Halblang

3604 Aufrufe

Ich denke, ich muss hier nicht erläutern, warum ein Verzicht auf den Einkauf am Großen Fluss nottut, so gesamgesellschaftlich und global betrachtet. Setzen wir das einfach mal als Allgemeinbildung voraus.

Ich habe neulich geschätzt, wieviel Geld ich 2018 bei Amazon gelassen habe. Ich habe mich schwer verschätzt. Es war fast doppelt so viel, wie gedacht, ein niedriger, aber deutlich vierstelliger Betrag. Ich bin dann jede einzelne Bestellung aus 2018 durchgegangen und habe mich gefragt, ob ich das Gekaufte a) vor Ort in Hamburg oder b) woanders im Netz c) billiger und d) schneller bekommen hätte. Bei 50% der Dinge konnte ich entweder a) oder b) bejahen, c) kann ich rückblickend nicht ohne größere Recherche bejahen, ich würde das mal verneinen, und d) kann ich mit einem dicken Jein beantworten.

Amazon liefert sehr schnell, auch ohne Prime Abo, das ich nicht habe. Aber DHL liefert hier sehr oft gar nicht oder aber direkt in die Filiale, zu der ich auch oftmals umsonst stiefele, da die Sendung zwar in der App bzw. im Tracking als „liegt in der Filiale zum Abholen bereit“ markiert ist, aber dann vor Ort nicht auffindbar ist, weil der Fahrer wohl erst einmal fröhlich gescannt und dann erst seinen LKW beladen hat, was bedeutet, die Sendung kommt am nächsten oder übernächsten Tag erst mit. Das wiederum betrifft natürlich erst Recht alle Sendungen von anderen Händlern, die nicht so viel Druck auf DHL ausüben wie Amazon. Beim Kauf vor Ort muss ich natürlich die Zeit einkalkulieren, die ich für die Recherche und Fahrt zum Geschäft aufwenden muss. Und die Kosten für Bus oder Bahn dorthin liegen in der Regel auch bei denen für eine Tageskarte zum Preis von EUR 6,30. Das ist dann letzten Endes genauso teuer wie das Paketporto.

Die anderen 50% sind die Dinge, die ich nirgendwo schneller, billiger oder zum selben Preis oder gar überhaupt bekomme. Künstlerfarben und -papiere einer bestimmten Marke oder in einem bestimmten Format oder Gebinde. Japanische Zeichenfedern, Pinsel, Stifte und Tuschen. Antiquarische, fremdsprachige Bücher. Sowas halt. Oder Dinge, die Amazon anstandslos zurücknimmt, anders als manch anderer Onlinehändler. Dinge, bei denen ich mir sicher sein kann, dass kein Ziegelstein im Paket liegt, in dem ein Grafiktablett liegen sollte.

Natürlich möchte ich am liebsten alles vor Ort kaufen. Bei den meisten Büchern z.B. geht das wunderbar, die unterliegen hierzulande der Preisbindung und sind in aller Regel am nächsten Tag in meiner Buchhandlung abholbereit. Andererseits kann sich mein Buchhändler nicht leisten, Bücher zur Ansicht zu bestellen. Wenn das Buch nicht meinen Erwartungen entspricht, muss ich es trotzdem kaufen. Wenn ich fremdsprachige Bücher kaufen will, dauert die Bestellung dort länger und er nimmt einen fetten Preisaufschlag, da diese Bücher nicht der Preisbindung unterliegen. Das zu finanzieren ist ein Luxus, den ich mir wiederum nicht leisten kann. (Ketten wie Thalia, Hugendubel, Weltbild etc. sind für mich, genau wie Saturn oder der MediaMarkt keine Alternative zu Amazon sondern nur dasselbe in grün. Dort zu kaufen ist nicht gleichbedeutend mit der Unterstützung des örtlichen Einzelhandels sondern mit der Fütterung eines anderen Raubtiers.)

Ich kann mich immerhin damit trösten, fast nur beruflich veranlasste Dinge im Netz und besonders bei Amazon gekauft zu haben. Druckerpatronen, Papiere, Malmaterial und Zeichenutensilien, Fachbücher etc. und keine Bekleidung, Küchenutensilien, Fernseher, Lebens- und Haushaltsmittel etc. (mit Ausnahme von den Tageslichtlampen für meine Schreibtischlampen, die ich nicht bei Budni bekomme). Auch habe ich, wie gesagt, kein Prime-Abo. Den kostenlosen Versand habe ich fast immer durch den recht niedrigen Schwellwert des Bestellwerts genossen, oder aber die Bestellungen kamen von Drittanbietern, deren Portokosten eh nicht von Prime abgedeckt sind. Und da mein Motto bekanntlich „Bingecreating statt Bingewatching“ lautet (und hier noch einige hundert DVDs im Schrank stehen) macht mich deren Film- und Serienangebot null an. Allerdings habe ich seit diesem Frühjahr ein Audible Abo für Hörbücher (Audible gehört zu Amazon) und auch, wenn ich es ein paar Monate pausieren ließ, weil ich nicht so schnell hinterherkam mit dem Hören, ist das ein gutes Angebot, das ich ohne Reue genieße und inzwischen nicht mehr missen möchte.

Mein Ziel ist es, 2019 meinen Konsum bei Amazon um 50% zu reduzieren und statt dessen vor Ort oder wenigstens woanders im Netz einzukaufen. Wenn ich mir meine Bestellhistorie anschaue, ist das ein erreichbares Ziel. Es wird Jeff Bezos nicht interessieren, er wird es weder merken, noch wird es ihm weh tun. Ich fühle mich nur etwas besser dabei und habe etwas mehr Zeitaufwand, das ist alles. Einfach mal machen. Wie oder ob es geklappt hat, erzähle ich Euch dann nächstes Jahr um dieselbe Zeit hier im Blog.