Licht

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Tag 174 von 366 – Friseurtermin beim cut & go Friseur. Dauer: 20 Minuten, zwei Leute im Laden, Masken, kein Selberföhnen (mach’ ich eh nie). Meine Friseuse freut sich, mich nach rund fünf Monaten mal wiederzusehen, obwohl ich auch ohne Corona nur zwei- bis dreimal im Jahr komme. Ich möchte es kurz, aber nicht zu kurz, sie ist jedoch etwas übermotiviert wie es aussieht … jedenfalls könnte ich so auch morgen zum Militär. Naja, in vier bis sechs Wochen sieht’s gut aus und außerdem hab’ ich ja auch meinen Hut.

Das Wetter ist traumhaft, ein kleiner Elbspaziergang anschließend ist wie Urlaub. Der Sommer ist nicht meine Jahreszeit, bzw. nicht Früh- und Hochsommer, mehr so der Altweibersommer um meinen Geburtstag herum. Aber die Sonne tut gut. Licht hilft. Licht und Wasser sind alles.

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Der Webrocker hat eine Schreiblockade. (Nein, kein Tippfehler.) Und ja, es ist auch das, was ich mit „unbeweglich wie ein Tanker“ meine, wenn auch nicht nur das.
Es passiert so viel und es sieht alles so düster aus, dass es mich viel Kraft kostet, hier täglich relative Belanglosigkeiten aufzuzeichnen. Hinzukommt, dass dies hier natürlich auch schon eine ganze Weile lang nicht mehr nur ein privates Blog ist, die Schere „was darf ich sagen, was will ich sagen“ ist immer im Kopf und auf auf viele Einträge verzichte ich, aus ganz unterschiedlichen Gründen. In letzter Zeit, etwas seit einem Jahr, verzichte ich sogar auf sehr viele Einträge. Ich verkneife mir Einträge zu vielen privaten und noch mehr zu kontroversen Themen, weil meine Meinungen dazu oft nicht den Erwartungen vieler meiner LeserInnen entsprechen würde. Ich hätte weder Zeit noch Energie für die garantiert folgenden Shitstorms. Es macht mich traurig, dass ich nicht mal in meinem eigenen Blog aufschreiben darf, was mich bewegt oder mir durch den Kopf geht. Ja, das klingt nach „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Gemaule und ein Stück weit ist es das auch. Andererseits weiß ich auch, es würde ohnehin genau gar nichts ändern, das alles hier reinzuschreiben. Außer eben, dass ich mich für ein paar Minuten ausgekotzt hätte und anschließend halt endlose, sinnlose Debatten mit den GegnerInnen führen würde, oder meine Blockliste dramatisch erweitern. Denn natürlich habe ich null Einfluss auf das Weltgeschehen, nur auf meinen eigenen Umgang damit. Letzten Endes führt mir jeder Tag auf Twitter, jeder tägliche Blogeintrag nur meine eigene Hilflosigkeit vor. Und ich weiß nicht, wie lange ich das noch ertragen kann. Ich muss loslassen. Momentan stehe ich auf dem 10-Meter-Brett und kann da unten nicht einmal das Wasser erkennen.

Ein anderer Punkt ist, dass meine verfügbare Zeit halt auch nur begrenzt ist. Ich will nicht direkt sagen, dass mich das Bloggen anödet, aber ich würde einfach gern mehr andere Formate ausprobieren. Dieses Spielerische fehlt mir hier, Bloggen ist Routine, es gibt kaum Überraschungen. Been there, done that, got the T-Shirt to prove it. Mein Interesse gilt auf dem Gebiet „Veröffentlichungen im Internet“ aktuell mehr der Videofilmerei, da experimentiere ich, lerne ich, habe ich unglaublich viel Freude dran, die ich hier zuletzt etwa 2005 hatte. Es ist allerdings unglaublich viel aufwendiger, ein Video zu planen, schreiben, filmen, schneiden, veröffentlichen und vermarkten als einen Blogeintrag, den ich vielleicht nicht gerade auf Autopilot runterhacke, aber bei dem ich keine echten Herausforderungen in der Produktion mehr sehe. Routine ist jedoch der Erzfeind der Kreativität. Ich habe so viele Ideen für so viele Projekte, für Comics, für Filme, für Musik, für Bücher … das hier, dieses sinnfreie Bloggen von Belanglosigkeiten, das geht alles von meiner Zeit ab, hängt mir wie ein Mühlstein um den Hals, hindert mich daran, Neues auszuprobieren.