Zwischen dem 17. Februar 2013 und dem 20. Februar 2013 aufgelesen:
- Anmerkungen zur Social Media Week Hamburg
„Wie damals, als das Internet neu war und jeder einen vierwöchigen Webdesign-Kurs besuchte, damals war auch klar, dass ein solcher Kurs nur ein absolut rudimentären Wissen vermittelt.“
Ich erlaube mir da einen kleinen Einwand und einen Nebenpfad. Als das Internet neu war und jeder einen vierwöchigen Webdesignerkurs vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückt bekam, der ein paar Jahre zuvor einen vierwöchigen DTP-Grafikerkurs vom Arbeitsamt aufs Auge gedrückt bekommen hatte, da gaben diese Webdesignkurse geschäftstüchtige Leute, die sich genau sechs Wochen länger mit Webdesign beschäftigt hatten. Es gab kein Webdesign (wir hatten ja nix), das WWW war frisch erfunden und entwickelte sich erst – genau wie dieser Social Media Kram, den gibt es auch erst seit 2005, aber der ändert sich fast noch rasanter jeden Tag. Webdesign auch, aber da ändern sich nur die Werkzeuge. Am Ende soll alles so schön aussehen wie im Print, also dem Zeug, das gerne mal als Totholz verunglimpft wird. Print ist das Vorbild, und jetzt, wo mit Web Fonts endlich das Korsett von Arial, Helvetica, Georgia, Monaco gesprengt wurde, kann sich Webdesign langsam zu etwas eigenem entwickeln.
Wer 1992 zum DTP-Grafiker umschulen musste weil es seinen ursprünglich erlernten Traditionsberuf des Setzers nicht mehr gab, nahm einen Fundus an überliefertem Wissen mit, das die Jungs von Quark, Aldus und Adobe händeringend in ihre tolle neue Software zu pressen versuchten (bis heute eher so mittelerfolgreich). Der Schüler hatte enormen Wissensvorsprung vor dem Lehrer bzw. dem neuen Handwerkszeug, das er zu Recht als völlig inadäquat ansah. „Ihr habt eine ganze Branche plattgemacht, und wofür, für das?“ DTP-gedruckten Broschüren, Plakate, Anzeigen etc. sah man an, daß hier wohl gewollt, aber nicht gekonnt wurde. Die Ergebnisse waren nicht Fisch, nicht Fleisch – besser als hektografierte oder fotokopierte Kollagen, aber qualitativ einfach nicht zu vergleichen mit herkömmlichen Druckverfahren.
Social Gedöns aber hat keine Vorbilder. Die wahlweise synchrone oder asynchrone weltweite Kommunikation auf vielen Kanälen gleichzeitig, mit tausenden von verschiedenen Regeln, Stilmitteln, Möglichkeiten und ohne jede Garantie, daß die Plattform der Wahl morgen noch existiert ist mit nichts in der Geschichte der Menschheit zu vergleichen. Wer heute also einen Webdesigner oder Social Media Kurs besucht, ist zu blöd zum googeln und zu unwillig, selbst nachzudenken und aus seinen eigenen Kommunikationserfahrungen – online wie offline – die nötigen Schlüsse zu ziehen.
- Tumblr Is Not What You Think | TechCrunch
„Tumblr proves that the issue is less about public vs. private and more about whether you are findable and identifiable by people who actually know you in real life.“
Ich bin mit Tumblr aufgrund ihrer mangelhaften Suchfunktion und dem nonexistenten Kommentarsystem nie so recht warm geworden, und nun weiß ich auch, wieso nicht: Da will gar keiner gefunden werden! Der Wahnsinn hat Methode!
Nützlich. Auch für Nicht-Autoren.
- Want Higher Productivity? Stop Treating Employees Like Children | TIME.com
„The reality is, some people need absolute silence and can concentrate on a project for hours without taking a break. Other people work better with music and with frequent interruptions, be it with other humans or the Internet. Some work best in an office environment. Others work best at home. Some people do their best thinking in the morning. Others are brilliant only after 10 p.m.“
So ist es. Glücklich, wer seine Arbeitszeit nach seinem Rhythmus frei einteilen kann oder wenigstens eine verständige Geschäftsleitung hat, die einem die nötige Freiheit lässt, so produktiv zu arbeiten daß es für alle ein Gewinn ist.
