Die 3 Tage des Condor

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The 3 Days of the Condor
R: Sidney Pollack
D: Robert Redford, Faye Dunaway, Max v. Sydow

Die 3 Tage des CondorAm Ende schaut uns Robert Redford an, zweifelnd, fragend und etwas furchtsam: Haben wir auch alles mitgekriegt? Wissen wir jetzt, was auf dem Spiel steht? Fuer ihn selbst – oder genauer gesagt Joe Turner, den Agenten mit Decknamen Condor’, den er verkoerpert – scheint kaum noch Hoffnung zu bestehen. Er wird sein Leben lang auf der Flucht sein und bei den maechtigen Gegnern die er hat, wird diese Flucht wohl nicht lange dauern.

Redford spielt einen Buecherwurm in den Diensten der CIA, der eines Tages mittags zu Tisch geht und bei seiner Rueckkehr saemtliche Kollegen im Buero ermordet vorfindet. Er nimmt Kontakt zu den einzigen Menschen auf, die er in New York kennt, seinen Vorgesetzen. Von nun an wird er als Hauptverdaechtiger gejagt, waehrend er eine Verschwoerung in den Reihen der CIA aufdeckt.

Bei Licht betrachtet ist die Story recht konventionell und folgt Hitchcocks sattsam bekannten Thema „ein gewoehnlicher Mann in einer ungewoehnlichen Situation“. Nur dass der Zuschauer hier – anders als bei Hitchcock – genauso im dunkeln tappt wie Redfords Figur.

Aus heutiger Sicht erscheint die Aufloesung geradezu prophetisch, zumindest sehr bekannt und plausibel. Was passiert, wenn eine kleine einflussreiche Gruppe Industrieller und privater machtgieriger Interessenten eine geheime Organisation gruendet und die Regierung de facto aushebelt, bzw. hinter ihrem Ruecken die Dinge in die Hand nimmt? Heute, zahlreiche Oliver Stone Filme und Michael Moore Veroeffentlichungen spaeter, sind wir vielleicht schon fast gelangweilt ob solcher Diskussionen. 1975 waren das nationale Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigene Regierung in den USA auf dem absoluten Tiefpunkt angelangt. Watergate war noch allen taufrisch im Gedaechtnis, Praesident Nixon war gerade erst zurueckgetreten und die CIA war in Erklaerungsnot ob ihrer frisch aufgeflogenen illegalen Operationen in Suedostasien. Dass die Boesen in der eigenen Regierung sassen, konnten nicht einmal die konservativsten Republikaner als linke Verschwoerungstheorie abtun; es war bittere Realitaet, der man ins Auge sehen musste.

Der Film ist mit Sicherheit kein Meisterwerk, er hat einen Haufen Handlungsloecher und Faye Dunaways Figur erwaermt sich fuer meinen Geschmack doch etwas zu fix fuer den Mann, der ihr in ihrer eigenen Wohnung eine Pistole vor die Nase haelt. Robert Redford hin oder her, aber das ist dann doch ein wenig dick aufgetragen. Dennoch ist Three Days Of The Condor ein gelungener Beitrag zum klassischen Paranoia-Kino, in einer Reihe mit Frankenheimers The Manchurian Candidate, Pakulas The Parallax View und Coppoals The Conversation. Und da das Genre ja gerade im dritten Fruehling ist, nicht zuletzt dank Gaghans sehr starkem Beitrag Syriana und dem deutlich schwaecheren aber zumindest zum Nachdenken anregenden V for Vendetta der Wachowski Brueder, lohnt sich das ansehen allemal.

Die Neuauflage der DVD erfreut durch das Original Bildformat 1:2,35, ein restauriertes Bild und guten Ton, und vor allem Sidney Pollacks wie immer unterhaltsamen und interessanten Regiekommentar. (Die Ausgabe der SZ Edition beinhaltet noch die Erstauflage, ohne Regiekommentar und mit nicht restauriertem Bild.)