Der Bärlender entsteht (2/2)

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Fortsetzung des ersten Teils

tl;dnr: Es war anstrengend, aber erfolgreich.

Als nächstes holte ich konkrete Angebote von Druckereien ein, überschlug meine Arbeitszeit, stellte diverse Pakete für jeden Geldbeutel zusammen und kreierte sog. Mockups und Vorschaubilder für die Kickstarterseite und die sozialen Netzwerke. Ich berechnete das Gewicht jedes einzelnen Teils anhand der Angaben der Drucker bzw. Kartonlieferanten: Was wiegt der Kalender bei welcher Grammatur, dito die Postkarten, was wiegt die Verpackung … wie hoch werden also die Portokosten? Soll ich eine Büchersendung draus machen, oder eine Warensendung? Ersteres fiel recht umgehend von selbst aus, denn nach den Beförderungsbedingungen der Deutschen Post sind Kalender mit Kopfheftung nicht zugelassen und die Kalender müssen außerdem Textteile enthalten und als Buch erkennbar sein. Und Warensendungen brauchen ewig … ich wollte nicht, dass die Leute ewig auf ihre Bärlender warten müssen. (Haha. Auch dazu später mehr.)

Oktoberpreview

Ich legte mir ein flexibles Kalkulationstool in Excel an (bzw. des Mac OS-Pendants namens Numbers), das mir ausrechnen helfen würde ob bzw. ab wann sich die ganze Aktion überhaupt lohnt. Eigene Kosten (Stundensatz gestaffelt nach „reiner Malzeit“, „Pack- und -zur-Post-Schleppzeit“, „Marketing- und-Kommunikationszeit“), Materialkosten, Portokosten (In- und Ausland) inkl. Rückläufer, Anzahl der Produktvarianten (Earlybirdpakete, Freundschaftspakete, Luxuspakete inkl. der Originalzeichnungen, nur der Kalender, nur Digital Wallpapers etc.) mit jeweils voraussichtlicher Anzahl der Bestellungen, Verpackungskosten, voraussichtlichen 3% Stornierungen, 5% PayPal- und Bankgebühren, sowie 10% für unvorhergesehene Katastrophen. (Ja, ich bin im Sternzeichen der Jungfrau geboren, warum fragen Sie?)

Bärlenderplanung 2

Ich verzichtete schweren Herzens darauf, ein Video zu erstellen. Studien zufolge ist eine Kickstarterkampagne mit Video dramatisch erfolgreicher als ohne, aber ich gestehe freimütig: Ich war inzwischen komplett überarbeitet. Denn all das passierte ja neben meiner weiteren Arbeit: Kundenaufträgen zum beginnenden Weihnachtsgeschäft (und wir wollen nicht darüber nachdenken, dass außerdem #SepteMeer war …). Einen Film zu drehen und zu schneiden hätte mich eine weitere Woche Arbeitszeit gekostet, die ich einfach nicht mehr hatte, weder zeitlich noch kräftemäßig.

Die Entscheidung

Im Anschluss lud ich Anfang September meine Kampagne bei Kickstarter hoch, machte mich mit der Benutzerführung vertraut und stellte relativ bald fest: Die versprochene Zweisprachigkeit dort ist gar nicht gegeben, es gibt keine Möglichkeit (außer des Untereinanderwegschreibens) um die Inhalte auf Deutsch und Englisch anzubieten. Sehr ärgerlich. Und, was schlimmer war: Die Kommunikation mit der Plattform erwies sich als sehr schleppend und zähfließend. Automatisierte Antwortmails ohne echte Antwort auf meine drängenden Fragen, immer wieder neue Ansprechpartner aus Callcentern (so mein Eindruck), endlose Verifikationsprozesse … mir wurde das alles täglich unsympathischer. Und Kickstarter würde mich auch marketingmässig null unterstützen, sofern ich nicht einen enormen Anschub von meiner eigenen Fanbasis mitbrächte, das war inzwischen auch klar. Für diesen, pardon, Scheißservice wollten die am Ende noch eine Provision in Höhe von 5%, plus weitere 3-5% für den Bezahldienstleister Stripe? Denn, auch das ein Ärgernis, man kann bei Kickstarter nicht mit PayPal bezahlen, viele meiner KundInnen möchten jedoch nicht per Kreditkarte zahlen.

