen öfters mal Strafschläge verteilen, gäbe es garantiert sehr bald keine Fünf-Stunden-Runden mehr. Der letzte Spieler auf der Tour, der wegen langsamen Spiels einen Strafschlag bekam, war übrigens Glen Day, 1995 — drei Jahre vor Guans Geburt.

Die anderen sehen die Aktion als okay an. Der Junge spielt das Masters mit, also hat er eine zumindest theoretische Chance auf den Sieg. Warum sollte er dann eine Extrawurst gebraten kriegen? Meint schulterzuckend zumindest der mehrfache Masters Champion Freddie Couples, der mit 53 Jahren am anderen Ende des Altersspektrums sitzt und aktuell nur einen Schlag hinter dem Führenden liegt.

Guan selbst hat sich übrigens nicht nur durch sein tolles Spiel als echter Golfer präsentiert, sondern auch durch seine ruhige Reaktion im Interview hinterher.

Von dem Jungen werden wir hoffentlich noch viel sehen.

Mindestens ebenso kontrovers diskutiert wird aktuell Tiger Woods, der einen ausgezeichneten Schlag machte, den Fahnenmast traf und dessen Ball in Folge seitwärts vom Grün ins Wasserhindernis schoss. Tiger musste also (mit Strafschlag) den Ball droppen, und tat dies vom falschen Ort, wie beobachtet wurde und er auch (unabsichtlich) im Interview zugab. Er hat sich so für den Wiederholungsschlag eine bessere Lage und Position verschafft und damit einen unfairen Vorteil gegenüber dem Feld. In Folge hat er seinen Score falsch notiert und unterschrieben und müsste logischerweise disqualifiziert werden.

Die Entscheidung ist aktuell noch nicht gefallen, aber dürfte so oder so noch heisser diskutiert werden als die um Guans Strafschlag. Tiger ist nicht irgendein Spieler, er liegt gut im Rennen, ist gerade wieder die Nummer eins der Welt und will seinen fünfzehnten Majorsieg holen. Die Einschaltquoten werden ins Bodenlose rauschen, wenn er disqualifiziert und nach Hause geschickt wird — für Missachtung einer Regel, die 90% der golfenden Amateure jedes Wochenende fröhlich missachten und die den zuschauenden Nichtgolfern komplett bekloppt vorkommen wird.

Die berühmten zweierlei Mass wären also noch fetter unterstrichen als sie es ohnehin schon sind und es bliebe ein sehr schlechter Geschmack im Mund zurück, daß die Regeln eben nur für einige gälten.

So oder so wünsche ich dem chinesischen Achtklässler ein fantastisches Wochenende und uns Golffans, daß der Spirit of the Game erhalten bleibt.

Update: Es bleibt bei einem frommen Wunsch. Nach Angaben dieses Blogs, das auch die fragliche Situation und Regel noch einmal sehr schön zusammenfasst, ist der Drops gelutscht. Das Kommitee hat keine Beanstandung festgestellt und daß Tiger sich selbst ehrenhaft disqualifiziert, darauf darf man bei dem Mann wohl kaum hoffen. (Hier das Interview, wo er den Regelverstoss offensichtlich unbewusst zugibt: „TIGER WOODS: Well, I went down to the drop area, that wasn’t going to be a good spot, because obviously it’s into the grain, it’s really grainy there. And it was a little bit wet. So it was muddy and not a good spot to drop.
So I went back to where I played it from, but I went two yards further back and I took, tried to take two yards off the shot of what I felt I hit.“)

Update 2: Tiger kriegt zwei Strafschläge. Die Option wurde wohl vor einiger Zeit anlässlich eines ähnlichen Falls mit Padraug Harrington eingeführt.

Zitat des Tages

  • Veröffentlicht am 1st Januar 2013,
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You know you’re too into golf if… you see the hashtag #newsyearseve and wonder about the connection between the New Year and Seve.

Jason Sobel

Die Andalucia Masters entfallen in diesem Jahr

  • Veröffentlicht am 12th September 2012,
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Eines der traditionsreicheren Events auf der European Golf Tour, die Andalucia Masters im prestigeträchtigen Valderrama, entfällt dieses Jahr. So steht es auf der Website der European Tour zu lesen. Der Bezahlsender Sky zitiert European Tour Director O’ Grady mit folgenden Worten:

“We’ve used all our relationships down there, the Spanish golf federation, presidents of that body, presidents of central government but this is a political arena we’re now in and the individual concerned now probably doesn’t understand what he’s got.

“Everyone was rallying around to rescue the tournament. There’s a lot of people who see the value of the event for the region, the tourism, the industry that comes there.

“We have a tight, hard, legal contract which is just being ignored. Naturally enough we’ll see if we can sort it out ourselves without using lawyers too much but, if we wanted to, we can.”

Als Golferin und Fan der European Tour und besonders dieses Events zum Saisonende betrübt mich das natürlich sehr. So eine Entscheidung so kurz vor dem geplanten Event bekannt zu geben ist auch nicht gerade die feine, spanische Art. Und vom Problem des Vertragsbruchs wollen wir gar nicht erst anfangen.

Aber wir wollen doch auch mal die Kirche im Dorf lassen. Spanien steht das Wasser finanziell nicht bis zum Hals sondern bisUnterkante Oberlippe. Wie wunderschön die Region ist, das wissen die Touristen, die sich den Urlaub dort überhaupt noch leisten können. Dafür muss nicht weiter geworben werden, besten Dank. Von den in den High End Urlaubsghettos ausgegebenen Euros sieht der Durchschnittsandaluse auch nicht so richtig viel. Andalusien ist die zweitärmste Region Spaniens und dabei eine der bevölkerungsreichsten des Landes. Die sozialistische Regierung der Region boykottiert den Sparkurs der Regierung in Madrid unter Verweis auf die unbillige Härte. Wenn man dort also festgestellt hat, daß es aktuell wirklich in ihrem Interesse ist eine Sportveranstaltung abzusagen, die nicht völlig zu Unrecht als dekadent und elitär verschrieen ist und in erster Linie dem Zeitvertreib der High Society dient, dann wird das wohl so sein. Hier dürfte man ruhig mal etwas Augenmaß beweisen und den geordneten Rückzug anordnen, statt mit der juristischen Keule zu wedeln und das Tischtuch zu zerschneiden und sich auf den Standpunkt „sollen sie doch Kuchen essen“ zurückzuziehen.

Andalusien braucht die European Tour nicht, aber die Tour braucht Andalusien. Es gibt klimabedingt nicht mehr so viele Gegenden und Plätze in Europa, wo man in der Saison ein solches Event durchführen kann. Und ob die europäischen Fans es goutieren, wenn noch mehr Turniere nach Asien und Nahost ausgelagert werden, wage ich mal zu bezweifeln.

Irgendwann wird sich auch Spanien wieder erholen und die Andalucia Masters werden wieder stattfinden. Und falls nicht, ist zumindest Letzteres auch kein Beinbruch.

Was tun bei Gewitter auf dem Golfplatz?

  • Veröffentlicht am 2nd Juli 2012,
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Was tun bei Gewitter auf dem Golfplatz?

Drinnen!

Nicht erst seit dem tragischen Unglück letzter Woche, bei dem auf einem süddeutschen nordhessischen Golfplatz vier Frauen vom Blitz getroffen wurden, drei davon tödlich, fragen sich Golfer: Was tun bei Gewitter auf dem Golfplatz? Gucken wir uns dazu erst einmal die Umstände des jüngsten Unglücks an, soweit sie bekannt wurden: Die Schutzhütte lag an einem erhöhten Punkt des Geländes, verfügte nicht über einen Blitzableiter und stand zwischen zwei großen Bäumen, oberhalb eines Sees. (Quelle: Spiegel Online).

Zwei Golfer gucken besorgt auf die schwarze Gewitterwand, die sich nähert. „Was sollen wir tun?“ fragt der eine ängstlich. „Keine Sorge“ antwortet der andere, „ich habe mein Eisen 1 mit“. Der erste guckt erstaunt: „Was soll das bringen?“ fragt er. „Nicht einmal Gott trifft ein Eisen 1“ ist die Antwort.

Ich weiß nicht, wie alt dieser Golferwitz ist, angeblich stammt er von PGA Tour Witzbold Lee Trevino, aber es ist wahrscheinlich, daß der ihn von Bob Hope hat und der vermutlich wiederum von Old Tom Morris. So oder so – es ist mit Sicherheit keine gute Idee, bei Gewitter auf weit offenem Feld einen langen Eisenstab in die Luft zu recken, egal ob es sich um einen Lobwedge oder ein Eisen 1 handelt. Gott trifft, wenn Er will, und garantiert auch Atheisten und Richter.

Das sind natürlich ideale Voraussetzungen für ein Unglück dieser Art. Jedes Kind lernt, sich bei Gewitter im Gelände so klein wie möglich zusammenzukauern, alle Extremitäten (lies: Arme und Beine) eng an den Körper zu nehmen und das alles idealweise nicht gerade mitten in einer Pfütze oder unter einem Baum oder gar im Wald sondern auf möglichst freiem Feld, am besten sogar in einer Kuhle, z.B. einer Ackerfurche. Letztere gibt es eher selten auf Golfplätzen, aber dafür hat es Fairwaybunker. Sofern diese nicht voll Wasser gelaufen sind bzw. laufen und fern von großen Bäumen sind, bieten sie wohl mit den besten Schutz.

Es versteht sich eigentlich von selbst, daß man sich weit genug weg von der Fahne zusammenkauern sollte (ein in die Luft ragender Eisenstab) und auch weit genug weg von seinem Bag mit den Schlägern (in die Luft ragende Eisenstäbe). Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß es leider immer wieder Menschen gibt, die mit ihrer teuren Ausrüstung zusammen die Schutzhütte betreten wollen. Abgesehen davon, daß jedes Golfbag, vielleicht sogar mitsamt der klatschnassen Karre in der trockenen Hütte einem anderen Golfer den vielleicht rettenden Platz wegnimmt und diese Handlung schon deshalb ziemlich egoistisch und arschig ist, erhöht auch jeder Schläger in oder neben der Hütte das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden.

Was tun bei Gewitter auf dem Golfplatz?

  • exponierte Stellen meiden (Hügel, erhöhte Abschläge oder Grüns etc.)
  • Schutzhütten aufsuchen, sofern diese mit einem Blitzableiter ausgestattet sind
  • Golfbags, Schläger, Karren stehen- und liegenlassen, NICHT neben die Schutzhütte stellen oder gar mit hineinnehmen!
  • Im Freien mindestens 10-15 Meter Abstand zu Bäumen, Flaggenstöcken, Bunkerharken, Mitspielern halten
  • Wenn das Gewitter über dir tobt, zusammenkauern, Arme und Beine eng an den Körper nehmen, idealerweise in eine Kuhle oder Furche auf dem Boden hocken (z.B. Fairwaybunker)
  • Wenn ein Mitspieler vom Blitz getroffen wurde: Erste Hilfe leisten! Es ist ein Ammenmärchen, daß man Blitzopfer nicht anfassen darf! Und natürlich so schnell es geht den Notarzt rufen (112).

Bei Wettspielen wird in aller Regel von der Spielleitung eine Gewitterunterbrechung mit entsprechenden Signaltönen angekündigt. Was kaum jemand der obrigkeitshörigen Deutschen weiß oder glaubt: Man darf auch ohne dieses Signal gehört zu haben selbstständig und frei für sich entscheiden, das Turnier jetzt umgehend zu unterbrechen und Leib und Leben in Sicherheit zu bringen. Das führt weder zur Disqualifikation noch zur Erhöhung der Stammvorgabe und selbst wenn dem nicht so wäre – wen interessiert’s? Wie bescheuert muß man sein um sein Leben aufs Spiel zu setzen, nur um keine +0,1 zu riskieren?

Der Deutsche Golf Verband hat in Zusammenarbeit mit dem VDE ein Merkblatt zum Thema „Golf und Gewitter“ herausgegeben, das man sich hier kostenlos herunterladen kann.

Wohin mit den alten Golfklamotten?

  • Veröffentlicht am 21st Juni 2012,
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Ich habe mal ein wenig in meinen Bookmarks gekramt und bin auf diesen wunderbaren Clip gestoßen.

Die Älteren unter uns werden sich erinnern: Das sind Jesper Parnevik und Duffy Waldorf, zwei recht erfolgreiche Pros aus den 90ern/00ern. Und für die Nichtgolfer: Beide sind bzw. waren meist mehr aufgrund ihrer farbenfrohen Klamotten im Gespräch, als aufgrund ihrer Erfolge auf dem Platz. Der sehr schlanke Parnevik war der erste, der die absurd bunten und engen Klamotten seines Freundes und Designers Johan Lindeberg trug, um diesem zu mehr Popularität zu verhelfen. Der eher runde Duffy Waldorf hingegen ward nie ohne schreiend buntes oder zumindest wild gemustertes Hawaiihemd und dazu passenden Hut gesichtet.

 

Endlich Sommer!

  • Veröffentlicht am 22nd Mai 2012,
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Falls es etwas schöneres gibt als am ersten echten Sommertag des Jahres den ersten Abschlag meines geliebten Golfplatzes hochzuklettern, dann weiss ich nicht, was das sein sollte.

Oh, doch, stimmt: mit dem letzten Putt auf dem 18. Grün das Match zu gewinnen!

Out of Bounds

  • Veröffentlicht am 18th April 2012,
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Out of Bounds

Anfrage eines Werbebeauftragten zum Thema Golf:

Sehr geehrter Herr T,

ich schreibe Ihnen im Namen des Online-Shops [Shopname]. Unsere Agentur arbeitet zurzeit daran, die Produkte des Shops bekannter zu machen und wir würden im Rahmen dieser Aktion gerne mit Ihnen kooperieren. Wir verfolgen Ihren Blog schon längere Zeit und glauben, dass Sie die passende Zielgruppe erreichen. Ihr Blog ist in der Golfszene vielen Leuten ein Begriff. Da Sie allgemein zum Thema Golf schreiben, dachten wir uns, es sei für Sie bestimmt auch interessant aktuelle Golfartikel zu testen.  (mehr …)

Trolle vom Grün!

  • Veröffentlicht am 12th Januar 2012,
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Trolle vom Grün!

Die Saison beginnt, auch wenn man das noch nicht so recht glauben kann, aber die Pros haben Hawai’i schon hinter sich gelassen und auch bei uns sind die Turnierplanungen der Clubs schon weit gediehen. Zeit, für ein paar Gedankenanstöße, „schnelle Neun“ sozusagen – dann klappt’s auch mit der entspannten Golfrunde:

1. Es ist egal, was dein neuer Driver gekostet hat oder laut Werbeprospekt kann, den du dir zum Fest geschenkt hast: du wirst damit auch in der neuen Saison keine nennenswerten Abschläge hinkriegen und höchstens deinen Slice oder Hook um 20% weiter ins Aus schlagen als letztes Jahr. Das Geld hättest du besser in Prostunden investiert. Aber nun ist es zu spät, du hast das Teil, wie man sieht. Wie jeder sieht. Jeder, der es nicht auf Anhieb sieht, kriegt die Keule unter die Nase gehalten und soll dann beeindruckt gucken. Das gebietet die Etikette.

Echt? Nö. Is mir schnurz, ob du mit einem brandneuen [$TeurerMarkenschläger] oder Opas Hickorystecken abschlägst. Könnte mir nicht egaler sein. Hauptsache, du machst keine Probeschwünge auf dem Abschlag, hast deine eigenen Tees und Bälle mit und brauchst nicht so lange wie Sergio Garcia, bis du endlich abgeschlagen hast. Im Idealfall hast du dann auch noch geschaut, wohin die Pille geflogen ist, damit wir nicht so ewig suchen müssen.

2. Natürlich hast du nicht hingesehen, wohin die Pille geflogen ist, sondern geflucht wie ein Rohrspatz („Ich hätte doch die 8,5° Version nehmen sollen!“) und wir suchen ewig. Du bist uns um Meilen voraus, so etwa 300 Meter vom Abschlag entfernt. Klar, der flog ja viel weiter jetzt, wo der neue Driver im Einsatz war. Wir hatten vielleicht nicht denselben Blickwinkel wie du, aber unserem Eindruck nach war der nicht so weit. Wie ein Mitspieler in diesem Fall mal so treffend zu diesem größenwahnsinnigen selbstbewußten Marketingopfer sagte: „Tritt näher ran, er ist kürzer als du denkst!“. Faustregel: Der Ball liegt in 9 von 10 Fällen auf der Höhe, auf der du instinktiv deine Karre hast stehen lassen, bevor du 100 Meter weiter vorausgestapft bist.

Golfer – @ Kiki Thaerigen

3. Die drei oder vier Luftschläge und Hacker, die du gebraucht hast bis die Murmel aus dem Gemüse aufs Fairway oder wenigstens ins Semirough gehüpft ist, die zählen zum Score. Ja, alle Schläge. Bei uns in Schottland machen wir das so, auch wenn Schottland in diesem Fall in Hamburg, Düsseldorf oder Garmisch-Partenkirchen liegt. Alles andere ist Selbstbetrug und mir auf der Privatrunde egal, oder aber Betrug an allen anderen Teilnehmern eines Turniers und mir in diesem Falle ganz und gar nicht egal. Im Zweifel unterschreibe ich dann eben deine Scorekarte nicht und du kannst der Spielleitung erklären, wie du auf ein Bogey kommst, wenn du schon sieben Schläge bis zum Vorgrün gebraucht hast. So oder so wird es allerdings die letzte Runde gewesen sein, die wir miteinander gespielt haben.

4. Auf dem Grün macht jeder zwei Pitchmarken weg: die eigene und die eines Blindfischs aus der Gruppe vor uns. Wenn du keine eigene Pitchmarke hingekriegt hast, machst du trotzdem zwei weg. Sei versichert: es gibt genügend davon. Und nein, die stammen nicht alle von den Greenfeegästen. Unsere Greenskeepercrew hat uns heute früh einen makellosen, taufrischen Platz zu Füßen gelegt und um den heutigen Monatsknopf spielen nur Clubmitglieder mit. Denk’ mal drüber nach.

5. Du beklagst dich über langsames Spiel? Dann gehe mit gutem Beispiel voran: Überlege dir bereits auf dem Weg zu deinem Ball, welcher Schläger für den nächsten Schlag infrage käme. Stelle deine Karre so ab, daß du nicht endlose Umwege ums Grün machen mußt, um zum nächsten Abschlag zu kommen. Schaue dir deine Puttlinie an, während Deine Mitspieler putten bzw. während du aufs Grün zugehst. Mach’ den tap-in rein und markiere nicht umständlich noch 10 cm-Putts.

6. Nein, es stört mich nicht wenn du rauchst. Es würde mich nicht mal stören, wenn du brennst. Aber wenn du deine Kippe nicht anschließend in einen mitgebrachten Aschenbecher oder deine Hosentasche steckst, sondern glaubst, daß du sie einfach ins Rough werfen darfst oder in den Behälter für die abgeknickten Tees am Abschlag, dann wirst du die nächste eben runterschlucken. Klar soweit?

7. Es ist egal, ob mein Ball „noch draußen“ liegt. Wenn Deiner zwei Kilometer weiter unten auf einem anderen Teil des Grüns liegt, bist du trotzdem zuerst dran. Es spielt der zuerst, dessen Ball weiter von der Fahne entfernt liegt.

8. Du kannst deinen Ball nicht „aufgeben“. Das sehen die Regeln nicht vor, tut mir leid, auch wenn dein Pro das so gesagt hat. Pros wissen selten etwas über Golfregeln, müssen sie ja auch nicht, aber eine Menge über den Golfschwung. Du kannst deinen Ball aber u.a. überall auf dem Platz für unspielbar erklären (und nicht für „unbespielbar“) und verfährst dann einfach nach Regel 28. Wenn dir Regel 28 nichts sagt, investiere unfassbare 7 Euro in das Regelbuch, das drei Jahre gültig ist und in jede Hosentasche bzw. jedes Golfbag passt. Lies es aber auch, sonst bringt es nichts. Gönn’ dir auch ab und zu mal die Decisions dazu, die sind sehr unterhaltsam. Gehe zu den angebotenen Regelabenden oder gib’ dem Regelpapst deines Clubs ein Bier aus und laß’ dir erklären, warum das so ist. Wenn du das alles nicht willst, überlege, mit irgend einer weniger komplizierten Sportart zu beginnen oder wenigstens irgendwo anders zu spielen, wo ich nicht mit dir zusammen spielen muss.

9. Nein, der ist nicht geschenkt. Wir spielen Zählwettspiel.

Neue Golfschuhe gefällig?

  • Veröffentlicht am 18th August 2011,
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Frau kann  ja nie genug Schuhe haben, in meinem Falle bersten die Schränke vor Skaterpuschen für die Longboardingausflüge, Chuck’s und natürlich Golfschuhen. Die Treter dieser kleinen, jungen, sympathischen kanadischen Firma Kikkor Golf sehen aus wie das Beste aus zwei Welten:

Kikkor Golf Tenny White Classic

Kikkor Golf Tenny White Classic: Brilliant and stylish – I love them!

