Mehr Bär!

Wie entsteht der „Daily Bär“?

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Vorab: Teile dieses Eintrags habe ich schon im letzten Newsletter geschrieben (wer den noch nicht abonniert hat, kann das unten auf der Seite tun), dies ist eine aktualisierte und um ein paar Gedanken ergänzte Fassung.

Als ich im März das Bärenabo gestartet habe, hätte ich mir nicht träumen lassen, wie viele Bärenfans es da draußen gibt, wie sehr mich das fordert, jeden Tag einen Bären veröffentlichen zu müssen (denn gemalt habe ich ihn immer täglich, aber der Druck war natürlich nicht so groß). Auch hatte ich keine Vorstellung davon, wie befriedigend es ist, den Zuspruch und die Reaktionen der Bärenfans zu lesen.

Ursprünglich wollte ich einfach täglich kommentarlos ein Bärenbild verschicken, aber der Bär bestand darauf, die Bilder in einen Kontext zu setzen und so gibt es nun zu jedem Bild einen kleinen Dialog zwischen Bär und mir. Manchmal zieht sich ein bestimmtes Thema oder ein Handlungsstrang über ein paar Tage oder Wochen, oder wird immer mal wieder aufgegriffen, aber natürlich steht auch jeder Tag für sich allein – man kann jederzeit einsteigen, ganz in der Tradition der klassischen Zeitungscomicstrips.

Fallschirmspringen ©2017 Kiki Thaerigen, e13.de

Ich: Fallschirmspringen. Im Tandem. Wir beide.
Bär: Das ist total sicher und sicher total lustig!
Ich: Kein Zweifel. Wie übt man das?
Bär: Mit einem Bettlaken.
Ich: Ich hab‘ nur Spannbettlaken.
Bär: Wir hüpfen erst mal nur vom Garagenvordach.
Ich: Erst mal?!

Ich habe den Rahmen bewusst vage gehalten, weil ich mir natürlich hinsichtlich Motive, Technik und Veröffentlichungszeit so viele Optionen wie möglich lassen will, aber inzwischen hat sich doch ein gewisser Rhythmus herausgeschält und zumindest für den Moment auch ein bestimmter Zeichenstil.

Ich zeichne den Bären für den nächsten Tag im Allgemeinen am Abend vorher, ganz altmodisch mit Stift auf Papier. Bis vor wenigen Wochen habe ich ihn dann fotografiert oder eingescannt und im Photoshop koloriert (falls ich ihn nicht auch schon analog mit Aquarellfarben koloriert hatte). Dafür hatte ich extra ein älteres Macbook Pro – das Bärenmacbook – in Verbindung mit einem kleinen Wacom Bamboo Grafiktablett in Gebrauch, denn das erlaubte mir, den Bären auch zu malen und von unterwegs zu veröffentlichen. Nun ist im letzten Monat das Bärenmacbook überraschend verstorben und ich bin zwischenzeitlich dazu übergegangen, die Bilder komplett analog, also auf Papier zu zeichnen und zu kolorieren. Das Malen auf Papier dauert naturgemäß um einiges länger als im Photoshop, wo ich auf Trockenzeiten keine Rücksicht nehmen muss. Nun könnte ich den Bären natürlich auch an meinem großen Desktop Mac kolorieren, aber irgendwie wäre das nicht dasselbe, das würde mir ein wenig den Spaß nehmen. Es ist schwer zu erklären, aber der Bär ist für mich mehr Freizeit als Arbeit, auch wenn er Arbeit macht. Ich mag ihn nicht auf meinem Arbeitsrechner malen müssen. Ja, das würde sich nach „müssen“ anfühlen. Klingt blöd, aber ist so. Insofern nutze ich den großen Rechner beim Bären nur für das Wasserzeichen und sehr, sehr gelegentlich für einen bestimmten Effekt, den ich analog nicht so hinbekäme. (Lustigerweise haben schon einige AbonnentInnen geschrieben und ge-whatsappt, dass ihnen die rein analogen Bärenbilder besser gefallen, als die im Photoshop kolorierten.)

Natur ©2017 Kiki Thaerigen, e13.de

Ich: Komm‘ da raus, das ist Naturschutzgebiet!
Bär: Ich bin Natur und ich muss mal.
Ich: Es ist hier gerade sehr übersichtlich …

Erst wenn das Bild steht, schreibe ich den kurzen Dialog dazu. Das Bild bestimmt den Text; nur sehr, sehr selten habe ich erst den Dialog im Kopf und male dann das Bild dazu. Etwas anderes ist es, wenn ich eine über mehrere Tage laufende kleine Minigeschichte plane, dann überlege ich schon, wie der Spannungsbogen aussehen könnte und wie die Pointe angebracht werden soll. Aber auch da ist es meist erst ein Bild im Kopf, das die Situation und den Dialog lenkt.

