Mit Abstand lieber allein

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Tag 132 von 366 – Das strahlende Wetter scheint eine Pause einzulegen, dagegen hab’ ich grundsätzlich auch nichts, aber hätte das nicht zum Wochenende schon regnen können? Dann wären vielleicht noch ein paar Menschen mehr zuhause geblieben, statt wie die Bekloppten rauszugehen und sich in Massen an Alster, Elbe und in den Parks zu drängen. *seufz* Mein Urlaub am Meer schien doch wieder in greifbare Nähe gerückt … ich klammere mich daran, obwohl ich weiß, dass es unwahrscheinlich ist und bleibt, dass er stattfindet. Einerseits ist mir auch bewusst, dass dieses „24/7 Zuhause bleiben“ nicht ewig andauern kann, soll und darf. Irgendwann muss zumindest wieder ein Draußen möglich sein, aber andererseits ist jeder da draußen ein potentieller Killer und ich kriege zuviel bei dem Gedanken mit anderen Menschen in einem Zug, auf einem Schiff, in einem Hotel, an einem Strand. Ich muss da schleunigst an mir arbeiten, sonst werde ich noch wunderlicher und ungeselliger, als ich es ohnehin schon bin. Ich bin zu jung für die Rolle der schrulligen Alten. This won’t do. *zähneknirsch*

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Tweet des Tages:

Als jemand, die bekanntlich seit Jahren einen etwa sechs Meter langen Arbeitsweg hat, kann ich dazu nur sagen: Ich hätte gern einen längeren Arbeitsweg, ich hätte absolut nichts gegen eine halbe Stunde Fußweg zu einem Atelier in der Nähe. Der Weg zur Arbeit gäbe mir Gelegenheit, mich besser vorzubereiten und abends besser runterzukommen, eine gewisse räumliche Distanz zur Arbeitsstätte ist meiner Ansicht nach unerlässlich, um auch eine geistige Distanz zur Arbeit zu schaffen. Denn sonst bin ich zumindest so gestrickt, dass ich „nur kurz noch schnell …“ schon früh beim ersten Zähneputzen oder abends vorm Zubettgehen meine Mails checke, oder eben open end arbeite, weil’s halt nur ein paar Meter ins Bett sind. Ich kann schlecht abschalten. Das ist nicht gesund und an 9 von 10 Tagen tu’ ich das auch nicht, soweit habe ich mich inzwischen im Griff. Aber es war ein langer, hart freigekämpfter Weg dorthin für einen Workoholic und Control Freak wie mich.
Ich könnte mir ein Atelier nehmen, aber es wäre grundsätzlich technisch nicht erforderlich und finanziell einfach völlig unvernünftig; wenn man überhaupt geeignete Räumlichkeiten im Stadtteil oder den Nachbarstadtteilen findet, sind sie nicht zu bezahlen. Künstlerateliers gibt es in Hamburg höchstens für Ateliergemeinschaften, und wer will denn bitte sowas? Wenn ich andere Leute um mich herum haben möchte, fahre ich eine Runde mit der Bahn oder setze mich ins Café, aber ich will sowas doch bitte nicht bei der Arbeit!

(Ihr lacht, aber es stimmt. Ich bin wirklich unleidlich, wenn man mich bei der Arbeit stört. Ich habe einen gewissen perfektionistischen Anspruch an meine Arbeit, egal, welche es gerade ist. Und lange Jahre im Angestelltendasein haben mich eines gelehrt: Es gibt kein ungestörtes Arbeiten, wenn man sich mit anderen Menschen ein Büro teilen muss.)

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Lieblinks:

Gordon Ramsey ist bekannt als cholerischer, arroganter, englischer Küchenchef. Ich finde ihn relativ unsympathisch, so wirklich ansprechende Gerichte habe ich ihn noch nicht kochen gesehen und auch hier lässt er mich eher ratlos zurück, was die Zusammenstellung der Zutaten für seine „Spaghetti Carbonara“ angeht. Ich benutze hier Anführungszeichen, denn natürlich hat das, was er hier macht, mit Carbonara absolut null zu tun. Frühstücksspeck statt Guiancale, Parmesan statt Pecorino, außerdem Erbsen, Crème Fraîche, Pilze und Chili, WTF, Gordon? Egal, denn das hier ist nicht Englands Michelinstarkoch sondern Gordon am Tag 40 des Lockdowns, zuhause, mit seiner Familie, für YouTube eine 10-Minuten-Challenge filmend. Hinter der Handykamera eine seiner Töchter, die beiden kabbeln sich, aber es ist – wenn man seine sonstigen cholerischen Auftritte kennt, absolut charmant, wie er hier ganz den Papi gibt. Sehenswert.

 

Da hat jemand eine Fluchmaschine gebaut. (Nein, kein Rechtschreibfehler.) Tolles Ding!

 

Das zuletzt 2016 aktualisierte Google Sightseeing Blog ist nicht von Google sondern von jemandem, der oder die Google Maps bzw. Google Earth zum Reisen benutzt. Why bother seeing the world for real? Heißt es lakonisch in der Unterzeile. Damit ist es natürlich brandaktuell. Ein Trip durchs Archiv lohnt sich, ob durch die chinesische Wüste, Geisterstädte in Chile, Airmail-Pfeile des U.S. Postsystems, Luftschiff-/Zeppelinhangars in aller Welt oder Potemkin’schen Dörfern a.k.a. Fake Gebäuden, zu verschiedenen Zwecken angelegt – hier kann man wunderbar Zeit vertändeln.

 

Zum Abschluss für heute einen oldie, but goodie: Der Rückzugsraum im Internet, das soziale Netzwerk für alle, die einfach nur hier sitzen wollen. Ein Klassiker aus den Anfangstagen des Web Zwonull.