Auch die meisten anderen Modelle könnte ich mir glatt so wie sie sind in den Schrank stellen bzw. damit auf den Platz eilen. Das Team sieht übrigens so aus, als hätte es verdammt viel Langeweile in der Nebensaison … und Talent und Spaß:

ARVE Error: no video ID set

Das erinnert mich übrigens an ein ähnliches Video einer anderen coolen Schuhfirma:

ARVE Error: no video ID set

Man kann übrigens auch als internationaler Kunde bestellen via PayPal. ;-)

P.S.: Nein, das ist keine bezahlte Anzeigenveröffentlichung. Ich finde die Schuhe einfach klasse. Kikkor weiß nichts von meiner Existenz.

Who’s your caddie?

  • Veröffentlicht am 8th August 2011,
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Das vergangene Wochenende auf der PGA Tour hielt seit langer Zeit einmal echte Spannung bereit: Tiger Woods kehrte zweieinhalb Monate nach seiner (eigenen Aussagen nach) „unbedeutenden“ Verletzung zurück ins Geschäft und die Golfwelt hielt den Atem an: würde er es schaffen, beim Bridgestone Invitational auf dem Firestone Course in Akron, Ohio zum achten Mal zu dominieren und zu gewinnen? Es gab einige Anzeichen die dagegen sprachen: im vergangenen Jahr spielte er sehr schlecht und wurde Vorletzter. Sein Putter war schon länger nicht mehr der „go to“-Schläger, der ihn aus allen Schwierigkeiten (auf dem Platz) befreien konnte. Einer seiner letzten verbliebenen Sponsoren, Luxusuhrenfabrikant Tag Heuer, entschied sich recht öffentlich dafür, den auslaufenden Vertrag mit Tiger nicht zu verlängern – just zum Comeback des Jahres. Die internationalen Spieler dominieren nach Belieben und die jungen Wilden Anfang/Mitte zwanzig haben keinen sonderlichen Respekt mehr vor einem 35jährigen Tiger mit morschen Knochen. Und dann war da noch sein Freund und Caddie Steve Williams, den er vor ein paar Wochen nach 12 Jahren treuer Dienste gefeuert hatte weil der in seiner (aufgrund Tigers verletzungsbedingter Abwesenheit) erzwungenen Freizeit einem anderen Spieler und Freund aushalf: etwas, was Tiger wohl als Majestätsbeleidigung ansah. Kurz: die Bühne war bereit für Drama, Liebe, Leidenschaft.

Nach dem ersten Spieltag am Donnerstag sah alles nach einem gelungenen Start für Tiger aus: 2 unter Par für die Runde, das war ordentlich, wenn auch nicht berauschend, aber hey, er war natürlich etwas rostig nach der Verletzungspause. Da war noch alles drin. OK, Adam Scott hatte eine sensationelle 62 gespielt und führte mit 8 unter Par. Und äh, ja, dessen Taschenträger war Steve Williams, der keinen großen Hehl daraus machte daß es ihm ein innerer Vorbeimarsch war seinen neuen Brötchengeber in Führung zu sehen.

Am Freitag wurde deutlicher, daß bei Tiger aktuell so gar nichts rund läuft. Sein Putter ließ ihn im Stich, mit dem Driver streute er noch schlimmer als früher und für unbedarfte Zuschauer sah er in jeder Hinsicht wie die letzte Lachnummer aus. Nicht nur, daß seine Körperhaltung Frustration und Hoffnungslosigkeit vermittelte; ein schöner Kontrast zu dem rollenden, schaukelnden „ich hab’ die dicksten Eier“ Gang des 22jährigen Rory McIlroy und dem majestätischen Schreiten des verdammt sexy aussehenden und spielenden Australiers Adam Scott. Mit den neuen, soften Nike Plastikhufeisen an den Füßen kann man wohl nicht königlich gehen. Nein, obendrauf schwitzte er bei den schwülheißen Temperaturen wie ein Schwein und trug dummerweise helle Hosen … die waren um den Hintern herum bald so naß, dass er sich als nächsten Sponsor vielleicht um einen Hersteller von Erwachsenenwindeln bemühen sollte. Nikes patentiertes „Dri-Fit“ Gewebe hielt ihn offensichtlich nicht sonderlich dry und sehr fit sah er so auch nicht aus. Daß er schon mit 35 seine Midlife Crisis so einläutet wie die meisten anderen Männer und seine Geheimratsecken und eine beginnende kahle Stelle am Hinterkopf durch fusselige Schambehaarung am Kinn auszugleichen sucht half auch nicht wirklich, den Gesamteindruck eines müden, fertigen, zahnlosen Tigers zu entkräften.

Sonnabend ist der traditionelle moving day auf der Tour; die großen Bewegungen auf dem Leaderboard lassen ahnen, wer am Sonntag Abend die Trophäe stemmen wird oder zumindest dafür in Frage kommt. Tiger bewegte sich mit mediokrem Spiel mehr so in Richtung „hat teilgenommen“ statt nach vorn. Niemand, außer seinen allerhartnäckigsten Fans traute ihm nun noch eine Top Ten Platzierung oder gar einen Sieg zu. Kopf an Kopf hinter dem immer noch mit einem Schlag in Führung liegenden Adam Scott lagen dessen Landsmann Jason Day, der seit Monaten immer um den Sieg mitspielt, Ryo Ishikawa (19 Jahre alt und in seiner Heimat Japan das, was Tiger bis vor wenigen Jahren weltweit einmal war: ein Golfgott und Superstar) und die US-amerikanische Antwort auf Rory McIlroy, Rickie Fowler. Dicht dahinter lauerte die aktuelle Nummer eins der Weltrangliste, Luke Donald. Lee Westwood kämpft aktuell noch zu sehr mit der mentalen Seite des Spiels um ernsthaft um den Sieg mitzuspielen, aber ganz abschreiben sollte man ihn auch noch nicht.

Am Sonntag dann wurde es ganz bitter für den Tiger: Zwar trug er sein traditionelles rotes Hemd (und dankenswerter Weise eine schwarze Hose dazu), aber spielte nur noch lustloses Gegrütze. Fast jeder Abschlag lag irgendwo im Gemüse und selbst wenn er dann mal einen Befreiungsschlag in Richtung Grün hinbekam, schob er die Putts vorbei – es war ein Trauerspiel. Gegen Ende raffte er sich dann doch noch einmal auf und schaffte ein paar Birdies, aber er schloß die Woche mit +1 ab und einem Platz irgendwo in der Mitte des Feldes, auf einem geteilten 37. Rang. Adam Scott und der junge Ryo Ishikawa gingen Kopf an Kopf auf die letzte Runde, bis Scott schließlich davonzog und mit einem Vorsprung von vier Schlägen auf die zweitplatzierten Rickie Fowler und Luke Donald mit einem Gesamtscore von 263 Schlägen (-17) die Trophäe gewann.

Nach der Runde hielt CBS Scotts Caddie ein Mikro unter die Nase und der gab sein erstes Interview überhaupt. Unter Tiger durfte er nicht reden, jetzt sprudelte es nur so aus ihm heraus: dies sei die beste Woche seiner Karriere gewesen und er läge natürlich gerne in Führung, ob beim Autorennen oder als Caddie. Nicht wenige Beobachter, Journalisten und Spieler empfanden das Interview und die Aussagen als unangemessen und als Nachtreten gegenüber Tiger. Die beste Woche seiner Karriere? Er hatte mit Tiger immerhin 12 Majors gewonnen! Er liegt gern in Führung? Hat nicht Adam Scott die Schläger geschwungen, die Williams ihm gereicht hat?

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Trotzdem kann ich Williams verstehen und man hat auch als Zuschauer deutlich die Fans gehört, die ihn persönlich angefeuert haben und ihm zur Seite standen. Woods hat sich nicht sehr gut ihm gegenüber verhalten und die Art und Weise der Trennung muss verdammt weh getan haben. Klar, daß es Williams’ Ego da gut tut wenn sein neuer Mann siegt während der alte Chef in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Und natürlich macht ein Caddie mehr als nur die Schläger zu putzen oder das Bag zu tragen und die Fahne zu bedienen. Insbesondere Williams, der den Platz in Ohio so gut kennt wie kaum ein anderer, war für Scott definitiv „der fünfzehnte Schläger im Bag“ und hat seinen neuen Boss vor einigen Fehlern bewahrt und ihm mit zum Sieg verholfen. Ganz abgesehen davon, daß die Aussagen der Spieler (egal in welcher Sportart) unmittelbar nach Spielende immer sehr spontan und roh sind, was ja auch so gesucht und gewünscht wird. Hätte man Williams eine Stunde später interviewt, er hätte wohl kaum dieselben Worte gewählt. Und schließlich hat man ihn gefragt – er hat sich nicht das Mikro geschnappt, man hat es ihm unter die Nase gehalten. Ich für meinen Teil finde das erfrischend, aber es ist natürlich ganz und gar nicht comme il faut.

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Nächste Woche findet das letzte Major Turnier des Jahres statt, die PGA Championship. Titelverteidiger ist Martin Kaymer, der seither seiner Form hinterherläuft und wohl nicht wirklich vorne mitspielen wird. Von Tiger kann man wohl auch nichts mehr erwarten in dieser Saison. Ob Adam Scott an seine fantastischen Leistungen von dieser Woche anknüpfen kann? McIlroy sein zweites Major schafft? Donald sein erstes? Oder Fowler endlich den Durchbruch erlebt? Keine Ahnung, aber eins ist klar: das internationale Profigolf ist so spannend wie seit zehn Jahren nicht mehr, und wirklich und wahrhaftig international:

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Aufwärmarbeit

  • Veröffentlicht am 18th Juli 2011,
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Es soll ja Leute geben, die halten Golf für einen Rentnersport. Oder gar keinen Sport, z.B. weil man dabei rauchen kann. Nunja. Progolfer Miguel Angel Jimenez (47), Ferrarisammler, bekennender Cigar Aficionado und auch einem guten Rioja nicht abgeneigt bereitet seine morschen Knochen jedenfalls gründlich auf die Runde vor:

ARVE Error: no video ID set

Den schöneren Kommentar zu diesem Video hat der berühmte BBC Kommentator Peter Aliss abgeliefert, leider kann man das Video nicht einbinden, nur hier ansehen.

Den besten Kommentar hat Golf Digest Autor Dan Jenkins getwittert:

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Birdiebooks: Green Eagle

  • Veröffentlicht am 8th Juli 2011,
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Die Anlage in Winsen/Luhe nahe Lüneburg verfügt über zwei 18 Loch Plätze, die recht unterschiedlich sind. Der ältere Süd-Course ist deutlich kürzer, verwinkelter als der Nord-Course, welcher einer der längsten Plätze in Deutschland, wenn nicht gar Europa ist. Das Birdiebuch des Süd-Course basiert, wie schon  das aus St. Dionys, auf Luftaufnahmen, die dann mit Entfernungsangaben versehen wurden. Und das ist auch hier ein Problem:

Zum einen wurden die Aufnahmen offenbar gemacht, als der Platz gerade eröffnet hatte. Inzwischen gewachsene Bäume, zusätzliche Anpflanzungen und Hindernisse sind naturgemäss nicht darauf verzeichnet. Zum anderen ist die Perspektive doch recht irreführend, da stark verkürzt. Vielleicht ist das Geschmackssache, aber die entsprechende Bahn auf Google Maps sieht für mich schon ganz anders aus:


Größere Kartenansicht

Wenn ich hier auf die entsprechende Bahn zoome (das Dogleg zur Linken der runden Driving Range), dann kann ich viel besser erkennen, daß es vielleicht gar nicht nötig ist, das Wasserhindernis zur Rechten zu überspielen, sondern vielleicht viel schlauer, sicher geradeaus zu driven und den Landweg zu nehmen. Ich selbst schlage natürlich üblicherweise vom Damenabschlag ab. Das Birdiebuch empfiehlt mir, entweder die 135 Meter vom Damenabschlag bis zur 100 Meter Markierung zu schlagen und dann von dort über Wasser aufs Grün. Das Grün ist 27 Meter tief; wenn die Fahne ganz hinten steht, muss ich also schlimmstenfalls 127 Meter (davon 100 Meter carry) über Wasser spielen. Für einen geübten Golfer ist das natürlich kein Problem. Aber viele Damen, viele Anfänger und auch gar nicht so wenige Herren würden wahrscheinlich lieber die sichere Variante „geradeaus und dann rechts“ bevorzugen. Nur: wie weit ist es bis zum Ende des Fairways, wenn man geradeaus abschlägt? Die Entfernungsangabe endet im Birdiebook leider mit der 100 Meter Marke. Das Fairways geht dahinter schätzungsweise noch 40-50 Meter weiter, und dann hätte man einen ca. 80 Meter kurzen Schlag über Land ins Grün – das ist für die meisten Golfer ein einfaches Wedge oder ein Eisen 9 (wenn die Fahne hinten steht) und schon ein Unterschied zu 100-125 Meter über Wasser mit einem Eisen 8, 7, 6 oder gar 5 – je nach dem, wie der Wind steht (er kommt angeblich immer von vorn.) Den Grünbunker hätte man damit auch weitgehend aus dem Spiel genommen.

Auf der Homepage findet sich bei den Angaben zum Süd-Course unter der Abbildung eine Empfehlung: „Der Abschlag sollte nicht länger als 170 Meter sein, damit das Grün eher quer als längs anzuspielen ist.“ OK, aber von welchem Abschlag aus 170 Meter? Wahrscheinlich vom Herrenabschlag aus . (Die Damenabschläge werden ja gerne mal ignoriert und sind auch meist komplett lieblos und idiotisch gesteckt, aber das ist ein anderes Thema.) Nur – was soll „eher quer als längs“ bedeuten?

Der Nord-Course ist dieses Jahr fünf Jahre jung und feiert das ganzjährig mit einem sensationell günstigen Greenfeearabatt von 50%. Es gibt noch kein richtiges Birdiebuch, nur eine provisorisch zusammenkopierte und -getackerte Ansammlung von Strichzeichnungen, die wohl anlässlich eines Challenge Tour Events vor ein paar Jahren entstanden sind. Hier konzentriert man sich sehr auf die präzise Grünvermessung und lässt den Rest des Platzes weitgehend aussen vor. Vielleicht ist das ok so für die Profis, aber für den geneigten Greenfeegast ist der Platz de facto ohne Laser- oder GPS-Entfernungsmesser unspielbar. Denn auch auf dem Platz war man sehr sparsam mit Entfernungsangaben, nach Auskunft eines Clubmitglieds angeblich „um die Optik nicht zu stören“. Klar, Entfernungspfähle sind nicht eben schön, aber das kann man ja auch über entsprechend gekennzeichnete Findlinge lösen (wie auf dem Süd-Course oder auch in St. Dionys).
NB: Ich verzichte nicht nur aus Nutzungsrechtsgründen an dieser Stelle auf eine Abbildung, da das Buch klar als provisorisch gekennzeichnet ist. Interessierten Golfern oder Lesern maile ich natürlich auf Anfrage gern eine Abbildung.

Entfernungen zu schätzen gehört zum Golf dazu und ist natürlich Übungssache. Manche Puristen rümpfen die Nasen und wehren sich gegen zu viele Angaben auf dem Platz. Sie bräuchten keine Birdiebooks oder gar Entfernungsmessgeräte, das hätte Bobby Jones auch nicht gehabt. Dabei übersehen sie jedoch, daß man in der guten alten Zeit nicht nur als Bobby Jones, sondern auch als Otto Normalgolfer zwei Caddies beschäftigte – einen, der einem die Tasche trug, die Schläger putzte und die Bälle suchte und fand und einen sog. Vorcaddie bzw. Forecaddie, der auf den Hügel kletterte und nachsah, ob vorne alles frei war und beobachtete, wo der Ball landete. Ein guter Caddie kennt seinen Platz und auch nach kurzer Zeit seinen Spieler und gibt Handlungsempfehlungen ab. Ein guter Caddie spart seinem Golfer rund 4-8 Schläge pro Runde. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt daß die meisten Plätze Par 72 haben. Und die Jungs und Mädels auf den professionellen Touren nutzen selbstverstndlich alle legalen und modernen Hilfsmittel, schliesslich geht es um viel Geld und Ruhm. Wer also aus Prinzip auf Entfernungsangaben und Hilfsmittel verzichten will, sollte dann auch ruhig seine Runde mit Hickoryschlägern und Featheriebällen gehen. Bei uns gibt es leider keine Caddies mehr (wie ich schon früher einmal lamentierte). Aber in Irland und Großbritannien, vor allem in Schottland sind sie noch gang und gebe und ich kann jedem Golfreisenden dort nur empfehlen, auf ihre Expertise zurückzugreifen und sich eine unvergessliche Runde Golf zu gönnen.

Wegweiser durch den Dschungel: Das Birdiebuch

  • Veröffentlicht am 23rd Juni 2011,
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In meiner Bibliothek, im Regal „Golf“, haben sich über die Jahre eine Reihe von Birdiebooks angesammelt. Das sind kleine Heftchen, in denen die einzelnen Löcher eines Golfplatzes kartografiert und mit für den Spieler hilfreichen Angaben versehen werden. Oder besser gesagt: das ist das hehre Ziel bei der Gestaltung dieser Werke. Schon der Name „Birdiebuch“ weist ja darauf hin, daß man damit ein Birdie ins Visier nimmt, also den Platz unter Par spielt. Andere nennen sich „Strokesaver“ oder „Fairway-Scout“. Die Pros auf den Touren nutzen ebenfalls solche strategischen Wegweiser, auf denen jedoch minutiös jede Erhebung, jede Entfernung angegeben sind. Deren Exemplare sind oft selbst gezeichnet und von den Caddies mit Notizen versehen. Sie sehen eher aus wie topografische Land- oder Wetterkarten. Mit dem 08/15 Birdiebuch des durchschnittlichen Golfclubs haben sie null gemein. Ian Poulter hat unlängst die Karte des 18. Grüns aus dem Heft zum U.S. Open Course des Congressional Golf Clubs in Bethesda, Maryland getwittert. (Seinem weiteren Tipp, das Ding in Eigenregie zu laminieren um es vor eventuellen Wolkenbrüchen zu schützen, kann ich mir nur anschließen.)

In der Praxis sind die meisten dieser Büchlein für Otto Normalgolfer jedoch  meist veraltet, da ein Golfplatz ein lebendes, atmendes Wesen ist und mit der Zeit eine Reihe von Veränderungen über sich ergehen lassen muss. Und eine aktualisierte Neuauflage kostet Geld, das viele Betreiber und manch ein Clubvorstand lieber einsparen. Schliesslich sind die Mitglieder einer Anlage in der Regel ja bestens vertraut mit den örtlichen Gegebenheiten und so einen Aufwand nur für die Greenfeegäste zu betreiben, das lohnt sich oft nicht.

In der Regel sind die Bücher zwar liebevoll, aber in Bezug auf die Zweckmässigkeit einfach schlecht gestaltet und stiften mehr Verwirrung als Hilfe zur Spieltaktik. Als Golferin einerseits und Grafikdesignerin andererseits habe ich mir schon millionenfach den Kopf zerbrochen, wie man es besser machen kann. Da Entfernungsmesser, ob Laser oder GPS, immer mehr in Mode kommen, prophezeie ich dem Birdiebuch jedoch ein baldiges Ende. Dennoch möchte ich hier in loser Folge ein paar gelungene und weniger gelungene Exemplare vorstellen und dem interessierten Leser verdeutlichen, warum ich diesen Werken oft so skeptisch gegenüberstehe.

Beginnen möchte ich mit einem hübschen Exemplar in etwas ungewöhnlichem Format des Golf-Clubs St. Dionys, einem wunderschönen, spielerisch anspruchsvollen Heideplatz mit viel Wasser und altem Baumbestand. Es ist einer meiner Lieblingsplätze, ohne Frage. Der Platz wird gerade umfassend neu gestaltet und es wird sicherlich wieder ein neues Birdiebook geben, wenn die Umbauarbeiten abgeschlossen wurden. Insofern will ich hier nicht auf einem Mangel an Aktualität herumhacken, das wäre unfair. Aber vielleicht gelingt es mir auch so, die Schwachstellen herauszustellen:

Wir sehen eine Luftaufnahme des vierten Lochs, einem Par 5. Das HCP 1 oben heißt, daß dieses die schwierigste Bahn des Platzes ist. Die Längenangaben für die einzelnen Abschläge sind prominent angegeben, man sieht auf den ersten Blick, daß die Bahn recht eng ist (links und rechts hohe Bäume) und in der designierten Landezone für den Abschlag man links von einem Bunker und rechts von einem Teich bedroht wird. Was ich hier nicht erkennen kann (nur vor Ort), ist, daß die gesamte linke Seite (der Wald) als Aus deklariert ist; mich ein Hook also garantiert einen Strafschlag und Distanzverlust kosten wird. Die Abschläge selbst sind auch nicht mit aufgenommen. Etwaige Höhenunterschiede, oder ob das Fairway in eine Richtung „hängt“ kann ich nicht erkennen.

