Akkus aufladen nicht vergessen

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Tag 81 von 366 – Dafür, dass eigentlich alles wie immer ist, ist alles anders. Ist das auch sonst so? Ich stehe etwas neben mir.

Dies ist der zweite Frühling in Folge, den ich kaum wahrnehme, der irgendwie völlig an mir vorbeizieht und den ich kaum rauskomme. Ich schaue vom Balkon und nehme verblüfft wahr, dass alles blüht. Es scheint so unwirklich.

Mein Blick fällt auf einen Stapel Bücher, den ich letztes Jahr zum Geburtstag und zu Weihnachten bekommen habe. Ich habe noch kein einziges davon gelesen. Nicht, weil sie mich nicht interessieren, im Gegenteil, es sind Bücher, die ich mir gewünscht hatte. Sondern weil ich mich keine drei Seiten mehr am Stück konzentrieren kann. Full tilt.

Gleichzeitig brauche ich Zeit für mich, in der ich nichts weiter mache, als mal etwas zu lesen, Musik zu hören oder zu machen, mich ablenke. Aber ich bin seit Jahren so dermaßen im „Volle Kraft voraus!“-Modus, dass ich das kaum kann, ohne dass ich nach einer halben Stunde spätestens unruhig werde und ein schlechtes Gewissen bekomme, weil ich nichts tue. Kenner nicken wissend und riechen den Burnout, der hinter der Ecke steht und grinst.

Es ist Sonntag. Ich darf „nichts tun“, natürlich auch an jedem anderen Tag, ich bin selbstständig, ich arbeite jeden Tag, also kann ich auch an einem Dienstag einfach mal nichts tun. So viele Ideen zu haben, so viel Output, keine Sekunde mehr für Input, das tut nicht gut. Nichts zu tun bedeutet, meine Akkus aufzuladen. Etwas, das ich völlig regelmäßig und übervorsichtig für all meine technischen Geräte regelmäßig mache, nur mir selbst nicht zugestehe. Merkste selbst, Kiki, oder?

Jo.