Digitales Malen und die Sache mit dem Humorverständnis

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Tag 241 von 366 – Gemalt, gefilmt, gelaufen, einkaufen gewesen. Es haben wieder mehr Menschen auf der Straße eine Maske auf und im Supermarkt wird wieder verstärkt darauf hingewiesen, dass die Nase unter die Maske gehört. Gut so.

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Nachklapp zu vorgestern: Es kamen viele lustige, freundliche, ein paar absurde und auch hässliche Kommentare zu meinem kleinen Twitterzwist rein; per DM, per Mail und auf Twitter selbst.

Am lustigsten fand ich dort ja den Klapskalli, der sich komplett merkbefreit, aber dafür umso empörter über mein Rant-Video zu digitalem Malen äußerte und mich als „Karen“ einordnet. Er nahm das ganze Ding tatsächlich bierernst und absolut wörtlich, hat mein ja doch recht eindeutiges Grinsen am Ende ignoriert und das kann einem dann ja schon sehr leid tun. Muss hart sein, so komplett humorbefreit und ohne Ironiedetektor durchs Leben zu gehen.

Und natürlich fanden sich auch direkt ein paar Claqueure, die ihm beipflichteten. Ich weiß jetzt nicht, wie merkbefreit diese Leute tatsächlich sind oder ob sie einfach solche  Cocktailwürstchen sind, dass sie händeringend etwas finden müssen, was sie mir anhängen können – weil ich einen gelungenen Cartoon ihres Idols in einem dem Idol nicht genehmen Zusammenhang RT hatte. Denn genau das ist passiert: Ich fand den Cartoon super, ich habe ihn retweeted und sie fühlte sich ans Bein gepinkelt, dass ich ihn inhaltlich in einem anderen Zusammenhang sah, als sie beabsichtigt hatte. Sie hat offensichtlich die Dualität der Pointe ihres eigenen Cartoons gar nicht gesehen. Ich hab’ die Künstlerin nicht kritisiert, ich hab’ den Cartoon nicht kritisiert, ich hab’ ihn frei assoziiert und ihn als Aufhänger für ein Thema genutzt, das mir anlassbezogen durch den Kopf ging. Wenn sie mit einer Kritik nicht umgehen kann, die sich nicht einmal gegen ihr Werk oder gar sie persönlich richtet, sondern gegen eine bestimmte Handlung, die ihr Werk zufällig – wenn auch vielleicht von ihr unbeabsichtigt – gut illustriert, dann ist das traurig, aber nicht wirklich mein Problem. Aber darum geht’s hier ja nicht.

Dass Digital Painting „fake“ ist, das ist insofern natürlich unbestreitbar, als es sich dabei per Definition um die Simulation traditioneller Werkzeuge handelt, bzw. dem Ergebnis, das man mit ihnen erzielen würde. Das wird Euch jetzt vielleicht überraschen, aber da sind jetzt nicht wirklich echte Ölfarben und -Pinsel oder Bleistifte in eurem Photoshop, meine Häschen. Und genau das ist mein Kritikpunkt, das, was mich so frustriert und das, was ich im Video sage: Das Ergebnis mag durchaus überzeugen, aber der Prozess ist eben nicht derselbe. Die Simulation  ist nicht sehr gut, jedes Werkzeug fühlt sich digital exakt gleich an, egal ob Bleistift, Feder, Pinsel, Aquarellfarbe, Ölfarbe, Pastellkreide, Sprühdose, ob Papier oder Leinwand, Tafel oder Stein als Untergrund – das haptische Feedback fehlt. Und das haptische Feedback ist für mich persönlich ein entscheidender Baustein bei der Arbeit. Und nichts anderes sage ich in diesem Video.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das tatsächlich ernsthaft so umfassend erklären muss und es Leute gibt, die meinen, ich hätte das Ergebnis digitaler Malerei per se kritisiert oder gar, ich hätte sie angegriffen, weil sie selbst digital malen. Aber je nun, bei manchen Leuten fährt der Fahrstuhl offensichtlich nicht bis ganz nach oben. (Und wo ich gerade dabei bin, Offensichtlichkeiten zu erklären: Nein, natürlich benutze ich hier am Ende NICHT den Wacom Eingabestift zum Umrühren meines Kaffees, das ist nur recht geschickt geschnitten. Ein stinknormaler Marker musste als Double herhalten, wie man auch erkennt, wenn man ein Standbild macht (siehe Headerbild oben). Beide Stifte sind wohlauf.)

Ich male nicht nur traditionell (wenngleich das hier auch so rüberkommen mag, weil das die Art ist, die mir am meisten Freude bereitet und ich Euch diese Seite von mir am häufigsten zeige) sondern selbstverständlich auch (fast) täglich digital. Das geht gar nicht anders im professionellen Bereich und da ich meinen Lebensunterhalt als hauptberufliche Illustratorin bestreite und Photoshop seit 1989 fast täglich nutze, hab’ ich auch genügend Erfahrung mit digitalem Malen, das darf ich wohl so festhalten. (Ja, auch mit Illustrator, ClipStudio Paint, Sketchbook Pro und vielen anderen digitalen Tools, natürlich.) Mein Hamburg Comic „Hamburg Unter Sich“ ist komplett digital entstanden.  Und nicht weniger meiner Bärenabobilder sind am Ende digital noch leicht bearbeitet, sei es, um Effekte zu erzielen, die ich analog auf die gewünschte Schnelle nicht so hinbekäme  – unbestreitbar ist das gewonnene Arbeitstempo einer der größten Vorteile am digitalen Malen – oder um den Kontrast zu erhöhen, zu Retuschezwecken und um Highlights zu setzen.

Ein Großteil meiner Timeline hat außerdem von mir digital gemalte Avatare und/oder Headerbilder. Bilder wie dieses, dieses, dieses, dieses, dieses oder dieses sind klar erkennbar digital und zumeist im Photoshop entstanden, um nur mal einige rauszuziehen, die ich hier auf die Schnelle in der Blog-Mediathek finde. Und dieses making-of-Video eines Weihnachtskartenmotivs für einen Kunden ist fünf Jahre alt; ich hab’ gerade kein aktuelleres zur Hand (aber dreh’ demnächst mal wieder eines, gute Idee):

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Ich hab’ in den letzten zehn Jahren drei Wacom Tabletts verschlissen, mir zuletzt ein Parblo Mast 22 gekauft und mein Auge aktuell auf ein neues Cintiq geworfen (da Parblo leider keine 64-bit-Treiber für Mac OS Catalina ff entwickelt und ihr Support sich totstellt; Fehlkauf des Jahres). Ich bin also mitnichten der Fuchs, dem die Trauben zu sauer sind bzw. zu hoch hängen. Ich ärgere mich nur augenzwinkernd über mein Werkzeug.

(Christian hatte damals mal angeregt, einen Gegenrant zu drehen und das hab’ ich auch noch auf der to-do-Liste, denn natürlich kann ich nach rund 30 Jahren im Job eine Vielzahl an Ärgernissen zur Arbeit mit traditionellen Werkzeugen aus dem Ärmel schütteln. Das Video kommt definitiv noch.)