(Diejenigen meiner Leser, die hier lesen aber kein Golf spielen (bless your hearts) und jetzt langsam glasige Augen bekommen, dürfen gerne weiterblättern oder, noch lieber, ihre Fragen in die Kommentare schreiben. Ich werde versuchen, so gut es geht zu antworten.)

Die erste Entfernungsangabe findet sich zum hinteren Ende des zweiten Fairwaybunkers auf der linken Seite. Von da aus gesehen sind es noch 110 Meter bis zum Anfang des Grüns. Das Grün selbst ist 39 Meter tief. Ob es sehr onduliert ist kann ich nicht erkennen; für die meisten Clubgolfer mit mittlerem Handicap dürfte das auch keine große Rolle spielen. Aber es wäre dennoch schön, wenn man etwas mehr Information bekäme, wie man die Fahnenposition denn am besten anspielen soll. Das Grün selbst ist in sechs Zonen eingeteilt, vor dem ersten Abschlag steht eine Tafel, auf der angegeben ist, welche Fahnenposition denn heute gesteckt ist. Das ist besser als gar keine Information, aber vergleichbar mit einer Ansage wie „der Bus fährt dreimal am Tag, außer am Wochenende“. Im Zweifel kostet einen das eine Menge Schläge (bzw. unnötige Wartezeit).

Was meint Ihr? Insbesondere die Golfer unter Euch – findet Ihr diese Seite hilfreich? Was fehlt Euch an Informationen? Was würdet Ihr anders machen?

Ein Juninachmittag auf Gut Kaden

  • Veröffentlicht am 18th Juni 2011,
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Wenn man so sieht, was die Jungs bei den U.S. Open gerade so machen, kriegt man natürlich Lust, selbst auf den Platz zu gehen. Nach Tagen am Schreibtsich brauche ich dringend Bewegung, aber bei uns im Club finden an diesem Wochenende die Deutschen Seniorenmeisterschaften statt und der Platz ist über drei Tage für den normalen Spielbetrieb gesperrt. Dankenswerterweise gbt es aber das Angebot befreundeter Clubs, für ermässigtes Greenfee bei ihnen aufzuteen. Ich verabrede mich rasch und um 12 Uhr gehen wir auf Gut Kaden auf die Runde. Just in diesem Moment giesst es in Strömen, aber es ist nur eine Wolke, gleich wird es wieder hell. Auf der 7 erwischt uns noch eine Wolke, aber die Sonne folgt ihr auf den Fuß. Ich gehe über die 8 und erinnere mich an den heißen Sommertag vor fünf Jahren, als ich hier den Scorer für die Profis machte (nachzulesen hier).

An der 13. Bahn (wo sonst?) ist aber Schluss mit lustig: Blitze zucken über uns und es donnergrummelt. Bei Gewitter lange, stählerne Eisenstäbe auf freiem Feld gen Himmel zu recken, umgeben von Wasser und hohen Bäumen – das scheint uns alles in allem kein kluger Zug zu sein und wir eilen mit mulmigem Gefühl zum Clubhaus. Dazu müssen wir natürlich durch eine lange Allee und vorbei an jeder Menge Wasser, aber wir schaffen es gerade rechtzeitig, bevor der Himmel seine Schleusen öffnet.

Puh! Gerade noch rechtzeitig reingekommen. Auf dem Handyfoto kann man es nicht ganz so gut erkennen, aber auf dem unteren Bild giesst es gerade, als würde es morgen verboten. Der nette Clubsekretär tröstet mich mit einem großzügigen 9 Loch Regengutschein über den Abbruch der Runde – für’s nächste Mal. Das hätte ich nun allerdings überhaupt nicht erwartet und bin entsprechend gerührt. Ich werde das Angebot gern nutzen, denn den A Kurs dieser sich aktuell in sehr gutem Pflegezustand befindlichen 27-Loch-Anlage kenne ich nicht besonders gut. Beim nächsten Mal bringe ich aber hoffentlich sonnigere Fotos mit!

 

Oh, oh, oh … noez! Die Golf Boys sind im Haus!

  • Veröffentlicht am 15th Juni 2011,
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Morgen beginnen die U.S. Open, eine todernste Angelegenheit. Aber für heute darf gelacht werden. Hunter Mahan, Rickie Fowler, Bubba Watson und Ben Crane sind vier Top U.S. Golfer, die sich zusammengeschlossen und zu Charityzwecken eine Boy Band ins Leben gerufen haben. Alle vier können weder singen noch tanzen noch sind sie, mit Ausnahme von Fowler vielleicht, sonderlich fotogen, aber sie haben eine Menge Humor, sind sichnicht zu schade dafür, sich zum Affen zu machen und blöde Sprüche zu kassieren, falls sie diese Woche beim zweiten Major Turnier der Saison, den U.S. Open, (unwahrscheinlicherweise) den Cut nicht überleben und vorzeitig die Heimreise antreten müßten. Sie sind sozusagen das Pendant zu Justin Timberlake: Er ist ein Supertänzer und passabler Musiker, der sich auch recht wacker auf dem Golfplatz schlägt. Die Jungs hier sind Top Golfer, die … äh … aber seht selbst:

Es ist ein wenig wie ein Auffahrunfall auf der Autobahn – man kann nicht hin- und nicht wegsehen. Hunters weiches, weißes Bäuchlein schwabbelt unter seinem Pelz, Bubbas Latzhose verdeckt dankenswerter Weise das Schlimmste, zeigt aber dennoch mehr, als man sehen will. Rickie Fowler in Lederhosen? Schlag’ still mein klopfend Herz! Und Ben Crane… nun, er trägt den Helm wohl nicht umsonst. Ich freu’ mich aufdie U.S. Open. Und bin gespannt, ob den Europäern eine Replik auf die Nummer einfällt – am besten allerdings auf dem Rasen.

Cool Hand Luke

  • Veröffentlicht am 6th Juni 2011,
  • veröffentlicht von

Luke Donald hat den Ruf des europäischen Weicheis, des Mr. Nice Guy, des Typs der einfach kein „Closer“ ist und den Sack zumachen kann wenn es ums Ganze geht, erfolgreich abgelegt. Der blonde Brite mit den untadeligen Manieren, der Kunstgeschichte studiert hat, Weine sammelt und immer so aussieht, als würde er Blumen essen und dessen Pups nach Rosen duftet – er ist nunmehr Weltranglistenerster, führt im FedEx Cup, im Race to Dubai und in der Order of Merit Liste. Sein Killerinstinkt, mit dem er auch im Matchplay und besonders im Rydercup jeden Gegner vor Schreck lähmt, schützt ihn jedoch nicht vor U.S-amerikanischen Prohibitionsriten:

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Mit Mitte dreissig nach einem Ausweis gefragt zu werden, wenn man ein Glas Wein bestellt? Only in America!

Die Golf Lounge Hamburg

  • Veröffentlicht am 1st Juni 2011,
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Es gibt sie jetzt schon ein paar Jahre, die Golf Lounge Hamburg. Hinter dem selten dämlichen Namen (Golf ist Sport und Lounge steht für ausruhen, danke, genau das braucht dieser Sport: noch mehr Leute, die denken da gehen nur reiche Rentner spazieren, die anschließend in tiefen Ledersesseln Whisky-Sour süppeln!) steckt ein gar nicht mal so blödes Konzept. Wer schon in Japan oder US-Großstädten war, oder das remake von The Italian Job gesehen hat, kennt das vielleicht: In Abschlagskäfigen auf mehrere Stockwerke übereinander verteilt stehen Golfer wie Hühner in der Legebatterie, um ein Ei einen Rangeball nach dem anderen auf einen schmalen, flutlichtbeleuchteten Streifen Kunstrasen zu schlagen. Hinter ihnen stehen Sessel und Tische für die mitgebrachten Freunde oder anderen Wartenden, wo gechillt und  gelounged werden darf, was man auch unschwer an der Fahrstuhlmusikauswahl erkennen kann. Man kann Bierchen bestellen, Sandwiches etc. und darf rauchen. (mehr …)

Projekt 52/20

  • Veröffentlicht am 29th Mai 2011,
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Eigentlich will ich im Rahmen dieses Projekts ja nur ein gelungenes Foto pro Woche veröffentlichen, das auch aus ebenjener Woche stammt. Aber Regeln sind dazu da, um Ausnahmen zu machen. Die Fotos diese Woche sind vom technischen Standpunkt betrachtet nicht sonderlich gelungen, aber bilden zumindest ein Ereignis dieser Woche ab: Meine frühmorgendliche Runde, zwischen 06:00 und 08:00 Uhr über meinen geliebten Golfplatz. Dort sieht man Rehe, Bussarde, Spechte, Hasen und Kaninchen zwischen Heide, Kiefern, Birken und natürlich Sandhindernissen (Bunkern) und Grüns. Außerdem trifft man gelegentlich auf einen Greenskeeper, der mit der Platzpflege beschäftig ist und netterweise die Rasensprenger abstellt, wenn er mich rechtzeitig sieht. Was man nicht oder nur extrem selten sieht: einen oder gar mehrere andere Golfer.

Ich hatte nur die qualitativ eher suboptimale iPhone (3G) Kamera mit, aber konnte ein kleines Bisschen diese schöne und friedliche Atmosphäre einfangen.

Was man hier natürlich null erkennen kann: Auf dem Pfad durch die Heide, unterhalb des 12. Abschlags etwas links vom Bildmittelpunkt, steht ein Reh und beäugt mich misstrauisch.

Auch hier wieder ein Reh (ein anderes), das sich in der Heide neben dem 11. Grün sonnt und aufmerksam zu mir herübersieht.

Kurz nach links geblickt und ich sehe noch ein Reh, das sich zwischen Bahn 14 und 17 bewegt. (Nein, ich habe die Kamera nicht schief gehalten, die 14 geht bergauf!)

Noch ein Blick auf die 13. Links neben dem Bunker steht, welch’ Überraschung, ein Reh – übrigens fast genau an derselben Stelle, an der mich Stefan im Winter fotografiert hat.

Ich stehe an derselben Stelle wie beim vorangegangenen Bild, nur blicke ich nach rechts über die Heide auf die soeben erfolgreich mit Par abgeschlossene 12. Bahn.

… uuuund einmal nach links geguckt.

Und noch ein Reh. Dieses flitzt quer über die Kuppe der 17. Bahn.

Wie gesagt, keine fotografischen Meisterleistungen, eigentlich alles Bilder, die ich sofort wieder gelöscht hätte. Aber zusammen ergeben sie für mich eine schöne Momentaufnahme eines schönen Morgens.

Der Ryder Cup 2018 findet in Frankreich statt.

  • Veröffentlicht am 18th Mai 2011,
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Gestern wurde über die Vergabe des Austragungsorts für den Ryder Cup 2018 entschieden und es ging darum, das zweite Mal in der Geschichte des Turniers einen Austragungsort auf dem europäischen Kontinent zu finden. Im Rennen waren Portugal, Spanien, Holland, Deutschland und Frankreich und den Zuschlag bekam – wenig überraschend für jeden, der sich ein paar Minuten mit der Materie auseinandergesetzt hat – Frankreich.

Von den fünf Ländern hat einzig Frankreich bereits einen für die Austragung des größten Spektakels im Golfsport geeigneten Platz, den „Le Golf National“ nahe Versailles, der auch schon bald 20 Jahre Austragungsort French Open ist. Der Platz für einen Ryder Cup muß nicht nur vom Layout für den Wettbewerb her interessant und anspruchsvoll gestaltet sein, sondern auch die unfassbaren Mengen an Zuschauern und Medienvertretern aufnehmen können und überhaupt von der Infrastruktur eine Toplage haben. In den Ländern der Mitbewerber muß so ein Platz im sog. „Stadion Layout“ erst noch gebaut werden; Deutschland ging mit einem geplanten Bau in Bayern ins Rennen. Spanien, Holland und Portugal hätten erst noch massiv investieren müssen. Daß Portugal aktuell wohl drängendere wirtschaftliche Fragen beantworten muß, dürfte bekannt sein. Und insgesamt kann ich die Kommission nur dazu beglückwünschen, hier auf Sicherheit gesetzt zu haben.

Frankreich hat die explizite, volle Unterstützung der Politik, Bevölkerung und Wirtschaft. Der Golfsport hat in Frankreich eine lange Tradition und das Land ist auch sehr eng mit der European Tour verbunden; eine beeindruckende Zahl von professionellen Golfevents dort sprechen eine beredte Sprache. Auch die Anzahl der erfolgreichen französischen Golfer auf der European Tour ist vergleichsweise hoch.

In Deutschland ist die Unterstützung der Politik de facto nonexistent; gesellschaftlich ist der Golfsport nach wie vor ein als elitär verschrieener Randgruppensport. Es gibt rund 610.000 im Verband organisierte Golfer hierzulande. Das ist deutlich mehr als zu der Zeit, als ich mit dem Golfsport anfing (42.000), aber immer noch viel weniger weniger als Sportschützen, Tischtennisspieler oder Sportfischer; von Fussballern, Leichtathleten oder Handballern ganz zu schweigen. Turniere der European Tour finden kaum noch hierzulande statt; die BMW International Open in München Eichenried ist das letzte verbliebene; in der zweiten Klasse gibt es ein paar Challenge Tour Events, aber alles in allem ist das eher dürftig.

Die erfolgreichsten deutschen Golfer der letzten dreissig Jahre heißen Bernhard Langer und Martin Kaymer. Langer hat fraglos sehr viel für den Golfsport getan und war im Ryder Cup sowohl als Spieler als auch als non-playing Captain für Europa extrem erfolgreich. Allerdings lebt er in Florida und spielt er seit Jahrzehnten in erster Linie in den USA auf der PGA Tour (inzwischen auf der Senioren- bzw. Champions Tour). Martin Kaymer spielt aktuell in der Weltspitze und war mit dem letzten Ryder Cup Team für Europa erfolgreich, lebt aber inzwischen auch schon länger in den USA und spielt vorwiegend auf der US Tour. Es gibt noch weitere deutsche Profigolfer, z.B. Alex Cejka, der seit Jahren meist mittelmässig aber ausschließlich in den USA spielt und dort jedes Jahr um seine Tourkarte kämpft und Marcel Siem, der zwar in Europa spielt, aber auch alles in allem eher unter „hat auch teilgenommen“.

Und dann ist da noch die Frage nach dem Sponsorenklüngel. Kaymers Sponsor heißt BMW; nicht zuletzt deshalb hat er sich vermutlich vornehm zurückgehalten in Sachen lautstarker Unterstützung der deutschen Bewerbung. Die wird nämlich von Audi gesponsort. „Das ist alles nicht zielführend“ hätte mein alter Lieblingsdozent gesagt.

Im Vorfeld gab es auch eine Reihe von Bewerbervideos. Ich will hier nur die beiden von Deutschland und Frankreich gegenüberstellen. Das Video unserer Nachbarn hat das gewisse je-ne-sais-quois, das vielleicht nicht ausschlaggebend für den Sieg war, aber doch eindrucksvoll den Unterschied zwischen gut gemeint und gut gemacht demonstriert. Voilà:

Und dagegen das deutsche Bewerbungsvideo:

Tja.

These Guys Are Good!

  • Veröffentlicht am 16th Mai 2011,
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Mitte der Neunziger hatte die PGA Tour eine Reihe von wunderbaren Werbespots am Start, deren gemeinsames Motto „These Guys Are Good“ war. Mein Favorit war der Clip hier oben mit Sergio Garcia (habe ich schon früher mal verbloggt, ist dann aber bei irgendeinem meiner Horror-Wordpress-Updates im Datennirvana gelandet), aber es gab noch welche mit Brad Faxon und David Toms. Den Faxon Clip kann ich nicht finden, aber David Toms, der ja gestern im Playoff gegen K.J. Choi den Sieg bei den Players Championships verpasste, zeigt hier ganz gut, warum er so gut ist: üben, üben, üben:

Sergio, damals Nummer 2 der Weltrangliste, hat später allerdings noch in einigen weitere Clips mitgespielt, für die Michelob Ultra Bierplörre. Vielleicht hat ihn das Zeug vom Siegen abgehalten?

Jedenfalls freue ich mich sehr, daß sowohl David Toms als auch Sergio Garcia, der mit seinem geteilten 12. Rang bei den Players Championships einen großen Schritt in Richtung der Top 50 der Weltrangliste gemacht hat und hoffentlich einer Qualifizierung für die U.S. Open nächsten Monat entkommen kann, wieder auf dem Weg nach oben sind. :-)

Projekt 52/18

  • Veröffentlicht am 9th Mai 2011,
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The Open, St. Andrews 1984: Mit 69-68-70-69=276 bleibt Seve Ballesteros alle vier Runden unter Par und gewinnt seinen zweiten Claret Jug.

Ich spiele sehr gern, wenn auch nicht mehr sehr häufig mit diesem Satz, den Seves Ausrüster Slazenger (damals ein Schwergewicht in Sachen Golfequipment) anlässlich dieses Sieges in limitierter Auflage herausbrachte. Heute habe ich ihn für den Monatsknopf am Sonntag frisch geputzt. Unter Par werde ich wohl nicht bleiben, aber sicher unter 276.

Fit – fitter – gefitted: Materialschlachten im Golf

  • Veröffentlicht am 9th Mai 2011,
  • veröffentlicht von
Fit – fitter – gefitted: Materialschlachten im Golf

Seit ein paar Jahren gibt es einen neuen Trend auf den Fairways der Republik: „gefittete“, also auf den Schwung und die Körpermaße des Spielers zugeschnittene, Golfschläger. Ich stamme ja aus einer Zeit (frühes Paläozoikum), als die Eisen schmal wie Messerklingen, eben Blades, und die Hölzer, nunja, Hölzer waren. Immerhin schon mit Stahlschäften. Aber auch mein allererster Schlägersatz war bereits gefitted: Er bestand aus Holz 3, Holz 5, Eisen 3-5-7-9-PW-SW und einem Putter. Schlägern, die der Pro auf meine Kindergröße höchstselbst zurechtsägte und mit neuen Ledergriffen umwickelte. Mein Vater fragte, was die Extraarbeit kosten solle. Der Pro wehrte entrüstet ab: Die Schläger müssen der jungen Dame doch passen, no Señor? Ich herzte meine neuen Babies und den besten Papa von allen und ging auf die Driving Range. Meine Schläger waren super, ich war quasi unbesiegbar und ich hatte ja gar keine Ahnung, daß man mit solchen Krücken eigentlich gar nicht spielen kann. Weshalb ich damit vermutlich fortan auch ziemlich erfolgreich spielte.

Zubehör gab es aber natürlich schon damals: Zum Beispiel Bälle, sogar in zwei verschiedenen Größen, der gebräuchlicheren englischen und der (natürlich) größeren amerikanischen Größe, die heute weltweit das Standardmaß für Golfbälle ist. Man konnte sie einzeln kaufen, in Dreierpacks, oder gar im Dutzend. Ich kaufte sie am liebsten einzeln, denn dann waren sie in bunt bedrucktes Pergamentpapier gewickelt, wie heute noch manchmal die Clementinen im Winter. Sie waren von Hogan, Slazenger oder Penfold und ich liebte es, sie auszuwickeln und das Papier glattzustreichen (wir hatten ja nichts).

In einem großen Bonbonglas auf dem Verkaufstresen lagen Holz- und neumodische Plastik-Tees in bunten Farben. Für 50 Pfennige (im spanischen Proshop für 10 Pesetas) bekam man so viele, wie man beim einmaligen Hineingreifen festhalten und aus dem Glas ziehen konnte. Ich durfte natürlich zweimal hineingreifen, denn die geringe Größe meiner Kinderhände sollte mir nicht noch mehr zum Nachteil gereichen, wenn mir schon kein Handschuh passte. Ja, die ersten Jahre spielte ich ohne Handschuh, denn in Kindergrößen gab es keine und selbst um Damengrößen zu bekommen mußte man schon sehr suchen. Die englische Maxime „No dogs, no ladies allowed on the course“ war noch recht präsent in den Köpfen der meisten Golfer.

Eine Schlägertasche gab es allerdings selbstredend zum Kauf eines Schlägersatzes dazu. Meine war aus rotem, schwarz absesetzten Kunstleder, mit einem breiten Tragegurt und einer anknöpfbaren Regenhaube, die in der großen Seitentasche lag. Sie wog schon leer gefühlte Tonnen und war fast so groß wie ich. Ein Wägelchen bzw. Trolley fiel natürlich völlig aus. Das war etwas für alte Leute, die zu arm oder zu geizig für einen Caddie waren. Kinder hatten ihre Schläger gefälligst selbst zu tragen, wäre ja noch schöner! Überhaupt: Kinder auf dem Platz? Höchstens als Caddies, und natürlich nur die Jungs.

