Ein Kessel Buntes

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Tag 209 von 366 – Gemalt und geschrieben, hauptsächlich.

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Es ist mal wieder Pride Week. Glaube ich jedenfalls, online feiert jede/r und jedes laut die eigene Variante von Sexualität, man ersäuft mal wieder in Regenbögen. Ich denke bei mir ja immer, wer es so derbe nötig hat, permanent seine Sexualität öffentlich zu verkünden und abzufeiern, der/die/das hatte sehr wahrscheinlich das letzte Mal Sex als Kohl noch Kanzlerin war. Auch schnall’ ich nicht so ganz, warum die Leute ein paar hundert Gendervarianten erfunden haben, in denen sie dann laut schreiend darauf bestehen, einzigartig in ihrer 1-Mann/-Frau/-Dingsbums „Community“ zu sein. Aber was weiß ich schon, egal, ich schweife ab.

Selbst das US-Konsulat an der Alster hat bunt geflaggt, wie ich beim Vorbeiradeln erstaunt sah. Ich bin nicht ganz sicher, ob der aktuelle Konsul sich da mit dem aktuellen Commander-in-Chief abgesprochen oder das einfach mal so entschieden hat, in der Hoffnung, unterm Radar des Geliebten Führers™  in Washington durchzufliegen und entweder seine eigenen Werte ostentativ zu vertreten, oder aber den HamburgerInnen einen Funken Hoffnung zu schenken, dass der Albtraum hoffentlich bald vorbei ist. So oder so ist es eine nette Geste, wenn auch komplett bedeutungslos, denn es sind ganz offensichtlich nicht die aktuellen Werte des Landes, das er vertritt. Und selbst wenn die Demokraten im November die Wahlen gewinnen sollten (und der aktuelle Amtsinhaber tatsächlich freiwillig und ohne Zwang aus dem Weißen Haus ausziehen sollte, was ich nicht mehr so recht glauben will), so wird deswegen noch lange nicht „alles gut“. Wie jeder Mensch weiß, der den „Herrn der Ringe“ gelesen oder gesehen hat, fängt die echte Aufräumarbeit erst nach dem Sturz des Tyrannen an und es gibt kein Zurück zum alten Auenland. Die Schneise der Verwüstung, die diese Junta hinterlässt, wird noch in hundert Jahren deutlich zu sehen sein.

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Meine Balkonpflanzen, die meine Nordseeferien mehrheitlich nicht gut überlebt haben, habe ich radikal zurückgeschnitten oder gleich ganz rausgeworfen. Jetzt überlege ich, was ich für den Herbst anpflanzen soll. Da ist wohl am Wochenende mal wieder ein Besuch in einem Gartencenter angesagt. Fast hätte ich Corona vergessen, aber noch findet auch im Gartencenter der Verkauf meist draußen an der frischen Luft statt, so dass dem Plan nichts im Wege stehen dürfte. Mal schauen. Man könnte ja auch mal wieder ins Arboretum fahren.

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Ich war bei zwei Fahrradhändern im Umkreis von 1 km, einer davon der selbsternannte Hollandradspezialist, und wollte eine neue Vorderradlampe kaufen und gleich montiert bekommen, die aktuelle ist doch etwas funzelig für mein Sicherheitsbedürfnis. Der erste hatte keine Zeit, der zweite fragte relativ unfreundlich, ob das Rad bei ihnen gekauft worden sei, sie reparierten ausschließlich eigene Räder. Auf meine Antwort, das Rad sei älter als ihr Geschäft, also nein, kam ein pampiges „dann wird es ja höchste Zeit für ein neues.“ Man kann das gern augenzwinkernd sagen, aber bei pampig bin ich raus. Ja gut, dann kaufe ich halt im Internet, wer nicht will, der hat schon. Ich will kein Gejaule des Einzelhandels vor Ort mehr hören.