Ich fing erneut an zu rechnen: Finanziell gesehen wäre ich im schlimmsten Fall mit Kickstarter deutlich näher am Nullsummenspiel als bei Nutzung des eigenen Artstores bei geringerer Anzahl an Bestellungen. Und auch zeitlich stand es inzwischen spitz auf Knopf: Kickstarter bedingt sich im Kleingedruckten bis zu 14 Tage nach erfolgreich abgeschlossener Finanzierungsphase aus, um die eingesammelten Gelder zu überweisen. Damit wären wir dann bei Ende Oktober, bevor ich den ersten Cent sähe und auch nur den Druckauftrag geben könnte, denn den müsste ich natürlich direkt bei Beauftragung bezahlen. Und was, wenn Kickstarter mein Geld einfach einbehielte und sich in Kommunikationsfragen tot stellte? Man hört ja ab und an solche Horrorgeschichten von US-Plattformen. Mein Ruf wäre ruiniert und ich könnte mich mit einer US-Firma auseinandersetzen. Das war alles nicht sinnvoll, auch wenn mein Misstrauen vielleicht, sogar wahrscheinlich, völlig unberechtigt war. Andererseits bin ich lebenslang ganz gut damit gefahren, auf mein Bauchgefühl zu hören.

Ich zog also gegen Ende September die Reißleine, löschte meine (unveröffentlichte) Kickstarterkampagne und stellte sie, leicht abgewandelt, quasi über Nacht dann doch in meinen höchsteigenen Artstore. Das war auch noch einmal mit viel Streß verbunden, da mein Shopsystem ein wenig angepasst werden musste. Aber ich bekam’s hin und setzte eine recht kurze Finanzierungsfrist von 14 Tagen: Wenn in dieser Zeit nicht das Minimum an Bestellungen für den Bärlender zusammenkäme, würde ich das Projekt knicken und den Leuten die bis dahin eingegangenen Gelder zurückzahlen. Wenn nicht bis Ende des ersten Drittels einer Finanzierungsphase mehr als die Hälfte der benötigten Summe zusammengekommen ist, dann nimmt die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Finanzierung rapide ab, das weiß man inzwischen. Bei meiner relativ geringen Reichweite wäre eine Verlängerung auf die bei Crowdfundingkampagnen meist üblichen 30 Tage also eher sinnlose Zeitverschwendung gewesen, denn mehr Leute würde ich aus eigener Kraft nicht erreichen können.

November (Bärlender 2019) ©2018 Kiki Thaerigen, e13.de

Ich hätte mir keine Sorgen machen müssen: Nach nicht einmal 8 Stunden war das Minimalziel überschritten, der Bärlender würde sicher produziert werden. Bei Halbzeit war klar: Der Bärlender ist der Knaller! Ich kalkulierte die Produktionskosten für eine höhere Auflage. Ich malte die Motive fertig und stellte die Digital Wallpapers zusammen. Und was am absolut irrsinnigsten war: Es gab Leute, die blind ein Original gekauft haben, ohne zu wissen, ob es ihnen gefallen würde oder was drauf sein würde! Dieses Vertrauen in meine Arbeit ist das Allertollste, das kann ich nicht mit Worten beschreiben, wie sehr mich das rührt.

Das eigene Shopsystem zu nutzen hatte den weiteren Vorteil, dass ich mit der Administration weniger zu tun hätte, als später mühsam in Excellisten die von Kickstarter übergebenen Adressen zu sortieren, so glaubte ich wenigstens. Mein Shop generiert automatisch die Rechnungen und Lieferscheine und sendet Bestätigungsmails an die Kunden und der Export der Adressen in eine .csv-Datei ist auch kein Problem, so dass ich diese relativ mühelos wiederum in das Backend der Deutschen Post importieren und meine Briefmarkensammlung erstellen konnte.

Der Nachteil, wenn man es denn so nennen möchte, war jedoch die mögliche Kombination von Kalenderbestellungen mit weiteren Artikeln aus meinem Shop. Natürlich freute ich mich über den Mehrumsatz, aber diese „Extrawurstbestellungen“ erhöhten die Administration um ein Vielfaches (und sie erhöhten teilweise auch die Portokosten, jedenfalls für mich). Ich schrieb diese Kunden an, ob sie die zusätzlichen Artikel gern vorab hätten oder gemeinsam mit dem Bärlender ab KW 45 und es waren glücklicherweise nur wenige, die eine Vorablieferung wünschten. (Eine davon ging ganz spektakulär in die Hose; erst kam die Sendung trotz korrekter Anschrift als ‚nicht zustellbar‘ zurück, dann hatte ich im zweiten Anlauf einen Postleitzahlendreher drin … manchmal ist echt der Wurm drin. Mehr zum Thema Postversand gibt’s später.)

