Wie man sich in den Knast googeln kann

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In David Finchers dunklem Meisterwerk Se7en (Sieben) kommt die Polizei dem Killer auf die Schliche indem sie überprüft, wer wann welche themenrelevanten Bücher (über die sieben Todsünden) aus öffentlichen Bibliotheken ausgeliehen hat. Sowohl die Sammlung dieser Daten, als auch deren Nutzung war zu der Zeit als der Film entstand illegal und hätte nicht vor Gericht verwendet werden dürfen, im Gegenteil: Die Beamten wären vermutlich in Teufels Küche gekommen, wären ihre Ermittlungsmethoden bekanntgeworden.

Se7en war nur ein Hollywoodfilm. Inzwischen hatten wir 9/11, und die US-Behörden sammeln und nutzen mit entsprechend geänderten bzw. neu durchgedrückten Gesetzen alles an Daten, was sie über ihre eigenen Büger als auch die anderer Staaten (z.B. bei einem Flug in die USA) in die Finger bekommen können. Dabei versichern sie sich der engen Mitarbeit und Unterstützung der ISPs und Firmen wie Google, die herzlich gerne ihrer patriotischen Pflicht nachkommen: Google speichert IP Adresse, cookies und alle Suchbegriffe, die der User eingibt, “solange wie nötig” (also ggf. bis die Hoelle überfriert). Wer also nicht mehr ganz sicher ist, wie U2s Album richtig heisst und nach “How To Build An Atomic Bomb” googelt (statt nach “How To Dismantle An Atomic Bomb”), oder wer einen Thriller schreibt und sich über todsichere Mordmethoden informieren will, kann zumindest in den USA unter Umständen mit Besuch von Agent Smith und Co. rechnen. Mehr dazu hier.