Die Ruhe vor dem Sturm

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Tag 212 von 366 – Gezeichnet, geschrieben. Das #Bärenkochbuch steht kurz vor der Vollendung.

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Da ich gerade zu viel Zeit am Zeichentisch bzw. an der Schreibmaschine¹ verbringe und damit zu wenig Zeit für Social Media habe (und, ganz offen gesagt, auch so gar keine Lust auf Social Media habe, das kann passieren nach den Ferien am Meer, man will einfach nicht wieder zurückkommen), verpasse ich die ganzen Aufreger des Tages, die das diesjährige Sommerloch füllen. Ja, kaum zu glauben, aber wahr: Es ist erst Sommer. 2020 hat gerade mal 7 Monate hinter sich und dauert schon fünf Jahre, gefühlt jedenfalls. Wo war ich?

Ach ja, Sommerloch auf Social Media. Also hat offenbar wieder jemand² was geschrieben und jemand anderes ist darob irgendwie beleidigt und fühlt sich angegriffen und dann fällt einigen Zuschauerinnen und Zuschauern³ ein, dass man ja eigentlich Partei ergreifen muss und wieder andere Zuschauerinnen und Zuschauer⁴ finden, das gilt aber auch für die andere Seite und, tl;dnr: Alles ist wie in „Streit um Asterix“, jeder hetzt gegen jeden und alle gegen alle anderen und es liegt Pulverdampf über der Timeline. Ich komme kurz rein, weil ich eine Benachrichtigung über vorliegende Direktnachrichten bekommen habe, das kann ja auch von KundInnen sein, also öffne ich Twitter. Und dann ist es Bullshit von einer Followerin, mir wird mit Block und Unfollow gedroht, weil ich jemandem² folge, den sie nicht leiden kann und ich überlege kurz, was „leg’ dich gehackt, du Pappnase“ in höflich heißt, aber komme nicht drauf, also sag’ ich’s hier ganz offiziell: Leg’ dich gehackt, du Pappnase.

Ernsthaft: Ich folge Leuten aus völlig unterschiedlichen Gründen, die ich niemandem darlegen muss. Dass ich Leuten folge, heißt noch lange nicht, dass ich alles super finde was sie so schreiben, genauso wenig wie ein ‚like‘ von mir automatisch Zustimmung zum Gesagten bedeutet – ich nutze likes in aller Regel als Bookmarks oder auch als Dankeschön oder Lesebestätigung, z.B. um zu signalisieren, dass ich eine Antwort an mich wahrgenommen habe, aber nicht mehr weiter darauf antworten werde. Ich folge jeder Menge Leuten, mit deren Meinungen ich nicht notwendigerweise konform gehe oder deren Haltung zu xyz ich null nachvollziehen kann, die aber andere Qualitäten haben, die mir gefallen. Oder mit denen ich mich schon einmal „in echt“ getroffen und gut unterhalten habe. Oder, oder, oder. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, wenngleich ich immer öfter irritiert feststelle, dass solch schwarz-weißes Denken auch und gerade bei Leuten sehr verbreitet ist, die ansonsten gern in Regenbogenfarben schwelgen. Aber ich differenziere halt gern.

Wer wirklich überhaupt nicht darauf klarkommt, dass ich jemandem² folge, soll mich dann meinetwegen entfolgen oder gar blocken. So ein Verhalten finde ich zwar befremd- und betrüblich, aber des Menschen Wille ist sein Himmelreich, nicht wahr.

Vade in pacem.

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Lieblinks:

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