Meine ersten Schläger: Slazenger Jean Donald Signature Blades, auf meine Größe zurechtgesägt. Eisen 7 und 5 sind die letzten Mohikaner dieses Satzes.

Wenn man diese Geschichten heutzutage jemandem erzählt, der mit dem Verkauf von Golfschlägern bzw. Schlägerkomponenten verdient, dann erntet man bestenfalls einen mitleidigen Blick: „Du armes! Ihr hattet ja wirklich nichts!“. Wer heute mit Schlägern von der Stange spielt, die keine besonderen, frequenzmäßig aufeinander abgestimmten Schäfte mit dem passenden Flex, oder austauschbare Gewichte in den Schäften und Köpfen haben, damit man einen Slice oder Draw im Schwung kompensieren kann, der kann ja gar nie runterkommen von seiner Clubvorgabe! Völlig unmöglich! Mit Blades und Persimmonhölzern zu spielen, statt mit Eisen der Größe und Form von Bratpfannen und honigmelonengroßen Hölzern aus pulverbeschichtetem Carbon-Titan-Gemisch, die im Treffmoment den Sound einer leeren Blechdose abgeben, das kann nur schief gehen. Wahrscheinlich ist das auch gar nicht mehr erlaubt und falls doch, sollte man es verbieten. Und seinen Kindern nicht jede Saison alters- und körpergrößengerechte Schläger von U.S. Kids oder Nike Junior zu kaufen, die sie dann in maximal 1 kg schweren, orthopädisch korrekt angepassten Tragetaschen natürlich mittels Trolley (in Kindergröße) über den Platz ziehen … das grenzt an Kindesmißhandlung, echt jetzt mal!

Man muß das Rad nicht neu erfinden. Man muß sich das Leben aber auch nicht unbedingt schwerer machen, als es ohnehin schon ist. Einem Fussballspieler unserer Zeit die Lederbotten der legendären Helden von Bern anzuziehen und ihn damit auf den Platz zu schicken, das käme ihm vermutlich vor als spielte er in Skistiefeln. Material wird nun einmal stetig weiterentwickelt, wird verbessert, es gibt unnützen Schnickschnack und sinnvolles Zubehör, egal in welchem Bereich und in welcher Sportart. Auch ich spiele inzwischen meist Eisen mit Cavitybacks und Graphitschäften, bin froh über leichtgewichtige Taschen und, ja, einen Trolley nutze ich inzwischen auch oft.

Dennoch hat sich nicht nur mein Spiel, sondern ganz generell das Spiel des durchschnittlichen Amateurhackers in den vergangenen Jahrzehnten nicht signifikant verbessert. Denn natürlich liegt es nicht am Material, sondern immer am Spieler. Der ist entweder ein Naturtalent oder aber kompensiert eine Minderbegabung durch enormen Fleiss, wenn er denn erfolgreich spielen will. Modernes Equipment ist schön und gut, aber kein perfekt angepasster, maßgeschneiderter 600€ teurer Driver kann Wunder bewirken, wenn er nicht gelegentlich mal zum Üben auf die Driving Range ausgeführt wird. Die sagenumwobenen Abschlagsweiten von 300 Metern, die heutzutage oft selbst komplett talentbefreite Amateure mit billigen Anfängerschlägern erzielen, verdanken wir in der Hauptsache dem modernen Golfball. Der ist in der Tat in den letzten dreissig Jahren de facto technisch neu erfunden worden und hat, außer der Optik und der (amerikanischen) Größe, wirklich nichts mehr mit seinen Vorgängern gemeinsam.

Andererseits glaubt hoffentlich niemand ernsthaft, daß seine Schläger mehr als nur oberflächliche Ähnlichkeiten mit denen des Tourprofis besitzen, der sie in doppelseitigen Hochglanzanzeigen mit seinem Konterfei bewirbt. Ja, Martin Kaymer spielt jetzt nicht mehr Titleist sondern TaylorMade Schläger. Jedenfalls klebt das TaylorMade Logo auf seinem Material. Tatsächlich wird er wohl eher maßgeschneiderte Stecken aus einer japanischen Edelschmiede wie Miura u.Ä. spielen. Aber er hat die nötige Kombination für den Erfolg: Talent, gepaart mit Fleiss und Ehrgeiz. Dann können gefittete Schläger die Kirsche auf der Sahnetorte sein.

Die wirklich guten Fitter kann man wohl an einer Hand abzählen. Im Hamburg und Umgebung ist mir keiner bekannt. Ja, es gibt einen grossen Golfspezialisten in der Stadt, der nicht nur Material von der Stange verkauft sondern mit Fittingangeboten und Schlägerbau wirbt. Im vergangenen Jahr hat er den Betrieb des Proshops in meinem Club übernommen. Ich werde hier keine Namen nennen, weniger zu meinem Schutz, als zu seinem. Ich möchte hier nur eine Unterhaltung schildern, die ich unlängst mit einem seiner Mitarbeiter hatte:

Ich: „Ist es möglich oder sinnvoll, neue Schäfte in diese Köpfe zu stopfen? Die jetzigen fühlen sich irgendwie schwammig an, die sind mir etwas zu weich.“
Er (besieht sich mit kaum verhohlener Verachtung die uralten Eisen aus der Vorsaison): „Das lohnt sich nicht. Das wäre teurer als gleich ganz neue Schläger zu bauen. Wie weit schlagen Sie denn so Ihr Eisen 7?“
Ich: „Im Schnitt etwa 120 Meter weit.“
Er: „Das ist zu kurz, diese Schäfte sind viel zu steif für Sie.“
Ich: „…“

(Für die Nichtgolfer unter meinen Lesern sei an dieser Stelle angemerkt, daß 120 Meter mit einem Eisen 7 der durchschnittlichen Schlaglänge eines männlichen Golfers mit mittlerem Handicap (18-24) entsprechen. Die Pros schlagen durchschnittlich 30-40% weiter. Die Damen liegen damit meist bei Schlagweiten um die 100 Meter.)

Es muß sie geben, die wirklich guten Fitter, das sagt schon die Statistik, aber, herrje! Es gibt im Internet diverse Seiten, auf denen man ein Standardfitting (oh, the irony!) durchführen kann, bevor man dann dort blind Schläger bestellt, die man gemeinhin nicht umtauschen kann, weil sie ja schließlich massgeschneidert wurden. Da gibt man dann seine Körpergrösse, Alter, Gewicht, Geschlecht und den Abstand zwischen Boden und Handgelenk an. Außerdem noch, ob man für einen Schlag um die 120 Meter eher ein Eisen 7 oder eher ein Eisen 6 oder 5 wählt. Am Ende kriegt man dann irgendwas um 1″ kürzer oder länger und 2 Grad verbogen heraus und dickere oder dünnere Griffe als normal werden auch aufgezogen. OK, wer darauf reinfällt, der spielt wohl auch mit Entfernungsmesser, GPS und Zählkette und hat es dann auch nicht anders verdient, als so für dumm verkauft und abgezockt zu werden. Andererseits: Der Glaube versetzt bekanntlich Berge. Wer denkt, er habe das perfekte Material und könne nun gar nicht anders als zu gewinnen, der wird das vermutlich auch tun – jedenfalls für eine kleine Weile, bis die Flitterwochen mit dem neuen Material vorbei sind.

Wer sich etwas Gutes tun will, spart sich das Geld fürs Fitting, kauft einen Satz Schläger bei Tchibo und investiert das gesparte Geld in zehn bis zwanzig Unterrichtsstunden. Das hat mehrere Vorteile: Diese Schläger klaut einem garantiert so bald niemand. Man lernt einen sauberen Schwung und vielleicht sogar gutes Course-Management vom Pro. Der Pro liebt einen und verrät einem Tricks, die er den zweimal-im-Jahr-Vorbeikommern nicht erzählt. Die Gegner beim Clubmatchplay unterschätzen einen, weil man mit einem Billigset unterwegs ist. Man hat sogar noch etwas Geld für die aktuellen Decisions on the Rules of Golf übrig (unterhaltsamer Schmöker). Der Nachteil: Man muß ein gesundes Selbstbewußtsein haben.

The name of the game? It’s the survival of the fittest!

Der König ist tot, es lebe der König!

  • Veröffentlicht am 7th Mai 2011,
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Er war am Beginn seiner Karriere, als ich mit zehn Jahren in Spanien das Golfspielen kennen- und lieben lernte. Plakate mit seinem Schwung, dem berühmten „Reverse-C“, hingen im Proshop des noch neuen, relativ unbekannten spanischen Clubs Los Naranjos, auf dessen Platz ich 1979 mein erstes Handicap -36 erlangte. Zeitschriften mit seinem Schwung und Berichten über den sensationellen geteilten zweiten Platz des  damals 19jährigen Spaniers bei den Open in Royal Birkdale 1976 lagen herum und ich war fasziniert. Er war so jung, sah unverschämt gut aus, hatte ein strahlendes Lachen und seine ganze Ausstrahlung besagte: „Ich gewinne hier heute und morgen und übermorgen wieder.“

Er gewann  insgesamt fünf Majors und niemand spielte so inspirierend, so beflügelnd, so atemberaubend wie Seve. Er war beliebt in einem Land, in dem Golf in der öffentlichen Wahrnehmung keine große Rolle spielte und änderte das fast im Alleingang, gleich für den restlichen europäischen Kontinent mit. Wenn der Ryder Cup heute den Stellenwert hat, den er hat, dann dank Severiano Ballesteros und seines feurigen Spiels, auch in Partnerschaft mit seinem Landsmann José-María Olazábal. Die spanische Armada versenkte jeden US-Gegner. Er war unbestritten der Größte der ersten goldenen Generation der eurpäischen Golfer: Faldo, Langer, Woosnam, Lyle, Ballesteros – Seve hatte den Charme eines Arnold Palmers, die Kraft und Dynamik eines Jack Nicklaus, das Selbstbewußtsein und die Arroganz eines Tiger Woods. „Ich war lange vor Tiger Woods Tiger Woods“ hat er einmal gesagt.

Sein dynamischer Schwung ruinierte ihm schließlich den Rücken und ließ ihn in der Weltrangliste ins Bodenlose trudeln. Viele belächelten seinen Optimismus, es wieder nach ganz oben zu schaffen. Wann wird aus einer positiven „ich schaffe das“-Einstellung Selbstbetrug? Wer zu spät geboren wurde und Seve nie in seiner Blütezeit spielen sah, wird den Rummel um diesen Mann nicht verstehen und hatte nur Kopfschütteln für seine dickköpfige Selbstdemontage auf dem Platz übrig. 2007 erklärte er schließlich seinen offiziellen Rücktritt vom professionellen Golf.

Wer heute über Mickelsons in der Tat phänomenales kurzes Spiel staunt, hat vermutlich nie Seves Magie erlebt. Mein Ballmarker ist eine Gedenkmünze anlässlich seines Sieges bei den Open in St. Andrews 1984, als er wohl auf dem Höhepunkt seiner Karriere war. Seine Kreativität kannte keine Grenzen, und obwohl er selten regulär das Fairway traf, zauberte er Schläge aus aussichtlosen Lagen tot an den Stock oder wenigstens aufs Grün. Als Junge hatte er heimlich nachts auf dem Golfplatz seiner Stadt geübt, auf dem er als Caddie nicht spielen durfte. Da er nur ein Eisen 3 besaß, spielte er eben damit jeden Schlag. Mit dem Sand Wedge kommt ja jeder aus dem Bunker, aber mit einem langen Eisen? Als er diesen Trick den Jungs auf der Tour zeigte, erntete er nur ungläubiges Staunen.

Ich sitze hier und mir tropfen nur so die Tränen auf meine Tastatur. Ich habe nicht wegen Seve mit dem Golfspiel angefangen, aber er war der prägende Spieler meiner Kindheit und Jugend und in jeder Hinsicht mein Vorbild auf dem Platz. Für mich ist und war er der faszinierendste Golfer aller Zeiten. Ich würde ohne Seve nicht so spielen wie ich heute spiele: aggressiv, immer optimistisch, gelegentlich katastrophal, gelegentlich beseelt, nur leider ohne das Talent und die Erfolgsbilanz meines Idols. Wenn mein Ball unmöglich im Wald liegt oder im Rough, dann schicke ich ein Stoßgebet zum Himmel: „Heiliger Seve, verlaß’ mich jetzt nicht!“. In letzter Zeit brauchte er seine Kraft jedoch selbst. 2008 wurde bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert, er ertrug stundenlange OPs und Chemotherapie und kämpfte um jeden Tag wie früher ums Par. Letzte Nacht verstarb er im Alter von nur 54 Jahren.

Der König ist tot, es lebe der König!

Noch einmal mit Gefühl!

  • Veröffentlicht am 2nd Mai 2011,
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Es ist schon eine Weile her, daß ich auf der anderen Elbseite Golf gespielt habe. Zu meinen Lieblingsplätzen jenseits der Elbe zählt der Golfclub Deinster Mühle e.V. . Da muß man als Hamburger schon hin wollen, denn er liegt nicht eben am Wegesrand. Etwas mehr als 50 km fährt man schon, aber die Reise lohnt sich, ganz besonders Sonnabends früh, wenn man fast allein auf den Straßen ist. Fast jeden Sonnabend findet in Deinste ein Sunrise-Turnier statt. Ab 08:00 Uhr, im Winter ab 09:00 wird vorgabewirksam gespielt, gern auch mit Birdiekasse. Der Einsatz beträgt 2,50 € und der Pott wird unter allen Einzahlern, die ein Birdie gespielt haben, aufgeteilt. Wer ein Eagle spielt, kriegt den ganzen Pott – ein Feature, das mir vor Jahren einmal vergönnt war, und das ich wohl bei meinem augenblicklichen Spielstand so bald nicht wiederholen werde.

Aus einer Laune heraus meldete ich mich an. „Da geht was“, dachte ich. „Das hab’ ich im Gefühl!“

Die morgendliche Fahrt über die A7 bis Ausfahrt Heimfeld und dann über die Cuxhavener Straße, normalerweise ein Alptraum für jeden Autofahrer, gestaltete sich völlig entspannt. Nach rund einer Stunde bog ich auf den Parkplatz, der an diesem Wochenende mit weißen Gartenzeltlingen zugestellt war; es fand so eine Lifestyle-Messe statt, bei der man all den Krempel kaufen kann, den man gerade endlich erfolgreich bei eBay loswurde … aber um die frühe Stunde wurde dort natürlich noch nicht einmal aufgebaut. Ich wurde im Sekretariat wie das verlorene Schaf begrüßt das ich ja auch war (zwischen 2003 und 2009 habe ich dort gefühlt jeden zweiten Sonnabend verbracht) und nahm meine Scorekarte, Wasserflasche und die berühmte Sunrise-Banane in Empfang, die man auf der Runde als Halfway-Verpflegung schnabulieren kann und sollte: Insbesonders nach der letzten Winterrunde Mitte/Ende November wird die ja ganz gerne mal im Bag vergessen und sorgt dann im Frühjahr doch für eine Überraschung der fiesen Art.

Da die Driving Range einen gefühlte Tagesmarsch vom ersten Abschlag entfernt liegt, verzichtete ich auf das Warmschlagen. Die Windböen Stärke 8 machten mir sowieso wenig Hoffnung auf einen brauchbaren Score für den Tag, aber ich war ja ohnehin nur zum Spaß da. Das war mein zweites Turnier nach eineinhalb Jahren, alles andere als 20 Nettopunkte wäre ein Wunder.

Meine beiden Mitspieler, einen Herrn Mitte fünfzig und eine Dame, die höchstens fünf, sechs Jahre älter als ich sein konnte, wie ich im Geiste erschrocken überschlug, kannte ich nicht; wir begrüßten uns freundlich und machten uns auf den Weg. „Ich spiele einen XYZ Ball“, sagte der Herr, nachdem er sich gefreut hatte, den ganzen Tag über die Ehre des ersten Abschlags zu haben, da mit zwei Damen unterwegs. Ich sagte meine Ballmarke und -nummer an, rein höflichkeitshalber, denn schließlich muß man ihn ja nur im Falle des Falles identifizieren könne. „Aber im Turnier muss man ihn ja ansagen“, kam in sehr bestimmten Tonfall die Ansage von der Mitspielerin. Na, das konnte ja heiter werden.

Das nasse Grab zur Linken der ersten Bahn, das schon so manchen ersten Abschlag von mir gierig verschlungen hatte, hatte sich offenbar am Vorflight überfressen und ließ uns in Ruhe. Ich hackte mich so durch und hatte erstmals überhaupt an der dritten Bahn das Gefühl, tatsächlich so etwas ähnliches wie einen gelungenen Golfschlag produziert zu haben. Meine Freude währte nicht lange und bescherte mir am vierten Abschlag einen Luftschlag. Für die Nichtgolfer unter meinen Lesern (tapfere Helden!): Das heisst, ich habe zwar auf den Ball gezielt, aber drüber weggehauen. Der Ball lag noch hämisch lächelnd auf dem Tee. Das ist mir zuletzt ca. 1979 passiert. Der Schlag zählt natürlich, denn gezählt wird die Schlagabsicht – mit „äh, das war ein Probeschlag“ kann man zwar versuchen, sich und seine Mitschüler zu betrügen, aber das ist dann halt kein Golf.

Der Wind war nun wirklich sehr in Fahrt gekommen und wo ich bei einigen Löchern zwei Schläger weniger aufgrund des Rückenwinds benötigte (mit einem Pitching Wedge an der 8, einem für die Damen 119m langen Par 3, könnte ich normalerweise nur ans Vorlegen denken und würde niemals übers Wasser kommen), konnte ich auf den entgegengesetzten Bahnen fast zusehen, wie mir der in den Wind geschlagene Ball wieder entgegengeweht wurde. Hinzu kamen die natürlich in der Luft befindlichen Pollen, Gräser und der Pappelflausch, die wir einatmeten. Ich habe glücklicherweise keinen Heuschnupfen, aber war am Ende des Tages komplett fix und alle; mir tränten die Augen und meine Nase war trocken und blutete rasch. Ich danke meinem Schöpfer, daß ich keine solchen Allergieen habe, dann wäre es wohl essig für mich mit dem schönsten Sport der Welt.

Das sichere Hausfrauengolf, oft auch Nähmaschinengolf genannt (80m geradeaus – 80m geradeaus – 80 m geradeaus – pitch ran – putt rein zum Bogey)  ist meine Sache nicht, ich bin eher von der Tin Cup Fraktion. Das macht sehr viel Spaß, ist aber auch sehr risikobehaftet und mitunter auch teuer, wenn man mehr Bälle verliert als man findet. Aber wenn so ein Abschlag dann mal richtig knackig kommt und du schon im Treffmoment weißt, du musst gar nicht hochschauen, der fliegt endlos geradeaus, und die Mitspieler murmeln sowas wie heiligescheißedasgibtsjanichtwahnsinn – dann hat sich der Ärger gelohnt.

Am Ende standen 21 Netto auf der Karte, der CRW Wert lag natürlich bei +3 bei dem Wind und ich habe wieder einen Zehntelzähler mehr hinter der Vorgabe. Grauenhaftes Golf natürlich, aber was für ein schöner Tag!

Am Samstag ist bei uns zuhause im Club dann Pro Shop Cup. Da geht was, ich fühle es!

Tigergetwitter

  • Veröffentlicht am 2nd Mai 2011,
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Tiger Woods twittert ja schon länger, bzw. ein verifizierter Account namens @TigerWoods existiert schon seit längerem. Zum überwiegenden Teil meldete sich dort jedoch sein Management mit belanglosem blabla, so daß sich auch die Anzahl der Follower in verhältnismässig engen Grenzen bewegte. Dann gab es den legendären „ja, ich bin es wirklich Tweet“ und die Anzahl der Follower stieg sprunghaft an, wurde jedoch seither überwiegend enttäuscht. Twitter ist einfach nicht Tigers Ding und nicht seine bevorzugte Art der Kommunikation. Er ist halt kein Poulter, Westwood, Cink oder McIlroy und die Nähe zum Fan ist ihm suspekt. Aber nun, da er mal wieder verletzt herumsitzt und nichts zu tun hat, beantwortet er gerade ein paar Fan-Fragen. Nicht sonderlich spannend, aber allein daß er es tut, ist ein ziemlich großer Schritt für ihn. Er hatte gerade sein Comeback gestartet, er hat zwar noch eine Vielzahl unerschütterlicher Fans, aber viele andere Spieler und Fans haben ihn bereits abgeschrieben und die Sponsoren stehen auch noch nicht wieder Schlange, seit sie ihn einer nach dem anderen anlässlich des Sexskandals fallengelassen haben. Ja, ich halte es für eine gute Idee, sich über Twitter in Erinnerung zu bringen. Aber ich würde nicht all zu viel darauf wetten, daß sein persönliches Gewtitter, oder gar der Fandialog, von Dauer sein wird.

