Bleibt alles anders*

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Tag 259 von 366 – Gemalt und dabei gefilmt. Es ist noch einmal richtig heiß geworden, klar, ist ja auch die Geburtstagswoche. Mama Bär sagt, bei solchen Temperaturen sei ich auf die Welt gekommen: 27 °C, Mitte September. Dieses Hoch ist also nicht unbedingt ein Signal des Klimawandels; in den letzten 50 Jahren hat es vielleicht fünfmal an meinem Geburtstag geregnet, in aller Regel herrschte jedoch allerliebstes, sehr warmes Altweibersommerwetter bis Anfang Oktober. Meist haben wir draußen gefeiert (deshalb beobachtet man das ja und merkt sich das überhaupt nur). Neu ist eher, dass der Sommer in Hamburg jetzt schon im März/April beginnt.

Beim Laufen früh um halb sieben geht es noch mit den Temperaturen. Als ich von oben in meine Straße einbiege, sehe ich die Sonne durch die Zweige eines Baums scheinen und so absurd das klingt: Es hatte atmosphärisch was von Afrika und ich war kurz in Versuchung in Naaaaaaaaants ingonyama bagithi Baba Sithi uhm ingonyama! auszubrechen.

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Was mich ja ärgert: Mein Scanner ist noch lange nicht so alt, dass er aufs Altenteil müsste (FYI: das ist erst der dritte Scanner seit 1992; der erste hielt bis etwa 2000, der zweite von 2005-2015 und seitdem hab’ ich diesen). Seine Software ist aber nicht mehr kompatibel mit dem Betriebssystem meines Macs (Catalina). Aber ich frage mich, ob es tatsächlich keinen Bedarf mehr an Flachbettscannern gibt.

Das kann doch nicht sein, muss in Agenturen, Designstudios, Redaktionen wirklich gar nichts mehr professionell eingescannt und bearbeitet werden? Klar, wenn man komplett digital arbeitet – Illustrationen mittels Grafiktablett direkt im Illustrator, Photoshop etc. erstellt werden, Fotos von der DSLR direkt in Lightroom importiert, dort bearbeitet und im gewünschten Format für den Druck oder das Web exportiert werden, dann braucht man natürlich keinen Scanner mehr. Für das Importieren von eventuellen Vorlagenskizzen reicht meist ein schnelles Foto vom Handy; die Ebene wird ja später ohnehin gelöscht. Bin ich also tatsächlich die letzte Illustratorin auf diesem Planeten, die noch traditionell arbeitet?

Natürlich ganz und gar nicht. Aber das Problem hat meinen Recherchen nach dieser ganze Teil der art community, weltweit. Die Verzweiflung ist groß, die Zielgruppe leider nicht. Seit mindestens 5 Jahren (!) ist kein neuer Scanner mehr auf den Markt gebracht worden, Mac OS Catalina ist schon über ein Jahr alt und die Besonderheiten des Systems waren fast 1 Jahr vorher bekannt (und kommuniziert worden), aber es lohnt sich für die Hersteller nicht, neue Treiber für die alten Möhrchen entwickeln zu lassen. Dafür hat sich ein kleiner Drittanbieter (VueScan) sein Nest in der Nische gebaut und bietet ein Plugin an, mit dem man angeblich die meisten alten Scanner weiter unter Catalina nutzen kann. Meinen leider nicht, aber immerhin hat der Hersteller (Epson) inzwischen einen Deal mit einem Drittanbieter (Silverline) abgeschlossen, so dass ich das Gerät mithilfe dessen Software – vorerst – weiter nutzen kann.

Das nächste Mac OS Big Sur ist schon angekündigt. Ich muss trotz eines gerade mal fünf Monate alten Macs überlegen, ob ich ein Update riskieren kann. Zu viel „systemrelevante“ Peripherie hängt daran: Der A3 Fine Art Drucker, das Audiointerface, um das Mikrofon weiter nutzen zu können, das Grafiktablett – ich musste zähneknirschend wieder ein Wacom Cintiq kaufen, aufgrund desselben Inkompatibilitätsproblems beim vor anderthalb Jahren! gekauften Tablett des chinesischen Herstellers Parblo, auf dem ich nunmehr nur noch Schnittchen und Getränke servieren kann und das er inzwischen sang- und klanglos von seiner Website genommen hat. Und natürlich stellt sich der Support tot, was dachtet Ihr denn?

