Abt.: Vom Leben gezeichnet, heute: Ritter Runkel von Rübenstein

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Tag 98 von 366 – Ich schaue gerade einmal wieder meine ewige Lieblingsserie M*A*S*H und kann nicht umhin, die Parallelen zur aktuellen Weltlage zu ziehen. Wir stecken da fest, wo wir gerade sind, im Zweifel mit den Menschen, die uns das Schicksal zugelost hat oder die wir uns online als Timeline zusammengestellt haben und es ist spannend, lustig, interessant, traurig mitanzusehen, wie wir mit der Situation umgehen, die uns alle bedroht.

Zum Beispiel Leute, die ich eigentlich bis dato als vernünftig denkende Menschen eingeordnet hatte: Die sehen nicht nur kein Problem in der „vorübergehenden“ Abschaffung der Grundrechte, oder so abstrusen Ideen wie „installiere dir eine Tracking-App auf deinem Smartphone, damit wir wissen, ob du Kontakt zu COVID-19 Patienten hast oder hattest“, sondern greifen die Gegner dieser staatlich herbeigelechzten Schnüffelei aggressiv und polemisch mit „willst du keine Leben retten?“ an und argumentieren mit dem Klassiker „was hast du zu verbergen?“. Plus natürlich whataboutism und Apfel-Birne Vergleiche vom Feinsten, man hätte ja auch sonst nichts gegen Tracking im Web und sei ja schließlich auf Facebook.

The stupid is strong on the interwebs.

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Das bestellte Gehäuse für die SSD aus dem toten Macbook ist da, leider inkompatibel, da gibt es wohl zwei Versionen, ich hab’ die falsche. Die richtige kommt erst Mittwoch nach Ostern und ich übe mich weiterhin in Geduld, das kann ich ja so super. Nicht. *beißt in die Tischkante*

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Gelesen:

Doug Kenney, King of Comedy, über den Drehbuchautoren von Caddyshack, dem Kultfilm für jeden Golfer und jeden Bill Murray Fan. Ich glaube, Comedyschreiber ist einer der einsamsten, traurigsten, härtesten Jobs, die man haben kann. Ich hab’ den Film immer gern gemocht, er war unter Golfern natürlich Kult, diese recht platte späte 70er/sehr frühe 80er Comedy à la National Lampoon, Saturday Night Live, Airplane, Animal House, Porky’s etc  ist eigentlich so gar nicht mein Fall, aber zwei Ausnahmen gibt es da in meinem Filmschrank: Caddyshack und Blues Brothers. Nicht zuletzt auch, weil sie einen Einblick in eine Zeit geben, die nur oberflächlich lustig, bunt und harmlos war und in der es unter der Oberfläche gesellschaftlich extrem brodelte.

Bill Withers: The Soul Man Who Walked Away. Einige werden es mitbekommen haben, Bill Withers ist vor ein paar Tagen gestorben und sicher nicht nur ich war überrascht zu hören, dass er überhaupt noch gelebt hat – der Mann hat so viele grandiose Songs für die Ewigkeit hinterlassen, aber irgendwann hatte er keine Lust mehr und hat sich einfach zurückgezogen. Der Bericht hier ist schon etwas älter, aber ich habe mich sehr gefreut zu lesen, dass er so glücklich gelebt hat. Ich denke, das hat auch etwas damit zu tun, dass der Erfolg ihn erst recht spät im Leben erreicht hat, er hatte bereits jahrelang in anderen Jobs gearbeitet und nebenbei Musik gemacht und ist dann entdeckt worden, aber er war kein gecastetes Boybandwunder, kein von seinen Eltern zu einer Talentshow geprügelter oder nach Ruhm lechzender, 12jähriger YouTuber, er war bereits ein erwachsener Mann Mitte 30 und Songwriter. Außerdem war er ein Kontrollfreak, der ungern anderen die Entscheidungen anvertraute, was und wie sein Werk vermarktet und verkauft wird. Nobody was gonna use him.

 

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Gezeichnet: Einen Kundenauftrag, ein paar Folgen Bärenabo, einmal Fan Art.  Heute Ritter Runkel von Rübenstein. Das war eine Figur, die in der Tat etwas Recherche gebraucht hat, denn sie stammt aus einem versunkenen Land und einer längst vergangenen Zeit: Ostdeutschland vor der Wende. Als mir der Vorschlag zugeworfen wurde, wusste ich schon bei dem Namen, dass ich den definitiv zeichnen muss, da hatte ich noch nicht einmal die Google Bildersuche bemüht. Nach ersten Sichtungen des vorhandenen Bildmaterials und Nachlesens der Hintergrundgeschichte war klar: Super, machen! Und ich werde mir mal ein paar Bände mit den Digedags zulegen müssen, das klingt doch alles sehr fabelhaft.

Ein paar erste Skizzen später (heute auf Papier) entschied ich mich für eine Pose und hatte bald die Tuschephase fertig. Beim Kolorieren schwankte ich kurz zwischen digital und analog, da die Scannerproblematik leider (auch aus Platzgründen für das zweite Macbook) noch nicht gelöst ist und ich auch denke, dass es besser zu der herrlich altmodisch gezeichneten Figur passt, entschied ich mich für Aquarellfarben.

Abt.: Vom Leben gezeichnet, heute: Ritter Runkel von Rübenstein

Abt.: Vom Leben gezeichnet, heute: Ritter Runkel von Rübenstein