Denis meint ja, auch Kaymer würde von mehr Social Media Einsatz profitieren. Das sehe ich völlig anders, wie ich dort ja auch schon kommentierte. Kaymer hat genau einen Job zu erledigen: Sich auf erfolgreiches Golfspiel zu konzentrieren. Für alles andere hat er ein Management. Wenn er selbst kein Twittertyp ist – und obwohl er kurzfristig einen Account hatte, der sogar von Westwood und Poulter bejubelt wurde – so hat es wenig Sinn und Zweck, ihn dazu zwingen zu wollen. Offenbar ist er selbst auch rasch zum selben Ergebnis gekommen und hat den Account kurz darauf wieder stillgelegt. Daß er auch keine eigene Website hat, wird auch von Alexander bemängelt. Nun, was genau sollte dort zu finden sein?

Im Ernst: ohne echten Mehrwert ist eine eigene Website nur eine hübsche Tapete – dekorativ anzusehen, aber letztlich nicht wirklich wichtig im Hinblick auf die Statik des Hauses. Natürlich könnte man schöne Fotos, Sponsorenlogos und Tourergebnisse dort abbilden, aber die wirklichen Fans brauchen das eh’ nicht, weil bereits anderweitig bestens informiert, und der gelegentliche Golfer holt sich seine Informationen sowieso offline aus den Beilagen von FAZ, Welt am Sonntag oder der Sueddeutschen. Kaymer ist ein weltberühmter Golfer – was letzten Ende bedeutet, daß er im eigenen Land marginal interessanter ist als ein Rhönradturner und international erst interessant wird, wenn er mindestens drei Majors und ein paar US Turniere gewonnen hat. Inzwischen ist er nicht einmal mehr die Nummer 1 in der Welt (Westwood hat sich den Thron zurückerobert) und sein Management hat vermutlich dringlicheres zu tun, als Websites bauen zu lassen. Nicht falsch verstehen, ich verdiene mein Geld mit Digital Marketing und würde gern Kaymer in Sachen Social Web Aktivitäten beraten, aber ich habe (als großer Golf- wenngleich nicht Kaymerfan und nur milde an den Tourergebnissen interessiert) wirklich nicht den Eindruck, daß er dringend ins Internet muss.

Hamburgs Blogger

  • Veröffentlicht am 7th Dezember 2010,
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Hamburgs Blogger

Den Hamburger Fotografen Stefan Groenveld hatte ich ja neulich schon mal verlinkt; er hatte Isabel anlässlich seines Winterprojekts „Hamburger Blogger“ unterwegs im alten Elbtunnel portraitiert. Ich lese sein Blog schon sehr lange und bewundere vor allem seine spannungsgeladenen Sportfotos vom magischen FC oder den Hamburg Freezers. Insofern fühle ich mich sehr geehrt und war hoch erfreut, daß er mich in meiner natürlichen Umgebung, nämlich auf dem Golfplatz, portraitieren würde. (Also, meiner anderen natürlichen Umgebung … jenseits des Schreibtischs. (mehr …)

Ohne Worte

  • Veröffentlicht am 17th November 2010,
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I’ve already got a track record in this area. I helped Softspikes get started (it’s sold more than two billion non-metal cleats and saved millions in maintenance expenses), founded Laser Link Golf and helped get rangefinders legalized by golf’s ruling bodies, a tough fight we won after years of staying on the backs of the USGA and R&A.

Quelle: Rob O’ Loughlin auf golf.com

Der Mann, der sich hier damit brüstet, Softspikes und Laser-Entfernungsmesser auf den Golfplätzen dieser Welt zu festen Institutionen gemacht zu haben – zwei Dingen, die meiner Meinung nach niemandem nützen außer der Softspikesmafia und den Laser-Entfernungsmesser-Anbietern und im Gegenzug das Spiel ruinieren, will nunmehr das Loch vergrößern. #flippstevoelligaus #facepalm

Go, Team Europe!

  • Veröffentlicht am 27th September 2010,
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Am Freitag beginnt der Ryder Cup in Wales. Für die Nichtgolfer unter meinen Lesern: Das ist der Team-Vergleich zwischen den besten Golfern aus Europa und den U.S.A. Er findet seit 1927 alle zwei Jahre Ende September/Anfang Oktober immer abwechselnd in den USA oder auf einem europäischen Platz statt (das Ereignis wurde aufgrund der Anschläge vom 11. September 2001 kurzfristig ins darauffolgende Jahr verschoben) und ist ein Matchplay-Wettbewerb (Lochspiel). Das heisst, es geht nicht gegen den Platz, wie beim sonst im Profigolf üblichen Zählspielwettbewerb, sondern gegen den Gegner bzw. das gegnerische Team.

Golf ist eigentlich ein Einzelsport. Man kann sehr gut im Team spielen, und das wird ja auch auf Amateurebene eifrig betrieben – es gibt auch eine Bundesliga im Golf. Aber in erster Linie spielt jeder Golfer für und gegen sich selbst und den Rest der Welt, den Platz, die Elemente. Ich durfte ein paar Jahre für die Mannschaft meines früheren Clubs antreten und habe mich immer besonders zusammengerissen, meine Konzentration und meine Motivation in schwächeren Phasen  nicht davongleiten zu lassen, sondern für das Team noch um jeden halben Punkt zu kämpfen. Und natürlich war ich doppelt stolz auf jedes gewonnene Match. Ich gebe zu, dieses Gefühl fehlt mir etwas in meinem jetzigen Club, der sportlich so herausragend besetzt ist, daß ich dort selbst mit einem niedrigen einstelligen Handicap höchstens auf der Bank säße.

Aber für Profigolfer zählen eigentlich nur gewonnene Turniere: Möglichst viele sollten es schon sein, und natürlich möglichst viele Major-Turniere. Der Ryder Cup ist ein nettes Zubrot auf dem Kaminsims (im übertragenen Sinne, denn der Pokal ist ein Wanderpokal und rein ideologisch motiviert: Geld gibt es weder für den Spielantritt noch für den Sieg, allerdings verdient der jeweils austragende Platz ein Vermögen). Ich vermute mal im Tennis ist es ähnlich, wenn es um den Davis Cup geht.

Der Ryder Cup  ist dennoch, nach allem was man so hört und liest, für alle beteiligten Spieler etwas ganz Besonderes. Und es ist vielleicht auch keine echte Überraschung, daß die sonst erfolgreichsten Golfer dann  plötzlich im Team oft nicht ihre besten Leistungen abrufen können. Wahrscheinlich ist es auch nicht einfach, 51 Wochen im Jahr zähnefletschend bei jedem Turnier mit dem Rest des Feldes um den Sieg zu kämpfen und dann plötzlich mit einigen der wöchentlichen Konkurrenten einen Team Spirit aufzubauen. Was auf dem Papier nach guten Kombinationen aussehen mag, erweist sich in der Praxis dann als Fiasko: Unvergessen die Entscheidung des U.S. Kapitäns Hal Sutton 2004, die beiden führenden Golfer der Weltrangliste, Tiger Woods und Phil Mickelson, als Team rauszuschicken um den Europäern gleich mal klar zu machen, wer hier der Chef ist. Die beiden können sich jedoch absolut nicht riechen und sind geradezu implodiert gegen ihre Gegner Colin Montgomerie (dem diesjährigen Kapitän der Europäer) und Padraig Harrington. Aber auch sonst hat Tiger im Ryder Cup keine besonders tolle Bilanz: Fünfmal war er dabei, hat insgesamt 24 Matches absolviert, von denen er 9 gewonnen, 13 verloren und 2 halbiert, also unentschieden gespielt hat. In diesem Jahr konnte er sich nicht qualifizieren und war auf eine Wild Card des U.S. Captains Corey Pavin angewiesen. Wir werden sehen, ob er tatsächlich ein Gewinn für die Amerikaner sein kann. Sein Nimbus als unbesiegbarer „Ausserirdischer“ ist nach seinen außerehelichen Eskapaden und in diesem Jahr eher durchschnittlichen Leistungen auf dem Platz jedenfalls hüben wie drüben komplett dahin.

Es gibt Spieler, die haben trotz ihres herausragenden Talents noch kein Major Turnier gewinnen können, aber im Ryder Cup das nötige Feuer, um den Sieg davonzutragen. Sergio Garcia, Colin Montgomerie, Ian Poulter – man fragt sich immer, wie diese Spieler so begnadet den Cup holen bzw. verteidigen können und dann bei den Majors regelmässig nur unter „ferner spielten“ rangieren. Besonders bei Colin Montgomerie, der den Titel „bester Golfer, der nie ein Majorturnier gewinnen konnte“ seit Jahren trägt, fasst man sich an den Kopf: Sensationelle acht Male war er erster auf der europäischen Rangliste. Im entscheideneden Moment fehlten ihm immer die Nerven zum Abschluss – und da er auch nicht sonderlich beliebt ist (unbeliebter ist im Kollegenkreis wohl nur noch Phil Mickelson), durfte er sich von Fans, Spielern und Pressevertretern schon so einiges anhören. „Nice tits!“ rief ein Zuschauer mal, und meinte damit Montys nicht eben männlichen Oberkörper. Aber, Titten hin oder her, beim Rydercup hatte „Fieldmarshal Montgomery“ stets absolut eiserne Nerven und mehrmals den Putt zum Sieg für Team Europe im Loch versenkt.

Freitag und Sonnabend werden die Vierer-Paarungen ausgetragen und Sonntag dann die Einzel. Nach den herausragenden Siegen der europäischen Teams 2002, 2004 und 2006 haben sich die Amerikaner den Cup 2008 dank ihres wirklich inspirierten Teamgeistes zurückerobert und werden alles versuchen, die Trophäe am Sonntagabend wieder mit nach Hause zu nehmen. Und natürlich werden die Europäer ihnen alles entgegensetzen, was sie haben. Und dazu zählt in diesem Jahr auch der junge Deutsche Martin Kaymer, der erst vor ein paar Wochen sein erstes Majorturnier gewonnen hat, die PGA Championships. Ein weiterer Majorsieger von 2010 ist Graeme McDowell, der im Juni die U.S. Open gewann. Und auch der Rest der Europäer ist nicht von schlechten Eltern und wird den Amerikanern hoffentlich die Trophäe abringen können. 14 1/2 Punkte sind dafür notwendig.

Für mich ist der Ryder Cup das sportliche und golferische Highlight, noch vor den Majors, irgend welchen Fussball Bundesligen, WMs oder Olympiaden. Insofern werde ich auch dieses Jahr wieder den Telefonstecker ziehen, das Mailprogramm geschlossen lassen und mir drei Tage lang ganztags live die Spiele ansehen. Im TV überträgt leider nur Sky (ehemals Premiere), im Netz gibt es ja, dank VPN, nun auch in unserem Land genügend Alternativen.

Go, Team Europe!

71, 68, 71, 74

  • Veröffentlicht am 21st Juni 2010,
  • veröffentlicht von

Gestern hat der erste Europäer seit 40 Jahren mit diesen Zahlen Geschichte geschrieben und die U.S. Open gewonnen, eines der vier jährlichen Major-Turniere im Golfkalender. Graeme McDowell kommt aus Nordirland, ist sechsfacher Gewinner auf der European Tour, erfolgreicher Rydercup-Spieler auf Seiten Europas und für die Amerikaner ist sein Sieg in Pebble Beach, einem der schwierigsten Golfplätze der Welt, offenbar geradezu ein Schlag ins Gesicht. Jedenfalls kann man diesen Eindruck bekommen, wenn man die ganze Bandbreite von Häme, Ratlosigkeit und Arroganz so liest, die die selbst ernannten Edelfedern der Szene und den Associated Press Autoren so liest:

Graeme McDowell doesn’t have the golfing pedigree of a U.S. Open champion at Pebble Beach.
All he had Sunday was the game it takes to win.

Zitat: AP

Pedigree bedeutet soviel wie „Stammbaum“, „Rassenherkunft“ oder „Ahnentafel“ und wird gemeinhin eher im Zusammenhang mit der Hundezucht erwähnt. Was der Stammbaum mit dem Erfolg oder Misserfolg eines Golfers zu tun haben und inwiefern er ein Kriterium für einen Majorsieg sein soll, das bleibt das Geheimnis des namenlosen Autoren.

Überhaupt ist man überwiegend der Auffassung, McDowell habe eigentlich die U.S. Open gar nicht gewonnen, sondern alle anderen Teilnehmer, und ganz besonders die Stars, hätten verloren. Phil Mickelson, der ewige Zweite bei diesem Turnier, hat es gestern, genau wie Tiger Woods, nur auf den geteilten vierten Platz geschafft. Der Südafrikaner Ernie Els hat sich einmal mehr als Spieler geoutet, dessen Hoffnungen auf einen vierten Major-Sieg wohl unter unrealistisch verbucht werden dürften. Der Amerikaner Dustin Johnson, der mit einem Vorsprung von drei Schlägen in die vierte und letzte Runde des Turniers gestartet war, brach in der letzte Runde völlig ein und schlich wie ein geprügelter Hund mit einer 82 und einem geteilten 8. Platz nach Hause. Ebenfalls auf Platz 8 und aus deutscher Sicht sehr erfreulich schlossen Martin Kaymer und Alex Cejka das Turnier ab. Ein Platz im europäischen Rydercup-Team im September dürfte Kaymer damit sicher sein, genau wie natürlich McDowell, der seinen guten Teamleistungen von 2008 sicher gern weitere folgen lässt.

What if they held a U.S. Open and everybody lost? That’s what happened Sunday.

Zitat: Gary Van Sickle, Sports Illustrated

Will we remember a single shot that McDowell hit this week. Or will this be an Open remembered for the misadventures of Tiger, Phil and Ernie?

Zitat: John Garrity, Sports Illustrated

I will not remember a single shot he hit, no. McDowell fits the mold of the plodder who often wins these things, and there was so much graphic calamity going on around him all day. This U.S. Open will be remembered for the hundreds of ways it was lost.

Zitat: Cameron Morfit, Senior Editor Golf Magazine

Graeme McDowell führte das Feld schon nach der zweiten Runde am Freitag an, lag am Samstag nur drei Schläge hinter Dustin Johnson auf Rang 2 und konnte dem Platz am Sonntag zwei Birdies abringen. McDowell hat die wenigsten Fehler gemacht und sich eisern an seinen Plan gehalten, sicher, beständig und cool zu spielen. Tiger hingegen beleidigte die Greenskeeper, in dem er von „awful greens“ sprach, was diese jedoch energisch zurückwiesen und, süffisant lächelnd, ganz richtig unter „saure Trauben“ verbuchten. Es ist ja nichts neues: Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, ist die Badehose schuld.

Graeme McDowell ist verdienter Sieger der U.S Open 2010 in Pebble Beach und hat in jeder Hinsicht gewonnen.

Charity Golfturnier für Strassenkids

  • Veröffentlicht am 10th Mai 2010,
  • veröffentlicht von

Via Twitter erreichte mich letzte Woche  folgender Hinweis auf ein Charity-Golfturnier. Ich selbst werde aus terminlichen Gründen nicht dabei sein und kenne auch die Organisation nicht persönlich, aber ich wollte zumindest einen Hinweis auf die Aktion bloggen:

Am 6. Juni 2010 findet auf der Golfanlage Schloss Lüdersburg, dem Lakes Course, ein Benefiz-Turnier statt. Es handelt sich um ein Privatturnier ohne eigenen finanziellen Profit der Veranstalter und findet zugunsten der “Paten für Straßenkids e.V.” statt, einem Sozialprojekt in Hamburg, welches sich um obdachlose Kinder und Jugendliche in Hamburg kümmert.

Hier die Details zu dem Turnier:

Spielform:
Einzel-Stableford über 18 Löcher, vorgabewirksam

Startinformation:
Start von Tee 1, ab 9 Uhr

Teilnahmeberechtigung:
Mitglieder d. Golfanlage Schloss Lüdersburg und Gäste, Stv. 0 -36,0 / CV 37 -54

Max. Teilnehmerzahl:
insg. 120 Personen

Spielbedingungen:
Gespielt wird nach den offiziellen Golfregeln (einschließlich des Amateurstatut) des Deutschen Golfverbandes e.V. , dem DGV-Vorgabensystem sowie den Platz- und Sonderplatzregeln der Golfanlage Schloss Lüdersburg

Nenngeld/Person:
35 EUR + 20 EUR Spende (Clubmitglieder d. Golfanlage Schloss Lüdersburg)
75 EUR + 20 EUR Spende (für Gäste)
Das Nenngeld beinhaltet:
– kleine Abschlagsverpflegung
– Leckeres Buffet im Anschluss an das Turnier
– Spende an die Straßenkids (20 EUR pro Teilnehmer)
– Preise
– Greenfee für Gäste

Zahlung am Turniertag bei Scorekartenausgabe oder vorab per Überweisung an Sabine Siehl auf Konto-Nr. 1241430279, BLZ 200 505 50, bei der Hamburger Sparkasse mit dem Betreff “Benefizturnier Lüdersburg Juni 2010“ plus Teilnehmername(n). Bei Abmeldung nach Meldeschluss oder bei Nichterscheinen ist das volle Nenngeld zu entrichten.

Halfway (entgeltlich):
Köstliches Barbecue von “Green Delicious” (Teilerlös geht an die Straßenkids)

Preise:
1. Brutto Damen, 1. Brutto Herren, 1. – 3. Netto (jeweils i. d. Klassen A, B und C)
Sonderwertungen: Longest Drive Damen, Longest Drive Herren
Nearest to the Pin Damen, Nearest to the Pin Herren

Stechen:
Bei Gleichstand erfolgt ein Stechen nach den besten 9-6-3-1 Löchern gemäß der Vorgabenverteilung nach dem Schwierigkeitsgrad (1-18-3-16-5-14-7-12-9)

Ende des Wettspiels:
Das Wettspiel ist mit Ende der Siegerehrung beendet

Meldungen:
Ab sofort per Mail an mail@sabinesiehl.de bzw. telefonisch an 0173/195 99 42 oder Eintragung in den Aushang der Golfanlage Schloss Lüdersburg. Xing-Mitglieder können sich auch über XING anmelden: http://bit.ly/cNBxAN.

Meldeschluss: 4. Juni 12:00 Uhr
Startzeiten können ab 5. Juni 12h im Clubsekretariat (Tel. 04139-69700) erfragt werden

Spielleitung und Änderungen:
F. Schrader, G. Herold
Die Spielleitung hat in begründeten Fällen das Recht, die Platzregeln abzuändern, die Startzeiten neu festzusetzen oder abzuändern oder zusätzliche Bedingungen festzusetzen.

Das Turnier wird veranstaltet in Zusammenarbeit mit Sprenger-Consulting GmbH

Das Turnier findet statt mit freundlicher Unterstützung von: Renoir
fotografie Gunnar Meyer www.fotograf-hamburg.org
Green Delicious www.green-delicious.com

fotografie gunnar meyer

The Masters 2010

  • Veröffentlicht am 7th April 2010,
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Morgen beginnt in Augusta, GA, U.S.A.  das Masters Turnier 2010. Für meine nichtgolfenden Leserinnen und Leser: Das ist das erste von vier jährlich stattfindenden Major-Turnieren im Profigolf der Herren, vergleichbar mit einem der Grand Slam Turniere im Tennis. Es ist außerdem ein Einladungsturnier, für das man sich zwar über eine Reihe von Wegen qualifizieren kann, aber das letzte Wort hat der ausrichtende Club.Am Start sind traditionell auch die Sieger der wichtigsten Amateurturniere dieses Sports, von denen nicht wenige in der Vergangenheit unmittelbar im Anschluss an das Masters ihren Wechsel ins Profilager bekanntgegeben haben. Der Masters Champion hat lebenslanges Spielrecht bei künftigen Masters, was zu im Profigolf ansonsten eher ungewöhnlichen deutlich dreistelligen Ergebnissen nach der ersten Runde führen kann, gespielt von Golfern, deren Alter nicht sehr weit von der Dreistelligkeit entfernt liegt. Allerdings verzichten doch die meisten der früheren Champions auf das Vergnügen und beschränken sich auf die Rolle der passiven Dekoration.

Die meisten Masters Siege hält der größte Golfer aller Zeiten, Jack Nicklaus. Er hat das Turnier sechsmal gewonnen, bei seinem letzten Sieg 1986 war er 46 Jahre alt, womit er auch der älteste Sieger war. Tiger Woods hat erst viermal in Augusta gewonnen und braucht auch noch vier Major-Trophäen, um mit Nicklaus’ Rekord (18 Major-Siege) gleichzuziehen. Der jüngste aller Teilnehmer geht morgen an den Start: Es ist der 16jährige Italiener Matteo Manassero, ein Amateur. Er wird, wie traditionell jeder Amteur, die Möglichkeit bekommen im „Krähennest“ des Clubhauses zu übernachten. Auf der offiziellen Masters-Website, die übrigens sehr schön gestaltet ist und einen Besuch lohnt, findet sich auch ein kleines Video über das Krähennest.

