Von einer, die auszog, ein Bärencrowdfunding zu starten. (1/2)

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TEIL 1: Die etwas langatmige Vorgeschichte

Im Frühjahr 2017 startete ich das Bärenabo: Bärenbilder und -geschichten direkt von uns zu den Fans, wahlweise per eMail oder WhatsApp. Keine Mittelsmänner, die die Hand aufhalten. Volle Verantwortung, volle Rechte, voller Gewinn.

Und volle Arbeit. Kein Spielraum für Krankheit, „keine Lust heute“ oder Urlaub. Der Bär geht 7 Tage die Woche raus, 365 Tage im Jahr, egal, ob Ostern, Weihnachten oder Geburtstag, egal, ob ich mit Fieber im Bett liege oder mit einem guten Buch im Strandkorb sitze. Ich kann ihn auch nur bedingt vorbereiten, in jedem Fall muss ich mindestens die WhatsApp manuell täglich morgens losschicken. Das ist Stress, ja, aber gesunder Stress. Vielleicht ist das auch Einstellungssache, aber bislang habe ich nicht das Gefühl, auch nur in die Nähe meines Reservetanks zu kommen. Ich habe nach wie vor viel Freude dabei und ich denke, das sieht man auch. Begeistertes Feedback und langsam, aber stetig wachsende AbonnentInnenzahlen bestätigen das.

Nicht aufgegeben habe ich aber den Wunsch, den Bären als Buch zu sehen, so richtig gedruckt. E-Books sind was Wunderbares, ich wünschte, ich hätte sowas als Kind gehabt, wo ich mich aus Platz- und Gewichtsgründen im Urlaub auf 1-2 Bücher beschränken musste, die ich zumeist auch schon ausgelesen hatte, bevor wir auch nur am Flughafen waren um den Hinflug anzutreten. Ich schätze meinen E-Reader für Fach- und aktuelle Sachliteratur, die oft ein natürliches Verfallsdatum hat und für die nun wirklich kein Baum sein Leben lassen müsste. Alles Andere habe ich aber lieber gedruckt. Und sobald farbige Illustrationen ins Spiel kommen, stößt der E-Reader an seine natürlichen Grenzen.

Ich überlegte also, ein sogenanntes ‚Crowdfunding‘, eine Schwarmfinanzierung zu starten. Gibt es überhaupt einen Markt, und sei er noch so klein, für das Bärenbuch? Die BärenabonnentInnen allein würden zahlenmäßig (noch) nicht reichen, das stand fest. Wie weit würde die Mundpropaganda tragen?

Ich bin eine One-Woman-Show, ich kann sehr viel und vieles davon sehr gut, aber auch mein Tag hat nur 24 Stunden. Meine Onlinepräsenz in den sozialen Netzwerken beschränkt sich auf Twitter (sehr aktiv, immerhin rund 3000 Follower), Instagram (da müsste ich aktiver werden, ca. 750 Follower) und YouTube (relativ brachliegend und < 100 Follower, da aktuell keine gescheite Kamera vorhanden ist und Videos extrem viel Zeit für Planung, Beleuchtungssetup und Schnitt benötigen).

Wieviel Geld soll ich also, wenn überhaupt, für Werbung ausgeben, z.B. Google- oder Facebookmarketing? Lohnt sich das überhaupt noch? Facebook ist imagemäßig im freien Fall, aus früheren Kampagnen für kleinere Kunden weiß ich, die Erfolge sind marginal, wenn man nicht mindestens 1000 Euro in die Hand nimmt. Auf Instagram (gehört zu Facebook) funktioniert die Werbung andererseits noch recht gut. Googles Keywordwerbung ist sicherlich auch sinnvoll, aber dafür müsste ich meine Website SEO-tauglicher machen … es ist zeitlich und finanziell ein Fass ohne Boden.

Welche Plattform?

Dann stellt sich die Frage „Wo?“. Eine Crowdfundingplattform, aber welche? Kickstarter, die Mutter aller Crowdfundingplattformen, beheimatet in den USA, inzwischen jedoch auch für deutsche NutzerInnen interessant? StartNext? IndieGoGo? GoFundMe (oder ihr Europäisches Pendent, leetchi)? Zumindest letztere schloß ich fast sofort aus; das ist imagemäßig eine reine Charity-/Bettelplattform, die in den USA in erster Linie von Leuten genutzt wird, die nicht krankenversichert sind und ihre Chemotherapie oder OP-Kosten nach einem Schulhofmassaker bezahlen müssen. Gruselig.