Große Agenturen, Verlage und Studios können das alles aus der Portokasse zahlen und bei Bedarf einfach in der neuesten Version kaufen, ich nicht. Ich finde auch nicht, dass ich das tun müsste, denn meine Peripheriegeräte sind hardwareseitig von mir top gepflegt und funktionieren grundsätzlich tadellos, wie alle meine Sachen benutze ich sie – oder würde sie gern benutzen – bis sie auseinanderfallen. Und selbst wenn ich es im Budget hätte … will ich Anno Domini 2020 wirklich schlanke 4.000+ Euro für ein 7 (sieben) Jahre altes A3 Scannermodell ausgeben, das schon beim Kauf nur noch mit einer Drittanbieterlösung funktioniert und vom Hersteller selbst nicht länger unterstützt wird? Wenn einem schon der Wunsch nach Nachhaltigkeit nicht als Begründung reicht, das ist doch auch aus kaufmännischer Sicht der totale Irrsinn!

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Komisch, kaum ist man mal sportlich seit sechs Wochen täglich etwas aktiver, schon muss man den Gürtel enger schnallen. #WeirdScience
Aber am meisten freut mich, dass ich immer noch knapp vorne liege im Rennen um die weihnachtliche Bikinifigur. Was auch dringend nötig ist, denn down under geht es bekanntlich jetzt auf den Sommer zu und meine Gegnerin wird noch mehr Zeit draußen verbringen und schwimmen und surfen und laufen, während ich finster die ersten Lebkuchenpakete im Supermarkt anschaue und aus der Schublade mit den eingemotteten Golfklamotten lustlos die warmen Langarmshirts ziehe. Hm.

Ich weiß noch, wie viel Überwindung es mich im Winter immer gekostet hat, mich im November frühmorgens um sechs in drei Schichten Klamotten zu pellen und die 70 km zum Turnier zu fahren. Um 9:00 Uhr war Abschlag und auf dem Platz lag noch Rauhreif. Mich eine halbe Stunde einzuschlagen und warm zu machen in der Hütte, auf bretthart gefrorenen Abschlagsmatten, froh und glücklich über die langen Unterhosen unter der gemütlich warmen GoreTex-Regenhose zu sein. Den Schal abzumachen, da es ja doch langsam warm wurde im Nacken. Dann Start und auf der Drei die Mütze und den ersten Pullover auszuziehen. Nach neun Loch den zweiten und mir wünschen, ich hätte doch keine langen Unterhosen unter der verdammt noch mal viel zu heißen Regenhose angezogen und ob es die Mitspielenden wohl stören würde, wenn ich den Rest der Runde ohne Hosen spielte? (Ich hab’s nie ausprobiert.) Nach 18 Loch komplett nassgeschwitzt, dann duschen, und ab nach Hause. Jeden Winter dasselbe. Ob es mir beim Laufen und Radfahren wohl diesen Winter ähnlich gehen wird?

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Andere Haferdrinksorte gefunden, die dann ab morgen mal getestet wird. Ich kann ja manchmal durchaus dickköpfig sein.

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Lieblinks:

Schau an, schau an. Die fragwürdigen Spenden-Tricks der Anti-Corona-Bewegung. “Follow the money”, wie Deep Throat das so schön formulierte.

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Die lustigste und beste Zusammenfassung des ganzen Brexitwahnsinns schlechthin. Ich hatte Bauchweh vor Lachen.

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Über das Book of Kells habe ich meine Abiturklausur im LK Kunst geschrieben. Fast dreißig Jahre später, 2016, habe ich es live betrachten dürfen. Die Führung durch die permanente Ausstellung am Trinity College in Dublin (und die berühmte Bibliothek ein Stockwerk drüber) übernahm Marie Sophie, das Fräulein ReadOn. Sie fehlt mir sehr und ich musste gestern sehr an sie und diesen traumhaft schönen Herbsttag vor vier Jahren denken, als ich von der Neueröffnung der Ausstellung nach las. Das Book of Kells hat eine neue Vitrine bekommen und kann nunmehr noch besser präsentiert werden.

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* Ich weiß, der Titel dieses Blogposts ist von einem anderen Album, aber gedacht habe ich beim Schreiben an ein älteres Lied von Gröni. „Chaos” ist eines der wenigen von ihm, das mir textlich wie musikalisch sehr gut gefällt und das ich immer mal wieder höre.

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