Zuletzt plane ich den E-Mail-Versand über mein Newslettertool (die Mails werden meist morgens zwischen vier und fünf Uhr früh versandt) und gehe schlafen. Morgens sende ich dann manuell das Motiv und den dazugehörigen Dialog an die AbonnentInnen, die sich für den Erhalt per WhatsApp statt per E-Mail entschieden haben. Das lässt sich leider noch nicht automatisieren. Die WhatsApp-Bärenfans wissen also immer als Erste, wann der Bär heute aufgestanden ist und was für eine Schnapsidee er heute wieder hat.

Als ich letztens eine Woche am Meer war, nur mit Skizzenbuch, Farben und Smartphone bewaffnet, habe ich vorher hin- und herüberlegt, wie ich das Problem technisch löse. Ich wollte nicht eine Woche vorbereiten, also im Voraus malen und aus dem Puffer heraus veröffentlichen. Das ist zwar die naheliegendste Lösung, aber fühlt sich auch irgendwie nach „lustlos abarbeiten“ an. An dem Tag, an dem ich denke „du musst den Bären noch malen“ wird das Ergebnis dann auch nur langweilig und steril. Ja, ich „muss“ ihn täglich malen, denn ich habe zahlende AbonnentInnen, aber dieser Gedanke kommt mir glücklicherweise nie. Ich will ihn malen, ich muss ihn malen, weil er „raus“ will, weil er mich dazu drängt. – Letzten Endes hatte ich vor dem Urlaub noch so irre viel zu tun, dass ich einen Kompromiss gefunden habe: Die ersten drei Tage habe ich „vorgemalt“ und die letzten drei vor Ort. Das Problem war hier das Hochladen zu Mailchimp. Die Seite ist auf dem Smartphone kaum bedienbar, selbst mit meinem „Kuchenblech“, dem riesigen 6 Plus, ist der Bildschirm zu klein und die Popover Fenster erschweren die Navigation. Irgendwann hat’s dann geklappt, aber es war ein K(r)ampf. Es gibt von Mailchimp eine App, mit der man Fotos vom Smartphone als Newsletter an seine Listen schicken kann, aber man kann nicht die eigenen Templates nutzen, die man abgespeichert hat, und man kann auch den Text im Footer nicht verändern. Wenn das irgendwann funktioniert, ist das eine super Alternativlösung und Bär und ich wären wirklich total mobil.

Die Verteilung via WhatsApp funktioniert übrigens weitgehend super. Ich habe eine Kundin, die das Bärenabo an ihre Freunde verschenkt, mal für einen Monat, für ein Vierteljahr oder sogar ein Jahresabo – an Leute, die schon alles haben, zum Geburtstag, oder als Dank für eine Einladung zum Essen (statt Blumen, sozusagen). Diese Leute kriegen täglich den Bären aufs Handy und freuen sich a) über den Bären und werden auch b) täglich an ihre Freundin – meine Kundin – erinnert, die ihnen dieses schöne Geschenk gemacht hat. In den ersten Tagen war vielen nicht klar, dass sie die Bärenhandynummer in ihr Adressbuch aufnehmen müssen, weil sonst der Versand über eine Broadcasting-Liste nicht klappt. Aber das war schnell behoben und jetzt ist die Freude groß. Bislang hat WhatsApp auch erst einen mir bekannten Ausfall gehabt, wo die Kundin nachfragte, wo denn der Bär bliebe, den ich wie üblich früh um vier versandt hatte. Da habe ich ihn noch einmal versandt und er kam dann auch an. Manchmal kann es auch daran liegen, dass AbonnentInnen ein neues Handy oder eine neue Handynummer haben, oder ein altes Backup eingespielt haben, wo der Bär noch nicht im Adressbuch steht. Aber ich würde mal sagen, das ist die absolute Ausnahme.

Einige der inzwischen über 100 Motive fand ich so schön, dass ich sie als limitierte Giclée-Monotypien in den Artstore gestellt habe.

Martini ©2017 Kiki Thaerigen, e13.de

Für die Zukunft habe ich diverse Überlegungen, was ich mit dem Bären mache. Vielleicht mal eine schwarz-weiß „Bär Noir“-Serie, oder eine längere, illustrierte Geschichte. Ich weiß noch nicht, ob ich die als Extraserie anbieten soll, mit einer festgelegten Anzahl Folgen, oder z.B. auch einen Montagsbären einzeln anbiete, für Menschen, die dringend einen Bären am finstersten Tag der Woche brauchen … Ich überlege auch, wie ich das Bärenabo in den Artstore integriert bekommen, das ist gar nicht so einfach. Und es kam schon häufiger die Frage nach Wunschmotiven im Artstore, aus dem Bärenabo heraus. Und ich habe mir noch mal Patreon angesehen, wo ich vielleicht künftig auf Englisch veröffentlichen werde. Aber das sind im Moment alles noch Gedankenspielereien.

Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich technisch so viele Möglichkeiten habe, und dass der Bär so viele Fans hat. Danke, danke, danke!

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