Der Teufel trägt Prada

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The Devil Wears Prada (Der Teufel traegt Prada) ab 19. Oktober 2006 im Kino

R: David Frankel
D:
Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt

Wer sehr viele Filme sieht und haeufig ins Kino geht, wird von einem Film nur noch selten ueberrascht. Zwar schaffen es die Marketingabteilungen der grossen Studios und Verleiher regelmaessig, aus erstklassigen Filmen echt uninteressante Produkte zu machen und umgekehrt wirklichen Muell als Goldbarren zu verkleiden, aber nach einer Weile hat man den Bogen ziemlich raus und weiss, was sich hinter welchen markigen Spruechen verbirgt. Ein Blick auf die credits sagt da meist mehr aus. Die Liste der schlechten Meryl Streep Filme ist erstaunlich kurz, und David Frankel hat nicht nur zwei sehr bewegende Folgen von Band of Brothers gedreht sondern auch fuer eine andere preisgekroente HBO Miniserie, From The Earth To The Moon. An der Kamera Florian Ballhaus (ja, sein Sohn) und die Musik von Todd Shapiro, dessen unaufdringliche aber perfekt passende Arbeit mir schon beim anderweitig wenig bemerkenswerten State and Main positiv aufgefallen ist. All dies liess mich hoffen bei The Devil Wears Prada, der Verfilmung des Bestsellers von Lauren Weisberger ueber die Tuecken des Geschaefts mit der Mode.

Gleich vorab: meine Hoffnungen und Erwartungen wurden nicht enttaeuscht, im Gegenteil. Obwohl die Geschichte nicht sonderlich originell ist (junges, unerfahrenes aber intelligentes Maedchen laesst sich in ihrem ersten Job in einer Glamour-Branche von einer giftigen alten Natter und ihren Getreuen erniedrigen, ausbeuten und verheizen, verliert auf dem Weg fast ihre Integritaet und ihre Freunde bevor sie dann doch noch gerade rechtzeitig die Notbremse zieht), wurde sie erstaunlicherweise nicht halb so oberflaechlich umgesetzt wie man das erwarten musste.

Als Kommentar zum Jahrmarkt der Eitelkeiten liegt The Devil Wears Prada auf einer Linie mit Altmans Pret-a-Porter, aber ist nicht ganz so absurd. Anne Hathaway, die zuletzt in ihren wenigen Szenen in Brokeback Mountain Eindruck hinterliess, spielt das Landei in der grossen boesen Welt. Obwohl sie ihre Sache sehr gut macht, verblasst sie schlicht hinter der uebergrossen Leistung von Meryl Streep, die sichtlich Spass daran hat, eine Frau zu spielen, die zu hassen jedermann liebt. Stanley Tucci als Tucke vom Dienst sorgt fuer den noetigen comic relief, wenn einem das Lachen einmal mehr im Halse stecken bleiben will – denn natuerlich hat jeder Zuschauer entweder eigene Erfahrungen mit schwarzen Witwen à  la Streep gemacht, oder kennt genuegend Opfer. Die Modebranche ist hier nur ein Synonym fuer jeden x-beliebigen Betrieb der mehr durch seinen Ruf als durch seine tatsaechliche Leistung leuchtet. What Women Want meets The Firm sozusagen – wer sich einmal das eitle, selbstverliebte Gesuelze gewisser Werbeagenturen angetan hat, weiss genau was ich meine. Und wenn man aus dem Kino kommt, erscheint einem die eigene taegliche Tretmuehle geradezu liebenswert.

Fazit: in jeder Hinsicht sehenswert!