Die Produktions- und Wartephase

Nach Ablauf der Finanzierungsphase begann die Produktion: Ich ließ den Kalender, einen Kunstdruck des Titelmotivs und vier verschiedene Postkartenmotive drucken (übrigens in drei verschiedenen Druckereien). Ursprünglich wollte ich jeden Kalender einzeln einschweißen lassen, aber das boten nur zwei Druckereien an, deren Produktionszeiten außerdem verhältnismäßig lang waren. Diese Einzelkonfektionierung hätte außerdem den Preis um gut ein Drittel erhöht und dann ist da ja noch das Thema Umweltschutz … ist es wirklich erforderlich, so viel Plastikmüll zu produzieren? Ich entschied mich daher dagegen und denke, das ist auch im Sinne meiner Kundschaft.

Nachdem die Kampagne so ein voller Erfolg war, wollte ich außerdem ein kleines Dankeschön produzieren lassen, für das Vertrauen, die Geduld und die Treue der Bärenfans da draußen. Ich überlegte, ob ich Aufkleber oder Lesezeichen anfertigen sollte und nach einem kurzen Blick auf das Titelbild (bzw. das Novembermotiv) des Kalenders hatte sich die Frage von selbst beantwortet: Es würde ein Lesezeichen werden. Ich wollte eines mit einer seidenen Troddel, schön altmodisch, wie es zur Bibliothek des Bären passen würde. Nach kurzer Recherche war klar: Das bedeutete Handarbeit. Ich würde das Lesezeichen drucken lassen, es dann von Hand lochen und mit einer entsprechenden Troddel versehen müssen. Ich recherchierte Preise und Bezugsquellen für bunte Troddeln und stellte fest, das war günstiger als befürchtet. Für die Handarbeit engagierte ich Mama Bär: Sie versah binnen zweier langweiliger Fernsehabende mal eben 500 Lesezeichen mit bunten Troddeln. (Und ja, natürlich haben Bär und ich sie schön zum Essen ausgeführt.)

Die Kunstdrucke des Titel- bzw. Novembermotivs kamen und ich fing schon einmal an, sie zu signieren. Die Postkarten kamen auch bald und waren sehr schön geworden. Und dann kamen die Kalender und sie waren ebenfalls sehr schön geworden, aber die Lieferung konnte ich leider nicht annehmen, denn irgendwann und irgendwo zwischen Druckerei und meiner Haustür war irgendwem die Palette aus den Händen gepurzelt, so dass die Kartons und Kalender teilweise sehr beschädigt waren. Das führte zu leicht erhöhtem Blutdruck, Verhandlungen und einer weiteren Woche Verzögerung, auch, weil plötzlich diese dämlichen Novemberfeiertage in der entsprechenden Woche aufpoppten: Reformationstag und Allerseelen (oder ist es Allerheiligen? Ich krieg’ die immer durcheinander, sorry). Langsam brach mir der Schweiß aus und dann …

Die Versandphase

Die Versandphase

Versandkartons

Dann konnte der Versand endlich losgehen. Knapp eine Woche lang packte ich Bärlenderpakete und schleppte sie zur Post. Das liest sich so lapidar, aber wenn ich kurz darauf hinweisen darf, dass allein die Kalender ein Nettogewicht von über 200 kg hatten, dann bekommt Ihr vielleicht eine Idee davon, was diese Schlepperei bedeutet. Glücklicherweise ist mein Postshop, der ein kleiner Kiosk ist (in Berlin würde man ihn vielleicht einen Späti nennen) nur rund 300 Meter die Straße hoch und über die Kreuzung, denn ich habe kein Auto.

Für einen Teil der Verschickungsphase mietete ich mir allerdings ein Car2Go und fuhr zu einer richtigen Postfiliale. Unglücklicherweise hatte ich in den letzten Tagen bereits rund 300 Sendungen verschickt, als der Knilch hinterm Tresen zum Lineal griff und durch die Nase gähnte, meine Verpackung sei 2 Millimeter zu breit für den Maxibrieftarif von 2,60, ich müsste für die verbliebenen 100 Sendungen jeweils noch einmal EUR 2,20 nachlösen. Was ich natürlich tat, klar, aber mir brach der kalte Schweiß aus: Was war mit den bereits versandten 150 Sendungen in diesem Format? (Es betraf nur die Sendungen, in denen mehr als ein einzelner Bärlender war, Earlybirds, Freundschaftspakete und Vielfachbestellungen.) Würden die ab morgen als unterfrankiert zur mir zurückkommen? Und wie würde das ablaufen, meine Briefträgerin käme mit Verstärkung, und die Tür meines Minibriefkastens hinge nach zwei Retouren in den Angeln? Wie konnte das überhaupt passieren? Ich hatte die Kartons natürlich passend zum Porto gewählt, aber nicht bedacht, dass es Fertigungstoleranzen geben kann. Tja.