Ich trauere dem Monopol hinterher. Post zweimal am Tag, Briefe für fünfzig Pfennige, Telefonzellen an jeder Ecke, man kannte seinen Paketboten und seinen Briefträger, die Post machte früh um 7:30 Uhr auf und um 18 Uhr zu und der Brief war am nächsten Tag beim Empfänger und wenn nicht, konnte man einen Nachforschungsantrag stellen und sicher sein, daß sich der Schlingel nur hinter einem Postsack verfangen hatte und gefunden werden würde. Telefonieren kostete im Ort fast nichts (in meiner Kindheit konnte man den ganzen Tag für 20 Pfennige ein Ortsgespräch führen, später gab’s nur noch 8 Minuten für 30 Pfennige, was zu einem Aufschrei der Empörung führte) und Ferngespräche verlagerte man auf Sonntags, da war es billiger. Internet gab es über die Ortstarifwahl zu einer Mailbox, später über Knotenpunkte von CompuServe oder GEnie, noch später über AOL, aber da war der gelbe Riese schon ins Wanken geraten.
Das alles wurde abgeschafft, zerschlagen und privatisiert, weil es den Steuerzahler zu viel Geld kostete und nicht länger finanzierbar war. Wo die eingenommenen Milliarden geblieben sind, will niemand so genau wissen, der Steuerzahler ist heute ärmer dran als je zuvor und der Service so schlecht wie nie, die Postbeamten sind tot oder fast ausgestorben, an ihre Stelle sind Leiharbeiter a.k.a. Mietsklaven und Subunternehmer getreten, die es für 1,50 €/Stunde naheliegenderweise einen Scheiss interessiert, wo dein Brief gerade ist und dein Paket gar nicht erst ausliefern, weil sie sonst ihre Zeitvorgaben nicht schaffen, die ihnen irgend ein pickeliger, sesselfurzender Unternehmensberater Anfang zwanzig vorgegeben hat („KPMG – Kinder Prüfen Meine Gesellschaft“). Zum Trost wurden Packstationen erfunden, in denen der Depp Kunde dann sein Paket selbst abholen darf, für dessen Zustellung er mindestens 4 Euro nochwas gezahlt hat. Die Packstation lässt sich nur mit Plastikkarte und Handy öffnen. In manchen Gegenden kann man auch den Rocker fragen, der gerade sein Bier gegen die unteren Fächer schifft, ob er einem mal kurz den Baseballschläger leiht während man seine Bierdose hält – nämlich wenn das verdammte Ding mal wieder kaputt ist und man nicht an den dringend benötigten Inhalt kommt.
Ich vermisse das Monopol, wirklich.
- Mainz, den 18….
„Eines aber muss ich Ihnen lassen: Ihr System funktioniert prima! Zwanglos herumstöbern, ein Buch aussuchen, bestellen, es in einem oder zwei Tagen portofrei in Händen halten – großartig!Leider sind Sie damit nicht allein auf weiter Flur. Wir haben dieses System in Deutschland schon seit langem, bis hinein ins kleinste Dorf. Es nennt sich: der Buchhandel.“
Der zweite Verleger kündigt Amazon. Mich freut das, auch wenn die Zyniker lästern es brächte nichts. Es bringt dem Verleger sicher etwas, und anderen macht es Hoffnung und vielleicht Mut. Amazon ist nicht vom Himmel gefallen, es ist kein gottgegebenes Schicksal, man kann, darf und sollte auch woanders kaufen und bestellen. Es dauert nirgends signifikant länger als bei Amazon, geht oft genauso schnell oder schneller. Und wer eh zur Packstation rennen muss (s.o.) kann auch die drei Meter weiter zu seiner Buchhandlung gehen und sein Buch dort abholen.
Der Beetlebum fährt auf die San Diego Comic Con weil seine Freundin gerne Streifenhörnchen sehen will. #kannstedirnichtausdenken
- Das Muttertier
„Man sagt ‘Guten Tag’, man sagt ‘Danke’ und ‘Bitte’, man hält der Person hinter einem die Tür des Ladens auf, man gibt der alten, gebrechlichen Omi im Bus seinen Platz, man sagt “Mmmhnomnom, lecker!”, wenn Mutter Blutwurst gemacht hat, sagt “Oh, das ist mit Abstand das schönste Geschenk, das ich je bekommen habe!”, wenn das Kind einem ein abgrundtief hässliches Bild aus getrockneten Nudeln gebastelt hat und sagt “Oh, oh, ja, oh mein Gott, oh ja, du bist so gut!”, wenn man mit seinem Liebsten schläft oder demjenigen, der halt sonst gerade da ist.“
Hihi!
Das Video „Nico and the sword of light“ ist heute ein Teaser für eine fantastische Kickstarterkampagne zu einem animierten Comicbuch. Absolut sehens- und unterstützenswert! (Kann es sein, daß ich in letzter Zeit so ziemlich alles, was im Netz und abseits der großen Studios in Hollyweird produziert wird, spannender finde?)
Zwischen dem 17. Februar 2013 und dem 20. Februar 2013 aufgelesen: Anmerkungen zur Social Media Week Hamburg „Wie damals, als das Internet neu war und jeder einen vierwöchigen Webdesign-Kurs besuchte,...