Die Rückeroberung des Bloggens

Zuhause ist's am schönsten

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In den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich weiter am e13 Relaunch gearbeitet. Dabei habe ich auch an die Bloganfänge zurückgedacht, von denen noch einige mickrige Säulen im alten Blog stehen. Die meisten Einträge aus der Zeit zwischen 2001 und 2006 sind leider aus meiner anfänglichen Blödheit im Umgang mit der WordPress Lernphase zum Opfer gefallen und bei diversen Theme- und Hostinganbieterwechseln im Datennirvana verschwunden. Aber selbst diese kümmerlichen Reste zeugen von einer komplett anderen Art des Bloggens.

Was inzwischen bei Twitter oder, seltener, Facebook und Instagram landet hätte früher hier im Blog stattgefunden. Ich habe mich im letzten Jahr mit Indyweb beschäftigt, bei dem es darum geht, sich sein Web zurückzuerobern und es nicht kampflos den großen Plattformen zu überlassen. Das kann man schaffen, indem man das Blog als Hub nutzt und von dort aus seine Inhalte auf Twitter, Facebook, Instagram etc. verteilt oder dupliziert und andererseits z.B. Kommentare auf Facebook, Twitterreplies und kommentierte Retweets etc. im eigenen Blog unter dem jeweiligen Artikel sammelt. Ich habe nie viele Kommentare hier bekommen, aber in den letzten Jahren fast gar keine mehr, daher war diese Möglichkeit für mich recht interessant. Andererseits wurden nicht alle Kommentare gefunden, die Reihenfolge der Anzeige war komplett willkürlich und eine echte Diskussion kann man das Ergebnis nicht nennen. Der Knaller war mein Eintrag zu den Rentnern im Supermarkt, wo genau drei von 74 Kommentaren direkt unter den Artikel geschrieben wurden, der Rest kam via Twitter (auf Facebook hatte ich den Artikel gar nicht erst verlinkt).

Es gibt einen Haufen Plugins, die man dazu in sein WordPressblog einbauen muss und die das ganze Thema mit sehr durchwachsenem Erfolg angehen. Offensichtlich hängt das Funktionieren dieser Plugins auch sehr vom verwendeten Theme ab; vermutlich funktioniert es hervorragend mit dem WP-Standardtheme „Twentyseventeen“, aber mit meinem hier funktioniert es nicht, oder zumindest nicht zufriedenstellend. Vielleicht vertragen sich diese Plugins auch nicht mit anderen, für mich notwendigeren Plugins. Ich habe die Indyweblösung für WordPress deshalb wieder aufgegeben, wenn auch nicht den Gedanken dahinter.

Soziale Netzwerke sind alles andere als sozial. Theoretisch hat jede Stimme dasselbe Gewicht, aber das glauben wirklich nur die Blauäugigsten unter uns. Den Großen Drei, Facebook, Twitter, Instagram – die eigentlich nur die großen zwei sind, da Instagram bekanntlich zu Facebook gehört und seitdem auch auf demselben absteigenden Ast ist in puncto Benutzerfreundlichkeit – ist gemeinsam, dass sie auf Algorithmen setzen. Diese zeigen ihren Nutzern zuerst Beiträge an, die sie vermeintlich am meisten interessieren und/oder die werbefinanziert sind. Die ursprüngliche Idee, Beiträge in chronologischer Reihenfolge zu sehen, ist entweder komplett gekillt worden (Facebook, Instagram) oder auf dem Weg dorthin (Twitter).

Diese Algorithmen vermuten, dass mich Inhalte interessieren, die meine Kontakte interessieren und da wiederum die Kontakte, mit denen ich besonders viel interagiere. Das ist aber nicht der Fall, oder nur bedingt. Und Einträge, die nur nach draußen, auf Blogpostings oder das eigene YouTube Video verweisen, werden insbesondere bei Facebook seltener angezeigt als solche, bei denen man seine Bilder und Videos direkt hochlädt. Bei Instagram kann man gleich gar nicht nach draußen linken wenn man keine Anzeige schaltet oder aber sechsstellige Followerzahlen hat (dann geht’s über die Stories). Man findet auch nichts wieder. Und im Extremfall erfährt man halt zu spät, was einem wirklich wichtig gewesen wäre.

Diese Algorithmen sind also so schlecht, dass ein Besuch bei Facebook oder Instagram inzwischen eher dem Weg zum Zahnarzt gleicht: Muss ja, aber halt nur widerwillig.