Ich hatte ein paar schlaflose Nächte, bis die ersten Rückmeldungen per Mail und auf Twitter kamen und begeistert die erfolgreiche Zustellung bezeugten. Es kamen – bislang … – nur fünf Sendungen zurück, die nachfrankiert werden mussten. Meine Briefträgerin redet noch mit mir. Und meine Tweeties, wie ich meine Follower im Geiste zärtlich nenne, sprangen mir auch zur Hilfe (was supernett, aber wirklich nicht nötig war, ich hatte 10% Unvorhergesehenes im Budget kalkuliert, wir erinnern uns): Sie sandten Zusatzporto per PayPal oder Überweisung, oder Lachsbrötchengeld für den Bären. Ich hab’ die besten Fans. Nein, Bär hat die besten Fans.

Übrigens habe ich genau zwei Leute gehabt, die bestellt, aber nicht bezahlt und sich auch auf Nachfrage tot gestellt haben. Zwei. Kalkuliert hatte ich 3%. So waren es weniger als 1%. Erwähnte ich schon, dass der Bär die besten Fans hat?

Zum Schluss war noch etwas panisch-in-die-Papiertüte-atmen angesagt, als alle Luxuspakete – das waren die mit den Originalen – die ich mit als erstes rausgesandt hatte, auch rund zehn Tage später noch nicht bei ihren Kunden waren sondern in der DHL-Trackingapp einfach weiterhin auf „das Paket wurde in eine Filiale eingeliefert standen“. Der Schluffi im Postshop erklärte mir, der zweite Scan würde im Postzentrum erfolgen, also dem Ort, wo der Fahrer nach dem Abholen im Postshop mit den Paketen hinfährt. Aber dort scannte niemand. Vielleicht waren die Originale verloren gegangen? Oder standen irgendwo in einer Ecke hinter dem ganzen Black Friday-/Cyber Monday Gelöt? Der Wahnsinn, dass wir alle wirklich alles im Netz  bestellen, und alle zur selben Zeit, alles bearbeitet von unterbezahlten und überarbeiteten Arbeitsdrohnen, er stand plastisch vor meinem inneren Auge. Doch auch die Originale kamen irgendwann heile bei ihren glücklichen EmpfängerInnen an.

Ganz zum Schluss kamen noch ein paar Leute, die zweimal beliefert wurden, da hatte ich offenbar versehentlich ein paar Leute aus unerfindlichen Gründen doppelt in der Liste. Ich weiß noch nicht, ob das automatisch falsch gelaufen ist oder ob ich manuell irgendwo einen Übertragungsfehler hatte, das muss ich noch herausfinden. Glücklicherweise waren das nur eine Hand voll Fälle.

Und am Ende tranken der Bär und ich einen Martini oder zwei auf die erfolgreich abgeschlossene Kampagne.

 

April 2019 (Bärlender) ©2018 Kiki Thaerigen, e13.de

Die Martiniphase

Was würden wir anders machen, was würden wir wieder so machen?

Die Porto- und Versandproblematik zu standardisieren, das wäre definitiv vonnöten. Allein, ich weiß nicht wie. Denn auch bei einem Buch wird es so sein wie beim Bärlender: Es wird Menschen geben, die nur 1 Exemplar kaufen, es wird Mehrfachbestellungen geben, es wird In- und Auslandsbestellungen inner- und außerhalb der EU geben und natürlich werde ich wieder verschiedene Bündel zu verschiedenen Portokosten schnüren, mit Originalzeichnungen, signierten Drucken, Postkarten und einer Überraschung. Auch wird es wieder Menschen geben, die nachträglich ihre Lieferadresse ändern möchten und natürlich auch solche, die auf die Autofill-Funktion ihres Browsers vertrauen und dann die falsche Postleitzahl angeben und so für Retouren sorgen. Die Frage, wie sich dieser Prozess verbessern lässt, die ist die Gretchenfrage. Auch, ob es beim Fulfillmentpartner Deutsche Post/DHL bleibt, oder ob ich nicht auf einen Mitbewerber umsteige. Ich muss mir auch mal ansehen, was für Rabatte ich eventuell beim Porto bekomme, wenn ich einen Drittanbieter nutze, eventuell direkt aus dem Shopsystem heraus, und ob dafür alle Pakete gleich schwer und groß sein müssen, denn dann kann ich das sofort wieder knicken. Diese ganze Versandarie ist definitiv ein einziger Schmerz im derrière und ohne Quatsch die Hauptarbeit, jedenfalls gefühlt. Es war der Teil, der mir die meisten grauen Haare beschert hat.

