Grenzerfahrungen

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Tag 287 von 366 – Unterwegstag.

Nach dem Putzen des Randonneurs gestern wollte ich eigentlich noch um den Block fahren und gucken, ob alles funktioniert; ob genügend Luft in den Reifen ist, das Licht geht, die Gangschaltung auch nicht knarzt, aber es war schon zu dunkel und ich war schon zu müde.

Heute früh flog dann beim Gangwechsel – kkkkkrrrrrk! – die Kette raus und auch, wenn ich sie mit klammen Fingern wieder reingekriegt und mir dabei schön die Finger geratscht und eingesaut habe, dauerte es nur einen erneuten Gangwechsel, bis sie wieder rausflog. Entweder ist also die Kette zu alt und verschlissen oder die Kassette, wahrscheinlich aber beides. (Es könnte natürlich auch an den Schalthebeln oder den Seilen liegen, was weiß ich, ich würde auch bei einem stehen gebliebenen Auto zunächst einmal die Motorhaube hochklappen, mir das ganze Gewusel betrachten und dann kennerisch „bestimmt der Vergaser“ sagen. Jedenfalls, wenn jemand dabei wäre.)

Da ich a) zwei linke Hände für so etwas, b) keine Lust auf so etwas, c) in der Wohnung nicht wirklich den Platz für etwas, d) keinerlei Ersatzteile wie eine neue Kette oder Kassette hier habe und schließlich e) selbst wenn sie hier hätte, keinerlei Werkzeug oder f) Ahnung hätte, wie ich diese Ersatzteile gewinnbringend einsetzen könnte, bringe ich das Rad also zu Fuß zu der Werkstatt in der Nähe.

Manch ein/e LeserIn mag jetzt die Augen verdrehen und denken ‚ts, ist doch babyleicht, als mal eben eine Fahrradkette und -kassette zu ersetzen!‘ und hätte natürlich völlig Recht damit. So wie auch nix einfacher ist, als mal eben ein Bild zu malen, eine Rede zu schreiben, ein Video zu drehen und zu schneiden, Beethoven vom Blatt zu spielen oder in Falkenstein an der 17 mit dem 2. Schlag tot an der Fahne zu liegen. Will sagen: All das wären für mich babyleichte und für andere Menschen schier unlösbare Aufgaben. Du kannst keinen geraden Strich zeichnen? Ich kann keinen Nagel in die Wand hauen, ohne, dass das Haus hinterher abbruchreif ist.

Wie sagte Dirty Harry so schön? Man’s gotta know his limitations. Und es ist ja auch schön, wenn man anderen Menschen die Gelegenheit geben kann, ihr Können zu zeigen.

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Die Uhr hat eine „Atmen“-App und zuerst dachte ich „Hä, wieso, das ist doch ein Reflex?!“. Ich soll aber alle paar Stunden ganz bewusst im Hier und Jetzt atmen, so etwa eine Minute lang, im Rhythmus der puslierenden blauen Blume (und dem dazugehörigen, rhythmischen Klopfen der Uhr am Handgelenk). Und das ganze wird dann unter „Achtsamkeit“ subsumiert, kannste dir nicht ausdenken, das. Am Ende der Woche steht dann da, dass man 1 Minute geatmet hat und ich denke so bei mir, da hätte ich jetzt mehr geschätzt, aber die Technik irrt sich bestimmt nicht. Man merkt schon, dass Apple in Kalifornien sitzt, ne? Jedenfalls muss ich an diesen legendären Tweet von Frau @Rabensalat denken und kann dann vor lauter Lachen nicht atmen und ob das nun so der Sinn der Sache ist? Ich weiß es doch auch nicht.

Grenzerfahrungen

Hm, auf der Suche nach dem Tweet sehe ich gerade, dass sie mich neuerdings blockt, k.A. warum, mit irgend etwas trete ich ja immer irgend welchen Leuten auf die Zehen, aber wurstegal, der Tweet ist herrlich. 😀

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Lieblinks:

Nora Ephrons Story über ihr Appartement in New York macht Laune, mal wieder ihr Meisterwerk Harry & Sally zu gucken.

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“In July, the airline [British Airways] sold an art collection that was gathering dust in empty first-class lounges for a sorely needed £2.2 million.”

With nobody to impress, companies are silently selling their art collections.