Der Club hat schon im vergangenen Jahr eine gut gemachte iPhone App herausgebracht und überträgt live darüber und auf seiner Website von einigen Schlüsselstellen des Platzes, sogar in 3D. Allerdings muss man trickreich über eine amerikanische IP Adresse surfen, das Angebot gilt leider nicht international. Bei uns überträgt natürlich Bezahlsender Sky, wer eine Satellitenschüssel hat, bekommt vielleicht einen Kanal der Briten rein.

Für mich ist das Masters das unwirklichste aller vier Majors im Golf. Der Platz ist zwar wunderschön und perfekt , aber wirkt wie eine Szene aus einem Disneyfilm. Sie färben sogar das Wasser blau, damit es natürlicher aussieht – ein Sinnbild für alles, was in meinen Augen an den U.S.A. einfach nur komplett und bis zum Kern hin krank und verrottet ist. Dieses gerade einmal 76 Jahre altes Turnier tut so, als ob es Golf erfunden hätte und zelebriert sich mit vielen kleinen Marotten und Regelungen hauptsächlich selbst, aber nicht den Sport an sich. Aus europäischen Augen ist der ganze Zirkus dort einfach nur lächerlich zu nennen. Aber hübsch anzusehen, keine Frage.

Tiger Woods ist natürlich wieder dabei, es ist sein erster sportlicher Auftritt nach der Sexpause. Ob er eiche echte Chance auf den Sieg hat? Natürlich, der Mann hat auch auf einem Bein die U.S. Open gewonnen und ihrem Gestammel bei Interviewfragen nach zu urteilen, haben seine Kollegen nach wie vor die Hosen voll vor ihm. Aber ich hätte auch nichts gegen einen Sieg des jungen Martin Kaymer, der sich ja für einen Platz im europäischen Team für den Ryder Cup im September qualifizeiren will. Überhaupt: ein Sieg eines Europäers wär’s doch mal wieder. Der letzte war 1996 1999, Sir Nick Faldo José-María Olazábal holte sich sein drittes zweites grünes Jackett. Doch würde ich um Geld wetten, setzte ich ein paar Euro auf  den Südafrikaner Ernie Els, der sein lange anhaltendes Tief endlich überwunden zu haben scheint. Am Sonntag wissen wir’s.

Zeitweiliges Wasser

  • Veröffentlicht am 15th März 2010,
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Immerhin: Der Schnee scheint zumindest in Hamburg auf dem Rückzug zu sein. Aber wetten, der kommt spätestens Ostermontag zurück, wenn auf Gut Kaden die Saison eröffnet wird? Dieses Jahr ohne mich. Ich habe beschlossen, wie schon im vergangenen, so auch in diesem Jahr nur ein paar Vierer und den gelegentlichen Monatsknopf in meinem Club mitzuspielen und mich ansonsten brav dem Üben des kurzen Spiels zu widmen.

Ab April. Frühestens.

Golfkrieg ohne eingebetteten Journalismus

  • Veröffentlicht am 19th Februar 2010,
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Tiger Woods wird heute eine Erklärung zur Lage der Nation zu seinem Major Fuckup abgeben. Dazu hält er eine Pressekonferenz im Clubhaus der TPC Sawgrass ab, die keine ist: Wie sein Agent Mark Steinberg von IMG verlauten ließ, dürfen einige ausgewählte Freunde und Kollegen live dabei sein. Fragen werden nicht zugelassen. Die Presse ist nicht zugelassen, nur Vertreter der Agenturen AP, reuters  und Bloomberg (was bedeutet, daß wir anschließend denselben, unredigierten und garantiert nichtssagenden Text auf allen Kanälen zu lesen bekommen werden). So faszinierend und unglaublich seine Errungenschaften und Taten auf dem Platz sein mögen – Tiger hat vor einem Mikro noch nie etwas wirklich Interessantes oder Berichtenswertes gesagt; er ist ein aalglatter Medienprofi, totaler Kontrolletti und strahlt jenseits des Golfplatzes etwa so viel Charisma wie eine Playmobilfigur aus.

Eingeladen war auch Vartan Kupelian in seiner Funktion als Vorsitzender der Golf Writers Association of America, also des 950 Mitglieder starkenVerbands der US-Golfjournalisten. Er hat nicht nur abgesagt, sondern der Verband hat eine Erklärung abgegeben, daß die Pressekonferenz für die Presse zugänglich sein sollte und daß Journalisten Fragen stellen dürfen sollten, in anderen Worten: ihrer Arbeit nachgehen dürfen sollten.

“The position, simply put, is all or none. This is a major story of international scope. To limit the ability of journalists to attend, listen, see and question Woods goes against the grain of everything we believe.
The GWAA also believes strongly that its presence, without the ability to ask question, gives credibility to an event that isn’t worthy of it.”

(Wieso haben eigentlich ausgerechnet US-Golfberichterstatter die cojones um journalistische Prinzipien zu vertreten, und unsere Politjournallie legt sich umgehend auf den Rücken wenn’s ums Rückgrat zeigen geht? Aber ich schweife ab…)

Tiger bläst nicht nur von der Golfpresse, die ihn mehrheitlich seine gesamte Karriere lang und auch während seines Skandals mit Samthandschuhen angefasst hat, ein schärferer Wind ins Gesicht. Auch seine Kollegen sind recht angefressen ob des Timings der Verlautbarung. Ernie Els nannte Tigers Entscheidung, die Erklärung am heutigen Freitag statt am Montag abzugeben “egoistisch”. Heute beginnt Am Donnerstag begann das WGC Matchplay Turnier, gesponsored von Accenture, einem der Sponsoren, die Tiger jüngst wie eine heiße Kartoffel fallenließen. Wer glaubt, daß Tigers Timing Zufall ist, glaubt auch an die elf Asse, die der geliebte Führer Nordkoreas, Kim-Jong Il, auf einer Runde erzielt haben will. Aber die Zeiten, da Tiger für Spieler und Presse unantastbar war, dürften vorbei sein. Die Aura des Unbesiegbaren ist dahin. Ob er unter diesen Umständen tatsächlich noch eine echte Chance hat, zum größten Golfer aller Zeiten zu werden und Jack Nicklaus’ Rekord von 18 gewonnen Majorturnieren brechen kann? (Zum Vergleich: Tiger hat jetzt 14 Majors gewonnen; Roger Federer 16 GrandSlam Turniere.) Golf wird nicht auf den Kilometern zwischen dem 1. Abschlag und dem 18. Grün entschieden sonden auf den Zentimetern zwischen den Ohren.

Eigentlich wird es ab jetzt erstmals wirklich spannend, Tiger bei der Arbeit zuzuschauen.

Tiger Who?Golf

  • Veröffentlicht am 13th Dezember 2009,
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Der aussichtsreichste Nachfolgekandidat für den ehrenvollen Titel GRÖGAZ (Größter Golfer Aller Zeiten), den zur Zeit – und meiner bescheidenen Meinung nach bis in alle Ewigkeit – mit 18 gewonnenen Majors noch Jack Nicklaus hält, ist ja bekanntlich in den letzten Wochen auf seinem Durchmarsch zum Ziel etwas ins Straucheln geraten. Schon kurz nach Tiger Woods’ nächtlichem Autounfall meldeten sich die ersten Damen die von seinen perfekten Annäherungen sprechen konnten und vor allem wollten. Tiger sah sich somit genötigt ein persönliches Statement auf seiner Website zu veröffentlichen, in dem er zerknirscht seine Unfehlbarkeit als Ehemann und Vater gestand. So weit, so unspektakulär, aber nachdem das der Medienmeute keinesfalls ausreichte sondern die Jagd nur verschärfte, sah er sich offenbar zum nächsten Schritt gezwungen: Eine unbestimmte Auszeit vom Golfspiel zu nehmen. Und ab jetzt wird es spannend, jedenfalls für die Golffans, denen Tiger Privatleben völlig schnurz ist, die sich aber eine aufregende Saison wünschen.

Wie die meisten Golfer wissen, auch wenn sie es nicht immer eingestehen wollen, so wird dieser Sport in erster Linie zwischen den Ohren gespielt und gewonnen. Golf ist Rasenschach mit unbekannten Variablen (Wind, Wetter, Platzzustand, Mitspielern) und bislang hat Tiger Woods dieses Spiel nicht nur dehalb so dominiert, weil er mit überirdischem Talent und dem perfekten Körperbau gesegnet wurde, sondern auch und vor allem deshalb, weil die gesammelte Gegnerschaft im Geiste schon vorab das Handtuch geworfen hatte. “Wenn Tiger mitspielt geht es nur darum, wer Zweiter wird” ist die gängige Einstellung auf der Tour. Die TV-Quoten brechen um fast 50% ein wenn er nicht mitspielt, wie man im vergangenen Jahr gut feststellen konnte. Verletzungsbedingt mußte er monatelang pausieren, bevor er endlich wieder im Spiel war – meilenweit von seiner Bestform entfernt, aber immer noch gut genug, um auf halber Arschbacke eine Reihe von Siegen einzufahren.

Das erste Majorturnier ist immer das Masters in Augusta, GA, um Ostern herum. Momentan ist nicht davon auszugehen, daß er dort antreten wird. Das ist schade aus zwei Gründen: der Sieger wird immer der Sieger aus dem Jahr sein, in dem Tiger nicht dabei war. Und Tiger verpaßt die Chance, sich wirklich unsterblich zu machen: Gewönne er dort, nach all dem Drama der letzten Wochen – er gälte wohl wirklich zu Recht als der Auserwählte.

Popcorn

  • Veröffentlicht am 2nd Dezember 2009,
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Natürlich könnte Tiger Woods auch schlicht mitten in der Nacht nach dem exzessiven Truthahnmahl zu Thanksgiving noch einen Verdauungsschnaps von der Tanke holen gefahren sein. Als er aus dann der Einfahrt kam, rannte ihm ein Kaninchen ins Scheinwerferlicht und er hat vor Schreck seine Karre an den nächsten Hydranten gesetzt und ist dabei ohnmächtig geworden. Seine liebende Gattin fand auf die Schnelle den Ersatzschlüssel für das Auto nicht und schlug mit einem Golfschläger die Scheiben ein, um ihrem Tiger zu Hilfe zu eilen. Man weiß es nicht.

Mich erinnert das ja irgendwie an diese Szene aus Blues Brothers:

Jake: Oh, bitte! Bitte, bitte töte uns nicht! Du weißt, ich liebe dich, baby! Ich würde dich nie verlassen! Es war nicht meine Schuld!
Mystery Woman: Du miserables Schwein! Du glaubst, du kannst dich da so einfach rausreden? Du hast mich betrogen!
Jake: Nein, hab’ ich nicht. Ehrlich… das Benzin war alle. Ich , ich hatte ‘nen Platten. Ich hatte nicht genügend Geld für’n Taxi. Mein Smoking kam nicht aus der Reinigung. Dann kam ein alter Freund von außerhalb zu Besuch. Jemand hat mein Auto geklaut. Da war ein Erdbeben! Und eine schreckliche Flut! Heuschrecken! ES WAR NICHT MEINE SCHULD!

Von Tuten und Blasen

  • Veröffentlicht am 22nd September 2009,
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Bekäme ich ein Zeugnis für meine bisherige Golfsaison 2009, so läse sich das etwa so: “Sie war stets pünktlich und außerordentlich bemüht, den ihr gestellten Anforderungen gerecht zu werden.” Oder anders gesagt: von Tuten und Blasen keine Ahnung. Allerdings war dieser Sonntag die rühmliche Ausnahme, gespielt wurde ein Chapman-Vierer auf dem schönen Platz des Golfclubs Hamburg-Holm, der jüngst teilweise etwas umgebaut wurde und nun unmittelbar vor der Clubhausterasse ein paar schicke Teiche besitzt. Mein Viererpartner und ich murmelten bei allerschönstem Septemberwetter eine solide 40-Nettopunkte-Runde zusammen, die zwar nicht zum Sieg reichte, aber mit der wir wirklich sehr zufrieden waren. Das von der Jagdhornbläsergruppe Holm zur Siegerehrung vorgetragene Signal “Sau tot” spiegelte die Stimmung daher vortrefflich wider.

Erkenntnis des Tages

  • Veröffentlicht am 10th August 2009,
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Auch ein wunderschöner Golfplatz schützt nicht vor schlechten Schlägen und einem unterirdischen Score. Aber er beruhigt die Seele und erfreut das Auge. Aufgenommen am 3. Grün des Golfclubs Hamburg-Walddörfer.

HuLoPo Nr. 44

  • Veröffentlicht am 24th Juni 2009,
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Morgens, halb fünf in Falkenstein.
Blick vom Damenabschlag der 12 über die Heide zum 11. Grün.

Nachdem der 43. Hundert-Loch-Pokal im vergangenen Jahr ins Wasser gefallen war, nahm ich am vergangenen Freitag früh um Vier mit nur zwölf weiteren Gehirnamputierten Unerschrockenen die Herausforderung erneut an, 100 Loch an einem Tag zu spielen. Für einen war es sogar das 25. Mal!

Der bewährte Spielmodus 46 Loch – Frühstückspause – 36 Loch – kurze Pause – 18 Loch nötigte mir wie schon 2006 alles an Kraft ab, was ich aufbringen konnte. Immerhin sparte ich mir in diesem Jahr das kräftezehrende Tragen und zog/schob einen Trolley, so daß mein Rücken nicht komplett auseinanderfiel und ich am Sonntag sogar schon wieder Treppen steigen konnte – und das vorwärts!

Meine drei mir persönlich gesteckten Ziele habe ich erreicht: Ich habe nicht aufgegeben und bin durchgekommen, ich bin nicht Letzte geworden (Platz 9 von 13) und ich bin mit 439 deutlich unter 500 Schlägen geblieben – netto, versteht sich. Eine 88 war die beste Runde, und das morgens um 04:15 Uhr; das entspricht netto Par 71 und damit genau meinem Handicap, worauf ich schon ein bisschen verdammt stolz bin. OK, die 108 zum Schluß will ich auch nicht verschweigen, aber “et is wie et is”.

Die standing ovations vom Club-Präsidenten am Ende waren genauso wunderbar wie der traumhafte Sonnenaufgang und das das perfekte Wetter: 20° C, gelegentliche heftige Schauer aber ansonsten angenehme Kühle, nicht so eine Hitzeschlacht wie vor drei Jahren.

P.S.: Das Turnier ist übrigens offen (Hcp-Begrenzung für die Herren liegt bei ca. -14,5, bei den Damen war es dieses Jahr -13,7) und kostet 35 EUR. So günstig wird Deutschlands schönster Golfclub so bald nicht wieder, also macht Euch mal einen Knoten ins Taschentuch für 2010… ich habe mir zwar erneut geschworen: Nie wieder! Aber es wäre schon schön, den einen oder anderen Golfblogger in Hamburg zu begrüßen und dabei zu haben – überlegt es Euch!

Grün ist die Heide

  • Veröffentlicht am 16th November 2008,
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Wenn man seinen Ball ins Wasserhindernis schlägt, verfährt man nach einer der bekannten Regeln, trauert ggf. seinem Ball hinterher (sofern man ihn nicht wieder rausangeln konnte) und spielt mehr oder weniger gelassen weiter. Unser Platz verfügt zwar nicht über Wasser, aber dafür aber über eine ganze Menge schottischer Heide, was den Spielfluss mitunter – besonders im Sommer, wenn sie blüht – sehr entschleunigen kann. Zunächst einmal muß man den Ball nämlich wiederfinden, was sich gar nicht so einfach gestaltet. 5 Minuten sind hier eine Nanosekunde. Und dann folgt im Erfolgsfall der spaßige Teil: man muß den Ball wieder herausschlagen. Das ist etwa so leicht durchführbar, wie einer Löwenmutter ihre Jungen wegzunehmen. Während sie sie gerade säugt.

Einmal im Jahr sind die Mitglieder aufgerufen, die Heide aufzuräumen und von Kiefern-/Birken und Eichen-Schößlingen zu befreien. Kiefernschößlinge zu finden und zu entfernen gestaltet sich dabei noch am einfachsten. Sie sind puschelig und relativ leicht zu entdecken, und auch wenn sie harzen wie der Teufel, so lassen die Wurzeln wenigstens mit sich reden. Bei Birkenschößlingen ist das schon schwieriger; die sieht man nämlich fast gar nicht, da null Laub daranhängt. Aber wirklich übel sind Eichenschößlinge. Wenn oben zehn Zentimeter Miniatur-Eichenlaub rausschaut und man denkt “hach, wie nüdlich”, wird man nach dem ersten Drehen und Zerren denken „WTF?“ „Nanu?“ und dann nach Verstärkung rufen: Die Wurzeln dieser kleinen Mistkerle sind fingerdick und haben durchschnittlich eine Länge von 100 bis 150 Zentimetern. Wie gesagt: oben rausgucken tun 10 cm.

Suchbild: Finde den Birkenschößling!

Warum machen die Mitglieder das, und nicht die Greenskeeper? Zum einen, weil es Tradition hat und es eben unser Platz ist, den wir gern erhalten wollen, zum anderen, weil wir wie gesagt eine ziemlich große Menge Heide haben und die Greenskeeper nicht zahlreich genug sind, bzw. ohne unsere Hilfe wochenlang nichts anderes machen könnten. Also trafen sich ca. 60 von uns, jung und alt, bei allerliebstem Novemberwetter, ausgerüstet mit Wachsjacken, Gummistiefeln und Gartenhandschuhen, teilten sich in drei Gruppen und ließen die Heide wackeln. Nach etwas über zwei Stunden strebten wir wieder zum Clubhaus und freuten uns über die heiße Erbsensuppe vor dem lodernden Kaminfeuer, auch das eine oder andere Bier wurde gezischt und die Kleinsten zählten sich stolz vor, wieviele Bälle sie gefunden hatten. Ich glaube, der Sieger brachte es auf ein ganzes Dutzend.

Man hätte den Tag natürlich auch auf dem Sofa liegen und lesen können. Aber dann hätte ich jetzt nichts zu bloggen gehabt und meine Finger würden nicht so gut nach Kiefernharz duften.

Old School Rant – FORE!

  • Veröffentlicht am 31st Oktober 2007,
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‘Ich spiele gerne und haeufig Turniere, meist vorgabewirksam, gelegentlich mal einen entspannten Vierer. Zum einen, weil mir ein gewisser Ehrgeiz nicht fremd ist, aber hauptsaechlich, weil die Plaetze heutzutage so bruellvoll mit Neugolfern ohne jegliche Etikette- geschweige denn Regelkenntnisse sind, dass ich mich auf Privatrunden langsam aber sicher jedes Mal am Rande des Amoklaufs bewege. (Unter uns: wer die Golfregeln nicht kennt, soll meinetwegen auf Nordic Stalking Walking umsteigen. Da kann er auch mit langen Stoecken planlos durch die Lande ziehen und sich zum Affen machen, aber eben ohne echte Golfer dabei zu nerven.)

“Play the ball at it lies. Play the course as you find it. And if you can`t do either, do what is fair.”

Heute erst hatte ich wieder ein paar solcher Exemplare, die in Sachen Regelkunde voellig unbefleckt und auch lernresistent waren. Golf ist ja bekanntlich der einzige Sport, in dem man sich binnen Sekunden zum meistgehassten Menschen machen kann, indem man die Regeln kennt und anwendet. Regelignoranten sind meist auch sehr schlecht in Mathe, besonders in der Addition, und sie leiden haeufig auch unter selektiver Amnesie: Schlechte Schlaege werden schlicht “vergessen”. Nicht immer, aber meist von Anfaengern mit Handicap 54-36.

Sorry, aber “Handicap 54” ist keins, das ist eine Clubvorgabe, besser gesagt: Platzreife. Leute, die Platzreife als Handicap bezeichnen, haben diese eher selten im eigentlichen Sinne des Wortes, aber sie haben ihre Aufnahmegebuehr bezahlt und einen meist happigen Jahresbeitrag, dem Pro ein paar Scheine zugesteckt und sich all die Schlaeger gekauft, deren Hersteller die Anzeigenabteilungen und Redaktionen der deutschen Hochglanzklopapiere zum Thema Golf schmieren. Es ist ein bisschen wie bei Gelaendewagen- und Luxuslimousinenfahrern: Das Ding war teuer und die Vorfahrt ist ergo im Preis mit drin. Der Neugolfer ist happy, er darf nun offiziell den grossen Rasen umpfluegen, statt immer nur auf dem Übungsgelaende seine kostbare Zeit zu vertroedeln. Der Club ist happy, denn er hat ein weiteres zahlendes Mitglied gewonnen (ein Platz kostet ein Vermoegen im Unterhalt) und das springt ihm wieder ab, wenn es nicht schnell genug auf die Runde darf. Der Verlierer dieser Rechnung ist der Golfsport und der echte Golfer, der seinen Sport so betreiben moechte, wie er betrieben sein will.