Muss ja? In meinem Falle: Ja. Als Freiberuflerin bin ich darauf angewiesen im Web gefunden zu werden und brauche daher zumindest eine Visitenkartenpräsenz auf den bekanntesten Plattformen. Ich bin außerdem gelegentlich Dozentin zum Thema Onlinemarketing für ein großes Weiterbildungsinstitut und dafür muss ich mich mit den aktuellen Funktionalitäten und Angeboten dieser Plattformen auskennen um den Studenten zeigen zu können, wie man sie wofür am besten einsetzen kann. Facebook zu verlassen ist daher leider keine Option, auch weil man z.B. einen Facebook Account braucht, um auf Instagram Werbung schalten zu können – etwas, das ich bislang noch nicht getan habe, aber demnächst vermutlich testen werde.

Twitter und Instagram hingegen möchte ich nicht verlassen, auch wenn beide inzwischen ziemlich heruntergekommen sind und es mich nervt, dass Twitter Trolle und Accounts mit offensichtlichen Hasspostings – wie den des US Präsidenten – nicht löscht. Ich hänge emotional an Twitter – oder besser: an „meinen“ Tweeties – und da ich visuellen Content produziere wäre ich bescheuert, Instagram nicht zu nutzen.

“Ever notice that ‘What the hell?’ is always the right decision?” – Marilyn Monroe

Was also tun? Inhalte duplizieren, also zuerst im Blog veröffentlichen und dann entweder konsequent verlinken oder aber „kopieren und einfügen“, ggf. über eine Pluginlösung.

Bilder werden hier zuerst erscheinen und dann auf Instagram, Twitter, Facebook etc. hochgeladen, statt sie z.B. auf Instagram zu veröffentlichen und von dort aus auf Facebook, Twitter und im Blog einzubinden oder zu verlinken. Meine Bärentweets werden zuerst hier im Blog erscheinen und dann auf Twitter kopiert, statt die Tweets hier einzubinden.

Google hasst doppelten Content bekanntlich, aber keiner weiß so genau wie Google funktioniert und was denen nächstes Jahr wichtig ist und inzwischen ist es mir ein Stück weit auch egal, was Google hasst. Erinnert Ihr Euch noch an die Author-Funktionalität, oder Buzz, Wave, Google Plus? Google hat Social noch nie verstanden. Es ist mein Blog, mein Web, nicht Googles. Ich hatte hier nie den Traffic von Spiegel Online und Kommentare sind, s.o., eh völlig überbewertet. Nach dem Relaunch werde ich die Kommentare grönern bzw. die Funktionalität komplett abschalten.

Ebenfalls vorsichtig überarbeiten werde ich meinen Newsletter. Die Umfrage in der letzten Ausgabe ergab, dass 67% der befragten ca. 1000 AbonnentInnen den bisherigen Rhythmus  – drei- bis viermal jährlich – gut finden und nur etwa ein Viertel der Befragten einen monatlichen Newsletter besser fänden. Genau zwei Stimmen gab es für einen wöchentlichen Rhythmus, was mich sehr erleichtert, denn ich wüßte wirklich nicht, was ich Euch jede Woche Neues zu berichten hätte. Vielleicht sind mein Leben und meine Arbeit gar nicht so langweilig, andere Leute schreiben ja auch wöchentliche Newsletter und obwohl ich mich als Empfängerin über einige davon wirklich freue steht da bei Licht betrachtet selten etwas drin, was nicht zu erfahren schade gewesen wäre. Die Balance zu finden zwischen Kontaktpflege, Selbstvermarktung und dem Bedürfnis, nicht zu nerven und nicht zuviel Geräusch zu verursachen bleibt schwierig.

Fazit: Für die meisten meiner LeserInnen und Follower bleibt alles beim alten. Wer will, ist mit dem Abonnement des RSS feeds hier zuerst und am schnellsten informiert und mein Newsletter hält Euch informiert, wenn Ihr gerne weniger aber dafür die (beruflich) relevanteren Dinge von mir erfahren möchtet.

Update, 19:00 (rund 8 Std. nach VÖ)

Ich hatte den Eintrag auf Twitter und auf meiner Facebookseite je einmal angeteasert und verlinkt. Auf Facebook habe ich 4 Likes und angeblich 58 Personen erreicht. (Ich habe ihn absichtlich nicht auf meinem Profil, sondern nur ganz pur über die Fanpage geteilt.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf Twitter sehe ich folgende Informationen zum Engagement meiner Follower (und den Nutzern, die ihn via RT angezeit bekommen haben):

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