Hinter Glas

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Tag 93 von 366 – Der Backup via TimeMachine hat natürlich wie üblich nicht funktioniert, also warten wir nun aufs Christkind auf das Werkzeug von iFixit und das externe Gehäuse für die SSD, die ich dann hoffentlich erfolgreich aus dem toten Macbook operieren und an das neue anflanschen kann. Montag oder Dienstag sollte es soweit sein, denke ich. #seufz

Ansonsten hab’ ich Lebensmittel eingekauft für Mama Bär und von ihr ein paar unbenutzte OP-Masken von ca. 1982 in die Hand gedrückt bekommen. In den 80ern hat sie sehr viel und teilweise sehr großformatige Hinterglasmalerei in Öl gemalt und auch erfolgreich in ganz Deutschland ausgestellt, und da sie die Dämpfe der Ölfarben nicht einatmen wollte, die damals noch nicht so umweltfreundlich waren wie Ölfarben heutzutage, hat sie sich mit diesen Masken geschützt, wenn sie den Hintergrund gemalt hat.

Kleiner Exkurs: Hinterglasmalerei ist eine der faszinierendsten und absurdesten Techniken, in denen man überhaupt malen kann: Man malt inhaltlich quasi rückwärts und das Bild steht spiegelverkehrt und auf dem Kopf, die Details im Vordergrund werden zuerst gemalt, bis man schließlich den Hintergrund malt und alles bedeckt, was man vorher gemalt hat – zu sehen ist das Bild nur von der anderen Seite der Glasscheibe und ob es was geworden ist, sieht man erst ganz am Schluss, oft erst nach Monaten. Beim Auftrag dieser Hintergrundschichten kam dann der Auftritt der OP-Masken. Ich glaube zwar nicht, dass die sonderlich viel Schutz gegen die Dämpfe der Farben und Lösungsmittel und Pinselreiniger gebracht haben, aber vielleicht ein bisschen was.

Zwischen den -zig Schichten liegen übrigens jedes Mal mehrere Wochen oder gar Monate Zeit, in der sie trocknen müssen, bevor man die nächste Schicht aufträgt. Manche Farben trocknen schneller als andere. Ist man zu ungeduldig, löst man unter Umständen die vorherigen Schichten wieder an und auf, was beispielsweise dazu führen kann, dass eine abgebildete Person im Vordergrund plötzlich kein Gesicht mehr hat. Am Ende jedoch haben die Farben eine unglaubliche Leuchtkraft und die Motive eine beachtliche „Tiefe“. Und ich hätte hier auch schon längst mal ein paar ihrer Bilder vorgestellt, wenn sie nicht so verdammt schwierig zu fotografieren wären … das Glas spiegelt natürlich extrem und da ein Großteil ihrer Bilder auch dunkle Grün- und Blautöne hat, ist man gleich doppelt und dreifach gehandicapt. Man will ja weder die Beleuchtungsquellen noch die Kamera oder Fotografin im Glas sehen. Aber ich gehe das Problem demnächst mal an, mit schwarzem Moltonvorhang und einem Filter vorm Objektiv. Wäre ja gelacht!