Bluetooth Kopfhörer

a.k.a. „sinnlosestes Zubehör jemals“

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Im Zuge meiner aktuellen „ich renne mal los“-Phase habe ich mir dann auch ein Paar neuer Kopfhörer gegönnt. Ich habe erst drei oder vier Paar Kopfhörer, insofern war das natürlich eine dringend benötigte Anschaffung, ist klar. Meine besten und wichtigsten Kopfhörer sind ein paar zehn Jahre alter Sony MDR-V700 Mickymäuse, die damals state of the art waren und die ich in erster Linie zu Montoringzwecken beim Musikabmischen eingesetzt habe, wofür sie wohl ursprünglich auch gedacht sind. Sie hatten damals etwa den Gegenwert eines Eigenheims in Hamburg-Falkenstein und sind nach wie vor einfach super, aber natürlich als over ears – wie wir Fachleute zu Mickymäusen sagen, der Form die bis ca. 1990 die einzig erhältliche war – zum Laufen eher ungeeignet, da viel zu schwer. Und da rede ich noch nicht von den daranhängenden zwei Metern Spiralkabel mit güld’nem Klinkenstecker (die braucht es für besseren Sound, wie mir HiFi-Voodoo-Anhänger erklärten).

Nein, beim Laufen nutzt man besser In-Ears, wie die Dinger heißen, die man sich in die Ohren steckt und die zumindest in meine Ohren grundsätzlich nicht passen, die weh tun oder einfach nur drücken, rausplumpsen und den Sound einer verrosteten Wellblechdose hatte, die schon drei mal recycelt wurde. Diese In-Ears habe ich in zwei, drei Paaren und Generationen der weißen Apple-Ausgabe, die jedem iPhone oder iPod beiliegen und die ich nach dem Kauf inzwischen nicht einmal mehr aus der Verpackung nehme, sondern direkt mit wegwerfe. Sie tun infernalisch weh im Ohr und fallen schon raus, wenn ich mich zum Schuhe zubinden bücke. Wie soll ich denn damit bitte laufen?

Nun sagte man mir, das Neueste vom Besten seien Bluetooth-Kopfhörer mit Magnetverschluß. Wow. Kurz, kein Kabelsalat, mit einer Krokodilsklemme am Hemdkragen zu befestigen, je Ohr drölf verschiedene Gumminupsis zur Ohranpassung, butterweicher Klang, und die Verbindung hätte eine Reichweite von 10 Metern. Den Magnetverschluss braucht es nicht, damit die Dinger im Ohr festkleben, z.B. an den lockeren Schrauben in meinem Kopf, sondern um sie als Halskette schließen zu können, wenn man mal die Stöpsel aus den Ohren gezogen hat und die ganze Chose nicht in die Jackentasche fummeln will.

Soweit die Theorie und die Rezensionen im Internetkaufhaus. In der Praxis passt leider kein einziger der beigelegten Pinöppel in meine Ohren, der Klang ist kratzig-blechern bei Hörbüchern und überaus basslastig bei Musik und das alles garniert mit sekundenlangen Aussetzern, wenn die nicht ganz zehn Meter breite Verbindung zwischen meinen Ohren und meinem Unterarm, an dem das Handy befestigt ist, abreißt.

Man muss außerdem die Kopfhörer vor dem Benutzen aufladen, etwa eine Stunde lang. Das alleine finde ich ja schon reichlich albern, aber okay. In einer Zeit, in der man seine Bücher vor dem Lesen erst aufladen muss und seine Zigaretten vor dem Rauchen, wundert mich langsam fast nichts mehr. Die Kopplung via Bluetooth ans iPhone funktioniert mehr so gelegentlich, aber saugt dem armen iPhone dafür in schwindelerregendem Tempo den Saft aus den müden Knochen. Wenn ich mit 100% Akku auf die Runde gehe, habe ich bei Benutzung der Kopfhörer nach 5,6 km (meiner Stadtparkrunde) nur noch 82% Akku. Mit den Apple-Kopfhörern, bzw. einem drei Jahre alten 9,95 EUR Ersatzpaar vom Flughafen in Neapel, das sich standhaft weigert kaputtzugehen, sind es 98%.

Ich habe noch einen quietschgelben Walkman aus den 80ern, komplett mit quietschgelben Bügelkopfhörern. Dem spendiere ich jetzt eine Packung frischer Batterien und dann packe ich die Kassette mit den Motivationsgesängen (“Model 8 Ford and and a tank full o’ gas …”) des U.S. Marine Corps hinein, die mein damaliger Herzbube zu seinen Bundeswehrzeiten darin vergessen hat. Der Walkman leiert wahrscheinlich schnell, aber ich inzwischen auch, das passt dann schon. Die Bluetoothstöpsel gehen wieder zurück.

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