Ach ja, die Zeitfrage. Golf ist ein sehr zeitintensiver Sport. Eine Runde, also 18 Loch, dauert idealerweise 3 – 3,5 Stunden, wenn man zu dritt spielt. Nimmt man die An- und Abreise dazu, die halbe Stunde Aufwaermen vor und das Bierchen nach der Runde dazu, ist man rasch bei 5-6 Stunden angelangt. Im Idealfall, wohlgemerkt. De facto sind es eher 6-8 Stunden. Und da wundern sich manche, warum der Sport als Rentner- und Ärztesport verschrieen ist. Wer hat schon so viel Zeit? Um also die Massen auf die Fairways zu locken und bei der Stange zu halten, gibt es jetzt seit ein paar Jahren vorgabewirksame 9-Loch-Turniere, also halbe Runden. Ist ja auch weniger anstrengend. Ich warte ja auf den Tag , an dem das Championsleague-Finale auf zweimal 20 Minuten verkuerzt wird, dauert ja sonst so lange.

Als ich anfing mit diesem schoenen Sport, war er noch recht elitaer: Es gab ca. 140 Clubs in Deutschland, auf deren Fairways sich knapp 36.400 Golfer tummelten. Wahrscheinlich waren es tatsaechlich sogar eher weniger, denn auch ein Golfclub hat natuerlich – genau wie ein Fitnessstudio – nicht nur aktive Mitglieder, sondern natuerlich auch passive Karteileichen. Man kannte sich und seine Eigenheiten. Man hielt auf Etikette, was genaugenommen nichts anderes als eine hochtrabende Bezeichnung fuer gute Kinderstube und gesunden Menschenverstand ist: Man tue moeglichst nichts, um den anderen waehrend seines Schlags zu stoeren (etwa mit der Bonbondose klappern) und stelle sich nicht so dumm hin, dass man Schlaeger oder Ball des anderen abkriegt. Falls man – meist versehentlich – so weit geschlagen hatte, dass der Ball unmittelbar hinter den Hacken der – mitunter sehr langsam – vor einem spielenden Spieler einschlug, rief man erst laut FORE! (das heisst uebersetzt so viel wie “Volle Deckung, mein Ball kommt!”) und ging anschliessend hin und entschuldigte sich, gerne auch mit einem Drink nach der Runde. Heute ruft niemand mehr FORE!. Wer getroffen wird, hat halt Pech gehabt und war eben nicht schnell genug weg; die lahme Kruecke haette ja durchspielen lassen koennen. Survival of the fittest, baby. Heul doch.

Heute verteilen sich laut DGV Statistik 530.000 Mitglieder auf 736 Clubs. Und Karteileichen gibt es kaum noch, alle wollen spielen. Echte Clubs, von Mitgliedern gefuehrt, aufgebaut und finanziert, gibt es auch kaum noch, heute gibt’s Betreibergesellschaften mbH und sogar AGs. Die schreiben sich laut “Golf fuer alle” auf die Fahnen und werben damit, dass man nicht so snobby sei wie die verstaubten Dinosaurier, die noch mit so altmodischem Krams wie Buergen und einer Kleiderordnung arbeiten. Nunja, wenn sich ein kleiner Haufen sportbegeisterter Leute zusammensetzt und fuer das gemeinsame Ziel, einen Golfplatz, die Baugenehmigung und Finanzierung stemmen will, dann schaut man sich seine Mitstreiter natuerlich sehr genau an. Klar, es ist verlockend wenn Hans Neureich mit dem Scheck wedelt, und neue Umkleiden und Duschen waeren auch sehr schoen. Aber Hans Neureich will dann leider auch mal mitspielen, und will man wirklich drei bis fuenf Stunden in seiner Gesellschaft verbringen? Und was die Kleiderordnung (ein Hemd mit Kragen, lange Hosen (die uebrigens nicht zwingend kariert sein muessen) oder ueber das Knie reichende Bermudas, keine T-Shirts, keine Jeans, keine aermellosen Tops oder Muscleshirts) betrifft: Wo ist das Problem? Im Judo oder Karate will man auch niemanden in Jogginghose und T-Shirt sehen und in Wimbledon hat man vor Jahren Andre Agassi mal in die Umkleidekabine geschickt, weil er nicht in weiss sondern in kreischbunt aufschlug; jeder Sport hat seine Kleiderordnung, die meist praktischen Gesichtspunkten folgt. Ein Golfer verbringt eine Menge Zeit in der Sonne und mitunter auch im hohen, zeckenbewehrten Gras. Ein (Polo)Hemd mit einem den Nacken schuetzenden Kragen und eine lange Hose sind nicht nur stilsicher sondern auch sehr sinnvoll.

„Aber Tiger traegt auch oft nur ein T-Shirt!“ schallt es protestierend von den Wiesen. Junge, wenn du so spielst wie Tiger, dann darfst du das. Siehst zwar immer noch peinlich aus, aber hey, als bestbezahltester Sportler der Welt stoert’s dich nicht. Tiger & Co. studieren auch stundenlang die Puttlinie (ganz gross und zugegebenermassen huebsch anzusehen darin ist Spiderman Villegas), eine weitere Unsitte, die aus dem Pro-Golf in den Amateurbereich geschwappt ist. Jungs und Maedels: a) spielen wir im Vergleich zu den Pros auf Kartoffelaeckern, wo ein Pi mal Daumen meist reicht; b) erkennen die meisten von euch einen Break in der Puttlinie nicht, wenn er Euch in den Arsch beisst und c) ist noch kein Ball reingegangen, weil man ihn zuvor markiert hat.

Who’s your Caddie?

  • Veröffentlicht am 1st August 2007,
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Die Spieler auf den Touren verfügen fast alle ueber einen Caddie, nur auf den kleineren Einstiegstouren ziehen einige selbst einen Trolley hinter sich her. Ein Caddie ist für seinen Spieler mehr als nur Träger der rund 35 Kilo schweren Tasche. Er hilft bei der Berechnung der Distanz und der Ausrichtung zum Ziel, kennt den Platz und seine Tücken, reicht den richtigen Schläger zur rechten Zeit, reinigt den Schläger nach dem Schlag, bedient die Fahne und ist dem Spieler eine wertvolle psychologische Stütze, die im Zweifel das Richtige sagt bzw. zu schweigen weiss. Die Topspieler der PGA- und European Tour haben oft seit Jahren ihren Bagman und einige wenige sind inzwischen selbst berühmt und – dank ihrer erfolgreichen Spieler – auch reich. Tiger Woods und Steve Williams gehören genauso zusammen wie Phil Mickelson und Jim „Bones“ McKay oder früher Nick Faldo und Fanny Sunesson, eine der ganz wenigen Frauen in diesem Knochenjob, die heute bei Tour-Rookies sehr gefragt ist als Beraterin in Sachen Course Management.

Oft ist es auch ein Familienjob – Seve Ballesteros trug früher die Tasche seine älteren Bruders bevor seine eigene Karriere ihren steilen Aufstieg begann. Luke Donalds Tasche trägt sein Bruder Chris, der auf den schönen Spitznamen Asbestos hört, “because he‘s fireproof”, wie Donald mal gegenüber einem Journalisten witzelte. Ja, Caddies sind auch Blitzableiter.

Romeo: You don’t need to be thinking immortality — you need to be thinking hit the 7 iron!

Caddies kennt man heute meist nur noch aus dem Profigolf, in den Clubs sind sie in vielen Ländern de facto ausgestorben. In der Türkei und nordafrikanischen Ländern findet man noch welche, und in Asien sind sie auch noch sehr präsent. In den USA wurden sie durch Elektrocarts ersetzt, nicht selten mit GPS ausgestattet, damit die Runde schneller und angenehmer für den Golfer verläuft und vor allem der Club einen guten Schnitt macht. Laufen kostet Zeit und Zeit ist Geld. Weshalb auch in nicht wenigen Clubs der USA für die Spieler schon Cartpflicht besteht.

Der Club in dem ich als Kind spielte hatte noch bis in die Achtziger Jahre einen Caddiemaster. Der wachte über eine Anzahl schwer pubertierender Bengels, die für die Runde acht Mark bekamen – plus Trinkgeld, wenn der Spieler eine gute Runde hinter sich hatte. Der Caddiemaster bekam natürlich auch seinen Teil ab. Ihn bei Laune zu halten war für die Jungens essentiell, denn er teilte die Runden zu. War einer auf der shitlist dieses alten Rauhbeins gelandet, konnte er froh sein, überhaupt einen Spieler zu bekommen – und dann war es garantiert ein alter Knauser, der nicht nur kein Trinkgeld gab sondern anschliessend polterte, der verdammte Kerl hätte keinen Ball gefunden und ihm die Runde ruiniert. Trotzdem war die lange Holzbank vor dem Caddiehaus vor allem am Wochenende immer gut besetzt und in den Pausen übten viele der Jungens mit den Schlägern aus dem Lost and Found Bag hinter dem Haus das Spiel.

Caddies gibt es in besagtem Club heute immerhin noch “auf Anfrage” (ich wette, sie ist sehr überschaubar). Einen Caddiemaster gibt es hingegen nicht mehr. Das alte Rauhbein sieht sich längst das Fairway von unten an und einen Nachfolger gab es nie.

Louis: „If you guys want to get fired, if you want to be replaced by golf carts, just keep it up!”

Die meisten Freizeitgolfer heute nutzen einen Trolley. So ein Wägelchen kostet so zwischen 50 und 300 Euro, ist klein zusammenlegbar und versieht klaglos seinen Dienst. Es findet natürlich keine Bälle und hilft einem auch nicht bei der Platzkenntnis oder der Entscheidung „vorlegen oder drüberdonnern“. In der zunehmend beliebter werdenden Elektro-Variante faehrt es fast von allein und kostet zwischen 250 Euro und knapp 5.000 Euro. Ja, richtig gelesen, gefühlte 10.000 DM. Manch einer, der früher zähneknirschend genau 8 DM für vier Stunden Arbeit in eine verschwitzte Kinderpfote gezaehlt hätte, schubst nun lässig seinen leise schnurrenden Titan-Trolley im Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens über den Platz.

Ich bin dann jetzt mal Caddyshack gucken.

Fehlerverzeihend? Nicht wirklich!

  • Veröffentlicht am 17th April 2007,
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Wer in einem großen Sporthaus in der Mönckebergstrasse durch die Golfabteilung schlendert, findet nicht nur zu ich-fall-in-Ohnmacht-Preisen angepriesene unfassbare Klamotten, mit denen man für die nächste Karnevalsaison optimal gerüstet wäre. Mit etwas Glück wird man auch Zeuge eines Verkaufsgesprächs zwischen einem jungen, dynamischen Golfsportartikelverkäufer und seinem potentiellen Opfer. Dieses schleicht behutsam um den Ständer mit den Hybrid-Schlägern, vergleicht Gradzahlen, Markennamen und markige Werbesprüche (flexible Schläge mit traumhaftem Bodenkontakt selbst bei schlimmsten Balllagen) und strahlt rundherum mehr Hilflosigkeit aus, als vermutlich Eisbärbaby Knut(sch) in seinen ersten Stunden.

Hybrid-Schlaeger sind ein Kompromiss zwischen den für die meisten Golfer schwierig zu spielenden langen Eisen (2, 3, 4, manchmal sogar 5) und den Fairway-Hölzern. Sie werden auch Rescue-Schläger, also Rettungs-Schläer genannt; vorgeblich, weil sie den Score auch noch aus aussichtslosen Lagen und dem Rough retten helfen sollen. In mir keimt allerdings mehr der Verdacht, dass sie die Golfschlägerindustrie retten sollen. Schon vor zwanzig Jahren steckten die ersten Rescues unter dem Namen „Ginty“ in den Bags der Verzweifelten, die ihren Schwung verloren hatten, und statt zu üben oder dem Pro fünfzig DM in den Rachen zu werfen lieber 250 DM für diese magischen Zauberstäbe hinblätterten. Das Image der Warmduscherschläger wurden sie jedoch nicht so recht los, so daß der Hype rasch eines natürlichen Todes starb und die Dinger schnell und unauffällig wieder aus den Bags flogen. Wer Rescues kauft, ist auch ein potentieller AbFlex Benutzer, hat vermutlich eine Zählkette am Golfbag und ein lustiges Plüschtier auf dem Driver, trägt karierte Hosen und benutzt einen Chipper. Aber ich schweife ab. Die Nicht-Golfer unter meinen Lesern haben jetzt bereits vermutlich glasige Augen. Ihr seid entschuldigt und dürft diesen Beitrag überspringen.

Vor ein paar Jahren dann gewann ein drittklassiger US Profigolfer, der bis dato nicht weiter aufgefallen war und höchstens mal auf der Asian Tour punkten konnte (der Waldorfschule des Profi-Golfs) die Open, das älteste Golfturnier der Welt und das prestigeträchtigste der vier Major Turniere. Todd Hamilton benutzte sehr effektiv einen Rescue-Schläger um sich den Claret Jug und knapp 700.000 Pfund zu holen und plötzlich waren die Dinger nicht mehr peinlich sondern hip und fanden reissenden Absatz, auch bei anderen drittklassigen Pros. Hamilton ist seitdem wieder in der Versenkung verschwunden (aktuell Rang 720 der PGA Weltrangliste), aber die Rescues bleiben uns diesmal erhalten, wie’s aussieht.

Doch zurueck zum Ausgangsort: „Ich sehe, Sie möchten etwas für Ihren Spielspaß tun“ lächelt der Verkäufer und zwinkert dem irritierten Opfer, einem etwa fünfzigjährigen Plattfüssler mit rotem Kopf und Bierbauch, verschwörerisch zu. Er fischt gekonnt einen Schläger aus dem Display und hält ihn dem Mann unter die Nase. Ich beobachte die Szene aus den Augenwinkeln, während ich so angeregt wie fassungslos den Preis für ein Dutzend Titleist Pro V1 studiere.

„Hiermit gehören getoppte oder zu fette Schläge der Vergangenheit an. Der ist brandneu, gerade reingekommen. Probieren Sie mal!“ Der Verkäufer drückt dem Opfer den Schläger in die Hand und schiebt ihn sanft aber bestimmt in Richtung des Simulators. Das Opfer wirft einen Blick auf das Preisschild und erbleicht.

„Äh, nein, danke, ich wollte mich nur mal umschauen.“ Der Schläger wird mit leichtem Bedauern zurück ins Display gestopft. Doch so leicht gibt der Verkäufer nicht auf. „Sie werden sehen, Ihr Handicap faellt in Nullkommanix ins Bodenlose! Bald sind Sie Singlehandicapper.“ Er zwinkert wieder.

Das ist der Schubs für das wackelige Ego des Opfers. Es nimmt den Schläger wieder in die Hand, wackelt ihn ein paar Male unsicher hin und her und zögert: „Ich weiss ja nicht…“.

Jetzt fällt das Stichwort, auf das ich die ganze Zeit schon gewartet habe: „Einen so fehlerverzeihenden Schläger haben Sie noch nie gespielt!“ Der Verkaeufer lächelt aufmunternd. Das Opfer überlegt für jeden deutlich sichtbar: Ich krebse jetzt schon zwei Jahre auf Handicap 34 herum, sooo teuer ist der gar nicht, ich gehe ja auch nie zum Pro, das spart ja auch Geld – alle haben so ein Ding, damit gehört der nächste Monatsbecher mir, man gönnt sich ja sonst nichts, und so weiter, und so fort.

Ich kämpfe derweil mit Engelchen und Teufelchen auf meinen Schultern. Soll ich eingreifen und dem armen Kerl klarmachen, dass das alles Bullshit ist und er seine Kohle lieber in Unterrichtsstunden investieren sollte? Und wenn er unbedingt so ein Teil haben will, dann sollte er es woanders kaufen, übers Internet, denn hier zahlt er Apothekenpreise? Teufelchen gewinnt; ich widme mich wieder den Bällen. Hmm, die NXT Tour werden ja gerade ziemlich verschleudert…

„Ja, äh, welchen Schläger soll ich denn jetzt dafür zuhause lassen?”

„Dieser hier hat einen Loft von 23° und ersetzt das Eisen 3. Das können Sie jetzt getrost aus dem Bag nehmen.”

„Aber ich habe gar kein Eisen 3?”

Der Verkäufer gerät nicht eine Sekunde aus dem Takt: „Dann haben Sie mit Sicherheit eine klaffende Lücke zwischen Ihrem Holz 5 und Ihrem Eisen 4. Die schliesst der Hybrid optimal.”

„Ah ja.” Das Opfer schaut leicht verwirrt und schweigt. Ich könnte wetten, dass es auch kein Eisen 4 hat und sein Holz 5 höchstens vom Tee halbwegs trifft. An Sonntagen. In Schaltjahren. In Monaten, die nicht auf  ‘r’ enden.

„Kann ich den doch mal ausprobieren?” Bingo. Die zwei traben ab zum Simulator. Nach drei hilflosen Schwüngen, die aussehen als hätte jemand in ein Hornissennest gegriffen, ist für jeden offenbar: Dieser Mann ist Bewegungslegastheniker und wird in diesem Leben keinen verlässlichen und reproduzierbaren Schwung mehr haben. Er braucht alle Hilfe die er kriegen kann.

Diese kommt unerwarteterweise in Gestalt einer Frau. Seiner Frau. „Jetzt sag’ nicht, du willst dir schon wieder neue Schlaeger kaufen!”  Sie rollt mit den Augen und funkelt den Verkäufer an. „Was soll das Teil kosten? 230 Euro? Du hast doch nicht mehr alle beieinander! Das hat doch Dein ganzer Satz nicht gekostet!” Er zuckt zusammen, will sich aber nicht so leicht geschlagen geben. „Aber schau doch mal, an der elf käme ich dann endlich über den Teich…” Weiter kommt er nicht. Sie wirft ihm einen Blick zu, der frische Milch gerinnen liesse. „Fuer wen hältst du dich, für Tiger Woods? Der Pro hat gesagt, du sollst vorlegen. Wenn ich nur daran denke, wie viele Bälle du da schon versenkt hast!” Sie schnaubt.

Er legt den Schläger widerstrebend zurück. Der Verkäufer hat sich unauffällig zurückgezogen und sortiert drei Regale weiter Handschuhe, als hätte er überhaupt nichts mit der Szene zu tun. Die Gelegenheit ist vorbei, doch das nächste Opfer kommt bestimmt. Er wirft mir einen prüfenden Blick zu und zögert kurz. Ich bedenke ihn mit meinem schönsten quatsch-mich-an-und-du-stirbst-Funkeln und ziehe mit meinen Titleists zur Kasse. Von einem Singlehandicap bin ich weit entfernt, aber wenigstens bin ich Single.

Saft- und kraftlos

  • Veröffentlicht am 17th Dezember 2006,
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Die Firma mit dem Haken Swoosh hat in den vergangenen Jahren einen Haufen Kohle ins Thema Golf gepumpt. Sie haben u.a. Tom Wishon, Tiger Woods und Michelle Wie unter Vertrag genommen, den Gold und den Platinum Ball an den Start gebracht (die beide zusammen nicht so heiss begehrt waren wie der Black, der ursprünglich nur ein einmaliger PR Gag sein sollte) und mit Frank – Tigers Hobbes – einen echten Sympathieträger auf die Werbewelt losgelassen (und dann wieder eingestampft, nachdem klar wurde, dass er seinem doch reichlich farblosen Herrn und Meister die Show stahl). Die neuen Spots, mit denen das neueste Produkt beworben wird, sind so belanglos wie jedes mir bekannte Nike-(Golf)Produkt und beweisen damit: There is Truth in Advertising!

Caddyshack it’s not

  • Veröffentlicht am 17th Dezember 2006,
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Hmja, also das hier ist jetzt also der witzlose virale Clip für ein witzloses Produkt, das nur die Sorte Golfer hinter dem Ofen hervorlockt, die Neoprenschlägerhauben auf ihren Eisen haben, einen Chipper benutzen oder eine Zählkette ihr Eigen nennen. (Und dann noch für Geländewagenfahrer, klar.)

(via)

Ein typischer Novembermorgen in Deinste

  • Veröffentlicht am 6th November 2006,
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(Nur für den Fall daß sich jemand fragt, warum ich auch im November Sonnabends gerne so gegen sieben Uhr früh zum Golfplatz fahre.)

Wie so häufig waren sich wetter.de, donnerwetter.com und wetter.com einig: Es sollten maximal 11° werden, bei 80% Regenwahrscheinlichkeit. Und wie fast immer lagen alle Schwarzseher voll daneben: Es waren 18°, meist heiter, windstill und trocken.