Die eigene Plattform, meinen existierenden Artstore zu nutzen, auf die Idee kam ich zwar, verwarf sie aber umgehend wieder. Ein Crowdfunding lebt ja auch ein Stück weit von der Neutralität der Plattform, so dachte ich jedenfalls. Würde ich genügend Menschen finden, die einer wildfremden Künstlerin vorab ihr Geld anvertrauen würden, wenn dieses über einen privaten Shop laufen würde? Würden die nicht denken, ich machte mich von ihrem Geld auf den Weg auf die Malediven? Ich zweifelte ein wenig daran. Crowdfundingplattformen sind ja auch Treuhänder: Wenn das Geld nicht zusammenkommt, muss nichts bezahlt werden. Die Kreditkarten werden erst belastet, wenn das Projekt erfolgreich ist.

Ich recherchierte ein wenig und entschied mich relativ zügig für Kickstarter, auch, weil ich dort ein internationales Publikum ansprechen können würde (so dachte ich zunächst). Kickstarter hat außerdem den mir sympathischen „Alles oder nichts“-Ansatz: Wenn die geplante Summe nicht zusammenkommt, platzt die ganze Nummer, dann heißt es ‚zurück ans Zeichenbrett‘. Bei StartNext würde man immerhin das Geld ausgezahlt bekommen, das bis zum Schlußdatum gesammelt worden war, aber müßte eben dann halt auch qualitative Abstriche in der Produktion machen, wenn das alles kein reines Nullsummenspiel zum Selbstkostenpreis werden sollte. Und Gewinn wollte ich schon machen bei der vielen Arbeit, klar. Zumindest meine Arbeitszeit müsste am Ende bezahlt sein, das stand fest.

Ein Kalender als Testballon

Ich beobachtete und analysierte also diverse erfolgreiche und erfolglose Kampagnen von KünstlerInnen und ZeichnerInnen für Graphic Novels, Kalender und Bücher und plante meine eigene Kampagne. Zunächst würde ich eine Testkampagne fahren, für einen Bärenkalender 2019, einen „Bärlender“. Der wurde schon für 2018 von einigen Bärenfans gefordert, war aber logistisch im vergangenen Jahr einfach nicht zu machen. Für diesen Spätsommer plante ich ihn fest ein. Wenn ich nicht einmal genügend Leute mobilisieren könnte um einen Kalender zu kaufen, bräuchte ich mir später die Arbeit mit dem Buch gar nicht erst zu machen.

Bärlenderplanung 1

Das Layout des Kalenders legte ich schon einmal in groben Zügen fest. Ich überlegte lange, ob ich ein Kalendarium mit Platz für eigene Eintragungen nutzen sollte, oder eines mit schlichten Tages- und Datumsanzeige. Ersteres wäre natürlich praktisch für Geburtstage und Termine, aber würde den Platz für das eigentliche Motiv um ein Drittel kürzen. Außerdem wäre es nicht so hübsch. Ich entschied mich für die zweite Variante, in der Annahme, dass die meisten Menschen heute für ihre Termine entweder ohnehin ihren Smartphonekalender oder einen klassischen Taschenkalender nutzen würden. Ich nahm an, die Bärenfans würden in erster Linie Wert auf vollflächige Motive legen (und, um das gleich vorweg zu nehmen, das Feedback gibt mir wohl Recht.)

Die Frage nach dem Format – A3 oder A4 – beantwortete sich recht schnell nach Eruierung der Druck- und Portokosten. Ich wollte nicht, dass der Kalender zu teuer wird. Der Gesamtpreis sollte nicht nicht über 20 Euro liegen. Ob Hoch- oder Querformat, darüber erstellte ich eine kleine Umfrage auf Twitter; die Mehrheit sprach sich für das Hochformat aus.

Ich zeichnete also zwölf Motive zum Thema „mit Bär durch das Jahr“, ganz klassisch mit Tusche und Feder. Vier davon kolorierte ich auch schon mal fertig, auch, damit ich etwas Material zum Anteasern hätte, den Rest würde ich während der Finanzierungsphase fertigstellen.

 

Zur Fortsetzung.