Interessant zu sehen war, dass fast 90% der KäuferInnen via PayPal bezahlt haben, im Gegensatz zu sonst, wo 90% oder mehr als Zahlung die Banküberweisung/Vorkasse wählen. Ich vermute mal, einerseits, weil PayPal den Käuferschutz bietet (ich habe ihn noch nie in Anspruch genommen und weiß daher nicht, wie gut er funktioniert, aber allein das Prinzip bietet natürlich eine gewisse Sicherheit beim Kauf) und andererseits, weil es schlicht bequem ist und ich damit natürlich auch umgehend das Geld habe. (Gut, dass ich so viel Spielraum für die PayPal-Gebühren eingerechnet hatte.)

Auch hier hatte ich übrigens kurz Bauchschmerzen, da ich noch nie eine so große Summe auf einmal auf meinem Paypal-Konto hatte. Würden sie das Geld einfrieren? Wäre es klüger, das Geld sofort auf mein Bankkonto zu übertragen, oder wären sie dann erst Recht sofort misstrauisch ob der ungewöhnlichen Kontoaktivitäten und -summen? Andererseits kam die Summe ja aus vielen, kleinen Einzelbestellungen über meinen ja schon länger existierenden Onlineshop zusammen, für jedermann ersichtlich wurde hier etwas verkauft. Am Ende entschied ich mich dafür, das über PayPal eingegangene Geld ganz cool erst einmal dort zu parken und auch die Rechnungen der Druckereien und Kartonhändler direkt von dort zu bezahlen, so dass einem misstrauischen Sachbearbeiter hoffentlich klar werden würde: Das ist hier alles im grünen Bereich.

(Ich denke zu viel nach, glaube ich.)

Außerdem überlege ich, wie ich meine Reichweite erhöhen kann. Dieses Mal habe ich auf bezahlte Werbung verzichtet. Alle Kunden kamen über Mundpropaganda und über Twitter bzw. meinen über die Jahre aufgebauten Kundenverteiler. Das war super, aber da ist noch jede Menge Luft nach oben. Vielleicht suche ich mir auch einen Vertriebspartner, der mich in die Buchhandlungen bringen kann, oder ich verkaufe Teile der Auflage über Amazon. Eine ISBN-Nummer zu bekommen ist heutzutage ja keine unlösbare Aufgabe mehr, aber das muss ich alles erst eruieren und durchkalkulieren.

Ich habe bewiesen, dass ich ein super Produkt gestalten und es zuverlässig auf den Markt bringen kann. I deliver. Das macht mir Mut für das Bärenbuch. Und mir hat diese Aktion auch gezeigt, dass meine – wie ich manchmal denke – im Marketing verschwendeten Jahre am Ende doch keine völlige Verschwendung waren. Das ist auch eine schöne Erkenntnis.

Blick nach vorn

Somit steht fest: Das Bärenbuch wird kommen, und zwar zu Ostern 2019 schon. Das Gerüst der Geschichte steht, die ersten Skizzen sind auch fertig, die Überlegungen, in welcher Technik ich zeichnen will (Aquarell? Graphit? Digital?) sind im Gange. Über die nächsten zehn Wochen werde ich es soweit fertigstellen, dass etwa Mitte Februar das Crowdfunding starten kann, damit das Bärenbuch zu Ostern bei den Fans im Nest liegt. Dann ist Sommer. Und dann wirft der Bärlender 2020 schon seine Schatten voraus, oder alternativ ein zweites Buch. Und, pssst, ich möchte auch mal ein paar thematisch völlig andere, illustrierte Geschichten oder Graphic Novels veröffentlichen, mal ganz ohne Bär. Das darf dann gerne auch über einen Verlag gehen, denn da täte mir die Rechteübertragung nicht weh.

Aber jetzt, jetzt halten wir erst einmal ein Nickerchen.

 

P.S.: Eine klitzekleine Anzahl Bärlender gibt es noch. Der Bärlender in gedruckter Form ist ausverkauft. Postkarten, signierte Kunstdrucke, limitierte Giclées der Bärlendermotive, das Lesezeichen und die Wallpapers stehen ab kommender Woche im Artstore. Das tollste Weihnachtsgeschenk, dass Ihr Euch und anderen aber machen könnt, ist das Bärenabo. Echtjetztmal. </schamloseEigenwerbung>