Fruchtgummiwerbung mit Kopftuch, Skandal!!!11

#allebekloppt

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Das Aufregerthema du jour, das durch die (a)sozialen Medien geht, kommt heute von Katjes, der Firma, die meine Lieblingslakritzsorte (Katzenohren) fabriziert und ansonsten wohl auch Gummigedöns anbietet, ähnlich wie Haribo.

Eines von mehreren aktuellen Kampagnenmotiven zeigt eine Frau mit Kopftuch, die vergnügt in irgend so ein Fruchtgummigedöns beißt und das Verkaufsargument soll wohl sein, dass die Süßigkeit vegetarisch ist, also offenbar nicht mithilfe von Gelatine hergestellt wird. Die ganze Kampagne kommt in rosa daher, was die zweite Gruppe Berufsaufreger, die Gendertröten, auf den Plan ruft. Das letzte Mal, dass mir Katjes-Werbung auffiel benutzte irgend ein Model ihre Fruchtgumminupsis dazu, ihre Zehen beim Lackieren der Nägel auf Abstand zu halten, was meiner bescheidenen Ansicht nach auch der ideale Verwendungszweck für die Dinger ist, aber das ist natürlich Geschmackssache. Auch damals war schon alles im Hintergrund rosa, insofern ist man sich wohl treu geblieben.

Die üblichen Verdächtigen vom rechten Rand krakeelen nun lautstark nach einem #Katjesboykott, kotzen sich auf der Facebookseite des Unternehmens aus und faseln wie üblich vom Untergang des Abendlandes. Da kommen herrlich doofe Sprüche mit anekdotischer Beweisführung: „Ich kenne keinen Moslem, der auch Vegetarier ist!“ (Halb Fernost lebt vegetarisch, aber okay …). Es wird scheinheilig die Emanzipationskarte gezogen, die armen Frauen, die durch den pöhsen Islam unterdrückt werden (und die man selbst normalerweise anpöbelt, bedroht, bespuckt und mit Vergewaltigungsfantasien übergießt) und es wird fröhlich mit offensichtlich austauschbaren Begriffen wie vegan, vegetarisch, halal und koscher um sich geworfen, alles ein Brei. Jetzt ist angeblich das Model gar keine echte Muslima, vielleicht mag sie nicht mal Fruchtgummi, der #Aufschrei nimmt kein Ende. Hat schon jemand bei dem Supermodel der alten Kampagne angefragt, ob es sich die Zehennägel immer noch mithilfe von Katjes Fruchtgummi lackiert, oder war das etwa nur Show für den Werbespot?

Ich bin durchaus skeptisch, was Kopfbedeckungen aus religiösen Gründen angeht, aber es geht mich nichts an, es tut mir nicht weh wenn jemand damit rumläuft (jedenfalls nicht so sehr weh wie pickelige Pubertierende mit flachschirmigen Baseballkäppis, auf denen vorne noch der güld’ne Markenaufkleber prangt) und ich gebe herzlich gern zu, dass es kompliziert sein mag. Aber ich muss es halt auch nicht noch zusätzlich verkomplizieren.

Die Gummigedönsfirma hat kostenlose PR, die Werbeagentur darf sich mutig nennen lassen. Mutig wäre gewesen, eine Kippah zu nehmen, aber was weiß ich schon.

Ich bleibe bei Katzenohren.

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