Be careful what you wish for

  • Veröffentlicht am 10th September 2006,
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Freitagmittag noch rasch fuers samstaegliche Sunrise Turnier in Deinste gemeldet. Absage wegen mangelhafter Beteiligung. Den Samstag ohne Golf? Das geht nicht, das geht gar nicht, unter gar keinen Umstaenden! Was soll ich denn sonst machen, etwa die Waesche? Einkaufen, putzen, buegeln, Post der vergangenen acht Monate sortieren und beantworten oder gar lange schlafen, gemuetlich fruehstuecken und dann lesen, Musik machen oder den Stapel ungesehener DVDs abarbeiten?

Panisch, mit schweissnassen Fingern scrolle ich im Handy durch die Telefonummern der Clubs rund um Hamburg, die so etwa ein Drittel meines Adressbuchs ausmachen, und suche nach einem Turnierstartplatz fuer den naechsten Tag. Escheburg und GreenEagle – ausgebucht, Warteliste. Dito der Weidenhof (Ihr seht, die Verzweiflung war enorm…). Drei weitere Clubs haben interne Turniere – schliesslich erbarmt sich Gut Apeldoer meiner. Ja, um zehn koennten sie mich dazupacken, es habe jemand abgesagt, ob das ok sei? Fuer einen Fruehaufsteher wie mich ist zehn Uhr nachgerade Mittag. Jubel! Meine Kollegin starrt mich entgeistert vom Schreibtisch gegenueber an und schuettelt nur den Kopf. Suechtige und ihre Macken.

Samstag frueh um acht fahre ich los, die letzten der knapp 110 Kilometer zuckele ich hinter den Treckern und Apfeltransportern her. Der Himmel sieht bedrohlich aus, aber noch ist es trocken. Um halb zehn bin ich da, schiebe mit vor freudiger Erregung zitternden Fingern das Startgeld ueber den Tresen. Der Dealer meines Vertrauens Clubsekretaer schiebt im Gegenzug meine Scorekarte rueber, die ich hastig einstecke bevor ich zum ersten Abschlag eile. Meine beiden Mitspieler sind schon da und kloenen. Einer reicht zur Begruessung und zum Aufwaermen kleine Apfelkornflaeschchen herum. Selbstgebrannter, auf nuechternen Magen – Helau.

Der Starter schickt uns auf die Runde. Der erste holt aus zum Probeschwung, da legt Petrus den Schalter von ‘stuermisch-bedeckt’ auf ‘stuermisch-Platzregen’ um. Binnen Sekunden sieht man die Hand vor Augen nicht mehr. Nicht mal meine Dusche hat so viel Druck (jaja, entkalken, ich weiss). Mein Regenanzug ist gefordert und haelt tapfer durch, aber ab der fuenfzehn wirft er das Handtuch. Das einzig trockene sind meine Fuesse (Walter Genuin sei Dank). 20 Nettopunkte, neuer Negativrekord der Saison. Und trotzdem bin ich gluecklich. Wir haben alle drei ein irres Grinsen im Gesicht als wir reinkommen. Acht oder zehn haben aufgegeben, ‘no return’. Die Flaschen. Am Ende die heisse Dusche, das Weizen, der Kartoffeleintopf – und ein froehliches „wird nicht gewertet heute“ von der Spielleitung. Es war mal wieder ein toller Tag. Auf der Heimfahrt schien uebrigens die Sonne, klar.

Golf is a four-letter-word

  • Veröffentlicht am 9th August 2006,
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Golf is a four-letter-word

Heute ist der Tag, ich fuehle es. Heute werde ich meine Nemesis, diesen fiesen, kleinen Drecksplatz auseinandernehmen, das wird ein Massaker, ein Birdiefestival, ich werde mindestens 40 Netto einfahren und am spaeten Nachmittag sieges- und Weizentrunken nach hause getragen werden auf den Schultern der Besiegten. Der Ruhm wird mein sein!

Loch 1

So, diesmal werde ich nicht hinten rechts zwischen Bunker und Gemuese liegen sondern die Pille zuckersuess aufs Vorgruen knallen.
WAAAS? Wieso slice? Was soll das denn? Mist!
Na gut, dann eben den dritten aufs Vorgruen, ein Chip-In und das Par retten.
JA SPINNEN DIE? Die koennen doch nicht einfach auf frisch gesandeten Gruens ein Turnier durchziehen! Das ist so unfair! Das ist so… so… ach, Scheisse. Ein Dreiputt. *heul*
Strich.

Loch 2

Aber jetzt. Ein lockeres Eisen 8 an den Stock und dann das Birdie.
Na gut, nicht am Stock, immerhin auf dem Gruen. Aber das Par ist noch drin.
RRRRRRRAAAAAAHHHHHHHHH! *gegen das Bag tret*
Einen Punkt.

Loch 3

So, bleib cool, Holz 5 ins Vorgruen, Chip, ein Putt, Birdie.
NAAAAAAAAAIIIIIIIN! Was soll ich denn DA?
OK. Bleib cool. Tief durchatmen. Ein cremiges Wedge… WHAT THE FUCK? Zu duenn! Getoppt! Wie ein blutiger Anfaenger! Aber drauf, leider hinten oben und die Fahne steht eine Etage tiefer. Jetzt einfach lecker ans Loch legen und dann tap-in. Nicht zu gierig werden. Gaaaaanz sutsche!
NICHT SO WEIT! Argh, einen drei Meter langen Rueckputt. Klar. Den kriegt nicht mal Tiger rein auf solchen SCHEISSGRÜNS!
Einen Punkt.

Loch 4

OK, die schlimmsten Loecher liegen hinter dir. Jetzt lass’ den Driver stecken, nimm das Dreierholz. Denk’ dran, Mädchengolf heisst die Devise. Sicher nach Hause schaukeln. Vergiss die ersten drei Loecher.
MIST! Schnurgeradeaus, aber natuerlich in den Baum gehoppelt. Unspielbar. Also schoen zurueck, den dritten an den Stock, ein Putt, Par. Ganz cool.
AAAAAH! Pin-high, aber zehn Meter zu weit links. Jetzt muss der Chip aber sitzen!
fuckfuckfucketyfuck. Strich.

Loch 5

Geiler Abschlag! Baby, du kannst es ja! Wow!
OK, den Pitch hast Du etwas zu kurz gelassen, aber hey, ein schoener Lag-Putt, ein tap-in und du hast das Par!
COOL! Hat funktioniert!
Par, zwei Punkte.

Loch 6

Richte dich nach rechts aus, du liegst sonst wieder hinten links im Wasser.
WAS HAB’ ICH DIR GESAGT?
Puh, kurz vorm Wasser liegengeblieben. Jetzt nur nicht den Chip zu kurz lassen.
Das meinte ich mit nicht zu kurz lassen Du Schwachkopf! Ja nee, ist klar, jetzt noch einen gepflegten Dreiputt. Geh’ sterben, Du Loser!
Bogey, einen Punkt.

Loch 7

OK, nimm die 5 und hau’ ihn ueber den Baum vor den Bunker.
Hui, der koennte etwas lang gewesen sein. Provisorisch hinterher.
Na, der ist garantiert im Aus. Shit.
Oh, die liegen ja beide doch noch ganz gut nebeneinander!
Cooler chip, zwei Putts, Par. Drei Punkte. Geht doch!

Loch 8

Nimm’ ein Eisen weniger. Sonst liegst du wieder auf der 9.
Na, bisschen kurz, aber sicher im Rentnereingang.
WIESO LÄSST DU DUMMES STÜCK DEN CHIP SO KURZ, HÄ?
Und dann noch zwei Putts, na bravo.
Zwei Punkte.

Loch 9

Sprich’mir nach: Lass’den Driver stecken!
So ist’s brav, wer sagt’s denn, zackige 200 Meter mit dem Holz 3, wozu brauchst du ueberhaupt ‘nen Driver?
OK, die 8 war etwas duenn getroffen, aber er liegt noch. Das Par kannst Du noch retten.
WENNN DU PUTTEN KÖNNTEST, DU DUMMES HUHN!
Zwei Punkte. Zwischenbilanz: 13 Punkte. Der Puffer ist gerade noch drin, wenn jetzt ein paar Birdies kommen. Die back nine gehoeren dir, Baby.

Loch 10

JAAAAAAA! GEIL! Holz 3 und fast auf dem Gruen! Du bist sooo toll! Das Birdie ist dein!
Shit! OK, kann passieren. Aber das Par ist auch ok. 2 Punkte.

Loch 11

Denk’ dran, die 9 reicht. Mit der 8 liegst Du wieder auf dem Abschlag der 7.
Hups! Bisschen kurz. Aber drauf. Par. 3 Punkte. Geht doch!

Loch 12

Denk dran, Mädchengolf. Kein Driver, kein Holz 3. Du kommst doch nicht uebers Biotop, also leg’ vor.
WAS HAB’ ICH DIR GESAGT? VOR-LE-GEN!
Ja toll, den zweiten kann jeder.
Wo willst du denn jetzt hin? Puh, liegt noch.
UND VOLLE KANNE CARRY INS AUS. Ja nee, ist klar. DU STINKST DOCH!
Strich.

Loch 13

Ein locker-flockiges Eisen 9 an den Stock und… na gut, nicht an den Stock, aber immerhin drauf.
SHIT!
Ein Punkt.

Loch 14

Das ist dein Lieblingsloch auf diesem Platz. Jetzt ist der Score eh’ im Arsch, da kannst du auch den Driver nehmen.
GEIL-O-MAT! Das waren satte 250 Meter. YESSIR!
Und jetzt bist du zu bloed um das Wedge an den Stock zu knallen! Sag’ nicht, der ist im Aus. SAG’ JETZT NICHT, DER IST IM AUS! WAAAAAAAHHHHHHH!
Strich. Fuck.

Loch 15

Nimm’ das Holz 3 und vergiss’ den Baum.
Aw, shit. Darf ich vorstellen, Dein alter Bekannter Captain Hook. Schade auch, da ist Biotop.
Wie gesagt, zweiten kann jeder.
Das waere ein schoenes Par gewesen, wenn’s denn mit dem ersten Ball geklappt haette.
6, ein Punkt.

Loch 16

Uh, das war hingegen ein Slice Powerfade, hm? Na, mal sehen ob er noch liegt.
Hey, er liegt noch! Cool!
Jau, und das nenne ich mal einen schoenen Pitch. Hoer’ auf zu rollen! HÖR’ AUF ZU ROLLEN! Wieso rollt das kleine Scheissteil so? Das sind mindestens zwanzig Meter!
OK, Putten lernen wir noch. Wir spielen ja erst seit dreissig Jahren.
SCHEISSE!
Strich.

Loch 17

Die 8 ist zu viel, da liegst Du wieder hinten im Wasser. Das Wedge ist zu wenig. Wir haben Gegenwind und es geht ueber Wasser. Nimm’ die 9. vertrau’ der 9.
Huiuiui, der hat sich aber mit der letzten Umdrehung ueber den Bunkerrand gerettet! Schade, noch gefuehlte 2 Kilometer bis zur Fahne.
Das waren jetzt keine fuenf Putts, oder?
NEIN! NICHT DEN PUTTER INS WASSER WERFEN! DAS IST DEIN LIEBLINGSPUTTER! Wirf lieber den Ball weg. *platsch*
Gut so.
Strich.

Loch 18

Das Drama hat ja bald ein Ende. Tu’ dir den Gefallen und stirb aufrecht, mach’ noch ein Par.
ESSSSSSS! Zuckerabschlag. Das waere der longest drive gewesen!
Und der zweite war ja auch eine echte Granate. Geil, Holz 3 vom Fairway geht wieder.
Hey, pin-high die 8, leider zu weit links. Aber da chipst du laessig mit dem 7er an den Stock und schnipst ihn rein zum Par.
GENAU SO! Du kannst es doch!
Par, 3 Punkte.

23 Netto. Kopf hoch. Morgen nimmst du die Pinnau auseinander. Weisst ja jetzt, wie’s nicht geht.
Aber erst mal Baelle kaufen.

Der Zirkus war in der Stadt

  • Veröffentlicht am 30th Juli 2006,
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Alle Jahre wieder kommt die European Tour für eine Woche nach Hamburg, genauer gesagt nach Gut Kaden, für die Deutsche Bank Players Championship of Europe. Das Turnier ist eines der bestdotiertesten (insgesamt knapp 3,6 Mio Euros an Preisgeldern) und eine der letzten Chancen, noch dringend benötigte Punkte für die Qualifikation zum Ryder-Cup einzufahren. Ausserdem hat der Sieger für die nächsten 5 Jahre die Startberechtigung auf der Tour, kann also ruhig schlafen.

Dieses Jahr bin ich als freiwillige Helferin dabei. Am Freitag vergangener Woche gab es eine Einführung fuer die Ersttäter, die nur etwa ein Drittel der rund 370 Helfer ausmachen. Offenbar macht der Zirkus süchtig. Bei der Einführungsveranstaltung bekamen wir unser Helferoutfit: Käppi, zwei Nike-Shirts und Windjacke mit dem Logo “Deutsche Bank Players Championship” bestickt, ausserdem die nötigen Ausweise und Essensbons sowie sechs Freikarten für Freunde und Verwandte (im Wert von je rund 30 Euro). Wie ich hörte, hört man dann von gar nicht mal wenigen der Freiwilligen nichts weiter mehr: die haben abgetankt was abzutanken war und erscheinen einfach nicht zum Dienst. Auch eine Art, sich unmöglich zu machen.

Die Klamotten passen wenn überhaupt meiner Barbiepuppe (wenn ich denn (je) eine (gehabt) hätte), auch das soll angeblich Tradition sein. Ich würd’ s ja ertragen und zähneknirschend eine Woche lang wie die Wurst in der Pelle rumlaufen und mich zum Affen machen, aber von dem Synthetikdreck in den Shirts kriege ich Ausschlag. Und aus naheliegenden Gründen kommt es nicht so gut, wenn man sich andauernd wie irre kratzen, aber doch komplett stillhalten muß bis der letzte Aspirant seinen Putt versenkt hat. Also laufe ich in unbesticktem weissen Polohemd auf und mein Blick lässt jedem das Blut in den Adern gerinnen, der es wagen sollte mich nach dem offiziellen Helfershirt zu fragen. Es traut sich niemand, gut so.

Am Donnerstag und Freitag war ich eingeteilt, an einem Grün zu sitzen und den Score aufzuschreiben und per PDA ins Scorerzelt rueberzubeamen. Das klingt zunächst einmal ganz einfach und stressfrei. Wie schwer kann es sein, auf einem Klappstuhl zu hocken und jeden Spieler nach seinem Score zu fragen, bevor er zum nächsten Abschlag geht?
Ich sitze also auf dem Klappstuhl und warte, bis sich die erste Gruppe nähert. Und warte. Und warte. Und springe auf und schlage wild nach den Bremsen, die mich stechen wollen. Und wische mir angeekelt die Rapskäfer von meinem leuchtend weissen Hemd, das die Mistviecher magisch anzieht. Und warte. Und sehe schliesslich den ersten Spieler. Aha! Ein Blick auf meine Startliste verrät mir, dass es sich um die Gruppe Ormsby, Havret und Kjeldsen handelt. Ähm, ja. Keinen der Herren habe ich je vorher gesehen. Die Namen sagen mir nichts. Also Detektivarbeit: Die Caddies tragen nicht nur die schweren Taschen der Spieler, sondern ausserdem Leibchen mit dem Spielernamen auf dem Rücken. Der Typ im roten Hemd gehört zu dem kleinen dicken Caddie, zumindest wirft er ihm seinen Ball zum säubern zu. Ich hypnotisiere den Caddie: Du drehst dich jetzt um, los, dreh’ dich um! Und es funktioniert tatsächlich, er dreht sich um und ich lese “Havret”. Der Typ im roten Hemd ist also schon mal identifiziert. Die anderen beiden habe ich auch bald raus und führe im Geiste meine Strichliste. Alle liegen mit dem zweiten Schlag auf dem Grün. Havret locht seinen Putt zum Birdie. Klasse. Ormsby spielt ebenfalls eine 3. Der Däne, Kjeldsen, schafft nur das Par. Jetzt kommt mein grosser Auftritt: „May I take your score, please?“ Jeder Spieler ist verpflichtet, mir unaufgefordert seinen Namen und seinen score mitzuteilen. Da diese drei Jungs gut gespielt haben und entsprechend gut gelaunt sind, tun sie mir den Gefallen. Havret nennt mir alle drei Scores. Doch im Laufe des Tages merke ich rasch, dass meine detektivischen Fähigkeiten unabdingbar sind. Wenn einer schlecht liegt für den Tag, gibt er keine Antwort und ich kann dann hinterherrasen und es weiter versuchen. Verständlich, aber das sorgt fuer eine unentspannte Atmosphäre. Aber mein detektivischer Spürsinn stand dem der drei ??? in nichts nach und am Ende waren alle scores erfasst und ich konnte mir ein hochverdientes Eis holen gehen und ein paar Schnäppchen an den vielen Verkaufsstaenden zu machen.

Gestern und heute dann war ich mobiler scorer, wurde also einer bestimmten Gruppe zugeteilt, die ich die gesamte Runde begleiten durfte. Da ich zumindest gestern beide Spieler kannte (Jarmo Sandelin (SWE) und Tom Whitehouse (ENG)), entfiel die Detektivarbeit. Ausserdem konnte ich schön im Schatten gehen, nicht zu unterschätzen bei den schwülheissen Temperaturen. Ansonsten wie gehabt: Score notieren, rüberbeamen, nächstes Loch. Dazwischen bekam ich eine Lehrstunde (genaugenommen viereinhalb), wie man richtig gutes Golf spielt. Beängstigend, dass die zwei unter “ferner spielten” rangierten – die Jungs auf den vorderen Plaetzen müssen wirklich Golf vom anderen Stern gespielt haben, denn ich wüsste nicht, was man an z.B. Sandelins Spiel noch verbessern koennte. Leider hatte er sehr viel Pech auf den Grüns, viele Putts sind ausgelippt oder haben die Lochkante rasiert ohne letztlich zu fallen. Heute hat er es besser gemacht und eine 65 gespielt, sieben Schläge unter Par. Damit verbesserte er sich vom geteilten 50. Platz auf den geteilten 18. Platz, keine kleine Leistung.

Leider hatte ich heute zwei andere Spieler zu begleiten, deren Namen an dieser Stelle unerwähnt bleiben sollen, da sie unglaublich unfreundlich gegenüber ihren Caddies, den Zuschauern und den freiwilligen Helfern waren. Nur zur Erinnerung: Die Zuschauer sind der Grund dafür, dass Ihr Euren Lebensunterhalt damit verdienen dürft, einen kleinen weissen Ball in ein Loch zu schubsen. Dafür zahlen sie z.B. auf Gut Kaden bis zu 35 Euronen Eintritt am Tag. Die Caddies schleppen Euch nicht nur den Allerwertesten sondern auch Eure 35 Kilo schwere Tasche hinterher, putzen Eure Schlaeger und Bälle, holen Euch Wasser, harken die Bunker durch die Ihr so achtlos kreuz und quer stapft und machen auch noch den Gute-Laune-Baer und Blitzableiter für Euch. Dafür kriegen sie im maximal 10% von Euren Preisgeldern (nämlich nur der Siegercaddie) oder ein Trinkgeld. Nur zu Erinnerung: 10% von null sind null. Und die freiwilligen Helfer nehmen sich eine kostbare Woche Urlaub um Euch das Spiel so angenehm wie möglich zu gestalten, stehen mitten in der Nacht auf und kämpfen sich durch den Reiseverkehr auf der A7 nach Quickborn, um vor Euch tw. ab sechs Uhr auf der Anlage zu sein, kämpfen mit der ständig schwächelnden Technik der museumsreifen PDAs und Walkie-Talkies und ihrem follow-me Englisch, schleppen das langstielige Brett mit dem Spielstand auch bei Windböen tapfer über den Platz und halten für Euch die Zuschauer in Schach. Ich für meinen Teil wüsste auch andere Dinge mit meinem Urlaub anzufangen, z.B. selber Golf spielen.

Es war dennoch eine tolle Woche, ich habe viele Clubmannschaftskollegen getroffen, alte Golfbekanntschaften erneuert und neue geschlossen, eine Einladung eines Referees bekommen mit ihm in Schottland eine Runde zu spielen, mit dem netten Typen aus dem Scoring-Zelt geflirtet, mit ein paar Caddies über Schlaeger gefachsimpelt und mir von Roey den Tiger-Trick mit dem Wedge-Bounce zeigen lassen (der Trick heisst ‘üben’. wer hätte das gedacht?). Der Zirkus zieht weiter nach Malmö, zur Scandinavian Masters. Nächstes Jahr kommt er vielleicht wieder nach Gut Kaden. Ich bin bestimmt wieder dabei.